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Vergrößerte Milz

(Milzvergrößerung)

Von

Harry S. Jacob

, MD, DHC, University of Minnesota Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2020| Inhalt zuletzt geändert Jan 2020
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Eine vergrößerte Milz ist selbst keine Erkrankung, sondern immer die Folge einer anderen Grunderkrankung. Viele Krankheiten verursachen eine vergrößerte Milz.

  • Viele Erkrankungen, einschließlich Infektionen, Anämien und Krebs, können eine Milzvergrößerung verursachen.

  • Die Symptome sind im Allgemeinen nicht besonders spezifisch, können aber ein Völlegefühl oder Schmerzen links oben im Bauch oder Rücken umfassen.

  • Meistens kann der Arzt eine vergrößerte Milz fühlen, aber Ultraschallaufnahmen und andere bildgebende Verfahren können verwendet werden, um zu bestimmen, wie groß die Milz ist.

  • Die Behandlung der Krankheit, welche die Milzvergrößerung verursacht, behebt das Problem im Allgemeinen, aber manchmal muss die Milz entfernt werden.

Um die Ursache einer vergrößerten Milz herauszufinden, muss der Arzt Krankheiten von chronischen Infektionen bis hin zu Blutkrebs erwägen.

Wussten Sie ...

  • Eine vergrößerte Milz ist immer die Folge einer anderen Grunderkrankung.

Eine geschwollene Milz kann so groß werden, dass ihre Blutversorgung nicht mehr ausreicht. Dann können Teile von ihr beschädigt werden, bluten und auch absterben.

Tabelle
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Ursachen einer vergrößerten Milz

Kategorie

Spezifische Ursache

Anämien

Blutkrebs und myeloproliferative Neoplasien

Infektionen

Speicherkrankheiten

Andere Ursachen

  • Blutgerinnsel in einer Vene aus der Milz oder zur Leber

  • Zysten in der Milz

  • Druck auf Venen von der Milz oder zur Leber

  • Felty-Syndrom (eine Gruppe an Menschen mit rheumatoider Arthritis, bei denen es auch zu einer niedrigen Anzahl weißer Blutkörperchen und einer vergrößerten Milz kommt)

  • Hämophagozytische Lymphohistiozytose

  • Langerhans-Zell-Histiozytose (früher Hand-Schüller-Christian-Krankheit und Abt-Letterer-Siwe-Syndrom)

Hypersplenismus

Die Milz sondert normalerweise alte und/oder beschädigte rote Blutkörperchen aus dem Blutkreislauf aus. Wenn sich die Milz jedoch vergrößert, speichert sie eine übermäßige Anzahl roter Blutkörperchen, was zu einer Anämie führt. Manchmal zerstört die Milz auch weiße Blutkörperchen und/oder Blutplättchen, was zu einer geringen Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie) bzw. Blutplättchen (Thrombozytopenie) führt. Dieser Prozess setzt einen Teufelskreis in Gang: Je mehr Zellen die Milz festhält, desto größer wird sie, und je größer sie wird, desto mehr Blutzellen hält sie fest.

Symptome

Eine geschwollene Milz verursacht kaum Symptome, und keines von ihnen zeigt den Grund für die Vergrößerung eindeutig an. Da die vergrößerte Milz direkt neben dem Magen liegt und auf ihn drückt, fühlt ein Betroffener sich oft schon satt, wenn er auch nur einen kleinen Bissen zu sich nimmt, und manchmal sogar, wenn er überhaupt nichts isst. Patienten können auch Bauch- oder Rückenschmerzen im Milzbereich, im linken Oberbauch oder auf der linken Rückenseite haben. Der Schmerz kann sich auf die linke Schulter ausdehnen, vor allem, wenn die Milz nicht genügend Blut bekommt und langsam abstirbt.

Wenn Hypersplenismus eine schwere Blutarmut verursacht, können die Patienten müde und kurzatmig sein. Patienten können auch häufige Infektionen infolge zu weniger weißer Blutkörperchen und eine Neigung zu Blutungen infolge zu weniger Blutplättchen haben.

Diagnose

  • Bildgebung des Bauchraums

  • Bluttests

Wenn jemand über Völlegefühl oder Schmerzen im linken Oberbauch oder Rücken klagt, wird eine Milzvergrößerung vermutet. Gewöhnlich kann der Arzt bei der körperlichen Untersuchung die vergrößerte Milz ertasten.

Auch eine Röntgenuntersuchung, die aufgrund anderer Gründe durchgeführt wurde, kann die geschwollene Milz zeigen. Eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomographie (CT) können in der Regel notwendig sein, um die Größe der Milz einzuschätzen und um zu erkennen, ob sie auf andere Organe drückt. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann ähnliche Informationen liefern, zugleich aber über die Durchblutung der Milz Aufschluss geben. Andere Scan-Verfahren bedienen sich leicht radioaktiver Substanzen, um Größe und Funktion der Milz einzuschätzen und herauszufinden, ob die Milz große Mengen Blutkörperchen ansammelt oder zerstört.

Bei Blutuntersuchungen zeigt sich der Mangel an roten und weißen Blutkörperchen sowie an Blutplättchen. Unter dem Mikroskop geben Größe und Form der Blutkörperchen Aufschluss über die Ursache der Milzvergrößerung. Eine Knochenmarkuntersuchung kann einen Blutkrebs (z. B. Leukämie oder ein Lymphom) oder eine Anreicherung unerwünschter Stoffe (wie sie bei Speicherkrankheiten auftreten) aufdecken. Die Messung des Eiweißgehalts im Blut kann dazu beitragen, dass andere zu einer Vergrößerung der Milz führenden Erkrankungen wie Amyloidose, Sarkoidose, Malaria, viszerale Leishmaniose, Brucellose und Tuberkulose ausgeschlossen werden können. Lebertests können Aufschluss darüber geben, ob auch die Leber geschädigt ist.

Aus der Milz lässt sich für eine Untersuchung nicht einfach eine Gewebeprobe entnehmen, denn durch das Einführen einer Nadel oder durch einen Schnitt in das Milzgewebe kann eine unkontrollierbare Blutung entstehen. Wenn die vergrößerte Milz operativ entfernt wird, um gewisse Krankheiten zu diagnostizieren oder zu behandeln, wird sie im Labor untersucht, um die Ursache der Vergrößerung zu bestimmen.

Behandlung

  • Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung

  • Manchmal Entfernung der Milz

Wenn möglich, behandelt der Arzt die der vergrößerten Milz zugrunde liegende Krankheit. Patienten mit einer vergrößerten Milz sollten Kontaktsportarten vermeiden, weil eine vergrößerte Milz leichter reißt, was zu unkontrollierbaren Blutungen führen kann.

Wussten Sie ...

  • Patienten mit einer vergrößerten Milz müssen Kontaktsportarten vermeiden, da das Risiko besteht, dass die Milz reißt, was zu unkontrollierbaren Blutungen führen kann.

Die Milz muss möglicherweise operativ entfernt werden, wenn der Hypersplenismus schwerwiegende Probleme verursacht. Eine operative Entfernung der Milz (Splenektomie) sollte nach Möglichkeit vermieden werden, da nach der Entfernung ein erhöhtes Risiko von Infektionen durch bestimmte Bakterien besteht. Jedoch müssen diese Risiken in bestimmten kritischen Situationen in Kauf genommen werden:

  • Wenn die Milz rote Blutkörperchen so schnell zerstört, dass eine schwere Anämie entsteht

  • Wenn die Milz den Vorrat an weißen Blutkörperchen so stark verringert, dass Infektionen wahrscheinlich sind

  • Wenn die Milz den Vorrat an Blutplättchen so stark verringert, dass Blutungen wahrscheinlich sind

  • Wenn die Milz so groß ist, dass sie Schmerzen verursacht oder Druck auf andere Organe ausübt oder ein frühes Völlegefühl trotz kleiner Mahlzeiten eintritt

  • Wenn die Milz so groß ist, dass Teile von ihr bluten oder absterben

Als Alternative zur Operation kann die Milz manchmal mit einer Strahlentherapie zum Schrumpfen gebracht werden.

Patienten, bei denen die Milz entfernt wurde, müssen gegen Infektionen durch Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis und Haemophilus influenzaegeimpft werden. Sie sollten auch sicherstellen, dass sie sich jedes Jahr gegen Grippe impfen lassen, da diese Impfung jetzt für alle empfohlen wird.

Nach einer Entfernung der Milz sind die Patienten besonders anfällig für eine schwere Sepsis, besonders dann, wenn sie regelmäßig mit Kindern in Kontakt kommen. Sie müssen möglicherweise täglich Antibiotika anwenden, um einer Infektion vorzubeugen.

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