Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Fieber bei Säuglingen und Kindern

Von

Deborah M. Consolini

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Die normale Körpertemperatur variiert von Person zu Person und den ganzen Tag über. Die normale Körpertemperatur ist bei Kindern im Vorschulalter am höchsten. Mehrere Studien haben belegt, dass die Höchsttemperatur dazu neigt, am Nachmittag vorzuliegen und bei etwa 18 bis 24 Monate alten Kindern, wenn viele normale gesunde Kinder eine Temperatur von 38° C (101° F) haben, am höchsten ist. Fieber wird jedoch in der Regel als eine Körperkerntemperatur (rektal) von 38,0° C (100,4° F) definiert

Die Relevanz des Fiebers hängt von der klinischen Gesamtsituation ab, weniger als von der Höhe des Fiebers. Manche leichte Krankheiten verursachen hohes Fieber, manche schweren dagegen nur geringe Temperaturerhöhungen. Auch wenn die elterliche Einschätzung häufig von der Angst vor Fieber getrübt ist, sollte die zuhause gemessene Temperatur genauso beurteilt werden wie eine Temperatur, die in der Praxis gemessen wird.

Pathophysiologie

Fiebertritt in Reaktion auf die Freisetzung von endogenen pyogenen Mediatoren auf: den Zytokinen. Zytokine stimulieren die Produktion von Prostaglandinen durch den Hypothalamus. Die Prostaglandine verändern und erhöhen den Temperatur-Sollwert.

Fieber ist von integraler Bedeutung für die Bekämpfung von Infektionen, und obwohl es unangenehm sein kann, erfordert es keine Behandlung bei einem ansonsten gesunden Kind. Einige Studien zeigen sogar, dass fiebersenkende Mittel den Verlauf einiger Krankheiten verlängern. Allerdings erhöht Fieber die Stoffwechselrate und die Anforderungen an das kardiopulmonalen Systems. Daher kann Fieber schädlich für Kinder mit Lungen-oder Herzbeschwerden oder neurologischen Ausfällen sein. Es kann auch der Katalysator für Fieberkrämpfe sein, eine in der Regel gutartige Erkrankung im Kindesalter.

Ätiologie

Die Ursachen von Fieber (siehe Tabelle: Einige häufige Ursachen von Fieber bei Kindern) unterscheiden sich in Abhängigkeit davon, ob das Fieber akut ( 14 Tage), akut rezidivierend oder periodisch (episodisches Fieber, das durch afebrile Punkte getrennt ist) oder chronisch (> 14 Tage) ist, was üblicherweise als Fieber unbekannter Ursache(FUO) bezeichnet wird. Reaktionen auf Antipyretika und die Höhe der Temperatur stehen in keinem direkten Zusammenhang mit der Ätiologie oder der Schwere der Krankheit.

Akut

Meistens wird akutes Fieber bei Säuglingen und kleinen Kindern durch eine Infektion verursacht. Die häufigsten Infektionen sind

  • Virale Infektionen des Gastrointestinaltrakts oder der Atemwege (häufigste Ursache)

  • Bestimmte bakterielle Infektionen wie Otitis media, Pneumonie, Harnwegsinfektionen

Allerdings variieren die möglichen infektiösen Ursachen akuten Fiebers mit dem Alter des Kindes. Neugeborene (Säuglinge < 28 Tage) werden als funktionell immunsupprimiert angesehen, weil sie oft nicht dazu in der Lage sind, eine Infektion lokal einzudämmen, und deswegen einem höheren Risiko für schwere invasive bakterielle Infektionen ausgesetzt sind, die am häufigsten von während der Perinatalperiode erworbenen Organismen verursacht werden. Die häufigsten perinatalen Erreger bei Neugeborenen sind Streptokokken der Gruppe B, Escherichia coli (und andere gramnegative enterische Organismen), Listeria monocytogenes, und Herpes-simplex-Virus. Diese Organismen können Bakteriämie, Pneumonie, Pyelonephritis, Meningitis und/oder Sepsis verursachen.

Die meisten febrilen Kinder im Alter von 1 bis 2 Jahren ohne einen bei Überprüfung offensichtlichen Infektionsherd (Fieber ohne Quelle [FWS]) haben eine selbstlimitierende Viruserkrankung. Eine kleine Anzahl solcher Patienten jedoch (eventuell < 1% in der Zeit nach dem Konjugatimpfstoff) befinden sich im frühen Verlauf einer schweren Infektion (z. B. bakterielle Meningitis). Deswegen ist eine zentrale Sorge bei Patienten mit FWS, ob eine okkulte Bakteriämie (pathogene Bakterien in der Blutbahn ohne fokale Symptome oder Anzeichen bei Untersuchung) vorliegt. Die häufigsten Erreger okkulter Bakteriämie sind Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae. Die weit verbreitete Verwendung von Impfungen gegen diese beiden Organismen hat die okkulte Bakteriämie viel seltener gemacht.

Zu den nichtinfektiösen Ursachen für akutes Fieber gehören Kawasaki-Krankheit, Hitzschlag und Ingestion von toxischen Substanzen wie z. B. anticholinerge Medikamente. Einige Impfungen können Fieber entweder in den ersten 24 bis 48 Stunden, nachdem der Impfstoff verabreicht wird (z. B. bei Pertussis-Impfung) oder 1 bis 2 Wochen, nachdem der Impfstoff verabreicht wird (z. B. bei Masern-Impfung), verursachen. Dieses Fieber hält typischerweise wenige Stunden bis zu einem Tag an. Wenn das Kind ansonsten einen guten Eindruck macht, ist keine weitere Abklärung erforderlich. Zahnen verursacht kein signifikantes oder verlängertes Fieber.

Akut rezidivierend/periodisch

Akut rezidivierendes oder periodisches Fieber sind Fieberepisoden, die sich mit Perioden von Normaltemperatur abwechseln (siehe Tabelle: Einige häufige Ursachen von Fieber bei Kindern).

Chronisch

Fieber, das für ≥ 2 Wochen täglich auftritt und für das anfängliche Kulturen und andere Untersuchungen keine Diagnose liefern, gilt als Fieber unbekannter Ursache (FUO).

Zu den potenziellen Ursachenkategorien (siehe Tabelle: Einige häufige Ursachen von Fieber bei Kindern) gehören lokalisierte oder generalisierte Infektion, Erkrankung des Bindegewebes und Krebs. Sonstige spezifische Ursachen umfassen entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes insipidus mit Dehydrierung und gestörte Thermoregulation. Pseudo-FUO ist wahrscheinlich viel häufiger als tatsächliches FUO, weil häufige, kleinere virale Erkrankungen überinterpretiert werden können. Trotz der zahlreichen möglichen Ursachen gilt FUO bei Kindern eher als eine seltene Manifestation einer häufigen Erkrankung als einer seltenen Erkrankung; Atemwegsinfektionen sind für fast die Hälfte der Fälle von mit Infektionen assoziiertem FUO verantwortlich.

Tabelle
icon

Einige häufige Ursachen von Fieber bei Kindern

Typ

Beispiele

Akuttherapie

virale Infektionen

< 1=""> TORCH-Infektionen (Toxoplasmose, Syphilis, Varizellen, Coxsackievirus, HIV, Parvovirus B19), Röteln, Cytomegalovirus (CMV), Herpes simplex-Virus (HSV)

Bakterielle Infektionen (die häufigsten Erreger variieren mit dem Alter)

< 1="">Streptokokken der Gruppe B, Escherichia coliund andere enterische Pathogene, Listeria monocytogenes (diese Organismen können Bakteriämie, Pneumonie, Pyelonephritis, Meningitis und/oder Sepsis verursachen; auch Salmonella sp und Staphylococcus aureus [z. B. bei Ausbrüchen in Kindergärten], die zusätzlich zu Bakteriämie und Sepsis, Infektionen des Weichgewebes, der Knochen und der Gelenke verursachen können)

1–3 Monate:Streptococcus pneumoniae, Streptokokken der Gruppe B, Neisseria meningitidis, L. monocytogenes (diese Organismen können Bakteriämie, Pneumonie, Meningitis und/oder Sepsis verursachen; andere häufige Infektionen umfassen Mittelohrentzündung [S. pneumoniae, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis], UTI [E. coli und andere enterische Pathogene], Enteritis [Salmonella sp, Shigella und andere], Haut- und Weichgewebeinfektionen [S. aureus, Streptokokken der Gruppen A und B], Knochen- und Gelenkinfektionen [S. aureus, Salmonella sp])

3–24 Monate:S. pneumoniae, N. meningitidis (diese Organismen können Bakteriämie, Meningitis und/oder Sepsis verursachen; andere häufige Infektionen umfassen Mittelohrentzündung und Pneumonie [S. pneumoniae, H. influenzae, M. catarrhalis], UTI [E. coli und andere enterische Pathogene], Enteritis [Salmonella sp, Shigella und andere], Haut- und Weichgewebeinfektionen [S. aureus, Streptokokken der Gruppe A], Knochen- und Gelenkinfektionen [S. aureus, Salmonella sp, Kingella kingae])

> 24 Monate:S. pneumoniae, N. meningitidis (diese Organismen können Bakteriämie, Meningitis und/oder Sepsis verursachen; andere häufige Infektionen sind Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung und Pneumonie [S. pneumoniae,H. influenzae,M. catarrhalis, Mykoplasmen], Pharyngitis oder Scharlach [Streptokokken der Gruppe A], UTI [E. coli und andere enterische Pathogene], Enteritis [Salmonella sp, Shigella und andere], Haut- und Weichgewebeinfektionen [S. aureus, Streptokokken der Gruppe A], Knochen- und Gelenkinfektionen [S. aureus,Salmonella sp, K. kingae])

Mycobacterium tuberculosis in ausgesetzten oder Risikopopulationen

Rickettsien-Infektionen in angemessenen geografischen Regionen

Andere Vektor-übertragene Infektion (z. B. Lyme-Krankheit)

Nichtinfektiös

Wärmeregulationsstörungen (z. B. Dysautonomie, Diabetes insipidus, Anhidrose)

Einnahme toxisch wirkender Dosen von Substanzen (z. B. anticholinerge Substanzen)

Arzneimittel

Pilzinfektionen

Neugeborene oder immungeschwächte Wirte:Candida sp am häufigsten (UTI, Meningitis und/oder Sepsis)

Akut rezidivierend

Virale Infektionen

Häufige oder aufeinanderfolgende kleinere Viruserkrankungen bei einem jungen Kind

Periodische Fiebersyndrome

Periodisches Fieber mit Aphthen-Stomatitis, Pharyngitis und Adenitis (PFAPA)-Syndrom

Hyperimmunoglobulinämie-D-Syndrom (HIDS)

Chronisch (Fieber ungeklärter Ursache)

Ansteckend*

Virale Infektionen (z. B. BV, CMV, Hepatitis-Viren, Arboviren)

Darminfektionen (z. B. Salmonella)

Abszesse (intra-abdominal, Leber-, Nieren-)

Knochen- und Gelenkinfektionen (z. B. Osteomyelitis, septische Arthritis).

HIV-Infektion (ungewöhnlich)

Tuberkulose (ungewöhnlich)

Parasitäre Infektionen z. B. Malaria (ungewöhnlich)

Lyme-Borreliose (verursacht in seltenen Fällen chronisches Fieber)

Nichtinfektiös

Erkrankungen des Bindegewebes (z. B. juvenile idiopathische Arthritis, SLE, akutes rheumatisches Fieber)

Krebs (am häufigsten lymphoretikuläre Tumoren wie etwa Lymphome oder Leukämie, aber auch Neuroblastom oder Sarkome)

Medikamentöse Therapie

Wärmeregulationsstörungen (z. B. Dysautonomie, Diabetes insipidus, Anhidrose)

Pseudo-FUO

*Es gibt viele infektiöse Ursachen von chronischem Fieber. Diese Liste ist nicht erschöpfend.

Abklärung

Anamnese

Der Verlauf der aktuellen Krankheit sollte den Grad und die Dauer des Fiebers, die Messverfahren, ggf. die Dosis und die Häufigkeit der Gabe von Antipyretika dokumentieren. Zu den wichtigen Begleitsymptomen, die auf eine schwere Erkrankung hindeuten, gehören Appetitlosigkeit, Reizbarkeit, Lethargie und Veränderung des Schreimusters (z. B. Dauer und Art). Begleitsymptome, die auf die Ursache rückschließen können, sind Erbrechen, Durchfall (einschließlich Blut oder Schleim im Stuhl), Husten, Atembeschwerden, Begünstigung einer Extremität oder eines Gelenks, stark oder übel riechender Urin. Die Einnahme von Medikamenten sollte auf Anhaltspunkte für Arzneimittel-induziertes Fieber überprüft werden.

Faktoren, die eine Infektion begünstigen können, werden identifiziert. Bei Neugeborenen sind diese Faktoren Frühgeburt, verzögerter Blasensprung, mütterliches Fieber und positive pränatale Tests (in der Regel für Gruppe B Streptokokken-Infektionen, Cytomegalie-Infektionen oder sexuell übertragbare Krankheiten). Für alle Kinder gilt, dass prädisponierende Faktoren untersucht werden sollten, insbesondere sollte nach kürzlichen Expositionen gegenüber Infektionen (sowohl innerhalb der Familie als auch bei anderen Betreuungspersonen), inwändig getragenen Medizinprodukten wie Kathetern oder ventrikuloperitoneale Shunts, Operationen, Reise- und Umweltfaktoren (z. B. in endemischen Gebieten, Zecken, Mücken, Katzen, Bauernhoftieren oder Reptilien) sowie bekannten oder vermuteten Immundefekten gefragt werden.

Die Überprüfung der Organsysteme sollte Symptome erfassen, die auf mögliche Ursachen Rückschluss bieten. Dazu gehören: Schnupfen und geschwollene Nasenschleimhäute (virale Infektion der oberen Atemwege), Kopfschmerzen (Sinusitis, Lyme-Borreliose, Meningitis), Ohrenschmerzen oder Aufwachen in der Nacht mit Anzeichen von Unwohlsein (Otitis media), Husten oder Keuchen (Pneumonie, Bronchiolitis), Bauchschmerzen (Pneumonie, Streptokokken-Pharyngitis, Gastroenteritis, Harnwegsinfekt, Abdominalabszess), Rückenschmerzen (Pyelonephritis), Gelenkschwellung oder Rötung (Lyme-Borreliose, Osteomyelitis). Eine Vorgeschichte von wiederholten Infektionen (Immundefizienz) oder Symptome, die eine chronische Krankheit nahelegen wie z. B. schlechte Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust (Tuberkulose, Krebs) wird dokumentiert. Bestimmte Symptome können dabei helfen, den Verdacht auf infektiöse Ursachen zu lenken. Dazu gehören u. a. Herzklopfen, Schwitzen und Hitze-Intoleranz (Hyperthyreose), wiederkehrende oder zyklische Symptome (rheumatoide oder entzündliche Krankheit oder Erbkrankheit).

In der Anamnese der Vorgeschichte sollten vorherige Episoden mit Fieber oder Infektionen notiert werden, ebenso wie bekannte Prädispositionen für Infektionen wie z. B. angeborene Herzfehler, Sichelzellenanämie, Krebs oder Immunschwäche. Auch nach einer Familiengeschichte mit einer Autoimmunerkrankung oder anderen erblichen Bedingungen (z. B. familiäre Dysautonomie, familiäres Mittelmeerfieber) muss gefragt werden. Bisherige Impfungen werden überprüft, um Patienten zu identifizieren, die an einer Krankheit leiden, die durch eine Impfung hätte vermieden werden können.

Körperliche Untersuchung

Die Vitalfunktionen werden unter besonderer Aufmerksamkeit für Anomalien in Temperatur und Atemfrequenz überprüft. Bei Kindern, die augenscheinlich in schlechtem Zustand sind, sollte auch der Blutdruck gemessen werden. Die Temperatur sollte bei Säuglingen rektal gemessen werden, um einen höheren Grad an Genauigkeit zu erreichen. Jedes Kind mit Husten, Tachypnoe oder erschwerter Atmung erfordert eine Pulsoximetrie.

Das allgemeine Erscheinungsbild und die Reaktionen des Kindes auf die Untersuchung sind von Bedeutung. Ein fieberndes Kind, das auffallend gefügig oder willenlos erscheint, gibt größeren Anlass zur Sorge als eines, dass unkooperativ ist. Aber auch ein Säugling oder ein Kind, das reizbar und untröstlich ist, kann Anlass zur Sorge geben. Ein fieberndes Kind, das ziemlich krank wirkt, v. a. auch dann, wenn sich die Temperatur gesenkt hat, sollte Anlass zu großer Sorge und einer umfassenden Abklärung und anhaltender Beobachtung sein. Andererseits haben Kinder, die nach einer fiebersenkenden Behandlung wohler zu sein scheinen, nicht notwendigerweise eine gutartige Erkrankung.

Der Rest der physischen Untersuchung sollte nach den zugrunde liegenden Erkrankungen forschen (siehe Tabelle: Untersuchung des febrilen Kindes).

Tabelle
icon

Untersuchung des febrilen Kindes

Bereich

Befund

Mögliche Ursache

Haut

Nicht-bleichender Hautausschlag (d. h. Petechien oder Purpura)

Vielzahl von Infektionen, einschließlich Enterovirus, Meningokokkämie und Rocky-Mountain-Fleckfieber

Vesikuläre Läsionen

Spitzenartiger makulopapulöser Ausschlag auf Rumpf und Extremitäten mit geröteten Wangen

Lokales Exanthem mit Schwellung, Induration und Druckdolenz

Verschwindender erythematöser, morbilliformer Ausschlag am Rumpf und an den proximalen Extremitäten

Erythema migrans, einfache oder multiple Läsionen

Erythematöser, Sandpapier-ähnlicher Hautausschlag

Scharlach (Gruppe A Streptokokken-Infektion)

Erythrodermie

Toxisches Schocksyndrom, durch Toxine übertragene Erkrankungen

Fontanelle (Säuglinge)

Ausbeulung

Ohren

Rote, pralle Mittelohrmembran, Verwirrtheit und Mobilitätsverlust

Nase

Schwellung der Nasenschleimhäute, Ausfluss

Flattern der Nasenflügel bei Einatmung

Infektion der unteren Atemwege

Rachen

Rötung

Manchmal Exsudat oder Schwellung

Manchmal Sabbern

Pharyngitis (Infektion der oberen Atemwege oder Streptokokken-Infektion)

Hals

Fokale Adenopathie mit darüberliegender Rötung, Wärme und Druckdolenz; möglicher Schiefhals

Lymphadenitis, die sekundär zur Infektion mit Staphylococcus aureus oder Streptokokken der Gruppe A ist

Fokale Adenopathie mit eingeschränkter oder ohne Rötung, Wärme oder Druckdolenz

Generalisierte, zervikale Adenopathie

Virale Infektion (insbesondere Epstein-Barr-Virus)

Schmerz oder Widerstand gegen Flexion (Meningismus*)

Meningitis

Lunge

Husten, Tachypnoe, Rasseln, Röcheln, verminderte Atemgeräusche, Keuchen

Infektion der unteren Atemwege (z. B. Lungenentzündung, Bronchiolitis, chronische Fremdkörperaspiration)

Herz

Neues Murmeln, insbesondere Mitral- oder Aorten-Reflux

Abdomen

Empfindlichkeit, Aufgetriebenheit

Keine Darmgeräusche

Raumforderung

Tumor

Hepatomegalie

Splenomegalie

Bei Neugeborenen, Infektion mit Epstein-Barr-Virus, TORCH-Infektionen (Toxoplasmose, Syphilis, Varizella, Coxsackievirus, HIV, Parvovirus B19)

Leukämie, Lymphom

Urogenital

Costovertebrale Druckdolenz (weniger zuverlässig bei jüngeren Kindern)

Pyelonephritis

Druckdolenz der Hoden

Extremitäten

Gelenkschwellungen, Rötung, Wärme, Druckdolenz, eingeschränkter Bewegungsspielraum

Septische Arthritis (sehr schlaff)

Lyme-Arthritis

Rheumatoide oder entzündliche Erkrankung

Fokale Druckdolenz der Knochen

Schwellung der Hände oder Füße

* Meningismus ist nicht immer bei Kindern < 2 Jahren mit Meningitis festzustellen.

Warnhinweise

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Alter < 1 Monate

  • Lethargie, Lustlosigkeit oder toxisches Erscheinungsbild

  • Atemnot

  • Petechien oder Purpura

  • Nicht zu beruhigen

Beurteilung der Befunde

Obwohl schwere Krankheiten nicht immer hohes Fieber verursachen und in vielen Fällen hohes Fieber durch virale Infektionen ausgelöst wird die von selber aufhören, kann eine Temperatur von 39° C bei Kindern < 2 Jahren ein höheres Risiko für okkulte Bakteriämien bedeuten.

Andere Vitalzeichen sind auch signifikant. Hypotonie sollte die Besorgnis über Hypovolämie, Sepsis oder Myokarddysfunktion erhöhen. Tachykardie bei Abwesenheit von Hypotonie kann durch Fieber (Zunahme um 10 bis 20 Schläge/Minute pro Grad über Normaltemperatur) oder Hypovolämie verursacht werden. Eine erhöhte Atemfrequenz kann eine Antwort auf Fieber sein, auf einen Lungenursprung der Krankheit hinweisen oder die respiratorische Kompensation für metabolische Azidose sein.

Akutes Fieber ist in den meisten Fällen ansteckend und von diesen sind die meisten viral. Anamnese und körperliche Untersuchung sind im Allgemeinen bei Kindern > 2 Jahren, die vom Fieber abgesehen in gutem Zustand sind und keine Vergiftungserscheinungen haben, für eine Diagnose ausreichend. Typischerweise haben sie eine virale Erkrankung der Atemwege (kürlich Kontakt mit kranken Personen, laufende Nase, Keuchen oder Husten) oder eine gastrointestinale Erkrankung (kürzlich Kontakt mit kranken Personen, Durchfall und Erbrechen). Andere Befunde deuten auch auf andere spezifische Ursachen hin (siehe Tabelle: Untersuchung des febrilen Kindes).

Bei Säuglingen, die < 24 Monate alt sind, besteht jedoch die Möglichkeit einer okkulten Bakteriämie. Darüberhinaus erfordert das häufige Ausbleiben von Fokalbefunden bei Neugeborenen und jungen Säuglingen mit schweren bakteriellen Infektionen einen anderen diagnostischen Ansatz. Die Beurteilung variiert je nach Altersgruppe. Folgende Kategorien haben sich bewährt: Neugeborene ( 28 Tage), Säuglinge (1–3 Monate) sowie Kleinkinder und Kinder (3–24 Monate). Unabhängig von den klinischen Befunden erfordert ein Neugeborenes mit Fieber einen sofortigen Krankenhausaufenthalt und Tests, um gefährliche Infektionen auszuschließen. Bei Säuglingen kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein, je nach den Ergebnissen der Laboruntersuchungen und der Wahrscheinlichkeit, dass sie zur Kontrolle wieder vorbeigebracht werden.

Akut rezidivierendes oder periodisches Fieber und chronisches Fieber erfordern eine hohe Aufmerksamkeit für die vielen möglichen Ursachen. Allerdings können bestimmte Befunde die zugrunde liegende Störung nahelegen. Dazu gehören: Aphthe-Stomatitis, Pharyngitis und Adenitis (PFAPA-Syndrom); intermittierende Kopfschmerzen mit Schnupfen oder verstopften Nebenhöhlen (Sinusitis), Gewichtsverlust, Kontakt mit Erregern, Nachtschweiß (Tuberkulose), Gewichtsverlust oder geringe Gewichtszunahme, Herzklopfen und Schwitzen (Hyperthyreose) und Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Nachtschweiß (Krebs).

Tests

Tests sollten Alter und dem Erscheinungsbild des Kindes abhängig sein und davon, ob das Fieber akut oder chronisch ist.

Bei akutem Fieber,richten sich die Tests auf infektiöse Ursachen nach dem Alter des Kindes. In der Regel benötigen Kinder < 36 Monate eine gründliche Durchsuchung, um schwere bakterielle Infektionen (z. B. Meningitis, Sepsis) auszuschließen, selbst diejenigen, die nicht sehr krank erscheinen, und diejenigen, die eine scheinbare Infektionsquelle haben (z. B. Mittelohrentzündung). In dieser Altersgruppe ist eine frühe Nachfolge (per Telefon und/oder ambulanten Besuch) wichtig für alle, die zu Hause behandelt werden.

Bei allen fiebernden Kindern < 1 Jahren muss ein großes Blutbild mit Differenzierung durchgeführt, Blut- und Urinkulturen abgenommen und der Urin analysiert werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Urin durch Katheterisierung und nicht extern abgenommen wird. Zudem wird der Liquor mit Kultur und angemessener PCR-Testung bewertet (z. B. auf Herpes simplex, Enterovirus), wie es durch Risikofaktoren in der Anamnese indiziert ist. Eine Röntgenaufnahme des Thorax wird bei Patienten mit respiratorischen Manifestationen durchgeführt und Stuhltupfer auf Leukozyten sowie Stuhlkulturen bei Patienten mit Durchfall. Neugeborene werden ins Krankenhaus eingeliefert und erhalten eine empirische i.v. antibiotische Abdeckung der gängigsten neonatalen Krankheitserreger (z. B. mit Ampicillin und Gentamycin oder Ampicillin und Cefotaxim); Antibiotika werden fortgesetzt, bis Blut-, Urin- und Liquorkulturen für 48 bis 72 Stunden negativ sind. Acyclovir sollte auch verabreicht werden, wenn Neugeborene krank aussehen, mukokutane Vesikel haben, eine mütterliche Vorgeschichte der genitalen Herpes-Virus-(HSV)-Infektion haben oder Krampfanfälle haben; Aciclovir wird abgesetzt, wenn die Ergebnisse der Liquor-HSV-PCR-Testung negativ sind.

Fiebrige Kinder zwischen 1 und 3 Monaten werden anhand ihrer Temperatur, ihrem klinischen Erscheinungsbild und ihren Laborergebnissen unterschieden. In der Regel sollte bei allen ein großes Blutbild mit Differenzierung durchgeführt, Blut- und Urinkulturen abgenommen und der Urin analysiert werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Urin durch Katheterisierung und nicht extern abgenommen wird. Eine Röntgenaufnahme des Thorax wird bei Patienten mit respiratorischen Manifestationen durchgeführt und Stuhltupfer auf Leukozyten sowie Stuhlkulturen bei Patienten mit Durchfall. Eine Lumbalpunktion mit Bewertung des Liquor, einschließlich Kultur, wird auch durchgeführt außer bei Säuglingen im Alter von 61 bis 90 Tagen, die gesund aussehen, eine rektale Temperatur von < 38,5° C haben, eine normale Urinanalyse und eine normale Leukozytenzahl (5.000 bis 15.000/μl) haben und die kenntnisreiches Pflegepersonal, zuverlässigen Transport und etablierte Nachfolgeuntersuchungen haben; einige Experten verschieden die Liquor-Testung auch bei ähnlich gesund aussehenden Säuglingen im Alter von 29 bis 60 Tagen, obwohl es keine festen Richtlinien in Bezug auf das Minimum notwendiger Tests in dieser Altersgruppe gibt.

Fiebrige Säuglinge zwischen 1 und 3 Monaten, die krank aussehen, ein abnormes Weinen haben oder eine rektale Temperatur von ≥ 38,5 ° C haben, haben ein hohes Risiko für schwere bakterielle Infektionen (SBI), unabhängig von den anfänglichen Laborergebnissen. Solche Säuglinge sollten ins Krankenhaus eingeliefert werden und eine empirische antibiotische Therapie erhalten, die in der Altersgruppe von 29 bis 60 Tagen mit Ampicillin und Cefotaxim erfolgt oder mit Ceftriaxon in der Altersgruppe von 61 bis 90 Tagen, bis die Ergebnisse der Blut-, Urin- und Liquor-Kulturen vorliegen.

Gesund aussehende Säuglinge zwischen 1 und 3 Monaten mit Liquorpleozytose, einer abnormen Urinanalyse oder abnormen Röntgenaufnahme des Thorax oder einer peripheren Leukozytenzahl ≤ 5000/μl oder ≥ 15.000/μl sollten zur Behandlung mit altersspezifischen empirischen Antibiotika wie oben beschrieben ins Krankenhaus eingewiesen werden. Wenn empirische Antibiotika gegeben werden müssen, sollte eine Liquoranalyse durchgeführt werden (falls noch nicht geschehen).

Gesund aussehende, fiebrige Säuglinge zwischen 1 und 3 Monaten mit einer rektalen Temperatur von < 38,5° C und einer normalen Leukozytenzahl und Urinanalyse (und Liquoranalyse und Röntgenthorax, falls durchgeführt) haben ein geringes Risiko für SBI. Solche Säuglinge können ambulant behandelt werden, wenn eine verlässliche Nachfolge innerhalb von 24 Stunden telefonisch oder durch Gegenbesuch, wenn die Vorkulturergebnisse überprüft worden sind, erfolgt. Wenn die soziale Situation der Familie nahe legt, dass die Nachfolge innerhalb von 24 Stunden problematisch sein könnte, sollten die Säuglinge ins Krankenhaus eingeliefert und beobachtet werden. Wenn Säuglinge nach Hause geschickt werden, rechtfertigen eine Verschlechterung des klinischen Zustands oder Verschlimmerung des Fiebers, eine positive Blutkultur, die nicht als Verunreinigung angesehen wird, oder eine positive Urinkultur bei einem Säugling, der fiebrig bleibt, eine sofortige Krankenhauseinweisung mit wiederholten Kulturen und einer altersspezifischen empirischen antibiotischen Therapie wie oben beschrieben.

Fiebrige Kinder im Alter von 3 bis 36 Monaten, die bei der Untersuchung eine offensichtliche Fieberquelle haben und die nicht krank oder toxisch wirken, können auf der Grundlage dieser klinischen Diagnose behandelt werden. Kinder, die krank aussehen, sollten gänzlich auf SBI untersucht werden, mit Leukozytenzahl, Kulturen aus Blut, Urin, und, sofern Meningitis vermutet wird, Liquor. Bei denjenigen mit Tachypnoe oder einer Leukozytenzahl > 20,000/μl sollte eine Röntgenaufnahme des Thorax aufgenommen werden. Diese Kinder sollten eine parenterale Antibiotikatherapie (in der Regel mit Ceftriaxon) erhalten, die auf die wahrscheinlichen Erreger in dieser Altersgruppe (S. pneumoniae, Staphylococcus aureus, Neisseria meningitidis, H. influenzae Typ B) abzielt, und in ein Krankenhaus eingewiesen werden, bis die Kuturergebnisse vorliegen.

Gesund aussehende Kinder in dieser Altersgruppe, die eine Temperatur von > 39° C und bei der Untersuchung keine erkennbare Quelle (Fieber ohne Ursache [FWS]) haben und die nicht vollständig immunisiert sind, haben ein Risiko für okkulte Bakteriämie von bis zu 5% (entspricht dem Risiko, bevor der Pneumokokken- und H. influenzae-Konjugatimpfstoffe in Gebrauch kam). Diese Kinder sollten ein vollständiges Blutbild mit Differential-, Blutkultur- und Urinanalyse sowie Urinkultur haben. Eine Röntgenaufnahme des Thorax wird aufgenommen, wenn die Leukozytenzahl ≥ 20.000/μl ist. Kinder, die eine Leukozytenzahl von ≥ 15.000/μl haben, sollten parenterale Antibiotika erhalten, bis die Ergebnisse der Blut- und Urinkultur vorliegen. Ceftriaxon (50 mg/kg i.m.) wird wegen seines breiten antimikrobiellen Spektrums und seiner verlängerten Wirkdauer bevorzugt. Kinder, die parenterale Antibiotika erhalten, sollten innerhalb von 24 Stunden eine Nachfolgeuntersuchung am Telefon oder per Gegenbesuch haben, wenn die vorläufigen Kulturergebnisse überprüft werden. Wenn die soziale Situation der Familie nahe legt, dass die Nachfolge innerhalb von 24 Stunden problematisch sein könnte, sollten die Säuglinge ins Krankenhaus eingeliefert werden. Kinder, die nicht mit Antibiotika behandelt werden, sollten zur Neubewertung gebracht werden, wenn sie nach 48 Stunden noch Fieber ( 38° C) haben (oder früher, wenn sie kranker werden oder wenn sich neue Symptome oder Zeichen entwickeln).

Für gesund aussehende Kinder, die eine Temperatur > 39° C und FWS haben und die vollständig immunisiert sind, beträgt das Risiko für Bakteriämie < 0,5%. Auf diesem risikoarmen Niveau sind die meisten Labortests und eine empirische Antibiotikatherapie nicht indiziert oder kostengünstig. Allerdings kann UTI eine okkulte Infektionsquelle bei vollständig immunisierten Kindern in dieser Altersgruppe sein. Mädchen < 24 Monaten, beschnittene Jungen < 6 Monaten und unbeschnittene Jungen < 12 Monaten sollten eine Urinanalyse und Urinkultur (durch Katheterisierung erhalten, nicht durch einen externen Beutel) haben und entsprechend behandelt werden, wenn UTI festgestellt wird. Für andere vollständig immunisierte Kinder wird die Urinprüfung nur durchgeführt, wenn sie Anzeichen oder Symptome von UTI haben, eine Vorgeschichte von UTI oder urogenitale Anomalien haben oder ihr Fieber > 48 Stunden gedauert hat. Für alle Kinder werden die Bezugspersonen angewiesen, sofort zurückzukommen, wenn das Fieber höher wird, das Kind kranker aussieht oder sich neue Symptome oder Zeichen entwickeln.

Die Untersuchungen bei fiebernden Kindern > 36 Monate richten sich nach der Anamnese und den Untersuchungsbefunden. In dieser Altersgruppe ist die Reaktion eines Kindes auf schwere Krankheiten ausreichend entwickelt, um klinisch erkannt zu werden (z. B. ist Nackensteifigkeit eine zuverlässiger Befund für Hirnhautreizung), sodass empirische Tests (z. B. Screening der Leukozytenzahlen, Urin- und Blutkulturen) nicht indiziert sind.

Bei akutem rezidivierendem oder periodischem Fieber sollten Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren auf mögliche Ursachen basierend auf Erkenntnissen aus der Anamnese und der körperlichen Untersuchung abzielen. PFAPA sollte bei kleinen Kindern, die periodisches hohes Fieber in Intervallen von etwa 3 bis 5 Wochen mit Aphthen, Pharyngitis und/oder Adenitis haben, in Erwägung gezogen werden. Zwischen den Episoden und auch während der Episoden wirken die Kinder gesund. Die Diagnose erfordert 6 Monate stereotypischer Episoden, negative Rachenabstriche während der Episoden und Ausschluss anderer Ursachen (z. B. bestimmte Virusinfektionen). Bei Patienten mit Fieberanfällen, Gelenkschmerzen, Hautläsionen, Mundgeschwüren und Durchfall sollten IgD-Spiegel gemessen werden, um nach dem Hyperimmunoglobulinämie-D-Syndrom (HIDS) zu suchen. Zu den Labormerkmalen von HIDS gehören erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) und ESR sowie deutlich erhöhtes IgD (und oft IgA). Gentests sind für die erblichen periodischen Fiebersyndrome erhältlich, einschließlich familiäres Mittelmeerfieber (FMF), TNF-Rezeptor-assoziiertes periodisches Syndrom (TRAPS) und HIDS.

Bei chronischem Fieber (FUO) sollten Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren auf die wahrscheinlichen Ursachen des Fiebers basierend auf dem Patientenalter und Erkenntnissen aus der Anamnese und der körperlichen Untersuchung abzielen. Die unüberlegte Anordnung von Labortests ist wahrscheinlich nicht hilfreich und kann schädlich sein (d. h. wegen der nachteiligen Auswirkungen unnötiger Bestätigungstest von falsch-positiven Ergebnissen). Die Geschwindigkeit der Evaluation hängt vom Erscheinungsbild des Kindes ab. Die Geschwindigkeit sollte schnell sein, wenn das Kind krank aussieht, jedoch langsamer, wenn das Kind gesund aussieht.

Alle Kinder mit FUO sollten haben

  • Blutbild mit manueller Differenzierung

  • ESR und CRP

  • Blutkulturen

  • Urinanalyse und Urinkultur

  • Röntgenthorax

  • Serumelektrolyte, Harnstoffstickstoffwerte, Kreatinin, Albumin und hepatische Enzyme

  • HIV-Serologie

  • PPD-Tests

Die Ergebnisse dieser Studien in Verbindung mit Erkenntnissen aus der Anamnese und der körperlichen Untersuchung können weitere diagnostische Tests leiten.

Anämie kann ein Hinweis auf Malaria, infektiöse Endokarditis, entzündliche Darmerkrankungen, SLE oder TB sein. Thrombozytose ist ein unspezifischer Reaktant der akuten Phase. Die vollständige Leukozytenzahl und das Differenzial sind weniger hilfreich, obwohl Kinder mit einer absoluten Neutrophilenzahl von > 10.000 ein höheres Risiko für SBI haben. Wenn atypische Lymphozyten vorliegen, ist eine Virusinfektion wahrscheinlich. Unreife Leukozyten sollten Anlass zur weiteren Evaluation auf Leukämie sein. Eosinophilie kann ein Hinweis auf parasitäre, Pilz-, neoplastische, allergische oder Immundefekte sein.

ESR und CRP sind unspezifische Reaktante der akuten Phase, die allgemeine Indikatoren von Entzündungen sind; erhöhtes BSG oder CRP macht fiktives Fieber unwahrscheinlicher. Normales ESR oder CRP können das Tempo der Evaluation verlangsamen. Allerdings können ESR oder CRP bei nicht-entzündlichen Ursachen der FUO normal sein (siehe Tabelle: Einige Ursachen von FUU).

Blutkulturen sollten bei allen Patienten mit FUO mindestens einmal durchgeführt werden und öfter, wenn der Verdacht auf SBI hoch ist. Drei Blutkulturen sollten über 24 Stunden bei Patienten, die keine Manifestationen der infektiösen Endokarditis haben, durchgeführt werden. Eine positive Blutkultur, insbesondere für S. aureus, sollte den Verdacht auf eine okkulte Skelett- oder viszerale Infektion oder Endokarditis erhöhen und zur Durchführung eines Knochen-Scans und/oder einer Echokardiographie führen.

Urinanalyse und Urinkultur sind wichtig, weil UTI eine der häufigsten Ursachen von FUO bei Kindern ist. Patienten mit FUO sollten zur Überprüfung auf Infiltrate und Lymphadenopathie eine Röntgenaufnahme des Thorax haben, selbst wenn die Lungenuntersuchung normal ist. Serum-Elektrolyte, Harnstoff, Kreatinin und hepatische Enzyme werden gemessen, um auf renale oder hepatische Beteiligung zu prüfen. Serologische HIV-Tests und PPD-Tests werden durchgeführt, weil sich eine primäre HIV-Infektion oder TB als FUO manifestieren kann.

Weitere Tests werden selektiv basierend auf den Befunden durchgeführt:

  • Stuhluntersuchungen

  • Untersuchung des Knochenmarks

  • Serologische Tests für spezifische Infektionen

  • Tests auf Bindegewebs- und Immunstörungserkrankungen

  • Bildgebende Verfahren

Stuhlkulturen oder eine Prüfung auf Eizellen und Parasiten können bei Patienten mit dünnem Stuhl oder kürzlicher Reise gerechtfertigt sein. Salmonella-Enteritis kann sich in seltenen Fällen als FUO ohne Durchfall manifestieren.

Eine Knochenmarksuntersuchung bei Kindern ist besonders nützlich bei der Diagnose von Krebs (insbesondere Leukämie) oder anderen hämatologischen Erkrankungen (z. B. Hämophagozyten-Krankheit) und kann bei Kindern mit ansonsten unerklärter Hepatosplenomegalie, Lymphadenopathie oder Zytopenien gerechtfertigt sein.

Zu den serologischen Tests, die je nach Fall gerechtfertigt sein können, gehören u. a. Epstein-Barr-Virus-Infektion, Cytomegalovirus-Infektion, Toxoplasmose, Bartonellose (Katzenkratzkrankheit), Syphilis und bestimmte Pilz- oder parasitäre Infektionen.

Ein antinuklearer Antikörper-(ANA)-Test sollte bei Kindern > 5 Jahren mit einer starken Familiengeschichte rheumatologischer Erkrankungen durchgeführt werden. Ein positiver ANA-Test deutet auf eine zugrunde liegende Erkrankung des Bindegewebes, insbesondere SLE, hin. Immunglobulinspiegel (IgG, IgA und IgM) sollten bei Kindern mit einer negativen anfänglichen Evaluation gemessen werden. Niedrige Spiegel können auf eine Immunschwäche hindeuten. Erhöhte Spiegel können bei einer chronischen Infektion oder eine Autoimmunerkrankung auftreten.

Bildgebende Verfahren der Nasennebenhöhlen, Mastoide und des GI-Trakts sollten zunächst nur durchgeführt werden, wenn Kinder Symptome oder Anzeichen haben, die auf diese Bereiche bezogen sind, können aber bei Kindern, bei denen FUO nach anfänglichen Tests undiagnostiziert bleibt, gerechtfertigt sein. Bei Kindern mit erhöhtem ESR oder CRP, Anorexie und Gewichtsverlust sollten Studien zum Ausschluss entzündlicher Darmerkrankungen durchgeführt werden, vor allem, wenn sie auch Bauchbeschwerden mit oder ohne Anämie haben. Allerdings sollten bildgebende Verfahren des GI-Trakts schließlich bei Kindern durchgeführt werden, deren Fieber ohne andere Erklärung bestehen bleibt und eventuell durch Erkrankungen wie Psoasabszess oder Katzenkratzkrankheit verursacht wird. Sonographie, CT und MRT können bei der Bewertung des Unterleibs hilfreich sein und können Abszesse, Tumoren und Lymphadenopathie erkennen. Bildgebende Verfahren des ZNS sind im Allgemeinen bei der Beurteilung von Kindern mit FUO nicht hilfreich. Eine Lumbalpunktion kann bei Kindern mit persistenten Kopfschmerzen, neurologischen Zeichen oder einem innewohnendem ventrikuloperitonealem Shunt gerechtfertigt sein. Andere bildgebende Verfahren, einschließlich Knochen-Scan oder markierter Leukozyten-Scan, können bei ausgewählten Kindern, deren Fieber ohne andere Erklärung bestehen bleibt, hilfreich sein, wenn der Verdacht auf eine Quelle, die von diesen Tests nachgewiesen wird, besteht. Eine ophthalmologische Untersuchung durch Spaltlampe ist bei einigen Patienten mit FUO sinnvoll, um nach Uveitis (z. B. wie sie bei juveniler idiopathischer Arthritis [JIA] auftritt) oder leukämischer Infiltration zu suchen. Biopsie (z. B. aus Lymphknoten oder Leber) sollte nur bei Kindern mit Hinweisen auf Beteiligung spezifischer Organe durchgeführt werden.

Die empirische Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten oder Antibiotika sollte nicht als diagnostische Maßnahme verwendet werden, außer wenn JIA vermutet wird; in solchen Fällen ist ein Versuch von NSARs die empfohlene Therapie der ersten Wahl. Eine Antwort auf entzündungshemmende Medikamente oder Antibiotika hilft nicht bei der Unterscheidung infektiöser und nicht-infektiöser Ursachen. Außerdem können Antibiotika falsch-negative Kulturen verursachen und die Diagnose wichtiger Infektionen (z. B. Meningitis, Parameningealinfektionen, Endokarditis, Osteomyelitis) verdecken oder verzögern.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung.

Ein fieberndes, ansonsten aber gesundes Kind bedarf nicht unbedingt einer Behandlung. Obwohl Antipyretika dem Patienten Erleichterung verschaffen, ändern sie nicht den Verlauf einer Infektion. In der Tat ist Fieber ein integraler Bestandteil der Reaktion auf eine Infektion und kann dem Kind bei der Bekämpfung der Krankheit helfen. Allerdings verwenden die meisten Ärzte Antipyretika, um die Beschwerden und physiologischen Belastungen bei Kindern zu lindern, die Herz-Lungen-Erkrankungen, neurologische Störungen oder eine Vorgeschichte von Fieberkrämpfen haben.

Zu den Antipyretika, die üblicherweise angewendet werden, gehören:

  • Acetaminophen

  • Ibuprofen

Acetaminophen wird tendenziell bevorzugt, weil Ibuprofen die schützende Wirkung der Prostaglandine im Magen verringert und bei länger anhaltendem Gebrauch zu Gastritis führen kann. Allerdings haben jüngste epidemiologische Studien einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Acetaminophen und der Verbreitung von Asthma bei Kindern und Erwachsenen gefunden; deswegen schlagen einige Ärzte vor, dass Kinder mit Asthma oder einer starken Familiengeschichte von Asthma Acetaminophen vermeiden sollten. Die Dosis von Acetaminophen liegt bei 10–15 mg/kg p.o. i.v. oder rektal alle 4–6 h. Die Dosierung von Ibuprofen beträgt 10 mg/kg p.o. alle 6 h. Die Verwendung eines Antipyretikums zu einem Zeitpunkt wird empfohlen. Einige Ärzte verwenden jedoch zwei Medikamente alternierend, um hohes Fieber zu senken (z. B. Acetaminophen um 6 Uhr morgens, um 12 Uhr mittags und 6 Uhr abends, und dann 9 Uhr morgens, um 3 Uhr nachmittags und 9 Uhr abends Ibuprofen). Dieser Ansatz wird nicht empfohlen, weil pflegende Angehörige verwirrt werden können und versehentlich mehr als die empfohlene Tagesdosis verabreichen. Aspirin sollte bei Kindern vermieden werden, da es das Risiko von Reye-Syndrom erhöht, wenn bestimmte Viruserkrankungen wie Grippe und Windpocken vorliegen.

Zur nichtmedikamentösen Behandlung von Fieber gehören warme oder lauwarme Bäder, kalte Kompressen und die Entkleidung des Kindes. Pflegende Angehörige sollten daher kein kaltes Wasserbad anwenden, welches nicht nur äußerst unangenehm ist, sondern auch durch das dadurch ausgelöste Zittern die Körpertemperatur paradoxerweise erhöhen kann. Solange die Temperatur des Wassers etwas kühler ist als die Temperatur des Kindes, bietet ein Bad vorübergehende Erleichterung.

Was zu vermeiden ist

Von dem Abwischen des Körpers mit Isopropylalkohol sollte dringend abgeraten werden, da Alkohol durch die Haut absorbiert wird und zu Vergiftung führen kann. Es gibt zahlreiche Hausmittel, von harmlosen (z. B Zwiebeln oder Kartoffeln in die Strümpfe) bis hin zu sehr unangenehmen wie z. B. Prägen und Schröpfen.

Wichtige Punkte

  • Akutes Fieber wird in der Regel von viralen Infektionen verursacht.

  • Ursachen und Beurteilung von akutem Fieber unterscheiden sich je nach Alter des Kindes.

  • Eine geringe, aber reale Anzahl der Kinder < 24 Monaten mit Fieber ohne Lokalisierungszeichen (vor allem diejenigen, die nicht vollständig immunisiert sind) kann pathogene Bakterien in ihrem Blutkreislauf (okkulte Bakteriämie) haben und sich in der Frühphase einer potenziell lebensbedrohlichen Infektion befinden.

  • Zahnen verursacht kein signifikantes Fieber.

  • Antipyretika verändern nicht den Krankheitsverlauf, können dem Kind aber zu mehr Wohlbefinden verhelfen.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Pränatale Herzzirkulation
Video
Pränatale Herzzirkulation
Das Herz und Kreislaufsystem eines Fötus entsteht schon bald nach der Empfängnis. Am Ende...
3D-Modelle
Alle anzeigen
Mukoviszidose: Defekter Chloridtransport
3D-Modell
Mukoviszidose: Defekter Chloridtransport

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN