Listeriose

(Listeria)

VonLarry M. Bush, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University;
Maria T. Vazquez-Pertejo, MD, FACP, Wellington Regional Medical Center
Reviewed ByBrenda L. Tesini, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry
Überprüft/überarbeitet Geändert Sept. 2025
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Eine Listeriose ist eine durch Listeria-Spezies hervorgerufene Infektion, die sich z. B. als Bakteriämie, Meningitis, Enzephalitis, Dermatitis, okuloglanduläres Syndrom, intrauterine und neonatale Infektion oder selten auch als Endokarditis äußert. Die Symptome variieren je nach infiziertem Organsystem. Intrauterine Infektion kann zu fetalen Tod führen. Die Diagnose wird durch den kulturellen Erregernachweis gestellt. Zur Therapie eignen sich Penicillin oder Ampicillin (oft mit Aminoglykosiden) oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol.

(Siehe auch Neonatale Listeriose)

Listeria sind kleine, nichtsäurefeste, nicht eingekapselte, nichtsporenbildende, beta-hämolytische, aerobe und fakultativ anaerobe grampositive Bakterien, die eine charakteristische taumelnde Motilität besitzen. Sie kommen weltweit in der Umwelt und im Darm von Menschen, nichtmenschlichen Säugetieren, Vögeln, Krebstiere vor. Es gibt verschiedene Arten von Listerien (Listeria), aber L. monocytogenes ist der primäre Erreger, der beim Menschen vorkommt.

L. monocytogenes ist eine seltene Ursache für lebensmittelbedingte Erkrankungen, geht jedoch mit einer hohen Sterblichkeitsrate einher. In den Vereinigten Staaten treten jährlich etwa 1600 Fälle von Listeriose auf, und etwa jeder sechste ältere Erwachsene stirbt daran (1). Zwischen 2020 und 2022 wurden weniger Fälle gemeldet (etwa 800 bis 1000), was vermutlich auf eine geringere Diagnostik und damit verbundene Untererfassungen im Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Pandemie zurückzuführen ist (2). Infektionen erreichen in der Regel im Sommer ihren Höhepunkt. Die Erkrankungsraten sind am höchsten bei Neugeborenen, Erwachsenen ab 65 Jahren und immungeschwächten Patienten, einschließlich solcher mit fortgeschrittener HIV-Infektion. Listeriose tritt bei schwangeren Patientinnen, insbesondere bei hispanischen Frauen, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich häufiger auf (1).

Eine Infektion mit Listeria monocytogenes ist in den Vereinigten Staaten eine meldepflichtige Krankheit (3). Aufgrund des Potenzials für Ausbrüche aktualisieren die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) regelmäßig die Daten zu Listerien-Infektionen mithilfe des National Outbreak Reporting System (NORS), das die Meldung von Ausbrüchen in Zusammenarbeit mit staatlichen, lokalen und territorialen Gesundheitsbehörden unterstützt.

Übertragung

Weil L. monocytogenes allgegenwärtig in der Umwelt ist, sind Kontaminationsmöglichkeiten während der Lebensmittelproduktion zahlreich. Fast alle Arten von Lebensmitteln können L. monocytogenes beherbergen und übertragen, aber die Infektion erfolgt in der Regel durch Einnahme von kontaminierten Milchprodukten (z. B. Käse), rohem Gemüse, Fleisch (z. B. Aufschnitt aus der Feinkost) oder vor allem gekühlten Lebensmitteln, die vor dem Verzehr nicht gekocht werden müssen. Die Kontamination wird begünstigt durch die Fähigkeit von L. monocytogenes bei Kühlschranktemperaturen zu überleben und zu wachsen. Siehe Prävention für weitere Einzelheiten.

u einer Infektion kann es auch durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren und bei deren Schlachtung kommen.

Tipps und Risiken

  • Listeria monocytogenes kann sich bei Kühlschranktemperatur reproduzieren, so können leicht kontaminierte, gekühlte Lebensmittel stark kontaminiert werden.

Risikofaktoren

Weil L. monocytogenes sich intrazellulär multipliziert, erfordert die Kontrolle der Listeriose eine zellvermittelte Immunität, daher haben folgende Personen ein hohes Risiko:

  • Immungeschwächten Patienten

  • Neugeborene

  • Erwachsene ≥ 65 Jahre

  • Schwangere Patientinnen

Bei schwangeren Frauen verläuft die Listerieninfektion meist mild. Die Infektion kann jedoch antepartal und intrapartal von der Mutter auf das Kind übertragen werden und zu Fehlgeburten, Totgeburten, Frühgeburten oder frühem Kindstod führen.

Listerien können lebensbedrohliche Infektionen beim Neugeborenen (siehe Neonatale Listeriose), verursachen, einschließlich Bakteriämie und Pneumonie, und sind eine häufige Ursache für neonatale bakterielle Meningitis.

Allgemeine Literatur

  1. 1. Centers for Disease Control and Prevention: People at Increased Risk of Listeria Infection. August 12, 2024. Accessed July 17, 2025.

  2. 2. Centers for Disease Control and Prevention. National Notifiable Diseases Surveillance System, Annual Notifiable Infectious Disease Data Tables. May 27, 2025. Accessed July 17, 2025.

  3. 3. Centers for Disease Control and Prevention: Listeria Infection (Listeriosis): About The Listeria Initiative. February 3, 2025. Accessed July 17, 2025.

Symptome und Anzeichen von Listeriose

Eine primäre listeriale Bakteriämie ist selten und führt zu hohem Fieber ohne lokale Symptome und Krankheitszeichen. Die Symptome einer invasiven Erkrankung treten in der Regel durchschnittlich 5 Tage (Bereich 0 bis 29 Tage) nach dem Verzehr von mit Listerien kontaminierten Lebensmitteln auf (1, 2). Die Aussaat von Gewebsherden kann Endokarditis, Peritonitis, Osteomyelitis, septische Arthritis, Cholezystitis, Hepatitis und Pleurapneumonie verursachen. Fieberhafte Gastroenteritis kann nach dem Verzehr kontaminierter Lebensmittel auftreten. Die Inkubationszeit für Gastroenteritis ist deutlich kürzer, wobei die Symptome einer Darmerkrankung in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach dem Verzehr von mit Listerien kontaminierten Lebensmitteln auftreten und normalerweise 1 bis 3 Tage andauern (3). Eine listeriale Bateriämie kann zu intrauteriner Infektion, Chorioamnionitis, vorzeitigen Wehen, fetalem Tod oder einer Infektion des Neugeborenen führen.

Die Meningitis aufgrund von Listerien ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, was vor allem auf verbesserte Lebensmittelsicherheitsmaßnahmen zurückzuführen ist. Derzeit macht sie weltweit 20 bis 30% der Fälle aus, je nach geografischem Gebiet (2 bis 8% in den Vereinigten Staaten), mit einer Sterblichkeitsrate von 15 bis 29% (4). Die Inzidenz ist bei Neugeborenen am höchsten. Die Inzidenz ist auch hoch bei Patienten über 60 Jahren, bei Patienten mit Alkoholkonsumstörung, bei Patienten, die immunsuppressive Medikamente (z. B. Glukokortikoide) einnehmen, oder bei Patienten mit anderen prädisponierenden Erkrankungen (z. B. Malignome, Diabetes mellitus, Schwangerschaft, Leber- und Nierenerkrankungen). Ein nicht unbedeutender Prozentsatz der Fälle entwickelt eine Zerebritis, entweder eine diffuse Enzephalitis oder, selten, eine Rhombenzephalitis und Abszesse; die Rhombenzephalitis äußert sich in Bewusstseinsstörungen, Hirnnervenlähmungen, zerebellären Zeichen wie Ataxie und Tremor sowie motorischen oder sensorischen Ausfällen

Die Okuloglanduläre Listeriose ist eine seltene Ursache für Ophthalmie und Vergrößerung der regionalen Lymphknoten (Parinaud-Syndrom). Sie kann aufgrund einer Infektion der Konjunktiven entstehen und, ohne Behandlung, zu einer Bakteriämie und Meningitis fortschreiten.

Literatur zu Symptomen und Beschwerden

  1. 1. Centers for Disease Control and Prevention: Listeria Infection (Listeriosis): Symptoms of Listeria Infection. February 3, 2025. Accessed July 17, 2025

  2. 2. Angelo KM, Jackson KA, Wong KK, et al. Assessment of the incubation period for invasive listeriosis. Clin Infect Dis. 2016;63:1487–1489. doi:10.1093/cid/ciw569

  3. 3. Goulet V, King LA, Vaillant V, et al. What is the incubation period for listeriosis? BMC Infect Dis. 2013;13:11. doi:10.1186/1471-2334-13-11

  4. 4. Thigpen MC, Whitney CG, Messonnier NE, et al. Bacterial meningitis in the United States, 1998-2007. N Engl J Med. 2011;364:2016–2025. doi:10.1056/NEJMoa1005384

Diagnose von Listeriose

  • Kultur

  • Auf Polymerasekettenreaktion (PCR) basierende Tests

Listerielle Bakteriämie oder Meningitis werden durch Blut- oder Liquorkulturen diagnostiziert. Da Listerien leicht mit diphtheroiden Stäbchen verwechselt werden können, muss das Labor über den Verdacht auf L. monocytogenes informiert werden (Corynebacteria). Stuhlkulturen sind für die Diagnose von Magen-Darm-Infektionen in der Regel nicht indiziert.

Multiplex-PCR-basierte Tests von Blut und Liquor cerebrospinalis können schnellere Ergebnisse liefern und weisen eine hohe Übereinstimmung mit der bakteriellen Identifizierung aus Kulturen auf (1).

Bei allen Listerieninfektionen erreichen die IgG-Agglutinin-Titer 2 bis 4 Wochen nach Krankheitsbeginn ihren Höhepunkt, haben jedoch nur begrenzten Nutzen für klinische Entscheidungen.

Diagnosehinweis

  1. 1. Wagner K, Springer B, Pires VP, Keller PM. Pathogen Identification by Multiplex LightMix Real-Time PCR Assay in Patients with Meningitis and Culture-Negative Cerebrospinal Fluid Specimens. J Clin Microbiol. 2018;56(2):e01492-17. Published 2018 Jan 24. doi:10.1128/JCM.01492-17

Behandlung von Listeriose

  • Ampicillin, Amoxicillin oder Penicillin G, möglicherweise mit einem Aminoglykosid

  • Manchmal Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Fluorchinolone, Linezolid, Meropenem oder Rifampin

Eine nichtinvasive Listeriose, die sich als leichte fieberhafte Erkrankung oder Gastroenteritis äußert, ist selbstlimitierend und erfordert bei immunkompetenten Personen in der Regel keine Antibiotikabehandlung. Bei anfälligen Patienten sollte die Behandlung jedoch unverzüglich eingeleitet werden. Bei schwangeren Patientinnen sollte unverzüglich eine Antibiotikatherapie mit intravenös (i.v.) verabreichtem Ampicillin oder Amoxicillin begonnen werden, und es sollte eine mindestens zweiwöchige antimikrobielle Behandlung durchgeführt werden, um das Risiko einer Schädigung des Fetus zu vermeiden (1). Für immungeschwächte Patienten oder Erwachsene ≥ 60 Jahre mit isolierter fieberhafter Gastroenteritis wird die orale Gabe von Amoxicillin oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol empfohlen. Verzögerungen bei der Behandlung wurden mit einem schlechten klinischen Outcome und sogar mit Todesfällen in Verbindung gebracht (2).

Eine listerielle Meningitis wird in der Regel mit intravenösem Ampicillin für mindestens 21 Tage behandelt. Bei schweren Fällen wird häufig eine Kombinationstherapie mit Aminoglykosiden verabreicht, die auf In-vitro-Synergiedaten basiert, obwohl klinische Studiendaten fehlen. Gentamicin wird häufig als zweites Mittel eingesetzt und wird für die Erstbehandlung von neonataler Meningitis und nicht schwangeren Patientinnen mit invasiver Erkrankung empfohlen. Sulfamethoxazol/Trimethoprim, Fluorchinolone, Linezolid, Meropenem und Rifampicin wurden ebenfalls als Zweitmedikamente eingesetzt. Cephalosporine sind nicht wirksam, da sie keine in-vitro-Aktivität haben und sollten nicht verwendet werden; über Therapieversagen mit Vancomycin ist berichtet worden.

Für die Behandlung von Neugeborenenmeningitis, siehe Organismus-spezifische Antibiotika-Therapie.

Endokarditis und andere tiefsitzende schwere Infektionen werden in der Regel alle 4 Stunden mit intravenösem Ampicillin plus Gentamicin (zur Synergie) über einen Zeitraum von 6 Wochen behandelt. Die primäre Listerien-Bakteriämie wird in der Regel über einen Zeitraum von zwei Wochen (bei Bakteriämie) nach Abklingen des Fiebers behandelt, wobei eine Kombinationstherapie häufig nicht erforderlich ist.

Die okuloglanduläre Listeriose und andere weniger invasive fokale Infektionen werden in der Regel mit oralem Ampicillin oder Amoxicillin behandelt und sollten auf kürzere Therapiezyklen ansprechen.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Khsim IEF, Mohanaraj-Anton A, Horte IB, et al. Listeriosis in pregnancy: An umbrella review of maternal exposure, treatment and neonatal complications. BJOG. 2022;129(9):1427-1433. doi:10.1111/1471-0528.17073

  2. 2. Arslan F, Meynet E, Sunbul M, et al. The clinical features, diagnosis, treatment, and prognosis of neuroinvasive listeriosis: a multinational study. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2015;34(6):1213-1221. doi:10.1007/s10096-015-2346-5

Prävention von Listeriose

Weil eine Kontamination von Lebensmitteln verbreitet ist und weil sich L. monocytogenes bei Kühlschranktemperatur reproduzieren kann, können leicht kontaminierte Lebensmittel sogar während der Kühlung stark kontaminiert werden. Bei diesem Problem besteht besonderer Grund zur Sorge, wenn Nahrung (z. B. eingefrorene Fertiggerichte) ohne weiteres Kochen aufgenommen wird. Daher ist eine angemessene Lebensmittelhygiene wichtig, insbesondere für Risikopersonen (z. B. immungeschwächte Patienten, Schwangere, Erwachsene ≥ 65 Jahre). Gefährdete Personen sollten folgende Lebensmittel vermeiden:

  • Weichkäse aus nicht pasteurisierter Milch (z. B. Feta, Brie, Camembert, Queso fresco, Queso blanco); rohe (nicht pasteurisierte) Milch und Milchprodukte, obwohl eine Kontamination mit Listeria sogar nach der Pasteurisierung auftreten kann

  • Gekühlte verzehrfertige Lebensmittel (z. B. Hot Dogs, Wurst, Pȃtés, Fleischaufstriche), es sei denn, diese werden auf eine Innentemperatur von 73,9° C erhitzt oder sind noch kurz vor dem Servieren dampfend heiß

  • Gekühltes geräuchertes Seafood (z. B. nova-Stil, lox, kippered, geräuchert, jerky), es sei denn, es wurde gekocht

Wichtige Punkte

  • L. monocytogenes ist in der Umwelt sehr verbreitet, aber verursacht nur bei etwa 1600 Menschen jährlich in den Vereinigten Staaten Infektionen, in der Regel über kontaminierte Lebensmittel.

  • Die Befallsraten sind am höchsten bei Neugeborenen, Erwachsenen im Alter von 65 Jahren, Schwangeren und immungeschwächten Patienten.

  • Verschiedene Organsysteme können betroffen sein; eine Infektion der Mutter während der Schwangerschaft kann zu fetalem Tod führen.

  • Verabreichen Sie Ampicillin oder Amoxicillin, manchmal zusammen mit Gentamicin.

  • Empfehlen Sie Hochrisikopatienten, Krankheiten vorzubeugen, indem sie Lebensmittel meiden, die am wahrscheinlichsten kontaminiert sind.

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