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Lungenentzündung bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem

Von

Sanjay Sethi

, MD, University at Buffalo SUNY

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2019| Inhalt zuletzt geändert Apr 2019
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Die Lungenentzündung bezeichnet eine Infektion der Lunge. Bei Patienten mit einem geschwächten oder beeinträchtigen Immunsystem (z. B. aufgrund des erworbenen Immun-Schwäche-Syndroms [AIDS], Krebs, einer Organtransplantation oder der Einnahme gewisser Medikamente oder Drogen) wird eine Lungenentzündung (Pneumonie) oft durch andere Erreger ausgelöst als bei gesunden Menschen.

  • Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem können Lungenentzündungen durch Mikroorganismen ausgelöst werden, die bei gesunden Personen selten zu einer Erkrankung führen.

  • Die Symptome sind verschieden, können aber Fieber, Kurzatmigkeit, Husten und Ermüdung bzw. ein allgemeines Schwächegefühl umfassen.

  • Röntgenaufnahmen der Brust werden oft mit Untersuchungen von Sputumproben kombiniert, um die Diagnose zu stellen.

  • Diese Lungenentzündung wird mit Antibiotika, Pilz- oder Virenmitteln behandelt. Alle Probleme des Immunsystems werden ebenfalls behandelt.

Immungeschwächte Menschen haben ein geschwächtes oder beeinträchtigtes Immunsystem. Natürliche Barrieren und das Immunsystem schützen den Körper vor Organismen, die Infektionen hervorrufen.

Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem kann diese durch viele Mikroorganismen ausgelöst werden, auch von solchen, die normalerweise zu keiner Erkrankung führen. Viele Erkrankungen können zu einer Schwächung des Immunsystems führen, unter anderem:

  • Krebserkrankung sowie Chemotherapeutika zu deren Behandlung

  • Defekte der weißen Blutkörperchen

  • Krankheiten, wie AIDS

  • Bestimmte Medikamente (wie Kortikosteroide, Chemotherapeutika und Mittel zur Behandlung von Autoimmun- oder Bindegewebserkrankungen)

Ursachen

Bei einem geschwächten Immunsystem kann die Lungenentzündung von den gleichen Mikroorganismen ausgelöst werden, die eine ambulant erworbene Lungenentzündung verursachen. Eine häufigere Ursache können jedoch ungewöhnliche oder seltene Organismen sein.

Pneumocystis jirovecii ist ein Pilzerreger, der auch bei gesunden Menschen in geringer Menge in der Lunge vorkommen kann. In der Regel verursacht er nur dann eine Lungenentzündung, wenn die körpereigenen Abwehrmechanismen geschwächt sind, aufgrund von Krebs, AIDS, Organtransplantation oder der Anwendung von Medikamenten, die sich auf das Immunsystem auswirken. Häufig ist eine Lungenentzündung aufgrund von P. jirovecii das erste Anzeichen, dass bei einer mit Person mit einer Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV) AIDS ausgebrochen ist.

Andere Pilze, wie Aspergillus und Candida, Bakterien, wie Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae und Viren, wie Zytomegalievirus und Herpes-simplex-Virus können bei einem geschwächten Immunsystem ebenfalls zu einer Lungenentzündung führen.

Symptome

Die Symptome einer Lungenentzündung bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können dieselben sein wie bei einer ambulant erworbenen Lungenentzündung und umfassen Folgendes:

  • Ein allgemeines Schwächegefühl (Malaise)

  • Husten mit Auswurf (fester oder verfärbter Schleim)

  • Kurzatmigkeit

  • Fieber

  • Schüttelfrost

  • Schmerzen im Brustkorb

Diese Symptome können schnell auftreten oder erst nach und nach.

Die meisten Menschen mit einer Lungenentzündung (Pneumonie) durch P. jirovecii entwickeln Fieber, Kurzatmigkeit und einen trockenen Husten, oft erst nach und nach. Es kann sein, dass die Lunge nicht genügend Sauerstoff aufnimmt, was zu bisweilen schwerer Kurzatmigkeit führen kann.

Diagnose

  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs

  • Mikroskopische Untersuchung einer Sputumprobe (fester oder verfärbter Schleim)

  • Blutkulturen

  • Pulsoximetrie

Die Diagnose einer Lungenentzündung (Pneumonie) bei einer Person mit einem geschwächten Immunsystem stützt sich auf die Symptome des Patienten, die Ergebnisse einer Röntgenaufnahme oder eines CT-Scans des Brustkorbs sowie auf die Befunde von Sputum- und Bluttests.

Die Röntgenaufnahmen des Brustkorbs können unauffällig sein oder Anzeichen einer Infektion zeigen.

Die Sputumproben werden durch Verabreichen von Dampf, der zu starkem Husten (mit Auswurf) führt, oder durch Einführen eines Bronchoskops (kleiner flexibler Schlauch mit einer Kamera) in die Atemwege entnommen. Sputumproben, die durch herbeigeführtes Husten und durch ein Bronchoskop entnommen werden, enthalten für gewöhnlich weniger Speichelflüssigkeit und führen mit größerer Wahrscheinlichkeit als bei ausgeworfenem Sputum dazu, dass der die Lungenentzündung verursachende Erreger bestimmt werden kann.

Der Arzt nimmt für gewöhnlich Blut ab und schickt es ins Labor, damit dort das Bakterium gezüchtet (Kultur) und die Bakterien identifiziert werden können.

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können einen niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut haben. Der Sauerstoffgehalt im Blut kann ohne Entnahme einer Blutprobe mithilfe einer Elektrode gemessen werden, die an einen Finger oder ein Ohrläppchen angelegt wird. Dieser Test wird Pulsoximetrie genannt.

Prognose

Auch wenn die Lungenentzündung behandelt wird, ist die Sterberate allgemein höher als bei generell gesunden Patienten mit ambulant erworbener Lungenentzündung. Das liegt daran, dass Infektionen bei Personen mit Problemen des Immunsystems schwerer behandelt werden können. Zudem sind diese Personen tendenziell bereits vor Beginn der Lungenentzündung schwerer krank.

Die Todesrate allgemein für Personen mit einer Lungenentzündung durch P. jirovecii ist hoch.

Vorbeugung

Oft werden Behandlungen zur Unterstützung des Immunsystems und zur Vorbeugung von Lungenentzündungen gegeben. Beispielsweise kann bei einem durch eine Krebsbehandlung geschwächtes Immunsystem ein Medikament namens Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor verabreicht werden. Dadurch wird die Bildung weißer Blutkörperchen angeregt (der Blutzellenart, die Infektionen bekämpft).

Personen mit einem Risiko für Lungenentzündung (Pneumonie), die durch Bakterien verursacht werden, sollten gegen Pneumococcus und Haemophilus influenzae geimpft werden.

Bei Menschen mit erhöhtem Risiko kann die Einnahme von Cotrimoxazol (eine feste Kombination der Antibiotika Trimethoprim und Sulfamethoxazol) einer P. jirovecii-Pneumonie vorbeugen. Zu den Nebenwirkungen, die vor allem bei AIDS-Patienten auftreten, zählen Fieber, Ausschläge und eine Abnahme der infektionsbekämpfenden weißen Blutkörperchen. Alternative präventive Medikamente sind Dapson oder Pentamidin.

Behandlung

  • Antibiotika, Virostatika oder Antimykotika

  • Behandlung von Problemen des Immunsystems

Die Behandlung der Lungenentzündung hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Spezifisches Problem des Immunsystems

  • Schweregrad der Erkrankung

  • Organismus, der die Infektion verursachen könnte

Normalerweise wird ein Antibiotikum verabreicht, das gegen viele Organismen wirksam ist (Breitbandantibiotikum). Wenn sich der Zustand des Patienten nicht verbessert, kann zusätzlich ein gegen Viren oder Pilze wirksames Medikament gegeben werden.

Therapien zur Verbesserung des Immunsystems sind auch bei bestehenden Problemen mit dem Immunsystem bei der Behandlung einer Lungenentzündung wichtig. Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (wie Chemotherapeutika oder Medikamente zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen), sollten vorübergehend abgesetzt werden, bis die Infektion abgeklungen ist.

Menschen mit einer Lungenentzündung durch P. jirovecii werden mit Cotrimoxazol (eine feste Kombination der Antibiotika Trimethoprim und Sulfamethoxazol) oder alternativ mit Dapson, Atovaquon, Clindamycin und Pentamidin behandelt. Manche Patienten erhalten auch das Kortikosteroid Prednison.

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