Hypertonie

VonMatthew R. Weir, MD, University of Maryland School of Medicine
Reviewed ByJonathan G. Howlett, MD, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft/überarbeitet Feb. 2025 | Geändert Mai 2025
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Hypertonie ist die anhaltende Erhöhung des systolischen Blutdrucks in Ruhe (130 mmHg), des diastolischen Blutdrucks (80 mmHg) oder von beidem. Hypertonie ohne bekannte Ursache (primäre Hypertonie) ist am häufigsten. Hypertonie mit einer identifizierten Ursache (sekundäre Hypertonie) ist in der Regel auf primären Aldosteronismus zurückzuführen. Schlafapnoe, chronische Nierenerkrankungen, oder Nierenarterienstenose sind weitere Ursachen der sekundären Hypertonie. In der Regel entwickeln sich keine Symptome, es sei denn, der Bluthochdruck ist schwerwiegend oder langanhaltend, was zu Schäden an Zielorganen wie Gehirn, Herz oder Nieren führt. Die Diagnose wird durch eine Blutdruckmessung gestellt. Tests können durchgeführt werden, um die Ursache zu bestimmen, das Ausmaß der Organschädigung festzustellen und andere kardiovaskuläre Risikofaktoren zu erkennen. Die Behandlung umfasst Änderungen des Lebensstils und Medikamente wie Diuretika, ACE-Hemmer (Angiotensin-konvertierendes Enzym), Angiotensin-II-Rezeptorblocker und Kalziumkanalblocker.

Hypertonie ist definiert als ein systolischer Blutdruck 130 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck 80 mmHg oder die Einnahme von Medikamenten gegen Bluthochdruck. Diese Definition beruht auf dem Zusammenhang zwischen Blutdruck und kardiovaskulären Ereignissen in großen Populationen. Fast die Hälfte der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten leidet an Hypertonie. Viele dieser Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie an Hypertonie leiden. Etwa 80% der Erwachsenen mit Bluthochdruck wurde geraten, eine Behandlung mit Medikamenten und Lebensstiländerungen zu beginnen, aber nur etwa 50% der Menschen mit Hypertonie erhalten tatsächlich eine Behandlung (1).

Trotz Medikamenten und Lebensstiländerungen ist der Blutdruck nur bei 26% der Patienten im Zielbereich (unter Kontrolle), und bei den behandelten Erwachsenen, deren Blutdruck nicht im Zielbereich liegt, haben fast 60% einen Blutdruck von 140/90 mm Hg (1).

Bluthochdruck ist bei nicht-hispanischen schwarzen Erwachsenen (58%) häufiger als bei nicht-hispanischen weißen Erwachsenen (49%), nicht-hispanischen asiatischen Erwachsenen (45%) oder hispanischen Erwachsenen (39%) (1). Unter denjenigen, denen Blutdruckmedikamente und Lebensstiländerungen empfohlen wurden, ist die Kontrolle des Blutdrucks bei nicht-hispanischen weißen Erwachsenen (31%) höher als bei nicht-hispanischen schwarzen Erwachsenen (20%), nicht-hispanischen asiatischen Erwachsenen (24%) oder hispanischen Erwachsenen (23%) (1).

Der Blutdruck steigt mit dem Alter. Ungefähr zwei Drittel der Menschen > 65 Jahre haben eine Hypertonie und Menschen mit einem normalen Blutdruck im Alter von 55 Jahren haben ein 90%iges Lebenszeitrisiko, eine Hypertonie zu entwickeln (2). Obwohl Hypertonie mit zunehmendem Alter häufig ist, bleibt die Behandlung wichtig, da ein höherer Blutdruck das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko erhöht.

Bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft sind besondere Überlegungen angezeigt, da die Komplikationen unterschiedlich sind. Hypertonie, die sich während der Schwangerschaft entwickelt, kann sich nach der Schwangerschaft zurückbilden (siehe Hypertonie in der Schwangerschaft und Präeklampsie und Eklampsie).

Kategorien des Blutdrucks bei Erwachsenen, die durch das American College of Cardiology/American Heart Association (ACC/AHA) definiert sind, umfassen normalen, erhöhten Blutdruck, Stufe 1 (leicht) oder Stufe 2 Hypertonie (3) (siehe Tabelle ). Normale Werte für Blutdruck bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen sind viel niedriger als bei Erwachsenen (4).

Tabelle
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Allgemeine Literatur

  1. 1. Million Hearts: Estimated Hypertension Prevalence, Treatment, and Control Among U.S. Adults. https://millionhearts.hhs.gov/data-reports/hypertension-prevalence.html March 21, 2021. Accessed November 19, 2024. https://millionhearts.hhs.gov/data-reports/hypertension-prevalence.html

  2. 2. Vasan RS, Beiser A, Seshadri S, et al. Residual lifetime risk for developing hypertension in middle-aged women and men: The Framingham Heart Study. JAMA 287(8):1003-1010, 2002. doi:10.1001/jama.287.8.1003

  3. 3. Whelton PK, Carey RM, Aronow WS, et al. 2017 ACC/AHA/AAPA/ABC/ACPM/AGS/APhA/ASH/ASPC/NMA/PCNA Guideline for the Prevention, Detection, Evaluation, and Management of High Blood Pressure in Adults: Executive Summary: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines [published correction appears in Hypertension. 2018 Jun;71(6):e136-e139] [published correction appears in Hypertension. 2018 Sep;72(3):e33]. Hypertension 71(6):1269-1324, 2018. doi:10.1161/HYP.000000000000006

  4. 4. Flynn J.T, Kaelber DC, Baker-Smith CM, et al; Subcommittee on Screening and Management of High Blood Pressure in Children: Clinical practice guideline for screening and management of high blood pressure in children and adolescents. Pediatrics 140(3):e20171904, 2017.

Ätiologie der Hypertonie

Hypertonie kann sein

  • Primär (keine spezifische Ursache – 85% der Fälle)

  • Sekundär (eine identifizierte Ursache)

Primäre Hypertonie

Die Hämodynamik und physiologische Komponenten (z. B. Plasmavolumen, Aktivität des Renin-Angiotensin-Systems) variieren und lassen erkennen, dass die primäre Hypertonie wahrscheinlich keine einzelne Ursache hat. Auch wenn ein Faktor erkannt wird, sind wahrscheinlich mehrere Faktoren an der Aufrechterhaltung des erhöhten Blutdrucks beteiligt (die Mosaiktheorie). Die Vererbung ist ein prädisponierender Faktor, aber der genaue Mechanismus, durch den die Genetik eine Rolle spielt, ist unklar. In jüngeren Altersgruppen scheinen Umweltfaktoren (z. B. Natrium in der Ernährung, Stress) nur Menschen zu betreffen, die genetisch anfällig sind; bei Patienten > 65 Jahren ist jedoch eine hohe Natriumaufnahme wahrscheinlicher ein Auslöser für Hypertonie.

Sekundäre Hypertonie

Häufige Ursachen sind (1)

Lakritze kann zu einer Verschlechterung der Blutdruckkontrolle beitragen. Diabetes gilt nicht als Ursache für sekundäre Hypertonie, obwohl Patienten mit Diabetes häufig auch an Hypertonie leiden.

Literatur zur Ätiologie

  1. 1. Rimoldi SF, Scherrer U, Messerli FH: Secondary arterial hypertension: when, who, and how to screen? Eur Heart J 35(19):1245–1254, 2014. doi:10.1093/eurheartj/eht534

  2. 2. Brown JM, Siddiqui M, Calhoun DA, et al: The unrecognized prevalence of primary aldosteronism: A cross-sectional study. Ann Intern Med 173(1):10–20, 2020. doi:10.7326/M20-0065

Pathophysiologie der Hypertonie

Da der Blutdruck dem Produkt aus Herzzeitvolumen (HZV) und totalem peripherem Gefäßwiderstand (TPR) entspricht, sind pathophysiologisch folgende Mechanismen beteiligt:

  • Erhöhtes HZV

  • Erhöhter TPR

  • Beides

Bei den meisten Patienten mit Hypertonie ist das HZV normal oder leicht erhöht und der TPR erhöht. Dieses Bild ist typisch für die primäre Hypertonie und für eine Hypertonie als Folge eines primären Hyperaldosteronismus, eines Phäochromozytoms, einer renovaskulären Krankheit und einer renalen parenchymatösen Krankheit.

Bei anderen Patienten ist das HZV erhöht (möglicherweise wegen Venokonstriktion in großen Venen) und der TPR ist unangemessen normal für den Grad des HZV. Im späteren Verlauf der Krankheit nimmt der TPR zu und das HZV kehrt zum Normalstand zurück, wahrscheinlich wegen einer Autoregulation.

Einige Krankheiten, die das HZV erhöhen (z. B. Thyreotoxikose, arteriovenöse Fisteln, Aorteninsuffizienz), führen zu einer isolierten systolischen Hypertonie, v. a. wenn das Schlagvolumen erhöht ist. Einige ältere Patienten haben eine isolierte systolische Hypertonie mit normalem oder niedrigem HZV, wahrscheinlich aufgrund einer fehlenden Elastizität der Aorta und ihrer großen Äste. Patienten mit einem hohen fixierten diastolischen Blutdruck haben oft ein erniedrigtes HZV.

Das Plasmavolumen nimmt tendenziell ab, wenn der Blutdruck steigt; selten bleibt das Plasmavolumen normal oder steigt an. Bei einer Hypertonie infolge eines primären Aldosteronismus oder einer renalen Parenchymkrankheit ist das Plasmavolumen tendenziell eher hoch, bei einem Phäochromozytom kann es ziemlich niedrig sein.

Krankhafter Natriumtransport

Bei vielen Fällen von Hypertonie ist der Natriumtransport über die vaskuläre Zellmembran gestört, weil die Natrium-Kalium-Pumpe (Na+, K+-ATPase) defekt oder gehemmt ist oder weil die Permeabilität für Natriumionen erhöht ist. Das Ergebnis ist ein Anstieg von intrazellulärem Natrium und Kalzium, wodurch die Zelle sensitiver für sympathische Stimulation wird. Da die Na+, K+-ATPase möglicherweise Noradrenalin zurück in die sympathischen Neurone pumpt (und auf diese Weise der Neurotransmitter inaktiviert wird), könnte eine Hemmung dieses Mechanismus auch zu einer Verstärkung der Wirkung von Noradrenalin führen und den Blutdruck erhöhen. Defekte im Natriumtransport können bei Kindern auftreten, die normotensiv sind, aber einen Elternteil mit Hypertonie haben.

Sympathisches Nervensystem

Sympathische Stimulation erhöht den Blutdruck – in der Regel stärker bei Patienten mit Hypertonie als bei normotensiven Personen. Ob diese überschießende Antwort dem sympathischen Nervensystem oder dem Myokard und glatten Gefäßmuskelzellen zuzuschreiben ist, ist nicht bekannt.

Ein hoher Ruhepuls, der von einer erhöhten sympathischen Aktivität verursacht sein kann, ist ein gut bekannter Prädiktor für eine Hypertonie.

Bei einigen Patienten mit Hypertonie sind die Werte zirkulierender Plasmakatecholamine in Ruhezustand höher als normal.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System hilft bei der Regulierung des Blutvolumens und damit des Blutdrucks. Renin, ein Enzym, das im juxtaglomerulären Apparat gebildet wird, katalysiert die Konversion von Angiotensinogen zu Angiotensin I. Dieses inaktive Produkt wird vom Angiotensin-Converting-Enzym hauptsächlich in den Lungen, aber ebenso in den Nieren und im Gehirn zu Angiotensin II, einem potenten Vasokonstriktor, gespalten, der auch die autonomen Zentren im Gehirn dazu stimuliert, die sympathische Entladung und die Aldosteron- und Vasopresin-Freisetzung zu erhöhen. Aldosteron verursacht Natriumretention und Vasopressin verursacht Wasserretention – beides führt zu einem Anstieg des Blutdrucks. Aldosteron erhöht auch die Kaliumausscheidung. Niedrige Plasmakaliumspiegel (< 3,5 mEq/l [< 3,5 mmol/l]) erhöhen die Vasokonstriktion durch Schließen der Kaliumkanäle.

Renin-Sekretion wird durch mindestens vier Mechanismen gesteuert, die sich gegenseitig nicht ausschließen:

  • Ein renaler vaskulärer Rezeptor reagiert auf Änderungen in der Spannung in der afferenten arteriolen Wand

  • Ein Macula-densa-Rezeptor erkennt Änderungen in der der Förderrate oder der Konzentration von Natriumchlorid im distalen Tubulus

  • Zirkulierendes Angiotensin II hat einen negativen Rückkopplungseffekt auf die Reninsekretion

  • Das sympathische Nervensystem stimuliert die Reninsekretion, vermittelt durch Beta-Rezeptoren (über den Nierennerv)

Erhöhte Angiotensin-II-Spiegel gelten allgemein als ursächlich für die renovaskuläre Hypertonie, zumindest in der Frühphase. Die Rolle des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems bei der primären Hypertonie ist jedoch bislang nicht eindeutig geklärt. Bei Patienten afrikanischer Abstammung und älteren Patienten mit Hypertonie ist der Reninspiegel jedoch eher niedrig (1). Ältere Patienten neigen ebenfalls zu niedrigen Angiotensin-II-Spiegeln, was mit einer stärker volumenabhängigen, salzempfindlichen Form der Hypertonie zusammenhängen könnte.

Eine Hypertonie aufgrund chronischer renaler parenchymatöser Krankheiten (renoprivale Hypertonie) entsteht aus der Kombination von reninabhängigen und volumenabhängigen Mechanismen. In den meisten Fällen ist eine erhöhte Plasma-Renin-Aktivität nicht nachweisbar. Die Hypertonie ist typischerweise moderat und empfindlich gegenüber einem balancierten Natrium- und Wasserhaushalt.

Vasodilatatorische Mangel

Der Mangel eines Vasodilatators (z. B. Bradykinin, Stickstoffmonoxid) kann eher als die exzessive Erhöhung eines Vasokonstriktors (z. B. Angiotensin, Norepinephrin) eine Hypertonie bewirken. Die Abnahme von Stickstoffmonoxid aufgrund versteifter Arterien tritt mit zunehmendem Alter auf und trägt zur Salzsensitivität bei (d. h., geringere Mengen an Salzaufnahme erhöhen den Blutdruck) (2). Bei reduziertem Stickstoffmonoxid kann eine hohe Natriumbelastung (z. B. eine salzige Mahlzeit) den systolischen Blutdruck um > 10 bis 20 mmHg erhöhen.

Wenn die Nieren keine adäquaten Mengen an Vasodilatatoren produzieren (aufgrund einer renalen parenchymatösen Krankheit), kann der Blutdruck ansteigen.

Vasodilatatoren und Vasokonstriktoren (hauptsächlich Endothelin) werden auch in Endothelzellen produziert. Deshalb beeinflusst die Endotheldysfunktion in hohem Maß den Blutdruck.

Pathologie und Komplikationen

In der frühen Phase einer Hypertonie treten keine pathologischen Veränderungen auf. Eine schwere oder lang andauernde Hypertonie schädigt Zielorgane (primär das kardiovaskuläre System, das Gehirn und die Nieren), erhöht das Risiko für

Erhöhte Blutdruckwerte führen zur Entwicklung einer generalisierten Arteriolosklerose und zur Beschleunigung der Atherogenese. Die Arteriolosklerose ist gekennzeichnet durch eine Mediahypertrophie, Hyperplasie und Hyalinisierung der kleinen Arterien (Arteriolen), insbesondere in den Augen und den Nieren. In den Nieren führen die Veränderungen zu Einengungen des arteriolären Gefäßlumens und zur Erhöhung des TPR; somit führt eine Hypertonie zur weiteren Zunahme der Hypertonie. Darüber hinaus führt jede kleine weitere Verkürzung der bereits hypertrophierten Gefäßmuskelzellen zu einer größeren Lumenreduktion als in Arterien mit normalem Gefäßdurchmesser. Diese Effekte könnten erklären, warum es, je länger die Hypertonie vorliegt, immer unwahrscheinlicher wird, dass eine spezifische Behandlung (z. B. ein renovaskulärer chirurgischer Eingriff) bei sekundären Ursachen zu einer Normalisierung des Blutdrucks führt. Daher kann eine frühere Diagnose und Behandlung selbst eines geringfügig erhöhten Blutdrucks (d. h. eines systolischen Blutdrucks von 120 bis 129 mmHg, selbst wenn der diastolische Blutdruck im Normalbereich liegt) von Vorteil sein, insbesondere bei jüngeren Patienten mit einer familiären Vorbelastung durch Bluthochdruck.

Da die Nachlast bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck gesteigert ist, kommt es allmählich zur Hypertrophie des linken Ventrikels, was eine diastolische Dysfunktion zur Folge hat. Der Ventrikel dilatiert schließlich, was zu einer dilatativen Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz führt, häufig verschlimmert durch eine arteriosklerotisch veränderte Koronararterienerkrankung. Eine thorakale Aortendissektion ist eine typische Folge einer Hypertonie. Fast alle Patienten mit einem abdominellen Aortenaneurysmen haben eine Hypertonie.

Literatur zur Pathophysiologie

  1. 1. Williams SF, Nicholas SB, Vaziri ND, Norris KC. African Americans, hypertension and the renin angiotensin system. World J Cardiol 6(9):878-889, 2014. doi:10.4330/wjc.v6.i9.878

  2. 2. Fujiwara N, Osanai T, Kamada T, et al: Study on the relationship between plasma nitrite and nitrate level and salt sensitivity in human hypertension: modulation of nitric oxide synthesis by salt intake. Circulation 101:856–861, 2000.

Symptome und Anzeichen von Hypertonie

Die Hypertonie ist üblicherweise asymptomatisch, bis sich Komplikationen in den Zielorganen entwickeln. Selbst schwere Hypertonie (typischerweise definiert als systolischer Blutdruck ≥ 180 mmHg und/oder diastolischer Blutdruck ≥ 120 mmHg) kann asymptomatisch sein (hypertensiver Notfall). Wenn schwere Hypertonie kardiovaskuläre, neurologische, renale und retinale Symptome verursacht (z. B. symptomatische koronare Atherosklerose, Herzinsuffizienz, hypertensive Enzephalopathie, Nierenversagen), spricht man von einem hypertensiven Notfall.

Retinale Veränderungen beinhalten Verengungen der Arteriolen, Hämorrhagien, Exsudate und bei Patienten mit einer Enzephalopathie auch Papillenödeme (hypertensive Retinopathie). Die Veränderungen werden in 4 Gruppen eingeteilt (nach der Keith-Wagener-Barker-Klassifikation) mit zunehmend schlechterer Prognose (1):

  • Stufe 1: Striktur ("Constriction") nur von Arteriolen

  • Grade 2: Einschnürung und Sklerose von Arteriolen

  • Grad 3: Blutungen und Exsudate zusätzlich zu Gefäßveränderungen

  • Grad 4: Papillenödem

Hinweise auf Symptome und Zeichen

  1. 1. Matsuoka S, Kaneko H, Okada A, et al. Association of retinal atherosclerosis assessed using Keith-Wagener-Barker system with incident heart failure and other atherosclerotic cardiovascular disease: Analysis of 319,501 individuals from the general population. Atherosclerosis 2022;348:68-74. doi:10.1016/j.atherosclerosis.2022.02.024

Diagnose von Hypertonie

  • Mehrere Messungen des Blutdrucks

  • Tests zur Diagnose von Ursachen und Komplikationen

Eine Hypertonie wird durch Blutdruckmessungen diagnostiziert. Eine Anamnese, die körperliche Untersuchung und andere Tests helfen, die Ätiologie zu erkennen und zu entscheiden, ob die Zielorgane geschädigt sind.

Wegen der inhärenten Variabilität des Blutdrucks sind mehrere Blutdruckmessungen erforderlich, um eine Hypertonie zu bestätigen. Der Blutdruck schwankt in der Regel mit der Tageszeit; bei der klassischen tageszeitlichen Schwankung ist der Blutdruck tagsüber (insbesondere morgens) höher und nachts niedriger.

Blutdruckmessung

Für die formale Diagnosestellung sollte der Blutdruck als Mittelwert aus zwei oder drei Messungen ermittelt werden, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Praxis unter folgenden Bedingungen durchgeführt wurden:

  • Patient sitzt auf einem Stuhl (nicht auf dem Untersuchungstisch) für > 5 Minuten, Füße auf dem Boden, Rücken abgestützt

  • Obere Extremität auf Herzhöhe unterstützt, ohne dass Kleidung den Bereich der Manschettenplatzierung bedeckt

  • Keine körperliche Betätigung, Koffein oder Tabakkonsum für mindestens 30 Minuten

Beim ersten Besuch sollte der Blutdruck in beiden Armen gemessen werden, und bei den nachfolgenden Messungen sollte der Arm verwendet werden, der den höheren Messwert ergab.

Eine richtig dimensionierte Blutdruckmanschette wird am Oberarm angelegt. Eine geeignete Blutdruckmanschette bedeckt zwei Drittel des Bizeps. Die aufblasbare Manschette ist lang genug, um > 80% des Armes zu umfassen. Die Breite der Manschette entspricht mindestens 40% des Oberarmumfangs. Daher benötigen fettleibige Patienten größere Manschetten. Der Kliniker pumpt die Manschette über den zu erwartenden systolischen Blutdruck auf und lässt die Luft anschließend langsam ab, während er mit dem Stethoskop über der Arteria brachialis abhört. Wenn der Druck fällt, ist der Druck, bei dem der erste Herzschlag zu hören ist, der systolische Blutdruck. Das vollkommene Verschwinden der Töne bestimmt den diastolischen Blutdruck. Dasselbe Prinzip wird angewandt, um den Blutdruck am Unterarm (A. radialis) oder Oberschenkel (A. poplitea) zu messen. Mechanische Geräte sollten regelmäßig geeicht werden. Vollautomatische oszillometrische Geräte können genaue Blutdruckmessungen liefern und menschliche Fehler reduzieren (1).

Der Blutdruck wird in beiden Armen gemessen, da ein Blutdruck, der in einem Arm > 15 mmHg höher ist als im anderen, eine Beurteilung der oberen Gefäße erfordert.

Der Blutdruck wird am Oberschenkel gemessen (mit einer viel größeren Manschette), um eine Aortenisthmusstenose auszuschließen, v. a. bei Patienten mit verminderten oder verzögerten Pulsen in der A. femoralis; bei einer Koarktation ist der Blutdruck in den Beinen erheblich niedriger als in den Armen.

Schwankende Messungen und Bluthochdruck

Weißkittelhypertonie ist definiert als Blutdruck, der in der Praxis erhöht ist, aber bei unbehandelten Patienten nicht die Kriterien für Bluthochdruck erfüllt, die sich aus den Messwerten außerhalb der Praxis ergeben. Die Prävalenz liegt bei etwa 10 bis 20% der Bevölkerung und ist häufiger bei Kindern, älteren Erwachsenen und Frauen sowie bei Personen mit einem Blutdruck nahe der diagnostischen Schwelle.

Der Weißkitteleffekt bezieht sich auf einen Blutdruck, der in der Praxis erhöht ist, aber bei Messungen außerhalb der Praxis normal ist, und zwar bei Patienten, die wegen Hypertonie behandelt werden.

Die Daten über die Behandlungsergebnisse von Patienten mit Weißkittelhypertonie sind widersprüchlich. Eine unbehandelte Weißkittelhypertonie scheint im Vergleich zur Normotension mit mehr negativen kardiovaskulären Folgen assoziiert zu sein. Patienten mit Weißkittelhypertonie haben ein 3- bis 4-fach erhöhtes Risiko, nach 7 bis 10 Jahren eine anhaltende Hypertonie zu entwickeln, verglichen mit normotensiven Personen (2). Der Weißkitteleffekt scheint nicht mit nachteiligen kardiovaskulären Folgen assoziiert zu sein.

Als maskierte Hypertonie wird ein Blutdruck bezeichnet, der außerhalb der Praxis ständig erhöht ist, dessen Messwerte in der Praxis jedoch nicht den Kriterien für eine Hypertonie bei unbehandelten Personen entsprechen. Diese Patientengruppe kann 10 bis 30% der erwachsenen Bevölkerung ausmachen und ist häufiger bei Männern, nicht-hispanischen Schwarzen und Menschen mit Diabetes anzutreffen (3).

Maskierte Hypertonie und maskierte unkontrollierte Hypertonie (bei denjenigen, die behandelt werden) sind mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert, wobei das Mortalitätsrisiko ähnlich hoch ist wie bei Patienten mit anhaltender Hypertonie (4).

Ein häusliches oder ambulantes Blutdruck-Monitoring ist bei Verdacht auf Weißkittel-Hypertonie oder maskierte Hypertonie indiziert.

Anamnese

Die Anamnese umfasst die

Die Sozialanamnese umfasst das Ausmaß der körperlichen Betätigung und den Konsum von Tabak, Alkohol und Stimulanzien (einschließlich Medikamenten und illegalen Drogen).

Eine Ernährungsanamnese konzentriert sich auf die Salz- und Stimulanzieneinnahme (z. B. Tee, Kaffee, koffeinhaltige Soft Drinks, Energy Drinks).

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung umfasst die Messung der Körpergröße, des Körpergewichts, des Taillenumfangs, die fundoskopische Untersuchung auf Retinopathie, die Auskultation von Strömungsgeräuschen an Hals und Abdomen sowie eine vollständige kardiale, respiratorische und neurologische Untersuchung. Das Abdomen wird auf eine Vergrößerung der Nieren und das Vorliegen abdomineller Raumforderungen untersucht. Die peripheren arteriellen Pulse werden getastet. Verminderte oder fehlende Pulse der Femoralarterien sprechen für eine Aortenisthmusstenose, besonders bei Patienten < 30 Jahre. Ein einseitiges Nierenarteriengeräusch kann bei dünnen Patienten mit renovaskulärer Hypertonie gehört werden.

Tests

Nachdem die Hypertonie anhand von Blutdruckmessungen diagnostiziert wurde, sind Untersuchungen erforderlich, um

  • Endorganschäden zu erkennen und

  • kardiovaskuläre Risikofaktoren zu identifizieren.

Je schwerer die Hypertonie und je jünger der Patient ist, desto ausführlicher ist die Untersuchung. Tests können umfassen

  • Urinanalyse und Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin; wenn anormal, wird Nierensonographie erwogen

  • Lipidprofil, großes metabolisches Panel (einschließlich Kreatinin oder Cystatin C, Kalium und Kalzium), Nüchternplasmaglukose

  • EKG

  • Manchmal Messung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons

  • Manchmal Messung der freien Metanephrine im Plasma (zum Nachweis eines Phäochromozytoms)

  • Manchmal eine Schlafuntersuchung

Je nach den Ergebnissen der Untersuchung und der ersten Tests können weitere Untersuchungen erforderlich sein.

Eine Nierensonographie zur Beurteilung der Nierengröße kann nützliche Informationen liefern, wenn bei der Urinuntersuchung eine Albuminurie (Proteinurie), Ablagerungen oder Mikrohämaturie festgestellt werden oder wenn das Serumkreatinin oder Cystatin C erhöht ist.

Patienten mit Hypokaliämie, die nicht durch die Einnahme von Diuretika verursacht wird, werden auf eine hohe Salzaufnahme und auf primären Aldosteronismus untersucht, indem der Aldosteronspiegel im Plasma und die Reninaktivität im Plasma gemessen werden. Die Prävalenz des primären Aldosteronismus ist höher als bisher angenommen und tritt bei etwa 10 bis 20% der Patienten mit therapieresistenter Hypertonie auf (5, 6).

Das EKG ist gekennzeichnet durch eine breite, geknotete P-Welle, die für eine Vorhofhypertrophie spricht, die, obwohl unspezifisch, eines der frühesten Zeichen der hypertensiven Herzkrankheit sein kann. Eine erhöhte QRS-Spannung mit oder ohne Anzeichen einer Ischämie kann später auftreten und weist auf eine linksventrikuläre Hypertrophie (LVH) hin. Wenn im EKG eine LVH festgestellt wird, wird häufig eine Echokardiographie durchgeführt.

Bei Verdacht auf eine Aortenisthmusstenose, kann die Diagnose mittels Echokardiographie, Thorax-CT oder MRT bestätigt werden.

Patienten mit labilem, erheblich erhöhtem Blutdruck und Symptomen wie Kopfschmerzen, Palpitationen, Tachykardie, exzessivem Schwitzen, Tremor und Blässe werden auf des Vorliegen eines Phäochromozytoms untersucht, durch Messung der freien Metanephrine im Plasma und bei Hyperthyreose zunächst durch Messung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH).

Eine Schlafuntersuchung sollte bei Patienten, deren Anamnese auf eine Schlafapnoe hindeutet, unbedingt in Betracht gezogen werden.

Patienten mit Symptomen, die auf ein Cushing-Syndrom, systemische rheumatische Erkrankungen, Eklampsie, akute Porphyrie, Hyperthyreose, Myxödem, Akromegalie, oder Störungen des zentralen Nervensystems (ZNS) hindeuten, erfordern ebenfalls eine weitere Abklärung.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Muntner P, Shimbo D, Carey RM, et al: Measurement of blood pressure in humans: A scientific statement from the American Heart Association. Hypertension 73:e35–e66, 2019.

  2. 2. Cohen JB, Lotito MJ, Trivedi UK, Denker MG, Cohen DL, Townsend RR: Cardiovascular events and mortality in white coat hypertension: A systematic review and meta-analysis. Ann Intern Med 170(12):853–862, 2019. doi:10.7326/M19-0223

  3. 3. Wang YC, Shimbo D, Muntner P, Moran AE, Krakoff LR, Schwartz JE: Prevalence of masked hypertension among US adults with nonelevated clinic blood pressure. Am J Epidemiol 185(3):194–202, 2017. doi:10.1093/aje/kww237

  4. 4. Pierdomenico SD, Pierdomenico AM, Coccina F, et al: Prognostic value of masked uncontrolled hypertension. Hypertension 72(4):862–869, 2018. doi:10.1161/HYPERTENSIONAHA.118.11499

  5. 5. Burrello J, Monticone S, Losano I, et al: Prevalence of Hypokalemia and Primary Aldosteronism in 5100 Patients Referred to a Tertiary Hypertension Unit. Hypertension 2020;75(4):1025-1033. doi:10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.14063

  6. 6. Mulatero P, Stowasser M, Loh KC, et al: Increased diagnosis of primary aldosteronism, including surgically correctable forms, in centers from five continents. J Clin Endocrinol Metab 2004;89(3):1045-1050. doi:10.1210/jc.2003-031337

Behandlung der Hypertonie

  • Gewichtsverlust und körperliche Betätigung

  • Rauchentwöhnung

  • Ausreichende Schlafdauer (mindestens 6 Stunden/Nacht)

  • Ernährung: Mehr Obst und Gemüse, weniger Salz, begrenzter Alkoholkonsum

  • Medikamente: Abhängig von Blutdruck und Vorhandensein von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Risikofaktoren

Die primäre Hypertonie kann nicht geheilt werden, aber manche Formen der sekundären Hypertonie können korrigiert werden. In allen Fällen kann eine Einstellung des Blutdrucks die negativen Folgen erheblich limitieren.

Ziel-Blutdruck für die meisten Patienten, einschließlich Patienten mit einer Nierenerkrankung oder Diabetes, ist

  • < 130/80 mmHg

Eine Senkung des Blutdruckes unter 130/80 mmHg scheint weiterhin das Risiko für vaskuläre Komplikationen zu reduzieren. Sogar ältere Patienten, einschließlich gebrechlicher älterer Patienten, können einen diastolischen Blutdruck von 60–65 mmHg gut und ohne eine Zunahme kardiovaskulärer Ereignisse tolerieren (1, 2). Allerdings erhöht eine weitere Senkung des systolischen Drucks auch das Risiko von unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Daher sollten die Vorteile einer Senkung des Blutdruckes auf Werte nahe 120 mmHg systolisch gegen das höhere Risiko von Schwindel und Benommenheit und einer möglichen Verschlechterung der Nierenfunktion abgewogen werden. Dies ist ein besonderes Problem bei Patienten mit Diabetes, bei denen ein Blutdruck < 120 mmHg systolisch oder ein diastolischer Blutdruck, der 60 mmHg erreicht, das Risiko dieser unerwünschten Ereignisse erhöht (3).

Idealerweise messen die Patienten oder Familienmitglieder den Blutdruck zu Hause, vorausgesetzt sie sind darin unterrichtet worden und das Blutdruckmessgerät wird regelmäßig kalibriert.

Lebensstiländerungen

Änderungen des Lebensstils werden für alle Patienten mit erhöhtem Blutdruck oder einer Hypertonie im Stadium empfohlen (4). Die am besten nachgewiesenen nicht-pharmakologischen Interventionen zur Prävention und Behandlung von Bluthochdruck sind die folgenden:

  • Erhöhte körperliche Aktivität, idealerweise mit einem strukturierten Übungsprogramm

  • Gewichtsabnahme, falls erforderlich

  • Gesunde Ernährung, reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und fettarmen Milchprodukten, mit reduziertem gesättigten und Gesamtfettgehalt

  • Verringerung des Natriumgehalts in der Nahrung, optimal auf < 1500 mg/Tag (etwa 3,75 g Salz), jedoch mindestens eine Reduktion um 1000 mg/Tag

  • Erhöhte Aufnahme von Kalium in die Nahrung, sofern nicht aufgrund einer chronischen Nierenerkrankung oder Verwendung von Arzneimitteln, die die Kaliumausscheidung verringern, kontraindiziert

  • Mäßigung des Alkoholkonsums bei Personen, die Alkohol trinken, auf ≤ 2 Getränke täglich für Männer und ≤ 1 Getränk täglich für Frauen (ein Getränk entspricht etwa 355 ml [12 oz] Bier, 148 ml [5 oz] Wein oder 44 ml [1,5 oz] destillierten Spirituosen)

  • Nikotinkarenz

Eine angemessene Schlafdauer (mindestens 6 Stunden/Nacht) wird ebenfalls empfohlen. Kurze Schlafdauer (typischerweise definiert als < 5 oder 6 Stunden pro Nacht bei Erwachsenen) wurde mit Hypertonie in Verbindung gebracht (5). So deuten beispielsweise Studien darauf hin, dass eine Optimierung der Schlafqualität und -dauer (> 6 Stunden/Nacht) die Blutdruckkontrolle bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen verbessert (6).

Diätetische Maßnahmen können auch dazu beitragen einen Diabetes mellitus, eine Adipositas und Dyslipidämie zu kontrollieren. Patienten mit einer unkomplizierten Hypertonie müssen ihre körperliche Aktivität nicht einschränken, solange die Blutdruckkontrolle gewährleistet ist.

Medikamente

(Siehe auch Medikamente für Bluthochdruck.)

Die Entscheidung für eine medikamentöse Behandlung richtet sich nach dem Blutdruck und dem Vorliegen einer atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung (ASCVD) oder deren Risikofaktoren (siehe Tabelle ). Das Vorliegen von Diabetes oder Nierenerkrankungen wird nicht gesondert berücksichtigt, da diese Krankheiten Teil der Risikobewertung der atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung sind.

Ein wichtiger Teil des Managements ist die fortgesetzte Neubewertung. Wenn Patienten den Ziel-Blutdruck nicht erreichen, sollten Kliniker sich bemühen, die Adhärenz zur aktuellen Behandlung zu optimieren, bevor sie Medikamente wechseln oder zusätzliche verordnen.

Die Behandlung von Hypertonie während der Schwangerschaft erfordert eine sorgfältige Auswahl der Arzneimittel, da einige Antihypertensiva den Fetus schädigen können.

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Die Medikamentenauswahl basiert auf mehreren Faktoren, einschließlich Komorbiditäten, Kontraindikationen und Verträglichkeit. Bei den meisten Patienten kann bei der Auswahl eines Mittels für die Monotherapie die Erstbehandlung mit einer der folgenden Medikamentenklassen erfolgen:

  • Angiotensin-Converting-Enzym(ACE)-Hemmer

  • Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten

  • Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker

  • Thiaziddiuretikum (vorzugsweise ein Thiazid-ähnliches Diuretikum wie Chlorthalidon oder Indapamid)

Zudem empfehlen einige Experten, dass bei Patienten afrikanischer Abstammung, die für eine Monotherapie in Frage kommen, zunächst ein Kalziumkanalblocker oder ein Thiaziddiuretikum verwendet werden sollte, da diese Medikamente bei Patienten mit niedrigem Renin und salzsensitiver Hypertonie wirksamer sind (7, 8, 9, 10). Es besteht jedoch eine erhebliche Variabilität in der Blutdruckreaktion innerhalb ethnischer Gruppen (11), und Daten deuten darauf hin, dass trotz Anwendung dieses rassenbasierten Ansatzes weder die Kontrolle der Hypertonie noch die Verringerung rassischer Unterschiede in der Blutdruckkontrolle verbessert wurden (12). Daher bevorzugen einige Experten einen individualisierten Ansatz für die therapeutische Auswahl anstelle eines Ansatzes, der sich auf die ethnische Herkunft bezieht.

Die meisten Patienten benötigen ≥ 2 Medikamente, da die Behandlung der Hypertonie oft erst spät beginnt. Wann Kombination Die Therapie mit 2 Antihypertensiva wird ausgewählt; die Optionen umfassen entweder einen ACE-Hemmer oder ARB in Kombination mit einem Diuretikum oder einem Kalziumkanalblocker. Viele Kombinationen sind als Einzeltabletten erhältlich, was die Adhärenz der Patienten verbessern kann (13, 14).

Zeichen der hypertensiven Krise erfordern eine sofortige Blutdruckreduktion mit parenteral applizierten Antihypertensiva. Solche Anzeichen können Krampfanfälle oder fokale neurologische Symptome, Netzhautblutungen, Brustschmerzen, Dyspnoe oder Übelkeit und Erbrechen sein.

Einige Antihypertensiva werden bei bestimmten Erkrankungen vermieden (z. B. ACE-Hemmer bei schwerer Aortenstenose), während andere für bestimmte Erkrankungen bevorzugt werden (z. B. Kalziumkanalblocker bei Patienten mit Angina pectoris, ACE-Hemmer oder ARBs bei Patienten mit Diabetes und Proteinurie—Siehe Tabellen und ).

Wenn der Ziel-Blutdruck innerhalb von 1 Monat nicht erreicht wird, überprüfen Sie die Adhärenz und Verträglichkeit und betonen Sie die Bedeutung der weiteren Behandlung. Wenn die Patienten sich an die Behandlungsschemata halten kann die Dosis des ersten Medikaments erhöht oder ein zweites Medikament hinzugefügt werden (ausgewählt aus den für die Erstbehandlung empfohlenen Medikamenten). Beachten Sie, dass ein ACE-Hemmer und ein ARB nicht zusammen verwendet werden sollten. Die Behandlung wird häufig titriert. Wenn der Zielblutdruck mit zwei Medikamenten nicht erreicht werden kann, wird ein drittes Medikament aus den für die Erstbehandlung empfohlenen Medikamenten hinzugefügt. Wird ein solches drittes Medikament nicht toleriert oder ist kontraindiziert, kann ein Medikament aus einer anderen Klasse (z. B. Aldosteron-Antagonist) verwendet werden. Patienten mit einem Blutdruck, der auf diese Weise schwer kontrollierbar ist, können von einer Beratung durch einen Hypertonie-Spezialisten profitieren.

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Bei einem anfänglichen systolischen Blutdruck > 160 mmHg, sollten unabhängig vom Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen 2 Medikamente verabreicht werden. Es wird eine geeignete Kombination und Dosis festgelegt. Bei resistenter Hypertonie (Blutdruck bleibt trotz der Einnahme von 3 verschiedenen blutdrucksenkenden Medikamenten über dem Zielwert) sind in der Regel 4 oder mehr Medikamente erforderlich.

Um eine angemessene Blutdruckkontrolle zu erreichen, sind oft mehrere Untersuchungen und Änderungen der Pharmakotherapie erforderlich. Reluctance to titrate or add drugs to control BP must be overcome. Die mangelnde Compliance mit der Therapie, insbesondere weil eine lebenslange Behandlung erforderlich ist, kann eine angemessene Blutdruckkontrolle beeinträchtigen. Eine Patientenschulung mit Empathie und Unterstützung ist essenziell für den Behandlungserfolg.

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Geräte und physische Interventionen

Die sympathische Nervenablation der Nierenarterie mittels perkutaner katheterbasierter Hochfrequenzgeräte sollte als experimentell angesehen werden und nur in Zentren mit umfassender Erfahrung durchgeführt werden. Solche Geräte werden in Europa und Australien bei therapieresistenter Hypertonie eingesetzt. Mehrere von der Industrie finanzierte scheinkontrollierte Studien mit verschiedenen Patientengruppen (z. B. mit unbehandelter Hypertonie [15], behandelter Hypertonie [16] oder resistenter Hypertonie [17]) haben statistisch und/oder klinisch signifikante Senkungen des systolischen Blutdrucks gezeigt. Ob diese Geräte die Zahl der schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse verringern, bleibt jedoch ungewiss.

Die Baroreflex-Aktivierungstherapie wurde für die Behandlung der therapieresistenten Hypertonie vorgeschlagen, aber die Studien haben keine ausreichenden Beweise erbracht, um die Verwendung dieser Geräte zu empfehlen (4). Bei dieser Therapie wird ein batteriebetriebenes Gerät chirurgisch um den Karotiskörper implantiert, um den Barorezeptor zu stimulieren und auf dosisabhängige Weise den Blutdruck zu senken. In einer Langzeit-Follow-up-Studie an Patienten mit resistenter Hypertonie, die in frühere Zulassungsstudien eingeschlossen waren, behielt die Baroreflex-Aktivierungstherapie ihre Wirksamkeit zur anhaltenden Senkung des Blutdrucks in der Praxis ohne größere Sicherheitsprobleme bei (18).

Therapieresistente Hypertonie

Eine therapieresistente Hypertonie ist definiert als Blutdruck, der trotz der Einnahme von 3 angemessen dosierten blutdrucksenkenden Medikamenten verschiedener Klassen (einschließlich eines Diuretikums) und nach Ausschluss des Weißkittelhypertonus nicht auf das Ziel eingestellt ist. Ein Blutdruck, der 4 Medikamente zur Kontrolle erfordert, wird ebenfalls als kontrollierte therapieresistente Hypertonie betrachtet. Die Einnahme eines Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten kann zur Erreichung des angestrebten Blutdrucks hilfreich sein (19).

Bei der Abklärung einer therapieresistenten Hypertonie müssen sekundäre Ursachen für die Hypertonie ausgeschlossen werden. In 15 bis 20% der Fälle therapieresistenter Hypertonie wurde Hyperaldosteronismus oder subklinischer Hyperkortisolismus festgestellt.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Williamson JD, Supiano MA, Applegate WB, et al. Intensive vs Standard Blood Pressure Control and Cardiovascular Disease Outcomes in Adults Aged 75 Years: A Randomized Clinical Trial. JAMA 315(24):2673-2682, 2016. doi:10.1001/jama.2016.7050

  2. 2. White WB, Wakefield DB, Moscufo N, et al. Effects of Intensive Versus Standard Ambulatory Blood Pressure Control on Cerebrovascular Outcomes in Older People (INFINITY). Circulation 140(20):1626-1635, 2019. doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.119.041603

  3. 3. Gomadam P, Shah A, Qureshi W, et al. Blood pressure indices and cardiovascular disease mortality in persons with or without diabetes mellitus. J Hypertens 36(1):85-92, 2018. doi:10.1097/HJH.0000000000001509

  4. 4. Tabelle 15. Nichtpharmakologische Interventionen. In: Whelton PK, Carey RM, Aronow WS, et al: 2017 ACC/AHA/AAPA/ABC/ACPM/AGS/APhA/ASH/ASPC/NMA/PCNA Guideline for the Prevention, Detection, Evaluation, and Management of High Blood Pressure in Adults: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines. Hypertension 71(6):e13–e115, 2018. doi: 10.1161/HYP.0000000000000065

  5. 5. Thomas SJ, Calhoun D. Sleep, insomnia, and hypertension: current findings and future directions. J Am Soc Hypertens 11(2):122-129, 2017. doi:10.1016/j.jash.2016.11.008

  6. 6. Ali W, Gao G, Bakris GL. Improved Sleep Quality Improves Blood Pressure Control among Patients with Chronic Kidney Disease: A Pilot Study. Am J Nephrol 51(3):249-254, 2020. doi:10.1159/000505895

  7. 7. Materson BJ, Reda DJ, Cushman WC, et al. Single-drug therapy for hypertension in men. A comparison of six antihypertensive agents with placebo. The Department of Veterans Affairs Cooperative Study Group on Antihypertensive Agents [published correction appears in N Engl J Med 1994 Jun 9;330(23):1689]. N Engl J Med 1993;328(13):914-921. doi:10.1056/NEJM199304013281303

  8. 8. Yamal JM, Oparil S, Davis BR, et al. Stroke outcomes among participants randomized to chlorthalidone, amlodipine or lisinopril in ALLHAT. J Am Soc Hypertens 2014;8(11):808-819. doi:10.1016/j.jash.2014.08.003

  9. 9. Wright JT Jr, Harris-Haywood S, Pressel S, et al. Clinical outcomes by race in hypertensive patients with and without the metabolic syndrome: Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial (ALLHAT). Arch Intern Med 2008;168(2):207-217. doi:10.1001/archinternmed.2007.66

  10. 10. Hall WD, Reed JW, Flack JM, Yunis C, Preisser J. Comparison of the efficacy of dihydropyridine calcium channel blockers in African American patients with hypertension. ISHIB Investigators Group. International Society on Hypertension in Blacks. Arch Intern Med 158(18):2029-2034, 1998. doi: 10.1001/archinte.158.18.2029

  11. 11. Mokwe E, Ohmit SE, Nasser SA, et al. Determinants of blood pressure response to quinapril in black and white hypertensive patients: the Quinapril Titration Interval Management Evaluation trial. Hypertension 2004;43(6):1202-1207. doi:10.1161/01.HYP.0000127924.67353.86

  12. 12. Egan BM, Li J, Sutherland SE, Rakotz MK, Wozniak GD. Hypertension Control in the United States 2009 to 2018: Factors Underlying Falling Control Rates During 2015 to 2018 Across Age- and Race-Ethnicity Groups. Hypertension 78(3):578-587, 2021. doi:10.1161/HYPERTENSIONAHA.120.16418

  13. 13. Parati G, Kjeldsen S, Coca A, Cushman WC, Wang J. Adherence to Single-Pill Versus Free-Equivalent Combination Therapy in Hypertension: A Systematic Review and Meta-Analysis. Hypertension 77(2):692-705, 2021. doi:10.1161/HYPERTENSIONAHA.120.15781

  14. 14. Williams B, Mancia G, Spiering W, et al. 2018 Practice Guidelines for the management of arterial hypertension of the European Society of Hypertension and the European Society of Cardiology: ESH/ESC Task Force for the Management of Arterial Hypertension [published correction appears in J Hypertens 2019 Feb;37(2):456]. J Hypertens 8;36(12):2284-2309, 2018. doi:10.1097/HJH.0000000000001961

  15. 15. Böhm M, Kario K, Kandzari DE, et al. Efficacy of catheter-based renal denervation in the absence of antihypertensive medications (SPYRAL HTN-OFF MED Pivotal): a multicentre, randomised, sham-controlled trial. Lancet 395(10234):1444-1451, 2020. doi:10.1016/S0140-6736(20)30554-7

  16. 16. Mahfoud F, Kandzari DE, Kario K, et al. Long-term efficacy and safety of renal denervation in the presence of antihypertensive drugs (SPYRAL HTN-ON MED): a randomised, sham-controlled trial. Lancet 399(10333):1401-1410, 2022. doi:10.1016/S0140-6736(22)00455-X

  17. 17. Bhatt DL, Vaduganathan M, Kandzari DE, et al. Long-term outcomes after catheter-based renal artery denervation for resistant hypertension: final follow-up of the randomised SYMPLICITY HTN-3 Trial. Lancet 400(10361):1405-1416, 2022. doi:10.1016/S0140-6736(22)01787-1

  18. 18. de Leeuw PW, Bisognano JD, Bakris GL, Nadim MK, Haller H, Kroon AA, DEBuT-T and Rheos Trial Investigators. Sustained reduction of blood pressure with baroreceptor activation therapy: Results of the 6-year open follow-up. Hypertension 69:836–843, 2017.

  19. 19. Carey RM, Calhoun DA, Bakris GL, et al. Resistant hypertension: Detection, evaluation, and management: A Scientific Statement From the American Heart Association. Hypertension 72:e53–e90, 2018. doi: 10.1161/HYP.0000000000000084

Prognose für Hypertonie

Je höher der Blutdruck und je schwerer die retinalen Veränderungen und andere Hinweise auf Endorganveränderungen sind, desto schlechter ist die Prognose. Der systolische Blutdruck sagt fatale und nichtfatale kardiovaskuläre Ereignisse besser voraus als der diastolische Blutdruck (1, 2). Eine wirksame Einstellung der Hypertonie verhindert die meisten Komplikationen und verlängert das Leben.

Ohne Behandlung beträgt die 1-Jahres-Überlebensrate bei Patienten mit retinaler Sklerose, Cotton-Wool-Exsudaten, arterieller Verengung und Blutungen (Grad-3-Retinopathie) < 10% und < 5% bei Patienten mit den gleichen Veränderungen und zusätzlichem Papillenödem (Grad-4-Retinopathie [3]).

Die koronare Herzkrankheit ist die häufigste Todesursache bei behandelten Patienten. Ischämische oder hämorrhagische Schlaganfälle sind eine häufige Konsequenz einer inadäquat behandelten Hypertonie.

Literatur zur Prognose

  1. 1. Bourdillon MT, Song RJ, Musa Yola I, Xanthakis V, Vasan RS. Prevalence, Predictors, Progression, and Prognosis of Hypertension Subtypes in the Framingham Heart Study. J Am Heart Assoc 11(6):e024202, 2022. doi:10.1161/JAHA.121.024202

  2. 2. Kannel WB, Gordon T, Schwartz MJ. Systolic versus diastolic blood pressure and risk of coronary heart disease. The Framingham study. Am J Cardiol 27(4):335-346, 1971. doi:10.1016/0002-9149(71)90428-0

  3. 3. Dziedziak J, Zaleska-Żmijewska A, Szaflik JP, Cudnoch-Jędrzejewska A. Impact of Arterial Hypertension on the Eye: A Review of the Pathogenesis, Diagnostic Methods, and Treatment of Hypertensive Retinopathy. Med Sci Monit 28:e935135, 2022. doi:10.12659/MSM.935135

Wichtige Punkte

  • Nur etwa 50% der Patienten in den USA mit Hypertonie erhalten eine Behandlung, und etwa ein Viertel dieser Patienten hat eine adäquate Blutdruckkontrolle.

  • Die meisten Hypertonien sind primär; nur 5–15% sind sekundär auf eine andere Erkrankung zurückzuführen (z. B. primärer Aldosteronismus, Nierenparenchym-Erkrankung).

  • Schwerer oder lang anhaltender Bluthochdruck schädigt das Herz-Kreislauf-System, das Gehirn und die Nieren und erhöht das Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen und chronischen Nierenerkrankungen.

  • Die Hypertonie ist üblicherweise asymptomatisch, bis sich Komplikationen in den Zielorganen entwickeln.

  • Wenn eine Hypertonie neu diagnostiziert wird, werden Urinanalyse, Albumin:Kreatinin-Verhältnis im Spontanurin, Blutuntersuchungen (auf Kreatinin, Kalium, Natrium, Nüchternplasmaglukose, Lipid-Panel und oft Thyreoidea-stimulierendes Hormon) und ein EKG durchgeführt.

  • Reduzieren Sie den Blutdruck auf < 130/80 mm Hg, einschließlich derjenigen mit einer Nierenerkrankung oder Diabetes. Ein höherer Zielwert könnte für gebrechliche ältere Patienten angemessen sein, die bei niedrigeren Drücken symptomatisch werden.

  • Die Behandlung umfasst Änderungen des Lebensstils, insbesondere eine natriumarme und kaliumreichere Ernährung, Medikamente (einschließlich Thiazid-Diuretika, Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker und Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker) sowie die Behandlung sekundärer Ursachen des Bluthochdrucks, falls vorhanden.

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