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Influenza

(Grippe, Virusgrippe)

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Influenza ist eine virale Infektion der Atemwege, die zu Fieber, Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und Krankheitsgefühl führt. Während saisonaler Epidemien kann es zu Todesfällen kommen, insbesondere unter Hochrisikopatienten (z. B. Menschen innerhalb geschlossener Einrichtungen, mit hohem oder niedrigem Lebensalter, mit Herzkreislaufinsuffizienz oder in der späten Schwangerschaft); während Pandemien können selbst gesunde, junge Patienten sterben. Die Diagnose wird meist klinisch gestellt und richtet sich nach lokalen epidemiologischen Mustern. Der Influenza-Impfstoff sollte jährlich an alle Personen im Alter von ≥ 6 Monaten, die keine Kontraindikationen aufweisen, verabreicht werden. Eine antivirale Behandlung reduziert die Dauer der Erkrankung um etwa 1 Tag und sollte speziell für Hochrisikopatienten in Betracht gezogen werden.

Der Begriff Influenza bezieht sich auf Krankheiten, die durch Influenzaviren hervorgerufen werden, er wird jedoch auch häufig und nicht korrekt zur Bezeichnung von Krankheiten verwendet, die ähnlich verlaufen und durch andere virale respiratorische Erreger hervorgerufen werden. Influenzaviren werden anhand ihrer Nukleo- und Matrixproteine in die Typen A, B und C eingeteilt. Eine Infektion mit dem Influenza-C-Virus führt nicht zu einer typischen Influenzakrankheit und wird hier nicht diskutiert.

Influenza-Antigene

Hämagglutinin (H) ist ein Glykoprotein auf der Influenzavirusoberfläche, das die Anbindung des Virus an zelluläre Sialinsäurerezeptoren und die Fusion mit der Wirtszellmembran erlaubt. Neuraminidase (NA) ist ein weiteres Oberflächenprotein, das Sialinsäure enzymatisch abbaut, wodurch die Freisetzung der fertigen Viren von der infizierten Wirtszelle ermöglicht wird. Es gibt 18 H-Typen und 11 NA-Typen, was 198 mögliche Kombinationen bedeutet, aber nur wenige sind humane Pathogene.

Ein Antigendrift bezieht sich auf relativ kleine progressive Mutationen in vorbestehenden Kombinationen von H- und NA-Antigenen, die zu der häufigen Entstehung neuer viraler Stämme führen. Diese neuen Stämme können jahreszeitlich bedingte Epidemien verursachen, weil der Schutz durch Antikörper, die gegen den früheren Stamm gebildet wurden, reduziert ist.

Ein Antigenshift bezieht sich auf die relativ seltene Entwicklung neuer Kombinationen von H- und/oder NA-Antigenen, die aus der Neusortierung von Untereinheiten des viralen Genoms resultieren. Pandemien können aus Antigenshifts resultieren, da die Antikörper gegen andere Stämme (resultierend aus Impfung oder natürlicher Infektion) wenig oder gar keinen Schutz vor dem neuen Stamm bieten.

Epidemiologie

Influenza verursacht in gemäßigten Klimazonen jährlich im Herbst und Winter eine weit verbreitete sporadische Krankheit (jahreszeitlich bedingte Epidemien).

Saisonale Epidemien werden durch Influenza-A- und -B-Viren verursacht. Die meisten saisonalen Influenza-Epidemien werden seit 1968 durch H3N2 (ein Influenza-A-Virus) verursacht. Influenza-B-Viren können leichtere Krankheiten verursachen, verursachen aber oft Epidemien mit mittleren oder schweren Krankheiten, entweder als vorherrschendes zirkulierendes Virus oder zusammen mit der Influenza A.

Die meisten Influenzaepidemien werden durch einen vorherrschenden Serotyp verursacht, aber verschiedene Influenzaviren können sequenziell an einer Lokalisation oder simultan auftreten, wobei ein Virus an einer Stelle dominieren kann und ein anderes an einer anderen Stelle.

Ein wöchentlicher Überwachungsbericht über die saisonale Influenza in den USA ist bei den Centers for Disease Control and Prevention's FluView erhältlich.

Pandemien sind viel seltener. Bis zum Jahr 2020 gab es 6 große Pandemien, die in der Regel nach ihrem mutmaßlichen Ursprungsort benannt wurden:

  • 1889: Russische Grippe (H2N2)

  • 1900: Alte Hong-Kong-Grippe (H3N8)

  • 1918: Spanische Grippe (H1N1)

  • 1957: Asiatische Grippe (H2N2)

  • 1968: Hong-Kong-Grippe (H3N2)

  • 2009: Schweinegrippe (Influenza A [H1N1] pdm09)

IInfluenzaviren können sich verbreiten durch

  • Tröpfchen in der Luft

  • Kontakt von Mensch zu Mensch.

  • Kontakt mit kontaminierten Dingen

Der wichtigste Mechanismus scheint die aerogene Übertragung zu sein.

Hochrisikogruppen

Bestimmte Patienten besitzen ein hohes Risiko für Komplikationen bei Influenza:

  • Kinder < 5 Jahre; Kinder < 2 Jahre haben ein besonders hohes Risiko

  • Erwachsene > 65 Jahre

  • Menschen mit chronischen Erkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Leber- oder Niereninsuffizienz, Hämoglobinopathien, Immundefizienz)

  • Frauen im 2. oder 3. Trimester der Schwangerschaft

  • Patienten mit fehlenden Schutzreflexen oder Erkrankungen, die denSekretverhalt fördern (z. B. kognitive Dysfunktion, neuromuskuläre Erkrankungen, Schlaganfall, Anfallsleiden).

  • Patienten 18 Jahre, die Aspirin einnehmen (weil dies das Risiko des Reye-Syndroms erhöht)

Die bei diesen Patientengruppen erhöhte Morbidität und Mortalität kann durch eine Exazerbation der Grundkrankheit, ein akutes Atemnotsyndrom, eine primäre Influenzapneumonie oder sekundäre bakterielle Pneumonien bedingt sein.

Symptome und Beschwerden

Die Inkubationszeit der Influenza reicht von 1–4 Tagen und beträgt durchschnittlich ca. 48 Stunden. In leichten Fällen ähneln viele Symptome denen eines grippalen Infekts (z. B. Halsschmerzen, Rhinorrhö); eine leichte Konjunktivitis kann auch auftreten.

Eine typische Influenza bei Erwachsenen ist gekennzeichnet durch einen plötzlichen Beginn mit Schüttelfrost, Fieber, Entkräftung, Husten und generalisierten Schmerzen (insbesondere im Rückenbereich und in den Beinen). Es kommt zu heftigen Kopfschmerzen, oft mit Photophobie und retrobulbären Schmerzen. Respiratorische Symptome können zu Beginn noch leicht sein, mit „kratzigen“ Halsschmerzen, retrosternalem Brennen, unproduktivem Husten und gelegentlich Schnupfen. Im späteren Verlauf überwiegen die Symptome einer tiefen Atemwegsinfektion; der Husten kann persistieren, rau und produktiv sein.

Gastrointestinale Symptome können auftreten und scheinen mit dem pandemischen H1N1-Stamm von 2009 häufiger aufzutreten. Kinder können intensive Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen, Säuglinge ein sepsisartiges Syndrom aufweisen.

Nach 2–3 Tagen bilden sich die akuten Beschwerden wieder rasch zurück, obwohl das Fieber bis zu 5 Tagen weiterbestehen kann. Husten, Schwächegefühl, Schwitzen und Ermüdung können über mehrere Tage, gelegentlich auch Wochen persistieren.

Komplikationen

Bei progredientem Husten, blutigem Sputum, Dyspnoe und Rasselgeräuschen besteht der Verdacht auf eine Pneumonie. Persistierendes oder rezidivierendes Fieber und Husten nach der primären Erkrankung, weisen auf eine sekundäre bakterielle Pneumonie hin.

Enzephalitis, Myokarditis und Myoglobinurie, manchmal mit Nierenversagen, entwickeln sich selten nach Influenza-A- oder -B-Infektion. Das Reye-Syndrom — charakterisiert durch eine Enzephalopathie, Fettleber, Anstieg der Leberenzyme, Anstieg von Ammoniak oder beidem, Hypoglykämie und Lipidämie — tritt oft während Influenza-B-Epidemien auf, insbesondere bei Kindern nach Einnahme von Acetylsalicylsäure.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

  • Vorwiegend zu Zwecken der Surveillance oder in Pandemiephasen: diagnostische Schnelltestverfahen oder Molekulartests

  • Pulsoximetrie und Röntgenthorax bei Patienten mit schweren Symptomen der Atemwege

Die Diagnose der Influenza wird bei Patienten mit einem typischen klinischen Bild meist klinisch gestellt, wenn ein gehäuftes Vorkommen von Influenza in der Region bekannt ist.

Es sind zwar viele Schnelltests verfügbar und die meisten haben eine gute Spezifität, aber ihre Sensitivität variiert sehr und sie tragen gewöhnlich nur wenig zur verbesserten Behandlung des Patienten bei. Diagnostische Tests sollten durchgeführt werden, wenn die Ergebnisse die klinische Entscheidungsfindung beeinflussen.

Tests mittels Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) sind sensitiv und spezifisch und können die verschiedenen Influenza-Typen und -Subtypen unterscheiden. Wenn dieser Test schnell verfügbar ist, können die Ergebnisse zur Auswahl einer geeigneten antiviralen Therapie verwendet werden. Dies sollte auch bei Verdacht auf Influenza bei Patienten im Krankenhaus erfolgen, da in der Regel eine antivirale Behandlung angezeigt ist. Diese Tests können auch die unnötige Verwendung antibakterieller Wirkstoffe verhindern, und die Identifizierung des spezifischen Influenzavirus kann für die Infektionskontrolle wichtig sein. Diese Tests sind auch nützlich, um zu bestimmen, ob Ausbrüche von Atemwegserkrankungen durch Influenza hervorgerufen wurden.

Eine Zellkultur von Nasen-Rachen-Abstrichen oder Aspiraten dauert mehrere Tage und hilft nicht, Entscheidungen über die Behandlung des Patienten zu treffen.

Wenn Patienten untere Atemwegssymptome zeigen (z. B. Dyspnoe, Rasselgeräusche, die bei einer Untersuchung der Lunge festgestellt werden), sollten eine Pulsoximetrie und eine Röntgenaufnahme des Thorax erfolgen, um eine Lungenentzündung zu erkennen. Eine primäre Influenzapneumonie manifestiert sich mit fokalen oder diffusen interstitiellen Infiltraten oder als akutes Atemnotsyndrom (ARDS). Eine sekundäre bakterielle Pneumonie manifestiert sich eher als Lobär- oder Segmentpneumonie.

Prognose

Die meisten Patienten erholen sich wieder vollständig, obwohl eine vollständige Genesung oft 1–2 Wochen dauern kann. Allerdings sind Influenza und influenzaähnliche Lungenentzündung wichtige Ursachen für Morbidität oder Mortalität bei Patienten mit hohem Risiko. Eine sofortige antivirale Therapie bei diesen Patienten kann die Inzidenz von unteren Atemwegserkrankungen und Krankenhausaufenthalte reduzieren. Eine adäquate antibakterielle Therapie reduziert die Mortalitätsrate aufgrund sekundärer bakterieller Pneumonien.

Insgesamt ist die Todesfallrate niedrig (z. B. < 1%), aber aufgrund der hohen Inzidenz von Krankheiten kann die Gesamtzahl der Todesfälle signifikant sein. Die Centers for Disease Control and Prevention schätzen, dass in den USA jährlich > 700.000 Krankenhauseinweisungen und 50.000 Todesfälle auf saisonale Influenza zurückzuführen sind. Bei Patienten > 65 Jahre sind die Raten am höchsten. Weltweit werden die Todesfälle im Zusammenhang mit der H1N1-Pandemie 2009 auf bis zu 575.000 geschätzt; > 80% der Todesfälle treten bei Patienten < 65 Jahre auf (1, 2).

Literatur zur Prognose

Therapie

  • Symptomatische Therapie

  • Gegebenenfalls antivirale Medikamente

Die Therapie erfolgt bei den meisten Patienten mit Influenza symptomatisch mit Schonung, Hydratation sowie bei Bedarf fiebersenkenden Mitteln, Acetylsalicylsäure wird jedoch bei Patienten 18 Jahre vermieden. Komplizierende bakterielle Infektionen erfordern adäquate Antibiotika.

Arzneimittel bei Influenza

Antivirale Medikamente, die innerhalb von 1–2 Tagen nach Einsetzen der Symptome gegeben werden, verringern die Dauer des Fiebers, die Schwere der Symptome und die Zeit, um zu normalen Aktivitäten zurückzukehren. Die Behandlung mit antiviralen Medikamenten wird für Patienten mit hohem Risiko(einschließlich aller stationären Patienten) empfohlen, die influenzaähnliche Symptome entwickeln. Diese Empfehlung basiert auf Daten, die darauf hindeuten, dass eine frühzeitige Behandlung Komplikationen bei diesen Patienten verhindern kann.

Zu den Arzneimitteln bei Influenza gehören folgende:

  • Oseltamivir, Zanamivir und Peramivir (Neuraminidaseinhibitoren)

  • Baloxavir (Endonuklease-Inhibitor, neu)

Neuraminidaseinhibitoren stören die Freisetzung von Influenzaviren aus infizierten Zellen und stoppen damit die Verbreitung der Infektion.

Der Endonuklease-Inhibitor Baloxavir greift in die virale Replikation ein, indem er die virale RNA-Transkription blockiert. Er ist gegen Influenza A und B wirksam und kann eine wichtige neue Behandlungsoption sein, falls sich eine Resistenz gegen Neuraminidase-Hemmer entwickelt.

Zanamivir wird inhaliert, 2 Hübe (10 mg) 2-mal täglich; es kann bei Erwachsenen und Kindern 7 Jahre verwendet werden. Zanamivir verursacht manchmal Bronchospasmus und sollte nicht bei Patienten mit reaktiven Atemwegserkrankung verordnet werden; manche Menschwen können kein Inhalationsgerät verwenden.

Oseltamivir 75 mg p.o. 2-mal täglich wird bei Patienten, die > 12 Jahre sind, verordnet; niedrigere Dosen können bei Kindern ab einem Alter von 1 Jahr verwendet werden. Oseltamivir kann gelegentlich zu Übelkeit und Erbrechen führen. Bei Kindern kann Oseltamivir die Inzidenz einer Otitis media reduzieren, es liegen jedoch keine eindeutigen Daten vor, ob die Therapie einer Influenza Komplikationen verhindert.

Peramivir wird als Einzeldosis verabreicht und kann bei Patienten > 2 Jahre angewendet werden, die keine oralen oder inhalativen Medikamente vertragen. Die Studien zur Anwendung bei Influenza B sind begrenzt.

Baloxavir wird oral als 40-mg-Einzeldosis bei Patienten ≥ 12 Jahren und 40–80 kg oder als Einzeldosis von 80 mg bei Patienten > 80 kg verabreicht. Es kann bei Patienten ≥ 12 Jahre mit unkomplizierter Influenza verwendet werden, die seit ≤ 48 Stunden symptomatisch und ansonsten gesund sind und die nicht als Patienten mit hohem Risiko gelten. Es wurde nicht bei Patienten untersucht, die im Krankenhaus aufgenommen wurden, immungeschwächt oder schwanger sind oder eine schwere Lungenentzündung haben (1).

Adamantanes (Amantadin und Rimantadin) wurden zuvor verwendet. Gegenwärtig sind jedoch mehr als 99% der zirkulierenden Influenzaviren gegen Adamantane resistent. Daher werden diese Medikamente derzeit nicht zur Behandlung empfohlen. Adamantane blockieren den M2-Ionenkanal und beeinträchtigen damit das virale "Uncoating" innerhalb der Zelle. Sie sind nur wirksam gegen Influenza-A-Viren (Influenza B-Viren fehlt das M2-Protein).

Literatur zur Therapie

Vorbeugung

Influenzainfektionen können weitgehend vermieden werden durch

  • Jährliche Impfung

  • Manchmal Chemoprophylaxe (z. B. mit antiviralen Medikamenten)

Die derzeit im Handel erhältlichen Grippeimpfstoffe schützen vor saisonalem H3N2, pandemischer H1N1-Influenza A und Influenza B. Ein Impfstoff gegen die Vogelgrippe aufgrund von H5N1 wurde für Personen > 18 Jahre mit hohem Risiko einer H5N1-Exposition zugelassen, ist aber nur über Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens erhältlich. Aktuell sind keine Impfstoffe für die anderen Vogelgrippeviren, die selten mit humanen Erkrankungen assoziiert sind (H7N7, H9N2, H7N3 und H7N9) verfügbar.

Eine Prophylaxe ist bei allen Patienten indiziert, aber insbesondere wichtig bei Hochrisikopatienten und medizinischem Personal.

Influenza-Impfstoffe

Basierend auf den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und der US-amerikanischen the Centers for Disease Control and Prevention werden Grippeimpfstoffe jährlich so modifiziert, dass sie die am häufigsten vorkommenden Stämme enthalten (in der Regel 2 Stämme der Influenza A und 1 oder 2 Stämme der Influenza B). Manchmal werden in der nördlichen und südlichen Hemisphäre leicht unterschiedliche Vakzine verwendet.

Wenn der Impfstoff die gleiche HA- und NA-Komponente enthält wie der in der Region zirkulierende Stamm, reduziert die Impfung die Anzahl auftretender Infektionen bei gesunden Erwachsenen um 70–90%. Bei älteren Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen ist die Impfung weniger wirksam für die Verhütung von Infektionen, sie reduziert aber die Rate auftretender Pneumonien und Todesfälle um 60–80%. Eine höher dosierte Formulierung des Impfstoffs wird für Erwachsene ab 65 Jahren empfohlen.

Die impfstoffinduzierte Immunität wird durch Antigendrift reduziert und ist bei einem Antigenshift nicht mehr vorhanden.

Es gibt 2 grundlegende Arten von Influenza-Impfstoffen:

  • Inaktivierte Infuenza-Vakzine (IIV)

  • Attenuierter Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV)

IIV wird durch intramuskuläre Injektion verabreicht. Trivalente Impfstoffe sind in den Vereinigten Staaten durch quadrivalente Impfstoffe ersetzt worden, die einen zusätzlichen B-Virus-Stamm abdecken. Ein hochdosierter trivalenter Impfstoff steht für Patienten ≥ 65 Jahre zur Verfügung, und ein hochdosierter quadrivalenter Impfstoff wurde kürzlich von der FDA zugelassen und wird voraussichtlich für die Grippesaison 2020-2021 verfügbar sein.

Für alle IIVs erhalten Patienten im Alter von 3 Jahren 0,5 ml. Kinder im Alter von 6 bis 35 Monaten können je nach dem spezifischen Impfstoff Dosen von 0,25 ml oder 0,5 ml erhalten; Ärzte sollten die Anweisungen des Herstellers befolgen. Kinder im Alter von 6 Monaten bis 8 Jahren, die weniger als 2 Influenza-Impfstoffdosen erhalten haben oder deren Influenza-Impfungsgeschichte nicht bekannt ist, sollten 2 Dosen erhalten, getrennt durch mindestens 4 Wochen (1).

Die unerwünschten Wirkungen bestehen meist nur aus leichten Schmerzen an der Injektionsstelle, die Schmerzen halten nicht länger als ein paar Tage an. Fieber, Myalgien und andere systemische Wirkungen sind ungewöhnlich. Mehrfachdosis-Durchstechflaschen enthalten Thimerosal, ein Quecksilber-basiertes Konservierungsmittel. Bedenken der Öffentlichkeit hinsichtlich eines möglichen Zusammenhangs zwischen Thimerosal und Autismus haben sich als unbegründet erwiesen; allerdings stehen Einzeldosis-Durchstechflaschen, die kein Thimerosal enthalten, zur Verfügung.

LAIV wird intranasal in einer Dosis von 0,1 ml in jedes Vestibulum verabreicht (Gesamtdosis 0,2 ml). Es kann für gesunde Personen im Alter von 2–49 Jahren verwendet werden. Dieser Impfstoff wird nicht empfohlen für folgende Gruppen:

  • Hochrisikopatienten

  • Schwangere

  • Haushaltskontakte von Patienten mit schwerer Immunschwäche (z. B. mit Transplantaten von hämatopoetischen Stammzellen)

  • Kinder, die eine langfristige Aspirintherapie erhalten

Außerdem sollte er erst 48 Stunden nach Absetzen der medikamentösen Behandlung der Influenza verabreicht werden.

Die mit dem Impfstoff im Zusammenhang stehenden unerwünschten Wirkungen sind mild; Rhinorrhö ist die häufigste, und es kann ein leichtes Keuchen auftreten. LAIV sollte nicht an Kinder, die < 5 Jahre sind und an reaktiven Atemwegserkrankungen (z. B. bekanntes Asthma, wiederkehrende oder kurz zurück liegende Bronchoobstruktion) leiden, gegeben werden.

In den Grippesaisonen 2016–2017 und 2017–2018 wurde LAIV für keine Bevölkerungsgruppe empfohlen, da die H1N1-Komponente des Impfstoffs nicht ausreichend wirksam war. Der LAIV-Impfstoff wurde jedoch neu formuliert, und sowohl das Centers for Disease Control and Prevention's Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) als auch die American Academy of Pediatrics (AAP) haben ihn als akzeptablen Impfstoff wieder eingesetzt.

Für beide Arten von Impfstoffen gilt, dass Kinder, die < 8 Jahre und nicht geimpft sind, eine primäre Dosis und eine Auffrischimpfung in einem Abstand von einem Monat erhalten.

Eine vollständige Liste der Influenza-Impfstoffe für die aktuelle Saison ist erhältlich bei den Centers for Disease Control and Prevention.

Impfempfehlungen

Eine jährliche Impfung wird für alle ≥ 6 Monate empfohlen, die keine Kontraindikation haben.

Die Influenzaimpfung wird jährlich verabreicht, um Antikörpertiter aufrechtzuerhalten sowie um die zur Kompensation der Antigendrift notwendige Modifikation des Impfstoffs zu ermöglichen. Die Impfung sollte vorzugsweise im Herbst erfolgen, damit während der winterlichen Influenzasaison (in Deutschland zwischen November und März) protektive Antikörpertiter vorliegen.

Eine Impfung (sowohl IIV als auch LAIV) sollte bei Menschen vermieden werden, die

  • zuvor eine schwere Reaktion auf Influenzaimpfstoffe gezeigt haben;

  • innerhalb von 6 Wochen nach einer früheren Influenzaimpfung ein Guillain-Barré-Syndrom (GBS) entwickelt haben (es ist nicht bekannt, ob die Grippeimpfung das Risiko von wiederkehrenden GBS bei Patienten, die zuvor ein GBS hatten, das nicht mit der Impfung gegen Influenza im Zusammenhang stand, erhöht);

  • in den letzten 6 Wochen unabhängig von der Ursache ein GBS hatten;

  • < 6 Monate alt sind.

Alle Influenza-Impfstoffe können an Patienten mit einer Ei-Allergie in der Vorgeschichte verabreicht werden, außer an Patienten, die eine schwere allergische Reaktion auf eine frühere Influenza-Impfung hatten, was eine Kontraindikation für die Impfung darstellt. Wenn Patienten eine allergische Reaktion hatten, die schwerer ist als nur Nesselsucht (z.B. Angioödem, Atemnot, wiederkehrende Emesis), können sie den Impfstoff erhalten, vorausgesetzt, er wird in einem stationären oder ambulanten medizinischen Umfeld verabreicht und von einem Arzt überwacht, der in der Lage ist, schwere allergische Reaktionen zu erkennen und zu behandeln. Außerdem sind eifreie Impfstoffe - ein rekombinantes IIV für Erwachsene und eine Zellkultur, die IIV für Menschen ab 4 Jahren produziert - erhältlich.

Antivirale Medikamente

Obwohl die Impfung die bevorzugte Präventionsmethode darstellt, sind antivirale Substanzen auch wirksam.

Die Präexpositionsprophylaxe mit antiviralen Medikamenten kann während einer Epidemie für Patienten in Betracht gezogen werden,

  • die erst innerhalb der letzten 2 Wochen geimpft wurden;

  • für die die Impfung kontraindiziert ist;

  • die immungeschwächt sind und daher nicht auf die Impfung reagieren.

Die Gabe antiviraler Medikamente beeinträchtigt nicht die Entwicklung einer Immunität von inaktiven Impfstoffen. Sie können 2 Wochen nach der Impfung abgesetzt werden. Wenn nicht geimpft werden kann, werden für die Dauer der Epidemie antivirale Medikamente gegeben.

Prophylaktische antivirale Medikamente nach Exposition sind in der Regel für potenziell exponierte Personen angezeigt, wenn Häufungen von Fällen in einer geschlossenen Umgebung (z. B. Pflegeheim, Krankenhaus) auftreten. Diese Medikamente können auch an Haushaltskontakte oder andere exponierte Personen mit hohem Risiko für die Entwicklung von Komplikationen bei Influenza verabreicht werden. Resistenzmuster können die Wahl des Medikaments beeinflussen, aber in der Regel wird Oseltamivir 75 mg einmal täglich gegeben.

Literatur zum Abschnitt Vorbeugung

Wichtige Punkte

  • Kleinere Antigendrifts in H- und/oder NA-Antigenen produzieren Stämme, die jahreszeitlich bedingte Epidemien verursachen; seltene Antigenshifts, die zu neuen Kombinationen von H- und NA-Antigenen führen, können eine Pandemie mit erheblicher Mortalität verursachen.

  • Influenza selbst kann eine Pneumonie verursachen; Patienten mit Influenza können auch eine sekundäre bakterielle Pneumonie entwickeln.

  • Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt, aber sensitive und spezifische RT-PCR-Assays können Typen und Untertypen der Influenza voneinander unterscheiden und somit bei der Auswahl der antiviralen Therapie und der Bestimmung, ob Ausbrüche von Atemwegserkrankungen durch Influenza verursacht werden, helfen.

  • Die Behandlung der meisten Patienten erfolgt symptomatisch.

  • Antivirale Medikamente, die frühzeitig verabreicht werden, können die Dauer und Schwere der Symptome leicht verrringern, werden aber in der Regel nur bei Hochrisiko-Patienten verwendet; unterschiedliche Typen und Untertypen der Influenza sind gegen unterschiedliche Medikamente resistent.

  • Alle Personen im Alter von ≥ 6 Monaten, die keine Kontraindikationen haben, werden jährlich geimpft; antivirale Medikamente können zur Prävention bei immungeschwächten Patienten (die eventuell nicht auf die Impfung ansprechen) und bei Patienten mit Kontraindikationen für die Impfung verwendet werden.

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