Nahrungsergänzungsmittel im Überblick

VonLaura Shane-McWhorter, PharmD, University of Utah College of Pharmacy
Reviewed ByEva M. Vivian, PharmD, MS, PhD, University of Wisconsin School of Pharmacy
Überprüft/überarbeitet Geändert Juli 2025
v1125905_de
Aussicht hier klicken.

Nahrungsergänzungsmittel sind die am häufigsten angewandte Form von integrativer, komplementärer oder alternativer Therapie, in erster Linie wegen ihrer breiten Verfügbarkeit, relativen Kostengünstigkeit, und weil sie ohne Konsultierung eines Arztes gekauft werden können.

In den Vereinigten Staaten reguliert die Food and Drug Administration (FDA) Nahrungsergänzungsmittel anders als verschreibungspflichtige und rezeptfreie Medikamente. Die FDA reguliert Qualitätskontrolle und gute Herstellungsverfahren von Nahrungsergänzungsmitteln, stellt jedoch weder die Standardisierung der aktiven Wirkstoffe noch deren Wirksamkeit sicher. Im Gegensatz dazu unterliegen verschreibungspflichtige und rezeptfreie Medikamente der Kefauver-Harris-Novelle von 1962, die von den Herstellern den Nachweis sowohl der Sicherheit als auch der Wirksamkeit der Arzneimittel verlangt.

Definition von Nahrungsergänzungsmitteln

In den Vereinigten Staaten definiert der Dietary Supplement Health and Education Act (DSHEA) von 1994 ein Nahrungsergänzungsmittel wie folgt (1):

  • das – in Form von Pillen, Kapseln, Tabletten oder flüssigen Lösungen – Vitamine, Mineralstoffe, Kräuter, Aminosäuren oder irgendein anderes bekanntes Planzenpräparat enthält und als Ergänzung zur normalen Ernährung gedacht ist, als Nahrungsergänzungsmittel definiert.

Darüber hinaus werden bestimmte Hormone wie Dehydroepiandrosteron (DHEA, eine Vorstufe von Androgenen und Östrogenen) und Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel und nicht als verschreibungspflichtige Medikamente angesehen.

Kennzeichnung von Nahrungsergänzungsmitteln

Die Kennzeichnung von Nahrungsergänzungsmitteln ist weltweit nicht standardisiert, und es gibt je nach Land oder Region erhebliche Unterschiede. In den Vereinigten Staaten schreibt das DSHEA vor, dass das Produktetikett das Produkt als Nahrungsergänzungsmittel kennzeichnet und den Verbraucher darauf hinweist, dass die Angaben zum Supplement nicht von der FDA bewertet wurden. Das Etikett muss außerdem den Inhaltsstoff genau bezeichnen, Angaben über die Menge, das Gewicht und die Herkunft machen.

Den Herstellern ist zwar erlaubt, für Struktur und Funktionsweise des Produkts zu werben (z. B. gut für die Gesundheit der Harnwege), doch sie dürfen es weder ausdrücklich noch implizit als Medikament oder Therapeutikum (z. B. zur Behandlung von Harnwegsinfektionen) deklarieren. Verfallsdaten können auf den standardisierten Produktetiketten angegeben werden, wenn diese Angaben durch stichhaltige Daten belegt sind, die zeigen, dass sie nicht falsch oder irreführend sind.

Sicherheit und Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln

Die Regulierung der Sicherheit und Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln ist weltweit sehr unterschiedlich.

In den Vereinigten Staaten verlangt die FDA nicht, dass Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln die Sicherheit oder Wirksamkeit nachweisen, obwohl die Supplemente eine Sicherheitshistorie aufweisen müssen (z. B. wenn die Zutat in der Lebensmittelversorgung enthalten ist). Hersteller und Vertreiber von Nahrungsergänzungsmitteln müssen der FDA schwerwiegende unerwünschte Ereignisse über das MedWatch-System, ein Programm zur Meldung der Sicherheit von Medizinprodukten, melden.

Die meisten Menschen, die Nahrungsergänzungsmittel verwenden, gehen davon aus, dass diese für die allgemeine Gesundheit vorteilhaft sind und dass sie sowohl sicher als auch wirksam bei der Behandlung und/oder Vorbeugung bestimmter Erkrankungen sind. Diese positive Wahrnehmung könnte darauf zurückzuführen sein, dass Nahrungsergänzungsmittel als natürlich gelten (d. h. pflanzlichen oder tierischen Ursprungs) und dass einige seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin verwendet werden.

Obwohl die Zahl klinisch basierter Studien zunimmt, wurden die meisten Supplemente nicht umfassend untersucht. Informationen über einige laufende klinische Studien sind beim NIH National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) erhältlich.

Bei den meisten Nahrungsergänzungsmitteln stammen die Hinweise auf Sicherheit oder Wirksamkeit aus

  • Traditionelle Verwendung

  • In-vitro-Studien

  • Fallberichte

  • Tierstudien

Reinheit und Standardisierung von Nahrungsergänzungsmitteln

Der Mangel an Regulierung und staatlicher Überwachung von Nahrungsergänzungsmitteln wirft Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit der von Herstellern gemachten Produktangaben auf. Die Nahrungsergänzungsmittel enthalten möglicherweise nicht die Inhaltsstoffe oder die Menge des Wirkstoffs, die der Hersteller angibt. Ein Ergänzungsmittel kann auch nicht aufgeführte, unwirksame oder sogar schädliche Bestandteile oder veränderliche Mengen der aktiven Wirkstoffe enthalten (z. B. natürliche Toxine, Bakterien, Pestizide, Blei oder andere Schwermetalle, nicht genehmigte Farbstoffe), besonders wenn es sich um zerkleinerte ganze Pflanzen oder um Extrakte handelt. Für die Verbraucher besteht die Gefahr, mal weniger, mal mehr oder in einigen Fällen gar nichts von dem aktiven Wirkstoff zu bekommen, sofern er überhaupt bekannt ist. Die meisten pflanzlichen Produkte sind Gemische aus mehreren Substanzen, und der wirksamste Inhaltsstoff ist nicht immer bekannt.

Der Mangel an Standardisierung führt zu Variabilität nicht nur zwischen Produkten verschiedener Hersteller, sondern auch zwischen verschiedenen Chargen desselben Herstellers. Diese Produktvariabilität stellt eine besondere Herausforderung für die Durchführung rigoroser klinischer Studien und den Vergleich der Ergebnisse zwischen den Studien dar. Einige Nahrungsergänzungsmittel wurden jedoch standardisiert und können eine entsprechende Kennzeichnung auf dem Etikett vorweisen.

Zu den Vorschriften für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln in den Vereinigten Staaten gehören die aktuellen guten Herstellungspraktiken (CGMPs) für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sowie die aktuellen guten Herstellungspraktiken für die Herstellung, Verpackung oder Lagerung von Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr. Diese Regeln stärken Standards für die Hygiene der Fertigungsstätten und Produktionsgeräte und für die Reinheit der Rohstoffe. Die CGMP („aktuelle gute Herstellungspraxis“) gewährleisten außerdem die korrekte Kennzeichnung, Verpackung und Lagerung des Endprodukts.

Weitere Bedenken hinsichtlich der Nahrungsergänzungsmittel

Weitere kritische Punkte sind die

  • Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln anstatt von herkömmlichen Medikamenten

  • Stabilität der Ergänzungspräparate (vor allem pflanzlicher Produkte), wenn sie einmal hergestellt sind

  • Intoxikation

  • Wechselwirkungen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten oder Krankheitszuständen

  • Beitrag zur Fehldiagnose

Die meisten Informationen zu diesen Bedenken stammen aus sporadischen Einzelfallberichten (siehe Tabelle ) sowie aus einigen Forschungsstudien.

Trotz dieser Bedenken sind viele Patienten so überzeugt vom Nutzen der Ergänzungsmittel, dass sie diese mit oder ohne Einwilligung ihres Arztes weiterhin verwenden. Entweder denken sie nicht daran, es ihm mitzuteilen, oder sie wollen es bewusst verheimlichen. Aus diesem Grund sollte im Anamnesegespräch mit ambulanten Patienten in regelmäßigen Abständen nachgefragt werden, ob sie früher oder neuerdings eine integrative, komplementäre oder alternative Behandlung ausprobiert haben (einschl. Nahrungsergänzungsmitteln). Einige Ärzte beziehen von sich aus bestimmte Ergänzungsmittel in die Behandlung mit ein und begründen dies mit dem nachweislichen Nutzen eines Mittels, dem Wunsch, für größere Anwendungssicherheit bei Patienten zu sorgen, die solche Mittel ohnehin nehmen würden, und mit ihrer eigenen Überzeugung, dass es sichere und wirksame Mittel sind.

Zu den häufigen Anliegen bei der Anwendung dieser Ergänzungen sind:

  • Placebo-Effekte können eine echte Wirksamkeit simulieren, vor allem, wenn der Patient und/oder Arzt stark an die Ergänzung glaubt.

  • Therapeutische Antworten auf Ergänzungen -placebo-vermittelte oder auf andere Weise- könnten fälschlicherweise als Beweis angenommen werden, der eine bestimmte, möglicherweise falsche, Diagnose bestätigt.

Zur Sicherheit von Ergänzungsmitteln gibt es nur wenige Daten, an die man sich bei der Beratung der Patienten halten könnte. Doch Fachleute glauben, dass Ergänzungsmittel, bezogen auf die Gesamtzahl der Dosen, insgesamt selten Probleme verursachen und dass Produkte, die richtig verarbeitet wurden, wahrscheinlich sicher sind. Daher raten diese Experten zum Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln von einem bekannten Hersteller.

Die in den Manuals behandelten Ergänzungsmittel umfassen solche, die häufig verwendet werden, solche, für die es gewisse Hinweise auf Wirksamkeit gibt, oder solche, bei denen Sicherheitsbedenken bestehen. Umfassendere Informationen sind über das NIH National Center for Complementary and Integrative Health erhältlich.

Tabelle
Tabelle

Hinweis

  1. 1. National Institutes of Health (NIH), Office of Dietary Supplements. Dietary Supplement Health And Education Act of 1994 (DSHEA)

Weitere Informationen

quizzes_lightbulb_red
Test your KnowledgeTake a Quiz!
DE_MSD_Mobile_Pro_326IOS ANDROID
DE_MSD_Mobile_Pro_326IOS ANDROID
DE_MSD_Mobile_QR_Pro_326iOS ANDROID