Herzinsuffizienz (CHF)

(Kongestive Herzinsuffizienz)

VonNowell M. Fine, MD, SM, Libin Cardiovascular Institute, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft vonJonathan G. Howlett, MD, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
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Kurzinformationen

Bei einer Herzinsuffizienz (einem Herzversagen) kann das Herz nicht mit den Anforderungen des Körpers mithalten. Das führt zu einem verringerten Blutfluss, einer Stauung des Blutes in den Venen und in der Lunge und/oder anderen Veränderungen, die das Herz noch mehr schwächen oder versteifen können.

  • Eine Herzinsuffizienz entsteht, wenn sich der Herzmuskel nicht ausreichend anspannt oder entspannt, weil dieser typischerweise schwach, steif oder beides ist.

  • Viele Erkrankungen, die das Herz betreffen, können zu Herzinsuffizienz führen.

  • Die meisten Menschen haben anfänglich keine Symptome, wobei sich Anzeichen wie Kurzatmigkeit und Erschöpfung allmählich im Laufe von Tagen bis Monaten entwickeln.

  • Flüssigkeit kann sich in den Lungen, im Bauch oder in den Beinen ansammeln.

  • Wenn der Verdacht auf Herzinsuffizienz besteht, beruht dieser im Allgemeinen auf den Symptomen. In der Regel werden jedoch Untersuchungen, wie z. B. eine Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens), durchgeführt, um die Herzfunktion zu beurteilen.

  • Die Behandlung zielt auf die Erkrankung ab, welche die Herzinsuffizienz verursacht, und beinhaltet Veränderungen der Lebensweise sowie eine medikamentöse, operative oder anderweitige Behandlung der Herzinsuffizienz.

Ursachen der Herzinsuffizienz

Ursachen der Herzinsuffizienz sind u. a.:

  • Erkrankungen, die das Herz direkt betreffen (kardiale Ursachen)

  • Erkrankungen anderer Körpersysteme, die das Herz indirekt betreffen (nicht-kardiale Ursachen)

Jede Krankheit, die das Herz direkt betrifft, kann zu einer Herzinsuffizienz führen, genauso wie manche Krankheiten, die das Herz indirekt betreffen. Manche Erkrankungen können innerhalb kurzer Zeit zu Herzinsuffizienz führen. Bei anderen Erkrankungen wiederum kommt es erst nach vielen Jahren dazu. Einige Erkrankungen verursachen eine systolische Herzinsuffizienz, andere eine diastolische Herzinsuffizienz und manche Erkrankungen, wie Bluthochdruck und manche Erkrankungen der Herzklappen, können beide Formen der Fehlfunktion verursachen.

Kardiale Ursachen der Herzinsuffizienz

Herzerkrankungen, die eine Herzinsuffizienz verursachen, können das ganze Herz oder Teile davon schädigen. In vielen Fällen führt das Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu einer Herzinsuffizienz.

Eine häufige kardiale Ursache der Herzinsuffizienz ist Folgendes:

Koronare Herzkrankheiten können große Bereiche des Herzmuskels schädigen, weil er nicht mehr genügend sauerstoffreiches Blut erhält, das er benötigt, um sich richtig zusammenziehen zu können. Ein Verschluss eines Herzkranzgefäßes (Koronararterie) kann einen Herzinfarkt auslösen, durch den ein Teil des Herzmuskels zerstört wird. Dieser Teil kann sich dann nicht mehr richtig zusammenziehen.

Andere kardiale Ursachen der Herzinsuffizienz sind u. a.:

  • Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels)

  • Einige Medikamente (zum Beispiel manche Chemotherapeutika)

  • Einige Giftstoffe (zum Beispiel Alkohol)

  • Erkrankungen der Herzklappen

  • Eine anormale Verbindung zwischen den Herzkammern (zum Beispiel Ventrikelseptumdefekt)

  • Störungen, die das elektrische Reizleitungssystem des Herzens betreffen und Herzrhythmusstörungen verursachen

  • Einige genetische Erkrankungen

  • Das Herz versteifende Erkrankungen

Eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung), die auf einer bakteriellen, viralen oder anderweitigen Infektion beruht, kann den gesamten Herzmuskel oder einen Teil davon schädigen und dadurch seine Pumpfähigkeit beeinträchtigen.

Ebenso können bestimmte Medikamente zur Behandlung von Krebs sowie einige Giftstoffe (wie Alkohol) den Herzmuskel schädigen.

Erkrankungen der Herzklappen – die Verengung (Stenose) einer Herzklappe, die den Blutfluss durch das Herz behindert, oder eine defekte Klappe, durch die das Blut in die Kammer zurückfließt (Regurgitation oder Insuffizienz) – können zu einer Herzinsuffizienz führen. Beide Erscheinungen können das Herz sehr stark belasten, sodass es sich mit der Zeit vergrößert und nicht mehr ausreichend pumpen kann.

Durch eine anormale Verbindung (zum Beispiel Ventrikelseptumdefekt) zwischen den Herzkammern kann Blut innerhalb des Herzens zurückfließen. Dadurch nimmt die Arbeitslast des Herzens zu und es kann zu einer Herzinsuffizienz kommen.

Bei Störungen, die das elektrische Reizleitungssystem des Herzens betreffen (siehe Abbildung ) und die zu anhaltenden Veränderungen des Herzrhythmus führen (insbesondere bei zu schnellem und unregelmäßigem Herzschlag), können zu einer Herzinsuffizienz führen. Wenn das Herz nicht normal schlägt, kann es nicht ausreichend Blut pumpen.

Einige genetische Erkrankungen können das Herz betreffen und zu einer Herzinsuffizienz führen. Die Duchenne-Muskeldystrophie beispielsweise verursacht eine Schwäche des Herzmuskels (zusammen mit vielen anderen Muskeln). Das Down-Syndrom kann zu angeborenen Fehlbildungen des Herzens führen.

Eine Herzinsuffizienz kann auch die Folge anderer Krankheiten sein, die zu einer Versteifung der Herzwände führen, wie das Eindringen von Flüssigkeit oder Zellen in Körpergewebe (Infiltrierung) oder Infektionen. Zum Beispiel dringt bei einer Amyloidose das krankhafte Eiweiß Amyloid in viele Körpergewebe ein. Wenn das Amyloid in die Herzwände eindringt, werden sie unelastisch und es kommt zur Herzinsuffizienz. In tropischen Ländern kann das Eindringen bestimmter Parasiten (wie bei der Chagas-Krankheit) in den Herzmuskel zu Herzinsuffizienz führen, wovon auch junge Menschen betroffen sind.

Bei der konstriktiven Perikarditis verhärtet sich der Herzbeutel (Perikard), wodurch selbst ein gesundes Herz nicht mehr richtig pumpen und sich nicht ausreichend mit Blut füllen kann.

Wussten Sie ...

  • Herzinsuffizienz bzw. Herzversagen bedeutet nicht, dass das Herz nicht mehr schlägt. Es bedeutet, dass das Herz nicht in der Lage ist, die geforderte Leistung zu erbringen.

Nicht-kardiale Ursachen der Herzinsuffizienz

Die häufigste nicht-kardiale Ursache der Herzinsuffizienz ist:

Bluthochdruck überanstrengt das Herz, weil es das Blut kräftiger in die Arterien pumpen muss, um gegen den Widerstand, der durch den Hochdruck entsteht, anzukämpfen. Schließlich verdicken sich die Herzwände (Hypertrophie) und/oder werden steif. Ein steifes Herz füllt sich nicht mehr schnell genug oder ausreichend mit Blut, es pumpt dann bei jeder Kontraktion weniger Blut als ein gesundes Herz. Diabetes und Fettleibigkeit führen ebenfalls zu Veränderungen, aufgrund derer sich die Wände der unteren Herzkammern versteifen.

Auch im Alter verlieren die Herzwände an Elastizität. Herzinsuffizienz kommt bei älteren Erwachsenen besonders häufig vor, da diese oft an Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Diabetes leiden und dies dann mit dem altersbedingten Elastizitätsverlust der Herzwände zusammentrifft.

Weniger häufige nicht-kardiale Ursachen der Herzinsuffizienz sind u. a.:

  • Bluthochdruck in den zur Lunge führenden Arterien (pulmonale Hypertonie; manchmal durch eine Lungenembolie ausgelöst)

  • Anämie

  • Schilddrüsenerkrankungen

  • Nierenversagen

  • Einige Medikamente

Bei einigen Lungenerkrankungen, z. B. bei der pulmonalen Hypertonie, kann es zu Schädigungen oder Veränderungen der Blutgefäße in der Lunge (Pulmonalarterien) kommen. In der Folge muss die rechte Seite des Herzens, die Blut in die Lunge pumpt, stärker arbeiten. Es kann dann zu einem Cor pulmonale kommen, wobei der rechte Ventrikel (untere rechte Herzkammer) vergrößert ist und eine Rechtsherzinsuffizienz vorliegt.

Ein plötzlicher, massiver Verschluss einer Lungenarterie durch ein oder mehrere Blutgerinnsel (Lungenembolie) kann das Pumpen von Blut in die Lungenarterien ebenfalls erschweren und zu einer Rechtsherzinsuffizienz führen.

Blutarmut ist ein starker Mangel an roten Blutkörperchen (niedrige Anzahl an Blutkörperchen). Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff von den Lungen zum Gewebe. Bei einer Anämie ist der Sauerstoffgehalt des Blutes verringert, sodass das Herz stärker arbeiten muss, um den Sauerstoffbedarf der Körpergewebe zu decken. Eine Anämie hat viele Ursachen, einschließlich Herzversagen selbst.

Eine überaktive Schilddrüse (Schilddrüsenüberfunktion) stimuliert das Herz so stark, dass es zu schnell schlägt und sich zwischen den einzelnen Schlägen nicht mehr richtig entleert. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Schilddrüsenunterfunktion) werden alle Muskeln, einschließlich des Herzmuskels, geschwächt, da deren problemlose Funktion von Schilddrüsenhormonen abhängt.

Bei einer Niereninsuffizienz wird das Herz überlastet, weil die Nieren dem Blut keine überschüssige Flüssigkeit entziehen können, sodass das Herz eine größere Blutmenge pumpen muss. Schließlich kann das Herz diese Anstrengung nicht mehr leisten, und es kommt zur Herzinsuffizienz.

Bei einigen Medikamenten, wie z. B. nichtsteroidalen Antirheumatika, kann es vorkommen, dass der Körper Flüssigkeit speichert. In der Folge muss das Herz mehr leisten, was wiederum zu einer Herzinsuffizienz führen kann.

Der Alterungsprozess im Visier: Ursachen von Herzinsuffizienz bei älteren Erwachsenen

Zunehmendes Alter allein führt nicht zu Herzinsuffizienz. Ältere Erwachsene neigen jedoch eher zu den häufigsten Ursachen von Herzinsuffizienz, nämlich langfristigem Bluthochdruck und Herzinfarkten (aufgrund koronarer Herzkrankheit).

Die Erkrankungen können auf zweierlei Weise zu einer Herzinsuffizienz führen. Sie können Probleme mit folgenden Fähigkeiten des Herzens verursachen:

  • Füllen mit Blut

  • Auspumpen des Blutes

Bei älteren Erwachsenen treten Probleme beim Füllen (sogenannte diastolische Fehlfunktion) und Probleme beim Pumpen (sogenannte systolische Fehlfunktion) gleichermaßen häufig auf.

Probleme beim Füllen

Probleme beim Füllen entstehen in der Regel, wenn die Ventrikelwände steif geworden sind. Dadurch können sich die Ventrikel nicht mehr richtig mit Blut füllen, und es wird zu wenig Blut wieder herausgepumpt. Mit dem Alter wird der Herzmuskel häufig unelastischer, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit einer Herzinsuffizienz aufgrund von Problemen beim Füllen erhöht. Bluthochdruck kann zu Problemen beim Füllen führen, da der Herzmuskel in diesem Fall dicker und steifer wird.

Probleme beim Füllen sind aber nicht immer auf ein steifes Herz zurückzuführen. Zum Beispiel ziehen sich beim Vorhofflimmern (einer mit zunehmendem Alter häufiger auftretenden Herzrhythmusstörung) die Vorhöfe schnell und unregelmäßig zusammen. In der Folge befördern die Vorhöfe nicht genug Blut in die Ventrikel. Ein plötzliches Auftreten von Vorhofflimmern kann bei älteren Erwachsenen zu Herzinsuffizienz führen.

Pumpprobleme

Probleme beim Pumpen entstehen in der Regel, wenn der Herzmuskel geschädigt wurde. Ein geschädigtes Herz pumpt weniger Blut, wodurch sich der Druck innerhalb des Herzens erhöht und sich die Herzkammern vergrößern.

Die häufigste Ursache für Herzschäden bei älteren Erwachsenen ist ein Herzinfarkt (aufgrund des Verschlusses einer Arterie, die das Herz mit Blut versorgt).

Ebenso können Erkrankungen der Herzklappen zu Problemen beim Pumpen führen.

Bei einer Aortenklappenstenose (einer Erkrankung der Herzklappen) verengt sich die Öffnung zwischen dem linken Ventrikel und der Aorta (Aortenklappe). Dadurch wird das Herauspumpen des Bluts aus dem Herzen erschwert. Eine Aortenklappenstenose ist bei älteren Erwachsenen eine häufige Ursache für Herzinsuffizienz.

Wenn seit längerer Zeit eine Lungenerkrankung wie COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) oder Vernarbungen (Lungenfibrose) bestehen, erhöht sich der Blutdruck in der Lunge. Dadurch wird es für den rechten Ventrikel schwieriger, Blut in die Lunge zu pumpen.

Symptome einer Herzinsuffizienz

Die Symptome einer Herzinsuffizienz können plötzlich auftreten (akute Herzinsuffizienz), insbesondere nach einem Herzinfarkt. Bei der erstmaligen Entstehung von Herzproblemen zeigen sich bei den meisten Menschen jedoch keine Symptome. Die Symptome entwickeln sich dann allmählich über Tage, Monate oder Jahre hinweg (chronische Herzinsuffizienz). Die Herzinsuffizienz kann sich zwar über eine gewisse Zeit hinweg stabilisieren, schreitet aber meist langsam und schleichend fort. Die Betroffenen können sich plötzlich der Symptome bewusst werden, wenn die Symptome eine Aktivität zum ersten Mal beeinträchtigen oder wenn die Symptome im Ruhezustand auftreten.

Einige häufige Symptome sind:

  • Kurzatmigkeit

  • Erschöpfung

  • Flüssigkeitsansammlung (Ödem) in den Beinen

  • Unfähigkeit, Sport zu treiben oder andere Aktivitäten auszuüben, die eine Belastung erfordern

Bei älteren Erwachsenen ruft eine Herzinsuffizienz jedoch gelegentlich undeutliche Symptome wie Schläfrigkeit, Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit hervor.

Der Schweregrad einer Herzinsuffizienz wird in der Regel basierend darauf eingestuft, inwieweit der Patient in der Lage ist, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen. Die Klassifikation der New York Heart Association (NYHA-Klassifikation) bleibt für Menschen und deren Betreuer ein wichtiges Instrument, um die Schwere der Krankheit und deren Auswirkung auf ihr Leben zu beurteilen (siehe Tabelle ).

Die Rechtsherzinsuffizienz verursacht andere Symptome als die Linksherzinsuffizienz. Auch wenn beide Formen der Herzinsuffizienz bestehen, dominieren oft die Symptome der einen oder der anderen. Die Linksherzinsuffizienz führt schließlich zu einer Rechtsherzinsuffizienz.

Symptome der Rechtsherzinsuffizienz

Das Hauptsymptom der Rechtsherzinsuffizienz ist die Flüssigkeitsansammlung, die zu Schwellungen (Ödeme) in Füßen, Knöcheln, Beinen, unterem Rückenbereich, Leber und Bauchraum führt. Wo sich die Flüssigkeit ansammelt, hängt von der überschüssigen Flüssigkeitsmenge und vom Einfluss der Schwerkraft ab. Im Stehen sammelt sie sich in den Beinen und Füßen. Wenn sich der Patient hinlegt, sammelt sich die Flüssigkeit gewöhnlich im unteren Bereich des Rückens an. Ist die Flüssigkeitsmenge sehr groß, kann sie sich auch im Bauchraum ansammeln. Flüssigkeitsansammlungen in der Leber oder im Magen können Übelkeit, Völlegefühl und Appetitlosigkeit hervorrufen. Eine schwere Rechtsherzinsuffizienz kann zu Gewichtsverlust und Muskelschwund führen. Diese Erkrankung wird als kardiale Kachexie bezeichnet.

Symptome der Linksherzinsuffizienz

Die Linksherzinsuffizienz führt zu einem Flüssigkeitsstau in der Lunge und damit zu Kurzatmigkeit. Anfangs zeigt sich die Kurzatmigkeit nur bei körperlicher Aktivität, aber bei fortschreitender Herzinsuffizienz wird das Atmen immer beschwerlicher, letzten Endes sogar im Ruhezustand. Menschen mit schwerer Linksherzinsuffizienz können unter heftiger Atemnot leiden, wenn sie sich hinlegen (Ärzte sprechen hier von Orthopnoe), weil dann aufgrund der Schwerkraft mehr Flüssigkeit in die Lunge fließt. Die Betroffenen wachen oft auf, schnappen nach Luft oder keuchen (Ärzte nennen dies paroxysmale nächtliche Dyspnoe). Wenn sie sich aufsetzen, fließt ein Teil der Flüssigkeit in den unteren Bereich der Lunge ab, und das Atmen fällt etwas leichter. Menschen mit Linksherzinsuffizienz fühlen sich außerdem müde und schwach bei körperlicher Anstrengung, weil ihre Muskeln nicht ausreichend mit Blut versorgt werden.

Symptome einer schweren Herzinsuffizienz

Bei einer schwerwiegenden Herzinsuffizienz kann es zu einem als Cheyne-Stokes-Atmung bezeichneten periodischen Atmen kommen. Bei diesem ungewöhnlichen Atemmuster setzt die Atmung einer Person erst ein paar Sekunden lang aus, beginnt dann langsam schneller und tiefer zu werden, anschließend langsamer und flacher, bis diese erneut wieder aussetzt und sich der Atmenzyklus wiederholt. Die Cheyne-Stokes-Atmung kann sich entwickeln, wenn das Gehirn mit zu wenig Blut versorgt wird, und das Atemzentrum im Gehirn deshalb nicht genügend Sauerstoff erhält. Die Cheyne-Stokes-Atmung gilt als Form der zentralen Schlafapnoe.

Obstruktive Schlafapnoe (bei der die Blockierung der Atemwege den Schlaf unterbricht, was zu Schläfrigkeit tagsüber führt) ist eine andere und häufiger auftretende Atmungsstörung, die bei Menschen mit oder ohne Herzinsuffizienz auftreten kann. Eine schwere obstruktive Schlafapnoe kann die Herzinsuffizienz verschlimmern. Eine ähnliche Erkrankung, die sogenannte zentrale Schlafapnoe, tritt auch häufiger bei Menschen mit Herzinsuffizienz auf und kann die Herzinsuffizienz verschlimmern.

Ein akutes Lungenödem ist eine plötzliche Ansammlung von viel Flüssigkeit in der Lunge. Dadurch kommt es zu extremen Atembeschwerden, schnellem Atmen, bläulicher Haut sowie Unruhe, Angstgefühl und Erstickungsgefühl. Bei einigen Menschen kommt es zu schweren Krämpfen der Atemwege (Bronchospasmen) und Keuchatmung. Ein akutes Lungenödem ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der auftreten kann, wenn es bei Menschen mit Herzinsuffizienz zu sehr hohem Blutdruck kommt, sie einen Herzinfarkt erleiden oder manchmal einfach nur, wenn sie die Anwendung der Medikamente zur Behandlung der Herzinsuffizienz unterbrechen oder salzige Nahrungsmittel zu sich nehmen.

Blutgerinnsel können sich in den Herzkammern bilden, wenn das Herz schwer geschädigt ist. Sie können sich bilden, wenn der Blutstrom in den Kammern zu langsam ist. Ein solches Blutgerinnsel kann sich ablösen (es wird dann zu einem sog. Embolus), mit dem Blutstrom wandern und sich in einer Arterie irgendwo im Körper festsetzen, die dann teilweise oder vollständig verstopft wird. Verschließt ein Gerinnsel eine Arterie zum Gehirn, ist die Folge ein Schlaganfall.

Bei Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz, insbesondere bei älteren Erwachsenen, kommt es häufig zu Depressionen und einem Rückgang der geistigen Funktion. In solchen Fällen ist eine sorgfältige Beurteilung und Behandlung erforderlich.

Diagnose von Herzinsuffizienz

  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs

  • Elektrokardiographie (EKG)

  • Echokardiographie, Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens und andere bildgebende Verfahren

  • Bluttests

Der Arzt wird bereits allein aufgrund der Symptome eine Herzinsuffizienz vermuten. Die körperliche Untersuchung bestätigt die Diagnose, wenn unter anderem ein schwacher, oft schneller Puls zu fühlen ist und sich niedriger Blutdruck, ungewöhnliche Herzgeräusche und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge (beides mit dem Stethoskop hörbar), ein vergrößertes Herz, geschwollene Halsvenen, eine vergrößerte Leber und Schwellungen im Bauchraum oder den Beinen feststellen lassen.

Gewöhnlich werden vom Arzt Untersuchungen zur Überprüfung der Herzfunktion durchgeführt. Zudem sind Tests erforderlich, um die Ursache der Herzinsuffizienz zu bestimmen.

Röntgenaufnahme des Brustkorbs

Ein vergrößertes Herz, verstopfte Blutgefäße und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge sind auf einem Röntgenbild des Brustkorbs sichtbar.

Elektrokardiographie

Fast immer wird eine Elektrokardiographie (EKG) durchgeführt, um herauszufinden, ob der Herzrhythmus normal ist, und um schnell feststellen zu können, ob der Patient einen Herzinfarkt hatte.

Echokardiographie

Die Echokardiographie, bei der mithilfe von Schallwellen ein Bild des Herzens entsteht, gehört zu den besten Untersuchungsverfahren zur Überprüfung der Herzfunktion, einschließlich der Pumpleistung und Funktion der Herzklappen. Mit einer Echokardiographie lässt sich Folgendes feststellen:

  • Ob die Herzwände verdickt sind und sich normal entspannen.

  • Ob die Herzklappen normal funktionieren.

  • Ob die Kontraktionen normal sind.

  • Ob ein Teil des Herzens nicht richtig kontrahiert.

Mit einer Echokardiographie lässt sich auch erkennen, ob die Herzinsuffizienz von einer systolischen oder diastolischen Fehlfunktion verursacht wurde, denn damit kann der Arzt die Dicke und Steifigkeit der Herzwände sowie die Auswurffraktion bestimmen. Die Auswurffraktion, ein wichtiger Anhaltspunkt für die Herzfunktion, gibt die prozentuale Blutmenge an, die das Herz bei jedem Schlag herauspumpt. Eine gesunde linke Herzkammer pumpt etwa 55 bis 60 Prozent des enthaltenen Blutes heraus. Eine niedrige Auswurffraktion (unter 40 Prozent) bestätigt eine systolische Herzinsuffizienz. Wenn die Auswurffraktion bei einem Patienten mit Symptomen einer Herzinsuffizienz normal oder hoch ist, so liegt wahrscheinlich eine diastolische Herzinsuffizienz vor.

Mit einer Herz-MRT können bestimmte Aspekte des Herzens detaillierter dargestellt werden als mit einer Echokardiographie, einschließlich des Grades der Entzündung, des Vorhandenseins von Vernarbung und Informationen über die Größe und Funktion des rechten Ventrikels.

Bluttests

Bluttests werden fast immer durchgeführt. Der Spiegel der natriuretischen Peptide wird häufig gemessen. Natriuretische Peptide sind Stoffe, die sich bei einer bestehenden Herzinsuffizienz im Blut ansammeln, jedoch seltener, wenn andere Erkrankungen vorliegen, die zu Kurzatmigkeit führen. Andere Bluttests können durchgeführt werden, um zu prüfen, ob andere Erkrankungen vorliegen, die die Herzinsuffizienz verursachen, sie verschlimmern oder die Behandlung der Herzinsuffizienz erschweren könnten.

Weitere Tests

Es können darüber hinaus auch andere Verfahren, wie eine Szintigraphie, Computertomographie (CT), Herzkatheterisierung mit Angiographie und Belastungstests, durchgeführt werden, um das Vorliegen einer Herzinsuffizienz festzustellen oder deren Ursache herauszufinden.

Nur selten ist eine Biopsie des Herzmuskels nötig; meist dann, wenn das Eindringen von Flüssigkeit oder Zellen in das Herz (wie bei der Amyloidose) oder eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) aufgrund einer bakteriellen, viralen oder anderweitigen Infektion vermutet wird.

Behandlung einer Herzinsuffizienz

  • Stabilisierung einer akuten Herzinsuffizienz

  • Ernährungsumstellung und Änderung des Lebensstils

  • Behandlung der Ursache der Herzinsuffizienz

  • Medikamente

  • Manchmal ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator, kardiale Resynchronisationstherapie oder mechanische Kreislaufunterstützung

  • Manchmal Herztransplantation

Die Behandlung von Herzinsuffizienz umfasst einige grundsätzliche Maßnahmen nebst Behandlung der ursächlichen Erkrankung, Änderungen der Lebensweise und Medikamente gegen Herzinsuffizienz. Der Großteil dieses Abschnitts bezieht sich auf die Linksherzinsuffizienz. Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe Rechtsherzinsuffizienz.

Stabilisierung und Behandlung einer akuten Herzinsuffizienz

Wenn eine Herzinsuffizienz plötzlich auftritt oder sich sehr rasch verschlimmert, ist eine Notfallbehandlung im Krankenhaus erforderlich. Egal, ob es sich um eine neue Diagnose oder um die Verschlimmerung einer bestehenden Herzinsuffizienz handelt, die Behandlung einer akuten Herzinsuffizienz konzentriert sich auf Folgendes:

  • Unterstützung der Atmung und andere lebenserhaltende Maßnahmen

  • Feststellung behandelbarer Ursachen

  • Medikamente und andere Therapien zur Linderung der Stauung und Unterstützung der Herzfunktion

  • Übergang zur langfristigen Behandlung

Schwer kranke Patienten erhalten Sauerstoff, ihre Atmung wird unterstützt und andere lebenserhaltende Maßnahmen werden durchgeführt. Die Atmung kann mit Maßnahmen, die von einer einfachen Sauerstoffkanüle bis hin zu einem Beatmungsschlauch und Beatmungsgerät reichen, unterstützt werden. Schlägt das Herz nicht mehr oder ist seine Pumpleistung nicht ausreichend, ist möglicherweise eine Herz-Lungen-Wiederbelebung und eine Defibrillation notwendig.

Außerdem versuchen die Ärzte, die Ursachen der akuten Herzinsuffizienz (z. B. Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen) festzustellen, die schnell behandelt werden können, um die Herzinsuffizienz zu lindern oder eine Verschlimmerung dieser zu verhindern. Im Fall eines Herzinfarkts kann das bedeuten, dass eine Herzkatheterisierung mit Angioplastie durchgeführt und ein Stent gesetzt wird. Im Fall von Herzrhythmusstörungen kann das bedeuten, dass der Patient eine medikamentöse Behandlung erhält oder mit einem Elektroschock behandelt wird.

In den meisten Fällen werden Diuretika verabreicht, um die Stauung (Lungenödem) zu lindern. In vielen Fällen werden zusätzliche Medikamente zur Unterstützung der Herzfunktion und schnellen Kontrolle von hohem oder niedrigem Blutdruck verabreicht. Bei Patienten, die unter schweren Symptomen leiden und auf die bisherigen Behandlungen nicht gut angesprochen haben, werden gelegentlich Medikamente mit ähnlicher Wirkung wie Epinephrin und Norepinephrin (wie Dopamin oder Dobutamin) oder andere Medikamente, durch die sich der Herzmuskel stärker zusammenzieht (wie Milrinon), kurzfristig verwendet, um die Pumpleistung des Herzens zu verbessern. Diese Medikamente sind aber nicht zur Langzeitbehandlung geeignet. Manchmal sind mechanische Geräte notwendig, um eine angemessene Herzfunktion sicherzustellen.

Es kann sein, dass die frühen Behandlungsschritte sehr schnell oder sogar alle gleichzeitig ausgeführt werden. Sobald sich der Zustand des Patienten stabilisiert hat (in der Regel im Krankenhaus), wird mit der langfristigen Behandlung der Herzinsuffizienz begonnen (diese wird im Rest dieses Abschnitts beschrieben).

Akutes Lungenödem

Ein akutes Lungenödem ist eine plötzliche Ansammlung von viel Flüssigkeit in der Lunge. Dadurch kommt es zu extremen Atembeschwerden, schnellem Atmen, bläulicher Haut (oder Lippen, Zunge und Nagelbetten) sowie Unruhe, Angstgefühl und Erstickungsgefühl. Bei einigen Menschen kommt es zu schweren Krämpfen der Atemwege (Bronchospasmen) und Keuchatmung. Ein akutes Lungenödem ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der auftreten kann, wenn es bei Menschen mit Herzinsuffizienz zu sehr hohem Blutdruck kommt, sie einen Herzinfarkt erleiden oder manchmal einfach nur, wenn sie die Anwendung der Medikamente zur Behandlung der Herzinsuffizienz unterbrechen oder salzige Nahrungsmittel zu sich nehmen.

Bei einem akuten Lungenödem (rasche Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge) muss über eine Atemmaske Sauerstoff zugeführt werden. Intravenös gegebene Diuretika und Medikamente wie Nitroglyzerin, intravenös verabreicht oder unter die Zunge gelegt, können die Beschwerden auf schnelle Weise erheblich bessern. Morphin lindert die Angstgefühle, die für gewöhnlich mit einem akuten Lungenödem einhergehen, und verringert auch die Atemfrequenz, wird aber nicht häufig eingesetzt. Wenn alle diese Maßnahmen die Atmung nicht ausreichend verbessern, kann eine spezielle Sauerstoffmaske zur druckkontrollierten Beatmung verwendet oder ein Schlauch in die Atemwege des Patienten eingeführt werden, damit ein Beatmungsgerät die Atmung unterstützt.

Allgemeine Maßnahmen bei chronischer Herzinsuffizienz

Obwohl eine Herzinsuffizienz meist chronisch ist, gibt es viele Möglichkeiten, den Betroffenen körperliche Tätigkeiten zu erleichtern, die Lebensqualität zu steigern, das Risiko einer plötzlichen Verschlechterung (akute Herzinsuffizienz) zu minimieren und das Leben zu verlängern. Betroffene und deren Familien sollten sich bestmöglich über die Herzinsuffizienz informieren, da ein großer Teil der Versorgung zu Hause stattfindet. Insbesondere sollten sie wissen, wie man die frühen Warnzeichen einer sich verschlimmernden Herzinsuffizienz erkennt und welche Maßnahmen zu ergreifen sind (zum Beispiel Salzkonsum verringern, zusätzliche Dosis eines Diuretikums einnehmen oder den Arzt konsultieren).

Regelmäßige Gespräche mit medizinischen Fachkräften und ärztliche Untersuchungen sind dringend notwendig, da sich eine Herzinsuffizienz plötzlich verschlimmern kann. Beispielsweise können Pflegekräfte die Patienten mit Herzinsuffizienz regelmäßig anrufen, um sie nach Änderungen des Gewichts und der Symptome zu fragen. Es kann dann beurteilt werden, ob die Betroffenen einen Arzt aufsuchen müssen.

Die Patienten können auch Kliniken aufsuchen, die auf Herzinsuffizienz spezialisiert sind. In diesen Kliniken gibt es auf Herzinsuffizienz spezialisierte Ärzte, die eng mit speziell geschulten Pflegekräften und anderen medizinischen Fachkräften, wie Apothekern, Ernährungsfachleuten und Sozialarbeitern zusammenarbeiten. Ziel hierbei ist es, den Herzinsuffizienz-Patienten sowie deren Betreuern beizubringen, wie die Betroffenen sich bestmöglich selbst versorgen können. Diese Kliniken können auch dabei helfen, die Symptome zu lindern, Krankenhausaufenthalte zu verringern und die Lebenserwartung zu verbessern, indem sichergestellt wird, dass die Betroffenen die wirksamsten Behandlungen erhalten und ihnen beigebracht wird, wie sie bestmöglich an ihrer Versorgung mitarbeiten können. Die Versorgung durch den Hausarzt wird hierdurch nicht ersetzt, sondern eher ergänzt.

Patienten mit Herzinsuffizienz sollten immer erst Rücksprache mit ihrem Arzt halten, bevor sie ein neues Medikament anwenden; dies gilt auch für rezeptfreie Medikamente. Einige Medikamente (darunter viele zur Behandlung von Arthritis) können zu einer Einlagerung von Salz und Flüssigkeit führen. Andere Medikamente können die Herzfunktion verringern. Wenn sich die Symptome verschlimmern, geschieht dies oftmals, weil der Patient vergessen hat, wichtige Medikamente anzuwenden. Den Patienten sollten daher Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie sich selbst an die Anwendung ihrer Medikamente erinnern können.

Da eine Grippe zur plötzlichen Verschlimmerung der Herzinsuffizienz führen kann, empfehlen Ärzte bei Herzinsuffizienz-Patienten eine jährliche Grippeimpfung. Eine Impfung gegen COVID-19 wird ebenfalls empfohlen.

Wussten Sie ...

  • Bei Herzinsuffizienz handelt es sich meist um eine chronische Erkrankung, und Änderungen der Lebensweise können den Betroffenen dabei helfen, besser damit zu leben.

Behandlung der Krankheitsursache

Wenn die Herzinsuffizienz zum Beispiel auf einer verengten oder undichten Herzklappe oder auf einer fehlerhaften Verbindung zwischen den Herzkammern beruht, kann oftmals eine Operation das Problem beheben. Die Verstopfung eines Herzkranzgefäßes kann medikamentös, operativ oder mittels Angioplastie mit Einsetzen eines Stents in das Herzkranzgefäß behandelt werden. Bluthochdruck kann mit blutdrucksenkenden Medikamenten (Antihypertensiva) gesenkt und kontrolliert werden. Infektionen werden mit Antibiotika bekämpft.

Änderung der Lebensweise

Änderungen der Lebensweise können Menschen mit Herzinsuffizienz dabei helfen, besser mit ihrer Erkrankung zu leben.

Menschen mit Herzinsuffizienz sollten sich körperlich so fit wie möglich halten, auch wenn sie keinen anstrengenden Sport treiben können. Bei einer leichten Herzinsuffizienz sollte ein von dem Arzt erstelltes Trainingsprogramm befolgt werden. Bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz kann in einer Herzsportgruppe unter Anleitung eines erfahrenen Therapeuten trainiert werden.

Wenn sich übergewichtige Patienten mit Herzinsuffizienz bewegen, muss das Herz stärker arbeiten als bei Normalgewichtigen. Dies verschlimmert die Herzinsuffizienz. Solche Patienten sollten eine gesunde Diät zum Abnehmen einhalten, um ihr Idealgewicht zu erreichen und beizubehalten.

Rauchen schädigt die Blutgefäße. Große Mengen Alkohol können auf das Herz unmittelbar wie Gift wirken. Mit dem Rauchen und Trinken großer Mengen Alkohol sollte also aufgehört werden oder der Zigaretten- und Alkoholkonsum sollte zumindest minimiert werden, weil sich die Herzinsuffizienz dadurch verschlimmern kann.

Zu viel Salz (Natrium) in der Ernährung kann zur Wassereinlagerung im Körper führen. Dies wirkt entwässernden Medikamenten (wie z. B. Diuretika) entgegen. Ein übermäßiger Salzkonsum verschlimmert deshalb die Symptome der Herzinsuffizienz. Eigentlich sollte jeder Patient mit Herzinsuffizienz seinen Verzehr von Speisesalz und salzigen Nahrungsmitteln sowie den Gebrauch von Salz beim Kochen einschränken. Bei abgepackten Nahrungsmitteln ist der Natriumgehalt auf der Verpackung angegeben. Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz erhalten normalerweise genaue Informationen dazu, wie sie ihren Salzkonsum einschränken können. Eine Anleitung durch einen Ernährungsberater kann hierbei hilfreich sein. Patienten, die ihren Salzkonsum einschränken, können in der Regel normale Wassermengen zu sich nehmen, sofern sie nicht zu einer extremen Wassereinlagerung im Körper neigen. Das Trinken von zusätzlichem Wasser ist nicht empfohlen.

Eine einfache, zuverlässige Methode zur Überprüfung, ob der Körper Wasser einlagert, ist die tägliche Kontrolle des Körpergewichts. Menschen mit Herzinsuffizienz werden oftmals von ihrem Arzt gebeten, sich täglich so genau wie möglich zu wiegen, normalerweise morgens nach dem Aufstehen und Wasserlassen und vor dem Frühstück. Tendenzielle Veränderungen lassen sich besser erkennen, wenn das tägliche Wiegen zur selben Tageszeit mit derselben Waage stattfindet, dabei ähnlich viel Kleidung getragen und das tägliche Gewicht schriftlich notiert wird. Steigt das Gewicht um mehr als etwa 1 Kilogramm täglich, ist das ein frühes Warnsignal für Wassereinlagerungen im Körper. Eine solche Gewichtszunahme ist auch ein Anhaltspunkt dafür, dass sich die Herzinsuffizienz verschlimmert.

Viele Menschen haben trotz eingeschränkten Salzkonsums weiterhin Wasseransammlungen. Geschwollene Beine sollten beim Sitzen hochgelegt werden. In dieser Position kann der Körper das überschüssige Wasser ableiten. Manche Menschen müssen Stützstrümpfe tragen, die Wasseransammlungen in den Beinen vorbeugen. Wenn sich Wasser in der Lunge gesammelt hat, sollte der Betroffene mit mehreren Kopfkissen oder angehobenem Bettkopfteil schlafen; dies erleichtert die Atmung.

Medikamente zur Behandlung einer chronischen Herzinsuffizienz

Die medikamentöse Behandlung einer chronischen Herzinsuffizienz umfasst Folgendes:

Die Art des verwendeten Medikaments hängt von der Art der Herzinsuffizienz ab. Bei der systolischen Herzinsuffizienz (HFrEF) werden normalerweise alle 4 Medikamentenklassen angewendet, die die Überlebenschancen nachweislich verbessern. Zur Behandlung von HFmrEF können manche oder alle Medikamentenklassen angewendet werden, auch wenn Forschungsergebnisse nicht gezeigt haben, dass sie genauso hilfreich sind wie bei der Behandlung einer HFrEF. Bei der diastolischen Herzinsuffizienz (HFpEF) werden SGLT2-Hemmer zur Behandlung aller Patienten empfohlen, Diuretika werden zur Behandlung von Patienten mit anhaltender Stauung empfohlen und andere Klassen wie ARNI und Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten werden nur zur Behandlung mancher Patienten empfohlen.

Es ist wichtig, dass die Patienten regelmäßig ihre Medikamente anwenden und sicherstellen, dass sie die Rezepte nicht ablaufen lassen.

Betablocker

Betablocker (wie Carvedilol, Metoprolol und Bisoprolol) werden zur Behandlung von Herzinsuffizienz oftmals mit ACE-Hemmern (Hemmstoffen des Angiotensin-konvertierenden Enzyms) kombiniert und gehören ebenfalls zu den wichtigsten Medikamenten bei vorliegender Herzinsuffizienz. Indem sie die Wirkung des Hormons Norepinephrin (das die Belastung des Herzens erhöht) hemmen, führen diese Medikamente zu langfristigen Verbesserungen der Herzfunktion und des Überlebens. Sie sind eine wichtige Behandlung bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz. Betablocker können die Stärke der Herzkontraktionen sofort mindern; deshalb werden sie gewöhnlich erst dann eingesetzt, wenn die Herzinsuffizienz zuerst mit anderen Medikamenten stabilisiert wurde.

Angiotensin-Rezeptor‑Neprilysin‑Hemmer und verwandte Medikamente

Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Hemmer (ARNI, wie Sacubitril/Valsartan) sind ein Kombinationspräparat zur Behandlung von Herzinsuffizienz. Sie setzen sich aus einem Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) und einem Neprilysin-Hemmer zusammen. Angiotensin II ist ein Hormon, das die Freisetzung von Aldosteron und Vasopressin auslöst; beide führen dazu, dass die Nieren Salz und Wasser zurückhalten. ARB und ACE-Hemmer blockieren die Bildung von Angiotensin II oder hemmen dessen Wirkung; sie helfen also dabei, Wassereinlagerungen zu verringern, und gehören zu den wichtigsten Medikamenten für die Behandlung von systolischer Herzinsuffizienz. Außerdem verringern ARB und ACE-Hemmer die Belastung des Herzens, indem sie die Blutgefäße weiten. Sie lindern nicht nur die Symptome und verringern notwendige Krankenhausaufenthalte, sondern verlängern das Leben. Neprilysin ist ein Enzym, das am Abbau bestimmter Stoffe (Peptide) beteiligt ist, die dem Körper signalisieren, Natrium auszuscheiden. Durch Hemmung des Abbaus dieser Peptide senken diese Medikamente den Blutdruck und erhöhen die Natriumausscheidung, wodurch das Herz entlastet wird. Die Kombinationspräparate verlängern bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz das Leben besser als ACE‑Hemmer oder ARB allein.

Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten

Aldosteron ist ein Hormon, das als Mineralokortikoid bezeichnet wird und das die Nieren dazu veranlasst, Salz und Wasser zurückzuhalten. Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (wie Spironolacton und Eplerenon), auch Aldosteronantagonisten (Aldosteron-Blocker) genannt, hemmen die Wirkung von Aldosteron direkt und helfen dabei, Wassereinlagerungen zu verringern. Diese Medikamente verbessern das Überleben und verringern die Krankenhausaufenthalte von Herzinsuffizienz-Patienten.

Natrium-Glukose-Cotransporter-2(SGLT2)-Hemmer

Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Hemmer (wie Empagliflozin, Dapagliflozin und Sotagliflozin) werden zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Sie senken nicht nur den Zucker (Glukose) im Blut, sondern wirken sich auch positiv auf den Herzmuskel und die Blutgefäße aus. Ein Medikament in dieser Klasse, Dapagliflozin, hat bei Menschen mit systolischer Herzinsuffizienz nachweislich die Herzinsuffizienz-Symptome verringert und die Lebensqualität verbessert. Ein anderes Medikament in dieser Klasse, Empagliflozin, verringerte nachweislich Krankenhausaufenthalte aufgrund einer diastolischen Herzinsuffizienz.

Diuretika

Diuretika („harntreibende Mittel“) werden oftmals verordnet, wenn eingeschränkter Salzkonsum allein zu keiner Verringerung der Wassereinlagerungen führt. Diese Medikamente helfen den Nieren dabei, Salz und Wasser über eine verstärkte Urinbildung auszuscheiden, wodurch sich die Wassermenge im Körper verringert.

Am häufigsten werden bei einer Herzinsuffizienz sogenannte Schleifendiuretika verwendet, wie Furosemid, Torasemid oder Bumetanid. Langfristig werden diese Diuretika in der Regel über den Mund eingenommen; in einem Notfall helfen sie aber am schnellsten, wenn sie intravenös verabreicht werden. Schleifendiuretika sind vorzugsweise bei mittelschwerer bis schwerer Herzinsuffizienz zu verwenden.

Thiaziddiuretika, wie Hydrochlorothiazid, die etwas schwächer wirken und den Blutdruck senken können, bieten sich insbesondere bei Menschen mit zusätzlichem Bluthochdruck an.

Bei Schleifen- und Thiaziddiuretika kann es zu einem Kaliumverlust über den Urin und somit zu einer Hypokaliämie (Kaliummangel) kommen. In solchen Fällen kann auch ein Diuretikum, das den Kaliumspiegel erhöht (ein kaliumsparendes Diuretikum), oder ein Kaliumergänzungsmittel verordnet werden. Bei allen Herzinsuffizienz-Patienten wird vorzugsweise Spironolacton als kaliumsparendes Diuretikum verwendet; es kann nur dann nicht angewendet werden, wenn die Nierenfunktion schwer beeinträchtigt ist. Es kann das Leben von Herzinsuffizienz-Patienten verlängern.

Die Einnahme von Diuretika kann zu einer Verschlimmerung von Harninkontinenz führen. Gewöhnlich lässt sich der Zeitpunkt der Einnahme jedoch so gestalten, dass sie den Harndrang nicht gerade dann auslösen, wenn keine Toilette in der Nähe oder verfügbar ist.

Andere Medikamente zur Behandlung einer chronischen Herzinsuffizienz

Andere Medikamente sind manchmal hilfreich.

Digoxin, einer der ältesten Wirkstoffe gegen Herzinsuffizienz, steigert die Kraft jedes Herzschlags und verlangsamt eine zu schnelle Herzfrequenz. Es hilft bei der Linderung der Symptome bei einigen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz. Im Gegensatz zu anderen hier beschriebenen Medikamenten zur Behandlung von Herzinsuffizienz verlängert Digoxin das Leben jedoch nicht. Ärzte haben neben Digoxin auch andere Medikamente, die die Pumpleistung des Herzens steigern, ausprobiert. Jedoch hat sich bisher keines davon als hilfreich erwiesen und bei einigen erhöht sich das Todesrisiko.

Der Sinusknoten ist der Teil des Herzens, der den Schlag auslöst und die Herzfrequenz erhöht. Sinusknotenhemmer, wie Ivabradin, senken die Frequenz der Impulse aus dem Sinusknoten. Eine Verlangsamung des Herzens verringert die Arbeitsleistung des Herzens und kann dazu beitragen, dass bestimmte Patienten mit Herzinsuffizienz weniger häufig ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen.

Vasodilatatoren (Medikamente, die die Blutgefäße erweitern) erleichtern das Pumpen des Herzens. Hydralazin, Isosorbiddinitrat und Nitroglyzerinpflaster oder -sprays gehören zu diesen Medikamenten. Vasodilatatoren können Patienten nützen, die nicht auf ARNI, ACE-Hemmer oder ARB ansprechen oder nicht mit diesen Medikamenten behandelt werden können. Bei manchen Patienten mit fortgeschrittenen Symptomen können Vasodilatatoren möglicherweise die Lebensqualität verbessern und das Leben verlängern, wenn Sie zusätzlich zu ARNI verabreicht werden.

Bei Herzrhythmusstörungen können Antiarrhythmika (siehe Tabelle ) verordnet werden.

Andere Maßnahmen zur Behandlung akuter und chronischer Herzinsuffizienz

Manchmal wird ein kleines Überwachungsgerät im Brustkorb von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz implantiert. Dieses Gerät misst ununterbrochen den Druck in der Lunge, was Ärzten bei der Anpassung der Medikamente des Patienten helfen kann. Das Gerät ist besonders nützlich bei Patienten mit wiederkehrender Herzinsuffizienz und gleichzeitig auftretender Niereninsuffizienz.

Bei Patienten mit sehr schwerer fortschreitender Herzinsuffizienz, die auf keine Medikamente angesprochen hat, kann eine Herztransplantation eine Möglichkeit sein.

Für bestimmte Menschen mit sehr schwerer Herzinsuffizienz, die auf keine Medikamente anspricht, gibt es mechanische Systeme, die dem Herzen beim Blutpumpen helfen. Zu den Geräten gehört Folgendes:

  • Intraaortale Ballongegenpulsation (IABP, manchmal auch nur Ballonpumpe genannt): Ein wurstförmiger Ballon am Ende eines Katheters wird in die Aorta eingesetzt. Der Herzschlag wird mithilfe einer Maschine überwacht und diese bläst den Ballon auf, wenn sich das Herz entspannt, und saugt die Luft wieder ab, wenn sich das Herz zusammenzieht. So wird dem Herzen das Pumpen von Blut leichter gemacht.

  • Ventrikuläre Herzunterstützungssysteme: Verschiedene mechanische Pumpen können in den linken oder rechten Ventrikel oder in dessen Nähe eingesetzt werden, um dem Herzen beim Blutpumpen zu helfen.

  • Intravaskuläre Herzunterstützungssysteme: Kleine Pumpen können in große Gefäße, wie die Aorta, eingesetzt werden, um dem Herzen beim Blutpumpen zu helfen.

  • Extrakorporale Membranoxygenation (ECMO): Ein einer Herzen-Lungen-Maschine ähnelndes Gerät nimmt Blut aus einer großen Arterie, pumpt es durch eine Membran, durch die Sauerstoff in das Blut gelangen kann, und pumpt das Blut darauf wieder zurück in eine große Vene.

Herzrhythmusstörungen können mitunter medikamentös behandelt werden; einige Menschen benötigen jedoch einen Herzschrittmacher. Eine Art von Herzschrittmacher mit 2 oder 3 Sonden kann den normalen Rhythmus der Herzkammerkontraktionen wiederherstellen (kardiale Resynchronisationstherapie) und bei einigen Herzinsuffizienz-Patienten zu Verbesserungen führen. Bei Menschen mit sehr schlechter Herzfunktion kann ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator in Frage kommen, da sie einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod ausgesetzt sind.

Wenn die Herzinsuffizienz durch ein Problem mit einer Herzklappe verursacht wird, kann der Arzt die Klappe reparieren oder ersetzen.

Entscheidungen zum Lebensende

Die Lebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab, wie schwer die Herzinsuffizienz ist, ob ihre Ursache behandelt werden kann, und welche Behandlung angewandt wird. Sobald Personen jedoch wegen einer Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen, überlebt nur noch jeder Dritte von ihnen 5 Jahre. Die Lebenserwartung verbessert sich mit der Behandlung.

Bei einem Patienten mit Herzinsuffizienz, die bereits lange Zeit vorhanden ist, verschlechtert sich die Lebensqualität und die Möglichkeiten für weitere Behandlungen werden weniger, insbesondere bei älteren Erwachsenen, für die eine Herztransplantation ggf. nicht in Frage kommt. Es kann dann wichtiger sein, diesem Menschen das Leben so angenehm wie möglich zu machen, anstatt zu versuchen, sein Leben zu verlängern. Der Betroffene und dessen Familie sollten in derartige Entscheidungen miteinbezogen werden. In der Tat haben viele Studien gezeigt, dass Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz und deren Familien über diese Themen sprechen möchten und ihnen dies keinen zusätzlichen Kummer bereitet. Es gibt viele Möglichkeiten, dem Betroffenen eine fürsorgliche Versorgung zukommen zu lassen, dessen Symptome zu lindern und dessen Würde zu wahren (siehe Tod und Sterben).

Herzinsuffizienz kann ohne Verschlimmerung der Symptome zu einem plötzlichen und unerwarteten Tod führen. Nach Möglichkeit sollten Menschen mit Herzinsuffizienz daher entsprechende Vorkehrungen zu der von ihnen gewünschten Versorgung treffen, für den Fall, dass sie nicht mehr allein darüber entscheiden können. Es sollte auch ein Testament erstellt oder aktualisiert werden.

Vorbeugung einer Herzinsuffizienz

Die Vorbeugung von Herzinsuffizienz beinhaltet die Behandlung von Erkrankungen, die zu Herzinsuffizienz führen können, bevor diese tatsächlich eintritt. Folgende Erkrankungen können u. a. behandelt werden:

  • Bluthochdruck

  • Adipositas

  • Obstruktive Schlafapnoe

  • Blockierung eines Herzkranzgefäßes

  • Erkrankungen der Herzklappen

  • Manche Herzrhythmusstörungen

  • Alkoholkrankheit (oder starker Alkoholkonsum)

  • Anämie

  • Schilddrüsenerkrankungen

Weitere Informationen

Die folgende Quelle in englischer Sprache kann nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass MSD MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quelle verantwortlich ist.

  1. American Heart Association: Herzinsuffizienz

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