Bakterielle Harnwegsinfektionen

Vollständige Überprüfung: März 2026 VonTalha H. Imam, MD, University of Riverside School of Medicine | Peer-Review durchChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Letzte Aktualisierung: März 2026
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Bakterielle Harnwegsinfektionen (HWI) betreffen am häufigsten die Blase (Zystitis) oder die Nieren (Pyelonephritis). Symptome können gänzlich fehlen oder stellen sich als häufiges Wasserlassen, Harndrang, Dysurie sowie Schmerzen im unteren Abdomen oder Flankenschmerz dar. Systemische Symptome oder sogar Sepsis können bei Niereninfektionen auftreten. Die Diagnose stützt sich auf Urinanalyse und Kultur. Die Therapie besteht in Antibiotikagabe und Entfernung aller Harntraktkatheter und- obstruktionen

(Siehe auch Einführung zu Harnwegsinfektionen, Gramnegative Bakterien, Prostatitis und Harnwegsinfektion bei Kindern.)

Harnwegsinfektionen (HWI) treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Ungefähr 40 bis 50 % der Frauen leiden im Laufe ihres Lebens an ≥ 1 Harnwegsinfektion, verglichen mit etwa 5 bis 12 % der Männer (1, 2).

Die Inzidenz von Zystitis bei Männern nimmt mit zunehmendem Alter zu, was auf strukturelle Veränderungen zurückzuführen ist, die den normalen Harnabgang beeinträchtigen, wie beispielsweise eine benigne Prostatahyperplasie (2).

Allgemeine Literatur

  1. 1. Bavanandan S, Keita N. Urinary Tract Infection Prevention and Treatment. Semin Nephrol. 2023;43(5):151468. doi:10.1016/j.semnephrol.2023.151468

  2. 2. Schaeffer AJ, Nicolle LE. Urinary Tract Infections in Older Men. N Engl J Med. 2016;374(22):2192. doi:10.1056/NEJMc1603508

Pathophysiologie von bakteriellen Harnwegsinfektionen

Der Harntrakt – von der Niere bis zur Harnröhrenmündung – ist trotz häufiger Kontamination der vorderen Harnröhre mit Darmbakterien normalerweise steril und gegen eine bakterielle Kolonisation resistent. Die hauptsächliche Abwehr gegen Harnwegsinfektion ist eine vollständige Entleerung der Blase beim Wasserlassen. Andere Mechanismen, die den Harntrakt steril halten, sind der saure pH-Wert des Urins und verschiedene immunologische und Schleimhautbarrieren.

Die meisten HWI ereignen sich durch das Aufsteigen von Bakterien aus der Harnröhre in die Blase und – im Falle einer Pyelonephritis – durch Aufsteigen über den Ureter in die Niere (1). Die übrigen Harnwegsinfektionen sind hämatogen bedingt. Eine systemische Infektion kann durch eine Harnwegsinfektion verursacht sein, insbesondere bei älteren Erwachsenen. Harnwegsinfektionen sind eine häufige Ursache für nosokomiale Infektionen (2).

Risikofaktoren

Da sich viele Risikofaktoren für Harnwegsinfekte bei Männern und Frauen erheblich unterscheiden, ist es sinnvoll, geschlechtsspezifische Faktoren von denen zu unterscheiden, die beiden Geschlechtern gemeinsam sind. Zu den allgemeinen Risikofaktoren für HWI gehören folgende (3):

  • Vorangegangene HWI in der Anamnese

  • Kürzliche Instrumentierung oder Verweilkatheter

  • Strukturelle Anomalien (z. B. Harnröhrenstrikturen, Blasendivertikel)

  • Nierensteine

  • Neurologische Erkrankungen, die die normale Miktion beeinträchtigen (z. B. Rückenmarksverletzungen)

  • Kognitive Beeinträchtigung, fecalinkontinenz oder Harninkontinenz

  • Immunsuppression

Zu den Risikofaktoren für Harnwegsinfektionen bei Frauen gehören die folgenden (4):

  • Geschlechtsverkehr

  • Gebrauch von Diaphragma mit Spermiziden

  • dem Einsatz von Antibiotika

  • Neue Sexpartner innerhalb des letzten Jahres

  • Anamnese von HWI bei weiblichen Verwandten 1. Grades

  • Erste Harnwegsinfektion im frühen Alter

  • Vesikovaginale Fistel

Zu den Risikofaktoren für Harnwegsinfektionen bei Männern gehören die folgenden (3):

Das erhöhte HWI-Risiko bei Frauen, die Antibiotika oder Spermizide anwenden, ist wahrscheinlich auf Veränderungen der vaginalen Mikrobiota zurückzuführen, die eine Überwucherung mit Escherichia coli ermöglichen (5). Bei älteren Frauen erhöht die Verschmutzung des Perineums durch Stuhlinkontinenz das Risiko.

Anatomische, strukturelle und funktionelle Anomalien sind Risikofaktoren für Harnwegsinfektion. Eine häufige Folge anatomischer Anomalien ist der vesikoureterale Reflux (VUR), der bei 30 bis 40 % der Kinder nach einer HWI in bildgebenden Untersuchungen festgestellt wird (6, 7). Ein VUR wird in der Regel durch einen Geburtsfehler verursacht, der zur Inkompetenz des ureterovesikalen Ventils führt. Ein VUR kann auch bei Patienten mit einer schlaffen Blase infolge einer Rückenmarkverletzung oder nach einer Operation des Harntrakts entstehen. Weitere anatomische Anomalien, die für eine Harnwegsinfektion prädisponieren, sind Harnröhrenklappen (eine angeborene obstruktive Anomalität), verzögerte Blasenhalsreifung, Blasendivertikel und Doppelurethra (siehe auch Angeborene Urogenitalfehlbildungen im Überblick.)

Strukturelle und funktionelle Harnwegsanomalien, die in der Regel für eine Harnwegsinfektion prädisponieren, beinhalten Obstruktion des Harnflusses und schlechte Blasenentleerung. Der Harnfluss kann durch Steine und Tumoren behindert sein. Die Blasenentleerung ist bei neurogener Dysfunktion, Schwangerschaft, Uterusprolaps, Zystozele sowie Prostatavergrößerung beeinträchtigt. Eine durch angeborene Faktoren verursachte Harnwegsinfektion manifestiert sich am häufigsten während der Kindheit. Die meisten anderen Risikofaktoren kommen bei älteren Erwachsenen häufiger vor.

Zu anderen Risikofaktoren für Harnwegsinfektion gehören Instrumentierung (z. B. Blasenkatheterisierung, Stentimplantation, Zystoskopie) und kürzliche Operation.

Literatur zur Pathophysiologie

  1. 1. Flores-Mireles AL, Walker JN, Caparon M, Hultgren SJ. Urinary tract infections: epidemiology, mechanisms of infection and treatment options. Nat Rev Microbiol. 2015;13(5):269-284. doi:10.1038/nrmicro3432

  2. 2. Magill SS, Edwards JR, Bamberg W, et al. Multistate point-prevalence survey of health care-associated infections. N Engl J Med. 2014;370(13):1198-1208. doi:10.1056/NEJMoa1306801

  3. 3. Hooton TM, Stamm WE. Diagnosis and treatment of uncomplicated urinary tract infection. Infect Dis Clin North Am. 1997;11(3):551-581. doi:10.1016/s0891-5520(05)70373-1

  4. 4. Hooton TM. Clinical practice. Uncomplicated urinary tract infection. N Engl J Med. 2012;366(11):1028-1037. doi:10.1056/NEJMcp1104429

  5. 5. Handley MA, Reingold AL, Shiboski S, Padian NS. Incidence of acute urinary tract infection in young women and use of male condoms with and without nonoxynol-9 spermicides. Epidemiology. 2002;13(4):431-436. doi:10.1097/00001648-200207000-00011

  6. 6. Carpenter MA, Hoberman A, Mattoo TK, et al. The RIVUR trial: profile and baseline clinical associations of children with vesicoureteral reflux. Pediatrics. 2013;132(1):e34-e45. doi:10.1542/peds.2012-2301

  7. 7. Tullus K, Shaikh N. Urinary tract infections in children. Lancet. 2020;395(10237):1659-1668. doi:10.1016/S0140-6736(20)30676-0

Ätiologie von bakteriellen Harnwegsinfektionen

Zystitis und Pyelonephritis werden durch enterische, meist gramnegative aerobe Bakterien (am häufigsten) und durch grampositive Bakterien (seltener) verursacht.

Bei Patientinnen und Patienten mit strukturell normalem Urogenitaltrakt verursachen Stämme von E. coli mit spezifischen Adhäsionsfaktoren für das Übergangsepithel der Blase und der Ureteren 80 % der Fälle (1). Die verbleibenden gramnegativen, pathogenen Harnkeime sind in der Regel andere Enterobakterien, insbesondere Klebsiella oder Proteus mirabilis und manchmal Pseudomonas aeruginosa. Bei gram-positiven Bakterien wird Staphylococcus saprophyticus in etwa 10 bis 15 % der bakteriellen Harnwegsinfektionen isoliert. Weniger häufig grampositive bakterielle Isolate sind Enterococcus faecalis (Streptokokken der Gruppe D) und Streptococcus agalactiae (Streptokokken der Gruppe B), die verunreinigt sein können, insbesondere dann, wenn sie von Patienten mit unkomplizierter Zystitis isoliert wurden.

Bei hospitalisierten Patienten macht E. coli rund 50% der Fälle aus (2). Die gramnegativen Bakterien Klebsiella, Proteus, Enterobacter, Pseudomonas und Serratia machen etwa 40% aus und die grampositiven bakteriellen Kokken E. faecalis, S. saprophyticus sowie Staphylococcus aureus den Rest.

Literatur zur Ätiologie

  1. 1. Ronald A. The etiology of urinary tract infection: traditional and emerging pathogens. Dis Mon. 2003;49(2):71-82. doi:10.1067/mda.2003.8

  2. 2. Mathai D, Jones RN, Pfaller MA; SENTRY Participant Group North America. Epidemiology and frequency of resistance among pathogens causing urinary tract infections in 1,510 hospitalized patients: a report from the SENTRY Antimicrobial Surveillance Program (North America). Diagn Microbiol Infect Dis. 2001;40(3):129-136. doi:10.1016/s0732-8893(01)00254-1

Klassifikation der bakteriellen Harnwegsinfektionen

Harnwegsinfekte werden in der Regel danach unterschieden, ob die Infektion auf die Blase beschränkt ist oder sich über diese hinaus ausgebreitet hat (1).

Eine unkomplizierte Harnwegsinfektion bezeichnet eine Infektion, die bei Männern oder Frauen ohne Fieber auf die Blase beschränkt ist. Sie ist gekennzeichnet durch lokale Blasensymptome (z. B. Dysurie, Harndrang, Pollakisurie, suprapubische Schmerzen) ohne systemische Symptome oder Anzeichen.

Eine komplizierte Harnwegsinfektion bezeichnet eine Infektion, die über die Blase hinausgeht, und umfasst:

Akute Zystitis

Zystitis ist eine Infektion der Blase.

Eine Zystitis kommt häufig bei Frauen vor; bei ihnen geht unkomplizierten Fällen in der Regel Geschlechtsverkehr voraus.

Bei Männern entsteht eine bakterielle Zystitis in der Regel als aufsteigende Infektion aus der Urethra oder Prostata oder ist Folge einer Harnröhreninstrumentation. Der häufigste Grund für eine rezidivierende Zystitis bei Männern ist eine chronische bakterielle Prostatitis.

Akute Pyelonephritis

Eine Pyelonephritis ist eine bakterielle Infektion des Nierenparenchyms. Bei Frauen ist die Pyelonephritis eine häufige Ursache für eine ambulant erworbene Bakteriämie. Bei Männern mit einem gesunden Harntrakt ist die Pyelonephritis eher selten (2).

Eine Pyelonephritis entsteht in der Regel dadurch, dass Bakterien über die Harnwege aufsteigen. Obwohl eine Obstruktion (Striktur, Stein, Tumor, neurogene Blase, VUR) zur Pyelonephritis prädisponiert, haben die meisten Frauen mit Pyelonephritis keine nachweisbaren funktionellen oder anatomischen Defekte. Bei Männern entsteht eine Pyelonephritis immer aufgrund eines funktionellen oder anatomischen Defekts. Eine alleinige Zystitis oder anatomische Defekte können einen Reflux verursachen. Das Risiko von bakteriellem Anstieg kann sich deutlich verstärken, wenn die Ureterperistaltik behindert ist, z. B. während der Schwangerschaft, durch Obstruktion oder durch Endotoxine von gramnegativen Bakterien. Eine Pyelonephritis kommt häufig bei jungen Mädchen oder schwangeren Frauen nach Blasenkatheterisierung vor.

Pyelonephritis, die nicht durch Bakterienaufstieg verursacht wird, entsteht durch hämatogene Streuung, die besonders charakteristisch für virulente Organismen wie S. aureus, P. aeruginosa, SalmonellaSpezies und Candida Spezies ist.

Die betroffene Niere ist üblicherweise durch Entzündungs-polymorphkerniger Leukozyte und Ödem vergrößert. Die Infektion ist fokal und fleckförmig, beginnt im Nierenbecken und der Medulla und breitet sich wie ein sich vergrößernder Keil in den Kortex aus. Zellen, die chronische Entzündung vermitteln, erscheinen innerhalb weniger Tage, und es können sich medulläre und subkortikale Abszesse entwickeln. Gesundes Gewebe zwischen den Infektionsherden ist die Regel.

Papillennekrosen können bei akuter Pyelonephritis im Zusammenhang mit Diabetes, Obstruktion, Sichelzellanämie, Pyelonephritis bei Nierentransplantationen, Pyelonephritis aufgrund von Candidiasis oder Analgetikanephropathie auftreten.

Obwohl bei Kindern eine akute Pyelonephritis häufig mit Nierennarben verbunden ist, werden ähnliche Narben bei Erwachsenen bei Fehlen von Reflux oder Obstruktion nicht gefunden.

Asymptomatische Bakteriurie

Asymptomatische Bakteriurie ist die Abwesenheit von Harnwegsinfektion-Symptomen oder -Zeichen bei einem Patienten, dessen Urinkultur die Kriterien für Harnwegsinfektion erfüllt. Es kann eine Pyurie vorliegen oder auch nicht. Weil sie asymptomatisch ist, wird eine solche Bakteriurie v. a. gefunden, wenn Patienten mit hohem Risiko gescreent werden oder wenn eine Urinkultur aus anderen Gründen durchgeführt wird.

Das Screening von Patienten auf asymptomatische Bakteriurie sollte im Allgemeinen auf die folgenden Patientengruppen beschränkt sein (3, 4):

  • Schwangere Frauen in der SSW 12 bis 16 oder beim ersten pränatalen Besuch, wenn später (wegen der Gefahr von symptomatischer Harnwegsinfektion, einschließlich Pyelonephritis, während der Schwangerschaft; und ungünstigen Schwangerschaftsergebnissen, einschließlich Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburt)

  • Manchmal betrifft es Patientinnen und Patienten, die in den vorangegangenen 1 bis 2 Monaten eine Nierentransplantation erhalten haben.

  • Vor bestimmten invasiven Verfahren des Urogenitalsystems, die Schleimhautblutungen verursachen können (z. B. transurethrale Resektion der Prostata)

Bestimmte Patienten (z. B. Frauen nach der Menopause, Patienten mit eingestelltem Diabetes, Patienten mit anhaltenden Gebrauch von Harnwegsfremdkörpern wie beispielsweise Stents, Nephrostomieschlauch und Dauerkatheter) haben oft anhaltende asymptomatische Bakteriurie und manchmal Pyurie. Wenn sie asymptomatisch sind, sollten diese Patienten nicht routinemäßig untersucht werden, da sie ein geringes Risiko haben. Bei Patienten mit Verweilkathetern führt die Behandlung der asymptomatischen Bakteriurie oft nicht zur Beseitigung der Bakteriurie und nur zur Entwicklung von antibiotikaresistenten Organismen. Auch bei Patienten mit einer Nierentransplantation ist eine routinemäßige Untersuchung auf asymptomatische Bakteriurie nicht erforderlich (5).

Akutes Harnröhrensyndrom

Ein akutes Harnröhrensyndrom, das bei Frauen auftritt, ist ein Syndrom, das Dysurie, häufiges Wasserlassen und Pyurie (Dysurie-Pyurie-Syndrom) einschließt und einer Zystitis ähnelt. Bei einem akuten urethralen Syndrom (im Gegensatz zur Zystitis) sind routinemäßige Urinkulturen negativ oder zeigen Koloniezahlen, die niedriger sind als die traditionellen Kriterien für die Diagnose einer bakteriellen Zystitis. Urethritis durch Erreger wie C. trachomatis, M. genitalium und Ureaplasma urealyticum, die in der routinemäßigen Urinkultur nicht nachgewiesen werden, ist eine mögliche Ursache des akuten urethralen Syndroms.

Nichtinfektiöse Ursachen wurden vorgeschlagen, aber unterstützende Nachweise sind nicht schlüssig, und die meisten nichtinfektiösen Ursachen verursachen in der Regel keine oder nur geringe Pyurie. Mögliche nicht-nfektiösen Ursachen sind anatomische Anomalien (z. B. Harnröhrenstenose), physiologische Anomalien (z. B. Dysfunktion der Beckenbodenmuskulatur), Hormonstörungen (z. B. atrophische Urethritis), lokalisierte Trauma, gastrointestinaleSymptome und Entzündungen.

Literatur zur Klassifikation

  1. 1. Trautner BW, Cortes-Penfield NW, Gupta K, et al. Complicated Urinary Tract Infections (cUTI): Clinical Guidelines for Treatment and Management. Infectious Diseases Society of America. Published July 17, 2025.

  2. 2. Johnson JR, Russo TA. Acute Pyelonephritis in Adults. N Engl J Med. 2018;378(1):48-59. doi:10.1056/nejmcp1702758

  3. 3. US Preventive Services Task Force, Owens DK, Davidson KW, et al. Screening for Asymptomatic Bacteriuria in Adults: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA. 2019;322(12):1188-1194. doi:10.1001/jama.2019.13069

  4. 4. Nicolle LE, Gupta K, Bradley SF, et al. Clinical Practice Guideline for the Management of Asymptomatic Bacteriuria: 2019 Update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. 2019;68(10):e83-e110. doi:10.1093/cid/ciy1121

  5. 5. Goldman JD, Julian K. Urinary tract infections in solid organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant. 2019;33(9):e13507. doi:10.1111/ctr.13507

Symptome und Anzeichen von bakteriellen Harnwegsinfektionen

Treten Symptome auf, korrelieren diese womöglich nicht unbedingt mit einer Infektion im Harntrakt, weil eine erhebliche Überlappung vorliegen kann. Man sollte jedoch daran denken.

Der Beginn der Zystitis ist meist akut, typischerweise mit häufigem Wasserlassen, Harndrang, Brennen oder Schmerzen bei der Miktion von kleinen Urinmengen. Eine Nykturie mit suprapubischen Schmerzen und oft tiefen Rückenschmerzen kommt häufig vor. Der Urin ist oft trübe, und mikroskopische (oder selten grob) Hämaturie kann vorkommen. Es kann sich leichtes Fieber entwickeln. Pneumaturie (Abgehen von Luft mit dem Urin) kann bei einer durch eine vesikoenterale oder vesikovaginale Fistel bedingte Infektion entstehen oder durch eine emphysematöse Zystitis. Bei Männern sollte eine Prostatitis als Ursache einer Zystitis in Betracht gezogen werden, wenn sie zusätzlich Schmerzen oder Druck im Dammbereich verspüren.

Bei einer akuten Pyelonephritis können die Befunde denen einer Zystitis ähnlich sein. Ein Drittel der Patienten haben häufigen Harndrang und Dysurie. Allerdings kommt es bei Pyelonephritis typischerweise zu Frösteln, Fieber, Flankenschmerz, kolikartigen Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Bei fehlendem oder schwachem Bauchdeckentonus lässt sich gelegentlich eine druckempfindliche, vergrößerte Niere tasten. Ein kostovertebraler Perkussionsschmerz findet sich üblicherweise auf der infizierten Körperseite. Die Symptome einer HWI bei Kindern sind häufig unspezifisch und weniger charakteristisch.

Bei älteren Erwachsenen und Patienten mit einer neurogenen Blase oder einem Verweilkatheter können sich manchmal Sepsis und Delir manifestieren, aber ohne Anzeichen einer Harnwegsinfektion.

Diagnose von bakteriellen Harnwegsinfektionen

  • Urinanalyse

  • Manchmal Urinkultur

Diagnose von Kultur ist nicht immer notwendig. Die Diagnose erfordert den Nachweis einer signifikanten Bakteriurie in der Kultur eines sauber entnommenen Urins.

Uringewinnung

Um eine saubere Mittelprobe zu gewinnen, soll die Harnröhrenöffnung mit einem milden, nichtschäumenden Desinfiziens gereinigt und danach an der Luft getrocknet werden. Der Kontakt des Harnstrahls mit der Schleimhaut sollte minimiert werden, indem bei Frauen die Labien gespreizt werden und bei nicht zirkumzidierten Männern die Vorhaut zurückgestreift wird. Die ersten 5 ml des Urins werden nicht verwendet und die nächsten 5–10 ml in einem sterilen Behälter aufgefangen.

Bei älteren Frauen, die typischerweise Schwierigkeiten beim sterilen Auffangen haben, und bei Frauen mit vaginaler Blutung oder Ausfluss wird Katheterurin bevorzugt. Viele Ärzte verwenden auch Katheterisierungen, um eine Probe zu entnehmen, wenn die Untersuchung eine gynäkologische Untersuchung umfasst. Diagnose bei Patienten mit Dauerkathetern wird an anderer Stelle erörtert. (Siehe auch Durchführung einer Urethrakatheterisierung bei der Frau und Durchführung einer Urethrakatheterisierung beim Mann.)

Tests, insbesondere die Kultivierung, sollten innerhalb von 2 h der Probenentnahme durchgeführt werden; wenn nicht, sollte die Probe gekühlt werden.

Wird eine sexuell übertragene Infektion vermutet, sollte zur Diagnose vor dem Wasserlassen ein Harnröhrenabstrich gewonnen werden. Die Urinkultur wird anschließend mittels Mittelstrahlurin oder Katheterisierung gewonnen.

Urinuntersuchung

Die mikroskopische Untersuchung des Urins ist hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Als Leukozyturie ist eine Konzentration von 8 Leukozyten/mcl eines nichtzentrifugierten Urins definiert. Das entspricht 2–5 Leukozyten im Hochauflösungsfeld des Schleudersatzsediments. Die meisten tatsächlich infizierten Patientinnen und Patienten haben > 10 Leukozyten/mcl, aber der optimale Schwellenwert ist unklar (1). Das Vorhandensein von Bakterien ohne Leukozyturie, besonders wenn mehrere Stämme gefunden werden, spricht gewöhnlich für eine Kontamination während des Auffangens. Eine mikroskopische Hämaturie kommt bei bis zu 50% der Patienten vor, eine Makrohämaturie ist jedoch ungewöhnlich. Leukozytenzylinder, welche eine spezielle Färbung zur Differenzierung von renal-tubulären Zylindern erfordern können, sprechen lediglich für einen Entzündungsprozess. Sie kommen bei Pyelonephritiden, Glomerulonephritiden oder bei nichtinfektiösen tubulointerstitiellen Nephritiden vor.

Pyuriie ohne Bakteriurie und Harnwegsinfektion ist möglich, z. B., wenn die Patienten Nephrolithiasis, einen uroepithelialen Tumor, Blinddarmentzündung oder eine entzündliche Darmerkrankung haben, oder wenn die Probe durch vaginale Leukozyten kontaminiert ist. Frauen mit Dysurie und Pyurie ohne signifikante Bakteriurie können an einer interstitiellen Zystitis leiden.

Häufig werden Teststreifen verwandt. Ein positiver Nitrittest in einer frisch gewonnenen Probe (Bakterienvermehrung im Behälter führt zu unverlässlichen Ergebnissen, wenn die Untersuchung nicht sofort erfolgt) ist hochspezifisch für Harnwegsinfektion, allerdings ist der Test nicht sehr sensitiv. Der Leukozytenesterasetest ist sehr spezifisch für das Vorhandensein von > 10 Leukozyten/mcl und sensitiv. Bei erwachsenen Frauen mit unkomplizierter Harnwegsinfektion mit typischen Symptomen betrachten die meisten Kliniker einen positiven Mikroskop- und Teststreifenbefund als ausreichend. Unter der Voraussetzung, dass übliche Keime vorliegen, würden Kulturen in diesen Fällen die Therapie wahrscheinlich nicht ändern, wohl aber die Kosten signifikant erhöhen.

Urinkulturen werden bei Patienten empfohlen, deren Merkmale und Symptome auf eine komplizierte Harnwegsinfektion hindeuten oder einen Hinweis für die Behandlung von Bakteriurie geben. Häufige Beispiele sind:

  • Schwangere Patientinnen

  • Frauen nach der Menopause

  • Männer

  • Präpubertäre Kinder

  • Patienten mit Harnwegsanomalien oder kürzlicher Instrumentierung

  • Patienten mit Immunsuppression oder signifikanten Begleiterkrankungen

  • Patienten, deren Symptome dauf Pyelonephritis oder Sepsis hindeuten

  • Patienten mit rezidivierenden HWIs (≥ 3/Jahr)

Proben mit einer großen Anzahl von Epithelzellen sind kontaminiert und kaum hilfreich. Eine nichtkontaminierte Probe muss für die Kultur gewonnen werden. Kultur eines Morgenurins ist am wahrscheinlichsten, um eine Harnwegsinfektion aufzudecken. Proben, die bei Raumtemperatur für > 2 h stehen gelassen werden, können falsche hohe Koloniezahlen aufgrund des anhaltenden Bakterienwachstums geben. Kriterien für die Kultur-Positivität umfassen die Isolierung einer einzelnen Bakterienart aus dem Mittelstrahl, sauberer Fang oder katheterisierte Urinprobe.

Für asymptomatische Patientinnen und Patienten gelten folgende Kriterien für eine positive Kultur (2):

  • Bei Frauen 2 aufeinanderfolgende als Mittelstrahlurin gewonnene Proben (bei Männern 1 Probe), aus denen derselbe Bakterienstamm in Koloniezahlen von > 105 koloniebildenden Einheiten (KBE)/ml isoliert wird

  • Bei Frauen oder Männern in einer mittels Katheter gewonnenen Probe die Isolierung einer einzigen Bakterienart mit > 102 KBE/ml

Obwohl in den meisten Labors ein Wert von > 105 KBE/ml als Schwellenwert für eine Harnwegsinfektion gilt, kann dieser Schwellenwert je nach Entnahmemethode und/oder bestimmten Patientengruppen angepasst werden (3).

Für symptomatische Patienten gelten beispielsweise folgende Kulturkriterien (3):

  • Im Allgemeinen sollte ein Wert > 104 KBE/ml bei symptomatischen Patienten als klinisch signifikant angesehen werden (ein Wert von 103 KBE/ml erhöht die Sensitivität).

  • Wenn Urin mittels Zystoskop oder suprapubischer Aspiration gewonnen wird, liegt der Schwellenwert niedriger: > 103 KBE/ml.

Jedes positive Kulturergebnis, unabhängig von Koloniezahl, das in einer Probe über suprapubische Blasenpunktion gewonnen wurde, sollte als eine echt positives betrachtet werden.

Im Mittelstrahlurin kann eine E. coli in-Mischflora ein wahrer Erreger sein (4).

Gelegentlich liegt eine Harnwegsinfektion trotz einer geringeren Koloniezahl vor, möglicherweise wegen einer vorausgegangenen Antibiotikatherapie, starker Verdünnung des Urins (spez. Gewicht < 1,003) oder Obstruktion des Harnflusses von schwer infiziertem Urin. Ein Wiederholen der Kultur verbessert die diagnostische Genauigkeit eines positiven Ergebnisses, d. h., es kann zwischen einem kontaminierten und einem wirklich positiven Ergebnis unterscheiden werden. Molekulare (z. B. PCR) Urintests können bei Patienten mit refraktären oder rezidivierenden Harnwegsinfektionen manchmal ungewöhnliche Erreger aufdecken.

Lokalisation der Infektion

Die Unterscheidung zwischen einer oberen und einer unteren Harnwegsinfektion hängt hauptsächlich davon ab, ob systemische Symptome und Symptome der oberen Harnwege vorliegen; eine weitergehende bildgebende Diagnostik ist in der Regel nicht erforderlich. Hat der Patient hohes Fieber, Flankendruckschmerz, schwere Pyurie mit Zylindern, ist eine Pyelonephritis hochwahrscheinlich.

Einer Zystitis und Urethritis ähnliche Symptome können auch bei Patienten mit Vaginitiden auftreten, da die Passage von Urin durch die entzündeten Labien eine Dysurie verursachen kann. Auf eine Vaginitis kann häufig durch das Vorhandensein von vaginalem Ausfluss, vaginalem Fötor und Dyspareunie geschlossen werden.

Männer mit Symptomen von Blasenentzündung die möglicherweise nicht auf die übliche antimikrobielle Therapie ansprechen können eventuell eine Prostatitis haben. Eine digital-rektale Untersuchung kann Schmerzen oder eine Druckempfindlichkeit der Prostata auslösen.

Weitere Testverfahren

Ernsthaft erkrankte Patienten erfordern eine Untersuchung auf Sepsis, typischerweise mit großem Blutbild, Elektrolyten, Laktat, Harnstoff, Kreatinin und Blutkulturen. Patienten mit Bauchschmerzen oder Empfindlichkeit sollten auf andere Ursachen eines akuten Abdomens untersucht werden.

Patienten, die Dysurie/Pyurie, aber keine Bakteriurie haben, sollten sich auf eine Sexuell übertragbare Infektion testen lassen, typischerweise mit Nukleinsäure-basierten Tests von Abstrichen der Harnröhre und des Gebärmutterhalses (siehe Diagnose urogenitaler Chlamydieninfektionen).

Die meisten Erwachsenen benötigen keine Abklärung auf strukturelle Anomalien, es sei denn, eines der folgenden Kriterien trifft zu (5, 6):

  • Wiederkehrende Harnwegsinfektionen

  • Kompliziert (z. B. Diabetes, Immunschwäche)

  • Nierensteine in der Vorgeschichte

  • Vorherige Nierenoperation

  • Kein Ansprechen auf Therapie

Bildgebende Verfahren des Harntrakts umfassen Sonographie, CT und intravenöse Urographie (IVU). Gelegentlich können Miktionszystourethrografie, retrograde Urethrographie oder Zystoskopie erwogen werden. Urologische Untersuchungen sind bei Frauen mit symptomatischer Zystitis oder asymptomatischer rezidivierender Zystitis nicht erforderlich, da die Befunde keinen Einfluss auf die Therapie hätten. Bei Kindern mit Harnwegsinfektion sind bildgebende Verfahren erforderlich.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Bilsen MP, Conroy SP, Schneeberger C, et al. A reference standard for urinary tract infection research: a multidisciplinary Delphi consensus study. Lancet Infect Dis. 2024;24(8):e513-e521. doi:10.1016/S1473-3099(23)00778-8

  2. 2. Nicolle LE, Gupta K, Bradley SF, et al. Clinical Practice Guideline for the Management of Asymptomatic Bacteriuria: 2019 Update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. 2019;68(10):e83-e110. doi:10.1093/cid/ciy1121

  3. 3. Miller JM, Binnicker MJ, Campbell S, et al. Guide to Utilization of the Microbiology Laboratory for Diagnosis of Infectious Diseases: 2024 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and the American Society for Microbiology (ASM). Clin Infect Dis. Published online March 5, 2024. doi:10.1093/cid/ciae104

  4. 4. Hooton TM, Roberts PL, Cox ME, et al. Voided midstream urine culture and acute cystitis in premenopausal women. N Engl J Med. 2013;369(20):1883-1891. doi:10.1056/NEJMoa1302186

  5. 5. Expert Panel on Urological Imaging, Venkatesan AM, Oto A, et al. ACR Appropriateness Criteria® Recurrent Lower Urinary Tract Infections in Females. J Am Coll Radiol. 2020;17(11S):S487-S496. doi:10.1016/j.jacr.2020.09.003

  6. 6. Expert Panel on Urologic Imaging, Nikolaidis P, Dogra VS, et al. ACR Appropriateness Criteria® Acute Pyelonephritis. J Am Coll Radiol. 2018;15(11S):S232-S239. doi:10.1016/j.jacr.2018.09.011

Behandlung von bakteriellen Harnwegsinfektionen

  • Antibiotika

  • Gelegentlich Operation (z. B. Abszesse, richtigen strukturellen Anomalien, abtropfen lassen oder zu entlasten Obstruktion)

Alle Formen der symptomatischen bakteriellen Harnwegsinfektion erfordern Antibiotika. Für Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter Dysurie kann Phenazopyridin als Zusatz eingesetzt werden, um Symptome zu lindern, während die Antibiotika die zugrunde liegende Infektion behandeln (1, 2). Phenazopyridin sollte nicht länger als 2 Tage angewendet werden, da keine Daten darüber vorliegen, ob eine längere Anwendung einen zusätzlichen Nutzen bringt. Es ist bei Patienten mit Niereninsuffizienz kontraindiziert und führt zu einer rötlich-orangefarbenen Verfärbung des Urins.

Die Wahl des Antibiotikums sollte auf der Allergieanamnese des Patienten, lokalen Resistenzmustern (falls bekannt), Verfügbarkeit und Kosten des Antibiotikums und auf Risikobereitschaft für Therapieversagen des Patienten und Versorgers basieren. Neigung zur Induzierung von Antibiotikaresistenz sollte ebenfalls berücksichtigt werden. Sobald die Urinkultur abgeschlossen ist und die Ergebnisse des Antibiogramms vorliegen, sollte die Antibiotikaauswahl auf das schmalspektrigste gegen den identifizierten Erreger wirksame Antibiotikum umgestellt werden.

Eine chirurgische Korrektur ist in der Regel bei obstruktiver Uropathie, anatomischen Anomalien und neuropathischen Läsionen im Harntrakt wie z. B. einer Kompression des Rückenmarks, erfordern, üblicherweise erforderlich Die Katheterdrainage eines obstruierten Harntraktes hilft bei der unverzüglichen Beherrschung einer Harnwegsinfektion. Gelegentlich erfordert ein Nierenrindenabszess oder ein perinephritischer Abszess die chirurgische Entlastung. Eine Instrumentation im unteren Harntrakt bei Vorliegen eines infizierten Urins sollte möglichst vermieden werden. Die Sterilisierung des Urins vor der Instrumentation und eine Antibiotikatherapie 3–7 Tage nach der Instrumentation kann eine lebensbedrohliche Urosepsis verhindern.

Zystitis

Die Erstbehandlung einer unkomplizierten Zystitis bei Frauen, die keine Risikofaktoren für einen multiresistenten gramnegativen Organismus aufweisen, ist Nitrofurantoin 100 mg oral zweimal täglich über 5 Tage (kontraindiziert bei einer Kreatinin-Clearance < 60 ml/min), Trimethoprim/Sulfamethoxazol (TMP/SMX) 160/800 mg oral zweimal täglich über 3 Tage oder Fosfomycin 3 g oral einmal (2). Eine weniger wünschenswerte Auswahl umfasst ein Fluorchinolon oder ein Beta-Lactam-Antibiotikum. Wenn Zystitis innerhalb von ein oder zwei Wochen zurückkehrt, kann ein breiteres Spektrum-Antibiotika (z. B. ein Fluorchinolon) verwendet werden, und der Urin sollten kultiviert werden. Für Patienten mit Allergien oder Resistenzen gegen Antibiotika der ersten Wahl kommen als alternative orale Wirkstoffe Gepotidacin und Sulopenem-Etzadroxil/Probenecid in Frage (3, 4).

Männer mit unkomplizierter Zystitis sollten immer Antibiotika erhalten; die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach den Ergebnissen der Urinkultur und der Empfindlichkeitsprüfung (5–7). Ärzte sollten bei Männern mit Symptomen einer Harnwegsinfektion auch die Möglichkeit einer Urethritis und Prostatitis in Betracht ziehen. Zu den Antibiotika der ersten Wahl bei Männern mit einer unkomplizierten Harnwegsinfektion gehören Trimethoprim und Trimethoprim/Sulfamethoxazol über einen Zeitraum von 7 Tagen. Allerdings wird Nitrofurantoin für Männer nicht empfohlen, da es nur schlecht ins Gewebe eindringt und bei einer möglichen Beteiligung der Prostata keine Wirksamkeit zeigt.

Komplizierte Zystitis sollte mit empirischen Breitspektrumantibiotika behandelt werden, auf der Grundlage lokaler Krankheitserreger und Resistenzmuster und auf Kulturergebnisse angepasst. Anomalien der Harnwege müssen auch behandelt werden.

Akute Pyelonephritis

Antibiotika sind erforderlich. Ambulante Behandlung mit oralen Antibiotika ist möglich, wenn alle der folgenden Kriterien erfüllt sind (1):

  • Patienten müssen in der Lage sein, orale Antibiotika einzunehmen, und es wird erwartet, dass sie therapietreu sind.

  • Die Patienten sind immunkompetent.

  • Die Patienten weisen weder Übelkeit noch Erbrechen noch Anzeichen eines Volumenmangels oder einer Sepsis auf.

  • Die Patienten weisen weder eine Harnwegsobstruktion noch anatomische Defekte auf und haben keine Nierensteine.

  • Die Patienten sollten durch orale Schmerzmittel eine ausreichende Schmerzlinderung erhalten.

Ciprofloxacin 500 mg p.o. 2-mal täglich für 7 Tage oder Levofloxacin 750 mg p.o. 1-mal täglich für 5-7 Tage ist ein First-Line-Antibiotikum, wenn < 10% der Uropathogene in der Gemeinschaft resistent sind. Eine alternative Option für Patienten mit erhöhtem Risiko für Nebenwirkungen von Fluorchinolonen (z. B. Tendinitis und Sehnenruptur) ist in der Regel TMP/SMX 160/800 mg oral zweimal täglich über 14 Tage (2). Allerdings sollten lokale Empfindlichkeitsmuster, berücksichtigt werden, da in einigen Teilen der USA, > 20% der E. coli als resistent gegen Sulfonamide gelten.

Patienten, die für eine ambulante Behandlung nicht geeignet sind, sollten stationär aufgenommen werden und eine parenterale Therapie erhalten, die auf der Basis der Empfindlichkeitsprüfung ausgewählt wird. Erstlinienantibiotika für Patientinnen und Patienten ohne Risikofaktoren für eine Infektion mit einem multiresistenten Erreger sind üblicherweise renal ausgeschiedene Fluorchinolone wie Ciprofloxacin und Levofloxacin. Andere Optionen wie Ampicillin plus Gentamicin, das Aminoglykosid Plazomicin (8), Breitspektrum‑Cephalosporine (z. B. Ceftriaxon, Cefotaxim, Cefepim), Aztreonam, Beta‑Laktam/Beta‑Laktamase‑Inhibitor‑Kombinationen (Ampicillin/Sulbactam, Ticarcillin/Clavulansäure, Piperacillin/Tazobactam) und Imipenem/Cilastatin sind üblicherweise Patientinnen und Patienten mit kritischer Erkrankung und/oder Harntraktobstruktion vorbehalten (z. B. mit Konkrementen, resistenten Bakterien oder einer im Gesundheitswesen erworbenen Infektion).

Die parenterale Therapie wird fortgesetzt, bis Entfieberung und andere Zeichen klinischer Besserung auftreten, was häufig innerhalb von 72 Stunden geschieht. Danach kann mit der oralen Therapie begonnen und der Patient für die restliche Dauer der 7 bis 14-tägigen Therapie entlassen werden. Eine längere intravenöse Antibiotikatherapie (z. B. mit einer Gesamtdauer von 2 bis 3 Wochen) kann bei Patienten angezeigt sein, die eine urologische Korrektur anatomischer Defekte benötigen.

Schwangere Patientinnen mit Pyelonephritis sollten initial stationär behandelt werden (9). Erstlinien‑IV‑Antibiotika umfassen Cephalosporine, Aztreonam oder Ampicillin plus Gentamicin. Wenn Pyelonephritis schwerwiegend ist, sind weitere Möglichkeiten Piperacillin/Tazobactam oder Meropenem. Fluorchinolone und TMP/SMX sollten wegen potenzieller nachteiliger fetaler Effekte vermieden werden (10). Rezidive sind häufig, und obwohl die Evidenz begrenzt ist, erwägen einige Kliniker, nach Abklingen der akuten Infektion eine Prophylaxe mit Nitrofurantoin 100 mg oral oder Cephalexin 250 mg oral jeden Abend während des restlichen Schwangerschaftsverlaufs und für 4 bis 6 Wochen nach der Schwangerschaft zu empfehlen (9).

Asymptomatische Bakteriurie

Eine asymptomatische Bakteriurie sollte bei den meisten Patienten nicht behandelt werden, darunter auch bei Patienten mit Diabetes oder mit chronischen Blasenverweilkathetern oder bei älteren Erwachsenen (11, 12). Schwangere Patientinnen oder Patienten, die sich bestimmten invasiven Eingriffen im Urogenitalbereich unterziehen, die zu Schleimhautblutungen führen können, sollten jedoch wie bei einer Zystitis mit Antibiotika behandelt werden (siehe Harnwegsinfektionen (HWI): Screening).

Bei schwangeren Frauen können nur wenige Antibiotika sicher verwendet werden. Oral applizierte Beta-Lactame, Sulfonamide und Nitrofurantoin gelten in der frühen Schwangerschaft als sicher; Trimethoprim sollte während des 1. Trimesters vermieden werden und Sulfamethoxazol sollte während des 3. Trimesters vermieden werden, besonders nahe des Geburtstermins.

Patienten mit unbehandelbaren obstruktiven Problemen (z. B. Steine, Rückfluss) können eine langfristige suppresive Therapie erfordern.

Akutes Harnröhrensyndrom

Die Therapie ist abhängig von klinischen Befunden und dem kulturellen Nachweis des Erregers.

  • Frauen mit Dysurie, Pyurie und Koloniewachstum > 102/ml einer einzelnen bakteriellen Spezies bei Urinkultur, können wie bei unkomplizierter Zystitis behandelt werden.

  • Frauen, die Dysurie und Pyurie ohne Bakteriurie haben, sollten auf eine sexuell übertragbare Infekti (einschließlich untersucht werden N. gonorrhoeae und C. trachomatis).

  • Frauen, die Dysurie, aber weder Pyurie noch Bakteriurie haben, haben nicht das wahre akute Urethralsyndrom. Sie sollten auf nicht-infektiöse Ursachen von Dysurie untersucht werden. Die Bewertung kann Therapiesversuche, z. B. Verhaltenstherapien (z. B. Biofeedback und Entspannung der Beckenmuskulatur), Operation (bei Harnröhrenstenose) und Medikamente (z. B. Hormonersatz bei Verdacht auf atrophische Urethritis, Anästhetika, Spasmolytika) einschließen.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Trautner BW, Cortes-Penfield NW, Gupta K, et al. Complicated Urinary Tract Infections (cUTI): Clinical Guidelines for Treatment and Management. Infectious Diseases Society of America. Published July 17, 2025.

  2. 2. Gupta K, Hooton TM, Naber KG, et al. International clinical practice guidelines for the treatment of acute uncomplicated cystitis and pyelonephritis in women: A 2010 update by the Infectious Diseases Society of America and the European Society for Microbiology and Infectious Diseases. Clin Infect Dis. 2011;52(5):e103-e120. doi:10.1093/cid/ciq257

  3. 3. Wagenlehner F, Perry CR, Hooton TM, et al. Oral gepotidacin versus nitrofurantoin in patients with uncomplicated urinary tract infection (EAGLE-2 and EAGLE-3): two randomised, controlled, double-blind, double-dummy, phase 3, non-inferiority trials. Lancet. 2024;403(10428):741-755. doi:10.1016/S0140-6736(23)02196-7

  4. 4. Dunne MW, Aronin SI, Das AF, et al. Sulopenem or Ciprofloxacin for the Treatment of Uncomplicated Urinary Tract Infections in Women: A Phase 3, Randomized Trial [published correction appears in Clin Infect Dis. 2023 Sep 18;77(6):937. doi: 10.1093/cid/ciad216.]. Clin Infect Dis. 2023;76(1):66-77. doi:10.1093/cid/ciac738

  5. 5. Kurotschka PK, Gágyor I, Ebell MH. Acute Uncomplicated UTIs in Adults: Rapid Evidence Review. Am Fam Physician. 2024;109(2):167-174.

  6. 6. Schaeffer AJ, Nicolle LE. Urinary Tract Infections in Older Men. N Engl J Med. 2016;374(22):2192. doi:10.1056/NEJMc1603508

  7. 7. Drekonja DM, Rector TS, Cutting A, Johnson JR. Urinary tract infection in male veterans: treatment patterns and outcomes. JAMA Intern Med. 2013;173(1):62-68. doi:10.1001/2013.jamainternmed.829

  8. 8. Wagenlehner FME, Cloutier DJ, Komirenko AS, et al. Once-daily plazomicin for complicated urinary tract infections. N Engl J Med. 2019;380(8):729-740. doi:10.1056/NEJMoa1801467

  9. 9. Urinary Tract Infections in Pregnant IndividualsObstet Gynecol. 2023;142(2):435-445. doi:10.1097/AOG.0000000000005269

  10. 10. Bookstaver PB, Bland CM, Griffin B, Stover KR, Eiland LS, McLaughlin M. A Review of Antibiotic Use in Pregnancy. Pharmacotherapy. 2015;35(11):1052-1062. doi:10.1002/phar.1649

  11. 11. Nicolle LE, Gupta K, Bradley SF, et al. Clinical Practice Guideline for the Management of Asymptomatic Bacteriuria: 2019 Update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. 2019;68(10):e83-e110. doi:10.1093/cid/ciy1121

  12. 12. US Preventive Services Task Force, Owens DK, Davidson KW, et al. Screening for Asymptomatic Bacteriuria in Adults: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA. 2019;322(12):1188-1194. doi:10.1001/jama.2019.13069

Prävention von bakteriellen Harnwegsinfektionen

Bei Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen sollte die körperliche Untersuchung auch eine Beckenuntersuchung umfassen, um behandelbare Erkrankungen wie vulvovaginale Atrophie, Harnröhrendivertikel, Stuhlinkontinenz und Vaginalprolaps zu erkennen. Männer mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen sollten auf Prostatitis, Urethritis und unvollständige Blasenentleerung untersucht werden.

Bei Frauen, die 3 Harnweginfektionen/Jahr erleben, werden Verhaltensmaßnahmen empfohlen, darunter eine vermehrte Flüssigkeitszufuhr, die Vermeidung von Spermiziden und Diaphragmagebrauch, kein verzögertes Wasserlassen, Abwischen von vorne nach hinten nach dem Stuhlgang, vermeiden von Spülungen und sofort Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr. Falls diese Techniken keine Wirkung zeigen, sollte eine eine antibiotische Prophylaxe in Erwägung gezogen werden. Gemeinsame Optionen sind kontinuierliche und postkoitale Prophylaxe.

Die Verwendung von Cranberry-Produkten kann neben anderen Verhaltensmaßnahmen als weitere Strategie zur Vorbeugung wiederkehrender Blasenentzündungen angesehen werden. Dieser Ansatz basiert auf Evidenz, die darauf hindeutet, dass Cranberry-Produkte das Risiko einer unkomplizierten Zystitis bei Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen, bei Kindern und bei Personen, die nach Eingriffen an der Blase anfällig für Harnwegsinfektionen sind, verringern können (1). Es liegen jedoch keine ausreichenden Belege vor, die den Einsatz bei älteren Erwachsenen, schwangeren Patientinnen, Patienten mit Blasenentleerungsstörungen und Patienten mit eingeschränkter Blasenentleerung rechtfertigen würden (2).

Eine kontinuierliche Prophylaxe erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von 6 Monaten bis zu 2 Jahren (3). Wahl des Antibiotikums hängt von Empfindlichkeitsmustern früherer Infektionen ab. Gemeinsame Optionen sind TMP/SMX 40/200 mg p.o. 1-mal/Tag oder 3-mal/Woche, Nitrofurantoin 50 oder 100 mg p.o. 1-mal/Tag, Cephalexin 125 bis 250 mg p.o. 1-mal/Tag und Fosfomycin 3 g p.o. alle 10 Tage. Fluorchinolone sind wirksam, werden aber nicht mehr empfohlen, da die Resistenz weiter steigt. Auch Fluorchinolone sind Ibei schwangeren Frauen und bei Kindern kontraindiziert. Nitrofurantoin ist kontraindiziert, wenn die Creatinin-Clearance < 60 ml/min ist. Langfristige Nutzung kann nur selten Schäden an der Lunge, der Leber und des Nervensystems verursachen. Methenamin hat sich bei der Prävention von HWI bei älteren Erwachsenen mit einer Kreatinin-Clearance > 30 mL/min als wirksam erwiesen (4).

Postkoitale Prophylaxe bei Frauen kann effektiver sein, wenn HWIs zeitlich mit Geschlechtsverkehr zusammenhängen. In der Regel ist eine Einzeldosis eines der zur Dauerprophylaxe verwendeten Antibiotika (außer Fosfomycin) wirksam (3).

Empfängnisverhütung wird für Frauen, die ein Fluorchinolon verwenden, empfohlen, weil diese Medikamente möglicherweise einen Fötus verletzen können. Obwohl die Sorge besteht, dass Antibiotika die Wirksamkeit von oralen Kontrazeptiva verringern können, haben pharmakokinetischen Studien keine signifikante oder konsistente Wirkung gezeigt. Jedoch empfehlen einige Experten immer noch, dass Frauen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, zusätzlich mechanische Kontrazeptiva anwenden sollten, während sie diese Antibiotika einnehmen.

Bei schwangeren Frauen ist eine wirksame Vorbeugung von Harnwegsinfektion ähnlich wie bei schwangeren Frauen, einschließlihc der Gebrauch von postkoitaler Prophylaxe. Das gilt auch für Frauen mit akuter Pyelonephritis während einer Schwangerschaft, für Patientinnen mit > 1 Episode (trotz Behandlung) von Harnwegsinfektion oder Bakteriurie während der Schwangerschaft und Patientinnen, die einer Prophylaxe wegen rezidivierender Harnwegsinfektion vor der Schwangerschaft bedürfen.

Bei postmenopausalen Frauen ist die antibiotische Prophylaxe ähnlich wie zuvor beschrieben. Zusätzlich kann eine topische Östrogentherapie die Inzidenz von rezidivierenden Harnwegsinfektion bei Frauen mit atrophischer Vaginitis oder atropischer Urethritis eindrucksvoll senken.

Literatur zur Prävention

  1. 1. Jepson RG, Williams G, Craig JC. Cranberries for preventing urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2012;10(10);CD001321. Published 2012 Oct 17. doi:10.1002/14651858.CD001321.pub5

  2. 2. Williams G, Hahn D, Stephens JH, Craig JC, Hodson EM. Cranberries for preventing urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2023;4(4):CD001321. Published 2023 Apr 17. doi:10.1002/14651858.CD001321.pub6

  3. 3. Anger JT, Bixler BR, Holmes RS, Lee UJ, Santiago-Lastra Y, Selph SS. Updates to Recurrent Uncomplicated Urinary Tract Infections in Women: AUA/CUA/SUFU Guideline. J Urol. 2022;208(3):536-541. doi:10.1097/JU.0000000000002860

  4. 4. Chwa A, Kavanagh K, Linnebur ASA, et al. Evaluation of methenamine for urinary tract infection prevention in older adults: A review of the evidence. Ther Adv Drug Saf. 2019;10:2042098619876749. Published 2019 Sep 23. doi:10.1177/2042098619876749

Wichtige Punkte

  • Die häufigsten Ursachen von bakteriellen Harnwegsinfektionen und Harnwegsinfektionen insgesamt sind E. coli und andere gram-negative Enterobakterien.

  • Eine asymptomatische Bakteriurie sollte weder untersucht noch behandelt werden, es sei denn bei Schwangeren oder vor einem invasiven urologischen Eingriff.

  • Im Allgemeinen sollte bei Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine komplizierte Harnwegsinfektion eine Urinkultur durchgeführt werden, nicht jedoch bei Patientinnen und Patienten mit unkomplizierter Zystitis.

  • Untersuchen Sie Patienten auf Fehlbildungen, wenn Infektionen wiederkehren oder kompliziert sind oder bei Verdacht auf Nephrolithiasis, bei schmerzloser Hämaturie oder neu aufgetretener Niereninsuffizienz oder wenn das Fieber ≥ 72 h anhält.

  • Falls vorhanden, sollten Sie lokale Resistenzmuster bei der Auswahl der Antibiotika-Therapie für Harnwegsinfektion beachten.

  • Bei Frauen mit ≥ 3 HWIs/Jahr trotz prophylaktischer Maßnahmen, sollten kontinuierliche oder postkoitale Antibiotikaprophylaxe in Betracht gezogen werden.

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