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Benommenheit und Schwindel (Vertigo)

Von

David M. Kaylie

, MS, MD, Duke University Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Quellen zum Thema

Benommenheit ist ein unscharfer Begriff, der zur Beschreibung verschiedener Empfindungen dient, darunter:

  • das Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren,

  • Benommenheit

  • Dysäquilibrium (Gefühl, das Gleichgewicht zu verlieren, oder sich wackelig fühlen)

  • ein vages Gefühl des Weggetretenseins und der Schwäche

  • Vertigo (eine wahrgenommene Scheinbewegung)

Vertigo ist eine Art von Schwindel, der mit einem falschen Gefühl der Bewegung einhergeht. Der Betroffene hat den Eindruck, er selbst drehe sich, alles drehe sich um ihn herum – oder beides. Das Gefühl ist ähnlich dem, das im kindlichen Spiel erzeugt wird, wenn der Körper nach längerer Drehung plötzlich zum Stillstand kommt und sich die Umgebung zu drehen scheint. Gelegentlich fühlen sich die Patienten auf eine Seite gezogen. Vertigo ist keine Diagnose. Es ist die Bezeichnung für eine Empfindung.

Patienten mit Vertigo können auch unter Übelkeit und Erbrechen, Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und/oder Gangunsicherheit leiden. Manche Patienten zeigen während einer Schwindelepisode eine rhythmische Zuckbewegung der Augen (Nystagmus).

Nicht alle Patienten verstehen unter den Begriffen Benommenheit und Schwindel dasselbe, wahrscheinlich, weil die Empfindungen so schwer in Worte zu fassen sind. Auch kann es sein, dass dieselben Empfindungen zu verschiedenen Zeitpunkten anders beschrieben werden. Zum Beispiel können dieselben Empfindungen einmal als Benommenheit und ein anderes Mal als Schwindel erlebt werden.

Sie können beunruhigend sein und sogar an der Bewältigung des Alltags hindern, vor allem, wenn sie von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Die Symptome verursachen insbesondere Probleme für Patienten, die eine anspruchsvolle und gefährliche Tätigkeit ausüben, wie zum Beispiel Autofahren, Fliegen oder schwere Maschinen bedienen.

Benommenheit ist der Grund für ungefähr 5 bis 6 % aller Arztbesuche. Grundsätzlich sind alle Altersgruppen betroffen, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt. Ungefähr 40 % aller Patienten über 40 Jahre sind irgendwann einmal davon betroffen. Benommenheit kann zeitweilig auftreten oder anhaltend sein. Benommenheit gilt als chronisch, wenn sie länger als einen Monat andauert. Chronische Benommenheit ist bei älteren Patienten häufiger als bei jüngeren.

Für Benommenheit, die nur beim Aufstehen auftritt, siehe Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen.

Wussten Sie ...

  • In den meisten Fällen liegt keine ernsthafte medizinische Störung zugrunde, selbst wenn der Schwindel den Alltag stark einschränkt.

  • Bei älteren Patienten hat Benommenheit oft keine einzelne, offensichtliche Ursache.

Ursachen

Vertigo wird üblicherweise durch Störungen in den Teilen des Ohrs und des Gehirns verursacht, die an der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts beteiligt sind:

  • Hirnstamm und Kleinhirn

  • Nervenbahnen, die das Innenohr mit dem Hirnstamm und dem Kleinhirn verbinden

Das Innenohr enthält Strukturen (die Bogengänge, Sakkulus und Utrikulus), die es dem Körper ermöglichen, Haltung und Bewegung zu spüren. Informationen aus diesen Strukturen werden durch den Gleichgewichtsnerv (VIII. Hirnnerv, der ebenfalls am Hören beteiligt ist) an das Gehirn gesendet. Diese Informationen werden im Hirnstamm, der die Körperhaltung anpasst, und im Kleinhirn verarbeitet, das die Bewegungen koordiniert. Daraus ergibt sich ein Gefühl für das Gleichgewicht. Eine Störung in einer dieser Strukturen kann Vertigo auslösen. Erkrankungen des Innenohrs verursachen manchmal auch eine Verringerung des Hörvermögens und/oder Ohrgeräusche (Tinnitus). (Siehe Abbildung Ein Blick ins Ohr.)

Ein Blick ins Ohr

Ein Blick ins Ohr

Auch können Erkrankungen, welche die Gehirnfunktion im Allgemeinen beeinträchtigen (zum Beispiel niedriger Blutzucker, niedriger Blutdruck, schwere Anämie oder zahlreiche Arzneimittel), dazu führen, dass sich Patienten benommen fühlen. Die Symptome mögen beunruhigend sein und sogar an der Bewältigung des Alltags hindern, doch nur bei einem kleinen Prozentsatz liegt eine ernsthafte Erkrankung zugrunde.

Häufige Ursachen

Die Ursachen von Schwindel können mit einigen Überschneidungen grob in solche mit und ohne Vertigo eingeteilt werden.

Die häufigsten Ursachen von Schwindel mit Vertigo sind:

Vestibuläre Migräne ist eine zunehmend häufige Ursache von Schwindel mit Vertigo. Diese Form von Migräne tritt am häufigsten bei Patienten auf, bei denen Migräne bereits aus der familiären Vorgeschichte bekannt ist. Die Patienten leiden oft unter Kopfschmerzen mit Schwindel oder Benommenheit. Einige erleben andere Migräne-ähnliche Symptome, wie etwa das Sehen blinkender Lichter, vorübergehende blinde Flecken und eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. In seltenen Fällen tritt auch eine Minderung des Hörvermögens auf.

Die häufigsten Ursachen von Benommenheit ohne Schwindel sind:

  • Arzneimittelwirkungen

  • Multifaktorielle Ursachen

Verschiedene Arzneimittel können Benommenheit verursachen. Einige Arzneimittel sind giftig für die Ohrnerven und/oder die Gleichgewichtsorgane (ototoxische Arzneimittel). Diese Arzneimittel führen oft zu Schwindel und zu einer Sehstörung, bei der man Objekte nicht mehr fixieren kann (Oszillopsie). Andere Arzneimittel wiederum, zum Beispiel Beruhigungsmittel, wirken auf das Gehirn als Ganzes. Bei älteren Patienten ist Benommenheit oft auf mehrere Faktoren zurückzuführen, in der Regel auf eine Kombination von Arzneimittelnebenwirkungen und einer altersbedingten Abnahme der Sinnesleistungen.

Schwindel ohne Vertigo kann auftreten, wenn das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff oder Glukose versorgt wird, wie bei nicht-neurologischen Erkrankungen, einschließlich Herz- und Lungenerkrankungen oder schwerer Anämie.

Sehr oft wird keine bestimmte Ursache gefunden, und die Symptome verschwinden ohne Behandlung.

Seltenere Ursachen

Weniger häufige Ursachen von Schwindel sind ein Tumor des Gleichgewichtsnervs (Akustikus-Neurinom) ein anderer Tumor, ein Schlaganfall oder eine transitorische ischämische Attacke (TIA), die den Hirnstamm schädigt, eine Verletzung des Trommelfells, des Innenohrs oder der Schädelbasis, multiple Sklerose, niedriger Blutzucker und eine Schwangerschaft.

Beurteilung

Die folgenden Angaben können für Menschen mit Schwindel bei der Entscheidung behilflich sein, ob eine ärztliche Beurteilung nötig ist, und liefern Gewissheit darüber, was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Schwindel sind bestimmte Symptome und Merkmale Anlass zu Besorgnis. Hierzu gehören

  • Kopfschmerzen

  • Nackenschmerzen

  • Gangunsicherheit

  • Verlust des Bewusstseins (Ohnmacht)

  • Sonstige neurologische Symptome (Schwierigkeiten beim Hören, Sehen, Sprechen oder Schlucken oder Schwierigkeiten beim Bewegen von Armen oder Beinen)

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Bei Auftreten von Warnzeichen, schweren Symptomen oder anhaltenden Symptomen über mehr als eine Stunde sowie bei Erbrechen sollte sich der Betroffene sofort ins Krankenhaus begeben. Andere Personen sollten so schnell wie möglich ihren Arzt aufsuchen. Patienten, die eine einzige kurze (weniger als 1 Minute dauernde), leichte Episode ohne sonstige Symptome hatten, können abwarten, ob eine weitere Episode folgt.

Was der Arzt unternimmt:

Bei Patienten mit Schwindel stellen Ärzte zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die Befunde in der Krankengeschichte und bei der körperlichen Untersuchung deuten häufig auf eine Ursache für den Schwindel und die eventuell erforderlichen Untersuchungen hin (siehe Tabelle mit einigen Ursachen und Merkmalen von Schwindel).

Zusätzlich zu den Warnzeichen fragt der Arzt nach verschiedenen weiteren Merkmalen. Dazu gehören die Schwere der Symptome (ob die Person gestürzt ist oder nicht zur Arbeit gehen konnte), Erbrechen und/oder Ohrgeräusche, ob die Symptome kommen und gehen oder ständig vorliegen sowie mögliche Auslöser der Symptome (beispielsweise Änderung der Kopfhaltung oder Einnahme eines neuen Arzneimittels).

Die körperliche Untersuchung und die Untersuchungen von Auge und Ohr sowie die neurologischen Untersuchungen sind besonders wichtig. Es wird ein Hörtest durchgeführt, dann werden die Ohren auf Anomalien des Gehörgangs und des Trommelfells untersucht. Auch die Augenbewegungen des Patienten, etwa ein Nystagmus, können dem Arzt wichtige Hinweise liefern.

Hörverlust oder ein Klingeln in den Ohren (Tinnitus) sind Hinweise auf eine Innenohrerkrankung.

Nystagmus deutet auf eine Erkrankung hin, die das Innenohr oder verschiedene Nervenverbindungen im Hirnstamm betrifft. Nystagmus ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Augen schnell und wiederholt ruckartig in eine Richtung bewegen und dann langsamer in ihre ursprüngliche Position zurückkehren. Der Arzt versucht bewusst, einen Nystagmus auszulösen, wenn er nicht spontan auftritt. Die Richtung, in die sich die Augen bewegen, und die Dauer des Nystagmus lassen Rückschlüsse auf die Ursache des Schwindels zu. Der Nystagmus wird folgendermaßen ausgelöst: Der Patient legt sich auf den Rücken und der Arzt rollt ihn langsam von Seite zu Seite. Dabei beobachtet er die Augen. Ein Facharzt verwendet dabei gelegentlich eine sogenannte Frenzelbrille. Diese besteht aus stark vergrößernden Gläsern, durch die der Arzt die Augenbewegung gut verfolgen kann. Der Patient dagegen sieht stark verschwommen und kann seinen Blick nicht auf eine bestimmte Stelle fixieren. Eine solche visuelle Fixation würde die Auslösung eines Nystagmus durch den Arzt erschweren. Während des Manövers zur Auslösung des Nystagmus können die Augenbewegungen mithilfe von Elektroden um die Augen (Sensoren, die auf der Haut haften) erfasst werden (Elektronystagmographie) oder mit einer Videokamera an der Frenzelbrille aufgezeichnet werden (Video-Elektronystagmographie). Wenn beim Rollen von Seite zu Seite kein Nystagmus auftritt, versucht der Arzt ein anderes Manöver. Beispielsweise kann eiskaltes Wasser in den Gehörgang gebracht werden (kalorischer Test). Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte Dix-Hallpike-Manöver, bei der in schneller Folge die Kopfposition des Patienten verändert wird.  

Auch ist eine vollständige neurologische Untersuchung denkbar, wobei besonderes Augenmerk auf Gangsicherheit, Gleichgewicht und Koordination gelegt wird. 

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale von Schwindel

Ursache

Häufige Merkmale*

Diagnose†

Häufige Ursachen

Schwere, kurze (weniger als 1 Minute) Drehschwindelepisoden, ausgelöst durch die Bewegung des Kopfes in eine bestimmte Richtung, vor allem im Liegen

Manchmal Übelkeit und Erbrechen

Hörvermögen und neurologische Funktion sind normal

Ärztliche Untersuchung, typischerweise mit dem Dix-Hallpike-Manöver

Mehrere separate Schwindelepisoden von jeweils 20 Minuten bis zu 2 Stunden, begleitet von Ohrgeräuschen, Hörverlust und Gefühl von Wasser/Druck im Ohr, normalerweise nur einseitig

Audiometrie

Gadolinium-verstärkte MRT

Neuritis vestibularis (wahrscheinlich durch ein Virus verursacht)

Plötzlicher, schwerer Schwindel ohne Hörverlust oder andere Befunde

Schwerer Schwindel kann über mehrere Tage andauern, wobei die Symptome allmählich abklingen und sich ein Lagerungsschwindel entwickeln kann

Ärztliche Untersuchung

Manchmal Gadolinium-verstärkte MRT

Labyrinthitis (virale oder bakterielle Ursache)

Hörsturz mit starker Benommenheit, oft mit Tinnitus

Ärztliche Untersuchung

Audiometrie

CT-Scan des Schläfenbeins, falls der Arzt eine bakterielle Infektion vermutet

Mit Gadolinium verstärkte MRT bei Patienten mit Hörverlust und Ohrgeräuschen, um einen Tumor auszuschließen

Arzneimittel, die auf das Innenohr einwirken (insbesondere Aminoglykosid-Antibiotika, Chloroquin, Furosemid und Chinin)

Normalerweise beidseitiger Hörverlust

Kürzlich erfolgter Beginn einer Therapie mit einem möglicherweise ursächlichen Arzneimittel

Ärztliche Untersuchung

Audiometrie

Messung des Blutspiegels bestimmter ursächlicher Arzneimittel

Manchmal Elektronystagmographie und Drehstuhltests, um nach auffälligen Augenbewegungen zu suchen, die auf eine Verletzung des Innenohrs hindeuten

Arzneimittel, die das Gehirn insgesamt beeinflussen (insbesondere Arzneimittel gegen Angstzustände, Depressionen und Epilepsieanfälle sowie Beruhigungsmittel im Allgemeinen)

Symptome unabhängig von Bewegung oder Haltung

Kein Hörverlust oder sonstige Symptome

Kürzlich erfolgter Beginn einer Therapie mit einem möglicherweise ursächlichen Arzneimittel

Messung des Blutspiegels bestimmter ursächlicher Arzneimittel

Absetzen des Arzneimittels, um zu sehen, ob die Symptome verschwinden

Mehrere, separate Schwindelepisoden oder chronische Benommenheit, manchmal begleitet von Übelkeit

Kopfschmerzen oder andere Migränesymptome wie etwa eine Aura mit visuellen oder anderen Störungen (veränderte Empfindungen vor Einsetzen der Kopfschmerzen, z. B. blinkende Lichter) sowie erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und/oder Geräuschen

Oft Migräne in der persönlichen oder familiären Krankengeschichte

Ärztliche Untersuchung

Manchmal MRT, um andere Ursachen auszuschließen

Arzneimitteltherapie zur Behandlung und Vorbeugung von Migräne

Weniger häufige Ursachen, typischerweise mit Symptomen an den Ohren (Hörverlust und/oder Ohrgeräusche)

Mittelohrentzündung (akut oder chronisch)

Ohrenschmerzen, manchmal Ausfluss aus dem Ohr

Bei der Untersuchung sichtbare Anomalien am Trommelfell

Ärztliche Untersuchung

Audiometrie

Manchmal CT-Scan (bei Patienten mit chronischer Infektion)

Trauma (z. B. geplatztes Trommelfell, Schädelbruch oder Gehirnerschütterung)

Offensichtliches, vor Kurzem aufgetretenes Trauma

Weitere Befunde je nach Lage und Ausmaß der Schäden

Ärztliche Untersuchung

Audiometrie

Manchmal eine CT

Langsam fortschreitender Hörverlust und Geräusche in einem Ohr

Selten Taubheit und/oder Gesichtsschwäche

Audiometrie

Mit Gadolinium verstärkte MRT bei Hörverlust oder Tinnitus

Defekt des Knochens um einen Bogengang

Benommenheit, ausgelöst durch Geräusche, Hörverlust im Tieftonbereich

Audiometrie mit Tympanometrie

Normalerweise ein CT-Scan

Normalerweise Vestibularprüfungen

Weniger häufige Ursachen, in der Regel ohne Symptome an den Ohren

Hirnstamminfarkt

Plötzlich einsetzende, anhaltende Symptome

Sofortige Gadolinium-verstärkte MRT

Blutung im Kleinhirn

Plötzlich einsetzend, mit anhaltenden Symptomen

Gangunsicherheit und Koordinationsschwierigkeiten

Oft Kopfschmerzen

Symptome verschlimmern sich schnell

Sofortige Gadolinium-verstärkte MRT

Mehrere, separate Episoden neurologischer Symptome wie Schwäche oder Taubheitsgefühl mit verschiedenen Episoden, die verschiedene Teile des Körpers betreffen

Gadolinium-verstärkte MRT des Gehirns und der Wirbelsäule

Niedriger Blutzucker (in der Regel durch Arzneimittel zur Behandlung von Diabetes verursacht)

Kürzlich erfolgte Dosissteigerung

Manchmal Schwitzen

Blutzuckertest an der Fingerkuppe (während der Symptome, falls möglich)

Niedriger Blutdruck, beispielsweise aufgrund von Herzerkrankungen, Blutdruckmedikamenten, Blutverlust oder Flüssigkeitsmangel (Dehydratation)

Symptome beim Aufstehen, jedoch nicht bei Kopfbewegung oder im Liegen

Symptome der Ursache oft offensichtlich (z. B. schwerer Blutverlust oder Durchfall)

Untersuchungen richten sich nach der vermuteten Ursache

Schwangerschaft (oft der Frau nicht bekannt)

Manchmal späte Regelblutung und/oder morgendliche Übelkeit

Keine Ohrsymptome

Schwangerschaftstest

Chronische Symptome mit phasenweisem Hörverlust an beiden Ohren und mit Schwindelepisoden

Audiometrie

Syphilis-Bluttest

Gewichtsveränderung

Wärme- oder Kälteintoleranz

Bluttests zur Schilddrüsenfunktion

* Zu den Merkmalen zählen Symptome und Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

† Obwohl eine ärztliche Untersuchung immer durchgeführt wird, wird sie in dieser Spalte nur erwähnt, wenn die Diagnose manchmal nur durch eine ärztliche Untersuchung ohne Tests gestellt werden kann. Mit anderen Worten: Es sind möglicherweise keine zusätzlichen Tests erforderlich.

CT = Computertomographie; MRT = Magnetresonanztomographie.

Tests

Der Testbedarf bei Patienten mit Schwindel oder Vertigo hängt von den Befunden der Krankengeschichte und der ärztlichen Untersuchung ab, insbesondere davon, ob Warnzeichen vorhanden sind.

Bei Patienten mit einem plötzlichen Anfall von Schwindel, der noch anhält, bringt der Arzt normalerweise einen Sauerstoffsensor an der Fingerspitze an und misst den Blutzuckerspiegel an einer Tropfenprobe aus der Fingerkuppe. Bei einigen Frauen wird ein Schwangerschaftstest vorgenommen.

Bei Patienten mit Warnzeichen ist in der Regel eine Gadolinium-verstärkte Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich. Dasselbe gilt für Patienten ohne Warnzeichen, die über längere Zeit Symptome haben.

Mit verschiedenen Tests können Gleichgewicht und Gangbild bewertet werden, z. B. mit dem Romberg-Test. Bei einem anderen Gleichgewichtstest muss die Person auf einer geraden Linie laufen und dabei einen Fuß vor den anderen setzen. Wenn die ärztliche Untersuchung einen möglichen Hörverlust ergibt, wird an dem Betroffenen ein formaler Hörtest durchgeführt (Audiometrie).

Manchmal werden umfassende Tests des Gleichgewichts durchgeführt. Dazu zählen die Video-Elektronystagmographie, der Drehstuhltest (zur Aufdeckung auffälliger Augenbewegungen beim Sitzen in einem sich drehenden Stuhl) und Tests auf vestibulär evozierte myogene Potenziale. Diese Tests werden in der Regel von Fachärzten durchgeführt, die auf das Ohr spezialisiert sind (HNO-Ärzte).

Elektrokardiographie (EKG), Langzeit-EKG zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen, Echokardiographie und Belastungstests dienen zur Beurteilung der Herzfunktion. Wenn der Schwindel nur beim Aufstehen auftritt, können spezielle Tests erforderlich sein.

Behandlung

Falls möglich, wird die Ursache des Schwindels behandelt. Im Rahmen der Behandlung wird das ursächliche Arzneimittel abgesetzt, in geringerer Dosis verabreicht oder durch ein anderes ersetzt.

Übelkeit und Erbrechen können mit Arzneimitteln wie Meclizin oder Promethazin behandelt werden.

Schwindel, der durch Erkrankungen des Innenohrs verursacht wird (etwa durch die Menière-Krankheit, Labyrinthitis, Schwindelmigräne oder vestibuläre Neuritis), kann oft mit Benzodiazepinen wie Diazepam oder Lorazepam gemildert werden. Antihistaminika wie Meclizin sind eine Alternative. Schwindel bei Menschen mit benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel wird mit dem Epley-Manöver (einer saltoähnlichen Bewegung des Kopfes) behandelt, das von einem erfahrenen Arzt durchgeführt wird. Die Menière-Krankheit wird am besten von einem Otolaryngologen mit Ausbildung im Hinblick auf die Betreuung von Patienten mit dieser chronischen Erkrankung behandelt. Die anfängliche Behandlung besteht jedoch aus einer salzarmen Ernährung und Diuretika („Wassertabletten“), die möglicherweise nicht bei allen Menschen mit dieser Störung wirksam sind. Bei Menschen mit Schwindelmigräne wird die Migräne behandelt.

Wenn der Schwindel über längere Zeit anhält, profitieren einige Patienten von einer Physiotherapie, in der der Umgang mit dem gestörten Gleichgewichtssinn erlernt wird. Der Therapeut kann auch Strategien wie die folgenden empfehlen:

  • Bewegungen vermeiden, die Benommenheit auslösen können, wie z. B. das Blicken nach oben oder das Bücken

  • Gegenstände in einer leicht erreichbaren Höhe lagern

  • Nach dem Hinsetzen oder Hinlegen langsam aufstehen

  • Vor dem Aufstehen mehrfach die Hände zur Faust ballen und die Füße kreisen lassen

  • Übungen erlernen, bei denen Augen, Kopf und Körper gleichzeitig bewegt werden, um Benommenheit zu vermeiden

  • Physiotherapie und Übungen zur Muskelstärkung, um so lange wie möglich ohne Hilfsmittel gehen zu können

  • Vestibuläre Rehabilitationstherapie (eine spezielle Form der Physiotherapie, die auf die Symptome peripherer und zentral-vestibulärer Dysfunktion abgestimmt ist)

Wichtige Informationen für ältere Menschen

Mit zunehmendem Alter führen viele Faktoren dazu, dass Benommenheit und Schwindel häufiger werden. Die für das Gleichgewicht verantwortlichen Organe, insbesondere die Strukturen des Innenohrs, funktionieren weniger gut. Das Sehen in gedämpftem Licht wird schwieriger. Die körpereigenen Mechanismen, die den Blutdruck regulieren, reagieren langsamer (zum Beispiel beim Aufstehen). Ältere Patienten nehmen außerdem häufiger Medikamente, die Benommenheit verursachen können.

Benommenheit und Schwindel sind in jedem Alter unangenehm. Für ältere Patienten entstehen jedoch besondere Probleme daraus. Gebrechliche Patienten haben ein viel höheres Risiko zu stürzen, wenn sie benommen sind. Selbst wenn sie nicht stürzen, führt die Angst davor oft dazu, dass die Fähigkeit zur Verrichtung alltäglicher Tätigkeiten eingeschränkt wird.

Die Arzneimittel, die den Schwindel mildern, können müde machen. Dieser Effekt ist bei älteren Patienten häufiger und manchmal stärker ausgeprägt.

Mehr noch als jüngere Patienten können ältere Patienten mit Benommenheit oder Schwindel von einer allgemeinen Physiotherapie und von Übungen profitieren, welche die Muskeln stärken und helfen, die Selbstständigkeit zu bewahren. Physiotherapeuten können außerdem wichtige Informationen zur Sicherheit älterer oder behinderter Patienten geben, um Stürze zu verhindern.

Wichtigste Punkte

  • Benommenheit und Schwindel sind oft die Folge von Krankheiten, die das Innenohr oder die Teile des Gehirns beeinträchtigen, die für das Gleichgewicht verantwortlich sind. Eine weitere Ursache sind bestimmte Arzneimittel.

  • Die Symptome können Schwäche, Verlust des Gleichgewichts, Vertigo, ein schwer zu beschreibendes schwindeliges oder schummriges Gefühl oder eine Kombination umfassen.

  • Starke Kopfschmerzen und Anzeichen einer gestörten Gehirnfunktion (wie z. B. Schwierigkeiten beim Gehen, Sehen, Sprechen oder Schlucken) sind Warnzeichen, aber auch bei vagen Symptomen kann eine ernsthafte Erkrankung zugrunde liegen.

  • Patienten mit Warnzeichen sollten sofort einen Arzt aufsuchen und müssen sich oft Tests unterziehen.

  • Arzneimittel wie Diazepam oder Meclizin helfen oft gegen Schwindel. Prochlorperazin wirkt gegen Übelkeit.

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