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Infektionen mit Herpes-simplex-Viren (HSV)

Von

Kenneth M. Kaye

, MD, Brigham and Women’s Hospital, Harvard Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Kurzinformationen

Eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus verursacht wiederholt kleine, schmerzhafte, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen auf der Haut, am Mund, auf den Lippen (Fieberbläschen), an den Augen und Genitalien.

  • Diese hoch ansteckende Virusinfektion erfolgt durch direkten Kontakt mit dem Ausschlag oder mit einem infizierten Bereich, an dem keine Bläschen sichtbar sind.

  • Herpes verursacht Bläschen und Geschwüre im Mund oder an den Genitalien, und häufig tritt bei der ersten Infektion auch Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf.

  • Das Virus verbreitet sich manchmal auch auf andere Körperteile, einschließlich Augen und Gehirn.

  • Die Herpesbläschen sind für den Arzt leicht erkennbar, aber manchmal sind Untersuchungen von Material aus einer Läsion oder Bluttests notwendig.

  • Es gibt kein Medikament, das eine Herpesinfektion heilen könnte, aber antivirale Medikamente tragen dazu bei, Beschwerden zu lindern und diese früher aufzulösen.

Herpes simplex ist eine von mehreren Arten von Herpesviren. Es gibt zwei Arten von Herpes-simplex-Viren (HSV):

  • HSV-1, üblicherweise die Ursache von Fieberbläschen an den Lippen (Lippenherpes, Herpes labialis) und von Infektionen der Hornhaut im Auge (Herpes-simplex-Keratitis)

  • HSV-2, üblicherweise die Ursache von Genitalherpes

Diese Unterscheidung ist nicht absolut: Genitalinfektionen können auch von HSV-1 hervorgerufen werden. Die Infektion kann auch in anderen Körperteilen wie im Gehirn (eine ernste Erkrankung) oder im Magen-Darm-Trakt auftreten. Eine verbreitete Infektion kann sich bei Neugeborenen oder bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, vor allem bei HIV-Patienten, entwickeln.

Das HSV ist sehr ansteckend und kann durch direkten Kontakt mit Läsionen sowie mitunter durch Kontakt mit dem Mund- oder Genitalbereich von Personen mit einer HSV-Infektion verbreitet werden, auch wenn keine Läsionen zu sehen sind.

Primäre und rezidivierende (reaktivierte) Infektionen

Nach der ersten (primären) Infektion verbleibt das HSV wie andere Herpesviren lebenslang in inaktivem (latentem oder schlafendem) Zustand im Körper. Eine latente Infektion kann nie wieder Symptome hervorrufen oder von Zeit zu Zeit reaktiviert werden und erneut Symptome auslösen.

Die primäre HSV-Infektion verursacht einen Ausschlag mit kleinen Bläschen auf der Haut. Der Ausschlag klingt wieder ab, aber die Viren bleiben inaktiv (latent) in den Nervenzellen (Ganglien) nahe des Rückenmarks, von wo aus die Nervenfasern versorgt werden, die zu der infizierten Stelle führen. Wenn die Viren wieder aktiviert werden und sich zu vermehren beginnen, wandern sie durch die Nervenfasern zurück zur Haut und lassen an der gleichen Stelle wie bei der früheren Infektion einen Bläschenausschlag entstehen. Manchmal ist das Virus auf der Haut oder in den Schleimhäuten vorhanden, ohne sichtbare Bläschen zu bilden.

Das Virus kann mehrmals reaktiviert werden. Die Reaktivierung einer latenten HSV-Infektion im Mund- oder Genitalbereich kann durch Folgendes ausgelöst werden:

  • Fieber

  • Menstruation

  • Emotionale Belastung

  • Unterdrückung des Immunsystems (z. B. durch ein Medikament, das Abwehrreaktionen gegen eine Organtransplantation verhindern soll)

Fieberbläschen entwickeln sich auch nach körperlichem Trauma, wie z. B. einem zahnmedizinischen Verfahren oder Sonnenbrand an den Lippen. Häufig ist der Auslöser unbekannt.

Symptome und Komplikationen

An folgenden Körperteilen treten winzige Bläschen auf:

  • Haut: Insbesondere rund um den Mund oder an den Genitalien

  • Schleimhäute: Beispielsweise in den Augen, der Scheide, dem Gebärmutterhals oder im Mund

Die Haut um die Bläschen ist häufig gerötet.

Orale Infektion

Die erste orale Infektion mit HSV verursacht in der Regel viele schmerzhafte Läsionen im Mund (Gingivostomatitis herpetica). Gingivostomatitis herpetica tritt meistens bei Kindern auf.

Vor dem Auftreten der Läsionen verspüren die Betroffenen möglicherweise ein unangenehmes Kribbeln oder Jucken an der betroffenen Stelle. Darüber hinaus fühlen sie sich abgeschlagen, haben Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen.

Die Mundgeschwüre können 10 bis 19 Tage lang anhalten und sind oft so unangenehm, dass Essen und Trinken zur Qual werden. Infolgedessen kann es zu Dehydratation kommen. Gelegentlich entwickeln sich keine Symptome.

Bei Rückfällen wird in der Regel eine Anhäufung von Bläschen am Lippenrand gebildet. Die Bläschen platzen auf und verkrusten.

Das Lippenbläschen wird auch Fieberbläschen genannt (weil es oft durch Erkältungen oder Fieber ausgelöst wird). Andere Auslöser sind Sonnenbrand auf den Lippen, Angstzustände, bestimmte zahnmedizinische Verfahren und alles, was zur Reduzierung der körperlichen Abwehrkräfte gegenüber Infektionen führen kann.

Bevor die Fieberbläschen erscheinen, fühlt man in der Regel ein Kribbeln an der Stelle des Ausbruchs, das von einigen Minuten bis zu ein paar Stunden dauern kann; anschließend rötet sich die Stelle und schwillt an. Gewöhnlich bilden sich dann mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die aufbrechen und wunde Stellen hinterlassen. Sie bilden rasch eine dünne, gelbe Kruste. Nach etwa 5 bis 10 Tagen fällt die Verkrustung ab, und die Erkrankung heilt ab. Seltener kommt es zu Kribbeln und Rötung, ohne dass sich Bläschen bilden.

Genitalinfektion

Die erste HSV-Infektion im Genitalbereich (Genitalherpes) kann schwer und langwierig sein, mit zahlreichen schmerzhaften Bläschen im Genital- und/oder Analbereich. Bei Frauen können sich auch im Inneren der Scheide oder am Gebärmutterhals Bläschen bilden. Innen liegende Bläschen sind weniger schmerzhaft und nicht sichtbar. Die Bläschen entwickeln sich 4 bis 7 Tage nach der Infektion. Die Bläschen bei einer ersten Infektion im Genitalbereich sind meistens schmerzhafter, langwieriger und weiter verbreitet als bei einer erneut auftretenden Infektion.

Oft treten Fieber und allgemeines Unwohlsein auf, einige Betroffene verspüren ein Brennen oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder klagen über Verstopfung. Manche Menschen haben keine Symptome.

Rückfälle von Genitalherpes kündigen sich mit Symptomen (wie z. B. lokales Kribbeln, Beschwerden, Juckreiz oder Schmerzen in der Leistengegend) an, die der Bläschenbildung um mehrere Stunden bis zu 2 bis 3 Tagen vorausgehen. Auf Haut und Schleimhaut im Genitalbereich treten schmerzhafte Bläschen, umgeben von einem roten Rand, auf. Sie brechen rasch auf und hinterlassen wunde Stellen. Derartige Bläschen können sich auch auf den Oberschenkeln, am Gesäß und rund um den After bilden. Bei Frauen entwickeln sich Bläschen an der Scham (Vulva, die Gegend rund um die Scheidenöffnung). Diese sind normalerweise gut sichtbar und auch sehr schmerzhaft. Ein typischer Rückfall mit Genitalherpes dauert eine Woche.

Bakterien können manchmal die auf eine HSV-Infektion zurückzuführenden wunden Stellen infizieren. Solche Wunden können gereizt aussehen oder eine dicke oder übel riechende Flüssigkeit absondern.

Abbildungen von Genitalherpes

Andere Infektionen und Komplikationen

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können wiederholte Ausbrüche von oralen und genitalen Herpesinfektionen zu sich vergrößernden wunden Stellen führen, die Wochen brauchen, um zu heilen. Die Infektion kann auf das Körperinnere übergreifen und Entzündungen von Speiseröhre, Lunge oder Dickdarm bewirken. Geschwüre in der Speiseröhre verursachen Schmerzen beim Schlucken und die Lungeninfektion verursacht Pneumonie mit Husten und Kurzatmigkeit.

HSV-1 oder HSV-2 dringen manchmal durch eine Verletzung am Finger in die Haut ein, was zu einer geschwollenen, schmerzenden und geröteten Fingerspitze führt (herpetisches Panaritium). Medizinische Fachpersonen, die mit Speichel oder anderen Körpersekreten in Berührung kommen (wie Zahnärzte), können sich leicht anstecken, wenn sie keine Handschuhe tragen.

HSV-1 kann die Hornhaut des Auges infizieren. Diese Infektion (sogenannte Herpes-simplex-Keratitis) führt zu einem schmerzhaften Geschwür, tränenden Augen, Lichtempfindlichkeit und verschwommenem Sehen. Im Lauf der Zeit, besonders bei Ausbleiben einer Behandlung, kann sich die Hornhaut eintrüben und einen bedeutenden Verlust des Sehvermögens verursachen.

Kleinkinder und Erwachsene mit atopischem Ekzem sind durch eine HSV-Infektion an der von der Hauterkrankung betroffenen Stelle besonders gefährdet (Ekzema herpeticatum). Solche Patienten sollten sich daher unbedingt von allen Personen mit aktiver Herpesinfektion fernhalten.

Das HSV kann das Gehirn infizieren. Diese Erkrankung (eine sogenannte Herpesenzephalitis) beginnt mit Verwirrtheit, Fieber und Krampfanfällen und kann tödlich ausgehen.

Selten kann eine schwangere Frau den HSV an ihr ungeborenes Kind übertragen (sogenannter Neugeborenen-Herpes). Die Übertragung erfolgt normalerweise während der Geburt, wenn sich das Kind im Geburtskanal durch Kontakt mit Sekreten infiziert. Selten wird das HSV bereits während der Schwangerschaft auf den Fetus übertragen. In folgenden Fällen ist das Risiko einer Übertragung während der Geburt erhöht:

  • Wenn sich die Mutter vor Kurzem mit dem Herpesvirus infiziert hat

  • Wenn die Mutter sichtbare Herpesbläschen im Scheidenbereich aufweist, obwohl sich das Kind auch dann infizieren kann, wenn die Mutter keine sichtbaren Bläschen aufweist

Wenn die Infektion bei der Geburt erworben wird, treten die ersten Symptome zwischen der 1. und der 4. Lebenswoche auf. Neugeborene mit einer HSV-Infektion erkranken sehr schwer. Sie können eine weit verbreitete Krankheit, eine Infektion des Gehirns oder eine Hautinfektion aufweisen. Ohne Behandlung sterben etwa 85 Prozent derjenigen mit weit verbreiteter Krankheit und etwa die Hälfte der Kinder mit einer Gehirninfektion. Selbst wenn eine Behandlung erfolgt, kann ein Hirnschaden zurückbleiben.

Diagnose

  • Untersuchung einer Probe aus dem Bläschen

  • Bei Verdacht auf eine Gehirninfektion Magnetresonanztomographie (MRT) und Lumbalpunktion

Eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus ist üblicherweise leicht zu erkennen. Im Zweifel können Ärzte eine Abstrichprobe von der Wunde entnehmen und im Labor eine Kultur des Virus anlegen und identifizieren lassen.

Manchmal wird das von den Bläschen abgeschabte Material im Mikroskop untersucht. Obwohl das Virus selbst nicht gesehen werden kann, enthält das abgeschabte Material mitunter vergrößerte infizierte Zellen (Riesenzellen), die für die Infektion mit einem herpesartigen Virus typisch sind.

Auch Bluttests zum Nachweis von Antikörpern gegen das HSV können hilfreich sein. (Antikörper werden vom Immunsystem gebildet, um den Körper gegen einen bestimmten Angreifer wie etwa das HSV zu schützen.)

Bestimmte Bluttests können zwischen einer HSV-1- und einer HSV-2-Infektion unterscheiden.

Bei Verdacht auf eine Infektion des Gehirns werden unter Umständen eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und eine Lumbalpunktion durchgeführt, um eine Probe der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit analysieren zu können.

Vorbeugung

Menschen mit einer HSV-Infektion sollten Tätigkeiten und anderes meiden, welche die Krankheit bekanntlich wieder auslösen. Wenn eine orale HSV-Infektion beispielsweise durch Sonnenlicht ausgelöst wird, sollte man es nach Möglichkeit vermeiden, sich der Sonne auszusetzen oder wenn Sonneneinstrahlung nicht vermieden werden kann, ein Sonnenschutzmittel verwenden.

Da eine HSV-Infektion ansteckend ist, sollten Menschen mit Lippenherpes bereits bei einem leichten ersten Kribbeln auf Küssen verzichten (oder beim Auftreten des ersten Bläschens, wenn kein Kribbeln besteht), bis die Wunde vollständig geheilt ist. Sie sollten keine Trinkgläser mit anderen teilen und nach Möglichkeit ihre Lippen nicht berühren. Oralsex sollte ebenfalls vermieden werden.

Menschen mit Genitalherpes sollten immer Kondome benutzen. Selbst wenn keine Bläschen sichtbar sind und keine Symptome auftreten, kann das Virus an den Genitalien vorhanden sein und auf den Geschlechtspartner übertragen werden.

Es werden derzeit Impfstoffe zur Prävention von HSV-Infektionen entwickelt.

Behandlung

Antivirale Medikamente

Es gibt keine antivirale Behandlung, die eine Herpesinfektion heilen könnte. Die Behandlung der ersten oralen oder genitalen Infektion verhindert auch nicht den chronischen Befall der Nerven. Antivirale Medikamente wie Acyclovir, Valacyclovir oder Famciclovir können allerdings die Beschwerden bei einem wiederholten Ausbruch ein wenig lindern und ihn um ein bis zwei Tage verkürzen. Die Behandlung ist am effektivsten, wenn sie innerhalb weniger Stunden nach dem Einsetzen der Symptome begonnen wird, am besten bereits beim ersten Anzeichen von Kribbeln und Unbehagen, noch bevor Bläschen auftreten. Bei Patienten, die unter häufigen und schmerzhaften Attacken leiden, lässt sich die Zahl der Ausbrüche durch die dauerhafte tägliche Einnahme antiviraler Arzneimittel verringern (sogenannte suppressive Therapie). Die Einnahme antiviraler Arzneimittel kann jedoch das Ansteckungsrisiko nicht beseitigen. Antivirale Medikamente sind nur auf Rezept erhältlich.

Penciclovir-Salbe wird tagsüber, d. h., solange die Patienten wach sind, alle 2 Stunden aufgetragen und kann die Heilungszeit und die Symptomdauer von Lippenherpes um etwa einen Tag verkürzen. Auch rezeptfreie Cremes, die Docosanol enthalten (5-mal pro Tag angewendet), können Beschwerden lindern. Acyclovir, Valacyclovir oder Famciclovir, die einige Tage lang geschluckt werden, sind gegen wiederholt auftretende Fieberbläschen möglicherweise am wirksamsten.

Bei schweren HSV-Infektionen, einschließlich HSV-Enzephalitis und Infektionen bei Neugeborenen, wird Acyclovir intravenös verabreicht. Wenn das Virus gegen Acyclovir resistent wird, kann Foscarnet intravenös eingesetzt werden.

Die Herpes-simplex-Keratitis kann mit Trifluridin-Augentropfen behandelt werden. Ein Augenarzt sollte die Behandlung überwachen.

Andere Therapien

Bei Menschen, die nur minimale Beschwerden haben, besteht die einzige nötige Behandlung gegen wiederkehrenden Lippen- oder Genitalherpes darin, den infizierten Bereich durch behutsames Waschen mit Seife und Wasser sauber zu halten. Um Schmerzen und Schwellungen zu lindern, kann man auch Eis auflegen.

Die Anwendung von verschreibungspflichtigen oder rezeptfreien Anästhetika wie Tetracain-Creme oder Salbe mit Benzocain kann helfen, die Schmerzen zu verringern. Wenn im Mund viele wunde Stellen bestehen, kann man mit Lidocain ausspülen. Das mittel sollte aber nicht geschluckt werden. Topische Betäubungsmittel sollten nur gemäß ärztlichen Anweisungen verwendet werden. Bei häufigerer Anwendung können diese Arzneimittel schädliche Nebenwirkungen haben.

Gegen die Schmerzen können Schmerzmittel eingenommen werden.

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