Dyspnoe

VonRebecca Dezube, MD, MHS, Johns Hopkins University
Reviewed ByM. Patricia Rivera, MD, University of Rochester Medical Center
Überprüft/überarbeitet Geändert Nov. 2025
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Dyspnoe bezeichnet ein unangenehmes oder erschwertes Atemempfinden. Sie wird von den Patienten in Abhängigkeit von der Ursache unterschiedlich erfahren und beschrieben.

Ätiologie der Dyspnoe

Dyspnoe hat viele pulmonale, kardiale sowie andere Ursachen (1), die je nach Schweregrad des Auftretens variieren (siehe Tabellen , und ).

Die häufigsten Ursachen sind:

Die häufigste Ursache der Dyspnoe bei Patienten mit chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen ist:

  • Verschlimmerung ihrer Krankheit

Jedoch können solche Patienten auch akut eine weitere Erkrankung entwickeln (z. B. kann ein Patient mit langjähriger Asthma einen Myokardinfarkt haben, ein Patient mit chronischer Herzinsuffizienz kann eine Pneumonie entwickeln).

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Hinweis zur Ätiologie

  1. 1. Pratter MR, Curley FJ, Dubois J, Irwin RS: Cause and evaluation of chronic dyspnea in a pulmonary disease clinic. Arch Intern Med 149 (10): 2277–2282, 1989.

Pathophysiologie der Dyspnoe

Obwohl Atemnot ist ein relativ häufiges Problem ist, wird die Pathophysiologie des unangenehmen Atmungsgefühls schlecht verstanden. Im Gegensatz zu anderen Arten von schädlichen Reizen, gibt es keine speziellen Rezeptoren für Dyspnoe (wenngleich die MRT-Studien ein paar spezifische Bereiche im Mittelhirn identifiziert haben, die die Wahrnehmung von Dyspnoe vermitteln können).

Die Empfindung der Dyspnoe resultiert wahrscheinlich aus einer komplexen Interaktion zwischen der Stimulation der Chemorezeptoren, mechanischen Anomalien der Atmung, Anomalien der Herzfunktion oder des venösen Rückflusses und der Wahrnehmung dieser Anomalien durch das zentrale Nervensystem. Einige Autoren haben das Ungleichgewicht zwischen neurologischer Stimulation und mechanischen Veränderungen in der Lunge und Brustwand als neuromechanische Entkopplung beschrieben (1, 2).

Literatur zur Pathophysiologie

  1. 1. Mendonca CT, Schaeffer MR, Riley P, Jensen D: Physiological mechanisms of dyspnea during exercise with external thoracic restriction: role of increased neural respiratory drive. J Appl Physiol (1985) 116(5):570-581, 2014. doi:10.1152/japplphysiol.00950.2013

  2. 2. Schwartzstein RM, Campbell ML. Dyspnea and Mechanical Ventilation: The Emperor Has No Clothes. Am J Respir Crit Care Med 205(8):864-865, 2022. doi:10.1164/rccm.202201-0078ED

Beurteilung der Dyspnoe

Anamnese

Die Anamnese der aktuellen Erkrankung sollte den zeitlichen Beginn (z. B. plötzlich, schleichend) sowie die Dauer erfassen. Der Schweregrad kann durch die Beurteilung des Aktivitätslevels, der erforderlich ist, um eine Dyspnoe zu verursachen (z. B. ist Dyspnoe in Ruhe typischerweise ernster als Dyspnoe, die nur bei Treppensteigen auftritt) bestimmt werden. Medizinisches Fachpersonal sollte erfassen, wie stark sich die Dyspnoe im Vergleich zum üblichen Zustand des Patienten verändert hat. Auslösende oder verschlimmernde Faktoren (z. B. Allergenexposition, Kälte, Anstrengung, Rückenlage) und lindernde Faktoren sollten identifiziert werden.

Bei der Untersuchung der Körpersysteme sollte nach Symptomen der möglichen Ursachen gesucht werden, darunter Thoraxschmerz oder -druck (Lungenembolie, Myokardischämie, Pneumonie); abhängigen Ödemen, Orthopnoe und paroxysmale nächtliche Dyspnoe (Herzinsuffizienz); Fieber, Schüttelfrost, Husten und Sputumproduktion (Pneumonie); schwarzer, zäher Stuhl oder schwer verlaufende Menstruation (okkulte Blutungen, die möglicherweise Anämie verursachen) sowie Gewichtsverlust oder Nachtschweiß (Krebs oder chronische Infektion der Lunge).

Die Anamnese sollte bekannte Erkrankungen, die eine Dyspnoe verursachen, wie z. B. Asthma, chronische obstruktive Lungenerkrankung und Herzerkrankungen sowie Risikofaktoren für die verschiedenen Ursachen einschließen:

  • Raucheranamnese: Für Krebs, chronische obstruktive Lungenerkrankung, einige interstitielle Lungenerkrankungen und Herzerkrankungen

  • Familienanamnese, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte: Für die koronare Herzkrankheit

  • Aktuelle Immobilisierung oder Operation, kürzliche Fernreisen, Krebs oder Risikofaktoren für oder Anzeichen von okkulten Krebs, frühere oder in der Familie vorkommende Gerinnungsstörungen, Schwangerschaft, Einnahme oraler Kontrazeptiva, Schmerzen in der Wade, geschwollene Beine und bekannte tiefe Venenthrombose: für Lungenembolie

Umwelt- und berufsbedingte Expositionen (z. B. Gase, Rauch, Asbest) sollten untersucht werden.

Körperliche Untersuchung

Die Vitalzeichen werden auf Fieber, Tachykardie, Hypoxie und Tachypnoe untersucht.

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Herz-Kreislauf- und Lungen-Systeme.

Es sollte eine komplette Untersuchung der Lunge durchgeführt werden, darunter insbesondere die Angemessenheit der Luftzufuhr und -abgabe, die Symmetrie der Atemgeräusche und das Vorhandensein von Rasselgeräuschen, Giemen, Stridor und Keuchen. Es sollte nach Zeichen der Konsolidierung (z. B. Ägophonie, Klopfschalldämpfung) gesucht werden. Die zervikalen, supraklavikulären und Inguinalbereiche sollten inspiziert und auf Lymphadenopathie palpiert werden.

Die Halsvenen sollten auf Aufdehnung inspiziert und die Beine sowie der präsakrale Bereich auf eingedellte Ödeme (beide deuten auf Herzinsuffizienz hin) palpiert werden.

Die Herztöne sollten abgehört und alle auftretenden zusätzlichen Herztöne, gedämpfte Herztöne oder Geräusche vermerkt werden. Die Untersuchung auf Pulsus paradoxus (a > 12-mmHg Abfall des systolischen RR während der Inspiration) kann durch Aufblasen der Blutdruckmanschette auf 20 mmHg über den systolischen Druck und dann langsames Ablassen bis das erste Korotkow-Geräusch nur beim Ausatmen zu hören ist, geschehen. Beim weiteren Entleeren der Manschette wird der Punkt, an dem das erste Korotkow-Geräusch sowohl während der Inspiration als auch der Exspiration zu hören ist, aufgezeichnet. Wenn die Differenz zwischen der ersten und der zweiten Messung > 12 mmHg ist, liegt ein Pulsus paradoxus vor.

Die Bindehaut sollte auf Blässe untersucht werden.

Warnzeichen

Die folgenden Ergebnisse sind von besonderer Bedeutung:

  • Dyspnoe in Ruhe während der Untersuchung

  • Bewusstseinstrübung oder Unruhe oder Verwirrung

  • Einsatz der Atemhilfsmuskulatur und schlechte Luftexkursion

  • Thoraxschmerz

  • Feuchte RG

  • Gewichtsverlust

  • Nachtschweiß

  • Palpitationen

Interpretation der Befunde

Die Anamnese und die körperliche Untersuchung lassen oft auf eine Ursache schließen und geben Hinweise für weitere Untersuchungen (siehe Tabellen , und ) (1). Mehrere Befunde sind bemerkenswert:

Allerdings können die Symptome und Anzeichen von lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Ischämie und Lungenembolie unspezifisch sein. Darüber hinaus ist die Schwere der Symptome nicht immer proportional zu der Schwere der Ursache (z. B. kann eine Lungenembolie bei fitten, gesunden Menschen nur eine milde Dyspnoe verursachen). Daher ist ein hohes Maß an Misstrauen bei diesen häufigen Erkrankungen angebracht. Es ist oft sinnvoll, diese Krankheiten auszuschließen, bevor die Dyspnoe einer weniger schwerwiegenden Ursache zugeschrieben wird.

Die Berücksichtigung der Prä-Test-Wahrscheinlichkeit und manchmal klinische Vorhersageregeln können helfen, die Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie abzuschätzen. Es ist zu beachten, dass eine normale Sauerstoffsättigung eine Lungenembolie nicht ausschließt.

Das Hyperventilationssyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Da eine Hypoxie auch eine Tachypnoe und Unruhe verursachen kann, sollte nicht angenommen werden, dass jeder schnell atmende, unruhige, junge Mensch lediglich an einem Hyperventilationssyndrom leidet.

Tests

Eine Pulsoxymetrie sollte bei allen Patienten durchgeführt werden, ebenso ein Röntgenthorax, sei denn die Symptome stammen eindeutig von einer leichten oder mittelschweren Exazerbation einer bestehenden Krankheit. Zum Beispiel benötigen Patienten mit Asthma oder Herzinsuffizienz keine Röntgenaufnahme bei jedem Schub, außer die klinischen Befunde lassen eine andere Ursache oder eine ungewöhnlich schwere Attacke vermuten.

Bei den meisten Erwachsenen sollte ein EKG durchgeführt werden, um eine Myokardischämie zu diagnostizieren (und Serum-Herzmarker-Tests, wenn der starke Verdacht besteht), es sei denn, eine Myokardischämie kann klinisch ausgeschlossen werden.

Bei Patienten mit schwerem oder sich verschlechterndem Atemstatus sollten arterielle Blutgase gemessen werden, um PaO2 und PaCO2 genauer zu quantifizieren, Säure-Basen-Störungen, die Hyperventilation stimulieren, zu diagnostizieren und den alveolären-arteriellen Sauerstoffgradienten zu berechnen. Auch kann die Durchführung eines Basis-Stoffwechselpanels zur Messung des Bikarbonatspiegels nützlich sein, um die Chronizität einer respiratorischen Azidose zu beurteilen.

Patienten, die nach Röntgenthorax und EKG keine eindeutige Diagnose haben und ein moderates oder hohes Risiko für Lungenembolie besitzen (aufgrund einer klinischen Vorhersageregel) sollten sich einer CT-Angiographie oder einer Ventilations-/Perfusionsszintigraphie unterziehen. Patienten mit einem geringen Risiko sollten eventuell einen D-Dimer-Test durchführen (normale D-Dimer-Werte schließen eine Lungenembolie bei einem Patienten mit geringem Risiko definitiv aus). Siehe Diagnosekriterien zur Bestimmung der Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Patienten eine Lungenembolie vorliegt.

Bei chronischer Dyspnoe sollte eine weitere gezielte Diagnostik wie CT, Lungenfunktionsprüfungen, Echokardiographie und Bronchoskopie erfolgen. Wenn die Erstuntersuchung nicht schlüssig ist, kann ein kardiopulmonaler Belastungstest in Betracht gezogen werden.

Klinischer Rechner

Evaluationshinweis

  1. 1. Parshall MB, Schwartzstein RM, Adams L, et al: An Official American Thoracic Society Statement: Update on the mechanisms, assessment, and management of dyspnea. Am J Respir Crit Care Med 185:435–452, 2012.

Behandlung der Dyspnoe

Therapie bedeutet Behandlung der zugrunde liegenden Störungen.

Hypoxie (bei fehlender kompensatorischer Hyperventilation) wird bei Bedarf mit zusätzlichem Sauerstoff behandelt, um eine Sauerstoffsättigung > 88% oder einen PaO2 > 55 mmHg (> 7,3 kPa) aufrechtzuerhalten, da Werte oberhalb dieser Schwellenwerte eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Gewebes gewährleisten. Werte unter diesen Grenzen sind auf dem steilen Anteil der Sauerstoff–Hämoglobin-Dissoziationskurve lokalisiert, wo bereits ein geringer Abfall der Sauerstoff–Spannung zu starkem Abfall der Hämoglobin-Sättigung führen kann. Die Sauerstoffsättigung sollte bei > 93% gehalten werden, wenn die myokardiale oder zerebrale Ischämie ein Problem darstellt, obwohl Daten darauf hindeuten, dass zusätzlicher Sauerstoff bei der Behandlung des akuten Myokardinfarkts nicht vorteilhaft ist, es sei denn, der Patient hat eine Hypoxie (1).

Die Gabe von Morphin (z. B. 0,5–5 mg IV) kann helfen, dem Patienten die Angst zu nehmen und die als unangenehm empfundene Atemnot bei verschiedenen Erkrankungen zu lindern, wie z. B. bei Myokardinfarkt, Lungenembolie und der häufig vorkommenden Dyspnoe bei terminalen Erkrankungen. Opioide sollten jedoch bei Patienten mit akuten Atemwegsobstruktionen (z. B. Asthma, COPD) mit Vorsicht angewendet werden, da sie den Atemantrieb unterdrücken und eine respiratorische Azidämie verschlechtern können.

Literatur zur Therapie

  1. 1. Cabello JB, Burls A, Emparanza JI, Bayliss SE, Quinn T: Oxygen therapy for acute myocardial infarction. Cochrane Database Syst Rev 12(12):CD007160, 2016. doi:10.1002/14651858.CD007160.pub4

Wichtige Punkte

  • Die Pulsoxymetrie ist ein wesentlicher Bestandteil der Untersuchung.

  • Eine niedrige Sauerstoffsättigung (< 90%) zeigt ein ernstes Problem auf, jedoch bedeutet eine normale Sättigung nicht, dass kein Problem besteht.

  • Der Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, eine plötzlich abfallende Sauerstoffsättigung oder eine Bewusstseinstrübung machen eine notfallmäßige Abklärung und einen Krankenhausaufenthalt erforderlich.

  • Myokardischämie und Lungenembolie sind relativ häufig, aber ihre Symptome und Anzeichen können unspezifisch sein.

  • Eine Exazerbation der bestehenden Erkrankungen (z. B. Asthma, chronische obstruktive Lungenerkrankung, Herzinsuffizienz) ist häufig, aber die Patienten können auch neue Erkrankungen entwickeln.

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