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Blaseninfektion

Zystitis (Blaseninfektion)

Von

Talha H. Imam

, MD, University of Riverside School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2018| Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Quellen zum Thema

Mediziner nennen eine Blasenentzündung Zystitis.

  • Gewöhnlich ist eine bakterielle Infektion der Auslöser für eine Blaseninfektion.

  • Häufiger Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen sind die häufigsten Symptome.

  • Die Diagnose kann oft basierend auf den Symptomen gestellt werden. In der Regel wird aber eine Urinprobe untersucht.

  • Es sind Medikamente zur Behandlung der Infektion und häufig auch zur Behandlung der Symptome erforderlich.

Ursachen

Ursachen von Blaseninfektionen bei Frauen

Besonders Frauen, vor allem Frauen im gebärfähigen Alter, leiden häufig an Blaseninfektionen. Bei manchen Frauen treten sie immer wieder auf. Es gibt eine Reihe von Gründen, warum Frauen besonders anfällig sind, z. B. die geringe Länge der Harnröhre und ihre Nähe zu Scheide und After, wo Bakterien häufig sind. Geschlechtsverkehr kann Blaseninfektionen ebenfalls begünstigen, weil die Bewegungen beim Sex zu winzigen Verletzungen in der Harnröhre führen und Bakterien in sie hineingerieben werden können. Schwangere Frauen entwickeln besonders leicht eine Blaseninfektion (Zystitis), weil sich die Blase in der Schwangerschaft oft nicht vollständig entleeren lässt.

Der Gebrauch eines Scheidendiaphragmas erhöht das Risiko einer Blaseninfektion vermutlich deshalb, weil das Spermizid, mit dem das Diaphragma kombiniert wird, die Scheidenflora stört und Bakterien in der Scheide gedeihen lässt, die Blaseninfektionen auslösen. Auch wenn beim Geschlechtsverkehr ein Kondom mit Spermizid verwendet wird, kann dies das Risiko erhöhen.

Durch die nach der Menopause auftretende verminderte Östrogen-Produktion verringert sich möglicherweise das Scheiden- und Vulvagewebe im Bereich der Harnröhre (atrophische Vaginitis und atrophische Urethritis), was die Frau anfälliger für wiederholte Blaseninfektionen macht. Eine Senkung (Vorfall) der Gebärmutter oder Blase kann dazu führen, dass die Blase nicht mehr ausreichend geleert werden kann und anfällig für Blaseninfektionen ist. Ein Vorfall von Gebärmutter oder Blase tritt häufiger bei Frauen auf, die viele Entbindungen hatten.

In seltenen Fällen resultieren wiederkehrende Blaseninfektionen bei Frauen aus einer unnatürlichen Verbindung zwischen Blase und Scheide (Blasenscheidenfistel).

Ursachen von Blaseninfektionen bei Männern

Blaseninfektionen sind bei Männern seltener. Bei Männern ist eine bakterielle Infektion der Prostata eine häufige Ursache von wiederholten Episoden einer Blaseninfektion (Zystitis) und Urethritis. In der Blase können Antibiotika die Bakterien zwar schnell beseitigen, doch sind die meisten dieser Medikamente nicht in der Lage, in die Prostata einzudringen, um eine Infektion zu heilen. In der Regel ist eine wochenlange Antibiotika-Behandlung erforderlich. Bakterien, die in der Prostata verbleiben, neigen daher dazu, die Blase erneut zu infizieren, wenn die Medikamente zu früh abgesetzt werden.

Ursachen von Blaseninfektionen bei beiden Geschlechtern

Wenn der Harnfluss aufgrund eines Steins in Blase oder Harnröhre, einer vergrößerten Prostata (bei Männern) oder einer Striktur (Verengung) der Harnröhre teilweise blockiert (verengt) wird, können Bakterien, die in die Harnwege eingedrungen sind, nicht wieder so leicht herausgespült werden. Bakterien, die nach dem Wasserlassen in der Blase verbleiben, können sich schnell vermehren. Personen mit einer lang andauernden oder wiederholten Obstruktion des Harnflusses können eine Harnblasenausstülpung (Divertikel) entwickeln. Nach dem Wasserlassen bleibt in diesem Divertikel Urin zurück, was ein erhöhtes Risiko einer Infektion darstellt.

Auch ein Blasenkatheter oder jedes andere Instrument, über das Bakterien in die Blase gelangen können, kann zu einer Blaseninfektion führen.

Manchmal kann sich die Blase auch entzünden, ohne dass eine Infektion vorliegt. Diese Erkrankung wird als interstitielle Zystitis bezeichnet.

Symptome

Blaseninfektionen rufen meist häufigen Harndrang und Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen hervor. Diese Symptome entwickeln sich in der Regel innerhalb mehrerer Stunden oder eines Tages. Der starke Harndrang kann zu einem unkontrollierten Harnverlust führen (Dranginkontinenz); das gilt vor allem für ältere Menschen. Fieber tritt nur selten auf. Der Schmerz wird meistens über dem Schambein und oft auch im unteren Rücken gefühlt. Ein weiteres Symptom ist häufiger nächtlicher Harndrang (Nykturie). Der Urin ist oft trübe und kann Blut enthalten. Wenn die Ursache einer Infektion in seltenen Fällen eine abnorme Verbindung zwischen der Blase und dem Darm oder der Vagina (Fistel) ist, können Gase mit dem Urin ausgeschieden werden (Pneumaturie).

Manchmal verursacht eine Blaseninfektion besonders bei älteren Menschen keine Symptome und wird zufällig entdeckt, wenn der Urin aus einem anderen Grund untersucht wird. Bei älteren Personen verursacht die Blaseninfektion unter Umständen keine Symptome beim Wasserlassen, sondern Fieber oder Verwirrtheit. Ein Patient mit gestörter Nervenversorgung der Blase (neurogene Blase) oder mit einem Katheter kann eine symptomlose Blaseninfektion haben, bis es zu einer Niereninfektion kommt oder ein unerklärliches Fieber auftritt.

Diagnose

  • Urinuntersuchung

  • Urinkultur

Ein Arzt kann eine Blaseninfektion aufgrund ihrer typischen Symptome diagnostizieren. Zur Untersuchung muss der Patient Mittelstrahlurin abgeben, der nicht mit Bakterien aus der Scheide oder der Penisspitze verunreinigt sein darf. Mit einem Teststreifen, der in den Urin getaucht wird, lassen sich auf einfache Weise zwei Substanzen nachweisen, die sich normalerweise nicht im Urin befinden. Der Teststreifen kann Nitrite, die von den Bakterien freigesetzt werden, und Leukozytenesterase (ein Enzym, das man in gewissen weißen Blutkörperchen findet) feststellen; dieses Enzym ist ein Hinweis darauf, dass der Körper versucht, die Bakterien im Urin zu bekämpfen. Bei erwachsenen Frauen ist dies möglicherweise der einzige erforderliche Test.

Die Urinprobe kann außerdem mikroskopisch untersucht werden, um die Anzahl roter und weißer Blutkörperchen zu bestimmen und festzustellen, ob sie Bakterien enthält. Manchmal werden Urinkulturen angelegt, um die Anzahl und Art der Bakterien zu bestimmen. Dafür werden Bakterien einer Urinprobe im Labor gezüchtet. Bei einer Infektion findet sich meistens eine Bakterienart im Übermaß.

Bei Männern genügt meist eine Probe des Mittelstrahlurins für die Diagnose. Bei Frauen ist diese Probe manchmal durch Bakterien aus der Scheide verunreinigt. Enthält die Urinprobe nur wenige Bakterien oder viele verschiedene Bakterienarten gleichzeitig, spricht dies für eine Verunreinigung während der Entnahme. Um sicherzustellen, dass die Probe während der Entnahme nicht verunreinigt wird, kann der Arzt sie mit einem Katheter direkt aus der Blase gewinnen.

Bestimmung der Ursache der Zystitis

Die Ursache für die Blaseninfektion zu finden ist bei mehreren Patientengruppen besonders wichtig. Die Ursache sollte bei folgenden Gruppen ermittelt werden

  • Kinder

  • Männer jeden Alters

  • Personen mit mindestens 3 Tage anhaltendem Fieber oder Nachweis einer Nierenschädigung

  • Einige Frauen mit häufig wiederkehrenden Infektionen (mindestens 3 pro Jahr), insbesondere, wenn diese mit Symptomen einer Harnstauung (einschließlich Symptome eines Nierensteins) einhergehen.

Bei diesen Patientengruppen ist es wahrscheinlicher, dass eine Infektionsursache gefunden wird, die über die Gabe von Medikamenten zur Infektionsbekämpfung (z. B. ein großer Nierenstein) hinaus eine Behandlung erfordert.

Die Ärzte führen ein bildgebendes Verfahren durch, für gewöhnlich

  • Ultraschall

  • Computertomographie (CT)

Manchmal wird anstatt einer Ultraschalluntersuchung oder CT ein intravenöses Urogramm (IVU) veranlasst, eine Röntgenuntersuchung, bei der ein Röntgenkontrastmittel in eine Vene gespritzt wird, das dann über die Nieren in den Urin ausgeschieden wird. ( Bildgebende Verfahren der Harnwege.) Die Röntgenbilder zeigen die Nieren, die Harnleiter und die Blase.

Ein Miktionszystourethrogramm, bei dem das Röntgenkontrastmittel in die Blase eingebracht und sein Austritt verfolgt wird, eignet sich besonders bei Kindern, um den Rückfluss des Urins (Reflux) aus der Blase zurück in die Harnleiter zu untersuchen und um eine eventuelle Verengung (Striktur) der Harnröhre zu erkennen.

Eine retrograde Urethrographie, bei der das Röntgenkontrastmittel direkt in die Harnröhre gespritzt wird, ist hilfreich, um Strikturen, Ausstülpungen und abnormale Verbindungen (Fisteln) der Harnröhre von Männern oder Frauen zu erkennen.

Wenn sich eine Blaseninfektion trotz Behandlung nicht bessert, kann es bei der Diagnose helfen, das Blaseninnere mit einem Endoskop direkt zu betrachten (Zystoskopie). Auch bei Männern mit Blaseninfektion wird nach der Ursache gesucht. Die häufigste Ursache ist die Prostatitis, die gewöhnlich mittels einer Untersuchung und Urintests festgestellt werden kann.

Vorbeugung

Wenn Frauen häufig Blaseninfektionen nach dem Geschlechtsverkehr bekommen, könnte es empfehlenswert sein, direkt danach Antibiotika zu nehmen. Die Anwendung eines Diaphragmas und von Spermiziden sollte vermieden werden und die Frauen sollten nach dem Geschlechtsverkehr so bald wie möglich Wasser lassen.

Menschen, die häufig Blaseninfektionen haben, können langfristig Antibiotika in niedriger Dosierung einnehmen. Frauen, die zur Verhinderung von Blaseninfektionen regelmäßig Antibiotika einnehmen, sollten ihre Verhütungsmöglichkeiten mit ihrem Arzt besprechen. Bei postmenopausalen Frauen, die häufig an Blaseninfektionen und atrophischer Vaginitis oder atrophischer Urethritis leiden, können Östrogensalben, die auf der Vulva aufgetragen werden, oder Östrogenzäpfchen, die in die Vagina eingeführt werden, helfen.

Auch eine reichliche Flüssigkeitsaufnahme kann Blaseninfektionen vorbeugen. Die Spülfunktion des Urins spült viele Bakterien aus der Blase. Die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers eliminieren die verbleibenden Bakterien. Es wird im Allgemeinen angenommen, dass das Abwischen von vorne nach hinten und das Vermeiden von enger, nicht luftdurchlässiger Unterwäsche bei Frauen Blaseninfektionen vorbeugen. Es ist jedoch nicht ganz klar, ob irgendeine dieser Maßnahmen tatsächlich schützt.

Wussten Sie ...

  • Es ist nicht ganz klar, ob das Abwischen von vorne nach hinten oder das Vermeiden von enger, nicht luftdurchlässiger Unterwäsche hilft, Blaseninfektionen zu verhindern.

  • Es gibt keine Nachweise, dass Cranberry-Saft Infektionen verhindern kann.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Analgetika bei Bedarf

  • Manchmal operative Eingriffe

Eine Blaseninfektion wird gewöhnlich mit Antibiotika behandelt. Bevor der Arzt ein Antibiotikum verordnet, prüft er, ob die Person eine Erkrankung hat, die eine Blaseninfektion verschlimmern würde, etwa Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem (das die Fähigkeit des Patienten verringert, Infektionen zu bekämpfen) oder eine Erkrankung, die diese schwerer bekämpfen lässt, wie anatomische Fehlbildungen. Bei solchen Erkrankungen kann eine aggressivere Behandlung nötig sein, vor allem, weil die Infektion wahrscheinlich erneut auftritt, sobald der Patient keine Antibiotika mehr einnimmt. Bei diesen Erkrankungen kann es sich auch um eine Infektion mit einem Pilz oder mit ungewöhnlichen Bakterien handeln. Daher müssen sie unter Umständen mit anderen Medikamenten als den gängigsten Antibiotika behandelt werden.

Bei Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfektionen reicht es meist aus, das Antibiotikum 3 Tage lang einzunehmen, wobei es manche Ärzte vorziehen, eine einzelne Dosis zu verabreichen. Bei hartnäckigeren Infektionen wird das Antibiotikum gewöhnlich 7 bis 10 Tage lang eingenommen. Bei Männern wird die Blaseninfektion meistens durch eine Prostatitis (Entzündung der Prostata) verursacht und erfordert in der Regel eine wochenlange Antibiotikabehandlung.

Bestimmte Medikamente sollen vor allem den häufigen hartnäckigen Harndrang und schmerzhaftes Wasserlassen erleichtern. Phenazopyridin kann den Schmerz lindern, indem das entzündete Gewebe beruhigt wird. Es kann für einige Tage angewendet werden, bis die Infektion auf die Behandlung mit dem Antibiotikum anschlägt.

Mit einem chirurgischen Eingriff kann eine Obstruktion des Harnabflusses beseitigt oder eine strukturelle Anomalie, wie eine Senkung der Gebärmutter oder der Blase, die das Risiko einer Infektion erhöht, korrigiert werden. Um die Infektion bis zum chirurgischen Eingriff unter Kontrolle zu bekommen, hilft es, den Urin aus einem blockierten Bereich mit einem Katheter abzuleiten. Vor dem chirurgischen Eingriff wird meistens ein Antibiotikum gegeben, um das Risiko zu verringern, dass sich die Infektion auf den ganzen Körper ausbreitet.

Vorbeugung gegen Blaseninfektionen bei Frauen

Bei Frauen, die dreimal oder öfter pro Jahr unter Blaseninfektionen leiden, können folgende Maßnahmen helfen:

  • Flüssigkeitsaufnahme erhöhen

  • Häufiges Wasserlassen

  • Möglichst bald nach dem Geschlechtsverkehr urinieren

  • Gebrauch eines Scheidendiaphragmas und/oder Kondoms in Kombination mit einem spermientötenden Mittel vermeiden

  • Dauerhafte Einnahme von Antibiotika in geringen Dosen

  • Bei postmenopausalen Frauen mit atrophischer Vaginitis oder atrophischer Urethritis können Östrogensalben, die auf der Vulva aufgetragen werden, oder Östrogenzäpfchen, die in die Vagina eingeführt werden, helfen.

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