Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV) bei Kindern und Jugendlichen

VonGeoffrey A. Weinberg, MD, Golisano Children’s Hospital
Überprüft vonChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Überprüft/überarbeitet Geändert Jan. 2026
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Kurzinformationen

Eine Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) ist eine Virusinfektion, die schrittweise bestimmte weiße Blutkörperchen zerstört. Die Betroffenen werden dadurch anfällig für Infektionen und einige Formen von Krebs.

  • Eine Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV) wird durch das HIV-Virus verursacht, das durch ungeschützten vaginalen oder analen Geschlechtsverkehr, Bluttransfusionen und kontaminierte Nadeln übertragen werden kann. Babys können das Virus von ihrer Mutter während der Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit erwerben.

  • Anzeichen der Infektion bei Kindern sind Wachstumsverzögerungen, Vergrößerung der Lymphknoten an mehreren Stellen im Körper, Entwicklungsverzögerung, wiederkehrende bakterielle Infektionen und Lungenentzündung.

  • Die Diagnose basiert auf einen Nachweis der HIV-Infektion anhand eines Bluttests.

  • Anti-HIV-Medikamente (sogenannte antiretrovirale Therapie oder ART) können die Auswirkungen einer HIV-Infektion kontrollieren und es Kindern ermöglichen, beschwerdefrei zu leben.

  • Infizierte Schwangere können eine Übertragung der HIV-Infektion auf ihre Neugeborenen verhindern, indem sie antiretrovirale Medikamente einnehmen und ihr Kind mit Säuglingsnahrung oder gespendeter Muttermilch füttern, anstatt es selbst zu stillen. Bei manchen Schwangeren kann auch ein Kaiserschnitt helfen, eine Übertragung der Infektion auf das Kind zu verhindern.

  • Bei der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) handelt es sich um eine Behandlung mit einem oder mehreren Medikamenten, die das Risiko einer HIV-Infektion bei Personen, die keine HIV-Infektion haben, aber ein hohes Infektionsrisiko aufweisen, erheblich senkt.

(Siehe auch HIV-Infektionen bei Erwachsenen.)

Es gibt 2 humane Immunschwächeviren:

  • HIV-1

  • HIV-2

Fast überall auf der Welt sind Infektionen mit HIV-1 weitaus häufiger als Infektionen mit HIV-2. Beide zerstören schrittweise bestimmte Typen von weißen Blutkörperchen, die sogenannten Lymphozyten, die eine wichtige Rolle bei der körpereigenen Immunabwehr spielen. Wenn diese Lymphozyten zerstört werden, wird der Körper angreifbar für viele andere Infektionserreger. Viele Symptome und Komplikationen der HIV-Infektion, einschließlich des Todes, sind Folge dieser Sekundärinfektionen und nicht der HIV-Infektion selbst.

Eine HIV-Infektion kann verschiedene schwere Infektionen durch Erreger nach sich ziehen, die Menschen mit einem intakten Immunsystem normalerweise nichts anhaben können. Diese werden als opportunistische Infektionen bezeichnet, da sie ein geschwächtes Immunsystem ausnutzen. Opportunistische Infektionen können durch Viren, Parasiten, Pilze und manchmal auch durch Bakterien ausgelöst werden.

Eine fortgeschrittene HIV-Infektion (auch als erworbenes Immundefizienzsyndrom oder AIDS bezeichnet) ist ein schweres Stadium der HIV-Infektion. Kinder mit fortgeschrittener HIV-Infektion haben mindestens eine opportunistische Infektion oder eine schwere Schädigung ihres Immunsystems.

Im Jahr 2024 hatten weltweit rund 1,4 Millionen Kinder unter 15 Jahren eine HIV-Infektion, und bei rund 120.000 davon handelte es sich um neue Infektionen.

Nur etwa 1 Prozent der HIV-positiven Menschen in den USA wurden als Kinder oder Jugendliche mit der Krankheit diagnostiziert. HIV-Infektionen bei Kindern sind mittlerweile stark zurückgegangen, weil umfassendere Untersuchungen und Behandlungen von mit HIV infizierten schwangeren Personen durchgeführt werden. Eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten vor und während der Geburt kann helfen, eine Übertragung von der Mutter auf das Kind zu verhindern. Im Jahr 2022 wurden bei Kindern unter 13 Jahren nur 62 neue Fälle diagnostiziert.

In den Vereinigten Staaten nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wird, jährlich weiter ab. Allerdings ist die Anzahl der neu diagnostizierten Infektionen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, insbesondere bei jungen Männern, die Sex mit Männern haben, in den letzten Jahren leicht gestiegen. Das liegt daran, dass die Erkrankten länger überleben. Im Jahr 2022 wurden in den USA rund 38.000 neue Fälle von HIV-Infektionen diagnostiziert. Von diesen neuen Fällen wurden 19 % bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 13 bis 24 Jahren diagnostiziert (die Mehrheit davon war mindestens 20 Jahre alt). Männer sind am stärksten betroffen und machen fast 80 Prozent der Neuerkrankungen aus.

Im Jahr 2023 gab es in den Vereinigten Staaten und ihren Territorien 4.496 HIV-bedingte Todesfälle bei Menschen jeden Alters. Weniger als 10 dieser Todesfälle waren Kinder ab 13 Jahren, und nur ein einziges Kind unter 13 Jahren verstarb. Weltweit starben 2024 rund 75.000 infizierte Kinder.

Programme zur Versorgung von Schwangeren und Kindern mit einer antiretroviralen Therapie (ART) in den Vereinigten Staaten haben die Anzahl der Neuinfektionen im Kindesalter und die Todesfälle unter Kindern pro Jahr deutlich gesenkt. Weltweit erhalten infizierte Kinder eine ART jedoch nicht annähernd so häufig wie Erwachsene.

Übertragung der HIV-Infektion

HIV wird übertragen durch:

  • Samenflüssigkeit

  • Scheidenflüssigkeit

  • Rektalflüssigkeit

  • Blut

  • Muttermilch (über das Stillen)

  • Kontaminierte Nadeln (zur Injektion illegaler Drogen)

  • Schwangerschaft und Entbindung

HIV wird NICHT übertragen durch:

  • Nahrungsmittel

  • Wasser

  • Luft

  • Berühren derselben Gegenstände (z. B. Kleidung, Möbel, Türgriffe oder Toilettensitze)

  • Sozialen Kontakt zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Schule

  • Speichel, Tränen oder Schweiß

  • Umarmen, Husten, Küssen oder Händeschütteln

  • Zecken, Stechmücken oder andere Insekten

In sehr seltenen Fällen kommt es zu einer Übertragung von HIV durch Hautkontakt mit infiziertem Blut oder beim Oralverkehr. In fast allen solchen Fällen hatten die Betroffenen Kratzer auf der Hautoberfläche (insbesondere an den Genitalien) oder offene Wunden. Verletzungen im Mund (z. B. Aphthen auf der Mundschleimhaut oder Zahnfleischblutungen) erhöhen ebenfalls das Risiko, aber in geringerem Maße.

Obwohl das Virus auch im Speichel enthalten sein kann, gibt es bislang keine bekannten Fälle einer Übertragung der Infektion durch Husten oder Küsse.

Neugeborene und junge Kinder

Die häufigsten Übertragungswege von HIV auf Kinder sind:

  • vor der Geburt oder während der Geburt durch eine infizierte Mutter

  • Nach der Geburt beim Stillen (Muttermilch)

Die überwiegende Mehrheit der HIV-infizierten Kinder in den USA erwarb die Infektion von der Mutter, entweder vor oder bei der Geburt (durch so genannte vertikale Übertragung bzw. Mutter-Kind-Übertragung). Die meisten der übrigen Kinder erhielten Blut oder Blutprodukte, die mit HIV kontaminiert waren, und einige wurden beim sexuellen Missbrauch infiziert.

Aufgrund verbesserter Überprüfung von Spenderblut und Blutprodukten auf HIV wurde in den letzten Jahren keine HIV-Infektion auf diese Weise übertragen.

Etwa 15 bis 40 Prozent der Personen, die während der Schwangerschaft oder Stillzeit keine ART erhalten, übertragen die Infektion auf ihr Baby. Die Übertragung findet am häufigsten während der Geburt statt.

Das Übertragungsrisiko ist bei Müttern mit den folgenden Merkmalen am höchsten:

  • sich mit HIV während der Schwangerschaft oder des Stillens anstecken

  • Schwere Erkrankung aufgrund einer HIV-Infektion

  • mehrere Viren im Körper haben

  • Niedrige Anzahl weißer Blutkörperchen

Allerdings ist die Übertragungsrate in den USA von etwa 25 Prozent im Jahr 1991 auf etwa 1 Prozent im Jahr 2024 stark zurückgegangen. Dieser Rückgang der Mutter-Kind-Übertragungen ist auf die intensiven Bemühungen zurückzuführen, infizierte Schwangere während der Schwangerschaft und Entbindung zu testen und zu behandeln.

Das Virus kann auch über die Muttermilch übertragen werden. Einige Säuglinge, die sich bei der Geburt nicht infizieren, stecken sich an, wenn sie von ihrer HIV-positiven Mutter gestillt werden. Meist wird das Virus in den ersten Lebenswochen und -monaten übertragen, die Übertragung kann jedoch auch erst später stattfinden. Die Wahrscheinlichkeit einer Virusübertragung ist am höchsten bei Müttern mit hoher Viruslast im Körper, beispielsweise bei solchen, die sich die HIV-Infektion während der Schwangerschaft oder Stillzeit zuziehen. Eine Mutter mit HIV-Infektion, die eine ART erhält und bei der das HIV-Virus im Blut durchweg nicht nachweisbar ist, hat jedoch eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 1 %, die Infektion während der Stillzeit auf ihr Kind zu übertragen.

Wussten Sie ...

  • In den USA sind die Übertragungen von HIV durch infizierte Mütter auf ihre Kinder von etwa 25 Prozent im Jahr 1991 auf etwa 1 Prozent im Jahr 2024 zurückgegangen.

Jugendliche

Bei Jugendlichen sind die HIV-Übertragungswege die gleichen wie bei Erwachsenen:

  • Ungeschützter vaginaler oder analer Geschlechtsverkehr

  • Gemeinsame Benutzung infizierter Nadeln

Bei allen Erwachsenen besteht ein erhöhtes Risiko einer HIV-Infektion, wenn sie ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Besonders gefährdet sind auch Jugendliche, die zum Spritzen von Drogen infizierte Nadeln gemeinsam benutzen.

Symptome einer HIV-Infektion bei Kindern und Jugendlichen

Kinder, die mit einer HIV-Infektion geboren werden, entwickeln in den ersten Lebensmonaten selten Infektionen oder andere Symptome, selbst wenn sie keine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten. Das Virus kann jedoch ihr Immunsystem schwächen. Werden die Kinder nicht behandelt, entwickeln sich die Symptome in der Regel im Alter von etwa 3 Jahren, manche Kinder zeigen aber auch erst ab einem Alter von 5 Jahren Symptome. Viele ältere Säuglinge, die unbehandelt bleiben, können jedoch zunächst eine schwere Lungenentzündung entwickeln, die durch Pneumocystis jirovecii verursacht wird.

Die Symptome einer im Jugendalter erworbenen HIV-Infektion sind ähnlich den Symptomen bei Erwachsenen (siehe Symptome einer HIV-Infektion bei Erwachsenen).

Kinder mit unbehandelter HIV-Infektion

Die meisten Kinder mit HIV-Infektion in den USA und Industrieländern erhalten eine antiretrovirale Therapie (ART). Wenn das Kind jedoch keine ART erhält, treten die folgenden häufigen Symptome einer HIV-Infektion auf:

  • Verlangsamung von Wachstum und Geschlechtsreife

  • Vergrößerung von Lymphknoten in mehreren Körperbereichen

  • Wiederholte Episoden bakterieller Infektionen (insbesondere Lungen-, Ohr- und Nebenhöhleninfektionen)

  • Immer wieder auftretender Durchfall

  • Vergrößerung von Milz oder Leber

  • Pilzinfektion des Mundes (Mundsoor)

  • Anämie

  • Herzprobleme

  • Hepatitis

  • Andere opportunistische Infektionen

Je mehr sich der Zustand des Immunsystems verschlechtert, desto mehr andere Symptome und Komplikationen entwickelt das Kind.

Mitunter kommt es bei Kindern, die keine ART erhalten, auch wiederholt zu bakteriellen Infektionen wie Mittelohrentzündung (Otitis media), Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und Bakterien im Blut (Bakteriämie) oder Lungenentzündung (Pneumonie). Manche Kinder mit unbehandelter HIV-Infektion entwickeln eine Lungenentzündung (lymphozytäre interstitielle Pneumonie).

Unbehandelte Kinder haben häufig mindestens eine Episode einer Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (siehe Lungenentzündung bei Patienten mit Immunschwäche). Diese schwerwiegende opportunistische Infektion kann bereits im Alter von 4 bis 6 Wochen auftreten, entwickelt sich aber meist bei 3 bis 6 Monate alten Säuglingen, die vor oder bei der Geburt mit HIV infiziert wurden. Säuglinge und ältere Kinder mit Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie entwickeln typischerweise eine Lungenentzündung mit Husten, Atembeschwerden und Fieber. Die Pneumocystis-Pneumonie ist eine der Haupttodesursachen bei Kindern und Erwachsenen mit fortgeschrittener AIDS-Erkrankung.

Bei einer beträchtlichen Zahl von nicht behandelten HIV-infizierten Kindern bleiben durch die fortschreitende Hirnschädigung wichtige Entwicklungsschritte wie Laufen oder Sprechenlernen entweder ganz aus oder verzögern sich. Diese Kinder sind in ihrer geistigen Entwicklung häufig beeinträchtigt und haben einen im Verhältnis zu ihrer Körpergröße zu kleinen Schädelumfang. Einige der unbehandelten infizierten Kinder verlieren zunehmend ihre sozialen und sprachlichen Fähigkeiten und die Muskelkontrolle. Sie können teilweise gelähmt werden oder einen unsicheren Gang und steife Muskeln bekommen.

Anämie (eine geringe Anzahl roter Blutkörperchen) kommt bei HIV-infizierten Kindern, die nicht behandelt werden, häufig vor. Sie führt dazu, dass die Kinder schwach werden und leicht ermüden.

Einige wenige der Kinder, die nicht behandelt werden, bekommen Herzprobleme, wie einen beschleunigten Herzschlag, Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz.

In seltenen Fällen entwickeln unbehandelte Kinder eine Entzündung der Leber (Hepatitis) oder der Nieren (Nephritis).

Krebserkrankungen kommen bei HIV-infizierten Kindern zwar selten vor, Non-Hodgkin-Lymphome und Gehirnlymphome sind jedoch etwas häufiger als bei nicht infizierten Kindern. Das Kaposi-Sarkom ist sehr selten bei Kindern, die mit HIV infiziert sind.

Mit ART behandelte Kinder mit HIV-Infektion

ART hat die Art und Weise, wie sich eine HIV-Infektion bei Kindern äußert, erheblich verändert. Eine antiretrovirale Therapie (ART) ist sehr wirksam und ermöglicht es, die HIV-Infektion als chronische Erkrankung zu behandeln. HIV-infizierte Kinder, die eine ART erhalten, entwickeln normalerweise keine opportunistischen Infektionen oder Wachstumsstörungen.

Obwohl eine ART die Auswirkungen einer HIV-Infektion auf das Gehirn und das Nervensystem deutlich verringert, scheint es bei HIV-infizierten Kindern, die während kritischer Wachstums- und Entwicklungsperioden mit einer ART behandelt werden, eine erhöhte Rate von verhaltensbezogenen, entwicklungsbezogenen und kognitiven Problemen zu geben. Es ist unklar, ob diese Probleme auf die HIV-Infektion selbst, auf die Medikamente zur Behandlung von HIV oder auf andere biologische, psychologische und soziale Faktoren zurückzuführen sind, die bei HIV-infizierten Kindern häufig vorliegen.

Weil Kinder mit HIV-Infektion dank ART viele Jahre länger leben können, steigt die Zahl der HIV-infizierten Personen, die Langzeitkomplikationen aufgrund der HIV-Infektion und der ART entwickeln. wie zum Beispiel Übergewicht, Herzkrankheit, Diabetes und Nierenkrankheit. Diese Komplikationen können sowohl mit der HIV-Infektion selbst als auch mit den Auswirkungen der ART-Medikamente zusammenhängen.

Diagnose einer HIV-Infektion bei Kindern und Jugendlichen

  • Bei Schwangeren vor der Entbindung: Schwangerschaftsvorsorge und Tests während der Wehen und der Entbindung

  • Bluttests bei Kindern nach der Geburt

  • Bei Kindern nach der Diagnose: regelmäßige Überwachung mit Bluttests

Schwangere

Die Diagnose von HIV-Infektionen bei Kindern beginnt mit der Diagnose von HIV-Infektionen bei Schwangeren im Rahmen von routinemäßigen Vorsorge-Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft. Frauen sollten in der frühen Schwangerschaft und erneut im dritten Trimester auf eine HIV-Infektion getestet werden, damit eine neu erworbene HIV-Infektion erkannt wird.

Während die Frauen im Krankenhaus auf die Entbindung warten, können Schnelltests auf HIV mittels Blut und Speichel durchgeführt werden, die innerhalb von Minuten bis Stunden ein Ergebnis liefern können.

Alle Kinder unter 18 Monaten

Bei allen Kindern unter 18 Monaten, einschließlich Neugeborenen, sind die für Erwachsene üblichen HIV-Antikörper- und Antigentests nicht hilfreich, da ihr Blut praktisch immer mütterliche HIV-Antikörper enthält, die von der HIV-infizierten Mutter über die Plazenta an sie weitergegeben wurden, auch, wenn der Säugling nicht infiziert ist.

Daher müssen bei Kindern unter 18 Monaten für eine definitive Diagnose einer HIV-Infektion spezielle Bluttests durchgeführt werden, die Nukleinsäureamplifikationstests (NAT) heißen. Die Diagnose einer HIV-Infektion wird bestätigt, wenn anhand von NAT-Tests genetisches Material vom HIV (DNA oder RNA) im Blut des Kindes gefunden werden.

Neugeborene werden bei der Geburt getestet. Danach sollten bei diesen Kindern NAT-Tests in kurzen Zeitabständen durchgeführt werden, üblicherweise in den ersten 2 Lebenswochen, im Alter von 1 bis 2 Monaten sowie im Alter von 4 bis 6 Monaten. So ist gewährleistet, dass bei den meisten Kindern die HIV-Infektion bereits innerhalb der ersten 6 Lebensmonate entdeckt wird. Einige Säuglinge mit einem höheren Risiko für die Entwicklung einer HIV-Infektion können nach der Geburt auch häufiger getestet werden. Diese Gruppe mit höherem Risiko umfasst Säuglinge, auf deren Mütter Folgendes zutrifft:

  • ein Risiko für eine HIV-Infektion tragen

  • Die Mutter hat keine Schwangerenvorsorge erhalten.

  • Die Mutter hat während der Schwangerschaft keine ART erhalten oder sie hat die ART erst nach der Entbindung erhalten.

  • Die Mutter hat die ART erst spät in der Schwangerschaft (im späten zweiten oder dritten Trimester) begonnen.

  • In den letzten 4 Wochen vor der Geburt war die Viruslast im Körper der Mutter sehr hoch oder nicht bekannt (insbesondere, wenn die Entbindung vaginal erfolgte).

  • Während der Schwangerschaft und Stillzeit (in diesem Fall sollte das Stillen abgebrochen werden) hat die Mutter entweder eine neue HIV-Infektion erworben oder war bereits infiziert.

Kinder ab dem 18. Lebensmonat und Jugendliche

Bei Kindern über 18 Monaten und bei Jugendlichen können die gleichen Tests zur Diagnose einer HIV-Infektion wie bei Erwachsenen verwendet werden. Dabei handelt es sich in der Regel um Bluttests, die zum Nachweis von HIV-Antikörpern und Antigenen durchgeführt werden. (Antikörper sind Proteine, die vom Immunsystem zur Verteidigung des Körpers gegen Angriffe produziert werden, und Antigene sind Stoffe, die eine Immunreaktion im Körper auslösen können – Tests, die Antikörper gegen oder Antigene von Mikroorganismen nachweisen.)

Überwachung

Wenn eine HIV-Infektion bei einem Kind diagnostiziert wurde, muss ihr Verlauf überwacht werden. Hierzu werden alle 3 bis 4 Monate die Zahl der CD4+-Lymphozyten (CD4-Zahl) und die Zahl der Viruspartikel im Blut (Viruslast) bestimmt.

Lymphozyten sind eine Art von weißen Blutkörperchen. Die Anzahl der CD4+-Lymphozyten nimmt mit fortschreitender HIV-Infektion ab. Wenn die CD4-Zahl niedrig ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei Kindern schwerwiegende Infektionen und andere Komplikationen von HIV entwickeln, größer.

Die Viruslast erhöht sich, wenn sich die HIV-Infektion verschlimmert. Anhand der Viruslast können Ärzte abschätzen, wie schnell sich die CD4-Zahl voraussichtlich in den nächsten Jahren verringern wird.

Die CD4-Zahl und die Viruslast helfen Ärzten zu bestimmen, wie schwer erkrankt das Kind ist, wie wirksam eine antiretrovirale Behandlung wahrscheinlich sein wird und ob eventuell andere Medikamente erforderlich sind, um Komplikationen wie Infektionen zu verhindern oder zu behandeln.

Behandlung einer HIV-Infektion bei Kindern und Jugendlichen

  • Antiretrovirale Therapie (ART)

  • Laufende Überwachung

  • Motivation zu Therapietreue

Medikamente

Alle Kinder mit HIV-Infektion sollten sofort oder so schnell wie möglich eine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten, idealerweise innerhalb von 1 bis 2 Wochen nach der Diagnose. Kinder werden zumeist mit den gleichen antiretroviralen Medikamenten behandelt wie Erwachsene (siehe Medikamentöse Behandlung von Infektionen mit dem humanen Immundefizienz-Virus [HIV]). Doch nicht alle der bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzten Mittel sind auch für Säuglinge und Kleinkinder verfügbar, nicht zuletzt deshalb, weil sie nicht in flüssiger Form vorliegen.

Die ART wird auf das Kind zugeschnitten, ähnelt aber sehr der Behandlung, die Jugendliche und Erwachsene erhalten, hauptsächlich, weil die medikamentösen Behandlungspläne für diese Altersgruppen die gleichen Kombinationen von 3 antiretroviralen Medikamenten umfassen:

  • Zwei nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs) plus entweder:

  • Ein Integrase-Hemmer

In seltenen Fällen wird ein nicht nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor oder Protease-Hemmer (NNRTI) zusammen mit 2 NRTI verabreicht.

Im Allgemeinen treten bei Kindern dieselben Nebenwirkungen auf wie bei Erwachsenen, jedoch mit einer geringeren Häufigkeit.

Lebenszyklus des humanen Immundefizienz-Virus (vereinfacht)

Wie alle Viren vermehrt (vervielfältigt) sich das humane Immundefizienz-Virus (HIV), indem es das genetische Programm der Wirtszelle verwendet, also in der Regel eines CD4+-Lymphozyten.

  1. Das HI-Virus heftet sich an eine Zelle an und dringt in sie ein.

  2. HIV überträgt RNA, den genetischen Code des Virus, in die Zelle. Zur Reproduktion muss die RNA in DNA umgewandelt werden. Das Enzym, das die Umwandlung der RNA durchführt, heißt reverse Transkriptase (wird vom HI-Virus hergestellt). Das HI-Virus mutiert an diesem Punkt sehr leicht, da die reverse Transkriptase während der Umwandlung von viraler RNA in DNA recht fehleranfällig ist.

  3. Die Virus-DNA dringt in den Zellkern ein.

  4. Mithilfe eines Enzyms, der sogenannten Integrase (wird ebenfalls vom HI-Virus hergestellt) wird die Virus-DNA in die DNA der Zelle eingebaut.

  5. Die DNA der infizierten Zelle produziert nun virale RNA sowie Proteine, die erforderlich sind, um ein neues HI-Virus zusammenzusetzen.

  6. Ein neues Virus setzt sich aus RNA und kurzen Eiweißstücken zusammen.

  7. Das Virus schnürt sich ab, indem es sich in einen Teil der Zellmembran einwickelt und sich von der infizierten Zelle löst.

  8. Um andere Zellen infizieren zu können, muss das abgeschnürte Virus heranreifen. Es wird reif, wenn ein weiteres Enzym (HIV-Protease) virale Proteine zerschneidet und diese sich neu anordnen.

Die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung der HIV-Infektion basiert auf dem Lebenszyklus des HI-Virus. Diese Medikamente hemmen die 3 Enzyme (reverse Transkriptase, Integrase und Protease), die das Virus zum Vermehren oder Anheften und Eindringen in die Zellen benutzt.

Überwachung

Ärzte überwachen die Wirksamkeit der ART, indem die Virusmenge (Viruslast) sowie die Anzahl der CD4+-Zellen im Blut des Kindes regelmäßig gemessen werden (siehe Diagnose von HIV-Infektionen bei Kindern). Ärzte führen routinemäßig mehrere weitere Labortests durch, und bei heranwachsenden Mädchen werden Schwangerschaftstests gemacht.

Eine erhöhte Viruslast im Blut kann ein Zeichen dafür sein, dass das Virus eine Resistenz gegen die Medikamente entwickelt, oder dass die Mittel nicht regelmäßig eingenommen werden. In jedem Fall muss dann auf ein anderes Medikament umgestellt werden. Zur Verlaufskontrolle wird das Kind alle 3 bis 4 Monate untersucht und es werden Bluttests durchgeführt. Andere Blut- und Urintests werden in Abständen von 6 bis 12 Monaten durchgeführt.

Therapietreue

Therapietreue bedeutet, dass die Medikamente wie verordnet eingenommen werden. Die Einhaltung der verschriebenen ART-Einnahmepläne ist äußerst wichtig. Wenn die Kinder ihre ART-Medikamente nicht so regelmäßig einnehmen, wie sie sollten, kann das HI-Virus in ihrem Körper rasch eine Resistenz gegen ein oder mehrere der Medikamente entwickeln. Komplizierte Einnahmepläne sind für Eltern und Kinder oft schwer einzuhalten. Dies kann den Therapieerfolg gefährden. Zur Vereinfachung der Therapie und zur Verbesserung der Therapietreue können Tabletten verordnet werden, die 3 oder mehr Arzneistoffe gleichzeitig enthalten. Diese Tabletten müssen nur ein- oder zweimal täglich eingenommen werden. Die flüssigen Formen der Medikamente schmecken inzwischen besser, was die Therapietreue verbessert.

Die Einhaltung der ART ist für Jugendliche mitunter schwieriger als für kleinere Kinder. Jugendlichen fällt die Therapietreue auch bei anderen chronischen Krankheiten wie Diabetes und Asthma schwer (siehe auch Kinder und Jugendliche mit besonderen gesundheitlichen Bedürfnissen). weil sie sich aufgrund ihrer Krankheit anders als Gleichaltrige und deshalb ausgegrenzt fühlen. Indem sie ihre Behandlung aussetzen oder absetzen, können sie ihre Krankheit leugnen. Solche Probleme, die die Behandlung von Jugendlichen mit HIV-Infektion schwierig gestalten und die Therapietreue erschweren, sind:

  • Geringes Selbstwertgefühl

  • Chaotische und unstrukturierte Lebensweise

  • Furcht vor Ausgrenzung aufgrund der Krankheit

  • Mitunter fehlende Unterstützung seitens der Familie

  • Eingeschränkte Mobilität

  • Finanzielle Einschränkungen

  • Eingeschränkter Zugang zu Gesundheitseinrichtungen

Jugendlichen fällt es mitunter schwer, zu verstehen, warum sie Medikamente einnehmen müssen, obwohl sie sich nicht krank fühlen, und sie fürchten sich sehr vor Nebenwirkungen.

Trotz des häufigen Kontakts mit einem Versorgungsteam aus Kinderärzten haben Jugendliche, die seit ihrer Geburt infiziert sind, Furcht wegen ihrer HIV-Infektion oder leugnen diese, oder sie hegen Misstrauen gegenüber den Informationen, die sie von ihren Ärzten erhalten. Anstatt Jugendliche, die zu Hause vielleicht keine ausreichende Unterstützung erhalten, direkt auf die Notwendigkeit der Einnahme ihrer Medikamente hinzuweisen, können die medizinischen Teams einen anderen Weg beschreiten, indem sie den Jugendlichen helfen, sich auf praktische Dinge zu konzentrieren, beispielsweise darauf, wie sie opportunistische Infektionen vermeiden können und wo sie Informationen über Serviceangebote zu Fragen der Reproduktionsgesundheit, Hilfe bei der Wohnungssuche und Ausbildungsplätze finden (siehe Übergang zur Erwachsenenversorgung).

Opportunistischen Infektionen vorbeugen

Um einer Pneumocystis-Pneumonie vorzubeugen, verabreichen Ärzte Kindern mit HIV-Infektion das Antibiotikum Trimethoprim/Sulfamethoxazol, abhängig von ihrem Alter und der CD4-Zahl (der Anzahl einer bestimmten Art von Blutzellen, die CD4-Lymphozyten genannt werden) oder dem CD4-Prozentanteil (dem Anteil der weißen Blutkörperchen, die CD4-Lymphozyten sind). Alle Säuglinge, die von HIV-infizierten Frauen entbunden wurden, erhalten ab der 4. bis 6. Lebenswoche Trimethoprim/Sulfamethoxazol, bis Tests zeigen, dass sie nicht infiziert sind. Kindern, die Trimethoprim/Sulfamethoxazol nicht vertragen, können stattdessen die Medikamente Dapson, Atovaquon oder Pentamidin verabreicht werden.

Kinder mit deutlich geschwächtem Immunsystem erhalten zudem das Antibiotikum Azithromycin oder Clarithromycin, um einer Infektion mit dem Mycobacterium-avium-Komplex vorzubeugen, je nachdem, wie alt sie sind und welchen CD4-Wert sie haben. Rifabutin ist ein alternatives Antibiotikum.

Grundimmunisierungen im Kindesalter

Praktisch alle HIV-infizierten Kinder sollten die Grundimmunisierungen im Kindesalter erhalten, unter anderem:

Nirsevimab ist ein Medikament, das Antikörper gegen das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) enthält und Säuglingen mit HIV verabreicht werden sollte, deren Mutter während der Schwangerschaft keine angemessene RSV-Impfung erhalten hat.

Eine jährliche Grippeimpfung mit inaktivierten oder Lebendimpfstoffen wird auch für die Haushaltsmitglieder empfohlen.

Manche Impfstoffe enthalten lebende Bakterien, z. B. der BCG-Impfstoff gegen das Bakterium Bacillus Calmette-Guérin (der in einigen Ländern außerhalb der USA zur Vorbeugung gegen Tuberkulose verwendet wird), oder Lebendviren, beispielsweise die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung (die in den USA nicht mehr verfügbar ist, aber in anderen Teilen der Welt immer noch verabreicht wird). Diese können bei HIV-infizierten Kindern mit stark geschwächtem Immunsystem schwere oder tödliche Krankheiten auslösen. Die Lebendimpfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR) und Windpocken (Varizellen) sowie die in einigen Teilen der Welt verabreichten Lebendimpfstoffe gegen Gelbfieber, Japanische Enzephalitis und Dengue-Fieber werden hingegen für HIV-infizierte Kinder empfohlen, deren Immunsystem nicht stark geschwächt ist oder die keine Symptome der HIV-Infektion zeigen.

Impfungen können bei Kindern mit HIV-Infektion weniger wirksam sein, da das Virus ihr Immunsystem schädigt. HIV-infizierte Kinder mit sehr niedrigem CD4+-Wert gelten als anfällig für Krankheiten, die durch Impfstoffe verhindert werden können, wenn sie einem entsprechenden Erreger ausgesetzt sind (z. B. Masern, Tetanus oder Windpocken), unabhängig davon, ob sie gegen die jeweilige Krankheit geimpft wurden. Um das Immunsystem zu stärken und dadurch schwere oder wiederkehrende bakterielle Infektionen zu verhindern, verabreichen Ärzte diesen Kindern intravenös (in eine Vene) Immunglobulin. Intravenöses Immunglobulin ist eine aufgereinigte Lösung mit Antikörpern, die von freiwilligen Spendern gewonnen wurden. Ärzte verabreichen auch allen nicht geimpften Personen im Haushalt, die Kontakt mit an Masern erkrankten Personen haben, intravenöses Immunglobulin oder impfen sie umgehend mit dem Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff.

Soziale Probleme

Kinder mit einer HIV-Infektion sollten ohne Einschränkungen zur Schule gehen dürfen, und es sollten auch hinsichtlich Pflegeunterbringung, Adoption oder Kinderbetreuung keine Einschränkungen gelten.

Wie umfassend und wann die Kinder über ihre Krankheit informiert werden, hängt von ihrem Alter und ihrer Reife ab. Ältere Kinder und Jugendliche sollten über ihre Diagnose und die Möglichkeit einer sexuellen Übertragung aufgeklärt und entsprechend beraten werden. Schuldgefühle (insbesondere bei älteren Kindern und Jugendlichen) treten häufig auf. Jeder in der Familie, der depressiv wird, sollte eine psychologische Betreuung erhalten.

Familien sind möglicherweise nicht bereit, die Diagnose mit Personen außerhalb des engen Familienkreises zu teilen, da dies soziale Isolation und Depression bei den betroffenen Kindern und ihren Familienmitgliedern verursachen kann. Da eine HIV-Infektion mit Stigma und Diskriminierung belegt ist und aufgrund der routinemäßig üblichen Vorsichtsmaßnahmen an Schulen und in Tagesstätten und aufgrund der Tatsache, dass die Gefahr einer Übertragung auf andere Kinder extrem unwahrscheinlich ist, ist es auch nicht nötig, dass außer den Eltern, dem behandelnden Arzt und gegebenenfalls dem Schularzt andere Personen um die HIV-Infektion des Kindes wissen.

Kinder mit einer HIV-Infektion sollten an so vielen normalen kindlichen Aktivitäten teilnehmen, wie es ihre körperliche Verfassung zulässt. Der Austausch mit anderen Kindern fördert ihre soziale Entwicklung und ihre Selbstachtung.

Übergang zur Erwachsenenversorgung bei Jugendlichen mit HIV-Infektion

Wenn Jugendliche mit HIV-Infektion ein bestimmtes Alter erreichen (üblicherweise zwischen 18 und 21 Jahren), wechseln sie von der pädiatrischen Versorgung in die Erwachsenenversorgung. Die medizinische Versorgung von Erwachsenen unterscheidet sich stark von der pädiatrischen Versorgung, und der Übergang sollte im Voraus langfristig geplant werden.

Die pädiatrische Gesundheitsversorgung ist tendenziell eher familienorientiert, und das medizinische Team setzt sich aus Ärzten, Pflegepersonen, Sozialarbeitern und Psychologen zusammen. Unter Umständen werden Jugendliche, die sich bei der Geburt infiziert haben, ihr gesamtes Leben lang von einem solchen multidisziplinären Team betreut.

Die typische Gesundheitsversorgung von Erwachsenen zielt dagegen auf die Person selbst ab, und die beteiligten medizinischen Fachkräfte befinden sich möglicherweise in getrennten Praxen, sodass viele Termine bei verschiedenen Ärzten notwendig sind. Mit der Erwachsenenversorgung betraute medizinische Fachkräfte in Kliniken und Praxen haben es häufig mit hohem Patientenaufkommen zu tun, und die Konsequenzen von Verspätungen oder versäumten Terminen (was bei Jugendlichen unter Umständen häufiger vorkommt) sind strenger.

Es kann helfen, den Übergang über mehrere Monate hinweg zu planen und die pädiatrischen medizinischen Fachkräfte sowie die in die Erwachsenenbetreuung involvierten Personen in Gespräche oder Termine mit den Jugendlichen einzubeziehen, um den Übergang reibungsloser und erfolgreicher zu gestalten.

Prognose für Kinder und Jugendliche mit HIV-Infektion

Vor der Verfügbarkeit der antiretroviralen Therapie (ART) starben 10 bis 20 Prozent der Kinder in Industrieländern und vermutlich 60 bis 70 Prozent der Kinder in Entwicklungsländern vor Erreichen des 5. Lebensjahres. Dank der ART leben heute die meisten Kinder, die mit einer HIV-Infektion geboren wurden, bis ins Erwachsenenalter. Immer mehr dieser jungen Erwachsenen, die bei der Geburt infiziert wurden, haben bereits selbst Kinder zur Welt gebracht bzw. Nachwuchs gezeugt.

Wenn Kinder mit HIV-Infektion keine ART erhalten, treten opportunistische Infektionen auf, insbesondere die Pneumocystis-Pneumonie, und die Prognose ist schlecht. Die Pneumocystis-Pneumonie verläuft bei 5 bis 30 Prozent der behandelten Kinder und bei nahezu 100 Prozent der unbehandelten Kinder tödlich. Auch Kinder, bei denen die HIV-Infektion früh (in der ersten Lebenswoche) festgestellt wird oder die in ihrem ersten Lebensjahr Symptome entwickeln, haben eine schlechtere Prognose, wenn sie keine ART erhalten.

Wegen der Art und Weise, wie HIV sich in den Körperzellen verborgen hält, wird mit Medikamenten keine 100-prozentige Eliminierung des Virus aus dem Körper erreicht. Auch wenn das Virus in Tests nicht mehr nachweisbar ist, verbleiben einige Viren im Zellinneren. Bis heute gibt es keine Heilung für eine HIV-Infektion, und es ist noch nicht klar, ob eine Heilung überhaupt möglich ist. Was man aber weiß, ist, dass die HIV-Infektion eine behandelbare Infektion ist und dass ein langfristiges Überleben mit einer effektiven ART möglich ist.

Ärzte empfehlen, die ART in keinem Alter zu unterbrechen.

Vorbeugung gegen HIV-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen

Siehe auch prophylaktische Behandlung nach einer Exposition.

Vorbeugung der Übertragung von infizierten Mutter auf das Kind

Die aktuelle vorbeugende Therapie für infizierte Schwangere kann das Übertragungsrisiko hochwirksam minimieren. Schwangere mit einer HIV-Infektion sollten mit einer antiretroviralen Therapie (ART) beginnen, sobald die HIV-Infektion diagnostiziert wird und sie bereit sind, die Therapie wie verordnet zu befolgen. Schwangere mit HIV-Infektion, die bereits eine ART erhalten, sollten diese Therapie während der gesamten Schwangerschaft fortsetzen. Schwangere mit HIV-Infektion sollten die ART auch fortsetzen, wenn sie versuchen, schwanger zu werden.

Zusätzlich zur ART wird den werdenden Müttern manchmal während der Wehen und der Entbindung über die Vene (intravenös) das antiretrovirale Medikament Zidovudin (ZDV) verabreicht. ZDV wird dem HIV-infizierten Neugeborenen dann zweimal täglich während der ersten 2 Lebenswochen verabreicht (mitunter über 4 bis 6 Wochen zusammen mit zusätzlichen antiviralen Medikamenten bei bestimmten Neugeborenen, die ein größeres Risiko haben, sich mit HIV anzustecken). Durch diese Kombinationstherapie mit ART-Medikamenten für Mutter und Kind lässt sich die Übertragungsrate von etwa 25 auf 1 Prozent oder weniger senken. Auch ein vor dem Einsetzen der Wehen durchgeführter Kaiserschnitt, kann das Risiko für die Übertragung der HIV-Infektion auf das Neugeborene senken. Ein Kaiserschnitt kann Frauen empfohlen werden, die eine Infektion haben, die mit ART schlecht kontrollierbar ist. Nach der Entbindung wird die ART bei allen Frauen mit einer HIV-Infektion fortgesetzt.

HIV kann während des Stillens und in der Muttermilch übertragen werden, das Risiko ist jedoch sehr gering. Mütter, die stillen möchten, sollten sich bei ihrer Entscheidung von medizinischen Fachkräften beraten lassen.

In Ländern, in denen die Risiken für Unterernährung und Infektionen hoch sind und keine sichere, bezahlbare Säuglingsnahrung oder pasteurisierte Spendermuttermilch von einer Frauenmilchbank verfügbar ist, wiegen die Vorteile des Stillens das Risiko einer HIV-Übertragung auf. In diesen Ländern können Mütter mit einer HIV-Infektion, die ärztlich überwacht werden, ihre Kinder mindestens für die ersten 12 Lebensmonate stillen. Der Arzt kann sich dafür entscheiden, dem Säugling während der gesamten Stillzeit eine ART (z B. Nevirapin oder Lamivudin) zu verabreichen.

Mütter mit einer HIV-Infektion dürfen ihre Muttermilch nicht an Milchbanken spenden.

Mütter mit einer HIV-Infektion sollten die Nahrung für ihre Säuglinge nicht vorkauen, da ein geringes Risiko besteht, dass der Virus in den oralen Körperflüssigkeiten der Mutter enthalten ist und die Nahrung kontaminiert (z. B., wenn die Mutter offene Wunden im Mund oder Zahnfleischbluten hat).

Vorbeugung der Übertragung von infizierten Kindern auf andere

Da der HIV-Status von Kindern nicht immer bekannt ist, sollten alle Schulen und Kindergärten spezielle Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Unfällen oder Nasenbluten sowie in Bezug auf die Reinigung und Desinfizierung von mit Blut kontaminierten Oberflächen ergreifen.

Während der Reinigung sollte das Personal vermeiden, dass die Haut mit Blut in Kontakt kommt. Es sollten stets Latexhandschuhe zur Verfügung stehen; außerdem sollten die Hände nach Entfernen der Handschuhe gewaschen werden.

Kontaminierte Oberflächen sollten mit einer frisch bereiteten Bleichlösung gesäubert und desinfiziert werden, wobei 1 Teil Haushaltsbleichmittel mit 10 bis 100 Teilen Wasser gemischt werden sollte.

Diese Maßnahmen werden als universelle Vorsichtsmaßnahmen bezeichnet und sind nicht nur bei Kindern mit HIV-Infektion, sondern bei allen Kindern und in allen Situationen, in denen es zu Blutkontakt kommen kann, zu befolgen.

Da eine HIV-Infektion nicht durch Speichel oder Tränen übertragen wird, sollten HIV-infizierte Kinder ohne Einschränkungen an allen Aktivitäten in der Schule oder Tagesstätte teilnehmen dürfen. Bei einem kleinen Kind mit einer HIV-Infektion, das möglicherweise ein erhöhtes Risiko für andere darstellt, z. B., weil es offene Hautwunden hat oder andere aggressiv beißt, sollten jedoch besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.

Kindern mit einer HIV-Infektion sollten gute Hygiene und Verhaltensweisen beigebracht werden (z. B. Händewaschen, sofortige Wundversorgung und darauf achten, persönliche Gegenstände wie Rasierer oder Zahnbürsten nicht zu teilen), um das Risiko für andere zu verringern.

Vorbeugung vor einer Übertragung für Jugendliche

Die Vorbeugung bei Jugendlichen entspricht der Vorbeugung für Erwachsene.

Alle Jugendlichen sollten Zugang zu HIV-Tests haben und darüber aufgeklärt werden, wie HIV übertragen wird und mit welchen Mitteln einer Infektion vorgebeugt werden kann, einschließlich einer Aufklärung darüber, hochriskantes Verhalten (wie das gemeinsame Benutzen von infizierten Nadeln) und sichere Sexualpraktiken anzuwenden. Es sollten Anstrengungen unternommen werden, um Jugendliche mit einem hohen Risiko für eine HIV-Infektion einzubeziehen, wie z. B. schwarze und hispanische junge Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben.

Prophylaktische Behandlung vor der Exposition

Die Einnahme eines antiretroviralen Arzneimittels vor einem Kontakt mit dem HI-Virus kann das HIV-Infektionsrisiko senken. Eine solche Präventivbehandlung wird als Präexpositionsprophylaxe (PrEP) bezeichnet. PrEP-Medikamente umfassen Tenofovirdisoproxilfumarat/Emtricitabin (TDF/FTC), Tenofoviralafenamid/Emtricitabin (TAF/FTC), Lenacapavir und Cabotegravir.

PrEP ist am wirksamsten, wenn die Medikamente täglich oder wie verschrieben eingenommen werden, kann aber teuer sein. Daher wird PrEP am häufigsten für Personen empfohlen, die nicht mit HIV infiziert sind, aber ein hohes Risiko für eine Infektion haben, wie etwa Personen (einschließlich älterer Jugendlicher), die einen Sexualpartner haben, der mit HIV infiziert ist, Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben, und Menschen, die Transgender sind. Jugendliche mit einem Risiko für eine HIV-Infektion können ebenfalls PrEP erhalten (insbesondere, wenn sie sexuell aktiv sind), aber aufgrund von Problemen hinsichtlich der Vertraulichkeit und der hohen Kosten kann es für Jugendliche schwieriger sein, PrEP zu erhalten, als für Erwachsene.

Personen, die PrEP anwenden, müssen dennoch andere Methoden anwenden, um sich vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) oder blutübertragenen Infektionen (z. B. Hepatitis B und Hepatitis C) zu schützen. Dazu gehört auch, konsequent Kondome zu verwenden und keine Spritzen zur Injektion von Drogen zu teilen.

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