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Rheumatoide Arthritis (RA)

Von

Apostolos Kontzias

, MD, Stony Brook University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der die Gelenke, darunter meist Hand- und Fußgelenke, entzündet sind. Dadurch entstehen Schwellungen und Schmerzen, häufig gefolgt von der Zerstörung des Gelenks.

  • Das Immunsystem greift die Gelenke und das Bindegewebe an.

  • Die Gelenke (normalerweise die Gelenke der kleinen Gliedmaßen) schmerzen und sind nach dem Aufstehen und nach Inaktivität für ca. 60 Minuten steif.

  • Es kann zu Fieber, Schwäche und Schädigung anderer Organe kommen.

  • Die Diagnose basiert hauptsächlich auf den Symptomen, aber auch auf dem Rheumafaktor im Blut und auf Röntgenbildern.

  • Zur Behandlung eignen sich Übungen und Schienen, Medikamente (nichtsteroidale Antirheumatika, krankheitsmodifizierende Antirheumatika und Immunsuppressiva) und in einigen Fällen Operationen.

Etwa 1 % der Weltbevölkerung erkrankt an rheumatoider Arthritis, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit oder Herkunftsland. Frauen sind 2- bis 3-mal häufiger betroffen als Männer. Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten, beginnt aber meist zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr. Kinder können an einer Erkrankung leiden, die der rheumatoiden Arthritis ähnelt. Diese Erkrankung wird als juvenile idiopathische Arthritis bezeichnet. Die Prognose unterscheidet sich jedoch bei der juvenilen idiopathischen Arthritis häufig.

Die genauen Ursachen für eine rheumatoide Arthritis sind unbekannt. Man geht von einer Autoimmunerkrankung aus. bei der das Immunsystem das die Gelenke auskleidende Gewebe (Synovialmembran) oder das Bindegewebe an anderen Stellen des Körpers, wie in den Blutgefäßen und der Lunge, angreift. Am Ende werden Knorpel, Knochen und Bänder des Gelenks zerstört (abgetragen), was zu Verformungen, Instabilität und Narbenbildung im Gelenk führt. Der Grad der Gelenkzerstörung ist unterschiedlich. Der Krankheitsverlauf kann von vielen Faktoren wie etwa genetischen Veranlagungen beeinflusst werden. Unbekannte Umweltfaktoren (z. B. Virusinfektionen und Rauchen) werden ebenfalls als relevant eingeschätzt.

Symptome

Patienten mit rheumatoider Arthritis können Folgendes aufweisen:

  • relativ leichte Symptome

  • gelegentliche Schübe mit langen beschwerdefreien Zeiträumen, in denen die Erkrankung ruht

  • eine schwere, sich stetig verschlimmernde Krankheit mit langsamem oder schnell voranschreitendem Verlauf

Die rheumatoide Arthritis kann sehr plötzlich auftreten, wobei mehrere Gelenke gleichzeitig entzündet sein können. Häufig jedoch beginnt sie schleichend und zieht mit der Zeit verschiedene Gelenke in Mitleidenschaft. Normalerweise ist die Entzündung symmetrisch, indem die Gelenke auf beiden Körperseiten gleichermaßen befallen sind. Rheumatoide Arthritis kann an allen Gelenken auftreten. Oft tritt die Entzündung jedoch an den kleinen Gelenken zuerst auf:

  • in den Händen

  • in den Handgelenken

  • in den Fingern

  • in den Füßen

  • in den Zehen

Häufig sind auch folgende Gelenke betroffen:

  • Knie

  • Schultern

  • Ellenbogen

  • Knöchel

  • Hüften

Rheumatoide Arthritis kann auch den Nacken befallen. Die untere Wirbelsäule und die Gelenke an den Enden der Finger sind nicht betroffen.

Die entzündeten Gelenke schmerzen gewöhnlich und sind oft steif, besonders nach dem Aufstehen oder einer längeren Ruhephase. Diese Steifheit bessert sich in der Regel nach ca. 60 Minuten. Manche Patienten fühlen sich müde und schwach, besonders am Nachmittag. Rheumatoide Arthritis kann von Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und leichtem Fieber begleitet sein.

Die betroffenen Gelenke sind häufig berührungsempfindlich, warm und vergrößert, da das Weichteilgewebe geschwollen (Synovitis) und das Gelenk mit Flüssigkeit (Gelenkflüssigkeit) gefüllt ist. Es kann schnell zu Gelenkverformungen kommen. Möglicherweise versteifen sie in einer Stellung, in der sie nicht mehr gebeugt und gestreckt werden können, sodass die Beweglichkeit eingeschränkt ist. Die Finger krümmen sich zum kleinen Finger hin, wodurch die Fingersehnen verrutschen oder sich verformen können (sieheSchwanenhalsdeformation und Knopflochdeformation).

Auffällige Beugung der Finger

Aufgrund einiger Erkrankungen wie bspw. rheumatoider Arthritis und Verletzungen können sich die Finger ungewöhnlich verkrümmen. Bei der Schwanenhalsdeformation ist das Grundgelenk gebeugt (Flexion), das Mittelgelenk überstreckt (Extension) und das Endgelenk wieder gebeugt (Flexion). Bei der Knopflochdeformation ist das Mittelgelenk des Fingers in einer Stellung nach innen (zur Handfläche hin) gebeugt fixiert und das Endgelenk nach außen (von der Handfläche weg) überstreckt.

Auffällige Beugung der Finger
Beispiele für Verformungen der Finger

Schwellungen an den Handgelenken können auf einen Nerv drücken. Dieses Karpaltunnelsyndrom ist häufig von Taubheit oder Kribbeln begleitet.

Zysten hinter dem betroffenen Knie können aufbrechen und im Unterschenkel zu Schmerzen und Schwellungen führen. Bei ca. 30 % der Patienten mit rheumatoider Arthritis bilden sich harte Knoten unter der Haut (rheumatoide Noduli), meist in einem Bereich, auf den Druck ausgeübt wird (z. B. die Rückseite des Unterarms nahe dem Ellenbogen).

In seltenen Fällen führt eine rheumatoide Arthritis zu einer Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis). Vaskulitis verringert die Blutzufuhr zum Gewebe und kann Nervenschäden und Beingeschwüre (Ulkus) verursachen. Eine Entzündung des Brustfells (Pleura) und des Herzbeutels (Perikard) sowie eine Lungen- oder Herzbeutelentzündung mit Narbenbildung können zu Schmerzen in der Brust und zu Kurzatmigkeit führen. Bei einigen Betroffenen kommt es zu Lymphknotenschwellungen (Lymphadenopathie), dem Felty-Syndrom (zu wenig weiße Blutkörperchen und eine vergrößerte Milz), dem Sjögren-Syndrom (Mund und Augen sind trocken), einer Verdünnung der Lederhaut (Sklera) im Auge, sowie zur Rötung und Reizung der Augen aufgrund einer Entzündung (Episkleritis).

Rheumatoide Arthritis kann auch den Nacken befallen. Dabei werden die Knochen instabil und es besteht die Gefahr, dass das Rückenmark gequetscht (komprimiert) wird ( Rückenmarkskompression).

Wussten Sie ...

  • Manche Patienten mit rheumatoider Arthritis meinen, dass bestimmte Lebensmittel Schübe auslösen. Es konnten bisher jedoch keine Lebensmittel als Auslöser ausgemacht werden.

Diagnose

  • Bluttests

  • Röntgenaufnahmen

  • Untersuchung der Gelenkflüssigkeit

Bei der Diagnose einer rheumatoiden Arthritis werden neben der charakteristischen Symptomatik festgelegte Kriterien berücksichtigt. Wenn die Schwellung der Gelenkinnenhaut (Synovitis) an mehr als einem Gelenk definitiv nicht von einer anderen Erkrankung herrührt, wird zumeist eine rheumatoide Arthritis vermutet. Dasselbe gilt, wenn eine Kombination folgender Kriterien zutrifft:

  • Befall der Gelenke, die typischerweise von einer rheumatoiden Arthritis betroffen sind

  • Ein hoher Rheumafaktor oder Anteil an Antikörpern gegen citrullinierte Proteine (Anti-CCP) im Blut, oder beides

  • Ein hoher C-reaktiver Proteinspiegel im Blut, eine erhöhte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG), oder beides

  • Anhaltende Symptome über mehr als 6 Wochen

Anhand von Bluttests werden der Rheumafaktor im Blut sowie Antikörper gegen citrullinierte Proteine, C-reaktives Protein und Blutsenkung bestimmt. Außerdem werden Hände, Handgelenke und die betroffenen Gelenke geröntgt. Auf Röntgenbildern lassen sich die für eine rheumatoide Arthritis charakteristischen Gelenkveränderungen erkennen. Eine Magnetresonanztomographie (MRT), ein weiteres bildgebendes Verfahren, zeigt Gelenkanomalien bereits im Frühstadium, ist jedoch häufig nicht erforderlich.

Häufig wird auch mit einer Nadel etwas Gelenkflüssigkeit aus dem Gelenk entnommen. Durch eine Untersuchung der Flüssigkeit sollen die Merkmale einer rheumatoiden Arthritis bestätigt und andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie die rheumatoide Arthritis ausgeschlossen werden. Die Gelenkflüssigkeit muss untersucht werden, damit eine Person mit rheumatoider Arthritis nicht bei jedem Aufflammen der Erkrankung mit geschwollenen Gelenken untersucht werden muss.

Bluttests

Viele Patienten mit rheumatoider Arthritis haben bestimmte Antikörper im Blut, wie den Rheumafaktor und die Anti-CCP-Antikörper.

Der Rheumafaktor ist bei 70 % aller Patienten mit rheumatoider Arthritis vorhanden. (Der Rheumafaktor tritt auch bei mehreren anderen Krankheiten, wie Krebs, systemischen Lupus erythematodes, Hepatitis, und einigen anderen Infektionen auf. Im Blut mancher Menschen, die an keiner Krankheit leiden, vor allem bei älteren Menschen, ist der Rheumafaktor zu finden.) In der Regel ist die rheumatoide Arthritis schwerwiegender und die Prognose schlechter, je höher die Konzentration des Rheumafaktors im Blut ist.

Bei mehr als drei Viertel der Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis lassen sich Anti-CCP-Antikörper nachweisen, während sie bei Personen ohne rheumatoide Arthritis fast immer vollständig fehlen.

Personen mit rheumatoider Arthritis haben häufig auch einen hohen Spiegel an C-reaktivem Protein. Bei einer Entzündung steigt die Konzentration des C-reaktiven Proteins (ein im Blut zirkulierendes Protein) stark an. Ein hoher C-reaktiver Protein-Spiegel kann auf einen Ausbruch der Krankheit hindeuten.

Bei 90 % aller Personen mit einer aktiven rheumatoiden Arthritis kommt es zu einer erhöhten Blutsenkung (Blutsenkungsgeschwindigkeit oder BSG). Die BSG ist eine weitere Untersuchung auf eine Entzündung, bei der gemessen wird, wie schnell die roten Blutkörperchen auf den Boden des Reagenzglases mit der Blutprobe absinken. Eine hohe Blutsenkungsrate bzw. ein erhöhter Anteil an C-reaktivem Protein kann auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Anhand der Blutsenkung oder des Spiegels an C-reaktivem Protein lässt sich erkennen, ob die Erkrankung aktiv ist.

Die meisten Patienten mit rheumatoider Arthritis haben eine leichte Anämie (zu wenig rote Blutkörperchen). In seltenen Fällen ist die Zahl der weißen Blutkörperchen stark vermindert. Wenn das jedoch der Fall und die Milz vergrößert ist, spricht man vom Felty-Syndrom.

Prognose

Der Verlauf der rheumatoiden Arthritis ist nicht vorhersehbar. Die Erkrankung verschlechtert sich am stärksten während der ersten 6 Jahre, vor allem im ersten Jahr. Bei 80 % der unbehandelten Betroffenen kommt es innerhalb von 10 Jahren zu chronischen Gelenkveränderungen. Rheumatoide Arthritis verringert die Lebenserwartung um 3 bis 7 Jahre. Herzerkrankungen (ein Risiko der rheumatoiden Arthritis), Infektionen und Blutungen im Magen-Darm-Trakt sind die häufigsten Todesursachen. Weitere Gründe können Nebenwirkungen der Medikamenteneinnahme, Krebs und die Grunderkrankung sein. Eine rheumatoide Arthritis vergeht nur selten von selbst.

Bei 3 von 4 Erkrankten können die Symptome durch eine Behandlung gelindert werden. Doch mindestens 10 % der Betroffenen sind trotz einer vollständigen Behandlung am Ende stark eingeschränkt. Folgende Faktoren können zu einer schlechteren Prognose führen:

  • Weiße Hautfarbe und/oder weibliches Geschlecht

  • Vorhandensein rheumatoider Noduli

  • Beginn der Krankheit in fortgeschrittenem Alter

  • Entzündungen in 20 Gelenken oder mehr

  • Raucher

  • Adipositas

  • Hoher Blutsenkungswert

  • Ein hoher Rheumafaktor oder Anti-CCP-Spiegel

Behandlung

  • Arzneimittel

  • Maßnahmen in Zusammenhang mit der Lebensweise, z. B. Ruhe, Ernährung, Bewegung und Raucherentwöhnung

  • Physio- und Ergotherapie

  • Manchmal operative Eingriffe

Behandlungsmaßnahmen sind einfache, herkömmliche Methoden sowie Medikamente und chirurgische Eingriffe. Mit den einfachen Maßnahmen sollen die Symptome gelindert werden. Dazu gehören Schonung, angemessene Ernährung und körperliche Therapien. Die Betroffenen sollten versuchen, ihr Risiko für Herzkrankheiten zu reduzieren, beispielsweise indem sie mit dem Rauchen aufhören und sich gegen Bluthochdruck und hohen Lipid- oder Cholesterinspiegel im Blut behandeln lassen.

Arzneimittel

Da krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARD) den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Symptome lindern können, werden sie häufig sofort nach der Diagnose verordnet. Weitere Arzneimittel zur Behandlung von rheumatoider Arthritis finden Sie unter Arzneimittel bei rheumatoider Arthritis.

Ruhe und Ernährung

Akut entzündete Gelenke werden geschont, da Bewegung die Entzündung verschlimmert. Regelmäßige Ruhepausen mildern oft die Schmerzen, und manchmal lässt sich mit einer kurzen Phase absoluter Bettruhe das intensivste, schmerzhafteste Stadium eines schweren Rheumaschubs meistern. Sobald der akute Schub abgeklungen ist, ist systematisches Durchbewegen nötig, um zu verhindern, dass die Gelenke versteifen und die Muskeln zu schwach werden.

Auch eine regelmäßige gesunde Ernährung wird empfohlen. Durch ausreichende Mengen an Fisch (Omega-3-Fettsäuren) und Pflanzenöle sowie einen verringerten Verzehr von rotem Fleisch können einige Patienten die Symptome verbessern. Bei einigen Betroffenen kann die Krankheit nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel ausbrechen, weshalb diese vermieden werden sollten. Fälle dieser Art sind jedoch selten. Es konnten bisher keine Lebensmittel als Auslöser ausgemacht werden. Viele Diäten wurden empfohlen, haben sich jedoch nicht als hilfreich erwiesen. Fette Lebensmittel sollten vermieden werden.

Physikalische Behandlung

In Verbindung mit Medikamenten zur Minderung der Gelenkentzündung sollte der Behandlungsplan bei einer rheumatoiden Arthritis nicht-medikamentöse Therapien wie Übungen, Physiotherapie (inkl. Massage, Dehnen und Tiefenwärme) und Ergotherapie (inkl. Selbsthilfemittel) umfassen.

Entzündete Gelenke müssen sanft bewegt werden, damit sie nicht versteifen. Die Wärme verbessert die Muskelfunktion, reduziert die Versteifung und löst Krämpfe. Wenn die Entzündung nachlässt, sind regelmäßige aktive Übungen hilfreich. Ein übermäßiges Training bis zur Erschöpfung ist jedoch zu vermeiden. Vielen Patienten fällt es leichter, sich im Wasser zu bewegen.

Steife Gelenke werden mit intensiver Bewegungstherapie und gelegentlich mit Schienen behandelt, um das Gelenk nach und nach zu strecken. Vorübergehend stärker werdende Schmerzen in einem Gelenk lassen sich durch Kälte lindern.

Für Patienten, die durch rheumatoide Arthritis behindert sind, gibt es Hilfsmittel, um den Alltag zu bewältigen. Zum Beispiel speziell angefertigte orthopädische Schuhe und Sportschuhe, mit denen das Gehen weniger schmerzhaft ist, und Greifwerkzeuge, die das feste Zupacken erleichtern.

Operation

Wenn Arzneimittel wirkungslos bleiben, kann eine Operation erforderlich werden. Chirurgische Eingriffe müssen immer mit Blick auf die Gesamterkrankung gesehen werden. Verformte Hände und Arme z. B. erschweren das Gehen an Krücken während der Rehabilitation, und schwer geschädigte Knie und Füße beeinflussen die Genesung nach einer Hüftoperation. Für den einzelnen Patienten müssen erreichbare Ziele festgelegt und die Funktionsfähigkeit berücksichtigt werden. Chirurgische Eingriffe können auch während eines akuten Schubs durchgeführt werden.

Ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk stellt die Beweglichkeit und Funktion bei fortgeschrittener Erkrankung eindrucksvoll wieder her. Die Gelenke, vor allem die Fußgelenke, können auch entfernt oder fixiert werden, damit das Gehen weniger Schmerzen bereitet. Die Fixierung des Daumens ermöglicht es dem Patienten zu greifen, und instabile Wirbel im oberen Halsbereich können fixiert werden, damit sie das Rückenmark nicht zusammendrücken.

Eine Gelenkreparatur mithilfe einer Gelenkprothese ist erforderlich, wenn die Funktion durch die Erkrankung stark eingeschränkt ist. Eine Hüft- oder Knie-Totalendoprothese verspricht hier den größten Erfolg.

Ersetzen der kompletten Hüfte (Hüfttotalendoprothese)

Manchmal muss das gesamte Hüftgelenk ausgetauscht werden. Das komplette Hüftgelenk besteht aus dem Kopf des Oberschenkelhalsknochens (Femur) und der Oberfläche der Gelenkpfanne, in welcher der Kopf des Oberschenkelhalsknochens sitzt. Diese Operation nennt man eine Hüfttotalendoprothese oder eine Hüfttotalarthroplastik. Der Kopf des Oberschenkelhalses (Femur) kann durch ein künstliches Teil (Prothese), das aus Metall besteht, ersetzt werden. Die Prothese weist einen soliden Schaft auf, der mitten im Oberschenkelhalsknochen verankert wird. Die Pfanne wird durch eine Metallschale ersetzt, die mit solidem Kunststoff beschichtet ist.

Ersetzen der kompletten Hüfte (Hüfttotalendoprothese)

Kniegelenkersatz

Ein von Osteoarthrose stark geschädigtes Knie kann durch ein künstliches Kniegelenk ersetzt werden. Nach Gabe eines Narkosemittels macht der Chirurg einen Schnitt über dem geschädigten Knie. Die Kniescheibe (Patella) wird entfernt, und die Enden von Oberschenkelknochen (Femur) und Unterschenkelknochen (Tibia) werden geglättet, damit das künstliche Gelenk (Prothese) besser eingepasst werden kann. Ein Teil des künstlichen Gelenks wird in den Oberschenkel eingesetzt, der andere in den Unterschenkel, wo es mit Zement befestigt wird.

Kniegelenkersatz

Arzneimittel zur Behandlung einer rheumatoiden Arthritis

Medikamente sollen vor allem die Entzündung lindern und so einem Verschleiß, einem Fortschreiten der Erkrankung und einem Verlust der Gelenkfunktion vorbeugen.

Zur medikamentösen Behandlung der rheumatoiden Arthritis werden folgende Wirkstoffhauptgruppen verwendet:

Viele dieser Wirkstoffe werden kombiniert verordnet. So können beispielsweise zwei DMARD zusammen oder ein Kortikosteroid zusammen mit einem DMARD verschrieben werden. Es ist jedoch noch nicht klar, welches die besten Arzneimittelkombinationen sind. Biologika werden normalerweise nicht mit anderen Biologika kombiniert, da sich hierdurch die Infektionsanfälligkeit erhöht.

Alle Medikamente haben möglicherweise ernste Nebenwirkungen, auf die bei der Behandlung geachtet werden muss.

Tabelle
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Medikamentöse Behandlung der rheumatoiden Arthritis

Medikament

Einige Nebenwirkungen

Anmerkungen

Diclofenac

Ibuprofen

Naproxen

Viele weitere

Magenverstimmung

Erhöhter Blutdruck

Nierenerkrankungen

Möglicherweise erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle

Alle NSAR beeinflussen die Symptome und lindern die Entzündung, verändern aber nicht den Krankheitsverlauf.

Diese Arzneimittel werden oral eingenommen. Einige NSAR sind in Form von Cremes erhältlich, die direkt auf die Haut über den schmerzhaften Gelenken aufgetragen werden können.

Cyclooxygenase-2- bzw. COX-2-Hemmer (Coxibe) wie Celecoxib

Nierenerkrankungen

Erhöhter Blutdruck

Geringeres Risiko von Magengeschwüren und -blutungen als bei anderen NSAR

Möglicherweise erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Möglicherweise erhöhtes Risiko für Blutergüsse und Blutungen

Hydroxychloroquin

Normalerweise leichte Dermatitis (Hautausschlag)

Muskelschmerzen oder -schwäche

Augenprobleme

Alle DMARD können Gelenkschäden verringern und Schmerzen und Schwellungen nach und nach lindern.

Leflunomid ist effektiver als Methotrexat.

Diese Arzneimittel werden oral eingenommen.

Leflunomid

Ausschläge

Erkrankung der Leber

Nervenschäden (Neuropathie)

Durchfall

Haarausfall

Methotrexat

Erkrankung der Leber

Lungenentzündung

Übelkeit

Neutropeniea

Wunde Stellen im Mund

Reduzierte Spermienzahl und Fruchtbarkeit bei Männern

Haarausfall

Sulfasalazin

Magenbeschwerden

Neutropeniea

Zerstörung der roten Blutkörperchen (Hämolyse)

Leberprobleme

Ausschläge

Prednison

Prednisolon

Bei Langzeitanwendung vielfache Nebenwirkungen im ganzen Körper:

Prednison und Prednisolon können die Entzündung schnell lindern.

Aufgrund der Nebenwirkungen ist eine langfristige Einnahme aber nicht geeignet.

Diese Medikamente werden in der Regel oral eingenommen, können aber in einen Muskel (intramuskulär) oder eine Vene (intravenös) injiziert werden.

Methylprednisolonacetat

In seltenen Fällen Infektion an der Injektionsstelle oder im Gelenk

Schwächung des Gewebes, wenn Injektionen zu oft und über einen zu langen Zeitraum verabreicht werden

Blutung in das Gelenk nach der Injektion, vor allem bei Patienten, die Antikoagulanzien (Blutverdünner) einnehmen

Diese Medikamente werden mit einer Spritze in das Gelenk verabreicht.

Triamcinolonacetonid

Triamcinolonhexacetonid

Azathioprin

Ciclosporin

Erkrankung der Leber

Erhöhtes Krebsrisiko (wie z. B. Lymphom und nicht melanozytäre Hautkrebsarten)

Neutropeniea

Ciclosporin: Verringerte Nierenfunktion, Bluthochdruck, Diabetes

Azathioprin hat eine vergleichbare Wirkung wie manche DMARD, ist aber toxischer.

Ciclosporin hat eine vergleichbare Wirkung wie DMARD, geht jedoch mit einem höheren Risiko für Nebenwirkungen einher.

Diese Arzneimittel werden oral eingenommen.

Adalimumabb

Certolizumab pegolb

Etanerceptb

Golimumabb

Infliximabb

Mögliches Risiko einer Reaktivierung der Infektion (vor allem bei Tuberkulose und Pilzinfektionen)

Hautkrebs außer Melanome

Reaktivierung von Hepatitis B

Demyelinisierende neurologische Erkrankungen (wie z. B. Guillain-Barré-Syndrom oder multiple Sklerose)

Diese Medikamente haben bei den meisten Patienten eine dramatische, sofortige Wirkung.

Sie können die Schädigung der Gelenke verlangsamen.

Adalimumab, Certolizumab pegol, Etanercept und Golimumab werden als Injektion unter die Haut (subkutan) verabreicht.

Infliximab wird als Infusionsserie in eine Vene verabreicht.

Abataceptc

Lungenprobleme

Erhöhte Infektionsanfälligkeit

Kopfschmerzen

Infektion der oberen Atemwege

Halsschmerzen

Übelkeit

Abatacept wird nur verordnet, wenn andere Medikamente zu keiner Besserung führen.

Es kann intravenös (in eine Vene) oder subkutan (unter die Haut) verabreicht werden.

Anakinrad

Schmerzen, Rötung und Juckreiz an der Injektionsstelle

Erhöhtes Infektionsrisiko

Neutropeniea

Anakinra ist möglicherweise weniger wirksam als Adalimumab, Etanercept und Infliximab.

Es wird unter die Haut (subkutan) gespritzt.

Baricitinibe

Infektionsrisiko, insbesondere Reaktivierung von Windpocken und Gürtelrose

Nicht melanozytärer Hautkrebs

Hoher Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie)

Baricitinib wird oral eingenommen.

Rituximabc

Bei Einnahme des Medikaments:

  • Juckreiz an entzündeter Stelle

  • Ausschläge

  • Rückenschmerzen

  • Hoher oder niedriger Blutdruck

  • Fieber

Nach Einnahme des Medikaments:

  • Leicht erhöhtes Risiko für bestimmte Infektionen, möglicherweise Krebs

  • Neutropeniea

  • Reaktivierung von Hepatitis B

Rituximab wird verordnet, wenn nach Einnahme eines Tumornekrosefaktor-Hemmers und Methotrexat keine Besserung eintritt.

Es wird über eine Vene (intravenös) verabreicht.

Sarilumabf

Neutropeniea (zu wenige weiße Blutkörperchen zur Bekämpfung von Infektionen)

Unterdrückte Blutplättchenproduktion im Knochenmark, in einigen Fällen begleitet von Blutungsanfälligkeit

Erhöhte Leberenzymwerte

Sarilumab wird unter die Haut (subkutan) gespritzt.

Tocilizumabf

Möglicherweise schwere Infektion (z. B. Tuberkulose) bis hin zu einer Sepsis

Neutropeniea

Möglicherweise unterdrückte Blutplättchenproduktion im Knochenmark, in einigen Fällen begleitet von Blutungsanfälligkeit

Erhöhte Leberenzymwerte

Selten Perforation des Darms

Tocilizumab wird nur verordnet, wenn andere Medikamente zu keiner Besserung führen.

Es kann intravenös (in eine Vene) oder subkutan (unter die Haut) verabreicht werden.

Tofacitinibe

Infektionsrisiko, insbesondere Reaktivierung von Windpocken und Gürtelrose

Nicht melanozytärer Hautkrebs

Hoher Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie)

Tofacitinib wird verordnet, wenn Methotrexat nicht wirksam genug war.

Es wird oral eingenommen.

aEine unterdrückte Produktion der Blutkörperchen im Knochenmark kann zu einer Verringerung der weißen Blutkörperchen, auch neutrophile Granulozyten genannt, führen, die Erreger bekämpfen. Dadurch erhöht sich die Infektionsanfälligkeit.

bAdalimumab, Certolizumab pegol, Etanercept, Golimumab und Infliximab sind Tumornekrosefaktor- bzw. TNF-Hemmer.

cAbatacept und Rituximab sind andere Arten von Biologika.

dAnakinra ist ein Interleukin-1-Rezeptor-Blocker.

eBaricitinib und Tofacitinib sind Janus-Kinase-Hemmer (JAK-Hemmer).

fSarilumab und Tocilizumab sind Interleukin-6-Rezeptor-Blocker.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

NSAR werden häufig zur Behandlung der Symptome der rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Sie ändern den Verlauf der Schädigung nicht und sollten deshalb nicht zur Erstbehandlung eingesetzt werden. (Siehe auch Tabelle zur medikamentösen Behandlung der rheumatoiden Arthritis.)

NSAR können Schwellungen und Schmerzen in den Gelenken lindern. Sie können oral eingenommen oder direkt auf die Haut über schmerzhaften Gelenken aufgetragen werden. Anders als bei der Osteoarthrose kommt es bei einer rheumatoiden Arthritis zu heftigen Entzündungen. Deshalb sind Entzündungshemmer, einschließlich NSAR, anderen Medikamenten wie Paracetamol, die Schmerzen lindern, nicht aber die Entzündung, vorzuziehen. Für Patienten mit Magen-Darm-Geschwüren – einschließlich Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre – sind NSAR (außer Cyclooxygenase-Hemmer) nicht empfehlenswert, da sie den Magen reizen können. Protonenpumpenhemmer (wie Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol und Rabeprazol) können das Risiko eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs mindern (siehe Tabelle mit Medikamenten zur Behandlung von peptischen Geschwüren).

Andere mögliche Nebenwirkungen der NSAR sind Kopfschmerzen, Verwirrung, erhöhter Blutdruck, Verschlechterung bei Bluthochdruck, herabgesetzte Nierenfunktion, Schwellungen und eine geringere Blutplättchenfunktion. Patienten, bei denen es nach der Einnahme von Aspirin zu Nesselsucht, Entzündung und Schwellung der Nase kommt, treten diese Symptome auch bei Einnahme von NSAR auf. NSAR können das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöhen. Dieses Risiko scheint sich bei hochdosierter langfristiger Einnahme noch zu erhöhen. Bei einigen NSAR ist das Risiko größer als bei anderen.

Aspirin wird zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis nicht mehr eingesetzt, da eine wirksame Dosis häufig toxisch ist.

Die COX-2- bzw. Cyclooxygenase-2-Hemmer (Coxibe, z. B. Celecoxib) verhalten sich ähnlich wie die anderen NSAR, sind aber magenschonender. Bei Einnahme zusammen mit Aspirin wird der Magen jedoch ebenso wahrscheinlich angegriffen, wie bei einem anderen NSAR. Bei langfristiger Einnahme von Coxibe und allen NSAR und Patienten mit einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko ist besondere Vorsicht geboten.

Krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARD)

DMARD wie Methotrexat, Hydroxychloroquin, Leflunomid und Sulfasalazin verlangsamen den Verlauf der rheumatoiden Arthritis und werden deshalb in den meisten Fällen verordnet. Diese Medikamente werden zumeist sofort nach Diagnose einer rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Häufig müssen sie über Wochen oder Monate eingenommen werden, um eine Wirkung zu zeigen. Auch wenn sich die Schmerzen durch NSAR lindern lassen, wird wahrscheinlich ein DMARD verordnet, da die Erkrankung trotz schwacher oder fehlender Symptome fortschreitet. (Siehe auch Tabelle zur medikamentösen Behandlung der rheumatoiden Arthritis.)

Bei etwa zwei Drittel der Betroffenen kommt es zu einer vollständigen Genesung und die Heilungschancen werden immer besser. Der Verlauf der Arthritis kann sich verlangsamen, die Schmerzen bleiben jedoch. Die Patienten sollten gründlich über die Risiken von DMARD informiert und auf Anzeichen einer Toxizität überwacht werden.

In Kombination können DMARD wirkungsvoller sein als einzeln. Hydroxychloroquin, Sulfasalazin und Methotrexat sind zusammen effektiver als Methotrexat allein oder eine Kombination der beiden anderen Medikamente. Die Kombination eines Biologikums mit einem DMARD ist häufig effektiver als ein Einzelmedikament oder bestimmte DMARD-Kombinationen. Methotrexat z. B. kann mit einem TNF-Hemmer kombiniert werden.

Methotrexat wird einmal wöchentlich oral eingenommen. Es wirkt in geringen Dosen entzündungshemmend und wird zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Dieses äußerst effektive Medikament wirkt nach ca. 3 bis 4 Wochen, was für ein DMARD relativ schnell ist. Bei einer Lebererkrankung oder Diabetes und der Einnahme von Methotrexat sollten regelmäßige ärztliche Untersuchungen und Bluttests erfolgen, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Es kann zur Narbenbildung in der Leber kommen, die jedoch häufig erkannt und behandelt werden kann, bevor es zu schweren Schädigungen kommt. Die Behandelten dürfen keinen Alkohol trinken, um die Gefahr eines Leberschadens gering zu halten. Eine Knochenmarksuppression (Unterdrückung der Produktion der roten und weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen) tritt auf. Alle 2 Monate sollte bei allen Patienten, die das Medikament einnehmen, ein Blutbild gemacht werden. Eine Lungenentzündung (Pneumonitis) ist selten. Es kann außerdem zu Entzündungen im Mund und Übelkeit kommen. Nach Absetzung von Methotrexat kann es zu einem schweren Rückfall von Arthritis kommen. Folattabletten (Folsäure) können einige Nebenwirkungen wie Mundgeschwüre lindern. Rheumatische Knoten können sich bei einer Behandlung mit Methotrexat vergrößern.

Hydroxychloroquin wird täglich oral eingenommen. Zu den gewöhnlich nur leichten Nebenwirkungen gehören Hautausschläge, Muskelschmerzen und Augenprobleme. Doch einige Augenprobleme können chronisch werden, sodass die Augen bei Einnahme von Hydroxychloroquin vor Therapiebeginn und während der Behandlung alle 12 Monate von einem Augenarzt untersucht werden sollten. Wenn das Medikament nach 9 Monaten keine Besserung gebracht hat, wird es abgesetzt. Ansonsten kann es so lange wie nötig verabreicht werden.

Leflunomid wird täglich oral eingenommen. Die Wirkungsweise ist ähnlich wie bei Methotrexat, führt aber seltener zu einer reduzierten Blutkörperchenproduktion im Knochenmark, Leberstörungen oder Lungenentzündung (Pneumonitis). Es kann zusammen mit Methotrexat verabreicht werden. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hautausschläge, Störungen der Leberfunktion, Haarausfall, Durchfall und seltener Nervenschäden (Neuropathie).

Sulfasalazin wird anfänglich nachts in oraler Form verabreicht und kann die Symptome lindern und die Gelenkschädigung verlangsamen. Sulfasalazin kann ebenfalls bei leichter rheumatoider Arthritis eingesetzt und mit anderen Medikamenten kombiniert werden, um die Wirksamkeit zu steigern. Die Dosis wird nach und nach gesteigert; gewöhnlich tritt nach 3 Monaten eine Besserung ein. Da Sulfasalazin die Anzahl der weißen Blutkörperchen schnell senken kann (Neutropenie), werden nach den ersten 2 Wochen und dann alle 12 Wochen während der Einnahme Bluttests durchgeführt. Wie die anderen DMARD kann Sulfasalazin zu Magenbeschwerden, Durchfall, Leberproblemen, Blutkrankheiten und Hautausschlägen führen.

Goldverbindungen werden nicht mehr eingesetzt.

Kortikosteroide

Kortikosteroide sind hochwirksame Entzündungshemmer, die das Immunsystem unterdrücken. Kortikosteroide wie Prednison sind äußerst starke Entzündungshemmer und lindern die Symptome der rheumatoiden Arthritis im gesamten Körper. Obwohl sie bei einer kurzfristigen Anwendung sehr effektiv wirken, können sie die Gelenkschädigung nicht verhindern und verlieren mit der Zeit ihre Wirksamkeit. Eine rheumatoide Arthritis hält jedoch oft jahrelang an. (Siehe auch Tabelle zur medikamentösen Behandlung der rheumatoiden Arthritis.)

Es ist umstritten, ob Kortison den Krankheitsverlauf der rheumatoiden Arthritis aufhält. Außerdem hat eine Langzeittherapie mit Kortikosteroiden praktisch immer Nebenwirkungen, die beinahe jedes Organ im Körper betreffen können (siehe Kortikosteroide: Einsatz und Nebenwirkungen). Daher bleiben Kortikosteroide in folgenden Situationen gewöhnlich der Kurzzeitanwendung vorbehalten:

  • anfänglich zur kurzfristigen Behandlung der schwersten Symptome (bis ein DMARD wirksam wird)

  • bei schweren Rheumaschüben, bei denen mehrere Gelenke betroffen sind

Kortikosteroide eignen sich auch, um Entzündungen außerhalb der Gelenke zu bekämpfen, z. B. des Brustfells (Pleura) oder des Herzbeutels (Perikard).

Wegen der Nebenwirkungen wird fast immer die geringste wirksame Dosis eingesetzt. Wenn Kortikosteroide in ein Gelenk injiziert werden, treten andere Nebenwirkungen auf als bei einer oralen oder intravenösen Verabreichung. Für eine rasche, kurzfristige Linderung der Schmerzen und Schwellungen können Kortikosteroide direkt in die betroffenen Gelenke gespritzt werden.

Kortikosteroide können bei längerem Einsatz eine Gewichtszunahme, Bluthochdruck, Diabetes, ein Glaukom und andere Augenerkrankungen wie grauen Star verursachen und das Risiko für bestimmte Infektionen erhöhen.

Kortikosteroide: Einsatz und Nebenwirkungen

Kortikosteroide sind die stärksten Entzündungshemmer. Sie werden bei heftigen Entzündungen wie rheumatoider Arthritis und anderen Entzündungen des Bindegewebes angewendet, bei multipler Sklerose und in Notfällen wie Gehirnschwellungen aufgrund von Krebs, Asthmaanfällen und schweren allergischen Reaktionen. Bei sehr schweren Entzündungen rettet der Einsatz von Kortikosteroiden den Patienten oft das Leben.

Kortikosteroide können auf folgende Weise verabreicht werden:

  • in eine Vene (intravenös – vor allem bei Notfällen)

  • zur Einnahme über den Mund (oral)

  • zum direkten Auftragen auf entzündete Bereiche (topisch; z. B. als Augentropfen oder als Hautcremes)

  • zum Inhalieren (wie bei inhalierbaren Versionen für die Lunge zur Behandlung von Erkrankungen wie Asthma und COPD)

  • zur Injektion in einen Muskel (intramuskulär)

  • zur Injektion in ein Gelenk

Asthma z. B. lässt sich durch Inhalieren einer Kortikosteroidlösung behandeln. Bei Heuschnupfen (allergischer Schnupfen) kann ein Nasenspray verwendet werden. Augentropfen helfen bei Augenentzündungen (Uveitis). Bei Ekzemen und Schuppenflechte können sie direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgebracht werden. Sie können in ein aufgrund einer rheumatoiden Arthritis oder einer anderen Erkrankung entzündetes Gelenk injiziert werden.

Kortikosteroide werden synthetisch hergestellt und imitieren die Wirkung von Kortisol (oder Kortison), einem Steroidhormon, das in der Rinde der Nebennieren (dem Kortex) produziert wird. Daher auch die Bezeichnung „Kortikosteroide“. Viele synthetische Kortikosteroide wirken stärker als Kortisol. Bei den meisten hält die Wirkung auch länger an. Trotz der andersartigen Wirkungen sind Kortikosteroide chemisch mit den anabolen Steroiden (z. B. Testosteron) verwandt, die im Körper produziert und manchmal von Sportlern missbraucht werden.

Zu den Kortikosteroiden gehören z. B. Prednison, Dexamethason, Triamcinolon, Betamethason, Beclomethason, Flunisolid und Fluticason. All diese Medikamente sind sehr stark (obwohl die Wirkung von der Dosis abhängt). Hydrokortison ist ein mildes Kortison und in frei verkäuflichen Hautcremes enthalten.

Kortikosteroide schwächen die Infektionsabwehr des Körpers, indem sie Entzündungen lindern, vor allem bei oraler und intravenöser Verabreichung. Aufgrund dieser Nebenwirkung werden sie bei Infektionen mit äußerster Vorsicht eingesetzt. Bei einer oralen und intravenösen Verabreichung können sich Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Diabetes, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre und Osteoporose ergeben oder verstärken. Deshalb werden Kortikosteroide bei solchen Krankheiten nur verordnet, wenn die Vorteile deutlich überwiegen.

Wenn Kortikosteroide länger als zwei Wochen oral oder intravenös verabreicht werden, sollten sie nicht abrupt abgesetzt werden. Denn sie hemmen die Kortisolproduktion in den Nebennieren, und diese braucht ihre Zeit, um sich zu erholen. Aus diesem Grund wird die Dosis gegen Ende der Behandlung langsam gesenkt. Es ist wichtig, dass der Patient, der Kortikosteroide einnimmt, den Anweisungen des Arztes genau folgt.

Bei einer Langzeittherapie mit Kortikosteroiden, insbesondere, wenn sie oral oder intravenös verabreicht werden, treten zwangsläufig viele Nebenwirkungen auf, die fast alle Organe des Körpers betreffen. Häufige Nebenwirkungen sind das Ausdünnen der Haut, wobei sich Dehnungsstreifen und Blutergüsse bilden, Anstieg von Blutdruck und Blutzuckerspiegel, Katarakte, aufgedunsenes Gesicht (Mondgesicht) und Bauch, dünne Arme und Beine durch Muskelabbau, schlechte Wundheilung, Wachstumshemmung bei Kindern, Kalziumverlust in den Knochen (kann zu Osteoporose führen), Hungergefühle, Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen. Kortikosteroide zum Inhalieren und direkten Auftragen auf die Haut haben weit weniger Nebenwirkungen als kortikosteroidhaltige Spritzen und Tabletten.

Immunsuppressiva

Immunsuppressiva schwächen (unterdrücken) das Immunsystem und verhindern, dass es das körpereigene Gewebe angreift. Diese hochwirksamen Medikamente verlangsamen den Verlauf der Erkrankung und schränken die Schädigung der Knochen in der Nähe der betroffenen Gelenke ein. Da sie in das Immunsystem eingreifen, können Immunsuppressiva das Risiko einer Infektion und bestimmter Krebsarten erhöhen. Zu diesen Medikamenten zählen Azathioprin und Ciclosporin. (Siehe auch Tabelle zur medikamentösen Behandlung der rheumatoiden Arthritis.)

Azathioprin und Ciclosporin sind wirksam bei der Behandlung schwerer rheumatoider Arthritis. Sie unterdrücken die Entzündung, sodass die Kortikosteroiddosen niedrig gehalten werden können oder man ganz auf sie verzichten kann. Sie werden ein- oder zweimal täglich oral eingenommen. Azathioprin und Ciclosporin sind so wirksam wie einige DMARD, haben aber ebenfalls potenziell toxische und schwere Nebenwirkungen, einschließlich Lebererkrankungen, einer erhöhten Infektionsanfälligkeit, einer Unterdrückung der Blutproduktion im Knochenmark (Neutropenie) und eines erhöhten Risikos für einige Krebsarten. Ciclosporin kann zudem eine verringerte Nierenfunktion, Bluthochdruck, Gicht und Diabetes verursachen. Frauen, die schwanger werden wollen, sollten Immunsuppressiva nur nach ausführlicher ärztlicher Beratung einnehmen.

Biologika

Andere Klassen von Immunsuppressiva werden kollektiv als Biologika bezeichnet. Ein Biologikum wird aus einem lebenden Organismus hergestellt. Viele Biologika, die zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt werden, sind Antikörper. Zu den Biologika, die zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt werden, gehören Abatacept, Rituximab, Hemmstoffe des Tumornekrosefaktors (TNF-Hemmer wie Adalimumab, Certolizumab pegol, Etanercept, Golimumab und Infliximab), ein Interleukin-1-Rezeptor-Blocker (Anakinra), Interleukin-6-Rezeptor-Blocker (Tocilizumab und Sarilumab) sowie Janus-Kinase-Hemmer (Tofacitinib und Baricitinib). (Siehe auch Tabelle zur medikamentösen Behandlung der rheumatoiden Arthritis.)

Wie mit Immunsuppressiva kann auch mit Biologika die Entzündung unterdrückt werden, sodass die Kortikosteroiddosen niedrig gehalten werden können oder man ganz auf sie verzichten kann. Da sie in das Immunsystem eingreifen, können Biologika das Risiko einer Infektion und bestimmter Krebsarten erhöhen.

Die TNF-Hemmer Etanercept,Infliximab, Golimumab, Certolizumab pegol und Adalimumab können bei Patienten äußerst wirksam sein, die auf Methotrexat allein nicht ausreichend ansprechen.

  • Etanercept wird einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt.

  • Infliximab wird in die Vene verabreicht. Infliximab wird nach der ersten Dosis in zwei weiteren Dosen nach 2 und nach 6 Wochen und anschließend alle 8 Wochen verabreicht.

  • Golimumab wird einmal alle 4 Wochen unter die Haut gespritzt.

  • Certolizumab pegol wird unter die Haut gespritzt. Im Anschluss an die erste Dosis werden die nächsten Dosen in den Wochen 2 und 4 verabreicht. Dann wird das Medikament, je nach Dosis, in Abständen von 2 oder 4 Wochen verabreicht.

  • Adalimumab wird einmal alle 1 bis 2 Wochen unter die Haut gespritzt.

TNF ist ein wichtiger Teil des körpereigenen Immunsystems. Aus diesem Grund können TNF-Hemmer die Infektionsabwehr des Körpers schwächen, vor allem bei einer reaktivierten Tuberkuloseinfektion. Diese Medikamente sind für Patienten mit einer aktiven Entzündung nicht empfehlenswert, und sie sollten vor großen Operationen abgesetzt werden. Etanercept, Infliximab und Adalimumab können zusammen mit Methotrexat verabreicht werden, was auch oft der Fall ist. Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz sollten Infliximab nicht in hohen Dosen einnehmen.

Nebenwirkungen von TNF-Hemmern sind das potenzielle Risiko einer Reaktivierung von Infektionen (insbesondere Tuberkulose und Pilzinfektionen), nicht melanozytäre Hautkrebsarten und eine Reaktivierung von Hepatitis B.

Anakinra ist ein Interleukin-1-Rezeptor-Blocker (IL-1), d. h., es unterbricht die chemischen Hauptwege einer Entzündung. Anakinra wird einmal täglich unter die Haut gespritzt. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schmerzen und Juckreiz an der Injektionsstelle. IL-1 ist Teil des Immunsystems, so dass eine Unterdrückung die Infektionsabwehr des Körpers schwächen kann. Anakinra kann auch die Produktion der weißen Blutkörperchen unterdrücken. Es sollte nicht zusammen mit TNF-Hemmern eingenommen werden. Da es täglich verabreicht werden muss, wird es seltener verschrieben.

Rituximab ist ein Biologikum, das die Anzahl der B-Zellen-Lymphozyten senkt. Diese weißen Blutkörperchen verursachen Entzündungen und bekämpfen Infektionen. Rituximab ist in der Regel Patienten vorbehalten, die nach der Einnahme von Methotrexat und einem TNF-Hemmer keine ausreichende Verbesserung aufweisen. Es wird in einem Abstand von 2 Wochen in 2 Dosen intravenös verabreicht. Wie bei anderen Immunsuppressiva zählt zu den Nebenwirkungen auch hier ein erhöhtes Infektionsrisiko. Außerdem kann Rituximab während der Einnahme zu Hautausschlägen, Übelkeit, Rückenschmerzen, Juckreiz oder einem zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck führen.

Abatacept ist ein anderes Biologikum, das die Kommunikation zwischen den Zellen, die die Entzündung bekämpfen, beeinflusst. Zu den Nebenwirkungen zählen Lungenprobleme, Kopfschmerzen, erhöhte Infektionsanfälligkeit und Infektionen der oberen Atemwege. Die erste intravenöse Injektion dauert insgesamt mindestens 30 Minuten. Nach der ersten Dosis wird das Mittel nach 2 Wochen, nach 4 Wochen und anschließend alle 4 Wochen in die Vene oder unter die Haut gespritzt.

Sarilumab ist ein IL-6-Rezeptor-Blocker, d. h., es unterbricht einen der chemischen Hauptwege einer Entzündung. Dieses Medikament wird Patienten verabreicht, bei denen eine Behandlung mit DMARD nicht geholfen hat oder nicht vertragen wurde. Sarilumab führt zu einer Unterdrückung der Produktion von Blutzellen im Knochenmark (Neutropenie), einer unterdrückten Produktion von Blutplättchen im Knochenmark (manchmal mit einer erhöhten Blutungsanfälligkeit) und erhöhten Leberenzymwerten. Es wird einmal alle 2 Wochen unter die Haut (subkutan) gespritzt.

Tocilizumab ist auch ein IL-6-Rezeptor-Blocker. Es wird häufig in Kombination mit Methotrexat verabreicht. Nebenwirkungen umfassen Infektionen (wie z. B. Tuberkulose), eine Unterdrückung der Produktion von Blutkörperchen im Knochenmark (Neutropenie), Anaphylaxie (eine lebensbedrohliche allergische Reaktion) und erhöhte Leberenzymwerte. Es wird alle 4 Wochen intravenös verabreicht.

Baricitinib ist ein Janus-Kinase- bzw. JAK-Hemmer, der die Kommunikation zwischen den die Entzündung bekämpfenden Zellen beeinflusst, indem er ein Enzym (Janus-Kinase oder JAK) hemmt. Dieses Medikament wird Patienten verabreicht, bei denen eine Behandlung mit TNF-Antagonisten nicht geholfen hat oder nicht vertragen wurde. Baricitinib erhöht das Risiko von Infektionen (insbesondere Reaktivierung von Windpocken, was zu einer Gürtelrose führt), Hautkrebs. hohen Cholesterinwerten (Hypercholesterinämie) und tiefer Beinvenenthrombose (TVT). Es wird einmal täglich oral eingenommen.

Tofacitinib ist auch ein JAK-Hemmer. Dieses Medikament wird verordnet, wenn Methotrexat nicht die erwünschte Wirkung gezeigt hat. Tofacitinib kann zusammen mit Methotrexat verabreicht werden. Nebenwirkungen umfassen ein Risiko von Infektionen (insbesondere Reaktivierung von Windpocken), nicht melanozytärem Hautkrebs und hohen Cholesterinwerten (Hypercholesterinämie). Tofacitinib wird zweimal täglich oral eingenommen.

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