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Diagnostische Untersuchung von Patienten mit Lebererkrankung

Von

Steven K. Herrine

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Anamnese

Verschiedene Symptome können zu einer Lebererkrankung führen, nur wenige sind jedoch spezifisch für Lebererkrankungen:

  • Häufige unspezifische Symptome sind Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und gelegentlich, insbesondere bei schweren Erkrankungen, Erbrechen.

  • Weiche fettige Stühle (Steatorrhö) entstehen, wenn die Cholestase den Gallefluss in den Darm behindert. Patienten mit Steatorrhö haben ein erhöhtes Risiko für Mangelerscheinungen von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K). Klinische Folgen können Osteoporose und Blutungen sein.

  • Fieber kann sowohl bei Virus- als auch bei alkoholischer Hepatitis auftreten.

  • Eine Gelbsucht, die sowohl bei hepatozellulären Schädigungen als auch bei cholestatischen Krankheiten auftritt, stellt ein sehr spezifisches Symptom dar. Sie wird häufig von dunklem Urin und hellem Stuhlgang begleitet.

  • Schmerzen im rechten oberen Quadranten aufgrund von Leberstörungen rühren in der Regel von einer Ausdehnung (z. B. durch passive venöse Stauung oder Tumor) oder einer Entzündung der Leberkapsel her.

  • Erektile Dysfunktion und Feminisierung; diese Symptome können jedoch mehr auf Alkohol als auf die Lebererkrankung zurückzuführen sein.

Tabelle
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Risikofaktoren für Lebererkrankungen

Kategorie

Risikofaktoren

Erworben

Alkoholkonsum

Bluttransfusionen (insbesondere vor 1992)*

Piercing*

Medikamente (verschreibungspflichtige und rezeptfreie) und Gebrauch von pflanzlichen Produkten

Exposition gegenüber anderen Lebertoxinen

Exposition gegenüber Hepatitisviren*

Nadelstichverletzungen*

Parenteraler Drogenkonsum*

Ernährung mit Schalentieren*

Tattoos*

Familiär

Die Familienanamnese von Erkrankungen wie primäre biliäre Cholangitis, Hämochromatose, Morbus Wilson oder Alpha-1-Antitrypsin-Mangels hinweisen.

* Diese Faktoren erhöhen das Risiko von Hepatitis sowie das Risiko von Lebererkrankungen im Allgemeinen

Familienanamnese, Sozialanamnese und Drogen- sowie Substanzmissbrauch sollten als Risikofaktoren für Lebererkrankungen berücksichtigt werden (siehe Tabelle: Risikofaktoren für Lebererkrankungen).

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung zeigen sich pathologische Befunde meist erst bei fortgeschrittener Lebererkrankung. Einige allgemeine Befunde deuten auf eine Ursache hin (siehe Tabelle: Interpretation einiger klinischer Befunde).

Tabelle
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Interpretation einiger klinischer Befunde

Befund

Mögliche Ursachen

Kommentare

Störungen der Leberfunktion

Hepatomegalie

Akute Hepatitis

(passive Leberstauung)

Leberblutung (in eine Zyste oder in das Parenchym)

Metastasierender Krebs

Gallengangsobstruktion

Tastbare Knoten

Krebs

Leberverhärtung, unregelmäßige Form, stumpfe Kanten und wenn überhaupt, wenige, vereinzelte Knoten

Druckempfindlichkeit

Stauung

Leberblutung

Krebs

Hepatische Abflussbehinderung

Wegen der Ängstlichkeit der Patienten, oft überdiagnostiziert.

Eine wirkliche Leberschmerzempfindlichkeit (ein tief sitzender Schmerz) wird am besten durch Perkussion oder Kompression des Rippenbogens entdeckt.

Gelegentlich deutet schwerer Schmerz auf eine Peritonitis hin.

Strömungs- oder Reibegeräusche (selten)

Tumor

Nicht-leberbezogene pathologische Befunde

Aszites

Alkoholbedingte Hepatitis, falls chronisch oder schwer

Gefäßverschluss der Lebervene

Peritoneale Karzinomatose

Generalisierter Flüssigkeitsretention (z. B. Herzinsuffizienz, Nierensyndrom, Hypoalbuminämie)

Lageabhägig gedämpfter Klopfschall und Wellenphämonen (Undulationsphänomen)

Bei Flüssigkeitsvolumen < 1500 ml, evtl. nicht nachweisbar < 1500 ml

Sichtbar erweiterte Bauchvenen (Caput medusae)

Portale Hypertonie

Verschluss der Vena cava inferior

Gefäßverschluss der Lebervene

Splenomegalie

Portale Hypertonie

Nicht alkoholbedingte Leberzirrhose

Milzerkrankungen

Asterixis

Urämie

Herzinsuffizienz, wenn schwere

Bilaterales, asynchrones Flattern der Hände bei ausgestreckten Fingern und Armen

Foetor hepaticus

Portosystemische Enzephalopathie oder Shunt

Süß, stechender Geruch

Schläfrigkeit und Verwirrung

Portosystemische Enzephalopathie

Arzneimittel:

Gehirnerkrankungen oder systemische Erkrankungen

Unspezifische

Muskelatrophie der Extremitäten sowie hervortretender Bauch mit Aszites (zirrhotisches Aussehen)

Leberzirrhose, falls fortgeschritten

Krebs mit Peritonealmetastasen, falls fortgeschritten

Alkoholbedingte Leberzirrhose

Arzneimittel

Erkrankung der Hypophyse, genetische, systemische und endokrine Erkrankungen

Hodenatrophie, erektile Dysfunktion, Unfruchtbarkeit und Verlust der Libido

Bei Männern Gynäkomastie, Verlust der Achsel- oder Brusthaare und weibliche Muster der Schambehaarung

Zirrhose

Alkoholmissbrauch, falls chronisch

Arzneimittel

Endokrine Erkrankungen

Gynäkomastie durch Untersuchung zu unterscheiden von Pseudogynäkomastie (bei übergewichtigen Männern)

Gynäkomastie mit Hodenatrophie

Zirrhose

Alkoholmissbrauch, falls chronisch

Hypophysenerkrankung oder endokrine Erkrankungen

Zirrhose

Feminisierung (bei Männern)

Schwangerschaft

Unterernährung, falls schwer

Alkoholmissbrauch, falls chronisch (wahrscheinlich)

Nach Zusammendrücken peripher gerichteter Blutfluss (zur Außenseite der Druckstelle)

Wahrscheinlich erhöhtes Risiko für schwere Leberzirrhose und Varizenblutung bei steigender Anzahl von Angiomen

Kann als normale Variante auftreten (in der Regel < 3)

Palmarerythem

Zirrhose

Feminisierung (bei Männern)

Schwangerschaft

Rheumatoide Arthritis

Hämatologische Krebserkrankungen

Alkoholmissbrauch, falls chronisch (wahrscheinlich)

Oft am Hand- und Daumenballen lokalisiert

Trommelschlegelfinger

Möglicherweise fortgeschrittener portosystemischer Shunt oder Gallenzirrhose

Lungenerkrankungen, falls chronisch

Zyanotische Herzerkrankung

Infektion (z. B. infektiöse Endokarditis), falls chronisch

Hyperbilirubinämie verursacht durch Erkrankungen der Leber oder Galle, Hämolyse, Einnahme bestimmter Medikamente oder angeborene Stoffwechselstörungen

Erkennbar, wenn Bilirubinwert > 2–2,5 mg/dl (> 34–43 μmol/l)

Betrifft die Skleren (im Gegensatz zum Carotinikterus)

Schlammfarbene Hautpigmentierung, Abschürfungen durch ständigen Juckreiz und Xanthelasmen oder Xanthome (kutane Lipidablagerungen)

Cholestase (einschließlich primärer biliärer Cholangitis), falls chronisch

Vergrößerung der Ohrspeicheldrüse

Alkoholkonsum, falls chronisch (häufig gleichzeitig mit alkoholbedingter Leberzirrhose)

Schiefergraue oder bronzefarbene Haut

Hämochromatose mit Ausscheidung von Eisen und Melanin

Alkoholbedingte Leberzirrhose

Alkoholkonsum, falls chronisch

Zigarettenkonsum

Repetitive Bewegungen oder Vibrationen

Untersuchungen

Untersuchungen auf hepatische und biliäre Erkrankungen, einschließlich Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren und manchmal Leberbiopsie, spielen eine herausragende Rolle bei der Diagnose von Lebererkrankungen. Einzelne Tests haben oft begrenzte Sensitivität und Spezifität. Eine Kombination von Tests bestimmt oft am besten die Ursache und den Schweregrad der Erkrankung.

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