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Übersicht von Herpesvirusinfektionen

Von

Kenneth M. Kaye

, MD, Brigham and Women’s Hospital, Harvard Medical School

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Acht Typen von Herpesviren führen zu Infektionen beim Menschen (siehe Tabelle: Herpesviren, die Menschen infizieren). Nach der Erstinfektion persistieren alle Herpesviren latent innerhalb spezifischer Wirtszellen und können später reaktiviert werden. Herpesviren können außerhalb einer Wirtszelle nicht lange überleben; daher erfordert eine Übertragung in der Regel einen engen Kontakt. Bei Menschen mit latenten Infektion kann das Virus ohne Symptome zu verursachen reaktivieren; in solchen Fällen tritt eine asymptomatische Ausscheidung auf und Menschen können die Infektion übertragen.

Epstein-Barr-Virus (EBV) und das humane Herpesvirus Typ 8 (HHV-8), auch als Kaposi-Sarkom-assoziiertes Herpesvirus (KSHV) bekannt, können Tumorerkrankungen auslösen. Roseola infantum ist eine Erkrankung im Kindesalter, die durch das Herpesvirus 6 (und manchmal auch 7) verursacht wird.

Tabelle
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Herpesviren, die Menschen infizieren

Üblicher Name

Anderer Name

Typische Manifestationen

Herpes-simplex-Virus Typ 1

Humanes Herpesvirus 1

Gingivostomatitis, Keratokonjunktivitis, kutaner Herpes, Herpes genitalis, Enzephalitis, Herpes labialis, virale Meningitis, Ösophagitis*, Pneumonie*, disseminierte Infektion, Hepatitis*,†

Herpes-simplex-Virus Typ 2

Humanes Herpesvirus 2

Herpes genitalis, kutaner Herpes, Gingivostomatitis, Neugeborenenherpes, virale Meningitis, disseminierte Infektion*, Hepatitis*,†

Varicella-Zoster-Virus

Humanes Herpesvirus 3

Windpocken, disseminierter Herpes zoster*

Epstein-Barr-Virus

Humanes Herpesvirus 4

Infektiöse Mononukleose, Hepatitis, Enzephalitis, Nasen-Rachen-Karzinom, Hodgkin-Lymphom, Burkitt-Lymphom, lymphoproliferative Syndrome*, orale Haarleukoplakie*

Zytomegalievirus

Humanes Herpesvirus 5

CMV-Mononukleose, Hepatitis, angeborene Zytomegalie, Hepatitis*, Retinitis*, Pneumonie*, Kolitis*

Humanes Herpesvirus 6

Roseola infantum, Otitis media mit Fieber, Enzephalitis

Humanes Herpesvirus 7

Roseola Infantum

Kaposi-Sarkom-assoziierten Herpesvirus

Humanes Herpesvirus 8

Keine bekannte zugehörige akute Erkrankung, spielt aber eine ursächliche Rolle beim Kaposi-Sarkom* und bei mit AIDS-bedingten Non-Hodgkin-Lymphomen, die vor allem in pleuralen, perikardialen oder abdominalen Höhlen als Effusionslymphome wachsen

Auch mit der multizentrischen Castleman-Krankheit verbunden

*Bei immungeschwächten Wirten.

Verursacht gelegentlich fulminante Hepatitis ohne Hautveränderungen bei immunsupprimierten Wirten oder Schwangeren.

Medikamentöse Behandlung von Herpesviren

Zu den Medikamenten, die gegen Herpesviren wirksam sind, gehören u. a. Aciclovir, Cidofovir, Famciclovir, Fomivirsen, Foscarnet, Ganciclovir, Idoxuridin, Penciclovir, Trifluridin, Valaciclovir, Valganciclovir und Vidarabin (siehe Tabelle: Medikamente zur Behandlung von Herpesvirusinfektionen).

Tabelle
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Medikamente zur Behandlung von Herpesvirusinfektionen

Medikament

Wirkung

Anwendungen

Nebenwirkungen

Aciclovir

Wirksam gegen (in absteigender Reihenfolge der Potenz) HSV Typ 1 (HSV-1), HSV-2, VZV und EBV

Minimal Wirksamkeit gegen CMV

Orales oder intravenöses Aciclovir ist dann indiziert, wenn, wie z. B. bei Herpes-simplex-Enzephalitis, ein höherer Medikamentenserumspiegel erforderlich ist.

Oral: Selten

i.v. : Selten, Nierentoxizität durch Ausfällung von Aciclovir-Kristallen; bei immungeschwächten Patienten, (TTP/HUS)

Cidofovir

In-vitro-Hemmung eines breiten Spektrums von Viren, einschließlich HSV-1, HSV-2, VZV, CMV, EBV, KSHV, Adenovirus, HPV, Pockenviren und humanes Polyomavirus (JC- und BK-Viren)

IV: Generell eingesetzt gegen CMV, aber durch anspruchsvolles Darreichungsregime und signifikante renale Toxizität ist der Einsatz begrenzt.

Intravitreale Injektion: Bei CMV-Retinitis

Signifikante renale Toxizität

Famciclovir (Medikamentenvorstufe von Penciclovir)

Antivirales Spektrum ähnlich Aciclovir (Stämme, die gegen Aciclovir resistent sind, sind es auch gegen Famciclovir)

Oral: Genauso wirksam wie Aciclovir bei Herpes genitalis und Herpes zoster und besser bioverfügbar als Aciclovir nach oraler Gabe (was theoretisch wichtig ist im Falle des Einstzes bei VZV-Infektion/-Reaktivierung)

Selten

Fomivirsen

Sehr gute Wirksamkeit gegen CMV (Antisense-Oligonukleotid hemmt die CMV-Proteinsynthese)

Intravitrealer Injektion: Bei Patienten mit HIV-Infektion und CMV-Retinitis, bei denen eine Resistenz gegenüber andere Therapieoptionen besteht.

Erhöhter Augeninnendruck, auf KortiKosteroide ansprechende Uveitis

Foscarnet

Wirksam gegen EBV, KSHV, humanes Herpesvirus 6, Aciclovir-resistente (und Aciclovir-sensible) HSV und VZV sowie gegen Ganciclovir-resistente (und Ganciclovir-sensible) CMV

Gewisse antiretrovirale Wirksamkeit gegen HIV. Sehr gute ZNS-Gängigkeit

i.v. oder intravitreale Injektion:[ Die Wirksamkeit ist für die Therapie und Progressionsverzögerung einer CMV-Retinitis vergleichbar der von Ganciclovir

Renale Toxizität bei bis zu einem Drittel der Patienten, wenn Foscarnet ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr verabreicht wird, Elektrolytungleichgewichte: subjektiv schlecht verträglich wegen der Auslösung einer metabolischen Azidose unter laufender Infusion.

Ganciclovir

In-vitro-Aktivität gegen alle Herpesviren, inkl. CMV, aber Aciclovir-resistente Stämme sind auch kreuzresistent gegen Ganciclovir

Typisches Mittel der Wahl bei CMV

Wird bei HIV-Patienten mit CMV-Retinitis angewendet

i.v. Anwendung: Am häufigsten

Intravitreale Injektion: Bei CMV-Retinitis

Oral: Nur 6 bis 9% bioverfügbar;es werden 12 Kapseln pro Tag als Standarddosis benötigt (1g 3-mal/Tag), was seine Nützlichkeit einschränkt

In erster Linie Knochenmarksuppression, insbesondere Neutropenie, die manchmal eine Behandlung* erfordert

Idoxuridin

Wirksam gegen HSV-1, HSV-2, VZV, Vaccinia und CMV

Topisch: Aufgrund seiner hohen systemischen Toxizität beschränkt auf den topischen Einsatz bei der Herpes-simplex-Keratokonjunktivitis

Irritation, Schmerzen, Photophobie, Juckreiz, Entzündungen oder Ödeme der Augenlider

Selten, allergische Reaktionen

Penciclovir

Wirksam gegen HSV-1, HSV-2, VZV, EBV und

Topisch (Creme): Wird bei rezidivierendem Herpes labialis bei Erwachsenen verwendet

Erythema

Trifluridin (Trifluorthymidin)

Wirksam gegen HSV-1 und HSV-2

Topisch: Ophthalmologische Behandlung primärer Keratokonjunktivitis und rezidivierender Keratitis oder Ulzeration, die durch HSV-1 und HSV-2 verursacht wurden

Systemische Verwendung ausgeschlossen durch Knochenmarksuppression

Stechen der Augen, Augenlidödeme

Weniger häufig, Keratitis punctata, allergische Reaktionen

Valacyclovir (Prodrug: Medikamentenvorstufe von Aciclovir)

Antivirale Spektrum entspricht der von Aciclovir

Oral:3–5 mal besser bioverfügbar als Aciclovir

Ähnlich denen von Aciclovir

TTP/HUS bei einigen Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion und bei Transplantationspatienten, die Valacyclovir in höheren Dosen erhalten als derzeit empfohlen

Valganciclovir (Medikamentenvorstufe von Ganciclovir)

Entspricht Ganciclovir

Oral: Besser bioverfügbar als orales Ganciclovir

Vergleichbar zu Ganciclovir

Vidarabin (Adeninarabinosid, ara-A)

Bei HSV-Infektionen

Aufgrund von Neurotoxizität wird es nicht mehr i.v. verwendet

Ophthalmologische Zubereitungen: Wirksam bei einer akuten HSV-1- oder HSV-2-bedingten Keratokonjunktivitis und rezidivierenden oberflächlichen Keratitis.

Eine oberflächliche punktförmige Keratitis mit gesteigertem Tränenfluss, Irritationen, Schmerzen und Photophobie.

* Schwere Neutropenie (< 500 Neutrophile/μL) kann eines der Folgenden benötigen:

  • Knochenmarkstimulation mit Granulozyten-Kolonie stimulierendem Faktor oder Granulozyten-Makrophagen-Koloniestimulierendem Faktor

  • Absetzen von Ganciclovir

  • Reduktion der Dosis

Valaciclovir sollte mit Vorsicht bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion und bei Transplantationspatienten eingesetzt werden.

CMV = Zytomegalievirus; EBV = Epstein-Barr-Virus, HPV = humanes Papillomvirus; HSV = Herpes-simplex-Virus; KSHV = Kaposi-Sarkom-assoziiertes Herpesvirus; TTP/HUS = thrombotisch-thrombozytopenische Purpura und hämolytisch-rämisches Syndrom; VZV = Varicella-Zoster-Virus.

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