Druckverletzungen

(wundgelegene Stellen; Druckverletzungen, Dekubitus; Decubiti; Dekubiti; Druckwunden)

VonJoshua S. Mervis, MD, Tufts University School of Medicine;
Tania J. Phillips, MD, Boston University School of Medicine
Reviewed ByJoseph F. Merola, MD, MMSc, UT Southwestern Medical Center
Überprüft/überarbeitet Geändert Sept. 2025
v966936_de
Aussicht hier klicken.

Bei Druckverletzungen handelt es sich um Nekrosen und häufig auch um Ulzerationen (auch Druckgeschwüre genannt), bei denen Weichgewebe zwischen Knochenvorsprüngen und harten Außenflächen zusammengedrückt wird. Sie werden durch nicht entlasteten mechanischen Druck in Kombination mit Reibung, Scherkräften und Feuchtigkeit verursacht. Zu den Risikofaktoren gehören Alter > 65, Durchblutungsstörungen und Durchblutungsstörungen, Immobilisierung, Unterernährung, vermindertes Empfinden und Inkontinenz.

Eine Druckverletzung ist definiert als eine lokalisierte Verletzung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, in der Regel über einer Knochenvorwölbung, die allein durch Druck oder in Kombination mit Scherkräften entsteht (1). Druckverletzungen betreffen in den Vereinigten Staaten jährlich bis zu 3 Millionen Erwachsene mit einer Prävalenz von 5 bis 15% bei hospitalisierten Patienten. In einigen Langzeitpflegeeinrichtungen und Intensivstationen kann die Prävalenz jedoch erheblich höher sein (2).

"Druckverletzung" hat "Druckgeschwür" als bevorzugte Terminologie ersetzt, die vom National Pressure Injury Advisory Panel (NPIAP) empfohlen wird, da druckbedingte Hautverletzungen in frühen Stadien nicht unbedingt zu Hautulzerationen führen müssen (siehe auch Staging-Systeme).

Allgemeine Literatur

  1. 1. Haesler E, ed. National Pressure Ulcer Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel and Pan Pacific Pressure Injury Alliance. Prevention and Treatment of Pressure Ulcers: Quick Reference Guide. Cambridge Media; 2014.

  2. 2. Mervis JS, Phillips TJ. Pressure ulcers: Pathophysiology, epidemiology, risk factors, and presentation. J Am Acad Dermatol 81(4):881-890, 2019. doi: 10.1016/j.jaad.2018.12.069

Ätiologie von Druckverletzungen

Zu den Risikofaktoren für Druckverletzungen gehören die folgenden:

  • Alter > 65 Jahre (möglicherweise aufgrund von reduziertem subkutanem Fett, reduziertem kapillären Blutfluss und anderen altersbedingten degenerativen Veränderungen in der Haut) (1)

  • Verminderte Beweglichkeit (z. B. aufgrund von längerem Krankenhausaufenthalt, Bettruhe, Koma, Rückenmarksverletzung, Sedierung, Schwäche, die die Spontanbewegung einschränkt, und/oder kognitiver Beeinträchtigung)

  • Exposition gegenüber Hautirritationen (z. B. durch Harninkontinenz und/oder Stuhlinkontinenz)

  • Beeinträchtigte Wundheilungsfähigkeit (z. B. aufgrund von Mangelernährung, Diabetes, beeinträchtigter Gewebedurchblutung durch periphere arterielle Verschlusskrankheit, Immobilität, venöse Insuffizienz)

  • Beeinträchtigte Empfindung

Bei Kindern können Druckverletzungen bei schweren neurologischen Beeinträchtigungen wie Spina bifida, Zerebralparese und Rückenmarksverletzungen auftreten.

Zur Vorhersage des Risikos für Druckverletzungen wurden mehrere Skalen (z. B. und die Braden-Skala) entwickelt (2). Die Norton-Skala wird verwendet, um festzustellen, ob bei einem Patienten ein hohes Risiko für die Entwicklung eines Dekubitus besteht, und zwar auf der Grundlage der Summe der Punktzahlen für fünf Kriterien: körperlicher Zustand, geistiger Zustand, Aktivität, Mobilität und Inkontinenz. Die Braden-Skala dient der Risikobewertung auf der Grundlage der Summe der Punktzahlen in sechs Kategorien: Sinneswahrnehmung, Feuchtigkeit, Aktivität, Mobilität, Ernährung und Reibung/Scherung (3). Obwohl die Verwendung dieser Skalen als Standardversorgung angesehen wird, konnte nicht nachgewiesen werden, dass ihre Verwendung im Vergleich zu qualifizierter klinischer Beurteilung allein zu weniger Druckverletzungen führt. Dennoch wird die Verwendung einer Risikobewertungsskala zusammen mit einer qualifizierten klinischen Bewertung empfohlen.

Tabelle
Tabelle

Literatur zur Ätiologie

  1. 1. Farage MA, Miller KW, Elsner P, Maibach HI: Characteristics of the aging skin. Adv Wound Care (New Rochelle) 2(1):5–10, 2013. doi: 10.1089/wound.2011.0356

  2. 2. Qaseem A, Mir TP, Starkey M, Denberg TD; Clinical Guidelines Committee of the American College of Physicians. Risk assessment and prevention of pressure ulcers: a clinical practice guideline from the American College of Physicians. Ann Intern Med. 2015;162(5):359-369. doi:10.7326/M14-1567

  3. 3. Bergstrom N, Braden BJ, Laguzza A, Holman V: The Braden scale for predicting pressure sore risk. Nurs Res 36(4):205–210, 1987.

Pathophysiologie von Druckverletzungen

Die wichtigsten Faktoren, die zu Dekubitalgeschwüren beitragen sind

  • Druck: Wenn Weichteile über einen längeren Zeitraum zwischen Knochenvorsprüngen und Außenflächen komprimiert werden, kommt es zu einem mikrovaskulären Verschluss mit Gewebeischämie und Hypoxie (1). Drücke, die den normalen Kapillardruck übersteigen (im Bereich 12–32 mmHg), führen zu einer verminderten Sauerstoffanreicherung und beeinträchtigen die Mikrozirkulation des betroffenen Gewebes. Wenn die Kompression nicht gelindert wird, kann sich innerhalb von 3 bis 4 Stunden eine Druckverletzung entwickeln. Dies tritt am häufigsten über dem Kreuzbein, Sitzbeinhöcker, Trochanter, Knöchel und Fersen auf, aber Druckverletzungen können sich überall entwickeln.

  • Reibung: Reibung (z. B. durch das Scheuern an Kleidung oder Bettwäsche) kann zur Entstehung von Hautulzerationen führen, indem sie lokale Erosionen sowie Verletzungen der Epidermis und der oberflächlichen Dermis verursacht.

  • Scherkräfte: Scherkräfte, wie sie beispielsweise auftreten, wenn ein Patient auf einer geneigten Fläche nach unten rutscht, belasten und schädigen das stützende Gewebe. Dabei bewegen sich die tieferliegenden Gewebeschichten (Muskeln und subkutane Schichten) durch die Schwerkraft gegen den Widerstand der oberflächlicheren Gewebe, die weiterhin Kontakt zur äußeren Oberfläche haben. Dieses Gegeneinanderwirken der Kräfte kann die Durchblutung des betroffenen Bereichs beeinträchtigen und zu möglichen Verletzungen führen. Scherkräfte tragen zur Dekubitalgeschwüren bei, sind aber keine direkten Ursachen.

  • Feuchtigkeit: Übermäßige Feuchtigkeit (z. B. Schweiß, Inkontinenz) kann zum Abbau der Haut und zur Mazeration beitragen, was Ulzerationen auslösen und Druckverletzungen verschlechtern kann.

Da Muskeln anfälliger für Ischämie bei Kompression sind als Haut, können Muskelischämie und Nekrose einige Druckverletzungen auslösen, die durch längere Kompression entstehen.

Ischämie löst eine Kaskade von Entzündungsreaktionen aus, darunter Neutrophileninfiltration und Ödem. Darüber hinaus verschlimmert mechanische Belastung nach der Reperfusion die Gewebeschädigung zusätzlich, insbesondere in Muskel- und Unterhautgewebe (2), wobei das Ausmaß und die Tiefe der Schädigung durch intrinsische Faktoren wie Hautdicke, Gewebesteifigkeit und Gefäßreaktivität moduliert werden (3). Diese intrinsischen Faktoren sind bei Risikopatienten (z.B. Alter > 65 Jahre, Neugeborene [4]) besonders beeinträchtigt.

Literatur zur Pathophysiologie

  1. 1. Gefen A. The complex interplay between mechanical forces, tissue response and individual susceptibility to pressure ulcers. J Wound Care. 2024;33(9):620-628. doi:10.12968/jowc.2024.0023

  2. 2. Van Damme N, Van Hecke A, Remue E, et al. Physiological processes of inflammation and edema initiated by sustained mechanical loading in subcutaneous tissues: A scoping review. Wound Repair Regen. 2020;28(2):242-265. doi:10.1111/wrr.12777

  3. 3. Sree VD, Rausch MK, Tepole AB. Linking microvascular collapse to tissue hypoxia in a multiscale model of pressure ulcer initiation. Biomech Model Mechanobiol. 2019;18(6):1947-1964. doi:10.1007/s10237-019-01187-5

  4. 4. de Bengy AF, Lamartine J, Sigaudo-Roussel D, et al. Newborn and elderly skin: two fragile skins at higher risk of pressure injury. Biol Rev Camb Philos Soc. 2022;97(3):874-895. doi:10.1111/brv.12827

Symptome und Anzeichen von Druckverletzungen

Druckverletzungen können in jedem Stadium schmerzhaft oder juckend sein, werden jedoch typischerweise von Patienten mit eingeschränktem Bewusstsein oder Sinnesempfinden nicht wahrgenommen.

Staging-Systeme

Es existieren verschiedene Staging-Systeme. Das am weitesten verbreitete System stammt vom National Pressure Injury Advisory Panel (NPIAP), das Druckverletzungen je nach Tiefe der Gewebeschädigung in vier Stufen (1 bis 4) klassifiziert. Die numerische Staffelung impliziert jedoch keine lineare Progression der Dekubitalgeschwüre. Das heißt, Dekubitalgeschwüre beginnen nicht immer im Stadium I und schreiten dann zu höheren Stufen fort. Gelegentlich findet sich als Erstbefund eines Dekubitalgeschwüres eine tiefe, nekrotische Verletzung des Stadiums 3 oder 4. Bei rascher Entwicklung einer Druckverletzung kann das Subkutangewebe nekrotisieren, bevor die Epidermis erodiert. Daher kann eine kleine Verletzung in der Tat großflächige subkutane Nekrose und Beschädigungen bedeuten. Ebenso wenig impliziert die Skala, dass die Heilung von Stufe 4 bis Stufe 1 fortschreitet. Das aktualisierte National Pressure Injury Advisory Panel (NPIAP)-Staging-System enthält auch Definitionen für nicht stadienbezogene, tiefgreifende Gewebe-, medizintechnische und mukosale Membrandruckverletzungen (1).

Dekubitalgeschwüre der Stufe I manifestieren sich als nicht-drückbare Erythema, in der Regel über einem Knochenvorsprung. Farbveränderungen sind bei dunkler Haut möglicherweise nicht so deutlich sichtbar. Die Verletzung kann auch wärmer, kühler, fester, weicher, oder zarter als benachbarte oder kontralateralen Gewebe. Ein tatsächliches Ulkus (ein Defekt der Haut in die Dermis) liegt noch nicht vor. Bei anhaltendem Druck, Scherung, Reibung und/oder Feuchtigkeit kann es jedoch zu Ulzerationen kommen.

Grad 2 Druckverletzungen sind durch einen teilweisen Verlust der Haut gekennzeichnet, mit Verlust der Epidermis (Erosion oder Blase) mit oder ohne echte Ulzeration (Defekt über das Niveau der Epidermis hinaus) gekennzeichnet; subkutanes Gewebe ist nicht exponiert. Die Verletzung ist oberflächlich mit einer rosa bis roten Basis. In der Basis ist kein nekrotisches Gewebe vorhanden. Phase 2 umfasst auch intakte oder teilweise geplatzten Blasen als Nebenwirkung von Druckeinwirkung. (MERKE: Nicht-Druck-bedingte Ursachen der Erosion, Ulzeration oder Blasenbildung, wie Hautrisse, Verbrennungen, Mazeration und Abschürfungen werden von Stufe 2 ausgeschlossen).

Druckverletzungen des Stadiums 3 manifestieren sich als Hautverlust in voller Dicke mit Beteiligung des subkutanen Gewebes, die sich bis zur darunter liegenden Faszie erstreckt (aber nicht einschließt). Die Ulzera sind kraterförmig, aber ohne darunter liegende Muskel- oder Knochenexposition.

Druckverletzungen des Stadiums 4 manifestieren sich als Hautverlust in voller Dicke mit ausgedehnter Zerstörung, Gewebenekrose und Freilegung des darunter liegenden Muskels, der Sehne oder des Knochens.

Nicht stadienfähige Druckverletzungen sind gekennzeichnet durch Hautverlust in voller Dicke, bei denen das Ausmaß der Gewebeschädigung nicht bestimmt werden kann, weil sie durch Debris, Schorf oder Belag verdeckt ist. Wenn der Schorf oder das Eschar entfernt wird, wird eine Druckverletzung im Stadium 3 oder Stadium 4 sichtbar. Stabile, nicht fluktuierende Läsionen mit trockenem Schorf sollten jedoch niemals allein um des Staging willen debridiert werden.

Eine Druckverletzung des tiefen Gewebes ist gekennzeichnet durch intakte oder nicht intakte Haut mit einem lokalisierten Bereich der Schädigung des darunter liegenden Gewebes aufgrund von übermäßigem Druck und/oder Scherkräften an der Muskel-Knochen-Grenzfläche. Zu den Befunden gehören anhaltende, nicht verblassende, violette bis kastanienbraune Verfärbungen der intakten Haut sowie blutgefüllte Bläschen oder Bullae. Das Gebiet kann sich fester, weicher, wärmer oder kälter im Vergleich mit dem umgebenden Gewebe anfühlen. In diesem Zusammenhang sollte der Begriff tiefe Gewebedruckverletzung nicht verwendet werden, um zugrunde liegende vaskuläre, traumatische, neuropathische oder dermatologische Grunderkrankungen zu beschreiben.

Medizinproduktbedingte Druckverletzung resultieren aus der Verwendung von Geräten, die für therapeutische Zwecke entwickelt und angewendet werden (z. B. Gipse, Schienen). Längerer Gebrauch von schlecht platzierten, schlecht sitzenden medizinischen Geräten kann zu Druckverletzungen der Haut oder Schleimhäute führen. Die Verletzung entspricht in der Regel dem Muster oder der Form des Geräts. Die Verletzung sollte mit dem National Pressure Injury Advisory Panel (NPIAP)-Staging-System klassifiziert werden. Druckverletzungen durch medizinische Geräte wurden auf Verletzungen durch persönliche Schutzausrüstungen (PSA) ausgeweitet, einschließlich Gesichtsmasken, CPAP-Masken (Continuous Positive Airway Pressure), Sauerstoffschläuche und andere Geräte, die zur Vorbeugung oder Behandlung von Atemwegserkrankungen wie COPD oder COVID-19 verwendet werden.

Druckverletzungen der Schleimhaut treten an Schleimhäuten auf, an denen medizinische Geräte verwendet wurden (z. B. falsch sitzende Prothesen, Endotrachealtuben). Aufgrund der Anatomie des Gewebes können diese Verletzungen nicht abgestuft werden.

Bei der Abschätzung der Tiefe von Dekubitalgeschwüren zum Zwecke der Stadieneinteilung ist es wichtig, die anatomische Lokalisation zu berücksichtigen, insbesondere bei Verletzungen des Stadiums 3. Der Nasenrücken, das Ohr, das Hinterhaupt und der Knöchel haben beispielsweise nur wenig subkutanes Gewebe, so dass Druckverletzungen an diesen Stellen sehr flach ausfallen. Sie werden jedoch nach wie vor als Stadium 3 eingestuft, da sie genauso signifikant sind wie tiefere Verletzungen des Stadiums 3 über Stellen mit signifikantem subkutanem Gewebe (z. B. in der Sakralregion).

Manifestationen von Druckverletzungen 1 bis 4
Druckverletzung Stufe I (Gesäß)

Dieses Foto einer Druckverletzung im Stadium 1 zeigt eine nicht verblassende Rötung, aber keinen Riss in der Haut.

Dieses Foto einer Druckverletzung im Stadium 1 zeigt eine nicht verblassende Rötung, aber keinen Riss in der Haut.

Photo from Gordian Medical, Inc. dba American Medical Technologies; used with permission.

Druckverletzung Stadium 2

Dieser Patient hat eine Druckverletzung Stadium 2 am rechten oberen Gesäß (Pfeil). Es gibt einen Verlust der Epidermis und eine erythematöse Basis. Das subkutane Gewebe ist nicht freigelegt. Beachten Sie die umliegenden Bereiche der Druckverletzung im Stadium 1 (siehe z. B. Pfeilspitze) mit einem nicht abfallenden Erythem über der intakten Epidermis.

Dieser Patient hat eine Druckverletzung Stadium 2 am rechten oberen Gesäß (Pfeil). Es gibt einen Verlust der Epidermis

... Erfahren Sie mehr

BOILERSHOT PHOTO/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Druckverletzung Stadium 3 (Fuß)

Dieses Foto einer Druckverletzung im Stadium 3 zeigt einen Hautverlust in voller Dicke, aber keine Exposition von Muskel oder Knochen.

Dieses Foto einer Druckverletzung im Stadium 3 zeigt einen Hautverlust in voller Dicke, aber keine Exposition von Muske

... Erfahren Sie mehr

Roberto A. Penne-Casanova/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Druckverletzung Stadium 3 (Basis der Wirbelsäule)

Dieses Foto einer Druckverletzung im Stadium 3 zeigt subkutanes Gewebe, aber keinen Muskel oder Knochen.

Dieses Foto einer Druckverletzung im Stadium 3 zeigt subkutanes Gewebe, aber keinen Muskel oder Knochen.

DR BARRY SLAVEN/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Druckverletzung Stadium 4 (Knie)

Diese Abbildung einer Druckverletzung der Stufe 4 zeigt sichtbare tiefe Strukturen wie Sehne und Gelenk.

Diese Abbildung einer Druckverletzung der Stufe 4 zeigt sichtbare tiefe Strukturen wie Sehne und Gelenk.

Photo from Gordian Medical, Inc. dba American Medical Technologies; used with permission.

Tipps und Risiken

  • Gehen Sie bei Patienten mit Druckverletzungen von tiefereren Gewebeschäden als klinisch evident aus.

Literatur zur Stadieneinteilung

  1. 1. Editors of Nursing: Pressure ulcers get new terminology and staging definitions. Nursing 47(3):68–69, 2017. doi: 10.1097/01.NURSE.0000512498.50808.2b

Komplikationen von Druckverletzungen

Druckverletzungen sind ein Reservoir für im Krankenhaus erworbene antibiotikaresistente Mikroorganismen. Hohe Bakterienkonzentrationen in der Wunde können die Immunantwort schwächen oder den normalen Gewebeheilungsprozess behindern. Infektionen sind die häufigsten Komplikationen von Druckverletzungen. Zu den Infektionen gehören Zellulitis, Abszess, infektiöse Bursitis, infektiöse Arthritis, und nekrotisierende Fasziitis. Wenn die Wundheilung trotz angemessener Behandlung verzögert ist, sollte zugrunde liegende Osteomyelitis (bei bis zu 32% der Patienten vorhanden) oder selten Plattenepithelkarzinom innerhalb des Ulkus (Marjolin-Ulkus) vermutet werden.

Weitere lokale Komplikationen bei nicht heilenden Druckverletzungen umfassen Gewebekalzifikationen und Fistelgänge, die oberflächlich verlaufen oder eine Druckulzeration mit tiefer liegenden angrenzenden Strukturen verbinden können (z. B. Fistelgänge von einem sakralen Ulkus zum Darm).

Zu systemischen infektiösen Komplikationen können Bakteriämie, Meningitis und Endokarditis gehören. Das Risiko dieser Komplikationen steigt mit dem Schweregrad der Druckverletzung. 

Diagnose von Druckverletzungen

  • Primär Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Beurteilung der Ernährung

  • Selten bildgebende Untersuchungen (MRT mit oder ohne Kontrastmittel)

Die Diagnose einer Druckverletzung wird klinisch gestellt. Eine Druckverletzung wird typischerweise durch ihr charakteristisches Aussehen und durch ihre Lage über einer knöchernen Vorwölbung identifiziert. Das Kreuzbein ist die häufigste Stelle, gefolgt von den Fersen. Durch arterielle und venöse Insuffizienz oder diabetische Neuropathie verursachte Verletzungen können Druckverletzungen imitieren, insbesondere an den unteren Extremitäten, und können durch dieselben Faktoren (d. h. Scherkräfte, Reibung und Feuchtigkeit), die Druckverletzungen verursachen oder verschlimmern, ebenfalls verschlimmert werden.

Die Tiefe und das Ausmaß von Druckverletzungen können schwer zu bestimmen sein. Für die Überwachung des Fortschreitens oder der Heilung von Verletzungen ist es unerlässlich, die Wunden in regelmäßigen Abständen zu untersuchen und zu fotografieren. Eine Reihe verschiedener Skalen zur Bestimmung des Heilungsfortschrittes ist verfügbar. The Pressure Ulcer Scale for Healing (PUSH-Skala), die als Ergänzung zum NPIAP-Staging-System entwickelt wurde, ist von vielen Einrichtungen übernommen worden (1).

Routinemäßige Anlegung von Wundkulturen wird nicht empfohlen, da alle Druckverletzungen stark von Bakterien besiedelt sind.

Eine ernährungswissenschaftliche Untersuchung wird bei Patienten mit Druckverletzungen, insbesondere solchen in Stadium 3 oder 4, empfohlen. Die Beurteilung des Ernährungszustands erfolgt am besten durch Anamnese und körperliche Untersuchung, da herkömmliche Blutmarker wie Albumin und Präalbumin für sich genommen nicht zuverlässig sind, um den Ernährungszustand zu bestimmen (2). Unterernährung erfordert weitere Untersuchung und Behandlung.

Nicht heilende Wunden können aufgrund einer unzureichenden Behandlung auftreten, aber ihr Vorhandensein sollte den Verdacht auf eine Komplikation wecken. Druckdolenz, Erytheme der umgebenden Haut, Exsudat sowie ein fauliger Geruch weisen auf eine zugrunde liegende Infektion hin. Fieber und Leukozytose sollten den Verdacht auf Zellulitis, Bakteriämie oder eine zugrunde liegende Osteomyelitis wecken. Bei Verdacht auf Osteomyelitis werden ein vollständiges Blutbild und Blutkulturen sowie Erythrozytensedimentationsrate, C-reaktives Protein und/oder Procalcitonin empfohlen. Die Diagnose einer Osteomyelitis wird durch Knochenbiopsie und Kultur gestellt, was jedoch nicht immer durchführbar ist.

Bei bildgebenden Verfahren fehlt eine Kombination aus hoher Sensitivität und Spezifität. MRT ist sensitiv, aber nicht spezifisch und kann bei der Festlegung des Umfangs der Verbreitung einer Druckverletzung helfen. MRT mit Gadolinium kann dazu beitragen, auslaufende oder verbundene Fistelgänge zu identifizieren.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. National Pressure Injury Advisory Panel. Pressure Ulcer Scale for Healing. Accessed July 30, 2025.

  2. 2. Bharadwaj S, Ginoya S, Tandon P, et al. Malnutrition: Laboratory markers vs nutritional assessment. Gastroenterol Rep (Oxf) 4(4):272–280, 2016. doi: 10.1093/gastro/gow013

Behandlung von Druckverletzungen

  • Druckreduzierung

  • Direkte Wundversorgung

  • Behandlung von Schmerzen

  • Kontrolle der Infektion

  • Beurteilung der Ernährungsbedürfnisse

  • Begleittherapie oder Operation

Für die Behandlung von Druckverletzungen wird ein vielschichtiger Ansatz empfohlen. Druckentlastung (durch regelmäßige Umlagerung, Verwendung geeigneter Auflageflächen und Reduzierung von Reibung und Feuchtigkeit) sowie direkte Wundversorgung (d.h. Verbände, Débridement und Wundreinigung) sind Standardbehandlungsoptionen (1). Die Schmerzbekämpfung mit Analgetika und die Behandlung von Wundinfektionen mit Antibiotika können erforderlich sein. Bei Patienten mit Proteinmangel sollte auch eine Nahrungsergänzung erfolgen. Eine chirurgische Sanierung ist fortgeschrittenen oder ausgedehnten Ulzera vorbehalten.

Druckreduzierung

Eine Druckentlastung des Gewebes wird durch vorsichtige Lagerung des Patienten, Schutzvorrichtungen und der Verwendung stützender Oberflächen erreicht (2, 3).

Häufiges Umlagern (und die Wahl der richtigen Lagerung) ist der wichtigste Faktor zur Aufrechterhaltung der Druckentlastung. Ein schriftlicher Zeitplan sollte verwendet werden, um das Umlagern des Patienten zu steuern und zu dokumentieren. Patienten, die ans Bett gefesselt sind, sollten mindestens alle 2 Stunden umgedreht werden und sollten in einem Winkel von 30° zur Matratze platziert werden, wenn sie auf der Seite liegen (Seitenlage), um direkten trochantären Druck zu vermeiden (4). Der Kopf sollte nur minimal vom Bett gehoben werden, um die Auswirkungen von Scherkräften zu vermeiden (d.h. die Kräfte, die der Patient beim notwendigen Positionswechsel erfahren kann). Um unnötige Reibung zu vermeiden, sollten bei einer Umlagerung Hebezüge (z. B. ein Stryker-Rahmen) oder Bettwäsche verwendet werden, anstatt den Patienten zu ziehen. Patienten, die in Stühlen platziert werden, sollten jede Stunde neu positioniert und dazu ermutigt werden, ihre eigene Position alle 15 MInuten zu ändern.

Schutzpolster, wie Kissen, Schaumstoffkeile und Fersenschützer können zwischen und/oder unter den Knien, Knöcheln und Fersen platziert werden, wenn der Patient auf dem Rücken oder auf der Seite liegt. Bei Patienten, die durch Frakturen immobilisiert sind, sollten Gipssschalen an Druckstellen gefenstert werden. Patienten, die in einem Stuhl sitzen können, sollten mit weichen Sitzkissen versorgt werden.

Bei bettlägerigen Patienten lassen sich zur Druckentlastung die Kontaktoberflächen verändern. Sie können statisch oder dynamisch sein. Bei der Behandlung von Dekubitalgeschwüren werden sie oft mit anderen Maßnahmen kombiniert. Auflageflächen werden danach klassifiziert, ob sie mit Strom betrieben werden. Statische Oberflächen benötigen keine Elektrizität, dynamische Oberflächen hingegen schon.

Zu den statischen Oberflächen gehören Luftpolster-, Schaum-, Gel- und Wasserunterlagen und -matratzen. Eierwaben-Matratzen sind nutzlos. In der Regel vergrößern statische Flächen die Auflagefläche und reduzieren Druck- und Scherkräfte. Statische Flächen wurden traditionell für die Prävention von Dekubitalgeschwüren oder bei Stadium 1-Dekubitalgeschwüren verwendet.

Dynamische Oberflächen beinhalten Matratzen mit Wechseldruck, Low-Air-Loss-Matratzen, und Air-Fluidized-Matratzen. Einige dynamische Matratzen verringern nicht nur den Druck, sondern vergrößern auch die Auflagefläche, reduzieren die Wärme und fördern die Kühlung, und sie verringern die Scherkräfte. Antidekubitusmatratzen mit Wechseldruck enthalten mehrere luftgefüllte Zellen, die abwechselnd von einer Pumpe aufgeblasen werden und so den Druck immer wieder umverteilen. Antidekubitusmatratzen mit Low-Air-Loss-System sind riesige luftdurchlässige Kissen, in die kontinuierlich Luft eingeblasen wird; der Luftstrom trocknet Gewebe. Diese Spezialmatratzen sind für Patienten mit Dekubitalgeschwüren im Stadium 1 indiziert, die auf den druckbelasteten Flächen eine Hyperämie entwickeln, sowie für Patienten mit Druckverletzungen im Stadium 3 und 4. Sog. Air-Fluidized-Matratzen (High-Air-Loss-Matratzen) enthalten silikonummantelte Kügelchen, die sich verflüssigen, wenn Luft durch die Matratze gepumpt wird. Zu den Vorteilen dynamischer Unterstützungssysteme gehören die Reduzierung von Feuchtigkeit und die Kühlung. Diese Matratzen sind für Patienten mit nicht heilenden Druckverletzungen der Stadien 3 und 4 oder zahlreichen Rumpfverletzungen geeignet (siehe Tabelle ).

Im Vergleich zu einigen statischen Oberflächen (z. B. Schaumstoff) können reaktive Luftoberflächen (z. B. Wechseldruckmatratzen) das Risiko für Druckgeschwüre verringern und die vollständige Heilung von Ulzera fördern, jedoch ist die Gewissheit der verfügbaren Evidenz gering (5). 

Die Reibungsreduzierung durch Barriereschutzmittel wie Vaseline verringert nachweislich die von der persönlichen Schutzausrüstung verursachte Reibung unmittelbar nach dem Auftragen. Allerdings ist eine häufige erneute Anwendung (stündlich) erforderlich, um die Schutzwirkung aufrechtzuerhalten, was ihre potenzielle Nützlichkeit einschränkt.

Maßnahmen zur Feuchtigkeitsreduktion, wie die sofortige Behandlung von Inkontinenz und die Pflege der Haut, damit sie sauber und trocken bleibt und durch geeignete Schutzcremes oder Verbände vor übermäßiger Feuchtigkeit geschützt wird, können zusätzlich dazu beitragen, feuchtigkeitsbedingte Hautschäden und Druckverletzungen zu verhindern.

Tabelle
Tabelle

Direkt Wundversorgung

Eine angemessene Wundversorgung umfasst Reinigung, Débridement und Verbände.

Die Reinigung sollte zu Beginn und auch mit jedem Verbandwechsel erfolgen. Physiologische Kochsalzlösung ist in der Regel die beste Wahl als Reinigungsmittel. Zur Wundreinigung gehört die Spülung mit einem Druck, der ausreicht, um Bakterien zu entfernen, ohne das Gewebe zu schädigen. Dazu kann man handelsübliche Spritzen, zusammendrückbare Flaschen oder elektrische Drucksysteme verwenden. Spülung kann auch helfen, nekrotisches Gewebe zu entfernen (Débridement). Alternativ kann eine 35-ml-Spritze mit einem intravenösen 18-Gauge-Katheter benutzt werden. Die Spülungen erfolgen so lange, bis sich kein Debris mehr freispülen lässt. Antiseptika und antiseptische Spülungen (z. B. Jod, Wasserstoffperoxid, Natriumhypochlorit) können gesundes Granulationsgewebe und Keratinozyten zerstören und sollten daher im Allgemeinen vermieden werden. Es wurden jedoch Wundreiniger auf Basis von hypochloriger Säure entwickelt, die die mikrobielle Belastung reduzieren, ohne die normale Zellfunktion zu beeinträchtigen, und daher in vielen Behandlungssituationen eingesetzt werden können (6).

Das Débridement ist nötig, um nekrotisches Gewebe zu entfernen. Nekrotisches Gewebe dient als Medium für das Wachstum von Bakterien und blockiert die normale Wundheilung. Die Methoden umfassen:

  • Mechanisches Débridement: Dieses Verfahren umfasst Hydrotherapie (z. B. Bäder im Whirlpool, pulsierende Lavage) und am häufigsten Nass-Trocken-Verbände. Die Reinigung von Wunden durch Spülung mit ausreichendem Druck kann auch zu mechanischem Débridement führen. Mechanisches Débridement entfernt nekrotischen Debris auf der Wundoberfläche und sollte nur bei Wunden mit sehr wenig Exsudat durchgeführt werden. Bei feucht-trockenen Verbänden haften Exsudat und nekrotisches Gewebe beim Trocknen an einem Gazeverband, sodass das Entfernen des Verbandes die Wunde debridiert; diese Methode muss mit Vorsicht angewendet werden, da der Verbandswechsel schmerzhaft ist und möglicherweise gesundes Granulationsgewebe entfernt (d. h. Gewebe, das für eine ordnungsgemäße Heilung notwendig ist).

  • Scharfes (chirurgisches) Débridement: Diese Methode beinhaltet die Verwendung eines sterilen Skalpells oder einer sterilen Schere, um Schorf und dicke Nekrosen zu entfernen. Leichte Mengen von Schorfbildung oder Gewebe lassen sich direkt am Patientenbett entfernen, größere oder tieferreichende Defekte (z. B. wenn darunter liegende Knochen, Sehnen oder Gelenke offenliegen) sollten im Operationssaal abgetragen werden.

  • Autolytisches Débridement: Synthetische verschließende (Hydrokolloide/Hydrogele) Verbände oder halbverschließende (transparenter Film) Verbände werden verwendet, um den Abbau toten Gewebes durch die Enzyme, die bereits in der Wunde vorhanden sind, zu erleichtern. Autolytisches Débridement bei kleineren Wunden mit wenig Exsudat verwendet werden. Diese Methode sollte nicht verwendet werden, wenn eine Infektion der Wunde vermutet wird.

  • Enzymatisches Débridement: Diese Technik (mit Kollagenase, Papain, Fibrinolysin, Desoxyribonuclease oder Streptokinase/Streptodornase) kann bei Patienten mit leicht fibrotischem oder nekrotischem Gewebe innerhalb des Ulkus verwendet werden. Es kann auch bei Patienten angewendet werden, deren Betreuer nicht für mechanisches Débridement geschult sind, oder bei Patienten, die keine Operation tolerieren können. Am wirksamsten ist es nach vorsichtiger und umsichtiger Kreuzschraffierung der Wunde mit einem Skalpell zur Verbesserung der Penetration.

  • Biologisches Debridement: Medizinische Madentherapie ist nützlich zur selektiven Entfernung von totem nekrotischem Gewebe; Maden (Fliegenlarven) fressen nur totes Gewebe. Diese Methode ist besonders hilfreich bei Patienten mit durch die Wunde freiliegenden Knochen, Sehnen und Gelenke; scharfes Débridement ist hier kontraindiziert.

Verbände sind hilfreich für den Schutz der Wunde und zur Erleichterung des Heilungsprozesses. Sie sollten für Druckverletzungen im Stadium 1 verwendet werden, die Reibung oder Inkontinenz ausgesetzt sind, sowie für alle anderen Druckverletzungen(siehe Tabelle ).

Bei Stufe 1 Dekubitalgeschwüren, die erhöhten Friktionskräften ausgesetzt sind, sind transparente Verbände ausreichend. Bei Verletzungen mit minimalem Exsudat werden transparente Folien oder Hydrogele verwendet – dies sind vernetzte Polymerverbände in Form von Folien oder Gelen –, um die Wunde vor Infektionen zu schützen und ein feuchtes Milieu zu schaffen, das die physiologischen Heilungsprozesse optimiert. Transparente Verbände oder Hydrogele sollten alle 3 bis 7 Tage gewechselt werden.

Hydrokolloide, die Gelatine, Pektin und Carboxymethylcellulose in Form von Wafern und Pulvern kombinieren, sind für Druckverletzungen mit leichtem Exsudat indiziert und können je nach Menge der Drainage bis zu einer Woche lang an der Wundstelle belassen werden.

Alginate (Polysaccharid-Derivate aus Meeresalgen, die Alginsäure enthalten), die in Form von Kompressen, Strängen, Bändern und gelbildenden Faserverbänden erhältlich sind, sind angezeigt zur Aufnahme von starkem Exsudat. Alginate haben auch hämostatische Eigenschaften, die zur Kontrolle von Blutungen nach chirurgischem Débridement nützlich sind. Beide Verbände können bis zu 7 Tage belassen werden, müssen jedoch früher gewechselt werden, wenn sie durchfeuchtet sind.

Schaumstoffverbände können bei Wunden mit unterschiedlich starkem Exsudat verwendet werden und bieten eine feuchte, schützende Umgebung für die Wundheilung. Schaumverbände können häufig bis zu 7 Tage belassen werden, müssen jedoch gewechselt werden, sobald sie durchfeuchtet sind. Die wasserfesten Versionen schützen die Haut bei Inkontinenz.

Tabelle
Tabelle

Behandlung von Schmerzen

Dekubitalgeschwüre können erhebliche Schmerzen verursachen. Schmerzen sollten regelmäßig unter Verwendung einer Schmerzskala überwacht werden.

Die primäre Schmerzbehandlung ist die Behandlung der Verletzung selbst, aber ein nichtsteroidales entzündungshemmendes Medikament oder Paracetamol ist bei leichten bis mäßigen Schmerzen nützlich. Opioide sollten möglichst vermieden werden, da Sedierung Unbeweglichkeit fördert. Jedoch können opioide oder topische nichtopiode Zubereitungen wie Mischungen aus Lokalanästhetika beim Verbandwechsel und Débridement erforderlich sein.

Bei kognitiv eingeschränkten Patienten können Veränderungen der Vitalfunktionen als Schmerzindikatoren herangezogen werden (z. B. Tachykardie, Tachypnoe).

Kontrolle der Infektion

Dekubitalgeschwüre sollten kontinuierlich nach Anzeichen einer bakteriellen Infektion wie erhöhte Rötung, üblen Geruch, Wärme, Drainage, Fieber und erhöhten Leukozytenzahl beurteilt werden. Wundheilungsstörungen sollten auch Anlass zur Sorge in Hinblick auf eine Infektion sein. Diese abnormen Befunde zeigen, dass eine Wundkultur angelegt werden sollte. Da jedoch Dekubitalgeschwüre generell von Bakterien kolonisiert sind, sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden; anstelle der bakteriellen Präsenz sollte anhand der Keimzahl über eine Behandlung entschieden werden.

Oberflächliche Hautinfektionen oder kritische Kolonisation können lokal mit Wirkstoffen wie Silber-Sulfadiazin, Mupirocin, Polymyxin B und Metronidazol behandelt werden. Silbersulfadiazin und ähnliche undurchsichtige topische Mitteln sollten vorsichtig verwendet werden, da sie die Visualisierung der zugrunde liegenden Wunde beeinträchtigen können und schwer zu entfernen sein können.

Systemische Antibiotika sollten bei Zellulitis, Bakteriämie oder Osteomyelitis verabreicht werden. Es sollten Gewebekulturen und/oder Blutkulturen angelegt werden, gefolgt von der Einleitung einer empirischen Antibiotikatherapie, bis die Ergebnisse der Kulturen und der Sensitivitätsprüfung vorliegen. Die Behandlung sollte dann basierend auf den Ergebnissen der Gewebekultur und der Sensitivitätstests angepasst werden. Gewebekulturen sind, wenn möglich, Oberflächenabstrichkulturen immer vorzuziehen. Die Einschränkung des Einsatzes von Breitspektrum-Antibiotika ist wichtig, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden, bakterielle Resistenzen zu minimieren und die Störung des Haut- und Darmmikrobioms zu begrenzen.

Beurteilung der Ernährungsbedürfnisse

Evidenz aus verschiedenen Studien (einschließlich klinischer Studien) unterstreicht die Bedeutung personalisierter Ernährungsinterventionen bei der Behandlung von Druckverletzungen (7). Bei Patienten mit Dekubitalgeschwüren liegt oft eine Unterernährung vor, die die Wundheilung verzögert. Zeichen der Unterernährung sind ein Albumin-Wert von < 3,5 g/dl (< 35 g/l) oder ein Körpergewicht von < 80% des Idealgewichts. Eine Proteinzufuhr von 1,25–1,5 g/kg/Tag ist vorteilhaft für einen optimalen Heilungsprozess; dies erfordert manchmal eine orale, nasogastrale oder parenterale Supplementation.

Begleittherapien

Mehrere ergänzende Therapien zur Förderung der Heilung werden derzeit evaluiert, ihr Nutzen ist jedoch noch ungewiss (3). Zu diesen Therapien gehören folgende:

  • Unterdruck-Wundtherapie (Vakuum-assistierter Verschluss oder VAC): Diese Therapie wird verwendet, um die Wunde zu saugen. Es kann auf saubere Wunden appliziert werden. Qualitativ hochwertige Wirksamkeitsnachweise gibt es noch nicht, aber die Unterdruck-Wundtherapie hat in kleinen Studien einige vielversprechende Ergebnisse gezeigt.

  • Topische rekombinante Wachstumsfaktoren: Einige Befunde sprechen dafür, dass topische rekombinante Wachstumsfaktoren (z. B. Nervenwachstumsfaktor, Platelet-derived Growth Factor) die Wundheilung erleichtern.

  • Zelluläre und gewebebasierte Produkte: Zelluläre und azelluläre Matrizen (d. h. Hautersatzstoffe) wurden zur Behandlung einer Vielzahl chronischer Wunden eingesetzt und sollen bei fortgeschrittenen Druckverletzungen von Nutzen sein, aber die Beweise sind vorläufig und es fehlen randomisierte Studien.

  • Elektrostimulation: In Kombination mit der Standard-Wundtherapie verbessert Elektrostimulation die Wundheilung.

  • Hyperbare Sauerstofftherapie: Diese Therapie ist nicht als Standardbehandlung etabliert und ihre Rolle wird weiterhin untersucht. Sie kann als Ergänzung bei ausgewählten refraktären Fällen chronischer, nicht heilender Wunden in Betracht gezogen werden.

  • Therapeutische Sonografie: Sonographie wird manchmal verwendet, es gibt allerdings keine reliablen Hinweise auf ihren Nutzen oder Schaden.

  • Elektromagnetische Therapie, Phototherapie (Laser), Wärme, Massage: Es gibt keine Evidenz, die die Wirksamkeit dieser Behandlungen unterstützt.

Operative Eingriffe

Große Defekte erfordern einen chirurgischen Verschluss, insbesondere wenn damit eine Freilegung der darunter liegenden muskuloskelettalen Strukturen einhergeht.

Bei großen, flachen Defekten sind Hauttransplantate geeignet. Da Transplantate jedoch die Blutversorgung nicht verbessern, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die den Druck so weit reduzieren, dass er nicht zur Ischämie mit nachfolgendem Gewebeschaden führt.

Hautlappen, einschließlich myokutane, fasziokutane und perforatorbasierte Lappen, werden bevorzugt und sind die Verschlüsse der Wahl gegenüber großen knöchernen Vorsprüngen (in der Regel Sakrum, Ischium und Trochanter) (8).

Eine Operation kann schnell zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten mit Dekubitalgeschwüren beitragen. Chirurgische Ergebnisse sind am besten, wenn zuvor eine optimale Behandlung der zugrunde liegenden Risikofaktoren wie Mangelernährung und Begleiterkrankungen erfolgt ist.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Mervis JS, Phillips TJ. Pressure ulcers: Prevention and management. J Am Acad Dermatol. 2019;81(4):893-902. doi:10.1016/j.jaad.2018.12.068

  2. 2. Reddy M, Gill SS, Kalkar SR, et al. Treatment of pressure ulcers: a systematic review. JAMA. 2008;300(22):2647-2662. doi:10.1001/jama.2008.778

  3. 3. Qaseem A, Humphrey LL, Forciea MA, et al; Clinical Guidelines Committee of the American College of Physicians. Treatment of pressure ulcers: a clinical practice guideline from the American College of Physicians. Ann Intern Med. 2015;162(5):370-379. doi:10.7326/M14-1568

  4. 4. National Clinical Guideline Centre (UK). The Prevention and Management of Pressure Ulcers in Primary and Secondary Care: NICE Clinical Guidelines, No. 179. London: National Institute for Health and Care Excellence (NICE); 2014. Accessed July 30, 2025.

  5. 5. Shi C, Dumville JC, Cullum N, et al. Beds, overlays and mattresses for preventing and treating pressure ulcers: an overview of Cochrane Reviews and network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2021;8(8):CD013761. Published 2021 Aug 16. doi:10.1002/14651858.CD013761.pub2

  6. 6. Mallow PJ, Black J, Chaffin AE, et al. The economic and quality effects of wound cleansing with pure hypochlorous acid: evidence-based evaluation and clinical experience. Wounds. 2024;36(10):S1-S13. doi:10.25270/wnds/24101

  7. 7. Kassym L, Zhetmekova Z, Kussainova A, et al. Pressure Ulcers and Nutrients: From Established Evidence to Gaps in Knowledge. Curr Med Chem. Published online November 4, 2024. doi:10.2174/0109298673322825241018174928

  8. 8. Sameem M, Au M, Wood T, et al: A systematic review of complication and recurrence rates of musculocutaneous, fasciocutaneous, and perforator-based flaps for treatment of pressure sores. Plast Reconstr Surg 130(1):67e–77e, 2012. doi: 10.1097/PRS.0b013e318254b19f

Prognose bei Druckverletzungen

Dekubitalgeschwüre im Frühstadium besitzen eine ausgezeichnete Prognose, sofern sie rechtzeitig und richtig behandelt werden; der Heilungsprozess dauert jedoch für gewöhnlich mehrere Wochen. Fortgeschrittenere Druckverletzungen erfordern eine längere Heilungszeit.

Druckverletzungen entwickeln sich häufig bei Patienten, die suboptimal behandelt werden und/oder signifikante Störungen aufweisen, die die Wundheilung beeinträchtigen (z. B. Diabetes, Unterernährung, periphere arterielle Verschlusskrankheit). Wenn die Versorgung der Verletzung und die Behandlung von Begleiterkrankungen nicht optimiert werden können, können die Langzeitergebnisse schlecht sein, auch wenn eine kurzfristige Wundheilung erreicht wird.

Prävention von Druckverletzungen

Prävention erfordert:

  • Identifizierung von Patienten mit hohem Risiko

  • Umlagerung

  • Gewissenhafte Hautpflege und Hygiene

  • Vermeidung von Immobilisierung

Das Patientenrisiko sollte auf der Grundlage der Beurteilung durch qualifizierte Kliniker und der Verwendung von Risikobewertungsskalen abgeschätzt werden (z. B. , und die Braden-Skala).

Behandlung und Prävention überschneiden sich erheblich. Die Hauptstütze der Prävention ist Druckminderung durch häufige Umlagerung. Druck sollte niemals länger als 2 Stunden auf dieselben knöchernen Flächen einwirken. Patienten, die sich nicht selbstständig bewegen können, müssen mit Hilfe von Lagerungskissen umgelagert und ausgepolstert werden. Die Patienten müssen auch umgedreht werden, wenn sie auf Niederdruck-Matratzen liegen. Druckstellen sollten mindestens einmal täglich unter ausreichender Beleuchtung auf ein Erythem und Schäden überprüft werden. Patienten und ihre Angehörigen müssen zur täglichen visuellen Inspektion und Palpation der für eine Verletzungsbildung gefährdeten Stellen angeleitet werden.

Mazerationen und sekundäre Infektionen lassen sich durch sorgfältige tägliche Hygiene und Trockenheit verhindern. Schützende Polster, Kissen oder Schaffelle können auch als Abstandhalter zwischen Körperoberflächen angewandt werden. Bettwäsche und Kleidung sollten häufig gewechselt werden. Bei inkontinenten Patienten müssen die Verletzungen vor einer Kontamination geschützt werden, dabei sind synthetische Verbände hilfreich. Hautschäden können durch sorgfältige Reinigung und Trocknung (Abtupfen statt Reiben der Haut) sowie durch die Anwendung von Antimykotika-Cremes und -Pulvern, Feuchtigkeitsschutzcremes mit Zinkoxid oder hautschützenden Tüchern verhindert werden. DIe Verwendung von Heftpflastern sollte minimiert werden, da sie empfindliche Haut reizen und sogar abreißen können.

Am wichtigsten ist es, Immobilisierung zu vermeiden. Die Gabe von Beruhigungsmitteln sollte minimiert werden, und die Patienten sollten so schnell und sicher wie möglich mobilisiert werden.

Wichtige Punkte

  • Druckverletzungen können sich aufgrund von Immobilisierung und Hospitalisierung entwickeln, vor allem bei Patienten, die > 65 Jahre alt sind oder bei Neugeborenen, und solchen mit Inkontinenz oder Unterernährung.

  • Beurteilen Sie das Risiko eines Dekubitalgeschwürs anhand von standardisierten Skalierungssystemen sowie anhand der Einschätzung von qualifizierten Klinikern.

  • Druckverletzungen werden entsprechend ihrer Tiefe klassifiziert, jedoch kann der Gewebeschaden tiefer und schwerwiegender sein, als es allein durch die körperliche Untersuchung ersichtlich ist.

  • Patienten mit Dekubitalgeschwüren sollten auch im Bezug auf lokale Wundinfektion (manchmal manifestiert als ausbleibende Heilung), Fistelgänge, Phlegmone, bakteriämische Verbreitung (z. B. mit Endokarditis oder Meningitis), Osteomyelitis, und Unterernährung eingeschätzt werden.

  • Durch Druckreduktion, häufiges Umlagern, Schutzpolster und dynamische (elektrisch angetrieben) oder statische (nicht elektrisch angetrieben) Kontaktoberflächen können Dekubitalgeschwüre behandelt und vermieden werden.

  • Wunden sollten häufig gereinigt und neu verbunden werden, um die Keimzahl zu reduzieren und die Heilung zu fördern.

  • Applizieren Sie transparente Folien, Hydrokolloide oder Hydrogele (bei geringer Exsudation), Alginat- oder gelfaserhaltige Verbände (bei umfangreicher Exsudation) oder Schaumverbände (bei unterschiedlichen Exsudatmengen).

  • Behandeln Sie Schmerzen mit Analgetika und therapieren Sie Zellulitis oder systemische Infektionen mit gezielten systemischen Antibiotika.

  • Große Defekte werden durch einen chirurgischen Eingriff verschlossen, vor allem wenn Strukturen des Bewegungsapparates offenliegen.

  • Ernährungszustand und die Behandlung komorbider Störungen sollten vor einer Operation optimiert werden.

  • Verhindern Sie Dekubitalgeschwüre bei Risikopatienten durch sorgfältige Wundversorgung, Druckabbau und Vermeidung unnötiger Ruhigstellung.

quizzes_lightbulb_red
Test your KnowledgeTake a Quiz!
DE_MSD_Mobile_Pro_326IOS ANDROID
DE_MSD_Mobile_Pro_326IOS ANDROID
DE_MSD_Mobile_QR_Pro_326iOS ANDROID