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Zytomegalievirus-Infektion (ZMV-Infektion)

Von

Kenneth M. Kaye

, MD, Brigham and Women’s Hospital, Harvard Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Eine Zytomegalievirusinfektion ist eine weit verbreitete Herpesvirusinfektion mit vielen Arten von Symptomen, die von nicht bemerkbaren Symptomen über Fieber und Müdigkeit (der infektiösen Mononukleose ähnlich) bis hin zu schweren Symptomen, die Augen, Gehirn oder andere innere Organe betreffen, reichen.

  • Dieses Virus wird durch sexuellen und nicht sexuellen Kontakt mit Körpersekreten verbreitet.

  • Die meisten Infizierten haben keine Symptome, aber manche fühlen sich krank und haben Fieber; Menschen mit geschwächtem Immunsystem können ernste Symptome aufweisen und sogar erblinden.

  • Das Zytomegalievirus kann bei Säuglingen, die vor der Geburt infiziert worden sind, schwere Erkrankungen auslösen.

  • Ärzte können die Infektion bestimmen, indem sie von einer Probe der infizierten Körperflüssigkeit, wie beispielsweise Urin, eine Kultur anlegen lassen.

  • Häufig ist keine Behandlung erforderlich, aber wenn die Infektion schwer ist, können antivirale Medikamente eingesetzt werden.

Infektionen mit dem Zytomegalievirus (ZMV) sind weit verbreitet. Das ZMV ist eine Art Herpesvirus (Herpesvirus Typ 5). Bluttests zeigen, dass 60 bis 90 Prozent aller Erwachsenen irgendwann einmal mit dem Zytomegalievirus infiziert waren.

Das ZMV kann bald nach der Infektion Symptome verursachen. Es verharrt in verschiedenen Geweben lebenslang latent (inaktiv). Verschiedene Erreger können das latente ZMV und somit die Krankheit reaktivieren. Es kann in Lunge, Magen-Darm-Trakt, Gehirn, Rückenmark oder Augen zu einer Infektion kommen.

Die ZMV-Infektion ruft jedoch gewöhnlich keine Symptome hervor. Zu einer gravierenden Infektion kommt es üblicherweise nur bei Säuglingen, die sich im Mutterleib angesteckt haben, und bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, wie bei AIDS-Patienten oder Empfängern einer Organtransplantation. Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem resultiert die Krankheit häufig aus einer Reaktivierung des inaktiven Virus.

Übertragung des ZMV

Infizierte können das Zytomegalievirus monatelang im Urin ausscheiden und mit dem Speichel absondern. Die Erreger treten auch im Schleim des Gebärmutterhalses (des unteren Teils der Gebärmutter), im Sperma, im Stuhl und in der Muttermilch auf. Folglich wird das Virus durch sexuellen und nicht sexuellen Kontakt übertragen.

Wenn sich eine Schwangere infiziert, könnte auch das ungeborene Kind während der Schwangerschaft oder der Geburt angesteckt werden.

Eine ZMV-Infektion kann bei Menschen auftreten, die eine Transfusion von infiziertem Blut oder ein infiziertes Organtransplantat empfangen haben. Letztere sind besonders anfällig für eine ZMV-Infektion, weil sie mit Medikamenten behandelt werden, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), um Abstoßungsreaktionen des Körpers zu vermeiden.

Symptome

Die meisten mit dem Zytomegalievirus infizierten Menschen haben keinerlei Symptome.

Einige Infizierte fühlen sich krank und bekommen Fieber.

Eine Infektion mit dem ZMV kann, wie die mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV, ein Herpesvirus vom Typ 4), bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Form der infektiösen Mononukleose auslösen. Sowohl bei ZMV als auch bei EBV ruft die Mononukleose Fieber und Erschöpfung hervor. Bei EBV kommt es auch zu starken Halsschmerzen. Bei ZMV ist dies nicht der Fall.

Wenn eine nicht infizierte Person das ZMV über eine Bluttransfusion erhält, kann Fieber und 2 bis 4 Wochen später manchmal eine Leberentzündung auftreten.

Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann das ZMV ernste Erkrankungen oder gar den Tod herbeiführen.

Bei AIDS-Kranken ist eine ZMV-Infektion eine häufige virale Komplikation. Das Virus kann die Netzhaut im Auge infizieren. Diese Infektion (ZMV-Retinitis) kann eine Erblindung zur Folge haben. Es können sich auch Gehirn- und Lungenentzündungen (Enzephalitis bzw. Pneumonie) oder schmerzhafte Geschwüre im Darm und in der Speiseröhre entwickeln.

Wenn eine schwangere Frau das ZMV auf den Fetus überträgt, kann es zu Folgendem kommen:

Bei Neugeborenen kann die ZMV-Infektion Blutungen, Anämie oder erhebliche Schädigungen von Leber oder Gehirn verursachen. Bei überlebenden Neugeborenen können Gehörschädigung und geistige Behinderungen auftreten.

Diagnose

  • Urinkultur bei Neugeborenen

  • Bluttests

  • Oftmals eine Biopsie bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Eine Zytomegalievirusinfektion kann nicht immer sofort festgestellt werden. Die Diagnose einer ZMV-Infektion ist allerdings bei gesunden Erwachsenen und Kindern oftmals nicht notwendig, weil kein Behandlungsbedarf besteht. Ärzte ziehen die Möglichkeit einer ZMV-Infektion bei den folgenden Personen in Betracht:

  • Ansonsten gesunde Menschen, die Fieber und Erschöpfung aufweisen

  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem und einer Augen-, Hirn- oder Magen-Darm-Infektion

  • Kränkliche Neugeborene

Sobald der Verdacht auf eine ZMV-Infektion besteht, werden Tests vorgenommen, um die Erreger in Körperflüssigkeiten und im Gewebe nachzuweisen.

Bei Neugeborenen wird die Diagnose normalerweise durch Einsenden einer Urinprobe ins Labor gestellt, wo eine Kultur angesetzt und das Virus identifiziert wird.

Anhand von Bluttests, bei denen Antikörper gegen das ZMV festgestellt werden, kann eine neue Infektion bestätigt werden. (Antikörper werden vom Immunsystem gebildet, um den Körper gegen einen bestimmten Angreifer wie etwa das ZMV zu schützen.) Durch diese Tests kann jedoch eine durch Reaktivierung des Virus ausgelöste Erkrankung nicht bestätigt werden, zu der es bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem häufig kommt. Bei ihnen muss oftmals eine Biopsie der betroffenen Gewebe entnommen und untersucht werden, um die durch das ZMV hervorgerufene Erkrankung zu bestätigen.

Unter Umständen werden auch Bluttests durchgeführt, um abzuschätzen, wie hoch die Virenlast ist.

Eine ZMV-Retinitis kann von einem Augenarzt festgestellt werden, der die internen Augenstrukturen mithilfe eines Ophthalmoskops nach spezifischen Abweichungen überprüft.

Behandlung

  • Bei ZMV-Retinitis antivirale Arzneimittel

  • Bei Patienten mit HIV/AIDS Medikamente zur Behandlung der HIV-Infektion

Eine leichte Zytomegalievirusinfektion wird normalerweise nicht behandelt. Sie klingt von selbst wieder ab.

Bedroht die Infektion jedoch das Leben oder das Sehvermögen des Patienten, werden antivirale Medikamente (Valganciclovir, Ganciclovir, Cidofovir, Foscarnet oder eine Kombination davon) verabreicht. Diese Medikamente können oral oder über eine Vene verabreicht werden. Bei sehr schwerer ZMV-Retinitis können die Mittel auch direkt in das betroffene Auge injiziert werden. Diese Mittel haben ernste Nebenwirkungen (siehe Tabelle: Einige antivirale Arzneimittel gegen Infektionen mit Herpesviren) und heilen die Infektion möglicherweise nicht. Eine Behandlung hemmt jedoch die Weiterentwicklung der Krankheit und bewahrt vielleicht das Sehvermögen.

Zur Behandlung anderer schwerer ZMV-bedingter Symptome werden antivirale Arzneimittel angewendet, die aber nicht so zuverlässig wirken wie bei der Behandlung einer Retinitis.

Wenn die ZMV-Infektion bei Menschen auftritt, deren Immunsystem temporär (wegen einer Störung oder eines Medikaments) geschwächt oder unterdrückt ist, lässt die Infektion gewöhnlich ohne Behandlung nach, wenn die Abwehrkräfte wieder stabilisiert sind oder die Medikamenteneinnahme gestoppt wird.

Die Behandlung von HIV-/AIDS-Patienten mit Medikamenten gegen HIV (antiretrovirale Medikamente) schützt auch gegen die ZMV-Infektion.

Organtransplantatempfänger erhalten als ZMV-Prophylaxe oft antivirale Medikamente (wie Ganciclovir, Valganciclovir oder Foscarnet).

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