Leberzirrhose

Vollständige Überprüfung: März 2026 VonTae Hoon Lee, MD, Icahn School of Medicine at Mount Sinai | Peer-Review durchMinhhuyen Nguyen, MD, Fox Chase Cancer Center, Temple University
Letzte Aktualisierung: März 2026
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Die Leberzirrhose ist ein Spätstadium der Leberfibrose, die zu einer weit verbreiteten Zerstörung der normalen Leberarchitektur geführt hat. Die Zirrhose ist gekennzeichnet durch regenerative Knötchen, die von dichtem Bindegewebe umgeben sind. Sie geht häufig für Jahre mit keinen oder nur unspezifischen Symptomen (z. B. Appetitmangel, Müdigkeit, Gewichtsverlust) einher. Zu den Spätmanifestationen gehören portale Hypertonie, Aszites, hepatische Enzephalopathie und, bei Dekompensation, Leberversagen. Die Diagnose wird in der Regel durch nichtinvasive Bildgebung gestellt, in seltenen Fällen ist jedoch eine Leberbiopsie erforderlich. Die Behandlung umfasst unterstützende Maßnahmen und die Behandlung der ursächlichen Lebererkrankung.

Zirrhose ist 2021 die 12. häufigste Todesursache weltweit (1).

Allgemeine Literatur

  1. 1. GBD 2021 Causes of Death Collaborators.  Global burden of 288 causes of death and life expectancy decomposition in 204 countries and territories and 811 subnational locations, 1990-2021: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet. 2024;403(10440):2100-2132. doi:10.1016/S0140-6736(24)00367-2

Ätiologie der Zirrhose

Die Ursachen der Zirrhose sind die gleichen wie die der Fibrose (siehe Tabelle ). In den Vereinigten Staaten resultieren die meisten Fälle aus chronischem Alkoholkonsum, chronischer Virushepatitis C oder metabolisch-assoziierter Steatohepatitis (MASH, ehemals bekannt als nichtalkoholische Steatohepatitis [NASH]) (1). In einigen Teilen Asiens und Afrikas ist die Zirrhose häufig die Folge einer endemischen chronischen Hepatitis B (2). (Siehe Tabelle für zusätzliche Informationen über Hepatitis B und C). Die Zirrhose unbekannter Ätiologie (kryptogene Zirrhose) ist seltener geworden, da viele spezifische Ursachen (z. B. chronische Hepatitis C, MASH) identifiziert werden (3). Eine Schädigung der Gallenwege kann ebenfalls zu einer Zirrhose führen, wie dies bei mechanischer Gallengangobstruktion, primärer biliärer Cholangitis und primärer sklerosierender Cholangitis der Fall ist.

Literatur zur Ätiologie

  1. 1. Tapper EB, Parikh ND. Diagnosis and Management of Cirrhosis and Its Complications: A Review. JAMA. 2023;329(18):1589-1602. doi:10.1001/jama.2023.5997

  2. 2. Alberts CJ, Clifford GM, Georges D, et al. Worldwide prevalence of hepatitis B virus and hepatitis C virus among patients with cirrhosis at country, region, and global levels: a systematic review. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2022;7(8):724-735. doi:10.1016/S2468-1253(22)00050-4

  3. 3. Nalbantoglu I, Jain D. Cryptogenic cirrhosis: Old and new perspectives in the era of molecular and genomic medicine. Semin Diagn Pathol. 2019;36(6):389-394. doi: 10.1053/j.semdp.2019.07.003

Pathophysiologie der Zirrhose

Es gibt zwei Hauptkomponenten:

  • Leberfibrose

  • regenerierende Leberzellen

Als Reaktion auf Gewebeschädigung und -verlust induzieren Wachstumsfaktoren eine hepatozelluläre Hyperplasie (Bildung von Regeneratknoten) und eine Arterienneubildung (Angiogenese). Zu den Substanzen, die das Wachstum regeln, gehören Zytokine und Leberwachstumsfaktoren (epithelialer Wachstumsfaktor, Hepatozytenwachstumsfaktor, transformierender Wachstumsfaktor Alpha, Tumornekrosefaktor). Insulin, Glucagon und die intrahepatische Gefäßarchitektur bestimmen Form und Lokalisation der Regeneratknoten.

Die Angiogenese führt zur Bildung von neuen Gefäßen in der Bindegewebehülle, die die Regeneratknoten umgibt. Diese Gefäße verbinden Leberarterie und Pfortader mit den Lebervenolen und stellen auf diese Weise wieder eine intrahepatische Zirkulation her. Allerdings kann durch diesen Kreislauf im Vergleich zur normalen Leber nur ein relativ geringer Blufluss erfolgen. Infolgedessen steigt der Portalvenendruck. Solche Zirkulationsstörungen tragen zur portalen Hypertonie bei, die sich verstärtk, weil die Regeneratknoten die hepatischen Venolen komprimieren.

Die Geschwindigkeit, mit der die Fibrose sich zur Zirrhose entwickelt, und die Morphologie der Zirrhose variieren von Patient zu Patient. Vermutlich ist der Grund für diese Unterschiede das Ausmaß der Exposition gegenüber dem schädigenden Stimulus und die individuelle Reaktion darauf.

Komplikationen

Die portale Hypertonie ist die häufigste schwerwiegende Komplikation eine Zirrhose und kann selbst Komplikationen verursachen, einschließlich

Aszitesflüssigkeit kann sich infizieren (spontane bakterielle Peritonitis). Portopulmonale Hypertonie kann sich mit Symptomen einer Herzinsuffizienz manifestieren. Die Komplikationen der portalen Hypertonie neigen zu einer signifikant erhöhten Morbidität und Mortalität.

Vasodilatation, intrapulmonale Rechts-links-Shunts sowie ein Missverhältnis zwischen Perfusion und Ventilation kann zur Hypoxie (hepatopulmonales Syndrom) führen.

Der progressive Verlust der Leberarchitektur beeinträchtigt die Funktion, was zu Leberinsuffizienz führt. Diese manifestiert sich als Koagulopathie, akutes Nierenversagen (hepatorenales Syndrom) und hepatische Enzephalopathie. Die hepatische Enzephalopathie ist durch Asterixis, Verwirrung oder Leberkoma gekennzeichnet und ist das Ergebnis der Unfähigkeit der Leber, die Toxine aus dem Gastrointestinaltrakt (GI) zu metabolisieren. Ein erhöhter Serumammoniakspiegel kann die Diagnose einer hepatischen Enzephalopathie unterstützen, korreliert jedoch nicht gut mit dem Schweregrad der hepatischen Enzephalopathie bei Patienten mit Zirrhose.

Zu den weiteren Komplikationen einer Leberzirrhose, die nicht durch eine portale Hypertonie verursacht werden, gehören:

Die Hepatozyten sekretieren weniger Galle und tragen so zu Cholestase und Gelbsucht bei. Weniger Galle im Darm führt zur Malabsorption von Nahrungsfett (Triglyzeride) und fettlöslicher Vitamine. Die Malabsorption von Vitamin D kann zu Osteoporose beitragen. Unterernährung und Sarkopenie sind häufig. Sie können auf Anorexie mit reduzierter Nahrungsaufnahme oder bei Patienten mit alkoholbedingter Lebererkrankung auf Malabsorption aufgrund von Pankreasinsuffizienz zurückzuführen sein.

Blutbildveränderungen sind häufig. Eine Anämie resultiert normalerweise aus Hypersplenismus, chronischen gastrointestinalen Blutungen, Folsäuremangel (insbesondere bei Patienten mit Alkoholismus) und Hämolyse.

Die Zirrhose führt zu einer verringerten Bildung von prothrombotischen und antithrombotischen Faktoren. Hypersplenismus und veränderte Expression von Thrombopoietin tragen zur Thrombozytopenie bei. Thrombozytopenie und verminderte Bildung von Gerinnungsfaktoren können die Blutgerinnung unvorhersehbar machen, was zu einem zunehmenden Risiko sowohl für Blutungen als auch für Thromboembolien (auch wenn die INR [international normalized ratio] in der Regel erhöht ist) führt. Leukopenie tritt ebenfalls häufig auf; sie wird durch Hypersplenismus und veränderte Expression von Erythropoietin und Granulozyten-stimulierenden Faktoren vermittelt.

Tipps und Risiken

  • Thromboembolische Komplikationen sollten bei Patienten mit Zirrhose, auch bei erhöhter INR, in Betracht gezogen werden.

Hepatozelluläres Karzinom häufig erschwert eine Zirrhose aus irgendeinem Grund (rechtfertigt eine klinische Überwachung). Die Gesamtinzidenz des hepatozellulären Karzinoms bei Patienten mit Zirrhose beträgt 1 bis 4 % (1); die Inzidenzen des hepatozellulären Karzinoms bei Zirrhosen unterschiedlicher Ätiologie sind nachfolgend aufgeführt (2, 3):

Histopathologie

Die Zirrhose ist durch regenerierende Knötchen und überbrückende Fibrose gekennzeichnet. Unvollständig gebildete Leberknoten, Knoten ohne Fibrose (nodulär regenerative Hyperplasie) und die kongenitale Leberfibrose (eine diffuse Fibrose ohne Regeneratknoten) sind keine echte Zirrhose.

Man unterscheidet eine mikronoduläre von einer makronodulären Zirrhose. Die mikronoduläre Zirrhose ist durch uniforme kleine Knoten (< 3 mm im Durchmesser) und breite Bindegewebesstränge charakterisiert. Den Knoten fehlt typischerweise die lobuläre Organisation; die terminalen (Zentral) Venen sowie Portalfelder sind zerstört. Mit der Zeit entwickelt sich oft eine makronoduläre Zirrhose. Die Knoten variieren in ihrer Größe (3 mm bis 5 cm im Durchmesser) und weisen teilweise eine relativ normale lobuläre Organisation von Portalfeldern und terminalen Venolen auf. Breite Bindegewebesstränge unterschiedlicher Dicke umgeben die großen Knoten. Von einem Kollaps der normalen Leberarchitektur ist auszugehen, wenn sich in den bindegewebigen Narben zahlreiche Portalfelder konzentriert finden. Eine gemischte Zirrhose (inkomplette septale Zirrhose) kombiniert Elemente der mikronodulären und makronodulären Zirrhose. Die Unterscheidung zwischen diesen morphologischen Arten der Zirrhose ist nur begrenzt von klinischer Relevanz.

Literatur zur Pathophysiologie

  1. 1. Ginès P, Krag A, Abraldes JG, et al. Liver cirrhosis. Lancet. 2021;398(10308):1359-1376. doi: 10.1016/S0140-6736(21)01374-X

  2. 2. Tarao K, Nozaki A, Ikeda T, et al. Real impact of liver cirrhosis on the development of hepatocellular carcinoma in various liver diseases-meta-analytic assessment. Cancer Med. 2019;8(3):1054-1065. doi:10.1002/cam4.1998

  3. 3. Ioannou GN, Green P, Lowy E, et al. Differences in hepatocellular carcinoma risk, predictors and trends over time according to etiology of cirrhosis. PLoS One. 2018;13(9):e0204412. Published 2018 Sep 27. doi:10.1371/journal.pone.0204412

Symptome und Anzeichen von Leberzirrhose

Eine Zirrhose kann über Jahre asymptomatisch sein, solange sie kompensiert wird. Oft sind die ersten Symptome unspezifisch; sie umfassen allgemeine Müdigkeit (aufgrund der Freisetzung von Zytokinen), Anorexie, Unwohlsein und Gewichtsverlust (siehe Tabelle ). Die Leber ist typischerweise tastbar und von fester Konsistenz mit einem stumpfen Rand; sie kann aber auch klein und nicht tastbar sein. Knoten kann man in der Regel nicht tasten.

Klinische Zeichen, die auf eine chronische Leberkrankheit oder auf einen Alkoholmissbrauch hindeuten, aber nicht spezifisch für eine Zirrhose sind, umfassen Abnahme der Muskulatur, Palmarerythem, Vergrößerung der Parotis, weiße ("Terry") Nägel, Trommelschlägelfinger, Dupuytren-Kontraktur, Spider-Nävi, Gynäkomastie, axillärer Haarverlust, Hodenatrophie und periphere Neuropathie.

Einige Anzeichen, die auf eine chronische Lebererkrankung oder chronischen Alkoholkonsum hindeuten, aber nicht spezifisch für eine Zirrhose sind
Palmarerythem bei Zirrhose

Dieses Foto zeigt die karminrote Farbe der Handflächen, Fingerspitzen, Hand- und Daumenballen bei einem Patienten mit Zirrhose.

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Terry-Nägel

Auf diesem Bild von Frottagenägeln ist fast der gesamte Nagel opak weiß, mit Ausnahme eines schmalen braunen bis rosafarbenen Bandes am distalen Rand des Nagels.

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Trommelschlägelfinger

Dieses Foto zeigt Trommelschlägelfinger eines Patienten im Vergleich zu einem normalen Finger.

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Dupuytren-Kontraktur des kleinen Fingers

DR P. MARAZZI/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Gynäkomastie

Dieses Foto zeigt vergrößertes Brustgewebe bei einem männlichen Patienten.

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Biophoto Associates/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Sobald sich eine Komplikation der Zirrhose entwickelt, ist eine zusätzliche Dekompensation (gekennzeichnet durch gastrointestinale Blutungen, Aszites oder hepatische Enzephalopathie) viel wahrscheinlicher.

Tabelle
Tabelle

Diagnose der Zirrhose

  • Leberbluttests, Gerinnungstests, Blutbild und serologische Tests zur Abklärung viraler Ursachen

  • Konventionelle bildgebende Untersuchungen der Leber: Ultraschall, CT, MRT

  • Nichtinvasive bildgebende Beurteilung der Fibrose: ultraschallbasierte Elastographie, Magnetresonanztomographie mit Elastographie und/oder Protonendichte-Fettfraktion

  • Identifikation der Ursache basierend auf Anamnese, körperlicher Untersuchung und Diagnostik.

  • Ggfs. Leberbiopsie

Allgemeine Vorgehensweise

Der Verdacht auf das Vorliegen einer Zirrhose besteht bei Patienten mit Manifestationen einer ihrer Komplikationen (siehe Tabelle ), insbesondere portale Hypertonie oder Aszites. Eine frühe Zirrhose sollte in Betracht gezogen werden bei Patienten mit unspezifischen Symptomen oder charakteristischen Laboranomalien, die zufällig bei einer Laboruntersuchung entdeckt wurden, insbesondere bei Patienten, die eine Erkrankung haben oder ein Medikament einnehmen, das Fibrose verursachen könnte.

Die Abklärung dient dazu, die Zirrhose und mögliche Komplikationen zu erkennen und ihre Ursache zu ermitteln.

Labortests

Am Anfang der diagnostischen Abklärung stehen Lebertests, der Gerinnungsparameter, des Blutbildes und serologischen Tests auf chronische Virushepatitis (siehe Tabellen und ). Allerdings können die Laboruntersuchungen allein nur den Verdacht auf eine Zirrhose verstärken, sie aber nicht bestätigen oder ausschließen.

Die Testergebnisse können normal sein oder auf unspezifische Anomalien hinweisen. Die Werte für Alanin-Aminotransferase (ALT) und Aspartat-Aminotransferase (AST) sind häufig leicht erhöht, können aber auch normal sein. Alkalische Phosphatase und gamma-Glutamyltranspeptidase (GGT) sind oft normal; erhöhte Werte deuten auf eine Cholestase oder Gallengangsobstruktion hin. Bilirubin befindet sich in der Regel im Normbereich, ist aber erhöht, wenn die Zirrhose fortschreitet, insbesondere bei der primären biliären Cholangitis. Vermindertes Serumalbumin und eine verlängerte Prothrombinzeit sind Ausdruck einer verminderten Lebersyntheseleistung, die üblicherweise im Endstadium der Erkrankung beobachtet werden kann. Bei schlechtem Ernährungszustand kann Albumin ebenfalls niedrig sein.

Eine Anämie tritt häufig auf und ist meist normozytär mit einer hohen Erythrozytenverteilungsbreite. Oft ist die Anämie multifaktoriell bedingt; ursächliche Faktoren sind chronische gastrointestinale Blutungen (führen meist zu mikrozytärer Anämie), Folsäuremangel (führt zu makrozytärer Anämie, v. a. bei Alkoholmissbrauch), Hämolyse und Hypersplenismus. Über das Blutbild lässt sich auch eine Leukopenie, Thrombozytopenie oder Panzytopenie nachweisen.

Blutuntersuchungen zur Feststellung einer Fibrose (oder eine Kombination aus nichtinvasiven Blut- und bildgebenden Untersuchungen) können Patienten mit Leberzirrhose identifizieren (siehe Diagnose der Fibrose).

Bildgebende Diagnostik

Die herkömmlichen bildgebenden Verfahren sind nicht besonders sensitiv oder spezifisch im Hinblick auf die Diagnose der Zirrhose selbst, können aber häufig deren Komplikationen detektieren (1, 2).

CT und MRT mit und ohne Kontrastmittel können eine knotige Textur, Varizen und Pfortader- oder Milzvenenthrombose erkennen und eine Leberläsion mit Verdacht auf ein hepatozelluläres Karzinom abgrenzen. Radionuklid-Leber-Szintigrafien mit Technetium‑99m‑Schwefelkolloid können eine unregelmäßige Leberaufnahme sowie eine erhöhte Aufnahme in Milz und Knochenmark zeigen, haben jedoch nur einen begrenzten Nutzen. Bei fortgeschrittener Zirrhose zeigt die Sonographie eine kleine, knotige Leber. Die Sonographie erkennt auch eine portale Hypertonie und Aszites.

Nichtinvasive bildgebende Untersuchungen (z. B. transiente Elastographie, Acoustic-Radiation-Force-Impulse-Bildgebung, zweidimensionale Scherwellenelastographie und Magnetresonanzelastographie) sind hilfreich für den Nachweis und das Staging der Fibrose, einschließlich der Diagnose einer frühen Zirrhose, wenn konventionelle bildgebende Befunde unklar sind und keine portale Hypertension erkennbar ist (3).

Identifizierung der Ursache

Die Bestimmung der spezifischen Ursache der Zirrhose erfordert klinische Informationen aus Anamnese und körperlicher Untersuchung sowie gezielte Diagnostik.

Alkohol ist die wahrscheinliche Ursache bei Patienten mit einer dokumentierten Vorgeschichte von Alkoholismus und Laborergebnissen von AST höher als ALT (insbesondere AST/ALT-Verhältnis) > 2), erhöhter Gamma-Glutamyltranspeptidase (GGT) und makrozytärer Anämie aufgrund von B12- und Folsäuremangel. Serum-Phosphatidylethanol (PETH), ein Metabolit von Ethanol, kann zur Abschätzung des Alkoholkonsums eines Patienten innerhalb der letzten 2 bis 4 Wochen herangezogen werden (4). Fieber, eine druckschmerzhafte Hepatomegalie und Gelbsucht können auf eine akute alkoholische Hepatitis hinweisen.

Der Nachweis von Serumantikörpern gegen Hepatitis C (Anti-HCV) und HCV-RNA weist auf Hepatitis C hin. Der Nachweis von Hepatitis-B-Oberflächenantigen (HBsAg) und Hepatitis-B-Kernantikörpern (Anti-HBcAb) bestätigt die chronische Hepatitis B. Chronische Hepatitis B mit sehr niedriger HBV-Viruslast kann bei HBV/HDV-Koinfektion auftreten. Die meisten Ärzte führen auch routinemäßig Untersuchungen auf folgende Störungen durch:

  • Autoimmunhepatitis: aufgrund eines hohen antinukleären Antikörpertiters (ein niedriger Titer ist unspezifisch und erfordert nicht immer weitergehende Untersuchungen) und bestätigt durch Hypergammaglobulinämie (IgG) und dem Nachweis anderer Autoantikörper (z. B. Antikörper gegen glatte Muskulatur oder Antikörper gegen Leber/Nieren-Mikrosomen Typ 1)

  • Hämochromatose: Vermutlich durch erhöhte Serumeisen- und Transferrinsättigung und bestätigt durch einen HFE-Gentest

  • Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Vermutet durch einen niedrigen Serum-Alpha-1-Antitrypsin-Spiegel und bestätigt durch Genotypisierung/Phänotypisierung

Wenn diese Ursachen nicht bestätigt werden, sind an andere Ursachen zu denken:

  • Das Vorhandensein von antimitochondrialen Antikörpern (bei 95%) (5) und erhöhten IgM deuten darauf hin primäre biliäre Cholangitis (PBC), die durch Biopsie bestätigt werden muss.

  • Mittels Magnetresonanz Cholangiopankreatikographie (MRCP) nachgewiesene Strikturen und Dilatationen der intra- und extrahepatischen Gallengänge lassen eine primär sklerosierende Cholangitis vermuten.

  • Verringertes Serumcoeruloplasmin und entsprechende Ergebnisse von Kupferanalysen können auf Morbus Wilson hindeuten.

  • Das Vorliegen von Adipositas und Diabetes in der Anamnese deutet auf eine Metabolismus-assoziierte Steatohepatitis (MASH) hin, eine Ausschlussdiagnose, die nur durch eine Leberbiopsie bestätigt werden kann.

Klinischer Rechner

Leberbiopsie

Die Leberbiopsie ist ein invasiver Eingriff, bei dem es zu Fehlern bei der Probenahme kommen kann, aber sie ist nach wie vor der Goldstandard für die Diagnose einer Zirrhose. Eine Leberbiopsie ist in den folgenden Situationen indiziert (6, 7):

  • wenn die klinischen Kriterien und nichtinvasiven Tests keine eindeutige Diagnose der Zirrhose oder ihrer Ätiologie zulassen (z. B. wenn klinisch der Verdacht auf eine gut kompensierte Zirrhose besteht und die Ergebnisse der Bildgebung nicht eindeutig sind);

  • Zur Bestätigung bestimmter Ursachen einer Zirrhose (z. B. Amyloidose, primär biliäre Cholangitis [PBC] oder primär sklerosierende Cholangitis [PSC] der kleinen Gallengänge)

  • um die Schwere und/oder Aktivität einiger Ursachen der Zirrhose (z. B. Autoimmunhepatitis) zu beurteilen, um die Intensität der Behandlung zu steuern.

  • um die Zirrhose bei bestimmten Zuständen, bei denen die nichtinvasive Bildgebung zur Fibrosebeurteilung nicht validiert ist (z. B. Schwangerschaft, kongestive Hepatopathie und seltene Lebererkrankungen), zu bestätigen.

In offensichtlichen Fällen von Zirrhose mit deutlicher Koagulopathie, portaler Hypertonie, Aszites und Leberversagen ist eine Biopsie nicht erforderlich, es sei denn, die Ergebnisse würden das Management der Erkrankung verändern. Bei Patienten mit Aszites, Koagulopathie und Thrombozytopenie ist der transjuguläre Zugang zur Biopsie am sichersten. Wenn dieser Zugang verwendet wird, können die Drücke gemessen und damit der transsinusoidale Druckgradient berechnet werden.

Überwachung

Allen Patienten mit Zirrhose sollten unabhängig von der Ursache regelmäßig auf hepatozelluläre Karzinome gescreent werden. Eine Abdomensonographie mit oder ohne Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) wird alle 6 Monate empfohlen (8). In einigen Gebieten, in denen Hepatitis B endemisch ist, haben sich CT- und MRT-basierte Screening-Protokolle als sensitiver für die Erkennung von Leberzellkarzinomen erwiesen. Werden Anomalien festgestellt, die auf ein HCC hindeuten, sollte eine kontrastverstärkte MRT oder eine Dreiphasen-CT des Abdomens (prä-Kontrast, arterielle Phase und venöse Phase) durchgeführt werden. Bestimmte Merkmale in der Kontrastmittelbildgebung (Kriterien des Liver Imaging Reporting and Data System [9, 10], einschließlich frühe arterielle Anreicherung, Auswaschung in der portalen Phase, Anreicherung der Kapsel) können ein hepatozelluläres Karzinom bestätigen und dem Patienten eine Biopsie ersparen. Der kontrastverstärkte Ultraschall ist eine validierte Alternative zu CT oder MRT (11, 12).

Das Vorhandensein einer klinisch signifikanten portalen Hypertonie (definiert als hepatischer Venendruckgradient ≥ 10 mm Hg) sollte bei Patienten mit kompensierter Zirrhose beurteilt werden (13). Für die Diagnose einer klinisch bedeutsamen portalen Hypertonie mit Hilfe nichtinvasiver Methoden werden folgende Diagnosekriterien vorgeschlagen. (14):

  • Lebersteifigkeit (LS) bei transienter Elastographie (TE) ≥ 25 kPa

  • LS bei TE 20 bis 25 kPa und Thrombozytenzahl < 150.000 /µL (< 150 × 10 9/L)

  • LS bei TE 15 bis 20 kPa und Thrombozytenzahl <110.000 /µL (<110 x 109/L)

Bei Patienten mit kompensierter Zirrhose und klinisch signifikanter portaler Hypertension, die mit nichtselektiven Betablockern behandelt werden, ist eine obere Endoskopie zur Screening‑Untersuchung auf gastroösophageale Varizen nicht erforderlich (15). Wenn der Patient jedoch kein Kandidat für einen nicht-selektiven Betablocker ist, sollte alle 2–3 Jahre eine obere Endoskopie zur Überwachung von Ösophagusvarizen durchgeführt werden, und bei Bedarf sollte eine endoskopische Bändelung durchgeführt werden.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Hetland LE, Kronborg TM, Thing M, et al. Suboptimal diagnostic accuracy of ultrasound and CT for compensated cirrhosis: Evidence from prospective cohort studies. Hepatol Commun. 2023;7(9):e0231. Published 2023 Aug 31. doi:10.1097/HC9.0000000000000231

  2. 2. Gleeson J, Barry J, O'Reilly S. Use of Liver Imaging and Biopsy in Clinical Practice. N Engl J Med. 2017;377(23):2296. doi: 10.1056/NEJMc1712445.

  3. 3. Sterling RK, Duarte-Rojo A, Patel K, et al. AASLD Practice Guideline on imaging-based noninvasive liver disease assessment of hepatic fibrosis and steatosis. Hepatology. 2025;81(2):672-724. doi:10.1097/HEP.000000000000 doi: 10.1097/HEP.0000000000000843.

  4. 4. Crabb DW, Im GY, Szabo G, et al. Diagnosis and Treatment of Alcohol-Associated Liver Diseases: 2019 Practice Guidance From the American Association for the Study of Liver Diseases. Hepatology. 2020;71(1):306-333. doi: 10.1002/hep.30866.

  5. 5. Lindor KD, Bowlus CL, Boyer J, et al. Primary Biliary Cholangitis: 2018 Practice Guidance from the American Association for the Study of Liver Diseases. Hepatology. 2019;69(1):394-419. doi: 10.1002/hep.30145.

  6. 6. Tapper EB, Parikh ND. Diagnosis and Management of Cirrhosis and Its Complications: A Review. JAMA. 2023;329(18):1589-1602. doi:10.1001/jama.2023.5997

  7. 7. Ginès P, Krag A, Abraldes JG, et al. Liver cirrhosis. Lancet. 2021;398(10308):1359-1376. doi: 10.1016/S0140-6736(21)01374-X

  8. 8. Singal AG, Llovet JM, Yarchoan M, et al. AASLD Practice Guidance on prevention, diagnosis, and treatment of hepatocellular carcinoma. Hepatology. 2023;78(6):1922-1965. doi:10.1097/HEP.0000000000000466

  9. 9. Tang A, Singal AG, Mitchell DG, et al. Introduction to the Liver Imaging Reporting and Data System for Hepatocellular Carcinoma. Clin Gastroenterol Hepatol. 2019;17(7):1228-1238. doi: 10.1016/j.cgh.2018.10.014.

  10. 10. Kierans AS, Fowler KJ, Chernyak V. LI-RADS in 2024: recent updates, planned refinements, and future directions. Abdom Radiol (NY). 2025;50(7):2868-2880. doi: 10.1007/s00261-024-04730-w

  11. 11. Wilson SR, Lyshchik A, Piscaglia F, et al. CEUS LI-RADS: algorithm, implementation, and key differences from CT/MRI. Abdom Radiol (NY). 2018;43(1):127-142. doi: 10.1007/s00261-017-1250-0

  12. 12. Lyshchik A, Wessner CE, Bradigan K, et al. Contrast-enhanced ultrasound liver imaging reporting and data system: clinical validation in a prospective multinational study in North America and Europe. Hepatology. 2024;79(2):380-391. doi:10.1097/HEP.0000000000000558

  13. 13. de Franchis R, Bosch J, Garcia-Tsao G, Baveno VII Faculty.: Baveno VII - Renewing consensus in portal hypertension. J Hepatol 2022;76(4):959-974. doi: 10.1016/j.jhep.2021.12.022.

  14. 14. Podrug K, Trkulja V, Zelenika M, et al: Validation of the new diagnostic criteria for clinically significant portal hypertension by platelets and elastography. Dig Dis Sci 2022;67(7):3327-3332. doi: 10.1007/s10620-021-07277-8

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Einschätzung des Schweregrads der Zirrhose

Es gibt verschiedene Bewertungssysteme zur Bestimmung des Schweregrads einer Erkrankung und der Prognose. Bewertungssysteme berücksichtigen leicht verfügbare klinische und Labordaten sowie mitunter die Ursache der Leberzirrhose. Scoring-Systeme dienen als Orientierungshilfe bei der Beurteilung, Behandlung und letztlich der Zuteilung von Organen, wenn Patienten auf die Transplantationsliste gesetzt werden.

Child-Turcotte-Pugh-Klassifikation für den Schweregrad der Lebererkrankung

Die Child-Turcotte-Pugh-Klassifikation berücksichtigt klinische Symptome sowie Laborergebnisse für die Beurteilung des Schweregrades der Erkrankung, des operativen Risikos und der Gesamtprognose (siehe Tabellen und ). Die Child-Pugh-Turcotte-Klassifikation hat jedoch Einschränkungen; zum Beispiel ist die Beurteilung der Schwere von Aszites und Enzephalopathie subjektiv; die Interrater-Reliabilität der Ergebnisse ist somit reduziert.

Klinischer Rechner
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Modell für Lebererkrankungen im Endstadium (MELD) 3.0

Im Gegensatz zur Child‑Turcotte‑Pugh‑Klassifikation schätzt der MELD‑3.0‑Score den Schweregrad der terminalen Lebererkrankung ein und basiert ausschließlich auf objektiven Daten: Geschlecht, Serumkreatinin, Serumbilirubin, SerumAlbumin und international normalisierte Ratio (INR) (1). Der MELD‑Score wird in den Vereinigten Staaten vom United Network for Organ Sharing verwendet, um die Zuteilung verfügbarer Organe an Kandidaten für eine Lebertransplantation ≥ 12 Jahre zu bestimmen, da er Kandidaten nach Mortalitätsrisiko stratifizieren kann (siehe Tabelle ). Der MELD-Score 3.0 hat frühere Versionen dieses Bewertungssystems (MELD und MELD-Na) weitgehend abgelöst, wenngleich ältere Systeme in bestimmten Populationen und klinischen Situationen weiterhin verwendet werden können (z. B. MELD-Na zur Vorhersage der postoperativen Mortalität bei Patienten mit Leberzirrhose) (1, 2).

Tabelle
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Klinischer Rechner

PELD-Score (Pädiatrische Lebererkrankung im Endstadium)

Für Patienten < 12 Jahre wird der entsprechende PELD (Pediatric End-Stage Liver Disease)-Score berechnet: Höhere PELD-Score-Werte stehen für ein höheres Risiko (3, 4). Die aktuelle Version (PELD Cr) umfasst das Alter, das Serum-Albumin, das Gesamtbilirubin im Serum, die International Normalized Ratio (INR), das Serumkreatinin sowie den niedrigeren der beiden Z-Scores für Körpergröße und Körpergewicht.

Klinischer Rechner

Literatur zur Einschätzung der Krankheitsschwere

  1. 1. Kim WR, Mannalithara A, Heimbach JK, et al: MELD 3.0: The model for end-stage liver disease updated for the modern era. Gastroenterology 2021;161(6):1887-1895.e4. doi: 10.1053/j.gastro.2021.08.050

  2. 2. Kim WR, Biggins SW, Kremers WK, et al. Hyponatremia and mortality among patients on the liver-transplant waiting list. N Engl J Med. 2008;359(10):1018-1026. doi:10.1056/NEJMoa0801209

  3. 3. Hsu E, Schladt DP, Wey A, et al. Improving the predictive ability of the pediatric end-stage liver disease score for young children awaiting liver transplant. Am J Transplant. 2021;21(1):222-228.

  4. 4. OPTN Liver and Intestinal Organ Transplantation Committee. Notice of OPTN Policy and Guidance Changes: Improving Liver Allocation: MELD, PELD, Status 1A, Status 1B. Accessed December 2, 2025.

Behandlung von Zirrhose

  • Begleittherapie

  • Behandlung von Ursache und Komplikationen

  • Manchmal Lebertransplantation

Im Allgemeinen ist die Behandlung unterstützend und besteht aus dem Absetzen der entsprechenden, möglicherweise schädigenden Medikamente, guter Ernährung (inkl. Vitaminsubstitution) und der Behandlung der zugrunde liegenden Krankheiten und Komplikationen. Die Dosis von Medikamenten, die in der Leber verstoffwechselt werden, sollte entsprechend reduziert werden. Jeglicher Alkoholkonsum und potenziell hepatotoxische Substanzen müssen vermieden werden. Bei Patienten mit Zirrhose, die ihren chronischen Alkoholkonsum fortgesetzt haben, ist mit Entzugserscheinungen während des Krankenhausaufenthalts zu rechnen. Die Patienten sollten gegen virale Hepatitis A und B geimpft, es sei denn, es besteht bereits Immunschutz.

Patienten mit Varizen erfordern eine Behandlung zur Blutungsprophylaxe (siehe Portale Hypertonie: Behandlung). Patienten mit kompensierter Zirrhose, die eine klinisch signifikante portale Hypertonie aufweisen, sollten zur Verhinderung einer Dekompensation mit einem nichtselektiven Betablocker behandelt werden (1, 2). Carvedilol ist der bevorzugte nichtselektive Betablocker, da es im Vergleich zu anderen nichtselektiven Betablockern (z. B. Propranolol) einen größeren Nutzen bietet und die Überlebensrate verbessert. Wenn der Patient kein Kandidat für einen nichtselektiven Betablocker ist, sollte eine obere Endoskopie durchgeführt werden. Mittlere und große Ösophagusvarizen sollten prophylaktisch mit einer endoskopischen Bändelung (Ligatur) behandelt werden. Wenn Magenvarizen einer endoskopischen Bändelung nicht zugänglich sind und der Patient kein Kandidat für nichtselektive Betablocker ist, kann eine ballonverschließende retrograde transvenöse Obliteration oder endoskopische Cyanoacrylatinjektion durchgeführt werden.

Ein transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS) sollte in Erwägung gezogen werden, wenn Patienten Komplikationen der portalen Hypertension aufweisen, die gegenüber Standardtherapien refraktär sind, einschließlich Aszites und rezidivierender Varizenblutungen (2). TIPS ist bei Patienten mit Herzinsuffizienz, mittelschwerer oder schwerer pulmonaler Hypertonie oder hepatischer Enzephalopathie relativ kontraindiziert. Patienten mit hohen MELD-Scores (> 18) haben ein erhöhtes Mortalitätsrisiko nach TIPS.

Eine Lebertransplantation ist bei Patienten mit Lebererkrankung im Endstadium oder mit HCC indiziert. Das Sterberisiko ohne Lebertransplantation übersteigt das Transplantationsrisiko (z. B. perioperative Komplikationen, dauerhafte Immunsuppression) ab einem MELD-Score von mehr als etwa 15 (3). Daher sollten Patienten, wenn der MELD‑Score 15 ist, wenn ihr HCC die Kriterien für eine Ausnahme vom üblichen MELD‑Score‑Kriterium erfüllt oder wenn die Zirrhose klinisch dekompensiert ist, an ein Transplantationszentrum überwiesen werden.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. de Franchis R, Bosch J, Garcia-Tsao G, Baveno VII Faculty.. Baveno VII - Renewing consensus in portal hypertension. J Hepatol 2022;76(4):959-974. doi: 10.1016/j.jhep.2021.12.022

  2. 2. Kaplan DE, Ripoll C, Thiele M, et al. AASLD Practice Guidance on risk stratification and management of portal hypertension and varices in cirrhosis. Hepatology. 2024;79(5):1180-1211. doi: 10.1097/HEP.0000000000000647

  3. 3. Lucey MR, Furuya KN, Foley DP. Liver Transplantation. N Engl J Med. 2023;389(20):1888-1900 doi: 10.1056/NEJMra2200923

Prognose der Zirrhose

Die Prognose ist im Einzelfall oft schlecht vorherzusagen. Dies hängt von Faktoren wie Ätiologie, Schweregrad, Vorliegen von Komplikationen, Begleiterkrankungen, Wirtsfaktoren wie Alter bei Diagnosestellung und möglicherweise ethnischer Zugehörigkeit sowie der Wirksamkeit der Therapie ab (1, 2, 3). Zunächst galt die Zirrhose als irreversibel, doch neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sie reversibel ist (1, 4, 5). Patienten, die ihren Alkoholkonsum auch in kleinen Mengen fortsetzen, haben eine schlechte Prognose.

Die Klassifikationssysteme zur Einstufung des Schweregrades der Erkrankung, einschließlich der Child-Turcotte-Pugh-, MELD- und PELD-Scores, liefern spezifischere prognostische Informationen. Siehe Tabellen und .

Literatur zur Prognose

  1. 1. Tapper EB, Parikh ND. Diagnosis and Management of Cirrhosis and Its Complications: A Review. JAMA. 2023;329(18):1589-1602. doi:10.1001/jama.2023.5997

  2. 2. Ginès P, Krag A, Abraldes JG, et al. Liver cirrhosis. Lancet. 2021;398(10308):1359-1376. doi:10.1016/S0140-6736(21)01374-X

  3. 3. Kanwal F, Taylor TJ, Kramer JR, et al. Development, Validation, and Evaluation of a Simple Machine Learning Model to Predict Cirrhosis Mortality. JAMA Netw Open. 2020;3(11):e2023780. Published 2020 Nov 2. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.23780

  4. 4. Premkumar M, Kamath PS, Reiberger T, et al. Recompensation in decompensated cirrhosis. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2025;10(11):1028-1040. doi:10.1016/S2468-1253(25)00095-0

  5. 5. Hytiroglou P, Theise ND. Regression of human cirrhosis: an update, 18 years after the pioneering article by Wanless et al. Virchows Arch. 2018;473(1):15-22. doi:10.1007/s00428-018-2340-2

Wichtige Punkte

  • Morbidität und Mortalität bei Zirrhose sind üblicherweise auf ihre Komplikationen (z. B. portale Hypertonie, Leberversagen, hämatologische Probleme) zurückzuführen.

  • Untersuchen Sie alle Patienten mit Zirrhose auf Autoimmunhepatitis, hereditäre Hämochromatose und Alpha-1-Antitrypsin-Mangel sowie auf die häufigeren Ursachen, Metabolismus-assoziierte Lebererkrankung (MASLD, früher bekannt als nichtalkoholische Fettlebererkrankung/NAFLD) sowie alkoholische und virale Hepatitis.

  • Eine Leberbiopsie sollte dann gemacht werden, wenn eine klare Diagnose zu einem besseren Management und Ergebnis führen würde.

  • Alle Patienten sollten regelmäßig auf klinisch signifikante portale Hypertension/gastroösophageale Varizen und hepatozelluläres Karzinom überwacht werden, und je nach klinischer Indikation werden Tests durchgeführt.

  • Behandeln Sie eine Leberzirrhose unterstützend, unter anderem mit Betablockern oder endoskopischer Ligatur zur Vorbeugung von Blutungen, Diuretika bei Aszites sowie Lactulose oder Rifaximin bei hepatischer Enzephalopathie.

  • Zur Prognoseabschätzung kann der Child-Turcotte-Pugh- und der MELD-Score (Modell der Lebererkrankung im Endstadium) verwendet werden; Patienten mit einem MELD 3.0-Score 15 sollten überwiesen werden, um sie für eine Lebertransplantation zu evaluieren.

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