Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Juckreiz

(Pruritus)

Von

Elizabeth H. Page

, MD, Harvard Medical School

Inhalt zuletzt geändert Jul 2016
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Juckreiz ist ein Symptom, das erhebliche Beschwerden verursachen kann, und einer der häufigsten Gründe für die Konsultation eines Dermatologen. Juckreiz führt zu Kratzen, was eine Entzündung, eine Hautschädigung und eine mögliche sekundäre Infektion verursachen kann. Die Haut kann lichenifiziert, schuppig, und abgeschürft sein.

Pathophysiologie

Juckreiz kann durch verschiedene Stimuli verursacht werden, zum Beispiel durch leichte Berührung, Vibration und Wollfasern. Es gibt eine Reihe von chemischen Mediatoren sowie verschiedene Mechanismen, mit denen das Gefühl des Juckens auftritt. Die Existenz von spezifischen peripheren sensorischen Neuronen, die verantwortlich für die Übertragung des Juckreizes sind, wurde kürzlich unter Beweis gestellt. Diese Neuronen unterscheiden sich von denen, die auf leichte Berührung oder Schmerz reagieren; sie enthalten einen Rezeptor, MrgA3, dessen Stimulation das Gefühl von Juckreiz hervorruft.

Mediatoren

Histamin ist einer der wichtigsten Mediatoren. Es wird in Mastzellen in der Haut synthetisiert und gespeichert, und in Reaktion auf verschiedene Reize freigesetzt. Andere Mediatoren (z. B. Neuropeptide) können entweder die Freisetzung von Histamin bewirken oder selbst als Auslöser des Juckreizes agieren, was erklärt, warum Antihistaminika einige Fälle von Juckreiz verbessern und andere nicht. Opioide haben eine zentrale pruritische Tätigkeit sowie die Stimulierung des peripher vermittelten Histaminjuckreizes.

Mechanismen

Es gibt 4 Mechanismen des Juckreizes:

  • Dermatologisch – in der Regel verursacht durch entzündliche oder pathologische Prozesse (z. B. Urtikaria, Ekzeme)

  • Systemisch – im Zusammenhang mit Krankheiten von anderen Organen als der Haut (z. B. Cholestase)

  • Neuropathisch – bezogen auf Erkrankungen des ZNS oder peripheren Nervensystems (z. B. multiple Sklerose)

  • Psychogen – im Zusammenhang mit psychiatrischen Erkrankungen

Intensiver Juckreiz animiert zu kräftigem Kratzen, was wiederum zu sekundären Hauterkrankungen führt (z. B. Entzündung, Exkoriation, Infektion), welche zu mehr Juckreiz durch Zerstörung der Hautbarrire führen können. Auch wenn Kratzen temporär das Gefühl des Juckens durch Aktivierung hemmender neuraler Schaltkreise verringern kann, führt es auch zur Verstärkung des Juckreizes auf der Ebene des Gehirns, was den Juck-Kratz-Kreis verschlimmert.

Ätiologie

Juckreiz kann ein Symptom einer primären Hauterkrankung oder, seltener, einer systemischen Erkrankung sein. Auch Medikamente können Juckreiz verursachen (siehe Einige Ursachen für Juckreiz).

Erkrankungen der Haut

Viele Hauterkrankungen verursachen Juckreiz. Zu den häufigsten gehören

Systemische Erkrankungen

Bei systemischen Erkrankungen kann Juckreiz mit oder ohne Hautläsionen auftreten. Wenn der Juckreiz allerdings schwer und ohne erkennbare Hautläsionen ist, sollten systemische Erkrankungen und Arzneimittel stärker überprüft werden. Systemische Erkrankungen sind im Vergleich zu Hauterkrankungen weniger häufig eine Ursache von Juckreiz, aber einige der häufigeren Ursachen umfassen

  • Allergische Reaktion (z. B. gegenüber Nahrungsmitteln, Medikamenten sowie Bissen und Stichen)

  • Cholestase

  • Chronische Nierenerkrankungen

Weniger häufige systemische Ursachen von Juckreiz umfassen Hyperthyreose, Hypothyreose, Diabetes, Eisenmangel, Dermatitis herpetiformis Duhring und Polycythaemia vera.

Medikamente

Medikamente können Juckreiz als eine allergische Reaktion oder durch direktes Auslösen einer Histaminfreisetzung verursachen (meist Morphin, einige i.v. Kontrastmittel).

Tabelle
icon

Einige Ursachen für Juckreiz

Ursache

Suggestive Befunde

Diagnostischer Ansatz

Primäre Hautkrankheiten

Vorhandensein von Erythema, mögliche Lichenifikation, Lichen pilaris, Xerose, Dennie-Morgan-Falte, hyperlineare Palmae

Für gewöhlich eine Familienanamnese von Atopie oder chronisch wiederkehrender Dermatitis

Klinische Bewertung

Dermatitis sekundär zum Kontakt mit Allergenen; Erythema, Vesikel

Klinische Bewertung

Dermatophytose (z. B. Tinea capitis, Tinea corporis, Tinea cruris, Tinea pedis)

Lokalisierter Juckreiz, kreisförmige Läsionen mit erhöhten schuppigen Grenzen, Bereiche mit Alopezie

Prädilektionsstellen sind Genitalbereich und Füße bei Erwachsenen; Kopfhaut und Körper bei Kindern

Manchmal begünstigende Faktoren (z. B. Feuchtigkeit, Adipositas)

Kaliumhydroxid-Prüfung der Läsionsgeschabsel

Bereiche von Hautverdickung sekundär zu wiederholtem Kratzen

Die Läsionen sind diskrete, erythematöse, schuppige Plaques, gut begrenzte, raue, lichenifizierte Haut

Klinische Bewertung

Prädilektionsstellen sind Kopfhaut, Achselhöhlen, Taille und Schambereich

Bereiche der Exkoriation, mögliche punktförmige Läsionen aus frischen Bissen, mögliche bilaterale Blepharitis

Begutachten der Eier (Nissen), und manchmal Läuse

Plaques mit silbrigen Schuppen in der Regel auf den Streckseiten der Ellenbogen, Knie, Kopfhaut und Rumpf

Juckreiz nicht notwendigerweise auf Plaques beschränkt

Möglicherweise Arthritis in den Gelenken manifestiert als Steifigkeit und Schmerzen

Klinische Bewertung

Kleine erythematöse oder dunkle Papeln an einem Ende einer feinen, welligen, leicht schuppigen Linie von bis zu 1 cm Länge (Gang); möglicherweise auf Netzbereichen, der Gürtellinie, den Beugeseiten sowie dem Brustwarzenhof bei Frauen und den Genitalien bei Männern

Familie oder enge Bekannte mit ähnlichen Symptomen

Intensiver nächtlicher Juckreiz

Klinische Bewertung

Mikroskopische Untersuchung von Hautgeschabsel aus Gängen

Verschwindende, begrenzte, erhöhte, erythematöse Läsionen mit zentraler Blässe

Kann akut oder chronisch sein ( 6 Wochen).

Klinische Bewertung

Xerosis(trockene Haut)

Am häufigsten im Winter

Juckende, trockene, schuppige Haut, meist an unteren Extremitäten

Verschlimmert durch trockene Hitze

Klinische Bewertung

Systemische Erkrankungen

Allergische Reaktion, intern (zahlreiche aufgenommene Stoffe)

Juckreiz am ganzen Körper, Hautausschlag mit Maculae und Papeln oder Urtikaria

Kann oder kann nicht eine bekannte Allergie haben

Versuch der Vermeidung

Manchmal Prick-Tests

Juckreiz kann jedem anderen Symptom vorausgehen

Brennen bis Jucken, vor allem in den unteren Extremitäten (Hodgkin-Lymphom)

Juckreiz nach dem Baden (Polycythemia vera)

Heterogene Hautläsionen – Plaques, Flecken, Tumore, Erythrodermie (Mycosis fungoides)

Blutbild

Blutausstrich

Röntgenaufnahme des Brustraumes

Biopsie (Knochenmark bei Polycythemia vera, Lymphdrüsen bei Hodgkin-Lymphom, Hautläsion bei Mycosis fungoides)

Cholestase

Befunde, die auf Leber- oder Gallenblasenschäden oder Funktionsstörungen hinweisen (z. B. Ikterus, Steatorrhoe, Müdigkeit, Schmerzen im rechten oberen Quadranten)

Für gewöhnlich ausgedehnter Juckreiz ohne Ausschlag, entwickelt sich manchmal in der späten Schwangerschaft

Leberwerte und Beurteilung der Ursache der Ikterus

Häufiger Harndrang, Durst, Gewichtsverlust, Veränderungen des Sehvermögens

Urin- und Blutzucker

HbA1C

Müdigkeit, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Belastungsintoleranz, Pica, schütteres Haar

Hämoglobin, Hämatokrit, Erythrozytenindizes, Ferritin, Eisen und Eisen-Bindungskapazität

Sporadisch starker Juckreiz, Taubheitsgefühl, Kribbeln in den Gliedmaßen, Optikusneuritis, Verlust der Sehkraft, Spastik oder Schwäche, Schwindel

MRT

GRF-Analyse

Evozierte Potentiale

Psychiatrische Erkrankungen

Lineare Exkoriationen, Vorhandensein einer psychiatrischen Erkrankung (z. B. klinische Depressionen, Dermatozoenwahn)

Klinische Bewertung

Diagnose des Ausschlusses

Nierenkrankheit

Nierenkrankheit im Endstadium

Juckreiz am ganzen Körper, kann während der Dialyse schlimmer sein, kann hauptsächlich auf dem Rücken auftreten

Diagnose des Ausschlusses

Krankheiten der Schilddrüse*

Gewichtsverlust, Herzklopfen, Schwitzen, Reizbarkeit (Hyperthyreose)

Gewichtszunahme, Depressionen, trockene Haut und Haare (Hypothyreose)

TSH, T4

Arzneimittel

Medikamente (z. B. Opioide, Penicillin, ACE-Hemmer, Statine, Antimalariamittel, epidermale Wachstumsfaktor-Inhibitoren, Interleukin 2, Vemurafenib, Ipilimumab, andere Zytostatika)

Geschichte der Einnahme

Klinische Untersuchung

*Juckreiz als die zu sehende Beschwerde des Patienten ist ungewöhnlich.

HbA1C= glykosyliertes Hämoglobin; KOH = Kaliumhydroxid; T4= Thyroxin, TSH = thyroidstimulierendes Hormon.

Beurteilung

Anamnese

Anamnese der jetzigen Krankheit sollte Auftreten des Juckreizes, ursprünglichen Ort, Verlauf, Dauer, Muster des Juckreizes (z. B. nächtlich oder tagaktiv, intermittierend oder persistierend, saisonale Schwankungen) sowie das Vorhandenseins eines Ausschlages bestimmen. Eine sorgfältige Medikamentenanamnese sollte vorliegen, die sowohl verschreibungspflichtige als auch OTC-Medikamente enthält, mit besonderer Aufmerksamkeit auf Medikamente, mit deren Einnahme erst vor kurzem begonnen wurde. Die Verwendung von Feuchtigkeitscremes und anderen Arzneimitteln zur äußeren Anwendung (z. B. Hydrocortison, Diphenhydramin) bei Patienten sollten überprüft werden. Die Anamnese sollte alle Faktoren, die das Jucken besser oder schlechter machen, umfassen.

Eine Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen der ursächlichen Erkrankungen forschen, einschließlich

  • Reizbarkeit, Schwitzen, Gewichtsverlust, und Palpitationen (Hyperthyreose)

  • Depressionen, trockene Haut und Gewichtszunahme (Hypothyreose)

  • Kopfschmerzen, Pica, schütteres Haar und Belastungsintoleranz (Eisenmangelanämie)

  • Allgemeinsymptome wie Gewichtsverlust, Müdigkeit und Nachtschweiß (Krebs)

  • Vorübergehende Schwäche, Taubheit, Kribbeln und Sehstörungen oder Sehverlust (Multiple Sklerose)

  • Steatorrhö, Gelbsucht und im rechten oberen Quadranten Schmerzen (Cholestase)

  • Häufiger Harndrang, übermäßiger Durst und Gewichtsverlust (Diabetes)

Anamnese der bisherigen Arzneimittel sollte bekannte ursächliche Erkrankungen (z. B. Nierenerkrankung, cholestatische Erkrankung, Krebs mit Chemotherapie-Behandlung) und den emotionalen Zustand des Patienten identifizieren. Die soziale Anamnese sollte sich auf Familienmitglieder mit ähnlichen Juckreiz- und Hautsymptomen (z. B. Skabies, Pedikulose); den Zusammenhang von Juckreiz und Beruf oder Exposition zu Pflanzen, Tieren oder Chemikalien; und die Geschichte der letzten Reisen konzentrieren.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung beginnt mit einer Überprüfung des klinischen Erscheinungsbildes auf Anzeichen von Ikterus, Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme, und Müdigkeit. Eine genaue Untersuchung der Haut sollte durchgeführt werden, um Anwesenheit, Morphologie, Umfang und Verteilung der Läsionen zu erfassen. Eine Hautuntersuchung sollte auch Anzeichen einer sekundären Infektion (z. B. Erythema, Schwellung, Wärme, gelb- oder honigfarbene Krusten) ermitteln.

Die Untersuchung sollte signifikante Drüsenerkrankungen festhalten, welche auf Krebs hindeuten. Eine Untersuchung des Bauches sollte sich auf Organomegalie, Mengen, und Empfindlichkeit (cholestatische Erkrankung oder Krebs) konzentrieren. Eine neurologische Untersuchung sollte sich auf Schwäche, Spastik oder Taubheit (multiple Sklerose) konzentrieren.

Warnzeichen

Die folgenden Ergebnisse sind von besonderer Bedeutung:

  • Allgemeinsymptome wie Gewichtsverlust, Müdigkeit und Nachtschweiß

  • Schwäche in den Extremitäten, Taubheit oder Kribbeln

  • Bauchschmerzen und Ikterus

  • Häufiger Harndrang, übermäßiger Durst und Gewichtsverlust

Interpretation der Ergebnisse

Juckreiz am ganzen Körper, der kurz nach dem Gebrauch eines Medikaments beginnt, wird wahrscheinlich durch dieses Medikament verursacht. Lokalisierter Juckreiz (oft mit Hautausschlag), der im Bereich des Kontaktes mit einer Substanz auftritt, wird wahrscheinlich durch diese Substanz verursacht. Allerdings können viele systemische Allergien schwer zu identifizieren sein, weil die Patienten in der Regel mehrere verschiedene Lebensmitteln konsumiert haben und in Kontakt mit vielen Substanzen kamen, bevor sich der Juckreiz entwickelt. In ähnlicher Weise kann die Identifizierung eines Arzneimittels als Ursache schwierig sein, wenn der Patient mehrere Medikamente einnimmt. Manchmal nimmt der Patient das Medikament für Monate oder sogar Jahre, bevor sich eine Reaktion entwickelt.

Wenn eine Ätiologie nicht sofort ersichtlich ist, können Aussehen und Lage der Hautläsionen eine Diagnose andeuten (siehe Tabelle: Einige Ursachen für Juckreiz).

In der Minderheit der Patienten, bei denen keine Hautläsionen evident sind, sollte eine systemische Erkrankung berücksichtigt werden. Einige Erkrankungen, die Juckreiz verursachen, sind bei der Auswertung leicht erkennbar (z. B. chronisches Nierenversagen, cholestatische Ikterus). Andere systemische Störungen, die Juckreiz verursachen, werden durch die Befunde angedeutet (siehe Tabelle: Einige Ursachen für Juckreiz). Selten ist Juckreiz die erste Manifestation von signifikanten systemischen Erkrankungen (z. B. Polycythemia vera, bestimmte Krebsarten, Hyperthyreose).

Tests

Viele dermatologische Erkrankungen sind klinisch diagnostiziert. Wenn der Juckreiz jedoch durch diskrete Hautläsionen von unklarer Ätiologie begleitet wird, kann eine Biopsie angemessen sein. Wenn eine allergische Reaktion vermutet wird, aber die Substanz unbekannt ist, werden oft Hauttests durchgeführt (je nach vermuteter Ätiologie entweder Prick-Test oder Patch-Test). Bei Verdacht auf eine systemische Erkrankung sind die Tests auf die vermutete Ursache gerichtet und beinhalten in der Regel ein Blutbild; Leberwerte, Nierenwerte und Schilddrüsenparameter; und entsprechende Untersuchungen für zugrunde liegenden Krebs.

Behandlung

Jede zugrunde liegende Erkrankung wird behandelt. Unterstützende Behandlung beinhaltet die folgenden (auch siehe Tabelle: Einige Therapieansätze zu Juckreiz):

  • Lokale Hautpflege

  • Topische Behandlung

  • Systemische Behandlung

Hautpflege

Jucken aufgrund irgendeiner Ursache lässt sich durch kaltes oder lauwarmes (nicht heißes) Wasser beim Baden, milde oder feuchtigkeitsspendende Seife, begrenzte Badedauer und -häufigkeit, häufiges Eincremen, Befeuchtung trockener Luft, und Vermeidung von reizender oder enger Kleidung mindern. Die Vermeidung von Reizstoffen (z. B. Wollkleidung) kann ebenfalls hilfreich sein.

Topische Medikamente

Bei lokalisiertem Jucken sind oft topische Medikamente wirksam. Zu den Optionen gehören Lotionen oder Cremes, die Kampfer und/oder Menthol, Pramoxin, Capsaicin oder Kortikosteroide enthalten. Kortikosteroide sind wirksam bei der Linderung von Juckreiz durch eine Entzündung, sollten aber vermieden werden, wenn es keine Anzeichen von Entzündungen gibt. Topisches Benzocain, Diphenhydramin und Doxepin sollten vermieden werden, da sie die Haut sensibilisieren können.

Systemische Medikamente

Bei generalisiertem oder lokalem Juckreiz, der nicht auf topische Mittel anspricht, werden systemische Medikamente indiziert. Antihistaminika, vor allem Hydroxyzin, sind effektiv, vor allem bei nächtlichem Juckreiz, und werden am häufigsten verwendet. Sedierende Antihistaminika sollten bei älteren Patienten tagsüber nur mit Vorsicht angewandt werden, da sie zu Stürzen führen können; neuere nicht-sedierende Antihistaminika, wie Loratadin, Fexofenadin und Cetirizin, können tagsüber gegen Juckreiz hilfreich sein. Andere Medikamente sind Doxepin (wegen des hohen Grads der Sedierung für gewöhnlich nachts eingenommen), Cholestyramin (bei Nierenversagen, Cholestase und Polycythemia vera), Opioid-Antagonisten wie Naltrexon (bei biliärer Pruritus) und möglicherweise Gabapentin (bei urämischer Pruritus).

Physikalische Mittel, die wirksam gegen Juckreiz sein können, umfassen UV-Phototherapie.

Tabelle
icon

Einige Therapieansätze zu Juckreiz

Medikament/Mittel

Gewöhnliche Kur

ErläuKommentareerungen

Topische Behandlung

Capsaicin-Creme

Regelmäßig für die erforderliche Zeitdauer auf eine Stelle mit neuropathischem Juckreiz auftragen

Kann 2 Wochen für die Wirkung benötigen

Pflanzenöl kann bei der Entfernung helfen

Ein anfängliches brennendes Gefühl verflüchtigt sich mit der Zeit

Kortikosteroid-Cremes oder Salben

Auf den betroffenen Bereich zweimal täglich für 5–7 Tage auftragen

Vermeiden Sie das Gesicht, befeuchten Sie Hautfalten

Sollten nicht für längere Zeit benutzt werden (> 2 Wochen)

Menthol-haltige und/oder Kampfer-haltige Cremes

Auf betroffene Bereiche auftragen, wie es zur Linderung benötigt wird

Diese Präparate haben starke Gerüche

Pramoxin-Schaum

Nach Bedarf 4–6 mal täglich auftragen

Kann Trockenheit oder Reizung an der Applikationsstelle verursachen

Tacrolimus-Salbe oder Pimecrolimus-Creme

Auf den betroffenen Bereich zweimal täglich für 10 Tage auftragen

Sollte nicht für längere Zeit oder bei Kindern < 2 Jahren verwendet werden

Ultraviolet-B-Therapie

1–3 mal pro Woche, bis der Juckreiz nachlässt

Die Behandlung wird oft über Monate fortgesetzt

Sonnenbrand-ähnliche Nebenwirkungen können auftreten

Langfristiges Risiko von Hautkrebs, darunter Melanome

Systemische Behandlung

Cetirizin*

5–10 mg p.o. 1-mal täglich

Kann selten eine sedierende Wirkung bei älteren Patienten haben

Cholestyramin (cholestatische Pruritus)

4–16 g p.o. 1-mal täglich

Die Einhaltung kann gering sein

Constipating, untastbar

Kann mit der Einnahme anderer Medikamente beeinträchtigen

Cyproheptadin

4 mg p.o. 3-mal täglich

Sedierend, auch hilfreich, wenn vor dem Schlafengehen gegeben

Diphenhydramin

25–50 mg p.o. alle 4–6 h (nicht mehr als 6 Dosen innerhalb von 24 h)

Sedierend, auch hilfreich, wenn vor dem Schlafengehen gegeben

Doxepin

25 mg p.o. 1-mal täglich

Hilfreich bei schwerem und chronischem Juckreiz

Sehr sedierend, also vor dem Schlafengehen einzunehmen

Fexofenadin*

60 mg p.o. 2-mal täglich

Kopfschmerzen können eine Nebenwirkung sein

Gabapentin (urämische Pruritus)

100 mg p.o. nach der Hämodialyse

Die sedierende Wirkung kann ein Problem sein

Zu Beginn niedrige Dosen und bis zur klinischen Wirkung titriert

Hydroxyzin

25–50 mg p.o. alle 4–6 h (nicht mehr als 6 Dosen innerhalb von 24 h)

Sedierend, auch hilfreich, wenn vor dem Schlafengehen gegeben

Loratadin*

10 mg p.o. 1-mal täglich

Selten kann eine sedierende Wirkung bei älteren Patienten auftreten

Naltrexon (cholestatische Pruritus)

12,5–50 mg p.o. 1-mal täglich

Kann bei Patienten mit Toleranz gegenüber Opioiden zu Entzugserscheinungen führen

*Nicht-sedierende Antihistaminika.

Sedierende Antihistaminika.

Geriatrie-Grundlagen

Altersbedingte Veränderungen im Immunsystem und in Nervenfasern können bei älteren Erwachsenen zu der hohen Prävalenz von Juckreiz beitragen.

Xerotische Ekzeme sind sehr häufig bei älteren Patienten. Es ist besonders wahrscheinlich, wenn der Juckreiz in erster Linie an den unteren Extremitäten ist.

Schwerer, diffuser Juckreiz bei älteren Menschen sollte Anlass zur Sorge um Krebs geben, vor allem, wenn eine andere Ätiologie nicht sofort ersichtlich ist.

Bei der Behandlung älterer Menschen kann die sedierende Wirkung der Antihistaminika ein erhebliches Problem sein. Die Verwendung nicht-sedierender Antihistaminika während des Tages und sedierender Antihistaminika in der Nacht, liberale Anwendung von topischen Salben und Kortikosteroiden (wenn zutreffend), und die Berücksichtigung von UV-Phototherapie können helfen, die Komplikationen der Sedierung zu vermeiden.

Wichtige Punkte

  • Juckreiz ist in der Regel ein Symptom für eine Erkrankung der Haut oder eine systemische allergische Reaktion, kann aber von einer systemischen Erkrankung resultieren.

  • Wenn Hautveränderungen nicht erkennbar sind, sollten die Ursachen untersucht werden.

  • Hautpflege (z. B. begrenztes Baden, Vermeidung von Reizstoffen, regelmäßige Feuchtigkeitsspende, Befeuchtung der Umwelt) sind zu beachten.

  • Die Symptome können durch topische oder systemische Medikamente gelindert werden.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
How to Drain a Subungual Hematoma
Video
How to Drain a Subungual Hematoma

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN