Rechtsherzinsuffizienz und Cor pulmonale

VonNowell M. Fine, MD, SM, Libin Cardiovascular Institute, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft vonJonathan G. Howlett, MD, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
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Eine Rechtsherzinsuffizienz liegt vor, wenn die rechte Seite des Herzens die Bedürfnisse des Körpers nicht erfüllen kann, einschließlich des Erhalts von Blut vom Rest des Körpers und des Pumpens von Blut in die Lunge. Bei Cor pulmonale verursacht die zugrunde liegende Erkrankung einen erhöhten Blutdruck in der Lunge (pulmonale Hypertonie), was dann dazu führt, dass sich der rechte Ventrikel vergrößert und er dicker wird, und schließlich eine Herzinsuffizienz verursacht.

  • Die Symptome einer Herzinsuffizienz, wie z. B. Schwellungen der Beine und zunehmend schlimmer werdende Kurzatmigkeit, treten auf.

  • Zur Diagnose einer Rechtsherzinsuffizienz werden eine Echokardiographie und eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens durchgeführt.

  • Die Behandlung des Cor pulmonale richtet sich in der Regel nach der zugrunde liegenden Lungenerkrankung.

Die häufigste Ursache einer Rechtsherzinsuffizienz ist die Linksherzinsuffizienz. Eine isolierte Rechtsherzinsuffizienz kann verursacht werden durch: Erkrankung der Herzklappen, Herzinfarkte, obstruktive Schlafapnoe und andere Auffälligkeiten des Herzmuskels (arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie, restriktive Kardiomyopathie) oder des Herzbeutels (konstriktive Perikarditis).

Mit einer Insuffizienz der rechten Herzkammer erhöht sich das Risiko einer Lungenembolie, weil der Blutfluss ungewöhnlich niedrig ist, sodass sich Blut in den Beinen stauen kann. Wenn sich im gestauten Blut Gerinnsel bilden, können sie zur Lunge wandern und dort stecken bleiben, was äußerst gefährliche Folgen mit sich bringt.

Entstehung der Cor pulmonale

Bei einer pulmonalen Hypertonie ist der Blutdruck in den Arterien der Lunge (Pulmonalarterien) ungewöhnlich hoch. Lungenerkrankungen können auf verschiedene Arten eine pulmonale Hypertonie auslösen.

Wenn der Sauerstoffspiegel über einen längeren Zeitraum niedrig ist, ziehen sich die Lungenarterien zusammen und die Wände verdicken sich. Durch diese Verengung und Verdickung steigt der Druck in den Lungenarterien. Lungenerkrankungen, die das Lungengewebe schädigen oder dessen Menge reduzieren (zum Beispiel ein Emphysem) reduzieren auch die Anzahl der Blutgefäße in der Lunge. Die verringerte Anzahl der Blutgefäße lässt den Druck in den restlichen Gefäßen ansteigen.

Sobald eine pulmonale Hypertonie entsteht, muss sich die rechte Herzseite stärker anstrengen, um das Blut durch die Lunge zu befördern. Durch die vermehrte Anstrengung wird der Herzmuskel größer und dicker. Besteht eine pulmonale Hypertonie lange genug, kann die rechte Herzseite dies nicht länger durch Vergrößerung und Verdickung kompensieren und es kommt zu einer Rechtsherzinsuffizienz.

Die häufigste Lungenerkrankung, die zum Cor pulmonale führt, ist die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Weniger häufige Ursachen umfassen Lungenembolie, Bindegewebserkrankungen, interstitielle Lungenfibrose, und Fettleibigkeit mit verminderter Atmungsfähigkeit.

Symptome der Rechtsherzinsuffizienz und des Cor pulmonale

Die häufigsten Symptome einer Rechtsherzinsuffizienz sind Schwellungen der Beine und Erschöpfung. Manchmal treten ein Völlegefühl im Bauch, Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, Bauchschmerzen oder beim Essen ein frühes Sättigungsgefühl auf.

Weniger spezifische Symptome sind kalte Hände und Füße und Benommenheit beim Stehen. Gewichtsverlust und Muskelschwund weisen auf eine schwere Herzinsuffizienz, oftmals beider Ventrikel, hin.

Bei älteren Erwachsenen können die Symptome der Rechtsherzinsuffizienz Verwirrtheit, Delirium, Stürze, plötzlicher Abnahme der Funktionstüchtigkeit, nächtliche Harninkontinenz und Schlafstörungen umfassen. Besteht gleichzeitig eine Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten, kann diese durch die Herzinsuffizienz verschlimmert werden.

Das Cor pulmonale hat unter Umständen wenige Symptome, bis die Herzinsuffizienz-Symptome auftreten. Wenn bei Betroffenen Symptome auftreten, sind diese:

  • Kurzatmigkeit bei Belastung

  • Benommenheit (insbesondere bei körperlicher Anstrengung)

  • Erschöpfung

Diagnose von Rechtsherzinsuffizienz

  • Echokardiographie

Der Verdacht auf eine Rechtsherzinsuffizienz besteht meist schon nach der körperlichen Untersuchung, wobei Ärzten zur Diagnose etliche Tests zur Verfügung stehen. Im Stethoskop sind beispielsweise gewisse charakteristische Herzgeräusche zu hören, die entstehen, wenn die rechte Herzkammer überanstrengt wird. Auch die Beine schwellen an und die Halsvenen werden größer.

Auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs können die Vergrößerungen der Herzkammer und der Lungenarterien aufgezeigt werden.

Mit einer Echokardiographie, einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens, Untersuchungen mithilfe radioaktiv markierter Stoffe (Radionuklid-Untersuchungen) und einer Herzkatheteruntersuchung (zur Messung des Drucks in den Herzkammern und der Lungenarterien) wird die Funktion der linken und der rechten Herzkammer beurteilt.

Behandlung der Rechtsherzinsuffizienz und des Cor pulmonale

  • Bestimmung und Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung

  • Medikamente zur Behandlung von Flüssigkeitsansammlung und zur Unterstützung des Herzens

  • Cor pulmonale: Behandlung der zugrunde liegenden Lungenerkrankung und manchmal Antikoagulanzien und Medikamente zur Entspannung der Lungenarterien

Der erste Schritt der Behandlung einer Rechtsherzinsuffizienz ist die Bestimmung und Behandlung der Ursache. Diuretika können eingesetzt werden, um die Flüssigkeitsüberlastung und Schwellung zu lindern. Diese Medikamente müssen jedoch vorsichtig verabreicht werden, da es für die rechte Herzseite noch schwieriger wird, ausreichend Blut zu pumpen, wenn die Flüssigkeitsreduktion zu groß ist. Andere Arten von Medikamenten, die angewendet werden, sind unter anderem solche, die dem Herzen helfen, sich wirksamer zusammenzuziehen, und solche, die den Blutdruck in der Lunge senken. Wenn eine schwerwiegende Herzrhythmusstörung festgestellt wird, wird diese wie bei der Linksherzinsuffizienz medikamentös behandelt.

Die Behandlung des Cor pulmonale richtet sich in der Regel nach der zugrunde liegenden Lungenerkrankung. Da Patienten mit Cor pulmonale einem erhöhten Risiko für eine Lungenembolie ausgesetzt sind, kann zudem die langfristige Einnahme eines Gerinnungshemmers verschrieben werden.

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