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Diarrhö

Von

Jonathan Gotfried

, MD, Lewis Katz School of Medicine at Temple University

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2020
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Quellen zum Thema

Stuhl besteht zu 60–90% aus Wasser. In der westlichen Welt beträgt die Stuhlmenge bei gesunden Erwachsenen 100–200 g/Tag und bei Kindern 10 g/kg/Tag, in Abhängigkeit vom Gehalt an nichtresorbierbaren Nahrungsbestandteilen (hauptsächlich Kohlenhydraten). Durchfall ist als Stuhlgewicht > 200 g/Tag definiert. Allerdings bezeichnen viele Menschen jede Form von flüssigerem Stuhl als Durchfall. Andererseits haben viele Menschen, die Ballaststoffe zuführen, einen massigen, aber geformten Stuhl, den sie selbst nicht als Durchfall ansehen.

Die häufige Passage kleiner Stuhlvolumina, wie sie bei Patienten mit Tenesmus (rektale Dringlichkeit) auftreten kann, sollte von Diarrhö unterschieden werden. Ebenso kann Stuhlinkontinenz Stuhlinkontinenz Als Stuhlinkontinenz bezeichnet man die unwillürliche Defäkation. (Siehe auch Abklärung von Anorektalkrankheiten) Eine Stuhlinkontinenz kann in der Folge von Verletzungen oder bei Krankheiten... Erfahren Sie mehr mit Durchfall verwechselt werden. Allerdings kann Durchfall zu einer deutlichen Verschlechterung der Stuhlinkontinenz führen.

Komplikationen von Durchfall

Komplikationen können durch Diarrhöen jeglicher Ätiologie entstehen. Es können Flüssigkeitsverlust mit folgender Dehydration, Elektrolytverlust (Natrium, Kalium, Magnesium, Chlorid) und sogar Kreislaufkollaps auftreten. Ein solcher Kollaps kann sich sehr schnell bei Patienten entwickeln, die unter einer schweren Diarrhö leiden (z. B. Patienten mit Cholera), oder bei sehr jungen, sehr alten oder entkräfteten Patienten. Ein Verlust von Bicarbonat kann zu einer metabolischen Azidose Metabolische Azidose Eine metabolische Azidose ist eine primäre Verminderung von Bicarbonat (HCO3−), die typischerweise mit einem kompensatorischem Abfall des Carbondioxid-Partialdrucks (PCO2) auftritt. Der pH-Wert... Erfahren Sie mehr führen. Eine Hypokaliämie Hypokaliämie Hypokalämie ist eine Serumkaliumkonzentration 3,5 mEq/l, welche durch eine Verminderung der im Körper gespeicherten Gesamtkaliummenge oder die pathologische Verschiebung von Kalium in die Zellen... Erfahren Sie mehr kann dann auftreten, wenn Patienten eine schwere oder chronische Diarrhö haben oder wenn der Stuhl exzessiv Mukus enthält. Eine Hypomagnesiämie Hypomagnesiämie Hypomagnesiämie tritt bei Serummagnesiumkonzentrationen 1,8 mg/dl ( 0,70 mmol/l) auf. Die Ursachen sind eine inadäquate Magnesiumaufnahme und -absorption oder eine erhöhte Ausscheidung im Rahmen... Erfahren Sie mehr nach lange bestehender Diarrhö kann zur Tetanie führen.

Ätiologie

Normalerweise resorbieren Dünndarm und Dickdarm 99% der Flüssigkeit, die aus oraler Aufnahme und gastrointestinalen Sekreten stammt – insgesamt eine Flüssigkeitsmenge von etwa 9–10 l täglich. So können auch kleine Reduzierungen (d. h. 1%) bei der Resorption von Wasser im Darm oder eine Steigerung der Sekretion den Wassergehalt ausreichend erhöhen, um Durchfall zu verursachen.

Es gibt eine Reihe von Ursachen für Durchfall (siehe Tabelle: Einige Ursachen für Durchfall* Einige Ursachen für Durchfall* Stuhl besteht zu 60–90% aus Wasser. In der westlichen Welt beträgt die Stuhlmenge bei gesunden Erwachsenen 100–200 g/Tag und bei Kindern 10 g/kg/Tag, in Abhängigkeit vom Gehalt an nichtresorbierbaren... Erfahren Sie mehr ). Mehrere grundlegende Mechanismen verursachen die meisten klinisch signifikanten Durchfälle. Die drei häufigsten sind: erhöhte osmotische Belastung, erhöhte Sekretion/verringerte Absorption und verringerte Kontaktzeit/Fläche. Bei vielen Erkrankungen ist mehr als ein Mechanismus aktiv. Diarrhö bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Übersicht zu entzündlichen Darmerkrankheiten Entzündliche Darmkrankheiten (IBD), zu denen der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa gehören, sind mit Remissionen und Rückfällen einhergehende chronische Entzündungen in unterschiedlichen... Erfahren Sie mehr zum Beispiel resultiert aus der Entzündung der Mukosa, der Exsudation in das Lumen und aus mehreren sekretionsanregenden Substanzen und bakteriellen Toxinen, die die Enterozytenfunktion beeinflussen.

Osmotische Belastung

Eine Diarrhö entsteht immer dann, wenn nichtresorbierbare, wasserlösliche, in Lösung gegangene Bestandteile im Darm verbleiben und Wasser zurückhalten. Solche löslichen Bestandteile bestehen aus Polyethylenglykol, Magnesiumsalzen (Hydroxid und Sulfat) und Natriumphosphat, die auch als Laxanzien eingesetzt werden. Eine osmotische Diarrhö tritt bei Zuckerintoleranz auf (z. B. Laktoseintoleranz Kohlenhydratintoleranz Unter Kohlenhydratintoleranz verstehen wir die Unfähigkeit, bestimmte Kohlenhydrate zu verdauen. Die Ursache ist ein Mangel an einem oder mehreren Enzymen des Darms. Zu den Symptomen gehören... Erfahren Sie mehr verursacht durch eine Laktasedefizienz). Die Aufnahme von großen Mengen von Hexitol (z. B. Sorbitol, Mannitol, Xylitol) oder Maissirup mit hohem Fruktosegehalt, die in Zuckerersatzmitteln, in Süßigkeiten, Kaugummi und Fruchtsäften enthalten sind, verursacht eine osmotische Diarrhö, weil Hexitol nur schwer resorbiert wird. Lactulose, die als Abführmittel angewandt wird, verursacht Diarrhö durch einen ähnlichen Mechanismus. Eine übermäßige Einnahme von bestimmten Nahrungsmitteln (siehe Tabelle: Einige Ursachen für Durchfall* Einige Ursachen für Durchfall* Stuhl besteht zu 60–90% aus Wasser. In der westlichen Welt beträgt die Stuhlmenge bei gesunden Erwachsenen 100–200 g/Tag und bei Kindern 10 g/kg/Tag, in Abhängigkeit vom Gehalt an nichtresorbierbaren... Erfahren Sie mehr ) kann eine osmotische Diarrhö verursachen.

Erhöhte Sekretion

Eine Diarrhö entsteht, wenn der Darm mehr Elektrolyte und Wasser sezerniert, als er resorbieren kann. Ursachen für eine erhöhte Sekretion sind Infektionen, nicht resorbierte Fette, bestimmte Medikamente und verschiedene intrinsische und extrinsische sekretionsanregende Substanzen.

Infektionen (z. B. Gastroenteritis Gastroenteritis Unter einer Gastroenteritis verstehen wir eine Entzündung der Schleimhautauskleidung von Magen, Dünn- und Dickdarm. Die meisten Fälle sind infektiös, wenngleich eine Gastroenteritis auch nach... Erfahren Sie mehr ) sind die häufigste Ursache für sekretorische Diarrhö. Infektionen in Kombination mit Lebensmittelvergiftung sind die häufigste Ursache für akute Diarrhö (< 4 Tage Dauer). Die meisten Enterotoxine blockieren den Natrium-Kalium-Austausch, der eine wichtige treibende Kraft für die Flüssigkeitsaufnahme in den Dünndarm und Dickdarm darstellt.

Medikamente können die Darmsekretion direkt stimulieren (z. B. Chinidin, Chinin, Colchicin, anthrachinonhaltige Abführmittel, Rizinusöl, Prostaglandine) oder indirekt durch die Beeinträchtigung der Fettaufnahme (z. B. Orlistat).

Verschiedene endokrine Tumoren produzieren sekretanregende Substanzen, inkl. Vipomen VIPom Ein VIPom ist ein pankreatischer Nicht-Beta-Inselzelltumor, der vasoaktives intestinales Peptid (VIP) sezerniert und zu einem Symptomenkomplex mit wässriger Diarrhö, Hypokaliämie und Achlorhydrie... Erfahren Sie mehr (vasoaktive intestinale Peptide), Gastrinomen Gastrinom Ein Gastrinom wird durch einen meist in Pankreas oder Duodenalwand lokalisierten gastrinproduzierenden Tumor verursacht. Eine Hypersekretion von Magensäure und aggressive, refraktäre peptische... Erfahren Sie mehr (Gastrin), Mastozytose Mastozytose Die Mastozytose ist eine Mastzellinfiltration der Haut oder anderer Gewebe und Organe. Die Symptome sind hauptsächlich auf die Freisetzung von Mediatoren zurückzuführen und äußern sich als Pruritus... Erfahren Sie mehr  Mastozytose (Histamin), medullären Karzinome der Schilddrüse Medulläre Schilddrüsenkarzinome Es gibt generell vier Arten von Schilddrüsenkrebs Die meisten Schilddrüsenkarzinome manifestoeren sich als asymptomatische Knoten. Sehr selten verursachen Metastasen in Lymphknoten, der Lunge... Erfahren Sie mehr (Calcitoninund Prostaglandine) und Karzinoidtumoren Übersicht zu Karzinoidtumoren Karzinoidtumoren (neuroendokrine Tumoren) entwickeln sich aus neuroendokrinen Zellen des Gastrointestinaltrakts (90%), des Pankreas und der Bronchien der Lunge. Mehr als 95% aller gastrointestinalen... Erfahren Sie mehr (Histamin, Serotonin und Polypeptide). Einige dieser Mediatoren (z. B. Prostaglandine, Serotonin, verwandte Verbindungen) beschleunigen ebenfalls die intestinale Transportzeit, die Darmpassage oder beides.

Eine beeinträchtigte Absorption von Gallensalzen, die mit mehreren Störungen auftreten kann, kann Durchfall verursachen, indem Wasser- und Elektrolyt-Sekretion stimuliert wird. Die Stuhlgänge haben eine grüne oder orange Farbe.

Reduzierte Kontaktzeit/Oberfläche

Schnelle Darmpassage und verminderte Oberfläche beeinträchtigen die Flüssigkeitsaufnahme und verursachen Durchfall. Häufige Ursachen sind eine Dünndarm- oder große Darmresektion oder ein Bypass, eine Magenresektion und chronisch entzündliche Darmerkrankungen Übersicht zu entzündlichen Darmerkrankheiten Entzündliche Darmkrankheiten (IBD), zu denen der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa gehören, sind mit Remissionen und Rückfällen einhergehende chronische Entzündungen in unterschiedlichen... Erfahren Sie mehr . Andere Ursachen sind mikroskopische Kolitis (kollagene oder lymphatische Kolitis) und Zöliakie Zöliakie Zöliakie ist eine immunologisch vermittelte Krankheit bei genetisch empfänglichen Personen. Sie wird verursacht durch eine Intoleranz gegenüber Gluten, die zu Darmschleimhautentzündung, Zottenatrophie... Erfahren Sie mehr  Zöliakie . Eine Schilddrüsenüberfunktion kann aufgrund einer schnellen Passage zu Durchfall führen.

Die Stimulation der intestinalen glatten Muskulatur durch Medikamente (z. B. magnesiumhaltige Antazida, Abführmittel, Cholinesterasehemmer, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder humorale Substanzen (z. B. Prostaglandine, Serotonin) kann ebenfalls die Passage beschleunigen.

Tabelle
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Tabelle
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Abklärung

Anamnese

Die Anamnese der derzeit bestehenden Erkrankung sollte Dauer und Schweregrad der Diarrhö feststellen, die Begleitumstände ihrer Manifestation (inkl. kürzlich zurückliegender Reisen, Art der aufgenommenen Nahrung, Qualität des Trinkwassers), Medikamentengebrauch (z. B. Antibiotika während der vorausgegangenen 3 Monate), Bauchschmerzen oder Erbrechen, Häufigkeit und zeitliches Auftreten von Stuhlgang, Veränderungen der Stuhlbeschaffenheit (z. B. Beimengungen von Blut, Eiter oder Schleim; Veränderungen in Farbe und Konsistenz; Auftreten von Steatorrhö), Veränderungen von Körpergewicht oder Appetit, Stuhldrang oder Tenesmen. Das gleichzeitige Auftreten von Diarrhö bei engen Kontaktpersonen sollte erfasst werden. Ärzte sollten insbesondere nach Veränderungen bei Medikamenten fragen, die Durchfall verursachen können.

Eine Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen suchen, die mögliche Ursachen nahelegen, darunter Gelenkschmerzen (entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie), Hautrötung (Karzinoid, Vipom, Mastozytose), chronische Bauchschmerzen (Reizdarm, entzündliche Darmerkrankungen, Gastrinom) und gastrointestinale Blutungen (Colitis ulcerosa, Tumor).

Die Eigenanamnese sollte versuchen, die bekannten Risikofaktoren für Diarrhö, inkl. entzündliche Darmerkrankungen, Reizdarm, HIV-Infektion und frühere chirurgische Eingriffe (z. B. Darm- oder Magenbypass oder -resektion, Pankreasresektion), zu identifizieren. Die Familien- und Sozialanamnese sollte das gleichzeitige Auftreten von Durchfall bei engen Kontaktpersonen erfragen.

Körperliche Untersuchung

Es sollte der Hydrierungszustand des Patienten beurteilt werden. Bei der Ganzkörperuntersuchung wird besonders das Abdomen inspiziert, inkl. einer rektalen Untersuchung zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit des Sphinkters; ein Test zum Nachweis von okkultem Blut ist wichtig.

Warnhinweise

Bestimmte Befunde begründen den Verdacht auf eine organische oder ernste Ätiologie der Diarrhö:

  • Blut oder Eiter im Stuhl

  • Fieber

  • Anzeichen von Dehydratation

  • Chronische Diarrhö

  • Gewichtsverlust

Interpretation der Befunde

Akuter, wässriger Durchfall bei einem ansonsten gesunden Menschen ist wahrscheinlich infektiöser Ätiologie, insbesondere, wenn Reisen, möglicherweise verdorbene Nahrung oder eine Punktquelle für den Ausbruch ursächlich sind.

Akuter, blutiger Durchfall mit oder ohne hämodynamischer Instabilität bei einem ansonsten gesunden Menschen lässt eine enteroinvasive Infektion vermuten. Divertikelblutung und ischämische Kolitis manifestieren sich ebenfalls durch akuten, blutigen Durchfall. Wiederkehrende Anfälle von blutigem Durchfall bei einer jüngeren Person legen den Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung Übersicht zu entzündlichen Darmerkrankheiten Entzündliche Darmkrankheiten (IBD), zu denen der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa gehören, sind mit Remissionen und Rückfällen einhergehende chronische Entzündungen in unterschiedlichen... Erfahren Sie mehr nahe.

Bei fehlender Verwendung von Laxanzien ist großvolumiger Durchfall (z. B. tägliches Stuhlvolumen > 1 l/Tag) bei Patienten mit normaler gastrointestinaler Anatomie dringend verdächtig auf einen endokrinen Tumor. Öltröpfchen im Stuhl in der Anamnese lassen eine Malabsorption Übersicht Malabsorption Unter Malabsorption versteht man eine inadäquate Assimilation von Nahrungsbestandteilen infolge von Störungen der Verdauung, der Resorption und des Transports. Die Malabsorption kann Makronährstoffe... Erfahren Sie mehr vermuten, vor allem wenn damit Gewichtsverlust assoziiert ist.

Durchfall, der konsequent nach Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel (z. B. Fette) auftritt, begründet den Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Die kürzliche Anwendung von Antibiotika sollte immer auch an eine antibiotikaassoziierte Diarrhö, einschließlich einer Clostridioides-difficile-Kolitis Clostridioides (formerly, Clostridium) difficile-induzierte Diarrhö Durch Clostridioides difficile-Stämme im Gastrointestinaltrakt gebildete Toxine verursachen eine pseudomembranöse Kolitis, typischerweise nach der Einnahme von Antibiotika. Die Symptome bestehen... Erfahren Sie mehr (früher Clostridium difficile), denken lassen.

Diatthö mit grünem oder orangefarbenem Stuhl legt eine beeinträchtigte Absorption von Gallensalzen nahe.

Diese Symptome können hilfreich bei der Identifizierung des betroffenen Darmabschnittes sein. Generell ist der Stuhl bei Erkrankungen des Dünndarms voluminös, wässrig oder fettig. Bei Erkrankungen des Kolons sind die Stuhlentleerungen häufig, z. T. nur in geringen Mengen und möglicherweise begleitet von Blut, Schleim, Eiter oder abdominellen Schmerzen.

Bei einem Reizdarmsyndrom Reizdarmsyndrom (IBS) Das Reizdarmsyndrom ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Bauchbeschwerden oder Schmerzen mit mindestens zwei der folgenden Merkmale: Beziehung zum Stuhlgang, Assoziation mit einer Änderung... Erfahren Sie mehr (IBS, Bauchschmerzen ist im Zusammenhang mit Stuhlgang, verbunden mit Veränderungen in der Stuhlfrequenz oder Konsistenz, oder beides. Allerdings sind diese Symptome allein nicht geeignet, ein Reizdarmsyndrom von anderen Erkrankungen (z. B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen) zu unterscheiden. Die funktionelle Diarrhö ist durch lockeren oder wässrigen Stuhl gekennzeichnet, der mindestens 6 Monate vor der Diagnose einsetzt und während der letzten 3 Monate vorhanden war. Diese Patienten erfüllen nicht die Kriterien für ein Reizdarmsyndrom; sie können Bauchschmerzen und/oder Blähungen haben, aber dies sind keine vorherrschenden Symptome (1 Evaluationshinweis Stuhl besteht zu 60–90% aus Wasser. In der westlichen Welt beträgt die Stuhlmenge bei gesunden Erwachsenen 100–200 g/Tag und bei Kindern 10 g/kg/Tag, in Abhängigkeit vom Gehalt an nichtresorbierbaren... Erfahren Sie mehr ). Ein Reizdarmsyndrom mit Durchfall entwickelt sich manchmal bei Patienten nach einer akuten Darminfektion (postinfektiöses Reizdarmsyndrom).

Möglicherweise wichtige ätiologische Hinweise können extraabdominelle Befunde liefern, inkl. Hautveränderungen oder Auftreten von Flush (Mastozytose Mastozytose Die Mastozytose ist eine Mastzellinfiltration der Haut oder anderer Gewebe und Organe. Die Symptome sind hauptsächlich auf die Freisetzung von Mediatoren zurückzuführen und äußern sich als Pruritus... Erfahren Sie mehr  Mastozytose ), Knoten in der Schilddrüse (medulläres Schilddrüsenkarzinom Medulläre Schilddrüsenkarzinome Es gibt generell vier Arten von Schilddrüsenkrebs Die meisten Schilddrüsenkarzinome manifestoeren sich als asymptomatische Knoten. Sehr selten verursachen Metastasen in Lymphknoten, der Lunge... Erfahren Sie mehr ), Herzgeräusche auf der rechten Seite (Karzinoid), Vergrößerung von Lymphknoten (Lymphome Lymphome im Überblick Lymphome sind eine heterogene Gruppe von Tumoren, die aus dem retikuloendothelialen und lymphatischen System entstehen. Die Hauptvertreter sind Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL—siehe... Erfahren Sie mehr , AIDS Humane Immundefizienz-Virusinfektion (HIV-Infektion) Eine Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV) kommt durch eines von zwei ähnlichen Retroviren (HIV-1 und HIV-2) zustande, die unter anderem CD4+-Lymphozyten zerstören und die zellvermittelte... Erfahren Sie mehr  Humane Immundefizienz-Virusinfektion (HIV-Infektion) ) und Arthritiden (entzündliche Darmkrankheiten, Zöliakie Zöliakie Zöliakie ist eine immunologisch vermittelte Krankheit bei genetisch empfänglichen Personen. Sie wird verursacht durch eine Intoleranz gegenüber Gluten, die zu Darmschleimhautentzündung, Zottenatrophie... Erfahren Sie mehr  Zöliakie ).

Testsverfahren

Bei akuter Diarrhö (< 4 Tage) sind in der Regel keine Untersuchungen erforderlich. Ausnahmen sind Patienten mit Anzeichen von Dehydratation, blutigem Stuhl, Fieber, starken Schmerzen, Hypotonie oder toxischen Symptomen – insbesondere diejenigen, die sehr jung oder sehr alt sind. Bei diesen Patienten sollten vollständiges Blutbild, Elektrolyte, Harnstickstoffwerte und Kreatinin kontrolliert werden. Stuhlproben sollten für Mikroskopie, Kulturen und, falls kürzlich Antibiotika angewendet wurden, für einen C. difficile-Toxinassay gesammelt werden.

Eine chronische Diarrhö (> 4 Wochen) erfordert eine eingehende Evaluation, ebenso eine kürzere Episode einer Diarrhö (1–3 Wochen) bei immunkompromittierten und schwer krank erscheinenden Patienten. Die diagnostische Beurteilung sollte sich nach Möglichkeit an der Anamnese und der körperlichen Untersuchung orientieren. Wenn dieser Ansatz weder eine Diagnose noch eine Richtung vorgibt, ist ein breiterer Ansatz erforderlich. Die Erstuntersuchung sollte okkultes Blut im Stuhl, Fett (durch Sudan-Färbung oder fäkale Elastase), Elektrolyte (zur Berechnung der osmotischen Lücke im Stuhl) und Giardia-Antigen oder Polymerase-Kettenreaktionstest, ein vollständiges Blutbild mit Differenzialdiagnostik, Zöliakie-Serologie (IgA-Gewebetransglutaminase), schilddrüsenstimulierendes Hormon (TSH) und freies Thyroxin (T4) sowie fäkales Calprotectin oder fäkales Lactoferrin (zum Screening auf entzündliche Darmerkrankungen [IBD]) umfassen. Die Leitlinien der American Gastroenterological Association von 2019 zur Laborbewertung von funktioneller Diarrhöe und Diarrhöe-prädominantem IBS (IBS-D) empfehlen einen Schwellenwert von 50 mcg/g für fäkales Calprotectin oder einen Bereich von 4,0 bis 7,25 mcg/g für fäkales Lactoferrin, um die Sensitivität für IBD zu optimieren. Die mikroskopische Untersuchung auf Eizellen und Parasiten sollte bei Patienten durchgeführt werden, die vor kurzem in Hochrisikogebiete gereist sind oder aus diesen Gebieten eingewandert sind . Stuhluntersuchungen auf C. difficile sollten bei Patienten mit kürzlicher Antibiotika-Exposition oder bei Verdacht auf eine Infektion mit C. difficile durchgeführt werden. In der Folge sollten auch eine Sigmoido- oder Koloskopie mit Biopsieentnahme zum Ausschluss von entzündlichen Ursachen durchgeführt werden.

Wenn keine offensichtliche Diagnose vorliegt und die Sudan-Färbung oder die fäkale Elastase einen positiven Fettnachweis ergibt, sollte die fäkale Fettmenge bestimmt werden; darüber hinaus werden eine CT-Enterographie des Dünndarms (strukturelle Erkrankung) sowie eine Biopsieentnahme aus dem Dünndarm (Vorliegen von Schleimhauterkrankungen) empfohlen. Wenn diese Ergebnisse nicht zum Ziel führen, sollte bei Patienten mit Steatorrhö unklarer Genese die Untersuchung von Struktur und Funktion des Pankreas in Betracht gezogen werden ( Labortests Labortests Die akute Pankreatitis stellt eine akute Entzündung des Organs dar (und manchmal auch des benachbarten Gewebes) Die häufigsten Auslöser sind Gallensteine und Alkoholkonsum. Die Schwere der akuten... Erfahren Sie mehr  Labortests ). Selten kann eine Kapselendoskopie Läsionen aufdecken, überwiegend bei Morbus Crohn oder einer Enteropathie aufgrund nichtsteroidaler Antirheumatika, die sich durch andere Verfahren nicht identifizieren lassen.

Die osmotische Lücke im Stuhl, die mit 290 2 × (Stuhl-Natrium + Stuhl-Kalium) berechnet wird, zeigt an, ob es sich um eine sekretorische oder osmotische Diarrhö handelt. Eine osmotische Lücke < 50 mEq/l legt eine sekretorische Diarrhö nahe, eine größere Lücke ist verdächtig für eine osmotische Diarrhö. Bei Patienten mit osmotischer Diarrhö kann eine verdeckte Einnahme magnesiumhaltiger Abführmittel (nachweisbar durch Magnesiumwerte im Stuhl) oder eine Kohlenhydrat-Malabsorption (diagnostiziert durch Wasserstoff-Atemtest, Laktase-Assay und Ernährungsprotokoll) vorliegen.

Eine bislang nicht abgeklärte sekretorische Diarrhö erfordert eine Untersuchung auf endokrin bedingte Ursachen (z. B. Plasmagastrin, Calcitonin, VIP-Spiegel, Histamin und 5-Hydroxy-Acetessigsäure [5-HIAA] im Urin). Außerdem sind Untersuchungen auf eine Insuffizienz der Nebennieren erforderlich. Heimlicher Laxanzienabusus muss in Erwägung gezogen werden, dieser kann durch eine fäkale Laxanzienbestimmung ausgeschlossen werden.

Evaluationshinweis

Therapie

  • Flüssigkeit und Elektrolyte gegen Dehydratation

  • Möglicherweise Antidiarrhoika bei unblutiger Diarrhö bei Patienten ohne systemische Toxizität

Eine schwere Diarrhö erfordert Flüssigkeits- und Elektrolytersatz, um Flüssigkeitsverluste, Elektrolytentgleisung und Azidose zu korrigieren. Die parenterale Gabe von Natriumchlorid, Kaliumchlorid und glukosehaltigen Lösungen ist erforderlich. Salze, die einer Übersäuerung entgegenwirken (Natriumlactat, Acetat, Bicarbonat), sind indiziert, wenn HCO3 im Serum < 15 mEq/l (< 15 mmol/l). Eine orale Glukose-Elektrolyt-Lösung kann gegeben werden, wenn der Durchfall nicht schwerwiegend ist und Übelkeit und Erbrechen kaum vorhanden sind ( Lösungen Lösungen Eine orale Flüssigkeitstherapie ist im Vergleich zur Infusionstherapie effektiv, sicher, praktisch und kostengünstig. Die orale Flüssigkeitstherapie wird von der American Adademy of Pediatrics... Erfahren Sie mehr ). Die gleichzeitige orale und parenterale Verabreichung von Flüssigkeit ist bei schweren Wasser- und Elektrolytstörungen erforderlich (z. B. bei Cholera).

Diarrhö ist ein Symptom. Wenn möglich, sollte die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden, aber eine symptomatische Behandlung ist häufig notwendig. Eine Diarrhö kann vermindert werden durch orale Gabe von Loperamid 2–4 mg 3- bis 4-mal täglich (vorzugsweise 30 Minuten vor den Mahlzeiten), Diphenoxylat 2,5–5 mg (Tabletten oder Flüssigkeit) 3- bis 4-mal täglich, Codeinphosphat 15–30 mg oral 2- bis 3-mal täglich oder Elixir paregoricum (kampferhaltige Opiumtinktur) 5–10 ml 1- bis 4-mal täglich.

Weil Medikamente gegen Diarrhö eine C. difficile- Kolitis verschlimmern oder die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines hämolytisch-urämischen Syndroms bei der Shigatoxin-produzierenden Escherichia coli-Infektion erhöhen können, sollten sie bei blutiger Diarrhö unbekannter Ursache nicht angewandt werden. Ihr Einsatz sollte vielmehr auf Patienten mit wässriger Diarrhö und fehlenden Zeichen einer generellen Toxizität beschränkt werden. Allerdings gibt es wenig Beweise für frühere Bedenken, dass Antidiarrhoika die Ausscheidung von bakteriellen Erregern protrahieren.

Psyllium- und Methylcelluloseverbindungen vermehren den Darminhalt. Obwohl sie im Allgemeinen bei Verstopfung verschrieben werden, können diese Substanzen in geringen Dosen auch den Flüssigkeitsgehalt von wässrigem Stuhl vermindern. Kaolin und Pektin absorbieren Flüssigkeit. Osmotisch aktive Nahrungsmittelbestandteile (siehe Tabelle: Diätfaktoren, die eine Diarrhö verschlimmern können Diätfaktoren, die eine Diarrhö verschlimmern können Stuhl besteht zu 60–90% aus Wasser. In der westlichen Welt beträgt die Stuhlmenge bei gesunden Erwachsenen 100–200 g/Tag und bei Kindern 10 g/kg/Tag, in Abhängigkeit vom Gehalt an nichtresorbierbaren... Erfahren Sie mehr ) und stimulatorische Medikamente sollten vermieden werden.

Eluxadolin, das als Mu-Opioidrezeptor-Agonist und Delta-Opioidrezeptor-Antagonist wirkt, kann zur Behandlung von IBS-bedingter Diarrhö eingesetzt werden. Die Dosis beträgt 100 mg 2-mal täglich (75 mg 2-mal täglich, wenn die 100-mg-Dosis nicht toleriert wird). Es sollte nicht bei Patienten angewendet werden, die eine Cholezystektomie hinter sich haben.

Wichtige Punkte

  • Bei Patienten mit akutem Durchfall ist eine Testung nur bei solchen Patienten notwendig, die anhaltende Symptome (d. h. > 1 Woche) haben, bei denen ein Red-Flag-Befund vorliegt, die sehr jung oder sehr alt sind.

  • Vorsichtig sein sollte man bei der Verwendung von Antidiarrhoika, wenn eine C. difficile-Kolitis, eine Salmonella-Infektion oder eine Shigellosis möglich ist.

  • Nach einer akuten infektiösen Enteritis entwickelt sich bei 10% der Patienten ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom.

Weitere Informationen

  • Leitlinien der American Gastroenterological Association zur Laborauswertung von funktioneller Diarrhö und Diarrhö-prädominantem Reizdarmsyndrom bei Erwachsenen (IBS-D)

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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