Depression

VonWilliam Coryell, MD, University of Iowa Carver College of Medicine
Überprüft vonMark Zimmerman, MD, South County Psychiatry
Überprüft/überarbeitet Geändert Jan. 2026
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Kurzinformationen

Depression ist ein Gefühl der Traurigkeit, Leere oder Reizbarkeit, das zu einer Erkrankung wird, wenn es intensiv genug ist, um die Funktionsfähigkeit zu beeinträchtigen.

  • Eine familiäre Veranlagung, Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, emotional belastende Ereignisse, eine Veränderung der Konzentrationen von Hormonen oder anderen Substanzen im Körper sowie andere Faktoren können zu einer Depression beitragen.

  • Eine Depression kann dazu führen, dass die Betroffenen traurig und träge werden und/oder jegliches Interesse und jegliche Freude an Aktivitäten verlieren, die ihnen zuvor Spaß gemacht haben.

  • Ärzte gründen die Diagnose auf die Anzeichen und Symptome.

  • Hilfreich sein können Antidepressiva, Psychotherapie und manchmal auch eine Elektrokrampftherapie.

(Siehe auch Affektive Störungen – Übersicht.)

Die Depression ist die zweithäufigste psychische Gesundheitsstörung (eine Angststörung kommt am häufigsten vor). Etwa 13 Prozent der Patienten, die einen Hausarzt aufsuchen, erfüllen die Kriterien für die Diagnose einer schweren Depression.

Depressionen treten in der Regel bei Personen im Alter von etwa fünfzehn Jahren oder zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Eine Depression kann jedoch in fast jedem Alter einsetzen, auch schon in der Kindheit (siehe auch Depression und Launenfehlregulationsstörung bei Kindern und Jugendlichen).

Eine unbehandelte depressive Phase dauert etwa 6 Monate, kann aber auch zwei Jahre oder länger dauern. Die Phasen können sich mehrere Male im Leben wiederholen.

Der Begriff „Depression“ wird häufig verwendet, um die traurige oder entmutigte Stimmung infolge eines emotional belastenden Ereignisses wie beispielsweise einer Naturkatastrophe, einer schweren Krankheit oder dem Tod einer geliebten Person zu beschreiben. Manche Personen bezeichnen sich auch bei bestimmten Gelegenheiten als „deprimiert“, zum Beispiel nach dem Urlaub (Urlaubs-Blues) oder am Jahrestag des Todes einer geliebten Person. Diese Gefühle stellen jedoch in der Regel keine Erkrankung dar. Für gewöhnlich sind diese Gefühle von Trauer, Demoralisierung und Enttäuschung vorübergehend, dauern eher Tage als Wochen oder Monate an und treten in Wellen auf, die tendenziell mit Gedanken oder Erinnerungen an das belastende Ereignis einhergehen. Darüber hinaus beeinträchtigen diese Gefühle nicht die Lebensweise über einen bestimmten Zeitraum.

Viele ältere Erwachsene sind von Depression betroffen. Manche ältere Erwachsene hatten früher schon einmal an Depressionen gelitten. Andere bekommen sie zum ersten Mal im Alter.

Ursachen für Depressionen bei älteren Erwachsenen

Manche Ursachen für Depressionen sind bei älteren Erwachsenen möglicherweise häufiger anzutreffen. So machen ältere Erwachsene mit größerer Wahrscheinlichkeit emotional belastende Erfahrungen durch wie z. B. den Verlust durch den Tod eines geliebten Menschen oder den Verlust der gewohnten Umgebung, beispielsweise beim Wegzug aus einer vertrauten Wohngegend. Auch weitere Stressfaktoren wie ein geringeres Einkommen, eine sich verschlimmernde chronische Krankheit, der allmähliche Verlust der Unabhängigkeit oder soziale Isolation können dazu beitragen.

Störungen, die zu Depressionen führen können, sind bei älteren Erwachsenen sehr verbreitet. Solche Störungen bzw. Krankheiten umfassen zum Beispiel Krebs, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schilddrüsenerkrankungen, Schlaganfall, Demenz und Parkinson-Krankheit.

Depression oder Demenz

Bei älteren Erwachsenen können Depressionen eher Symptome verursachen, die den Symptomen der Demenz ähnlich sind, wie verlangsamtes Denken, Konzentrationsschwierigkeiten, Verwirrung und nachlassendes Gedächtnis, als starke Niedergeschlagenheit, die man sonst mit einer Depression in Zusammenhang bringen würde. Die Ärzte können jedoch Depressionen von einer Demenz unterscheiden, da die Patienten bei einer Behandlung der Depression ihre geistige Funktion wiedererlangen. Bei Patienten mit Demenz ist dies nicht der Fall. Menschen mit Depressionen können sich oft lautstark über ihren Gedächtnisverlust beschweren und vergessen selten wichtige aktuelle Ereignisse oder persönliche Angelegenheiten. Im Gegensatz dazu leugnen Patienten mit Demenz den Gedächtnisverlust häufig.

Diagnose einer Depression bei älteren Erwachsenen

Bei älteren Erwachsenen ist es aus verschiedenen Gründen oft schwierig, eine Depression zu diagnostizieren:

  • Die Symptome sind weniger augenscheinlich, da ältere Erwachsene meist nicht mehr arbeiten und weniger soziale Kontakte haben.

  • Manche Menschen glauben, dass Depressionen eine Schwäche bedeuten, und erzählen anderen nur ungern, dass sie Traurigkeit oder andere Symptome empfinden.

  • Fehlende Emotionen werden eher als Abgestumpftheit statt als Depression interpretiert.

  • Familienangehörige und Freunde können die Symptome einer Person mit Depressionen mitunter einfach als Folge des natürlichen Älterwerdens sehen.

  • Die Symptome können einer anderen Störung, wie beispielsweise Demenz, zugeschrieben werden.

Da es in der Regel schwer sein kann, eine Depression zu diagnostizieren, stellen viele Ärzte ihren älteren Patienten routinemäßig Fragen über ihren Gemütszustand. Familienangehörige sollten auf feine Veränderungen in der Persönlichkeit achten, vor allem mangelnde Begeisterung und Spontanität, Verlust des Humors und ungewöhnliche Vergesslichkeit.

Ursachen von Depression und Risikofaktoren

Die genaue Ursache von Depressionen ist unklar; es gibt jedoch eine Reihe von Faktoren, die eine Depression wahrscheinlicher machen können. Risikofaktoren umfassen

  • Eine familiäre Tendenz (Vererbung)

  • Emotional belastende Ereignisse, insbesondere solche, die einen Verlust beinhalten.

  • Weibliches Geschlecht

  • Bestimmte allgemeine Erkrankungen

  • Nebenwirkungen bestimmter Medikamente

Eine Depression spiegelt keine Charakterschwäche oder die Weigerung, sich besser fühlen zu wollen, wider. Soziale Schicht, ethnische Zugehörigkeit und Kultur scheinen keine Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit zu haben, dass Menschen im Laufe ihres Lebens an Depressionen leiden.

Genetische Faktoren spielen bei etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Betroffenen eine Rolle. Beispielsweise leiden die Geschwister, Eltern und Kinder (insbesondere eineiige Zwillinge) von Menschen mit Depressionen ebenfalls häufiger an Depressionen. Genetische Faktoren können die Funktion der Substanzen beeinträchtigen, die für die Kommunikation von Nervenzellen (Neurotransmitter) zuständig sind. Die Neurotransmitter Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Glutamat und Acetylcholin können mit Depression in Verbindung stehen.

Weitere Faktoren sind die Hormonsysteme, die die Schilddrüse, die Nebennieren und die Hypophyse regulieren, sowie Umwelteinflüsse, durch die bestimmte Gene aktiviert oder deaktiviert werden können (zum Beispiel wiederholte traumatische Erfahrungen in der Kindheit oder starke Stressfaktoren wie der Verlust einer geliebten Person).

Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, höher als bei Männern, wobei die Gründe dafür nicht ganz eindeutig sind. Bei körperlichen Faktoren spielen Hormone die größte Rolle. Veränderungen der Hormonspiegel können kurz vor der Menstruation (im Rahmen des prämenstruellen Syndroms), während der Schwangerschaft, nach der Geburt und während der Wechseljahre (Menopause) zu Stimmungsschwankungen führen. Manche Frauen werden in den ersten 4 Wochen nach der Geburt depressiv (Baby-Blues, oder wenn die Depression schwerwiegender ist, Wochenbettdepression). Eine Fehlfunktion der Schilddrüse, die bei Frauen sehr verbreitet ist, kann auch als Faktor in Frage kommen.

Transgender-Personen und Menschen mit nichtbinärer Geschlechtsidentität scheinen höhere Depressionsraten zu haben als Cisgender-Personen.

Affektive Störungen können auch mit saisonalen Veränderungen in Verbindung stehen. Viele Menschen berichten zum Beispiel, dass sie sich im Spätherbst und Winter trauriger fühlen, und machen den Mangel an natürlichem Tageslicht und die kälteren Temperaturen dafür verantwortlich. Bei manchen Personen ist solch eine Traurigkeit jedoch schwerwiegend genug, um als eine Art der Depression angesehen zu werden (die sogenannte saisonale affektive Störung).

Depressionen können mit einer Reihe allgemeiner Erkrankungen und Faktoren einhergehen oder durch solche verursacht werden. Diese Erkrankungen können Depressionen direkt (wenn beispielsweise eine Fehlfunktion der Schilddrüse den Hormonspiegel beeinträchtigt) oder indirekt auslösen (wenn beispielsweise durch rheumatoide Arthritis Schmerzen und Behinderung verursacht werden). Oft verursacht eine Erkrankung sowohl direkt als auch indirekt Depressionen. Beispielsweise kann eine fortgeschrittene Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) das Gehirn schädigen und dadurch eine Depression direkt auslösen. Weniger fortgeschrittene Formen von HIV-Infektionen können auch indirekt Depressionen verursachen, da sie eine insgesamt negative Auswirkung auf das Leben der Person haben, von der Diagnose bis zur fortgeschrittenen Infektion.

Die Anwendung einiger verschreibungspflichtiger Medikamente wie etwa Betablocker (die zur Behandlung von Bluthochdruck angewendet werden) kann zu Depressionen führen. Aus unbekannten Gründen werden Depressionen oft durch Steroide (auch Kortikosteroide oder Glukokortikoide genannt) ausgelöst, wenn diese bei einer Störung (z. B. bei Cushing-Syndrom) vom Körper in großen Mengen produziert werden. Wenn sie jedoch als Medikament verabreicht werden, rufen sie tendenziell eher eine Hypomanie (eine weniger schwere Form der Manie) oder seltener eine Manie hervor. Manchmal kann das Absetzen eines Medikaments vorübergehend eine Depression hervorrufen.

Eine Reihe von psychischen Gesundheitsstörungen kann einen Betroffenen anfällig für Depressionen werden lassen. Dazu gehören beispielsweise Angststörungen, Alkoholismus, andereSubstanzgebrauchsstörungen und Schizophrenie. Bei Menschen, die schon einmal Depressionen hatten, ist die Wahrscheinlichkeit größer, diese wieder zu bekommen.

Emotional belastende Ereignisse, wie der Verlust einer geliebten Person und chronisch schwierige Lebensumstände, wie Mobbing, sozioökonomischer Stress und negative Kindheitserfahrungen, können manchmal Depressionen auslösen. Depressionen treten jedoch in der Regel nur bei Menschen auf, die anfällig für diese Erkrankung sind, zum Beispiel, weil Depressionen in der Familie vorkommen. Depressionen können jedoch auch ohne offensichtliche oder wesentliche Stressbelastung im Leben entstehen.

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Symptome einer Depression

Die Symptome einer Depression zeigen sich typischerweise allmählich im Laufe von Tagen oder Wochen und können stark variieren. Beispielsweise wirkten Betroffene möglicherweise träge und traurig oder reizbar und ängstlich.

Viele Menschen mit Depressionen können ihre Gefühle wie Kummer, Freude und Lust nicht normal ausleben. Die Welt erscheint ihnen möglicherweise farblos, öde und tot. Sie verlieren das Interesse oder die Freude an Aktivitäten, die ihnen zuvor Spaß gemacht hatten.

Menschen mit Depressionen können sehr mit starken Schuldgefühlen und der Diskreditierung der eigenen Person beschäftigt sein. Auch Konzentrationsschwierigkeiten können auftreten. Womöglich stellen sich Gefühle der Verzweiflung, Einsamkeit und Wertlosigkeit ein. Oft sind sie unentschlossen und in sich gekehrt, fühlen sich hilflos und hoffnungslos und denken an Tod und Selbstmord.

Die meisten Menschen mit Depressionen haben Probleme beim Einschlafen und erwachen mehrfach, besonders am frühen Morgen. Einige Menschen mit Depression schlafen mehr als normal.

Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme führen manchmal zur Abmagerung. Bei Frauen können die Monatsblutungen ausbleiben. Vermehrtes Essen und Gewichtszunahme sind jedoch typisch für leichte Depressionen.

Einige Personen mit Depressionen vernachlässigen ihre Körperpflege oder sogar ihre Kinder, andere geliebte Personen oder ihre Haustiere. Manche Betroffene klagen über körperliche Krankheiten und verschiedene Arten von Schmerzen.

Schwere depressive Störung

Personen mit schwerer depressiver Störung (früher als unipolare Depression bezeichnet) sind über mindestens 2 Wochen beinahe täglich deprimiert. Zu den spezifischen Symptomen gehören depressive Stimmung, Gewichtsverlust oder -zunahme, Müdigkeit, Schlafstörungen, vermehrte oder verlangsamte Bewegung, Gefühl der Wertlosigkeit oder Schuldgefühle, Denkstörungen und Suizidgedanken oder -verhalten. Möglicherweise stehen ihnen Tränen in den Augen, ihre Stirn ist gefurcht und die Mundwinkel zeigen nach unten. Vielleicht wirken sie in sich zusammengesackt und vermeiden Augenkontakt. Sie bewegen sich möglicherweise wenig und ihr Gesichtsausdruck und ihre Sprechweise sind monoton.

Wussten Sie ...

  • Eine Depression ist mehr als nur ein dauerhaftes Gefühl der Traurigkeit: Die Betroffenen fühlen sich möglicherweise wertlos und schuldig, verlieren das Interesse an Dingen, die sie normalerweise gern tun, haben Schlafstörungen oder nehmen ab bzw. zu.

Dauerhafte depressive Störung

Menschen mit persistierenden depressiven Störungen sind seit mindestens 2 Jahren die meiste Zeit depressiv.

Ihre Symptome setzen häufig im Jugendalter nach und nach ein und können Jahre oder Jahrzehnte andauern. Zu diesen Symptomen gehören depressive Stimmung, Müdigkeit, Appetitschwankungen, Schlafstörungen, vermehrte oder verlangsamte Bewegung, geringes Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit und Denkstörungen. Die Anzahl der Symptome zu einem bestimmten Zeitpunkt variiert, und manchmal sind die Symptome weniger intensiv als bei Personen mit einer schweren Depression.

Menschen mit dieser Störung sind möglicherweise bedrückt, pessimistisch, skeptisch, humorlos und überkritisch. Einige sind passiv, haben keine Energie und sondern sich ab. Manche Betroffene beklagen sich fortwährend und sind schnell dabei, andere zu kritisieren und sich Vorwürfe zu machen. Sie erwarten möglicherweise überall Unzulänglichkeiten, Fehlschläge und Negatives, manchmal bis hin zu einem krankhaften Vergnügen an ihren eigenen Missgeschicken.

Prämenstruelle dysphorische Störung

Vor der Menstruation treten schwere Symptome auf und verschwinden nach dem Ende der Periode. Die Symptome verursachen erhebliches Leid und/oder beeinträchtigen die Lebensweise in hohem Maß. Die Symptome sind ähnlich wie beim prämenstruellen Syndrom, sie sind jedoch stärker, sehr belastend und beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit und soziale Beziehungen.

Eine prämenstruelle dysphorische Störung kann erstmals bei Mädchen nach ihrer ersten Periode auftreten. Sie kann schlimmer werden, wenn sich Frauen den Wechseljahren (Menopause) nähern, endet aber nach der Menopause. Die Störung tritt bei 1 bis 6 Prozent der Frauen auf, die eine Regelblutung bekommen.

Frauen mit prämenstrueller dysphorischer Störung leiden unter Stimmungsschwankungen und können plötzlich traurig und weinerlich werden. Sie sind reizbar und werden schnell wütend, fühlen sich sehr deprimiert, hoffnungslos, ängstlich und dünnhäutig. Möglicherweise fühlen sie sich überfordert und haben das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.

Wie bei anderen Arten der Depression können Frauen mit dieser Störung das Interesse an ihren üblichen Aktivitäten verlieren, haben Konzentrationsprobleme und fühlen sich erschöpft und ohne Energie. Möglicherweise essen sie auch zu viel oder haben Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel. Sie können zu wenig oder zu viel schlafen.

Es können auch körperliche Symptome wie Gelenkschmerzen, Blähungen, empfindliche Brüste oder Gewichtszunahme auftreten.

Anhaltende Trauerstörung

Anhaltende Trauer ist länger andauernde Traurigkeit nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Sie unterscheidet sich von einer Depression darin, dass sich die Traurigkeit speziell auf diesen Verlust bezieht und nicht auf eine allgemeine Traurigkeit und Versagensgefühlen, die man gemeinhin mit Depressionen in Verbindung bringt.

Eine anhaltende Trauer (die sich in einer anhaltenden Sehnsucht oder Verlangen und/oder der Beschäftigung mit der verstorbenen Person ausdrückt) liegt dann vor, wenn sich diese über mindestens 12 Monate hinzieht, wenn diese einen großen Teil der Zeit des Betroffenen vereinnahmt, und wenn sie intensiver ist, als für die Kultur des Betroffenen typisch wäre. Mindestens 3 der folgenden Faktoren müssen wenigstens für 1 Monat in solch einem Ausmaß vorliegen, dass diese zu Stress und Einschränkungen führen:

  • Gefühl der Identitätsverwirrtheit (z. B. das Gefühl, dass ein Teil des eigenen Ichs gestorben ist)

  • Unglaube über den Tod

  • Vermeiden von Erinnerungen an den Verlust

  • Starke emotionale Schmerzen (z. B. Schmerzen im Zusammenhang mit dem Tod)

  • Probleme, den Alltag zu bewältigen

  • Gefühl der Erstarrung

  • Gefühl der Bedeutungslosigkeit

  • Starke Einsamkeit

Andere Erkrankungen und Störungen, die mit depressiven Erkrankungen in Verbindung gebracht werden, umfassen Substanzgebrauch und erhöhte Anfälligkeit für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Konsum von Suchtmitteln

Menschen mit Depressionen konsumieren mit höherer Wahrscheinlichkeit Alkohol oder illegale Drogen, weil sie damit versuchen, besser einzuschlafen oder ihre Angstgefühle zu unterdrücken. Eine Depression ist jedoch seltener die Ursache für eine Alkoholkrankheit oder andere Substanzgebrauchsstörungen als bisher angenommen.

Auch die Neigung zum Kettenrauchen oder zur Vernachlässigung ihrer Gesundheit steigt bei Betroffenen. Dadurch steigt das Risiko, dass weitere Störungen wie chronisch obstruktive Lungenerkrankungen entstehen oder sich verschlimmern können.

Sonstige Auswirkungen einer Depression

Depressionen können die Fähigkeit des Immunsystems verschlechtern, auf fremde oder gefährliche Eindringlinge wie Mikroorganismen und Krebszellen zu reagieren. In der Folge ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei Personen mit Depressionen erhöht.

Depressionen können das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten (z. B. Herzinfarkte) und Schlaganfälle erhöhen. Dies liegt möglicherweise daran, dass die Depression bestimmte körperliche Veränderungen verursacht, die zu einem erhöhten Risiko führen. Der Körper produziert beispielsweise mehr von den Substanzen, die zur Blutgerinnung führen (Gerinnungsfaktoren), und die Fähigkeit des Herzens, den Herzschlag in Reaktion auf bestimmte Situationen anzupassen, ist eingeschränkt.

Screening auf Depression

Der Arzt kann seine Patienten bitten, standardisierte Fragebögen auszufüllen, mit deren Hilfe eine Depression und ihre Schwere identifiziert werden kann. Sie können jedoch nicht allein zur Diagnose einer Depression dienen. Zwei dieser Fragebögen sind Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9) und Beck Depression Inventory. (Für ältere Erwachsene gibt es den Fragebogen mit der geriatrischen Depressionsskala. Der Arzt fragt die Patienten auch, ob sie daran denken oder planen, sich selbst zu verletzen. Solche Gedanken weisen darauf hin, dass es sich um eine schwere Depression handelt.

Diagnose einer Depression

  • Ärztliche Beurteilung auf der Basis standardisierter psychiatrischer Diagnosekriterien

  • Tests zur Identifikation von Erkrankungen, die Depressionen verursachen können

Normalerweise ist der Arzt in der Lage, eine Depression auf Grundlage der Symptome zu diagnostizieren. Zur Diagnose der verschiedenen Arten der depressiven Störungen verwenden Ärzte spezielle Listen mit definierten Symptomen (Kriterien). Um Depressionen von normalen Stimmungsschwankungen abzugrenzen wird, überprüft, ob die Symptome zu einer erheblichen Belastung führen oder die Funktionsfähigkeit des Betroffenen beeinträchtigen. Eine Vorgeschichte oder eine Familienanamnese einer Depression stützt die Diagnose.

Übermäßige Sorgen, Panikattacken und Zwanghaftigkeit kommen bei Depressionen häufig vor und können dazu führen, dass ein Arzt fälschlicherweise eine Angststörung vermutet.

Bei älteren Erwachsenen ist eine Depression mitunter nur schwer festzustellen, besonders, wenn diese keinem Beruf nachgehen und kaum soziale Kontakte haben (siehe ). Eine Depression kann auch mit Demenz verwechselt werden, da sie ähnliche Symptome hervorruft, zum Beispiel Verwirrung, Konzentrationsschwierigkeiten und Probleme, klar zu denken. Wenn diese Symptome jedoch durch eine Depression verursacht werden, verschwinden sie bei Behandlung der Depression. Ist hingegen die Demenz die Ursache, dauern die Symptome an.

Tests

Eine Depression kann durch keinen Test bestätigt werden. Laboruntersuchungen können dem Arzt jedoch helfen zu bestimmen, ob die Depression durch eine hormonelle oder eine andere körperliche Störung verursacht wird. Zum Beispiel werden normalerweise Blutuntersuchungen durchgeführt, um eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder einen Vitaminmangel zu ermitteln. Es können Tests durchgeführt werden, um den Konsum von illegalen Drogen festzustellen.

Sorgfältige neurologische Untersuchungen werden durchgeführt, um eine Parkinson-Krankheit festzustellen, die zum Teil die gleichen Symptome verursacht.

Bei Menschen mit schweren Schlafproblemen muss möglicherweise eine Untersuchung des Schlafs (Polysomnographie) durchgeführt werden, mit der Schlafstörungen von Depressionen unterschieden werden können.

Behandlung einer Depression

  • Betreuung

  • Psychotherapie

  • Medikamente, hauptsächlich Antidepressiva

  • Manchmal Elektrokrampftherapie oder transkranielle Magnetstimulation

Bei den meisten Betroffenen ist keine stationäre Behandlung erforderlich. Eine Klinikeinweisung ist angebracht, wenn Suizidabsichten bestehen oder ein Selbstmordversuch unternommen wurde, ein Gewichtsverlust zu großer Schwäche geführt hat oder die Gefahr von Herzproblemen aufgrund von Übererregung besteht.

Die Behandlung hängt von der Schwere und Art der Depression ab:

  • Leichte Depression: Unterstützung (einschließlich regelmäßiger Arzttermine und Schulung) und Psychotherapie

  • Mäßige bis schwere Depression: Medikamente, Psychotherapie oder beides, und gelegentlich eine Elektrokrampftherapie

  • Saisonale Depression: Phototherapie

  • Anhaltende Trauerstörung: Spezielle für diese Störung entwickelte Psychotherapie

Gewöhnlich können Depressionen erfolgreich behandelt werden. Wenn eine Ursache (z. B. ein Medikament oder eine andere Störung) ermittelt werden kann, wird diese zuerst behandelt, wobei aber auch Medikamente zur Behandlung von Depressionen nötig sein können.

Betreuung

Sie erklären den unter Depressionen leidenden Patienten und ihren Familienmitgliedern, dass die Depression körperliche Ursachen hat und eine spezifische Behandlung erfordert, die für gewöhnlich wirksam ist. Die Ärzte versichern den Patienten, dass die Depression kein Charakterfehler, z. B. Schwäche ist. Für Familienmitglieder ist es wichtig, dass sie verstehen, worum es sich bei der Krankheit handelt, dass sie sich in die Behandlung einbringen und den Betroffenen unterstützen.

Etwas über die Depression zu erfahren, kann den Betroffenen helfen, die Erkrankung zu verstehen und damit umzugehen. Die Patienten lernen beispielsweise, dass der Weg zur Erholung steinig ist, dass Phasen der Traurigkeit und der dunklen Gedanken wieder auftreten können, aber dass sie aufhören werden. Dadurch können sie besser mit Rückschlägen fertig werden, was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie die Behandlung fortsetzen und nicht aufgeben.

Aktiv zu werden, z. B. Spazierengehen oder regelmäßiger Sport oder Kontaktepflegen können hilfreich sein.

Selbsthilfegruppen (z. B. die Depression and Bipolar Support Alliance – DBSA) helfen, indem sie ein Forum bereitstellen, in dem gemeinsame Erfahrungen und Gefühle ausgetauscht werden können.

Psychotherapie

Die Psychotherapie allein kann bei leichten Depressionen genauso wirksam sein wie eine medikamentöse Behandlung. Zusammen mit Medikamenten kann eine Psychotherapie bei schweren Depressionen von Nutzen sein.

Psychotherapie einzeln oder in der Gruppe kann Menschen mit Depressionen helfen, nach und nach ihre früheren Verpflichtungen wiederaufzunehmen und sich wieder dem normalen Alltagsdruck anzupassen. Interpersonelle Therapie konzentriert sich auf die vorherigen und aktuellen sozialen Rollen des Betroffenen, identifiziert Probleme beim Kontakt des Patienten mit anderen Menschen und dient als Leitfaden, während sich der Betroffene an die geänderten Rollen im Leben anpasst. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, Hoffnungslosigkeit und negative Denkweisen zu ändern. Achtsamkeitsbasierte Therapien, bei denen Selbstwahrnehmung in die kognitive Verhaltenstherapie einbezogen wird, und psychodynamische Therapien, die sich auf unbewusste Konflikte und Erfahrungen in der frühen Kindheit konzentrieren, sind weitere Arten von Psychotherapien, die Menschen mit Depressionen angeboten werden.

Medikamente gegen Depressionen

Es sind verschiedene Arten von Antidepressiva verfügbar (siehe Tabelle ). Hierzu zählen folgende:

Elektrokrampftherapie

Eine Elektrokrampftherapie (früher auch manchmal als „Schocktherapie“ bezeichnet) kommt manchmal bei der Behandlung von Menschen mit schweren Depressionen, einschließlich bei Vorliegen einer Psychose, zur Anwendung, sowie bei Menschen, die Suizid androhen oder die Nahrungsaufnahme verweigern. Sie wird auch genutzt, um Depressionen während der Schwangerschaft zu behandeln, da Medikamente in solch einem Fall unwirksam sind.

Diese Art der Therapie ist normalerweise sehr wirkungsvoll und kann Depressionen rasch lindern; im Gegensatz dazu benötigen die meisten Antidepressiva bis zu mehrere Wochen, um zu wirken. Die Schnelligkeit der Wirkung kann Leben retten. Nach Beendigung der Elektrokrampftherapie können wieder Episoden der Depression auftreten. Um diesen vorzubeugen, verschreiben Ärzte häufig Antidepressiva.

Dabei werden Elektroden auf der Kopfhaut angebracht und ein elektrischer Strom angelegt, um im Gehirn einen Anfall auszulösen. Aus unbekannten Gründen lindern diese Anfälle eine Depression. In der Regel werden mindestens 6 bis 10 Behandlungen (mit jeweils 1 Tag Pause dazwischen) durchgeführt.

Da der elektrische Strom Muskelkontraktionen und Schmerzen verursacht, muss die Behandlung unter einer kurzen Vollnarkose erfolgen. Die Elektrokrampftherapie kann einen vorübergehenden (selten dauerhaften) Gedächtnisverlust nach sich ziehen.

Phototherapie (Lichttherapie)

Die Phototherapie mithilfe einer Lichttherapie ist die wirksamste Behandlung für die saisonale Depression, kann aber auch bei anderen Arten von depressiven Störungen hilfreich sein.

Bei der Phototherapie sitzt der Patient in einem bestimmten Abstand von einer Lichtquelle entfernt, die Licht in der erforderlichen Intensität spendet. Die Patienten werden angewiesen, nicht direkt in das Licht zu schauen und sich 30 bis 60 Minuten im Licht aufzuhalten. Die Phototherapie kann zu Hause durchgeführt werden.

Wenn die Betroffenen spät schlafen gehen und spät aufwachen, ist eine Phototherapie am Morgen am wirksamsten, und manchmal wird sie durch 5- bis 10-minütige Anwendungen zwischen 15.00 und 19.00 Uhr ergänzt. Für Menschen, die früh zu Bett gehen und früh aufwachen, ist eine Phototherapie am späten Nachmittag und frühen Abend am wirksamsten.

Andere Therapien

Psychostimulanzien, wie Dextroamphetamin und Methylphenidat, ebenso wie andere Medikamente, kommen manchmal zur Anwendung, häufig zusammen mit Antidepressiva. Psychostimulanzien werden eingesetzt, um die geistige Wachheit und Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Johanniskraut ist ein pflanzliches Nahrungsergänzungsmittel, das manchmal zur Linderung von leichten bis mäßigen Depressionen verwendet wird. Seine Wirkung bei der Behandlung schwerer Depressionen wurde in klinischen Studien jedoch nicht nachgewiesen. Aufgrund möglicher gesundheitsschädlicher Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und verschiedenen verschreibungspflichtigen Medikamenten müssen Patienten, die dieses pflanzliche Ergänzungsmittel einnehmen möchten, mögliche Wechselwirkungen mit ihrem Arzt besprechen.

Falls erste Behandlungen keine Wirkung zeigen, können weitere Therapien zur Stimulierung des Gehirns ausprobiert werden. Hierzu gehören:

  • Repetitive Transkranielle Magnetstimulation

  • Vagusnervstimulation

  • Tiefe Hirnstimulation

Von den stimulierten Zellen wird angenommen, dass sie chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) aussenden, welche dabei helfen, die Stimmung zu regulieren und damit die Symptome der Depressionen lindern. Diese Therapien können Personen mit schweren Depressionen helfen, die auf Medikamente oder Psychotherapie nicht ansprechen.

Bei der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation wird eine elektromagnetische Spule an der Stirn in der Nähe eines Bereichs des Gehirns platziert, von dem angenommen wird, dass er an der Stimmungsregulierung beteiligt ist. Der Elektromagnet erzeugt schmerzlose magnetische Impulse, die vermutlich Nervenzellen in den Zielbereichen des Gehirns stimulieren. Die häufigsten Nebenwirkungen umfassen Kopfschmerzen und Beschwerden an den Stellen der Kopfhaut, wo die Spule platziert wurde.

Für die Vagusnervenstimulation wird ein Gerät, das wie ein Herzschrittmacher aussieht (Vagusnervstimulator), unter dem linken Schlüsselbein eingepflanzt und durch einen Draht, der unter der Haut verläuft, mit dem Vagusnerv im Hals verbunden. (Die beiden Vagusnerven, die sich in der Nähe der Basis des Schädels befinden, verlaufen vom Hirnstamm durch den Hals und auf jeder Seite der Brust und des Bauchs zu den Organen wie dem Herzen und der Lunge). Das Gerät wird so programmiert, dass es den Vagusnerv regelmäßig durch ein schmerzloses elektrisches Signal stimuliert. Die Therapie kann bei Depressionen helfen, bei denen andere Behandlungen unwirksam waren. Allerdings dauert es in der Regel 3 bis 6 Monate, bis sich eine Wirkung einstellt. Zu den Nebenwirkungen der Vagusnervenstimulation gehören Heiserkeit, Husten und ein Tieferwerden der Stimme.

Vielversprechende Ergebnisse wurden mit der tiefen Hirnstimulation erzielt. Dabei werden Elektroden implantiert, um bestimmte Bereiche des Gehirns zu stimulieren, die eine Rolle bei der Regulation von Emotionen und der automatischen biologischen Reaktionen, die mit Emotionen verknüpft sind, spielen.

Weitere Informationen

Die folgenden Quellen in englischer Sprache können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.

  1. Depression and Bipolar Support Alliance (DBSA), Depression

  2. Mental Health America (MHA), Depression

  3. National Alliance on Mental Illness (NAMI), Depression

  4. National Institutes of Mental Health (NIMH), Depression

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