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Harninkontinenz bei Erwachsenen

Von

Patrick J. Shenot

, MD, Thomas Jefferson University Hospital

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Quellen zum Thema

Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel zu wenig beachtet und es wird zu wenig darüber berichtet. Viele Patienten informieren ihren Arzt nicht über das Problem, und viele Ärzte fragen nicht explizit nach Inkontinenz. Inkontinenz kann in jedem Lebensalter auftreten, kommt aber häufiger bei älteren Menschen und besonders bei Frauen vor, von denen etwa 30% betroffen sind, gegenüber 15% der älteren Männer.

Inkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich, indem sie Schamgefühl, Stigmatisierung, Isolierung und Depression verursacht. Viele ältere Menschen sind in Pflegeheimen untergebracht, weil ihre Inkontinenz eine starke Belastung für ihre Betreuer ist. Bei bettlägerigen Patienten reizt und mazeriert der Urin die Haut und fördert so Dekubitusbildung. Ältere Menschen mit Harndrang haben ein höheres Sturz- und Frakturrisiko.

Formen

Inkontinenz kann sich als fast permanentes Tröpfeln manifestieren oder als intermittierender Harnabgang mit oder ohne das Gefühl, Wasser lassen zu müssen. Manche Patienten haben einen extremen Harndrang (nicht unterdrückbarer Zwang, Wasser zu lassen) mit nur kurzer oder ohne Vorwarnung und können den Harndrang nicht bis zum Erreichen einer Toilette unterdrücken (sog. Dranginkontinenz). Inkontinenz kann durch Bewegungen, die den intraabdominalen Druck erhöhen, entstehen oder sich verschlechtern. Nachträufeln ist äußerst häufig und bei Männern wahrscheinlich sogar normal. Es ist manchmal hilfreich, das klinische Muster zu erkennen, doch häufig überlappen sich die Ursachen auch und dann ist ein Teil der Behandlung identisch.

Als Dranginkontinenz wird unkontrollierter Harnverlust (von mittelgroßen bis großen Volumen) bezeichnet, der sofort beginnt, sobald das dringende unbändige Bedürfnis des Wasserlassens auftritt. Nykturie und nächtliche Inkontinenz sind häufig. Dranginkontinenz ist die häufigste Form der Inkontinenz bei älteren Menschen, kann aber auch bei jüngeren vorkommen. Sie wird oft durch Einnahme von Diuretika ausgelöst und verstärkt sich, wenn eine Toilette nicht schnell genug erreicht werden kann. Bei Frauen, trägt eine atrophische Vaginitis, die mit dem Altern häufig auftritt, zur Verschmälerung und Reizung der Harnröhre sowie Harndrang bei.

Stressinkontinenz ist charakterisiert als Urinverlust durch abrupte Zunahme des intraabdominalen Drucks, z. B. beim Husten, Niesen, Lachen, Beugen oder Heben. Die verlorene Harnmenge ist gewöhnlich gering bis mittelgroß. Es ist der zweithäufigste Typ von Inkontinenz bei Frauen, häufig als Folge von Komplikationen bei der Entbindung oder als Folge einer atrophischen Urethritis. Männer können Stressinkontinenz nach Eingriffen wie z. B. eine radikale Prostatektomie entwickeln. Stressinkontinenz ist bei dicken Menschen typischerweise stärker ausgeprägt, weil der erhöhte intraabdominale Druck sich auf die Blasenkuppe überträgt.

Überlaufinkontinenz ist durch ständiges Träufeln aus einer übervollen Blase gekennzeichnet. Das Verlustvolumen ist meist gering, aber es tröpfelt ständig, was zu einem großen Gesamturinverlust führt. Überlaufinkontinenz ist die zweithäufigste Inkontinenzform bei Männern.

Funktionelle Inkontinenz ist gekennzeichnet durch kognitive oder physische Störungen, z. B. durch Demenz Demenz Demenz ist eine chronische, globale, meist irreversible Verschlechterung der Kognition. Die Diagnose wird klinisch gestellt; Laboruntersuchungen und Bildgebungsverfahren werden üblicherweise... Erfahren Sie mehr oder Schlaganfall Übersicht zum Schlaganfall Der Begriff „Schlaganfall“ umfasst eine heterogene Krankheitsgruppe, bezeichnet wird eine plötzliche, fokale Unterbrechung des zerebralen Blutflusses, die ein neurologisches Defizit verursacht... Erfahren Sie mehr  Übersicht zum Schlaganfall , oder Umgebungsbedingungen, die die Kontrolle über das Wasserlassen stören. Zum Beispiel kann der Patient nicht die Notwendigkeit des Wasserlassens erkennen, kann nicht wissen, wo die Toilette ist, oder nicht in der Lage sein, zu einer entfernt gelegenen Toilette zu gehen. Neurale Bahnen und Harntraktmechanismen, die die Kontinenz kontrollieren, können unbeeinträchtigt sein.

Gemischte Inkontinenz ist eine Kombination der o. g. Formen. Häufigste Kombinationen sind Drang- und Stressinkontinenz sowie Drang- oder Stressinkontinenz mit funktioneller Inkontinenz.

Ätiologie

Die Störungen unterscheiden sich in den verschiedenen Altersgruppen. Mit dem Alterungsprozess nimmt die Blasenkapazität ebenso ab, wie die Fähigkeit, den Harndrang zu unterdrücken. Willkürliche Blasenkontraktionen (Detrusorüberaktivität) nehmen zu, die Blasenkontraktilität ist gestört. Auf diese Weise wird es immer schwieriger, das Wasserlassen zu verschieben, auf der anderen Seite wird die Miktion unvollständig. Das Restharnvolumen nimmt zu, wahrscheinlich bis auf 100 ml (normal < 50 ml). Die endopelvine Faszie wird schwächer;

Bei postmenopausalen Frauen nimmt der Östrogenspiegel ab, was zu einer atrophischen Urethritis, athropischen Vaginitis und zu einem erniedrigten urethralen Widerstand, Verkürzung der Harnröhrenlänge und Verminderung des maximalen Verschlussdrucks führt.

Bei Männern nimmt die Prostatagröße zu, blockiert z. T. die Harnröhre und führt zu unvollständiger Blasenentleerung und Überdehnung des Detrusors. Diese Veränderungen bilden sich bei vielen gesunden, kontinenten älteren Männern aus und können so die Inkontinenz fördern.

Bei jüngeren Patienten beginnt die Inkontinenz oft plötzlich mit nur geringem Urinverlust und bildet sich gewöhnlich unter einer leichten oder gar keiner Therapie rasch wieder zurück. Oft gibt es für die Inkontinenz bei jungen Menschen eine einzige Ursache, bei älteren sind es oft mehrere.

Eine Unterteilung in reversible (vorübergehende) oder bleibende Ursachen kann nützlich sein. Allerdings überschneiden sich Ursachen und Mechanismen häufig und treten in Kombination auf.

Vorübergehende Inkontinenz

Es gibt mehrere Ursachen für vorübergehende Inkontinenz (siehe Tabelle Ursachen der vorübergehenden Inkontinenz Ursachen der vorübergehenden Inkontinenz Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr ). Eine nützliche Merkhilfe für die vielen vorübergehende Ursachen ist die sog. DIAPPERS-Regel (Anm. d. Red.: in Anlehnung an das engl. Wort diaper = Windel): Delirium, Infektion (üblicherweise symptomatischer HWI Einführung in die Harnwegsinfektionen (HWIs) Harnwegsinfektionen (HWI) können unterteilt werden in die Nieren betreffende Infektionen des oberen Harntraktes (Pyelonephritis) und solche des unteren Harntraktes, welche Blase (Zystitis),... Erfahren Sie mehr ), Atrophische Urethritis und Vaginitis, Pharmaka (solche mit alpha-adrenergen, cholinergen oder anticholinergen Eigenschaften, Diuretika, Sedativa), Psychische Störungen (insb. Depression), Exzessive Urinausscheidung (Polyurie), Reduzierte Mobilität und Stuhlverstopfung.

Tabelle
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Permanente Inkontinenz

Eine permanente Inkontinenz wird durch ein fortdauerndes Problem verursacht, das die Nerven oder Muskeln betrifft. Die Mechanismen, die dieses Problem beschreiben, werden üblicherweise als Blasenauslassinkompetenz oder -obstruktion, Detrusorüber- oder Detrusorminderaktivität, Sphinkter-Detrusor-Dyssynergie oder eine Kombination daraus beschrieben (siehe Tabelle Ursachen der permanenten Inkontinenz Ursachen der permanenten Inkontinenz Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr ). Diese Mechanismen sind bei vorübergehenden Ursachen allerdings ebenso beteiligt.

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Die Auslassinkompetenz ist eine häufige Ursache für Stressinkontinenz. Bei Frauen besteht sie in der Regel aufgrund einer Schwäche des Beckenbodens oder der endopelvinen Faszie. Eine solche Schwäche resultiert gewöhnlich aus mehrfachen vaginalen Entbindungen, Beckeneingriffen (einschl. Hysterektomie), altersbedingten Veränderungen (einschl. atrophischer Urethritis) oder einer Kombination der genannten Veränderungen. Als Folge davon senkt sich die vesikourethrale Verbindung, der Blasenhals und die Harnröhre werden hypermobil und der Druck in der Harnröhre fällt unter den der Blase. Häufige Ursache bei Männern ist eine Beschädigung des Schließmuskels oder Blasenhalses sowie der posterioren Harnröhre nach radikaler Prostatektomie.

Eine häufige Inkontinenzursache bei Männern ist eine Blasenauslassobstruktion, obwohl die meisten Männer mit Obstruktion nicht inkontinent sind. Die Obstruktion bei Männern ist meist auf eine benigne Prostatahyperplasie Benigne Prostatahyperplasie (BPH) Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) stellt eine gutartige adenomatöse Wucherung der periurethralen Prostatadrüse dar. Die Symptome entsprechen denen der Blasenauslassobstruktion: abgeschwächter... Erfahren Sie mehr , ein Prostatakarzinom Prostatakarzinom Das Prostatakarzinom ist meist ein Adenokarzinom. Die Symptome bleiben typischerweise so lange aus, bis das Tumorwachstum eine Hämaturie und/oder Obstruktion mit Schmerzen verursacht. Die Diagnose... Erfahren Sie mehr oder eine Harnröhrenstriktur Urethrastriktur Eine Urethrastriktur ist eine Narbenbildung, die die das vorderen Harnröhrenlumen behindert. Eine Urethrastriktur ist entweder Angeboren Erworben Alles, was das Harnröhrenepithel oder den Corpus... Erfahren Sie mehr zurückzuführen. Bei Männern und Frauen kann Koteinklemmung eine Obstruktion bewirken. Bei Frauen kann die Obstruktion aber Folge einer vorausgegangenen Operation wegen Inkontinenz oder einer Zystozele Vorderer und hinterer Vaginalwandprolaps Beim vorderen und hinteren Scheidenwandvorfall kommt es zu einer Vorwölbung eines Organs in den Vaginalkanal. Der vordere Scheidenwandprolaps wird allgemein als Zystozele oder Urethrozele bezeichnet... Erfahren Sie mehr sein, die zu einem Abknicken der Urethra bei der Miktion führt.

Die Obstruktion führt zur chronischen Überdehnung der Blase und damit zum Verlust ihrer Kontraktionsfähigkeit. Infolgedessen kann sich die Blase nicht vollständig entleeren, und es bildet sich eine Überlaufblase. Verstopfung kann auch zu Detrusorhyperaktivität und Dranginkontinenz führen. Wenn der Detrusormuskel seine Fähigkeit zu kontrahieren verliert, kann eine Überlaufinkontinenz die Folge sein. Einige Ursachen einer Blasenauslassobstruktion (z. B. große Blasendivertikel, Zystozelen, Blaseninfektionen, Steine und Tumoren) sind reversibel.

Detrusorüberaktivität ist ein häufiger Grund für Dranginkontinenz bei älteren und jungen Patienten. Der Detrusor zieht sich ohne erkennbaren Grund in Abständen zusammen, typischerweise wenn die Blase nur teilweise oder kaum gefüllt ist. Die Detrusorüberaktivität kann idiopathisch oder Folge einer Dysfunktion im frontalen Miktionskontrollzentrum (typisch für altersbedingte Veränderungen, Demenz oder Schlaganfall) oder Folge einer Auslassobstruktion sein. Eine Detrusorüberaktivität (Hyperaktivität) mit gestörter Kontraktilität stellt eine Variante der Dranginkontinenz dar, deren Kennzeichen Harndrang, häufiges Wasserlassen, schwacher Harnstrahl, Harnretention, Blasenwandtrabekulierung und Restharn > 50 ml sind. Diese Variante kann bei Männern ein benignes Prostatasyndrom (BPS) oder bei Frauen eine Stressinkontinenz vortäuschen.

Eine Detrusorminderaktivität verursacht Harnretention und Überlaufinkontinenz bei etwa 5% aller Patienten mit Inkontinenz. Ursache hierfür kann eine Verletzung des Rückenmarks Wirbelsäulentrauma Beim Wirbelsäulentrauma kann es zu Verletzungen von Rückenmark und/oder Wirbeln kommen. Gelegentlich sind auch die Spinalnerven betroffen. Die Anatomie der Wirbelsäule wird in einem anderen... Erfahren Sie mehr  Wirbelsäulentrauma oder der Nervenwurzeln sein, die die Blase versorgen (z. B. bei Bandscheibenvorfall, Tumor oder nach Eingriffen), eine periphere oder autonome Neuropathie oder andere neurologischen Störungen (siehe Tabelle Ursachen der permanenten Inkontinenz Ursachen der permanenten Inkontinenz Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr ). Diese Substanzen sind häufig Ursache vorübergehender Störungen. Anticholinergika und Opioide setzen die Detrusorkontraktilität stark herab. Der Detrusor kann bei Männern mit chronischer Blasenauslassobstruktion minderaktiv werden, weil der Detrusormuskel durch Fibrose und Bindegewebe ersetzt wird, was eine Blasenentleerung trotz Behebung der Obstruktion behindern kann. Bei Frauen ist eine Detrusorminderaktivität meist idiopathisch. Eine etwas geringere Detrusorminderfunktion ist häufig bei älteren Frauen anzutreffen. Eine solche Schwäche verursacht keine Inkontinenz, kann aber die Behandlung erschweren, falls andere Ursachen einer Inkontinenz hinzukommen.

Eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie (Verlust der Koordination zwischen Blasenkontraktion und Relaxation des Sphincter externus) kann eine obstruktionsbedingte Überlaufinkontinenz verursachen. Die Dyssynergie ist oft die Folge einer Rückenmarkläsion, die die Wege zum pontinen Miktionszentrum unterbricht, wo Sphinkterrelaxation und Blasenkontraktion koordiniert werden. Anstatt sich bei der Blasenkontraktion zu relaxieren, kontrahiert sich der Sphinkter ebenfalls und obstruiert damit den Blasenauslass. Dyssynergien verursachen schwere Trabebekelungen, Divertikel, eine "Weihnachtsbaum"-Verformung der Blase, die bei Zystogramm, Hydronephrose und Nierenversagen auftritt.

Eine funktionelle Störung wie gestörte Wahrnehmung, verminderte Mobilität, verminderte manuelle Geschicklichkeit, gleichzeitig bestehende andere Behinderungen und Mangel an Motivation können insbesondere bei Älteren zu einer Inkontinenz beitragen, sie aber kaum alleine auslösen.

Beurteilung

Die meisten Patienten geben aus Scham über ihre Inkontinenz nicht freiwillig darüber Auskunft, obwohl sie vielleicht auf darauf bezogene Symptome zu sprechen kommen (z. B. häufiger Harndrang, Nykturie, verzögerter Miktionsbeginn). Allen Erwachsenen sollte deswegen die Frage gestellt werden: „Haben Sie schon einmal Urin verloren?“

Ärzte sollten nicht davon ausgehen, dass eine Inkontinenz irreversibel ist, nur weil sie schon lange besteht. Darüber hinaus muss eine Harnretention Harnretention Als Harnretention bezeichnet man die unvollständige Blasenentleerung oder das vollständige Sistieren der Miktion; sie kann sein Akuttherapie Chronisch Ursachen können eine gestörte Blasenkontraktilität... Erfahren Sie mehr ausgeschlossen werden, bevor eine Behandlung wegen Detrusorüberaktivität eingeleitet wird.

Tipps und Risiken

  • Den meisten Patienten ist es peinlich, Inkontinenz zu erwähnen, daher sollten alle Erwachsenen danach befragt werden.

Anamnese

Die Anamnese konzentriert sich auf Dauer und Art des Wasserlassens, Darmfunktion, Medikamenteneinnahme, gynäkologische oder beckenchirurgische Eingriffe. Ein Miktionstagebuch kann Hinweise auf Ursachen liefern. Der Patient oder eine Pflegeperson hält über 48–72 h Harnmenge und Miktionszeit ebenso fest wie jede Inkontinenzepisode bei bestimmten Aktivitäten (insbesondere Essen, Trinken, Medikamenteneinnahme) oder im Schlaf. Die Menge des Urinverlusts kann als Tropfen, gering, mittel oder triefend beschrieben oder mittels Pad-Test durch Wiegen des in den Vorlagen oder Inkontinenzeinlagen aufgefangenen Urins über 24 h abgeschätzt werden.

Ist die Menge der meisten nächtlichen unwillkürlichen Miktionen deutlich geringer als die funktionelle Blasenkapazität (definiert als größte einzelne Miktionsmenge im Miktionstagebuch), dann ist der Grund der Inkontinenz eher ein schlafbezogenes Problem (Patienten lassen Wasser, weil sie ohnehin wach sind) oder aber eine eigenständige Blasenstörung (Patienten ohne Dysfunktion der Blase oder schlafbezogenes Problem werden nur wach, um Wasser zu lassen, wenn die Blase voll ist.).

Von Männern mit obstruktiven Symptomen wie verzögerter Miktionsbeginn, schwacher Harnstrahl, Harnstottern, Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung weist ein Drittel eine Detrusorüberaktivität ohne Obstruktion auf.

Harndrang oder ein abrupter Harnstrom ohne Vorwarnung oder vorherige Erhöhung des intraabdominalen Drucks (häufig als Reflex- oder unbewusste Inkontinenz bezeichnet) spricht typischerweise für eine Detrusorüberaktivität. Der Begriff der überaktiven Blase wird manchmal zur Beschreibung von Harndrang (mit oder ohne Inkontinenz), der oft von häufigem Harndrang und Nykturie begleitet ist, benutzt.

Körperliche Untersuchung

Im Mittelpunkt stehen neurologische, Becken- und rektale Untersuchungen.

Die neurologische Untersuchung umfasst die Erhebung des mentalen Status, Gang, Funktion der unteren Extremitäten. Dabei wird auch auf Zeichen einer peripheren oder autonomen Neuropathie einschließlich einer orthostatischen Hypotonie Orthostatische Hypotonie Die orthostatische (lageabhängige) Hypotonie geht mit einem exzessiven Blutdruckabfall einher, wenn eine aufrechte Körperhaltung eingenommen wird. Die generell akzeptierte Definition ist ein... Erfahren Sie mehr geachtet. Hals- und oberen Extremitäten sollten auf Anzeichen von zervikaler Spondylose oder Stenose überprüft werden. Die Wirbelsäule sollte auf Anzeichen vorausgegangener Operationen und auf Deformationen, Grübchen oder behaarte Stellen untersucht werden, die auf einen Neuralrohrdefekt schließen lassen.

Innervation des externen Harnröhrenschließmuskels, der gemeinsame Sakralnervenwurzeln mit dem analen Schließmuskel hat, kann geprüft werden durch:

  • Perineale Reflexe

  • Willentliche Kontraktion des analen Schließmuskels (S2–S4)

  • Analsphinkterreflex (S4–S5), der bei leichtem Beklopfen der perinalen Haut eine Analsphinkterkontraktion auslöst

  • Der Bulbocavernosusreflex (S2–S4), der durch Pressen auf die Glans penis oder Klitoris eine Analsphinkterkontraktion hervorruft.

Allerdings ist das Fehlen dieser Reflexe nicht unbedingt pathologische.

Die Beckenuntersuchung bei Frauen kann eine atrophische Vaginitis oder Urethritis Urethritis Bakterielle Infektionen können Harnröhre, Prostata, Blase oder Nieren befallen. Symptome können gänzlich fehlen oder stellen sich als häufiges Wasserlassen, Harndrang, Dysurie sowie Schmerzen... Erfahren Sie mehr oder eine Harnröhrenhypermobilität und Beckenbodenschwäche ergeben mit oder ohne Gebärmuttersenkung. Eine blasse, dünne Vaginalschleimhaut mit Verlust der Runzeln zeigt eine atrophische Vaginitis an. Eine Harnröhrenhypermobilität kann beim Husten erkannt werden, indem die hintere Vaginalwand mit einem Spekulum stabilisiert wird. Eine Zystozele, Enterozele, Rectozele oder Uterusprolaps sprechen für eine Beckenbodenschwäche Senkungen der Beckenorgane im Überblick Ein Beckenorganprolaps entsteht durch Laxitäten (ähnlich wie Hernien) in den Bändern, Faszien und Muskeln, die die Beckenorgane stützen (Beckenboden - siehe Abbildung Beckenorganprolaps). Die... Erfahren Sie mehr Senkungen der Beckenorgane im Überblick . Wird die Gegenseite mit einem Spekulum stabilisiert, zeigt ein Vorwölben der vorderen Scheidenwand eine Zystozele an, während das Vorwölben der hinteren Scheidenwand eine Rekto- oder Enterozele demonstriert. Eine Beckenbodenschwäche ist nicht ursächlich, sei denn, es wird ein großer Zystozelenprolaps nachgewiesen.

Bei der rektalen Untersuchung können Kotverstopfungen gefunden werden, rektale Tumoren und beim Mann ein Prostataknoten oder -tumor. Die Prostatagröße sollte dokumentiert werden, sie korreliert aber nur schwach mit der Auslassobstruktion. Die suprapubische Palpation und Perkussion zur Feststellung der Blasengröße sind (außer bei akuter Harnretention) von geringer Bedeutung.

Stress Urintest kann auf dem Untersuchungstisch durchgeführt werden, wenn Stressinkontinenz vermutet wird; dieses Verfahren hat eine Empfindlichkeit und Spezifität von > 90%. Die Blase muss gut gefüllt sein. Der Patient liegt oder sitzt mit gespreizten Beinen auf dem Untersuchungstisch, entspannt den perinealen Bereich und hustet einmal kräftig:

  • Sofortiger Harnverlust, der mit dem Husten beginnt und aufhört, spricht für eine Stressinkontinenz.

  • Verzögerter oder persistierender Urinverlust spricht für eine durch den Hustenstoß ausgelöste Detrusorhyperaktivität.

Eine Inkontinenz, die auf diese Art und Weise behoben werden kann, sollte gut auf eine operative Korrektur ansprechen. Wenn Husten eine Inkontinenz auslöst, kann das Manöver wiederholt werden, indem der Untersucher ein oder zwei Finger in die Vagina einführt, um die Harnröhre anzuheben (Marshall-Bonney-Test).

  • Die Ergebnisse können falsch-positiv sein, wenn Patienten während der Untersuchung einen plötzlichen Drang zu urinieren verspüren.

  • Das Ergebnis des Tests kann falsch-negativ sein, wenn die Patientin sich nicht richtig entspannt, die Blase nicht ausreichend gefüllt, der Hustenstoß nicht stark genug ist oder eine große Zystozele vorliegt. Bei Frauen mit großen Zystozelen sollte der Test im Liegen und, sofern möglich, unter Wegdrücken der Zystozele wiederholt werden

Tests

  • Urinanalyse und Urinkultur

  • Serumharnstoff, Kreatinin

  • Restharnvolumen

  • Manchmal urodynamische Untersuchungen

Erforderlich sind Harnstatus, Urinkultur und die Bestimmung von Harnstoff und Serumkreatinin. Andere Untersuchungen schließen die Messung von Blutzucker und Kalzium (mit Albumin zur Bestimmung des proteinfreien Kalziumspiegels) ein, sofern das Miktionstagebuch eine Polyurie Polyurie Polyurie bezeichnet eine Urinausscheidung von > 3 l/Tag. Sie muss unterschieden werden von häufigem Harndrang, also dem Drang, bei normaler oder geringer Zufuhr viele Male am Tag oder in der... Erfahren Sie mehr nahelegt, bzw. der Elektrolyte (bei verwirrten Patienten) und des Vitamin-B12-Spiegels, sofern die klinischen Befunde eine Neuropathie vermuten lassen.

Der Restharn sollte mittels Katheter oder Ultraschall bestimmt werden. Restharn und Gesamtmiktionsvolumen lassen auf die Blasenkapazität schließen und helfen, das Blasenfüllungsempfinden zu prüfen. Ein Restharnvolumen <50 ml gilt als normal, < 100 ml sind für Patienten > 65 Jahre möglicherweise akzeptabel, nicht aber für jüngere Patienten. Ein Restharn > 100 ml spricht für eine Detrusorminderaktivität oder eine Auslassobstruktion.

Urodynamische Untersuchungen sind angebracht, wenn die klinische Untersuchung zusammen mit den entsprechenden Tests nicht zur Diagnose führen oder wenn die Anomalien vor einem chirurgischen Eingriff genauer bestimmt werden müssen.

Eine Zystometrie kann helfen Dranginkontinenz zu diagnostizieren, aber Sensitivität und Spezifität sind unbekannt. Steriles Wasser wird in die Blase in 50-ml-Schritten mit einer 50-ml-Spritze und einem 12 - bis 14-F Harnröhrenkatheter eingeleitet bis der Patient Harndrang oder Kontraktionen der Blase spürt, die durch Änderungen im Flüssigkeitsstand in der Spritze erkannt werden. Wenn < 300 ml Harndrang oder Kontraktionen verursachen, sind Detrusorhyperaktivität und Dranginkontinenz wahrscheinlich.

Bei Männern werden zum Nachweis oder Ausschluss einer Blasenauslassobstruktion Harnflussmessungen durchgeführt. Die Ergebnisse hängen zwar vom Füllungsvolumen ab, aber eine Peak-Flow-Rate von < 12 ml/s bei einem Miktionsvolumen von 200 ml und verlängerte Miktion sprechen für eine Auslassobstruktion oder eine Detrusorminderaktivität. Eine Rate von 12 ml/s schließt eine Obstruktion aus und kann auf eine Detrusorhyperaktivität hindeuten. Bei der Untersuchung – vor allem wenn eine Stressinkontinenz vermutet und ein chirurgischer Eingriff erwogen wird – wird der Patient angehalten, seine Hand während des Wasserlassens auf das untere Abdomen zu legen, um auf eine Belastung zu prüfen. Liegt eine Belastung vor, so deutet das auf eine Detrusorschwäche hin, die Patienten für eine postoperativen Retention prädisponieren können.

Provokationstests (mit Bethanechol oder Eiswasser) werden eingesetzt, um Blasenkontraktionen zu provozieren. Bei der Zystomanometrie werden Druckvolumenkurven und Blasenkontraktionen aufgezeichnet, während die Blase mit sterilem Wasser gefüllt wird.

Die Elektromyographie der perinealen Muskeln dient zur Untersuchung der Beckenbodenfunktion. Harnröhren-, Abdominal- und rektaler Druck können simultan gemessen werden.

Videostudien des Druckflusses, üblicherweise in Verbindung mit der Miktionszysturethrographie Urethrozystographie Bildgebende Verfahren werden oft verwendet, um Patienten mit Nieren- und urologischen Erkrankungen zu untersuchen. Röntgenaufnahmen des Abdomens ohne Röntgenkontrastmittel können durchgeführt... Erfahren Sie mehr Urethrozystographie , können die Blasenkontraktion, die Blasenhalsaktivität und die Detrusor-Sphinkter-Synergie simultan aufzeichnen. Allerdings sind die Geräte für diese Untersuchung nicht überall vorhanden.

Therapie

  • Blasentraining

  • Kegel-Übungen

  • Medikamentöse Therapie

Spezifische Ursachen werden entsprechend behandelt. Medikamente, die eine Inkontinenz verursachen oder verschlechtern können, werden abgesetzt oder das Dosierungsschema geändert (z. B. werden Diuretika so dosiert, dass eine Toilette beim Einsetzen der Wirkung leicht erreichbar ist). Andere Therapieformen sind an den Typ der Inkontinenz anzupassen. Unabhängig von Typ und Ursache der Inkontinenz sind einige allgemeine Maßnahmen hilfreich.

Allgemeine Maßnahmen

Die Patienten werden aufgefordert, ihre Flüssigkeitsaufnahme zu bestimmten Zeiten zu reduzieren (z. B. vor dem Verlassen der Wohnung oder 3–4 h vor dem Zubettgehen), Flüssigkeiten zu vermeiden, die die Blase reizen könnten (z. B. koffeinhaltige Getränke), und mehr als 1500–2000 ml/Tag zu trinken, da konzentrierter Urin die Blase reizen kann.

Manche Patienten, besonders solche mit verminderter Mobilität oder kognitiver Störung, profitieren von tragbaren Urinbeuteln. Andere profitieren von absorbierenden Vorlagen oder speziell gefütterter Unterwäsche. Diese Produkte können die Lebensqualität der Patienten und ihrer Betreuer deutlich verbessern. Andererseits sollten sie die Maßnahmen zur Kontrolle bzw. Beseitigung der Inkontinenz nicht ersetzen. Überdies müssen diese Produkte oft gewechselt werden, um Hautirritationen und HWI Einführung in die Harnwegsinfektionen (HWIs) Harnwegsinfektionen (HWI) können unterteilt werden in die Nieren betreffende Infektionen des oberen Harntraktes (Pyelonephritis) und solche des unteren Harntraktes, welche Blase (Zystitis),... Erfahren Sie mehr zu vermeiden.

Blasentraining

Um die Blasenentleerungsgewohnheiten zu ändern, können die Patienten von einem Blasentraining profitieren und auch ihre Flüssigkeitsaufnahme anpassen. Das Blasentraining umfasst eine regelmäßige Blasenentleerung (alle 2–3 h im Wachzustand). Im Laufe der Zeit kann dieses Intervall auf alle 3–4 h im Wachzustand erhöht werden. Bei kognitiv gestörten Patienten werden strenge Miktionszeiten vorgegeben; sie werden alle 2 h zur Miktion aufgefordert, unabhängig davon, ob sie Wasser lassen müssen oder eingenässt haben. Mithilfe eines Miktionstagebuches lässt sich abschätzen, wie oft und wann eine Miktion notwendig ist und ob die Patienten in der Lage sind, eine volle Blase zu spüren.

Kegel-Übungen

Oft ist eine Beckenbodengymnastik (z. B. Kontraktionsübungen nach Kegel) – besonders bei Stressinkontinenz – wirkungsvoll. Die Patienten sollten eher die Beckenmuskeln (M. pubococcygeus und paravaginale Muskeln) zusammenziehen als die Oberschenkel-, Bauch- bzw. Gesäßmuskeln. Die Muskeln werden 3-mal täglich 10- bis 15-mal für 10 Sekunden zusammengezogen, dann für 10 Sekunden entspannt. Oft müssen die Patienten immer wieder angeleitet werden. Als nützlich hat sich das sog. Biofeedback erwiesen. Bei Frauen < 75 Jahren beträgt die Heilungsrate 10–25%, und eine Verbesserung tritt bei weiteren 40–50% ein, vor allem dann, wenn die Patienten motiviert sind, die Übungen unter Anleitung durchgeführt werden und die Teilnehmer schriftliche Instruktionen und zur Ermutigung Nachsorgetermine oder beides erhalten.

Die elektrische Beckenbodenstimulation ist eine automatisierte Version der Kegel-Übungen. Hierbei wird zur Minimierung der Detrusorüberaktivität und Stimulierung der Beckenmuskulatur elektrischer Strom eingesetzt. Vorteile sind eine verbesserte Compliance und die Kontraktion der richtigen Beckenmuskeln. Welche Vorteile sich aber gegenüber einer alleinigen Verhaltensänderung ergeben, ist unklar.

Medikamentöse Therapie

Medikamente sind häufig nützlich (siehe Tabelle Medikamente zur Behandlung von Inkontinenz Medikamente zur Behandlung von Inkontinenz Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr ). Dabei handelt es sich um Anticholinergika und Antimuskarinika, die den Detrusor entspannen, und Alpha-Agonisten, die den Sphinktertonus erhöhen. Medikamente mit starken anticholinergen Wirkungen sollten bei älteren Patienten vorsichtig verwendet werden. Alpha-Antagonisten sowie 5-Alpha-Reduktasehemmer können zur Behandlung einer Auslassobstruktion bei Männern mit Drang- und Überlaufinkontinenz gegeben werden.

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Dranginkontinenz

Die Behandlung zielt auf die Reduktion der Detrusorüberaktivität. Am Anfang stehen Blasentraining, Kegel-Übungen und Entspannungstechniken. Biofeedback Biofeedback (Bioresonanz) Beim Biofeedback, eine Art Geist-Körper-Medizin (mind-body medicin) liefern elektronische Geräte Informationen über biologische Funktionen des Patienten (wie z. B. Herzfrequenz, Blutdruck, Muskelaktivität... Erfahren Sie mehr mit diesen Behandlungen verwendet werden. Medikamente können ebenso erforderlich sein wie intermittierender Selbstkatheterismus (z. B. bei hohem Restharn). Seltener werden Sakralmarkstimulation Dranginkontinenz Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr , intravesikale Therapien oder gar operative Eingriffe erforderlich.

Das Blasentraining hilft dem Patienten, Detrusorkontraktionen zu tolerieren und schließlich zu unterdrücken. Die Miktionsintervalle werden langsam verlängert (30 min alle 3 Tage), um die Detrusorkontraktionen besser ertragen zu können. Entspannungstechniken können die emotionale und psychische Reaktion auf den Harndrang verbessern helfen. Entspannen, Stehenbleiben oder Hinsetzen (anstatt zur Toilette zu hasten) und Anspannung der Beckenbodenmuskulatur kann den Patienten dabei unterstützen, seinen Miktionsdrang zu unterdrücken.

Medikamente (siehe Tabelle Medikamente zur Behandlung von Inkontinenz Medikamente zur Behandlung von Inkontinenz Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr ) sollten die Verhaltensänderung unterstützen, nicht aber ersetzen. Am häufigsten werden Oxybutynin und Tolterodin verabreicht. Beide wirken anticholinerg und antimuskarinisch und sind in "extended-release"-Form erhältlich, die einmal täglich p.o. eingenommen werden kann. Oxybutynin ist sowohl als Pflaster erhältlich, das 2-mal/Woche gewechselt wird, sowie als topisches Gel, das 1-mal täglich auf die Haut aufgetragen wird.

Zu den neueren Medikamenten mit anticholinergen und antimuskarinischen Eigenschaften gehören Solifenacin und Darifenacin, die 1-mal täglich p.o. eingenommen werden, und Trospium, das 1-mal oder 2-mal täglich eingenommen wird. Medikamente können erforderlich sein, um Harndrang aufgrund von Detrusorüberaktivität (Hyperaktivität) mit eingeschränkter Kontraktilität zu unterdrücken. Tritt eine Inkontinenz zu bestimmten vorhersagbaren Zeiten auf, können Medikamente mit schnellem Wirkungseintritt prophylaktisch gegeben werden (z. B. sofort freigesetztes Oxybutynin). Eine Kombination von Medikamenten kann sowohl die Wirksamkeit als auch die Nebenwirkungen erhöhen, was den Einsatz bei älteren Patienten limitiert. OnabotulinumtoxinA wird über zytoskopische Injektion in den Detrusormuskel verabreicht und ist nützlich bei der Behandlung von Dranginkontinenz, bei Patienten mit neurologischen Ursachen (z. B. multiple Sklerose Multiple Sklerose (MS) Die multiple Sklerose (MS) ist charakterisiert durch eine verstreute, flickenförmige Demyelinisierung in Gehirn und Rückenmark. Häufige Symptome können visuelle und okulomotorische Anomalien... Erfahren Sie mehr  Multiple Sklerose (MS) , Rückenmarkdysfunktion Wirbelsäulentrauma Beim Wirbelsäulentrauma kann es zu Verletzungen von Rückenmark und/oder Wirbeln kommen. Gelegentlich sind auch die Spinalnerven betroffen. Die Anatomie der Wirbelsäule wird in einem anderen... Erfahren Sie mehr  Wirbelsäulentrauma ), die auf andere Behandlungen nicht ansprechen.

Bei Patienten mit schwerer Inkontinenz, die nicht auf andere Behandlungen ansprechen, kann die Sakralnervenstimulation erwogen werden. Es wird angenommen, dass diese Therapie durch eine zentrale Hemmung sensorischer Blasenafferenzen wirkt. Zu Beginn der Therapie wird 3 Tage lang eine perkutane Nervenstimulation des S3-Nervs durchgeführt. Bei einer günstigen Reaktion wird ein permanenter Neurostimulator implantiert. Die Stimulation des Nervus tibalis posterior (PTNS) ist ein ähnliches Verfahren der elektrischen Neurostimulation zur Behandlung von Miktionsstörung, die als weniger invasive Alternative zu herkömmlichen Sakralnervenstimulation entwickelt wurde. Eine Nadel wird über dem medialen Malleolus in der Nähe des Nervus tibialis posterior eingeführt, mittels Niederspannungsstimulation in wöchentlichen 30-Minuten-Sitzungenüber 10–12 Wochen. Die Dauerhaftigkeit von PTNS ist nicht geklärt.

In seltenen Fällen wird bei einer Dranginkontinenz, die durch Rückenmarkverletzungen oder andere Störungen des zentralen Nervensystems bedingt ist, die intravesikale Instillation von Capsaicin oder Resiniferatoxin (ein Capsaicin-Analogon) durchgeführt. Diese experimentelle Therapie desensibilisiert die afferenten C-Fasern der Blase, die für die reflexartige Blasenentleerung verantwortlich sind.

Eine chirurgische Therapie ist die letzte Alternative, die meist jüngeren Patienten mit schwerer Inkontinenz vorbehalten ist, bei denen andere Therapieformen erfolglos waren. Eine Blasenerweiterungsplastik, bei der ein Dünndarmsegment in die Blase genäht wird, um die Blasenkapazität zu vergrößern, ist das gängigste Verfahren. Das Erlernen des intermittierenden Selbstkatheterismus kann sinnvoll sein, wenn die Blasenerweiterungsplastik zu einer schwachen Blasenkontraktion oder mangelnder Koordination des abdominalen Drucks (Valsalva-Manöver) mit der Sphinkterrelaxation führt. Eine Detrusorinzision kann durchgeführt werden, um unerwünschte Kontraktionen der Blase zu verringern. Letztes Mittel wäre eine Harnableitung, um den Urin von der Harnblase wegzuleiten. Die Wahl des Verfahrens hängt von anderen gleichzeitig bestehenden Störungen, physischen Einschränkungen und der Präferenz des Patienten ab.

Stressinkontinenz

Zu den therapeutischen Maßnahmen gehören Blasentraining und Kegel-Übungen. Ebenfalls eingesetzt, werden Medikamente, Operation(1) Behandlungshinweise Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr , andere Maßnahmen oder bei Frauen auch Okklusionsgeräte. Die Behandlung zielt im Allgemeinen auf die Blasenauslassinkompetenz, dient aber auch der Behandlung der Dranginkontinenz, sofern eine Detrusorhyperaktivität besteht. Es kann hilfreich sein, körperliche Anstrengungen, die Inkontinenz hervorrufen, zu vermeiden. Bei fettleibigen Patienten kann eine Gewichtsreduktion von Vorteil sein.

Zu den Medikamenten (siehe Tabelle Medikamente zur Behandlung von Inkontinenz Medikamente zur Behandlung von Inkontinenz Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr ) gehören das bei Frauen mit Auslassinkompetenz eingesetzte Pseudoephedrin, das zur Behandlung einer gemischten oder auch einzeln vorliegenden Stress- und Dranginkontinenz verabreichte Imipramin und Duloxetin. Ist die Inkontinenz durch eine atrophische Urethritis verursacht, ist oft die topische Gabe von Östrogen (0,3 mg konjugiertes Östrogen oder 0,5 mg Estradiol 1-mal täglich für 3 Wochen, danach 2-mal pro Woche) erfolgreich.

Wenn sich die nichtinvasiven Maßnahmen als ineffektiv erweisen, haben Operation oder andere Maßnahmen gute Aussichten auf Erfolg. Eine Blasenhalssuspension wird durchgeführt, um Hypermobilität der Harnröhre zu korrigieren. Suburethrale Schlingen, periurethral injizierte auftreibende Substanzen oder Implantation eines künstlichen Sphinkters helfen bei Sphinkterschwäche. Die Wahl des Verfahrens hängt davon ab, ob der Patient den Eingriff toleriert, ob gleichzeitig andere chirurgische Maßnahmen erforderlich sind (z. B. Hysterektomie, Operation einer Zystozele) sowie von den Erfahrungen vor Ort (1) Behandlungshinweise Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr .

Pessare werden bei älteren Frauen mit oder ohne Blasen- oder Uterusprolaps Uterus- und Apikalprolaps Uterusprolaps bedeutet die Senkung des Uterus in Richtung Introitus oder darüber hinaus. Der apikale Prolaps ist die Senkung des Vaginalgewölbes oder der Vaginalmanschette nach Hysterektomie... Erfahren Sie mehr Uterus- und Apikalprolaps eingesetzt, wenn das Operationsrisiko hoch ist oder vorausgegangene Operationen gegen Stressinkontinenz erfolglos waren. Verschiedene "mesh slings" können verwendet werden. Der Einsatz von Pessaren ist Erfolg versprechend: Sie heben den Blasenhals, heben den vesikourethralen Übergang und erhöhen den urethralen Widerstand, indem sie die Harnröhre gegen die Symphyse drücken. Neuere und wahrscheinlich besser akzeptierte Alternativen sind Silikonsaugkappen über dem Harnröhrenmeatus, mit einem Applikator eingeführte intraurethrale Verschlussgeräte und intravaginale, den Blasenhals unterstützende Prothesen. Entfernbare Harnröhrenstöpsel werden noch untersucht. (Anm. d. Red.: In Deutschland werden diese Stöpsel wegen mangelnder Praktikabilität nicht mehr angeboten.)

Übungen mit Vaginalkegeln werden derzeit ebenfalls untersucht. Dabei werden zunehmend schwerere Kegel in die Scheide eingebracht und dort zweimal täglich für 15 Minuten gehalten, um die Beckenbodenmuskulatur zu stärken.

Überlaufinkontinenz

Die Behandlung hängt davon ab, ob es sich um eine Auslassobstruktion, Detrusorminderaktivität oder beides handelt.

Eine Detrusorminderaktivität erfordert eine Blasenentlastung (Reduktion des Restharns) durch intermittierende Selbstkatheterisierung oder seltener durch einen zeitweiligen Dauerkatheter ( Blasenkatheterisierung Blasenkatheterisierung Eine Blasenkatheterisierung wird für Folgendes eingesetzt: Zur Gewinnung von Urinproben zur Untersuchung Zur Messung des Restharnvolumens Erleichterung bei Harnverhalt oder Inkontinenz Zum direkten... Erfahren Sie mehr ) Es kann Wochen bis zur Erholung der Blase dauern. Wenn die Blasenfunktion nicht vollständig wiederhergestellt ist, werden Mittel zur Leerung verwendet. Beispiele sind

  • Doppelte Entleerung (zweiter Versuch, die Blase vor dem Verlassen der Toilette zu leeren)

  • Valsalvamanöver

  • Die Anwendung von suprapubischer Druck [Credé Methode] während der Miktion

Eine vollständig akontraktile Blase macht eine intermittierende Selbstkatheterisierung oder die Anlage eines Dauerkatheters notwendig. Der Nutzen von Antibiotika oder Methenamin zur Prävention eines HWI Einführung in die Harnwegsinfektionen (HWIs) Harnwegsinfektionen (HWI) können unterteilt werden in die Nieren betreffende Infektionen des oberen Harntraktes (Pyelonephritis) und solche des unteren Harntraktes, welche Blase (Zystitis),... Erfahren Sie mehr bei Patienten mit intermittierendem Selbstkatheterismus wird kontrovers diskutiert, ist aber wahrscheinlich bei Patienten mit häufigen Harnwegsinfekten oder mit Gefäß- oder orthopädischen Prothesen indiziert. Diese Infektprophylaxe eignet sich nicht für Patienten mit Verweilkatheter.

Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Blasenkontraktion und Blasenentleerung sind Elektrostimulation und der cholinerge Agonist Bethanechol. Dieses Parasympathomimetikum ist gewöhnlich jedoch nicht effektiv und hat Nebenwirkungen (siehe Tabelle Medikamente zur Behandlung von Inkontinenz Medikamente zur Behandlung von Inkontinenz Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr ).

Behandlungsresistente Inkontinenz

Adsorbierende Vorlagen, spezielle Unterwäsche oder intermittierender Selbstkatheterismus Blasenkatheterisierung Eine Blasenkatheterisierung wird für Folgendes eingesetzt: Zur Gewinnung von Urinproben zur Untersuchung Zur Messung des Restharnvolumens Erleichterung bei Harnverhalt oder Inkontinenz Zum direkten... Erfahren Sie mehr sind hierbei erforderlich. Dauerkatheter sind eine Option für Patienten, die nicht zur Toilette gehen können oder eine chronische Harnretention Therapie Als Harnretention bezeichnet man die unvollständige Blasenentleerung oder das vollständige Sistieren der Miktion; sie kann sein Akuttherapie Chronisch Ursachen können eine gestörte Blasenkontraktilität... Erfahren Sie mehr haben und sich nicht selbst katheterisieren können. Diese Katheter werden bei Dranginkontinenz nicht empfohlen, weil sie Detrusorkontraktionen verstärken können. Falls ein Katheter erforderlich ist (z. B. um die Heilung eines Dekubitalgeschwürs bei Patienten mit schwer therapierbarer Detrusorüberaktivität zu fördern), sollte ein dünner Katheter mit einem kleinen Ballon verwendet werden, weil dieser die Irritation verringern wird. Durch eine Irritation, kann Urin austreten, auch um den Katheter herum.

Für Männer, die bei der Behandlung kooperieren können, könnte ein Kondom-Katheter von Vorteil sein, weil dadurch das HWI Einführung in die Harnwegsinfektionen (HWIs) Harnwegsinfektionen (HWI) können unterteilt werden in die Nieren betreffende Infektionen des oberen Harntraktes (Pyelonephritis) und solche des unteren Harntraktes, welche Blase (Zystitis),... Erfahren Sie mehr -Risiko reduziert wird; allerdings können diese Katheter zu Hautmazerationen und somit zur Minderung der Motivation führen. Neuere externe Sammelsysteme können bei Frauen hilfreich sein. Falls die unwillkürlichen Blasenkontraktionen persistieren, können Oxybutynin und Tolterodin eingesetzt werden. Bei herabgesetzter Mobilität sind Maßnahmen zur Verhinderung von Hautirritationen und -mazerationen durch Urin von besonderer Bedeutung ( Vorbeugung Vorbeugung Dekubitalgeschwüre sind nekrotisierte, ulzerierte Bereiche, an denen Weichgeweben zwischen Knochenvorsprüngen und externen harten Oberflächen zusammengedrückt wird. Sie werden durch nicht entlasteten... Erfahren Sie mehr Vorbeugung ).

Behandlungshinweise

Wichtige Punkte

  • Da Patienten oft nicht freiwillig darüber sprechen, dass sie inkontinent sind, sollte speziell nachgefragt werden.

  • Inkontinenz ist nicht eine normale Folge des Alterns und sollte immer untersucht werden.

  • Die 4 Arten der Harninkontinenz sind Drang-, Stress-, Überlauf- und funktionale Inkontinenz.

  • Auch einige langjährige Ursachen der Inkontinenz sind reversibel.

  • Es sollten auf jeden Fall eine Urinanalyse durchgeführt und eine Urinkultur angelegt werden sowie Serumharnstoff und Kreatinin untersucht und das Restharnvolumen bei allen inkontinenten Patienten gemessen werden.

  • Blasentraining und Kegel-Übungen sollten durchgeführt werden.

  • Direkte medikamentöse Therapie zur Korrektur des Mechanismus der Blasenfunktionsstörungen.

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