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Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV) bei Kindern

Von

Geoffrey A. Weinberg

, MD, Golisano Children’s Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2020| Inhalt zuletzt geändert Mai 2020
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Kurzinformationen

Eine Infektion mit humanen Immunschwächeviren (HIV) ist eine Virusinfektion, die schrittweise bestimmte weiße Blutkörperchen zerstört und das erworbene Immunschwächesyndrom (AIDS) auslöst.

  • Eine Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV) wird durch die Viren HIV-1 und HIV-2 ausgelöst. Säuglinge werden meist während der Geburt von ihrer Mutter angesteckt.

  • Anzeichen der Infektion sind verlangsamtes Wachstum, Vergrößerung der Lymphknoten in mehreren Körperbereichen, Entwicklungsverzögerung, wiederkehrende bakterielle Infektionen und Lungenentzündung.

  • Die Diagnose wird mithilfe von speziellen Blutuntersuchungen gestellt.

  • Kinder, die mit einer Anti-HIV-Medikamententherapie (einer antiretroviralen Therapie bzw. ART) behandelt werden, können bis ins Erwachsenenalter überleben.

  • Infizierte Mütter können eine Übertragung der Infektion auf ihre Neugeborenen verhindern, indem sie antiretrovirale Medikamente nehmen und ihrem Kind Säuglingsnahrung geben, anstatt es zu stillen. Bei manchen Frauen könnte auch ein Kaiserschnitt helfen, eine Übertragung der Infektion auf das Kind zu verhindern.

  • Kinder werden mit denselben Medikamenten behandelt wie Erwachsene.

Bzgl. HIV-Infektionen bei Erwachsenen, {blank} Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV).

Es gibt zwei humane Immunschwächeviren:

  • HIV-1

  • HIV-2

Fast überall auf der Welt sind Infektionen mit HIV-1 weitaus häufiger als Infektionen mit HIV-2. Beide zerstören schrittweise bestimmte Typen von weißen Blutkörperchen, die sogenannten Lymphozyten, die eine wichtige Rolle bei der körpereigenen Immunabwehr spielen. Wenn diese Lymphozyten zerstört werden, wird der Körper angreifbar für viele andere Infektionserreger. Viele Symptome und Komplikationen der HIV-Infektion, einschließlich des Todes, sind Folge dieser Sekundärinfektionen und nicht der HIV-Infektion selbst. Eine HIV-Infektion kann verschiedene schwere Infektionen durch Erreger nach sich ziehen, die Menschen mit einem intakten Immunsystem normalerweise nichts anhaben können. Diese werden als opportunistische Infektionen bezeichnet, da sie ein geschwächtes Immunsystem ausnutzen. Opportunistische Infektionen werden durch Viren, Parasiten, Pilze und, bei Kindern möglicherweise häufiger als bei Erwachsenen, auch durch Bakterien verursacht.

Das erworbene Immunschwäche-Syndrom (AIDS) ist die schwerste Form der HIV-Infektion. Bei einem HIV-infizierten Kind wird die Diagnose AIDS gestellt, wenn es zumindest eine opportunistische Infektion aufweist oder die körpereigenen Abwehrkräfte stark geschwächt sind.

Nur etwa 1 Prozent der HIV-positiven Menschen in den USA wurden als Kinder oder Jugendliche mit der Krankheit diagnostiziert. Die HIV-Infektion ist bei Kindern mittlerweile sehr selten geworden, weil umfassendere Untersuchungen und Behandlungen von mit HIV infizierten schwangeren Frauen durchgeführt werden. Zwischen 1983 und 2015 wurden zwar etwa 9.000 Fälle einer HIV-Infektion bei Kindern und jungen Heranwachsenden gemeldet. 2018 wurden nur noch weniger als 100 neue Fälle bei Kindern unter 13 Jahren diagnostiziert.

Obwohl die Zahl der an HIV infizierten Säuglinge und Kinder in den USA weiter zurückgeht, steigt die Zahl der HIV-Infektionen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen an. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Kinder, die sich als Säuglinge infiziert haben, länger überleben, aber es gibt auch immer mehr Neuinfektionen unter Heranwachsenden, insbesondere bei jungen homosexuellen Männern.

Weltweit gesehen sind Kinder von HIV bei weitem stärker betroffen. Etwa 1,7 Millionen Kinder sind mit HIV infiziert. Jedes Jahr werden ungefähr 160.000 Kinder infiziert und etwa 100.000 Kinder sterben. In den letzten Jahren wurden neue Programme ins Leben gerufen, um Schwangere und Kinder mit antiretroviralen Therapien (ART) zu versorgen, sodass die Anzahl der Neuinfektionen im Kindesalter und die Todesfälle unter Kindern pro Jahr um 33 bis 50 Prozent gesenkt werden konnten. Dennoch erhalten infizierte Kinder eine ART nicht annähernd so häufig wie Erwachsene.

Übertragung der HIV-Infektion

Kleinkinder

Der häufigste Weg der Übertragung von HIV auf Kinder erfolgt

  • vor der Geburt oder während der Geburt durch eine infizierte Mutter

  • nach der Geburt durch die Muttermilch

HIV-infizierte Kleinkinder haben sich praktisch immer bei ihrer infizierten Mutter angesteckt. Mehr als 95 Prozent der HIV-infizierten Kinder in den USA erwarben die Infektion von ihrer Mutter, entweder vor oder bei der Geburt (durch so genannte vertikale Übertragung bzw. Mutter-Kind-Übertragung). Bei den meisten anderen Kindern, die derzeit mit AIDS leben, fand die Übertragung durch sexuelle Aktivität statt, in seltenen Fällen in Folge von sexuellem Missbrauch. Aufgrund der verbesserten Sicherheitsmaßnahmen beim Screening von Blutkonserven und Blutprodukten sind in den letzten Jahren in den USA, Kanada oder Westeuropa so gut wie keine Infektionen aufgetreten, die auf Blutkonserven und Blutprodukte zurückzuführen waren.

Experten sind sich nicht sicher, wie viele HIV-infizierte Frauen jedes Jahr in den USA entbinden, aber die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gehen von schätzungsweise 5.000 Entbindungen aus. Ohne entsprechende Vorbeugungsmaßnahmen würden 25 bis 33 Prozent der infizierten Schwangeren die Infektion während der Geburt auf ihr Kind übertragen. Die Übertragung findet oft während der Geburt statt.

Das Übertragungsrisiko ist bei Müttern am höchsten, die:

  • sich mit HIV während der Schwangerschaft oder des Stillens anstecken

  • schwer krank sind

  • mehrere Viren im Körper haben

Allerdings ist die Übertragungsrate in den USA von etwa 25 Prozent im Jahr 1991 auf unter 1 Prozent im Jahr 2018 stark zurückgegangen. Dieser Rückgang der Mutter-Kind-Übertragungen ist auf die intensiven Bemühungen zurückzuführen, infizierte Schwangere während der Schwangerschaft und Entbindung zu testen und zu behandeln.

Did You Know...

  • In den USA sind die Übertragungen von HIV durch infizierte Mütter auf ihre Kinder von etwa 25 Prozent im Jahr 1991 auf unter 1 Prozent im Jahr 2018 zurückgegangen.

Das Virus kann auch über die Muttermilch übertragen werden. Ungefähr 12 bis 14 Prozent der Säuglinge, die bei der Geburt nicht infiziert wurden, stecken sich an, wenn sie von ihrer HIV-positiven Mutter gestillt werden. Meist wird das Virus in den ersten Lebenswochen und -monaten übertragen, die Übertragung kann jedoch auch erst später stattfinden. Die Wahrscheinlichkeit einer Virusübertragung ist am höchsten bei Müttern mit hoher Viruslast im Körper, beispielsweise bei solchen, die sich die HIV-Infektion während der Stillzeit zugezogen haben.

Jugendliche

  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr

  • Gemeinsame Benutzung infizierter Nadeln

Für heterosexuelle und homosexuelle Jugendliche besteht ein erhöhtes Risiko einer HIV-Infektion, wenn sie ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Besonders gefährdet sind auch Jugendliche, die zum Spritzen von Drogen infizierte Nadeln gemeinsam benutzen.

In sehr seltenen Fällen kommt es zu einer Übertragung von HIV durch Hautkontakt mit infiziertem Blut. Fast immer ist in solchen Fällen die Hautoberfläche durch Kratzer oder offene Wunden beschädigt. Obwohl das Virus auch im Speichel enthalten sein kann, ist eine Übertragung der Infektion durch Husten, über Küsse oder Bisse bislang nicht bekannt.

HIV wird nicht übertragen durch

  • Nahrungsmittel

  • Wasser

  • Gegenstände im Haushalt

  • Sozialen Kontakt zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Schule

Symptome

Kinder, die mit einer HIV-Infektion zur Welt kommen, haben in den ersten Lebensmonaten selten Symptome, auch dann nicht, wenn sie keine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten haben. Wenn die Kinder nicht behandelt werden, treten bei nur etwa 20 Prozent innerhalb des ersten oder zweiten Lebensjahres Probleme auf. Solche Kinder haben sich wahrscheinlich lange vor der Geburt infiziert. Bei den übrigen 80 Prozent kommt es auch ohne Behandlung oft erst ab einem Alter von 3 Jahren oder sogar erst ab einem Alter von 5 Jahren zu Problemen. Solche Kinder haben sich wahrscheinlich bei der Geburt oder in dem Zeitraum vor oder nach der Geburt infiziert.

Unbehandelte HIV-infizierte Kinder

Häufige Symptome einer HIV-Infektion bei unbehandelten Kindern sind

  • Verlangsamung von Wachstum und Geschlechtsreife

  • Vergrößerung von Lymphknoten in mehreren Körperbereichen

  • Immer wieder auftretender Durchfall

  • Lungeninfektionen

  • Vergrößerung von Milz oder Leber

  • Pilzinfektion des Mundes (Mundsoor/Kandidose)

Mitunter gibt es auch wiederholte Episoden von bakteriellen Infektionen wie Mittelohrentzündung (Otitis media), Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und Bakterien im Blut (Bakteriämie) oder Lungenentzündung (Pneumonie).

Je mehr sich der Zustand des Immunsystems verschlechtert, desto mehr Symptome und Komplikationen entwickelt das Kind. Etwa ein Drittel aller HIV-infizierten Kinder bekommt eine Lungenentzündung (lymphozytäre interstitielle Pneumonie) mit Husten und Atembeschwerden.

Kinder mit angeborener HIV-Infektion entwickeln häufig mindestens einmal eine Lungenentzündung (Pneumonie) durch Pneumocystis jirovecii ({blank} Lungenentzündung bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem). Diese schwerwiegende opportunistische Infektion kann bereits im Alter von 4 bis 6 Wochen auftreten, entwickelt sich aber meist bei 3 bis 6 Monate alten Säuglingen, die vor oder bei der Geburt mit HIV infiziert wurden. Bei über der Hälfte der unbehandelten mit HIV infizierten Kindern tritt die Lungenentzündung (Pneumonie) zu einem beliebigen Zeitpunkt auf. Die Pneumocystis-Pneumonie ist eine der Haupttodesursachen bei Kindern und Erwachsenen mit AIDS.

Bei einer beträchtlichen Zahl von HIV-infizierten Kindern bleiben durch die fortschreitende Hirnschädigung wichtige Entwicklungsschritte wie laufen oder sprechen lernen entweder ganz aus oder treten erst spät auf. Diese Kinder sind in ihrer geistigen Entwicklung häufig beeinträchtigt und haben einen im Verhältnis zu ihrer Körpergröße zu kleinen Schädelumfang. Bis zu 20 Prozent der unbehandelten infizierten Kinder verlieren zunehmend ihre sozialen und sprachlichen Fähigkeiten und die Muskelkontrolle. Sie können teilweise gelähmt werden oder einen unsicheren Gang und steife Muskeln bekommen.

Anämie (eine geringe Anzahl roter Blutkörperchen) ist eine häufige Erkrankung bei HIV-infizierten Kindern, die dazu führt, dass sie schwach werden und schnell ermüden. Etwa 20 Prozent der Kinder, die nicht behandelt werden, bekommen Herzprobleme, wie einen beschleunigten Herzschlag, Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz.

In seltenen Fällen entwickeln unbehandelte Kinder eine Entzündung der Leber (Hepatitis) oder der Nieren (Nephritis). Krebserkrankungen kommen bei Kindern mit AIDS zwar selten vor, Non-Hodgkin-Lymphome und Gehirnlymphome sind jedoch etwas häufiger als bei nicht infizierten Kindern. Das Kaposi-Sarkom, eine AIDS-assoziierte Krebsart, die die Haut und inneren Organe betrifft, tritt bei HIV-infizierten Erwachsenen häufig auf, bei HIV-infizierten Kindern aber sehr selten.

Behandelte HIV-infizierte Kinder

Wenn eine ART eingesetzt wird, müssen HIV-infizierte Kinder nicht notwendigerweise auch Symptome einer HIV-Infektion entwickeln. ART hat die Art und Weise, wie sich eine HIV-Infektion bei Kindern äußert, erheblich verändert. Obwohl bakterielle Lungenentzündung (Pneumonie) und andere bakterielle Infektionen (wie etwa Bakteriämie und rezidivierende Mittelohrentzündung) bei HIV-infizierten Kindern etwas häufiger vorkommen, sind opportunistische Infektionen und Wachstumsdefizite weit seltener als vor der Einführung der ART.

Die ART schwächt die Auswirkungen von Erkrankungen des Rückenmarks und des Gehirns zwar eindeutig ab, aber dafür scheint sich die Zahl der verhaltensbezogenen, entwicklungsbezogenen und kognitiven Probleme bei behandelten HIV-infizierten Kindern zu erhöhen. Es ist unklar, ob diese Probleme auf die HIV-Infektion selbst, die Medikamente zur Behandlung von HIV oder auf andere biologische, psychologische und soziale Faktoren zurückzuführen sind, die bei HIV-infizierten Kindern häufig vorhanden sind.

Weil Kinder und Erwachsene mit HIV-Infektion dank der ART viele Jahre länger leben können, steigt die Zahl der Personen mit Langzeitkomplikationen, wie zum Beispiel Übergewicht, Herzkrankheit, Diabetes und Nierenkrankheit. Diese Komplikationen scheinen sowohl mit der HIV-Infektion selbst als auch mit den Auswirkungen bestimmter ART-Medikamente in Verbindung zu stehen.

Die Symptome einer im Jugendalter erworbenen HIV-Infektion sind ähnlich den Symptomen bei Erwachsenen (siehe Symptome einer HIV-Infektion bei Erwachsenen).

Diagnose

  • Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft

  • Bluttests

  • Nach der Diagnose, häufige Kontrolle

Die Diagnose von HIV-Infektionen bei Kindern beginnt mit der Diagnose von HIV-Infektionen bei schwangeren Frauen im Rahmen von routinemäßigen Vorsorge-Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft. Während die Frauen im Krankenhaus auf die Entbindung warten, können Schnelltests auf HIV durchgeführt werden, die innerhalb von Minuten bis Stunden ein Ergebnis liefern können.

Kinder ab dem 18. Lebensmonat und Jugendliche

Bei Kindern über 18 Monaten und bei Jugendlichen können die gleichen Bluttests zur Diagnose einer HIV-Infektion wie bei Erwachsenen verwendet werden. Dabei handelt es sich in der Regel um Bluttests, die zum Nachweis von HIV-Antikörpern und Antigenen durchgeführt werden. (Antikörper sind Proteine, die vom Immunsystem zur Verteidigung des Körpers gegen Angriffe produziert werden, und Antigene sind Stoffe, die eine Immunreaktion im Körper auslösen können – Tests, die Antikörper gegen oder Antigene von Mikroorganismen nachweisen.)

Kinder unter 18 Monaten

Bei Kindern unter 18 Monaten sind die für Erwachsene üblichen HIV-Antikörper- und Antigentests nicht hilfreich, da ihr Blut praktisch immer mütterliche HIV-Antikörper enthält, die über die Plazenta an sie weitergegeben wurden, auch, wenn der Säugling nicht infiziert ist. Daher müssen, um eine definitive Diagnose einer HIV-Infektion bei Kindern unter 18 Monaten stellen zu können, spezielle Bluttests durchgeführt werden, die Nukleinsäureamplifikationstests (NAT) heißen. Diese Tests weisen genetisches Material (DNA oder RNA) mithilfe von Tests mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nach. Die Diagnose einer HIV-Infektion wird bestätigt, wenn anhand von (NAT)-Tests genetisches Material vom HIV im Blut des Körpers gefunden werden.

Die NAT-Tests sollten bei diesen Kindern in kurzen Zeitabständen durchgeführt werden, üblicherweise in den ersten 2 Lebenswochen, im Alter von 1 Monat und im Alter zwischen 4 und 6 Monaten. So ist gewährleistet, dass bei den meisten HIV-infizierten Kindern die Diagnose bereits innerhalb der ersten 6 Lebensmonate gestellt wird. Einige Säuglinge mit einem sehr hohen Risiko für die Entwicklung von HIV können auch häufiger getestet werden.

Alle Säuglinge sollten getestet werden, wenn ihre Mütter:

  • HIV-Infektion

  • ein Risiko für eine HIV-Infektion tragen

Überwachung

Wenn eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde, muss ihr Verlauf überwacht werden. Hierzu werden alle 3 bis 4 Monate die Zahl der CD4+-Lymphozyten (CD4-Zahl) und die Zahl der Viruspartikel im Blut (Viruslast) bestimmt.

Die CD4-Zahl nimmt ab, wenn sich die HIV-Infektion verschlimmert. Wenn die CD4-Zahl niedrig ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei Kindern schwerwiegende Infektionen und andere Komplikationen von HIV entwickeln, größer.

Die Viruslast erhöht sich, wenn sich die HIV-Infektion verschlimmert. Die Viruslast gibt an, wie schnell sich die CD4-Zahl voraussichtlich in den nächsten Jahren verringern wird.

Die CD4-Zahl und die Viruslast helfen Ärzten bei der Bestimmung, wann sie antiretrovirale Medikamente einsetzen sollten, was die voraussichtlichen Auswirkungen einer Behandlung wären und ob evtl. andere Medikamente erforderlich sind, um Komplikationen wie Infektionen vorzubeugen.

Prognose

Vor der Verfügbarkeit der antiretroviralen Therapie (ART) starben 10 bis 15 Prozent der Kinder in Industrieländern und vermutlich 50 bis 80 Prozent der Kinder in Entwicklungsländern vor Erreichen des 4. Lebensjahres. Dank der ART leben heute die meisten Kinder, die mit einer HIV-Infektion geboren wurden, bis ins Erwachsenenalter. Immer mehr dieser jungen Erwachsenen, die bei Geburt infiziert waren, bringen selbst Kinder zur Welt bzw. zeugen Nachwuchs.

Nach wie vor ist die Prognose bei Auftreten opportunistischer Infektionen, insbesondere von Lungenentzündung (Pneumonie) durch Pneumocystis, ungünstig, außer bei Anschlagen der ART. Bei 5 bis 40 Prozent der behandelten Kinder und bei nahezu 100 Prozent der unbehandelten Kinder verläuft eine Pneumocystis-Pneumonie tödlich. Auch Kinder, bei denen das Virus früh (in der ersten Lebenswoche) festgestellt wurde oder die in ihrem ersten Lebensjahr Symptome zeigen, haben eine schlechtere Prognose.

Es ist nicht bekannt, ob die HIV-Infektion selbst oder die bei HIV-infizierten Kindern in kritischen Wachstums- und Entwicklungsphasen angewendete ART weitere Nebenwirkungen hat, die sich erst später äußern. Bisher wurden jedoch keine solchen Nebenwirkungen bei Kindern festgestellt, die sich vor der Geburt infiziert hatten und mit einer ART behandelt wurden und die nun junge Erwachsene sind.

Wegen der Art und Weise, wie HIV sich in den Körperzellen verborgen hält, erreichen Medikamente keine 100%ige Eliminierung des Virus aus dem Körper. Auch wenn das Virus in Tests nicht mehr nachweisbar ist, verbleiben einige Viren im Zellinneren. In einem Fall erhielt ein Kind einer unbehandelten HIV-infizierten Mutter eine hochdosierte ART. Obwohl die ART unbeabsichtigterweise unterbrochen wurde als das Kind 15 Monate alt war, konnte auch im Alter von 24 Monaten kein reproduzierendes (replizierendes) HI-Virus in dem Kind nachgewiesen werden. Erst später wurde das Virus wieder nachweisbar. Derzeit wird in wissenschaftlichen Studien versucht herauszufinden, ob die Gabe hoher ART-Dosen zur Unterdrückung des Virus positive gesundheitliche Auswirkungen hat, auch wenn diese nur für kurze Zeit verabreicht werden. Ärzte empfehlen, die ART nicht unterbrechen.

Bis heute gibt es keine Heilung für eine HIV-Infektion, und es ist noch nicht klar, ob eine Heilung überhaupt möglich ist. Was man aber weiß, ist, dass die HIV-Infektion eine behandelbare Infektion ist, und dass ein langfristiges Überleben mit einer effektiven ART möglich ist.

Vorbeugung

Vorbeugung einer Übertragung bei infizierten Müttern

Die aktuelle vorbeugende Therapie für infizierte Schwangere kann das Übertragungsrisiko hochwirksam minimieren. HIV-infizierte Schwangere sollten die antiretrovirale Therapie (ART) zunächst oral einnehmen. Idealerweise sollte die ART sofort beginnen, nachdem die HIV-Infektion diagnostiziert wurde und die Frauen bereit für die verordnete Therapie sind. HIV-infizierte Schwangere, die bereits eine ART erhalten, sollten diese Therapie während der gesamten Schwangerschaft fortsetzen. HIV-infizierte Frauen sollten die ART auch fortsetzen, wenn sie versuchen, schwanger zu werden.

Zusätzlich zur ART während der Schwangerschaft wird den Müttern während der Wehen und der Entbindung über die Vene (intravenös) das antiretrovirale Medikament Zidovudin (ZDV) verabreicht. Das HI-Virus wird dem HIV-infizierten Neugeborenen zweimal täglich während der ersten 4 bis 6 Lebenswochen oral verabreicht (mitunter zusammen mit zusätzlichen antiviralen Medikamenten bei bestimmten Neugeborenen, die einem größeren Risiko für die Übertragung von HIV ausgesetzt sind). Mit dieser Behandlung von Mutter und Kind lässt sich die Übertragungsrate von etwa 25 bis auf 1 Prozent und darunter senken. Auch ein vor dem Einsetzen der Wehen durchgeführter Kaiserschnitt, kann das Risiko für die Übertragung der HIV-Infektion auf das Neugeborene senken. Ein Kaiserschnitt kann Frauen empfohlen werden, deren Infektion mit ART nicht gut beherrschbar ist. Nach der Entbindung wird die ART bei allen HIV-infizierten Frauen fortgesetzt.

In Ländern, in denen Säuglingsnahrung und sauberes Wasser erhältlich sind, sollten HIV-infizierte Mütter ihren Kindern Fertigmilch geben und auf keinen Fall stillen und keine Muttermilch an Milchbanken abgeben. In Ländern, in denen das Risiko für Unterernährung und infektiösen Durchfall durch verunreinigtes Wasser, das Säuglingen gegeben oder zur Herstellung von Säuglingsnahrung verwendet wird, hoch ist, wiegen die Vorteile des Stillens das Risiko einer HIV-Übertragung auf. In solchen Entwicklungsländern sollten HIV-infizierte Mütter ihre Kinder in den ersten 6 Lebensmonaten stillen und das Kind dann rasch auf Säuglingsnahrung umstellen. Häufig erhalten ihre Kinder während der Stillzeit eine ART. HIV-infizierte Mütter sollten die Nahrung für ihre Kinder nicht vorkauen.

Vorbeugung einer Übertragung an Kinder

Da der HIV-Status von Kindern nicht immer bekannt ist, sollten alle Schulen und Kindergärten spezielle Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Unfällen oder Nasenbluten sowie in Bezug auf die Reinigung und Desinfizierung von mit Blut kontaminierten Oberflächen ergreifen. Während der Reinigung sollte das Personal vermeiden, dass die Haut mit Blut in Kontakt kommt. Es sollten stets Latexhandschuhe zur Verfügung stehen; außerdem sollten die Hände nach Entfernen der Handschuhe gewaschen werden. Kontaminierte Oberflächen sollten mit einer frisch bereiteten Bleichlösung gesäubert und desinfiziert werden, wobei 1 Teil Haushaltsbleichmittel mit 10 bis 100 Teilen Wasser gemischt werden sollte. Diese Maßnahmen (sogenannte universelle Vorsichtsmaßnahmen) sind nicht nur bei Kindern mit HIV-Infektion, sondern bei allen Kindern und in allen Situationen, in denen es zu Blutkontakt kommen kann, zu befolgen.

Vorbeugung einer Übertragung für Jugendliche

Die Vorbeugung bei Jugendlichen entspricht der Vorbeugung für Erwachsene. Alle Jugendlichen sollten Zugang zu HIV-Tests haben und darüber aufgeklärt werden, wie HIV übertragen wird und mit welchen Mitteln einer Infektion vorgebeugt werden kann, einschließlich einer Aufklärung darüber, wie durch entsprechendes Verhalten und durch sexuelle Enthaltsamkeit und Safer-Sex-Praktiken das Risiko verringert wird (siehe Sexuell übertragbare Krankheiten: Vorbeugung).

Prophylaktische Behandlung vor der Exposition

Die Einnahme eines antiretroviralen Medikaments vor dem Kontakt mit dem HI-Virus kann das HIV-Infektionsrisiko senken. Eine solche Präventivbehandlung wird als Präexpositionsprophylaxe (PrEP) bezeichnet. Eine PrEP ist hochwirksam wenn das Präparat jeden Tag eingenommen wird, aber kann teuer sein. PrEP wird jetzt Personen empfohlen, die ein hohes Infektionsrisiko haben, wie Personen, deren Partner sich mit HIV infiziert haben und Männern, die Sex mit Männern haben und Transgender Personen. Ältere Jugendliche mit einem Risiko können ebenfalls PrEP erhalten, aber die Vertraulichkeitsaspekte und Kosten sind komplizierter als bei PrEP für Erwachsene.

Vorbeugung von opportunistischen Infektionen

Zur Vorbeugung gegen Pneumocystis-Pneumonie erhalten manche Kinder mit nachgewiesener HIV-Infektion und einem erheblich geschwächten Immunsystem sowie Säuglinge von HIV-infizierten Müttern ab der 4. bis 6. Lebenswoche Trimethoprim/Sulfamethoxazol (wobei die Behandlung fortgeführt wird, bis Tests zeigen, dass der Säugling nicht infiziert ist). Kindern, die Trimethoprim/Sulfamethoxazol nicht vertragen, kann stattdessen Dapson, Atovaquon oder Pentamidin verabreicht werden.

Kinder mit deutlich geschwächtem Immunsystem erhalten zudem Azithromycin oder Clarithromycin, um einer Infektion mit Mycobacterium avium complex (MAC) vorzubeugen. Alternativ kann Rifabutin gegeben werden.

Behandlung

  • Medikamente

  • Laufende Überwachung

  • Motivation zu Therapietreue

Medikamentöse Behandlung

Alle Kinder mit HIV-Infektion sollten so schnell wie möglich eine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten, idealerweise innerhalb von 1 bis 2 Wochen nach der Diagnose. Kinder werden meist mit den gleichen antiretroviralen Medikamenten behandelt, die auch bei Erwachsenen eingesetzt werden ({blank} Medikamentöse Behandlung von Infektionen mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV)), üblicherweise mit folgenden:

  • Zwei nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTIs) plus

  • Ein Protease-Hemmer oder ein Integrase-Hemmer

Selten wird auch ein nichtnukleosidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer mit zwei NRTIs verabreicht.

Doch nicht alle der bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzten Mittel sind auch für kleine Kinder verfügbar, nicht zuletzt deshalb, weil sie nicht in flüssiger Form vorliegen.

Im Allgemeinen treten bei Kindern dieselben Nebenwirkungen auf wie bei Erwachsenen, jedoch mit einer geringeren Häufigkeit. Die Nebenwirkungen der Medikamente können jedoch auch die Behandlung einschränken.

Überwachung

Der Therapieverlauf wird kontrolliert, indem die Viruskonzentration im Blut (Viruslast) sowie die CD4+-Zahl (siehe Diagnose von HIV-Infektionen bei Kindern) regelmäßig gemessen wird. Ärzte führen routinemäßig mehrere weitere Tests durch und Mädchen erhalten einen Schwangerschaftstest.

Eine erhöhte Viruskonzentration im Blut kann ein Zeichen dafür sein, dass das Virus eine Resistenz gegen die Medikamente entwickelt oder dass die Mittel nicht regelmäßig eingenommen werden. In dem einen wie dem anderen Fall muss zu einem anderen Mittel gewechselt werden. Zur Verlaufskontrolle wird das Kind alle 3 bis 4 Monate untersucht und es werden Bluttests durchgeführt. Andere Blut- und Urintests werden in Abständen von 6 bis 12 Monaten durchgeführt.

Therapietreue

Die Therapietreue (Einnahme des Medikaments nach Anweisung) der verordneten ART-Dosierungsschemata ist von größter Bedeutung. Wenn die Kinder ihre ART-Medikamente nicht so regelmäßig einnehmen, wie sie sollten, kann das HI-Virus in ihrem Körper rasch eine Resistenz gegen einen oder gegen mehrere der Wirkstoffe entwickeln. Komplizierte Einnahmeschemata sind für Eltern und Kinder oft schwer einzuhalten. Dies kann den Therapieerfolg gefährden. Zur Vereinfachung der Therapie und zur Verbesserung der Therapietreue können Tabletten verordnet werden, die drei oder mehr Wirkstoffe gleichzeitig enthalten. Diese Tabletten müssen nur ein- oder zweimal täglich eingenommen werden. Die flüssigen Formen der Medikamente schmecken inzwischen besser, was die Therapietreue verbessern könnte.

Die Einhaltung der ART ist für Jugendliche mitunter schwieriger als für kleinere Kinder. Jugendlichen fällt die Therapietreue auch bei anderen chronischen Krankheiten wie Diabetes und Asthma schwer, weil sie sich aufgrund ihrer Krankheit anders als Gleichaltrige und deshalb ausgegrenzt fühlen. Indem sie ihre Behandlung aussetzen oder absetzen, können sie ihre Krankheit leugnen. Weitere Probleme, aufgrund derer sich die Behandlung von Jugendlichen schwierig gestalten und die Therapietreue erschwert sein kann, sind:

  • Geringes Selbstwertgefühl

  • Chaotische und unstrukturierte Lebensweise

  • Furcht vor Ausgrenzung aufgrund der Krankheit

  • Mitunter fehlende Unterstützung seitens der Familie

Jugendlichen fällt es mitunter schwer zu verstehen, warum sie Medikamente einnehmen müssen, obwohl sie sich nicht krank fühlen, und sie fürchten sich vor Nebenwirkungen. Trotz des häufigen Kontakts mit einem Versorgungsteam aus Kinderärzten haben Jugendliche, die seit ihrer Geburt infiziert sind, Furcht wegen ihrer HIV-Infektion oder leugnen diese, oder sie hegen Misstrauen gegenüber den Informationen, die sie von ihren Ärzten erhalten. Anstatt Jugendliche mit unzureichender Unterstützung im Hintergrund direkt auf die Notwendigkeit der Einnahme ihrer Medikamente hinzuweisen, beschreiten die medizinischen Teams mitunter einen anderen Weg, indem sie den Jugendlichen helfen, sich auf praktische Dinge zu konzentrieren, beispielsweise darauf, wie sie opportunistische Infektionen vermeiden können und wo sie Informationen über Serviceangebote zu Fragen der Reproduktionsgesundheit, Unterkünfte und Ausbildungschancen finden (siehe Übergang zur Erwachsenenversorgung).

Impfungen

Praktisch alle HIV-infizierten Kinder sollten die üblichen empfohlenen Grundimmunisierungen im Kindesalter erhalten, einschließlich der folgenden:

Seit kurzem wird der Meningokokken-Konjugatimpfstoff als Grundimmunisierung und zur Aufholimpfung bei HIV-infizierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen empfohlen.

Manche Impfstoffe enthalten lebende Bakterien, z. B. Bazillus Calmette-Guérin (der in einigen Ländern außerhalb der USA zur Vorbeugung gegen Tuberkulose verwendet wird), oder Lebendviren, beispielsweise die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung (Polio) und die Impfstoffe gegen Windpocken (Varizella) und Masern-Mumps-Röteln. Diese können bei Kindern mit HIV mit stark geschwächtem Immunsystem schwere oder tödliche Krankheiten auslösen. Lebendimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizella) werden für HIV-infizierte Kinder empfohlen, deren Immunsystem nicht sehr geschwächt ist.

Der Lebendimpfstoff gegen Rotavirus kann im Rahmen des üblichen Immunisierungsplans an Säuglinge mit HIV-Exposition oder -Infektion verabreicht werden.

Auch eine jährliche Grippeimpfung mit einem inaktivierten Impfstoff (kein Lebendimpfstoff) wird für alle HIV-infizierten Kinder über 6 Monaten empfohlen. Alle Personen, die im selben Haushalt leben, sollten sich mit einem inaktivierten Impfstoff oder einem Lebendimpfstoff impfen lassen.

Generell ist die Wirksamkeit aller Impfungen bei Kindern mit HIV-Infektion herabgesetzt. HIV-infizierte Kinder mit sehr niedriger CD4+-Zahl gelten als anfällig für Krankheiten, die durch Impfstoffe verhindert werden können, wenn sie einem entsprechenden Erreger ausgesetzt sind (z. B. Masern, Tetanus oder Windpocken), unabhängig davon, ob sie gegen die jeweilige Krankheit geimpft wurden. Ihnen kann intravenös Immunglobulin verabreicht werden. Intravenöses Immunglobulin oder die umgehende Impfung mit einem Impfstoff gegen Masern-Mumps-Röteln sollte auch für alle nicht geimpften Personen im Haushalt in Betracht gezogen werden, wenn Kontakt mit an Masern erkrankten Kindern besteht.

Soziale Probleme

Für Kinder, die in Pflegefamilien leben und/oder Tageseinrichtungen und Schulen besuchen, sollte der betreuende Arzt das Risiko von Infektionen beurteilen. Im Allgemeinen ist die Gefahr, dass sich ein HIV-infiziertes Kind (oder ein anderes Kind mit einem geschwächten Immunsystem) eine Infektion wie Windpocken zuzieht, größer als das Risiko, dass sich die anderen Kinder mit HIV infizieren. Jüngere Kinder mit HIV-Infektion, die offene Hautwunden haben oder potenziell gefährliche Verhaltensweisen (wie Beißen) an den Tag legen, sind allerdings nicht für den Besuch eines Kindergartens geeignet.

HIV-positive Kinder sollten an so vielen normalen kindlichen Aktivitäten teilnehmen, wie es ihre körperliche Verfassung zulässt. Der Austausch mit anderen Kindern fördert ihre soziale Entwicklung und ihre Selbstachtung. Da eine HIV-Infektion mit Stigma und Diskriminierung belegt ist und aufgrund der routinemäßig üblichen Vorsichtsmaßnahmen an Schulen und in Tagesstätten und aufgrund der Tatsache, dass die Gefahr einer Übertragung auf andere Kinder extrem unwahrscheinlich ist, ist es auch nicht nötig, dass außer den Eltern, dem behandelnden Arzt und gegebenenfalls dem Schularzt andere Personen um die HIV-Infektion des Kindes wissen.

Mit dem Fortschreiten der Krankheit sollten die Kinder in einem Rahmen behandelt werden, der sie so wenig wie möglich einschränkt. Besteht die Möglichkeit der Hauspflege und stehen Sozialdienste zur Verfügung, kann das Kind so viel Zeit wie möglich zu Hause statt in der Klinik verbringen.

Übergang zur Erwachsenenversorgung

Nachdem HIV-infizierte Jugendliche ein bestimmtes Alter erreichen (üblicherweise 18 bis 21 Jahre), unterliegen sie nicht mehr der pädiatrischen Versorgung sondern der Erwachsenenversorgung. Das Versorgungsmodell für Erwachsene unterscheidet sich deutlich und die Jugendlichen sollten daher nicht einfach ohne zusätzliche Planung an eine Erwachsenenklinik oder einen Arzt überwiesen werden.

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Gesundheitsversorgung tendenziell eher familienorientiert, und das medizinische Team setzt sich aus Ärzten, Pflegepersonen, Sozialarbeitern und Psychologen zusammen. Unter Umständen werden Jugendliche, die sich bei der Geburt infiziert haben, ihr gesamtes Leben lang von einem solchen multidisziplinären Team betreut. Das typische Modell zur Gesundheitsversorgung von Erwachsenen zielt dagegen auf die Person selbst ab, und die beteiligten Gesundheitsversorger befinden sich möglicherweise in getrennten Praxen, sodass viele Besuche bei verschiedenen Ärzten notwendig sind. Mit der Erwachsenenversorgung betraute Ärzte in Kliniken und Praxen haben es häufig mit hohem Patientenaufkommen zu tun, und die Konsequenzen von Verspätungen oder versäumten Terminen (was bei Jugendlichen unter Umständen häufiger vorkommt) sind strenger.

Es kann helfen, den Übergang über mehrere Monate hinweg zu planen und die pädiatrischen medizinischen Fachkräfte sowie die in die Erwachsenenbetreuung involvierten Personen in Gespräche oder Termine mit den Jugendlichen einzubeziehen, um den Übergang reibungsloser und erfolgreicher zu gestalten. (Siehe auch die Ressource der Weltgesundheitsorganisation zu Transition).

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