Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

honeypot link

Ergotherapie (OT)

Von

Alex Moroz

, MD, New York University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2017| Inhalt zuletzt geändert Jul 2017
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Quellen zum Thema

Die Ergotherapie, auf die sich die Rehabilitation oft konzentriert, soll die Fähigkeit einer Person verbessern, Alltagshandlungen zur Selbstversorgung, sinnvolle Arbeiten und Freizeitaktivitäten zu verrichten. Zu diesen Aktivitäten gehören einfache Alltagsverrichtungen (z. B. Essen, Ankleiden, Baden, Körperpflege, auf die Toilette gehen und sich von einem Ort zum anderen zu begeben, etwa von einem Stuhl zur Toilette oder zum Bett) sowie komplexere Alltagsverrichtungen (z. B. das Zubereiten von Mahlzeiten, die Benutzung eines Telefons oder Computers, die Verwaltung der Finanzen oder die Handhabung der täglichen Medikation, das Einkaufen und das Fahren).

Diese Therapie legt den Schwerpunkt auf die Koordination von mehreren Fähigkeiten, die selbst für einfache Handlungen erforderlich sind:

  • Die Fähigkeit zu fühlen und sich zu bewegen

  • Die Fähigkeit, einen Plan zu erstellen und auszuführen

  • Die Fähigkeit, die Aufgabe verrichten zu wollen und bis zum Schluss dabei zu bleiben

Diese Fähigkeiten können auf vielerlei Arten beeinträchtigt sein.

Tabelle
icon

Was kann die Verrichtung einer einfachen Aufgabe behindern?

Erforderliche Fähigkeit

Art der Fähigkeit

Mögliche Beeinträchtigungen

Fühlen und sich bewegen

Sensomotorisch

Beeinträchtigte Empfindung und Wahrnehmung

Eingeschränkter Bewegungsumfang

Schwache Muskulatur

Geringe Ausdauer

Schlechtes Gleichgewicht

Verlust von Handfertigkeit und Koordination

Einen Plan erstellen und ausführen

Kognitiv

Aufmerksamkeitsstörungen

Ablenkung

Konzentrationsverlust

Eingeschränktes Urteilsvermögen

Unentschlossenheit

Gedächtnisprobleme

Schlechte Problemlösungskompetenz

Die Aufgabe verrichten wollen und bis zum Schluss dabei bleiben

Psyche

Apathie

Wahrgenommene Inkompetenz

Frustration

Mangel an Ausdauer

Vermindertes Coping (Bewältigungsfähigkeit)

Ergotherapeuten können durch Beobachtung des Patienten, spezifische Tests (z. B. Gleichgewichtstests) und Gespräche mit anderen medizinischen Fachkräften, Familienangehörigen oder Betreuern Beeinträchtigungen identifizieren.

Der Therapeut beurteilt die Bedürfnisse des Patienten, indem er ihn in seinem natürlichen Umfeld beobachtet. Er versucht, potenzielle Probleme mit dem sozialen und physikalischen Umfeld zu erkennen. Er untersucht das Zuhause des Patienten auf Gefahren, die diesen bei der Ausführung einer Aktivität einschränken. Gegebenenfalls empfiehlt er anschließend Maßnahmen, um das Zuhause sicherer zu gestalten. Zu den Empfehlungen könnte beispielsweise der Einsatz einer helleren Beleuchtung, das Beseitigen von Stromkabeln in Bereichen, in denen sich Personen bewegen, oder das Fixieren von Kabeln am Fußboden gehören. Der Therapeut evaluiert auch die Unterstützung, die Familienangehörige und andere Personen anbieten.

Speziell ausgebildete Therapeuten können die Fahrtüchtigkeit einer Person beurteilen und feststellen, ob eine Nachschulung erforderlich ist (siehe Der ältere Fahrer).

Wussten Sie ...

  • Ergotherapeuten legen den Schwerpunkt auf die Unterstützung des Patienten bei der Verrichtung von bestimmten Alltagsaufgaben, die infolge einer Störung oder Verletzung schwierig geworden sind.

  • Viele Spezialgeräte wie Greifhilfen und Utensilien und Werkzeuge mit großem Griff können einem Patienten helfen, zu funktionieren.

Patienten mit Beeinträchtigungen arbeiten mit dem Ergotherapeuten, um ihre Ziele zu benennen und zu priorisieren und die geeigneten Verfahren und Aktivitäten zu bestimmen. Falls ein Patient Probleme hat, mit Essbesteck umzugehen, kann die Therapie aus Übungen bestehen, die die Feinmotorik fördern, z. B. Stifte in eine Steckplatte stecken. Ein Gedächtnisspiel kann Erkennen und Abrufen trainieren. Adaptive Methoden können dem Patienten helfen, seine Stärken zur Kompensation seiner Beeinträchtigungen einzusetzen. Ein Patient mit einem gelähmten Arm kann z. B. neue Wege erlernen, sich anzuziehen, seine Schuhe zu binden oder Knöpfe zuzumachen. Mit zunehmendem Fortschritt werden die Aufgaben anspruchsvoller.

Hilfsgeräte

Ergotherapeuten empfehlen Geräte, die die Eigenständigkeit des Patienten fördern (Hilfsgeräte). Therapeuten zeigen den Patienten, wie sie die Geräte verwenden können, und bauen gegebenenfalls bestimmte Geräte zusammen bzw. passen diese an. Zu diesen Geräten gehören im Folgenden:

Tabelle
icon

Geräte, die Menschen helfen zu funktionieren

Problem

Gerät/Produkt

Gleichgewichtsprobleme, schwache Beine oder Schwindel

Gehstöcke, Gehhilfen oder Rollstühle

Duschstühle

Einstiegsgriffe seitlich und hinter der Badewanne oder Toilette

Badewannenbänke

Schwacher Griff

Spezialbesteck oder Schuhanzieher

Begrenzter Bewegungsumfang

Greifhilfen, die einen Gegenstand vom Boden aufheben oder aus dem Regal nehmen

Zittern

Beschwertes Essbesteck

Tassen mit Deckel

Speziallöffel (Swivel)

Koordinierungsprobleme

Teller mit Rand und strukturierter Unterseite aus Gummi für einen festeren Halt, um ein Rutschen des Tellers zu verhindern

Handprobleme

Werkzeuge mit geformten Griffen, Federzug oder elektronischer Steuerung

Schwierigkeit zu stehen aufgrund von Rückenproblemen oder schwachen Beinen

Erhöhte Toilettensitze

Höhenverstellbare Stühle

Stuhlbeinverlängerungen (um den Sitz zu erhöhen)

Paralyse (einschließlich Tetraplegie) und andere Störungen, die die Funktion ernsthaft einschränken

Computergestützte Geräte

Sehstörungen

Größere Telefontasten

Druckschriftvergrößerung oder Hörbücher

Schwerhörigkeit

Telefone mit einem Blinklicht, welches das Klingeln ersetzt

Gedächtnisstörungen

Automatisch wählende Telefone

Medikamentenbox und Gedächtnisstützen

Taschengeräte, die Nachrichten aufnehmen und zu geeigneter Zeit abspielen (Gedächtnisstützen, Anweisungen und Listen)

Orthesen sind Vorrichtungen, die geschädigte Gelenke, Bänder, Sehnen, Muskeln und Knochen stabilisieren. Die meisten Orthesen sind auf die Bedürfnisse und die Anatomie des Patienten zugeschnitten. Orthesen werden häufig in Schuhen eingesetzt. Sie verlagern das Gewicht der Person auf die verschiedenen Bereiche des Fußes, um die verlorene Funktion auszugleichen und zu verhindern, dass eine Fehlfunktion auftritt. Auch helfen sie dabei, das Körpergewicht mitzutragen, Schmerzen zu lindern sowie zu stützen. Die Therapeuten können diese Orthesen sowohl konstruieren als auch anpassen. Orthesen sind oftmals sehr teuer und werden nicht von der Versicherung übernommen.

Schienen können eingesetzt werden, um zu verhindern, dass Gelenke in einer gebeugten Position verbleiben. Wenn Patienten eine Gliedmaße nicht normal bewegen können (z. B. bei vorliegender Arthritis oder einer Lähmung nach einem Schlaganfall), kommt es häufig zu einer leichten Beugung des Gliedmaßes, das dann in dieser Position verbleibt. Mit Hilfe von Schienen, die die Gliedmaße in gerader Position halten, kann verhindert werden, dass das Gelenk in einer bestimmten Position einfriert.

Zu den Gehstützen gehören Gehhilfen, Krücken und Gehstöcke. Sie helfen dem Patienten, sein Körpergewicht zu tragen und/oder das Gleichgewicht zu halten. Jede Vorrichtung/jedes Produkt hat ihre/seine Vor- und Nachteile und ist in verschiedenen Modellen erhältlich. Ergotherapeuten können Patienten helfen, die für sie am besten geeignete Gehhilfe auszusuchen.

Rollstühle ermöglichen es Patienten, die nicht gehen können, von A nach B zu gelangen. Einige selbstfahrende Modelle sind sehr stabil. Diese Modelle ermöglichen es dem Patienten, über unebenes Gelände oder Bordsteinkanten hoch- und runterzufahren. Andere Modelle wurden dafür konzipiert, von einer zweiten Person geschoben zu werden. Diese Modelle sind weniger stabil und langsamer.

Elektromobile sind batteriebetriebene Wägen auf Rädern mit einem Lenkrad oder einer Ruderpinne. Diese Modelle verfügen über eine Geschwindigkeitssteuerung und können vorwärts- und rückwärtsfahren. Sie eignen sich zum Fahren auf festem, geradem Gelände innerhalb und außerhalb von Gebäuden, können allerdings keine Treppen oder Bordsteinkanten hoch- bzw. runterfahren. Elektromobile sind für Patienten sinnvoll, die nur kurze Zeit stehen oder nur kleine Strecken laufen können, z. B. zum und vom Elektromobil.

Prothesen sind künstliche Körperteile, in der Regel Gliedmaße (siehe Amputation eines Glieds). Beispielsweise kann der Therapeut bei einem Patienten mit einem amputierten Arm einen künstlichen Arm (Prothese) empfehlen, der eine Greifzange zum Festhalten von Gegenständen hat. Die meisten Ergotherapeuten können Patienten mit einer amputierten Gliedmaße trainieren, ihre künstlichen Gliedmaßen oder andere Geräte zu benutzen, um ihre Alltagsaufgaben besser zu bewältigen.

Weitere Informationen

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie

Auch von Interesse

NACH OBEN