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Herpes Genitalis

Von

Kenneth M. Kaye

, MD, Brigham and Women’s Hospital, Harvard Medical School

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Herpes genitalis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die durch das humane Herpesvirus 1 oder 2 verursacht wird. Es verursacht meist ulzerative genitale Läsionen. Die Diagnose wird klinisch gestellt mit labordiagnostischer Bestätigung durch Viruskultur, PCR oder serologische Tests. Die Behandlung erfolgt mit entsprechenden Medikamenten gegen Viren.

Genitaler Herpes stellt die häufigste ulzerative sexuell übertragbare Krankheit in den Industriestaaten dar. Es wird von humanen Herpesviren 1 (HSV-1) oder 2 (HSV-2) verursacht.

Nach der initialen Infektion persistiert HSV latent in Spinalnervenganglien, aus denen es gelegentlich wieder austreten kann. Wenn das Virus auftaucht, kann es (oder auch nicht) zu Symptomen führen (d. h Läsionen im Genitalbereich).. Die Übertragung kann durch den Kontakt mit den Läsionen auftreten oder -häufiger- über Haut-zu-Haut-Kontakt mit Sexualpartnern, wenn Läsionen nicht erkennbar sind (sog. asymptomatisches Vergießen).

Schwangere Frauen mit Genital-Herpes können HSV (in der Regel HSV-2) auf den Fötus oder das Neugeborene übertragen. Typischerweise wird HSV bei der Entbindung durch den Kontakt mit Vaginalsekret, das HSV enthält, übertragen. Das Virus wird im Allgemeinen selten durch die Plazenta übertragen. Mütter von Neugeborenen mit einer HSV-Infektion haben oft eine kürzlich erworbene Genitalinfektion, viele haben zur Zeit der Geburt keine auffällige Anamnese oder Symptome einer akuten genitalen Infektion. Die Neonatale HSV-Infektion ist eine ernste, potenziell tödliche Infektion.

Symptome und Beschwerden

Die meisten Fälle von primärem Herpes genitalis verursachen keine merklichen Symptome; viele Menschen, die mit HSV-2 infiziert sind, wissen nicht, dass sie Herpes genitalis haben.

4–7 Tage nach dem Kontakt entwickeln sich primäre genitale Läsionen. Die Bläschen erodieren meist und bilden Geschwüre aus, die konfluieren können. Die Läsionen können an folgenden Stellen auftreten:

  • Auf der Vorhaut, Eichel und Penisschaft bei Männern

  • Auf den Labien, der Klitoris, dem Perineum, der Vagina und dem Gebärmutterhals bei Frauen.

  • Perianal und im Rektum bei Männern und Frauen, die rezeptiven analen Geschlechtsverkehr praktizieren.

Bilder von Genitalherpes

Harnverhalten, Dysurie, Harnverhalt, Verstopfung oder schwere Sakral-Neuralgie können auftreten.

Vernarbung kann auf Heilung folgen. Die Läsionen rezidivieren bei ca. 80% der Patienten mit HSV-2-Infektionen sowie bei ca. 50% der Patienten mit HSV-1-Infektionen.

Primäre genitale Läsionen sind meist schmerzhafter, prolongiert und weit verbreitet und neigen eher zu bilateralem Vorkommen, einer regionalen Adenopathie und konstitutionellen Symptomen als rezidivierende genitale Läsionen. Rezidivierende Läsionen können schwere prodromale Symptome aufweisen und das Gesäß sowie die Leisten- und Schenkelregion betreffen.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

  • Kultur und PCR

  • Serologische Tests

Die Diagnose von Genitalherpes erfolgt oft klinisch, basierend auf den charakteristischen Läsionen. Gruppenförmig auftretende Bläschen oder Geschwüre auf einem geröteten Grund kommen bei genitalen Ulzera nur selten vor, anders als bei denen aufgrund von HSV. Jedoch sind diese Läsionen bei vielen Patienten nicht vorhanden.

Tests auf HSV sollten durchgeführt werden, um die Diagnose zu bestätigen wenn Unklarheiten bestehen.

Die Tests erfolgen in der Regel durch Proben von Flüssigkeit aus einem Blasengrund oder der Basis einer neu ulzerierten Läsion, wenn vorhanden. Abwesenheit von HSV in Kultur, insbesondere bei Patienten ohne aktive Läsionen, schließt eine HSV-Infektion nicht aus, weil die Virusausscheidung intermittierend ist. Auch Kultur hat eine begrenzte Empfindlichkeit; PCR ist sensitiver und wird zunehmend verwendet.

Die direkte Immunfluoreszenzmikroskopie mit fluoreszeinmarkierten monoklonalen Antikörpern ist manchmal verfügbar: Sie ist spezifisch, aber nicht sensitiv.

Serologische Tests können genau HSV-1 und HSV-2-Antikörper erkennen, die sich in den ersten Wochen nach der Infektion entwickeln und dann persistieren. Wenn man davon ausgeht, dass Genital-Herpes vor kurzem erworben wurde, können Tests wiederholt werden.

HSV-serologische Untersuchungen sollten für Folgendes in Betracht gezogen werden;

  • Um Patienten zu bewerten, die keine verdächtigen Läsionen im Genitalbereich haben, aber eine Bewertung benötigen oder fordern (z. B. weil in der Vergangenheit Läsionen im Genitalbereich aufgetreten sind oder aufgrund von Hochrisikoverhalten)

  • Um Risiko eines erneuten Auftretens zu bestimmen

  • Zur Identifizierung von schwangeren Frauen, die keine Läsionen im Genitalbereich haben, aber bei denen das Risiko besteht, dass sie Herpes auf das Neugeborene während der Geburt übertragen

  • Um festzustellen, ob eine Person für eine Infektion von einem Sex-Partner mit Herpes genitalis anfällig ist

Therapie

  • Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir

Genitaler Herpes wird mit antiviralen Substanzen behandelt.

Primäre Eruptionen können mit einem der Folgenden behandelt werden:

  • Acyclovir 400 mg p.o. 3-mal täglich für 7 bis 10 Tage

  • Valacyclovir 1 g p. o. alle 12 h für 7 bis 10 Tage

  • Famciclovir 250 mg p. o. dreimal täglich für 7 bis 10 Tage

Diese Medikamente reduzieren Virusausscheidung und Symptome bei schweren primären Infektionen. Jedoch kann auch eine frühzeitige Therapie primärer Infektionen Rezidive nicht verhindern.

Bei rezidivierenden Eruptionen kann die Dauer und Schwere der Beschwerden durch eine antivirale Behandlung marginal reduziert werden, insbesondere während der Prodromalphase. Wiederkehrende Ausbrüche können mit einem der Folgenden behandelt werden:

  • Aciclovir 400 mg p.o. 3-mal täglich für 5 Tage

  • Valacyclovir 500 mg .p.o alle 12 h für 3 Tage

  • Famciclovir 1000 mg p.o. alle 12 h für 1 Tag

Für häufige Eruptionen (z.B. 15, > 6 Ausbrüche/Jahr) kann eine suppressive antivirale Therapie mit einem der Folgenden verwendet werden:

  • Aciclovir 400 mg p.o. alle 12 h

  • Valacyclovir 500–1000 mg p.o. einmal täglich

  • Famciclovir 250 mg p.o. alle 12 h

Bei Niereninsuffizienz sollte die Dosis angepasst werden. Nebenwirkungen kommen bei oraler Gabe nur selten vor, können aber aus Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Kopfschmerzen und Exanthemen bestehen.

Die topischen antiviralen Medikamente haben nur wenig Wert und es wird von deren Verwendung abgeraten.

Die Untersuchung von Sex-Partner von Patienten mit Herpes genitalis ist wichtig.

Vorbeugung

Die besten Möglichkeiten, Genital-Herpes zu vermeiden sind

  • Der Verzicht auf sexuellen Kontakt (vaginaler, analer und oraler Sex)

  • Eine langfristige für beide Seiten monogame Beziehung mit einem Partner, der getestet wurde und nicht infiziert ist

Risiko von Herpes genitalis kann reduziert werden durch

  • Korrekten und stetigen Gebrauch von Latex-Kondomen

Allerdings decken Kondome nicht alle Bereiche, die betroffen sein können, ab und schützen somit nicht vollständig gegen Genital-Herpes.

Patienten mit Herpes genitalis sollten auf sexuelle Aktivitäten verzichten, wenn sie Läsionen oder andere Herpes-Symptome haben. Die Patienten sollten daran erinnert werden, dass sie die Infektion selbst dann übertragen können, wenn sie keine Symptome haben.

Schutz vor Neonatalen Infektionen

Alle Bemühungen, die Übertragung bei Neugeborenen zu verhindern waren bisher nicht sehr effektiv. Generelles Screening wurde weder empfohlen noch hat es sich als wirksam erwiesen.

Ärzte sollten alle schwangeren Frauen fragen, ob sie Genital-Herpes hatten und betonen, wie wichtig es ist, während der Schwangerschaft keinen Herpes zu bekommen

Wenn Frauen Herpes-Symptome (z. B. aktive Läsionen im Genitalbereich) haben, wenn die Wehen einsetzen, wird eine Sectio empfohlen, um die Übertragung auf das Neugeborene zu verhindern. Schwangeren Frauen mit Genital-Herpes kann Aciclovir ab SSW 36 gegeben werden, um das Risiko eines erneuten Auftretens zu reduzieren und damit die Notwendigkeit einer Sectio.

Es sollte keine Monitorüberwachung der fetalen Kopfhaut von Säuglingen während der Wehen erfolgen, wenn bei ihren Müttern aktiver Herpes genitalis vermutet wird.

Wichtige Punkte

  • Nach der initialen Infektion persistiert HSV latent in Spinalnervenganglien, aus denen es gelegentlich wieder austreten kann.

  • Die Übertragung kann durch Kontakt mit den Läsionen auftreten, aber die Virusausscheidung und Übertragung kann auch auftreten, wenn keine Läsionen ersichtlich sind (asymptomatische Ausscheidung).

  • Die meisten anfänglichen Infektionen verursachen keine Symptome, aber primäre Läsionen im Genitalbereich sind in der Regel schmerzhafter, langwierig und verbreiteter als rezidivierende Läsionen im Genitalbereich.

  • Diagnostizieren Sie basierend auf charakteristischen Genitalläsionen bei Patienten mit Läsionen und bestätigen Sie mit Kultur, PCR und/oder serologischen Tests für HSV.

  • Behandeln Sie primäre und wiederkehrende Eruptionen mit Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir

  • Wenn schwangere Frauen Genital-Herpes haben, ziehen Sie Aciclovir in Betracht, angefangen in der 36 SSW, um das Risiko eines erneuten Auftretens und die Übertragung auf das Neugeborene während der Geburt zu reduzieren.

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