Diabetes mellitus Typ 2

VonErika F. Brutsaert, MD, New York Medical College
Reviewed ByGlenn D. Braunstein, MD, Cedars-Sinai Medical Center
Überprüft/überarbeitet Geändert Dez. 2025
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Der Typ-2-Diabetes mellitus ist durch Insulin-Resistenz und unzureichende Insulin-Sekretion im Verhältnis zum Bedarf gekennzeichnet. Die Frühsymptome werden durch die Hyperglykämie bedingt und sind Polyurie, Polydipsie und Schwäche. Phasen der Polyphagie und verschwommenes Sehen kommen vor. Die Spätkomplikationen sind Gefäßkrankheiten, periphere Polyneuropathie, Nephropathie und Prädisposition für Infektionen. Die Diagnose erfolgt durch Messung der Plasmaglukosekonzentration. Die Behandlung besteht aus Diät, Bewegung und Medikamenten zur Senkung des Blutzuckerspiegels, einschließlich Insulin, oralen Antihyperglykämika und injizierbaren Medikamenten ohne Insulin. Komplikationen können mit ausreichender Blutzuckerkontrolle verzögert oder verhindert werden; die Herz-Kreislauf-Erkrankung bleibt die häufigste Todesursache beim Diabetes.

Ätiologie des Typ-2-Diabetes mellitus

Typ-2-Diabetes wird verursacht durch:

  • Insulin-Resistenz

Beim Typ-2-Diabetes mellitus ist die Insulin-Sekretion inadäquat, da die Patienten eine Resistenz gegenüber Insulin entwickelt haben (siehe Tabelle ). Die hepatische Resistenz gegenüber Insulin führt zur Unfähigkeit, die hepatische Glukoseproduktion zu unterdrücken und die periphere Insulinresistenz beeinträchtigt die periphere Glukoseaufnahme. Diese Mechanismen führen zu einer Fasten- und postprandialen Hyperglykämie. Häufig sind die Insulinspiegel sehr hoch, vor allem im Frühstadium der Krankheit. Später im Krankheitsverlauf kann die Insulinproduktion sinken, was zu einer weiteren Verschärfung Hyperglykämie führt.

Die Krankheit entwickelt sich meist bei Erwachsenen und wird häufiger bei fortschreitendem Alter. In den Vereinigten Staaten weisen etwa 30 % der Erwachsenen im Alter von 18 bis 44 Jahren eine gestörte Nüchternglukoseregulierung oder eine gestörte Glukosetoleranz auf, während dies bei fast 50 % der Erwachsenen über 65 Jahren der Fall ist (1). Bei älteren Erwachsenen erreichen die Plasmaglukosespiegel nach dem Essen höhere Werte als bei jüngeren Erwachsenen, vor allem nach Mahlzeiten mit hohem Kohlenhydratgehalt. Die Glukosespiegel brauchen auch länger, bis sie wieder normal sind, zum Teil wegen der erhöhten Ansammlung von viszeralem und abdominalem Fett und einer verringerten Muskelmasse.

Typ-2-Diabetes ist bei Kindern auch immer häufiger geworden, da die Adipositas bei Kindern zu einer Epidemie geworden ist (2).

Über 90% aller Erwachsenen mit Diabetes haben Typ-2-Diabetes (3, 4). Es gibt sowohl umweltbedingte als auch genetische Determinanten, wie die hohe Prävalenz der Erkrankung bei Verwandten von Personen mit der Erkrankung zeigt (3, 5). Obwohl mehrere genetische Polymorphismen identifiziert wurden, konnte kein einzelnes Gen identifiziert werden, das für die häufigsten Formen des Typ-2-Diabetes verantwortlich ist (6).

Die Pathogenese ist komplex und noch nicht vollständig geklärt. Eine Hyperglykämie entwickelt sich dann, wenn die Insulinresistenz nicht mehr durch eine gesteigerte Insulinsekretion kompensiert werden kann. Obwohl eine Insulin-Resistenz charakteristisch für Patienten mit Typ-2-Diabetes und solche mit erhöhtem Risiko ist, zeigen diese Patienten auch eine Betazell-Dysfunktion und eine gestörte Insulin-Sekretion, die im Laufe der Zeit fortschreitet, darunter:

  • Beeinträchtigte Insulin-Sekretion in der ersten Phase

  • Ein Verlust der normalerweise pulsierenden Insulin-Sekretion

  • Ein Anstieg der Proinsulin-Sekretionssignale, was auf eine gestörte Verarbeitung von Insulin hinweist

  • Eine Akkumulation von Inselamyloidpolypeptid (ein Protein, das normalerweise mit Insulin ausgeschieden wird)

Die Hyperglykämie selbst kann die Insulinsekretion beeinträchtigen, da hohe Glukosespiegel die Beta-Zellen desensibilisieren, eine Beta-Zell-Dysfunktion (Glukosetoxizität) verursachen oder beides.

Übergewicht und Gewichtszunahme sind wichtige Determinanten der Insulinresistenz bei Diabetes-Typ-2. Es gibt genetische Einflüsse, aber bei der Manifestation spiegeln sich auch die Ernährung, das Maß der körperlichen Aktivität und der Lebensstil wider. Das Versagen, die Lipolyse im Fettgewebe zu unterdrücken, erhöht die Plasmaspiegel von freien Fettsäuren, die wiederum den insulinabhängigen Glukosetransport und die Glykogensynthaseaktivität in den Muskeln beeinträchtigen. Das Fettgewebe als endokrines Organ setzt verschiedene Mediatoren (Adipozytokine) frei, die bevorzugt (Adiponektin) oder als Nebenwirkung (Tumornekrosefaktor-alpha, Interleukin-6, Leptin, Resistin) den Glukosestoffwechsel beeinflussen.

Eine intrauterine Wachstumsstörung und ein niedriges Geburtsgewicht wurden ebenfalls mit einer Insulinresistenz im späteren Leben assoziiert und können widerspiegeln, dass ungünstige pränatale Umwelteinflüsse den Glukosestoffwechsel beeinflussen (7, 8).

Literatur zur Ätiologie

  1. 1. Echouffo-Tcheugui JB, Perreault L, Ji L, Dagogo-Jack S. Diagnosis and Management of Prediabetes: A Review. JAMA. 2023;329(14):1206-1216. doi:10.1001/jama.2023.4063

  2. 2. US Preventive Services Task Force, Mangione CM, Barry MJ, et al. Screening for Prediabetes and Type 2 Diabetes in Children and Adolescents: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA. 2022;328(10):963-967. doi:10.1001/jama.2022.14543

  3. 3. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S27-S49. doi:10.2337/dc25-S002

  4. 4. Xu G, Liu B, Sun Y, et al. Prevalence of diagnosed type 1 and type 2 diabetes among US adults in 2016 and 2017: population based study. BMJ. 2018;362:k1497. doi:10.1136/bmj.k1497

  5. 5. Nathan DM. Diabetes: Advances in Diagnosis and Treatment. JAMA. 2015;314(10):1052-1062. doi:10.1001/jama.2015.9536

  6. 6. Laakso M, Fernandes Silva L. Genetics of Type 2 Diabetes: Past, Present, and Future. Nutrients. 2022;14(15):3201. doi:10.3390/nu14153201

  7. 7. Crume TL, Scherzinger A, Stamm E, et al. The long-term impact of intrauterine growth restriction in a diverse U.S. cohort of children: the EPOCH study. Obesity (Silver Spring). 2014;22(2):608-615. doi:10.1002/oby.20565

  8. 8. Darendeliler F. IUGR: Genetic influences, metabolic problems, environmental associations/triggers, current and future management. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab. 2019;33(3):101260. doi:10.1016/j.beem.2019.01.001

Screening und Prävention des Typ-2-Diabetes

Vorsorge

Risikofaktoren für Diabetes Typ 2 sind (1):

Personen ≥ 35 Jahren sowie alle Erwachsenen mit einem oder mehreren Risikofaktoren sollten mindestens einmal alle 3 Jahre auf Diabetes gescreent werden, solange die Plasmaglukosemessungen normal sind, und mindestens einmal jährlich, wenn die Ergebnisse einen erhöhten Nüchternglukosespiegel (gestörte Nüchternglukose) zeigen, mittels Nüchternplasmaglukose, glykiertem Hämoglobin (HbA1c) oder dem 2-Stunden-Wert eines 75-g-oralen Glukosetoleranztests (OGTT) (siehe Tabelle ) (1).

Personen, die Antipsychotika der zweiten Generation, Glukokortikoide zur Langzeitbehandlung, Statine, bestimmte Thiaziddiuretika sowie bestimmte HIV-Medikamente einnehmen, sollten ebenfalls auf Prädiabetes und Diabetes untersucht werden (1).

Klinischer Rechner
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Vorbeugung

Patienten mit gestörter Glukoseregulation (Prädiabetes) sollten eine Beratung erhalten, die auf ihr Risiko für die Entwicklung eines Diabetes und die Bedeutung von Lebensstiländerungen zur Verhinderung oder Verzögerung des Ausbruchs eines Typ-2-Diabetes eingeht. Sie sollten engmaschig auf die Entwicklung von Diabetes-Symptomen oder erhöhte Plasmaglukosespiegel überwacht werden (mittels Hämoglobin A1c alle 6 Monate und jährlichem oralen Glukosetoleranztest) (2).

Für den Diabetes-Typ-2 ist normalerweise eine Änderung der Lebensgewohnheiten eine wirksame Prävention. Eine Gewichtsreduktion von nur 7 % des Ausgangskörpergewichts in Kombination mit moderater körperlicher Aktivität (z. B. zügigem Gehen) von mindestens 150 Minuten pro Woche kann die Inzidenz von Diabetes bei Hochrisikopersonen um > 50% senken (2).

Verschiedene Medikamente haben sich als wirksam erwiesen, um das Fortschreiten von Prädiabetes zu Diabetes zu verhindern oder zu verlangsamen. Dazu gehören Metformin, Rezeptoragonisten des Glukagon-ähnlichen Peptids (GLP-1) (z. B. Liraglutid, Semaglutid, Tirzepatid), Acarbose, Thiazolidindione, Valsartan, Testosteron, Orlistat und Phentermin/Topiramat (2, 3). Metformin ist sicher und kosteneffizient und hat die am besten etablierte Evidenz für die Prävention von Diabetes. Es kann in Betracht gezogen werden, wenn Ernährung und Lebensstil nicht erfolgreich sind, insbesondere bei Patienten, die das höchste Risiko für die Entwicklung von Diabetes haben (BMI 35 oder Schwangerschaftsdiabetes in der Vorgeschichte) (4, 5).

Bei fettleibigen Patienten können Pharmakotherapie zur Gewichtsabnahme, medizinische Geräte oder chirurgische Eingriffe zur Gewichtsabnahme als Ergänzung zu Diät und körperlicher Bewegung eingesetzt werden (siehe Gewichtsabnahme bei Diabetes). Die metabolische Chirurgie (bariatrische Chirurgie) senkt nachweislich das Risiko der Progression zu Diabetes (6).

Literatur zu Screening und Prävention

  1. 1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S27-S49. doi:10.2337/dc25-S002

  2. 2. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 3. Prevention or Delay of Diabetes and Associated Comorbidities: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S50-S58. doi:10.2337/dc25-S003

  3. 3. Wang W, Wei R, Huang Z, Luo J, Pan Q, Guo L. Effects of treatment with Glucagon-like peptide-1 receptor agonist on prediabetes with overweight/obesity: A systematic review and meta-analysis. Diabetes Metab Res Rev. 2023;39(7):e3680. doi:10.1002/dmrr.3680

  4. 4. Hostalek U, Gwilt M, Hildemann S. Therapeutic Use of Metformin in Prediabetes and Diabetes Prevention. Drugs. 2015;75(10):1071-1094. doi:10.1007/s40265-015-0416-8

  5. 5. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 1. Improving Care and Promoting Health in Populations: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S14-S26. doi:10.2337/dc25-S001

  6. 6. Mechanick JI, Apovian C, Brethauer S, et al. Clinical Practice Guidelines for the Perioperative Nutrition, Metabolic, and Nonsurgical Support of Patients Undergoing Bariatric Procedures - 2019 Update: Cosponsored by American Association of Clinical Endocrinologists/American College of Endocrinology, The Obesity Society, American Society for Metabolic and Bariatric Surgery, Obesity Medicine Association, and American Society of Anesthesiologists. Obesity (Silver Spring). 2020;28(4):O1-O58. doi:10.1002/oby.22719

Symptome und Anzeichen von Typ-2-Diabetes mellitus

Die milde Hyperglykämie des Frühdiabetes ist häufig asymptomatisch; daher kann die Diagnose viele Jahre lang hinausgezögert werden, wenn keine Routineuntersuchung durchgeführt wird.

Sobald symptomatisch, sind die häufigsten Symptome des Diabetes mellitus diejenigen der Hyperglykämie. Eine schwerere Hyperglykämie verursacht Glykosurie und dadurch eine osmotische Diurese, die zu häufigem Wasserlassen, Polyurie und Polydipsie führen kann, was wiederum in Dehydratation und orthostatischer Hypotension enden kann. Schwere Dehydratation führt zu Schwäche, Müdigkeit und zu Veränderungen des Bewusstseinszustands. Je nach Plasmaglukosespiegel kommen und gehen die Symptome.

Eine Polyphagie kann begleitend zu den Symptomen der Hyperglykämie auftreten, ist aber kein typisches Symptom, über das sich Patienten beklagen. Eine Hyperglykämie kann auch einen Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen, eine Einschränkung der Sehschärfe sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen durch Bakterien und Pilze verursachen.

Dermatologische Anzeichen der Insulinresistenz
Acanthosis nigricans

Bei Acanthosis nigricans kommt es zu einer Verdickung der Haut und zu Pigmentflecken, die sich meist in den Achselhöhlen und im Nacken entwickeln (oben); bei dunkelhäutigen Menschen kann die Haut lederartig aussehen (unten). Meistens handelt es sich dabei um eine Hautmanifestation bei eingeschränkter Glukosetoleranz, aber es kann auch auf innere Krebserkrankungen hinweisen, insbesondere wenn der Beginn rasch ist und die Verteilung weit verbreitet ist.

Bei Acanthosis nigricans kommt es zu einer Verdickung der Haut und zu Pigmentflecken, die sich meist in den Achselhöhl

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Fotos zur Verfügung gestellt von Dr. Thomas Habif.

Acanthosis nigricans (Ellenbogenfalte)

Dieses Foto zeigt Acanthosis nigricans (hyperpigmentierte Haut) in der Ellenbeuge aufgrund von Insulinresistenz.

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RICHARD USATINE MD / SCIENCE PHOTO LIBRARY

Acanthosis Nigricans (Hautanhängsel)

Dieses Foto zeigt Acanthosis nigricans (hyperpigmentierte Haut) und mehrere Hautanhängsel aufgrund von Insulinresistenz.

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RICHARD USATINE MD / SCIENCE PHOTO LIBRARY

Bei einigen Patienten sind die ersten Symptome die von diabetischen Langzeitkomplikationen, was vermuten lässt, dass die Krankheit schon eine Weile bestand. Bei einigen Patienten tritt initial ein hyperosmolarer hyperglykämischer Zustand auf, besonders in Phasen von Stress oder wenn der Glukosestoffwechsel durch Medikamente, wie z. B. Glukokortikoide, weiter eingeschränkt wird.

Neben den Symptomen einer Hyperglykämie leiden Menschen mit Typ-2-Diabetes häufig unter Übergewicht oder Adipositas sowie unter Anzeichen einer Insulinresistenz (z. B. Acanthosis nigricans, Hautanhängsel).

Diagnose von Typ-2-Diabetes mellitus

  • Nüchternplasmaglukose, glykiertes Hämoglobin (HbA1c) oder oraler Glukosetoleranztest

Die Diagnose von Diabetes mellitus selbst wird auf der Grundlage eines anomalen Nüchternplasmaglukosewerts, des glykosylierten Hämoglobins (HbA1c), eines gestörten oralen Glukosetoleranztests oder – beim Vorliegen bestimmter Symptome – eines erhöhten Zufallsglukosewerts gestellt. (Siehe Diagnose von Diabetes mellitus und Tabelle für weitere Details.)

Sobald Diabetes diagnostiziert wurde, kann er als Typ-2-Diabetes eingestuft werden, wenn Anzeichen einer Insulinresistenz und einer relativ unzureichenden Insulinsekretion vorliegen, ohne dass Hinweise auf autoimmune Ursachen bestehen. Das Alter und die Art der Präsentation können ebenfalls Aufschluss über die Einstufung des Diabetes des Patienten geben; typischerweise tritt die Erkrankung hier im höheren Alter auf als beim Typ-1-Diabetes und geht mit Adipositas einher (1). Es ist jedoch zu beachten, dass Kinder ebenfalls einen Typ-2-Diabetes entwickeln können und dies auch tun, sodass das Alter allein kein zuverlässiger Unterscheidungsfaktor ist. (Siehe Tabelle für weitere Details.)

Prädiabetes wird diagnostiziert, wenn die Glukosewerte zwischen dem Normalbereich und dem für Diabetes diagnostischen Bereich liegen (siehe Tabelle ). Er wird gelegentlich als Vorläufer oder Übergangsstadium vor der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes betrachtet. Erist bereits ein wichtiger Risikofaktor für Diabetes. Er kann viele Jahre vor dem eigentlichen Beginn des Diabetes bestehen. Er ist assoziiert mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Mortalität und mikrovaskuläre Komplikationen des Diabetes (Retinopathie bei etwa 8%, periphere Neuropathie bei 7 bis 16% und chronische Nierenerkrankung bei etwa 10%) (2).

Literatur zur Diagnose

  1. 1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1Suppl 1):S27-S49. doi:10.2337/dc25-S002

  2. 2. Echouffo-Tcheugui JB, Perreault L, Ji L, Dagogo-Jack S. Diagnosis and Management of Prediabetes: A Review. JAMA. 2023;329(14):1206-1216. doi:10.1001/jama.2023.4063

Behandlung von Typ-2-Diabetes mellitus

  • Aufklärung

  • Ernährung und Bewegung

  • Gewichtsverlust

  • Häufig orale Antihyperglykämika (Metformin, Natrium-Glukose-Kotransporter-2-[SGLT2]-Inhibitoren)

  • Häufig nicht-Insulin-basierte injizierbare Medikamente (Rezeptoragonisten des Glukagon-ähnlichen Peptids-1 [GLP-1] und duale Rezeptoragonisten des glukoseabhängigen insulinotropen Polypeptids [GIP]/GLP-1)

  • In manchen Fällen Insulin

  • Um Komplikationen zu verhindern, oft Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Blocker (Hemmer des Angiotensin-konvertierenden Enzyms [ACE] oder Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker [ARB]), Aspirin und/oder Statine

Schlüsselelemente der Behandlung für alle Patienten sind Patientenaufklärung, Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme und Überwachung der Blutzuckerkontrolle. Einige Patienten mit Typ-2-Diabetes können in der Lage sein, eine medikamentöse Behandlung zu vermeiden oder einzustellen, wenn sie in der Lage sind, die Plasmaglukosespiegel durch Diät und Sport allein aufrechtzuerhalten. Für eine detaillierte Diskussion siehe Medikamentöse Behandlung von Diabetes mellitus.

Diabetesschulung

Eine formelle Diabetesschulung (Diabetes-Selbstmanagement-Schulung und -Unterstützung oder DSMES), die in der Regel von Diabetesfachkräften und Ernährungsberatern durchgeführt wird, ist oft sehr wirksam und nachweislich geeignet, die Diabetes-Ergebnisse zu verbessern (1, 2, 3, 4). Aufklärung wird bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes als ebenso wichtig wie pharmakologische Therapie angesehen. Die Aufklärung sollte Informationen über Folgendes umfassen:

  • Ursachen von Diabetes

  • Ernährung

  • Körperliche Betätigung

  • Medikamentöse Therapie, einschließlich Insulin, wenn angemessen

  • Selbstkontrolle mit Fingerstick-Tests oder kontinuierliche Glukoseüberwachung

  • Überwachung von HbA1C

  • Symptome und Anzeichen von Hypoglykämie, Hyperglykämie und diabetischen Komplikationen

Auf die Bedeutung der Gesundheitserziehung hinsichtlich des DM sollte bei jedem Arzt- oder Krankenhausbesuch des Patienten nochmals hingewiesen werden.

Ernährung

Eine individualisierte medizinische Ernährungstherapie mit einem Ernährungsberater sollte die ärztliche Beratung und Diabetesschulung ergänzen; der Patient und alle Personen, die die Mahlzeiten für den Patienten zubereiten, sollten anwesend sein (1).

Die Patienten sollten dazu angeleitet werden, sich eher mit vollwertigen als mit verarbeiteten Lebensmitteln zu ernähren. Die Kohlenhydrate sollten von hoher Qualität sein, ausreichend Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe enthalten und wenig zugesetzten Zucker, Fett und Natrium aufweisen.

Es gibt keine konkreten Empfehlungen dazu, wie viel Prozent der Kalorien aus Kohlenhydraten, Eiweiß oder Fett stammen sollten. Eine an die individuellen Umstände angepasste Ernährung kann Patienten dabei helfen, Schwankungen ihres Blutzuckerspiegels zu kontrollieren. Die Ernährungsberatung sollte individuell auf das Alter, die Körpergröße, den Aktivitätsgrad, den Geschmack, die Vorlieben, den kulturellen Hintergrund und die Ziele des Patienten abgestimmt sein und so gestaltet werden, dass sie den Anforderungen aufgrund von Begleiterkrankungen gerecht wird. 

Falls angemessen, sollten Patienten in der Anwendung der Kohlenhydrataufnahme („Zählen" von Kohlenhydraten) zur Steuerung der Bolus-Insulindosierung geschult werden. Das Konzept des glykämischen Index (ein Maß für den Einfluss eines aufgenommenen kohlenhydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutglukosespiegel) kann auch für das allgemeine Ernährungsmanagement nützlich sein (1).

Körperliche Betätigung

Die körperliche Aktivität sollte schrittweise erhöht werden, um ein für den Patienten angemessenes Leistungsniveau zu erreichen. Sowohl die aerobe Übung als auch die Widerstandsübung haben gezeigt, dass sie die glykämische Kontrolle bei Typ-2-Diabetes verbessern, und mehrere Studien haben gezeigt, dass eine Kombination aus Widerstand und aerober Übung beiden allein überlegen ist (5, 6, 7). Erwachsene mit Diabetes und ohne körperliche Einschränkungen sollten sich mindestens 150 Minuten pro Woche (verteilt auf mindestens 3 Tage) bewegen (1). Bewegung hat einen variablen kurzfristigen Effekt auf den Blutzucker, abhängig vom Zeitpunkt der Bewegung im Verhältnis zu den Mahlzeiten sowie von der Dauer, Intensität und Art der Bewegung.

Patienten mit bekannter oder vermuteter kardiovaskulärer Erkrankung können von einer Beurteilung vor körperlicher Belastung profitieren, möglicherweise einschließlich Belastungs-EKG vor Beginn eines Übungsprogramms (1). Aktivitätsziele müssen möglicherweise für Patienten mit Diabeteskomplikationen wie Neuropathie und Retinopathie modifiziert werden.

Gewichtsverlust

Bei Menschen mit Diabetes und Adipositas sollten Ärzte Antihyperglykämika verschreiben, die eine Gewichtsabnahme fördern (z. B. GLP-1-Rezeptor-Agonisten, SGLT-2-Inhibitoren oder ein dualer GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist) oder nach Möglichkeit gewichtsneutral sind (z. B. Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren, Metformin) (für Details siehe Medikamentöse Behandlung von Diabetes mellitus). Spezifische GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid und Liraglutid) und ein dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist (Tirzepatid), die in höheren Dosen zur Gewichtsabnahme eingesetzt werden, sind mit signifikantem Gewichtsverlust verbunden, selbst in den zur Diabetesbehandlung verwendeten Dosen (2, 8).

Andere Medikamente zur Gewichtsreduktion wie Orlistat, Phentermin/Topiramat und Naltrexon/Bupropion können bei ausgewählten Patienten im Rahmen eines umfassenden Gewichtsreduktionsprogramms sinnvoll sein (8). Orlistat, ein intestinaler Lipaseinhibitor, vermindert die Fettaufnahme mit der Nahrung, reduziert die Serumlipide und unterstützt eine Gewichtsabnahme. Phentermin/Topiramat ist ein Kombinationspräparat, das den Appetit über mehrere Mechanismen im Gehirn verringert. Diese Medikamente sind hinsichtlich der Gewichtsabnahme weniger wirksam als GLP-1-Rezeptoragonisten oder Tirzepatid, können jedoch in Betracht gezogen werden, wenn bei wirksameren Optionen Kontraindikationen vorliegen oder diese schlecht vertragen werden.

Ein orales Hydrogel, das Zellulose und Zitronensäure enthält und die Patienten dazu bringt, sich satt zu fühlen und weniger zu essen, kann bei Patienten mit Prädiabetes und Diabetes mäßigen Gewichtsverlust induzieren (9).

Medizinische Geräte zur Gewichtsreduktion, wie implantierte Magenballons, ein Vagusnervstimulator und eine Magenaspirationstherapie, sind ebenfalls verfügbar, werden aber nur begrenzt eingesetzt.

Eine metabolische Chirurgie, wie z. B. eine Sleeve-Gastrektomie oder ein Magenbypass, führt ebenfalls zu einer Gewichtsabnahme und einer Verbesserung der Blutzuckereinstellung (unabhängig von der Gewichtsabnahme) sowie zu einer Verringerung des kardiovaskulären Risikos bei Patienten mit Diabetes mellitus und sollte bei entsprechend ausgewählten Patienten empfohlen werden (8). Die Erwägung einer metabolischen Chirurgie wird insbesondere bei Patienten mit Diabetes und einem Body‑Mass‑Index ≥ 30 kg/m2 empfohlen. Ein rascher Gewichtsverlust infolge einer Pharmakotherapie mit GLP‑1‑Rezeptoragonisten oder nach bariatrischer Chirurgie kann zu Mangelernährung (Unterernährung) oder Sarkopenie führen. Eine Ernährung mit ausreichender Proteinzufuhr sowie Kraft‑/Widerstandstraining sollten empfohlen werden; zudem sollten Patienten auf Mikronährstoffmängel untersucht werden.

Pharmakotherapie

(Siehe auch Medikamente zur Behandlung von Diabetes mellitus.)

Zu den Behandlungszielen bei Typ-2-Diabetes gehören die Blutzuckerkontrolle, das Gewichtsmanagement und die Risikoreduktion bei Patienten mit Komorbiditäten wie atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ASCVD), Herzinsuffizienz, chronischer Nierenerkrankung (CKD) und metabolischer Dysfunktion-assoziierter Steatohepatitis. Die Überwachung der Behandlungseffektivität wird an anderer Stelle diskutiert.

(Siehe Gewichtsverlust für eine Diskussion der relevanten Pharmakotherapie.)

Initiale Arzneimittelauswahl

Patienten mit Typ-2-Diabetes und leicht erhöhter Plasmaglukose (HbA1c ungefähr 7,5 %) kann ein Therapieversuch mit Diät und körperlicher Betätigung verordnet werden. Bei Patienten, die auf eine Diät- und Bewegungstherapie nicht ausreichend ansprechen, oder bei Patienten mit einer ausgeprägteren Hyperglykämie ist eine medikamentöse Therapie erforderlich.

Bei Patienten ohne ASCVD, Herzinsuffizienz oder CKD umfasst die Therapieauswahl die Berücksichtigung von unerwünschten Wirkungen, Praktikabilität, Kosten und Patientenpräferenz. Metformin wird aufgrund seines Kosten-Nutzen- und Sicherheitsprofils in der Regel als erstes orales Medikament eingesetzt. GLP-1- oder duale GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten sind eine wirksame Zweitlinientherapie nach Metformin und können wirksamer sein als Insulin; sie können auch als Zusatz zu Insulin verwendet werden (10, 11). Patienten mit Adipositas können auch von der gewichtsreduzierenden Wirkung einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten oder von der Anwendung von Tirzepatid, einem dualen GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten (12), profitieren.

Bei Patienten mit signifikanteren Glukoseerhöhungen bei der Diagnose oder mit HbA1C-Werten, die 1,5 bis 2,0 % über dem Zielwert liegen, sollte eine frühzeitige Kombinationstherapie (Metformin plus ein Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitor, ein GLP-1- oder dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist oder ein SGLT2-Hemmer) und/oder eine Insulintherapie eingeleitet werden. Es gibt Evidenz dafür, dass eine frühzeitige medikamentöse Kombinationstherapie mit Vildagliptin und Metformin zu einer besseren und dauerhafteren Blutzuckerkontrolle führt als ein schrittweises Vorgehen beim Hinzufügen einer Diabetes-Pharmakotherapie (10, 13).

Medikamente bei Patienten mit Begleiterkrankungen

Bei Patienten mit bekannter ASCVD oder mit moderatem oder hohem Risiko für ASCVD (> 3 kardiovaskuläre Risikofaktoren ohne Diabetes) oder mit bekannter CKD wird ein SGLT2-Inhibitor oder ein GLP-1-Rezeptoragonist empfohlen, da diese Medikamentenklassen schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (z. B. Myokardinfarkt, Schlaganfall) und Mortalität verringern (10, 12). Zu den spezifischen kardiovaskulären Risikofaktoren, die für diese Bestimmung herangezogen werden, gehören:

  • Schlechte Blutzuckereinstellung

  • Hypertonie

  • Dyslipidämie

  • Rauchen oder Tabakkonsum

  • Schädlicher Alkoholkonsum

  • Familienanamnese von ASCVD oder CKD

  • Adipositas

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes wird ein Statin für alle Erwachsenen im Alter von 40 bis 75 Jahren, für diejenigen im Alter von 20 bis 39 Jahren mit zusätzlichen Risikofaktoren für ASCVD und für Personen jeden Alters mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) empfohlen (14, 15, 16). Die Intensität der Statintherapie hängt von den spezifischen Risikofaktoren ab. Das Teratogenitätsrisiko sollte bei allen Personen im gebärfähigen Alter berücksichtigt werden.

Aspirin wird für Patienten mit Diabetes und bekannter ASCVD empfohlen (14).

Patienten mit Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz mit reduzierter oder erhaltener Auswurffraktion sollten mit einem SGLT2-Inhibitor behandelt werden. Diejenigen mit symptomatischer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion und Adipositas können auch einen GLP-1-Rezeptoragonisten erhalten (10).

Bei Patienten mit CKD (17, 18) oder Herzinsuffizienz (19) ohne Kontraindikationen werden SGLT2-Hemmer empfohlen, da sie nachweislich das Fortschreiten der Erkrankung und die Mortalität verringern. Bei Patienten mit Diabetes und chronischer Nierenerkrankung (nachgewiesen durch Albuminurie und/oder eine verminderte glomeruläre Filtrationsrate) wird ein ACE-Hemmer oder ein ARB empfohlen; bei Patienten mit Diabetes und Hypertonie stellt dies unabhängig vom Status der chronischen Nierenerkrankung die Erstlinientherapie dar (15). Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) wird ein nichtsteroidaler Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist (z. B. Finerenon) empfohlen, insbesondere bei Patienten mit anhaltender Albuminurie trotz maximaler Therapie mit ACE-Hemmern oder ARB (12).

GLP-1- oder duale GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten und Pioglitazon werden für Patienten mit metabolischer Dysfunktion-assoziierter steatotischer Lebererkrankung oder metabolischer Dysfunktion-assoziierter Steatohepatitis empfohlen (10).

Insulin

Insulin sollte in der Regel bei Patienten mit Anzeichen einer anhaltenden Katabolie (unbeabsichtigter Gewichtsverlust) oder Symptomen einer Hyperglykämie (d. h. Polyurie, Polydipsie) mit HbA1c-Werten > 10 % (86 mmol/mol) und Blutzuckerspiegeln ≥ 300 mg/dL (16,7 mmol/L) in Betracht gezogen werden (10).

Insulin ist auch als Ersttherapie für Patienten mit Typ-2-Diabetes indiziert, die schwanger sind (20), und für Patienten, die eine akute Stoffwechseldekompensation aufweisen, wie z. B. hyperosmolarer hyperglykämischer Zustand oder diabetische Ketoazidose (DKA). Patienten mit schwerer Hyperglykämie sprechen unter Umständen besser auf die Therapie an, nachdem der Blutzuckerspiegel durch eine Insulin-Behandlung normalisiert wurde.

Je nach Patientenbedarf kann Insulin als Basisinsulin (lang- oder intermediärwirksames Insulin), als Bolus-Insulin zu den Mahlzeiten (schnellwirksames Insulin), als Kombination aus Basis- und Bolus-Insulin oder als zweimal täglich verabreichtes, vorgemischtes mittel- und kurz- oder schnellwirksames Insulin verabreicht werden.

Fusspflege

Erwachsene mit Diabetes, einschließlich Typ-2-Diabetes, sollten sich mindestens einmal jährlich einer umfassenden Fußuntersuchung unterziehen (siehe Komplikationen für weitere Details) (21, 22, 23). Personen mit peripherer Neuropathie, einer Vorgeschichte von Ulzera oder Amputationen oder schlecht eingestelltem Blutzucker sollten bei jedem Arztbesuch untersucht werden; bestimmte Leitlinien empfehlen diesen Ansatz für alle Patienten mit Diabetes. Die Beurteilung der Neuropathie umfasst den 10‑g‑Monofilament‑Test sowie Schmerzempfinden, Temperatur‑ und Vibrationsprüfung.

Eine regelmäßige professionelle Fußpflege, bei der die Nägel und eventuelle Schwielen behandelt werden, ist insbesondere für Patienten mit sensorischen Einschränkungen oder Beeinträchtigungen der Zirkulation von Bedeutung. Die Fußnägel sollten bevorzugt durch professionelle Fußpfleger gerade und nicht zu nah an der Haut abgeschnitten werden.

Patienten mit Sensibilitätsverlust oder Durchblutungsstörungen sollten angewiesen werden, ihre Füße täglich auf Risse, Spalten, Schwielen, Hühneraugen und Geschwüre zu untersuchen. Die Füße sollten jeden Tag in lauwarmem Wasser mit einer milden Seife gewaschen und danach vorsichtig und gründlich getrocknet werden. Schmiermittel (z. B. Lanolin) sollte auf trockene, schuppige Haut aufgetragen werden. Nichtmedikamentöse Fußpuder sollten bei feuchten Füßen angewendet werden. Selbstklebende Pflaster und Verbände, aggressive Chemikalien, Hühneraugenpflaster und Elektroden sollten nicht auf der Haut angewendet werden. Die Patienten sollten täglich ihre Socken oder Strümpfe wechseln und keine einengende Kleidung (z. B. Sockenhalter, Socken, Strümpfe mit engen Bündchen) tragen.

Schuhe müssen gut passen, an den Zehen locker sitzen, an Fersen und Zehen geschlossen sein und häufig gewechselt werden. Falls der Fuß deformiert ist (z. B. durch vorausgegangene Zehenamputation, Hammerzehe, entzündete Fußballen), sollten Spezialschuhe zur Traumareduktion verschrieben werden. Barfußlaufen ist zu vermeiden.

Patienten mit neuropathischen Fußulzera sollten idealerweise bis zum Abheilen der Ulzera den Fuß entlasten. Falls dies nicht möglich ist, empfiehlt sich eine angemessene orthetische Versorgung. Debridement und Antibiotika können zu guter Wundheilung führen und können größere Operationen verhindern. Nach der Abheilung des Ulkus müssen passende Einlagen oder Spezialschuhe verschrieben werden. Bei wiederholtem Auftreten, besonders wenn eine Osteomyelitis besteht, muss eine Entfernung des Metatarsalköpfchens (als Quelle des erhöhten Drucks), eine Amputation des betroffenen Zehs oder eine transmetatarsale Amputation durchgeführt werden. Ein neuropathisches Gelenk kann sehr häufig mit orthopädischen Maßnahmen (z. B. durch Fußstützen, an den Fuß angepasste Schuhe, Einlagen, die die Fußsohle unterstützen, Krücken, Prothesen) zufrieden stellend therapiert werden.

Impfungen

Alle Patienten mit Diabetes sollten gemäß den Standardempfehlungen gegen Streptococcus pneumoniae, Influenzavirus, Hepatitis B, Varizellen, Respiratorisches Synzytialvirus und SARS-CoV-2 geimpft werden (24).

Literatur zur Behandlung

Überwachung der Typ-2-Diabetes-Behandlung

HbA1C-Spiegel zeigen die Effektivität der Glukosekontrolle während der letzten 3 Monate und beurteilen so den Zeitraum zwischen zwei Arztbesuchen. HbA1C sollte wenigstens 2-mal jährlich bei Typ-2-Diabetikern, deren Blutglukosespiegel stabil erscheinen, bestimmt werden. Häufigere Bestimmungen sind erforderlich, wenn die Glukosewerte nicht stabil sind. Für die meisten Patienten ist das Ziel ein HbA1C-Wert von < 7%; dieses Ziel sollte jedoch individuell festgelegt werden. Für ältere Erwachsene, Personen mit hohem Hypoglykämierisiko und Personen mit begrenzter Lebenserwartung kann ein HbA1c-Zielwert von < 7,5 bis 8,5 % angemessen sein (1, 2). HbA1c-Testkits für den Heimgebrauch sind erhältlich, werden aber nur selten verwendet.

Die Häufigkeit der Blutzuckermessung zu Hause oder die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Glukoseüberwachung bei Typ-2-Diabetes sollte individuell angepasst werden, abhängig vom Hypoglykämierisiko, der Anwendung von Insulin und der allgemeinen Blutzuckerkontrolle (HbA1c-Wert). Patienten, die mit Insulin behandelt werden, sollten ihren Blutzucker mindestens einmal täglich kontrollieren, und Patienten, die mehrmals täglich Insulin spritzen, sollten nach Möglichkeit eine kontinuierliche Blutzuckermessung durchführen oder mehrmals täglich ihren Blutzucker per Fingerstick kontrollieren, ähnlich wie bei der Überwachung eines Patienten mit Typ-1-Diabetes. Selbst bei Patienten, deren Typ-2-Diabetes ohne Insulin relativ gut eingestellt ist, kann die kontinuierliche Glukoseüberwachung dazu beitragen, Verhaltensänderungen zu fördern, um die Auswirkungen von Ernährungsgewohnheiten und körperlicher Aktivität auf den Blutzuckerspiegel besser zu verstehen.

Literatur zur Überwachung

  1. 1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 6. Glycemic Goals and Hypoglycemia: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S128-S145. doi:10.2337/dc25-S006

  2. 2. Kalyani RR, Neumiller JJ, Maruthur NM, Wexler DJ. Diagnosis and Treatment of Type 2 Diabetes in Adults: A Review. JAMA. Published online June 23, 2025. doi:10.1001/jama.2025.5956

Komplikationen des Typ-2-Diabetes

Die meisten Komplikationen, die bei Patienten mit Typ-2-Diabetes auftreten, sind die allgemein bekannten vaskulären, neurologischen und immunologischen Komplikationen der Diabeteserkrankung; die mit Stoffwechselstörungen einhergehende Lebererkrankung tritt hingegen spezifischer bei Typ-2-Diabetes auf. Es gibt Screeningempfehlungen sowohl für allgemeine als auch für spezifische Komplikationen.

Akute Komplikationen von Typ-1-Diabetes und seiner Behandlung, einschließlich hyperosmolarem hyperglykämischem Zustand und Hypoglykämie, werden an anderer Stelle erörtert.

Siehe Langzeitkomplikationen des Diabetes mellitus für eine detailliertere Darstellung spezifischer Komplikationen.

Komplikationen des Diabetes mellitus allgemein

Chronische Hyperglykämie führt zu Komplikationen, die kleine Gefäße (mikrovaskulär), große Gefäße (makrovaskulär) oder beide betreffen.

Zu den mikrovaskulären Komplikationen gehören Retinopathie, Nephropathie und Neuropathie. Die Neuropathie ist eine heterogene Langzeitkomplikation mit einer multifaktoriellen Pathogenese, zu der toxische Wirkungen von Hyperglykämie und fortgeschrittenen Glykationsendprodukten auf die Nerven sowie eine Ischämie der Nerven infolge mikrovaskulärer Erkrankungen gehören.

Makrovaskuläre Komplikationen umfassen Atherosklerose großer Gefäße, die zu Angina pectoris und Myokardinfarkt, transitorischen ischämischen Attacken und Schlaganfällen sowie peripherer arterieller Verschlusskrankheit führt.

Eine Immunfunktionsstörung ist eine weitere bedeutende Langzeitkomplikation.

Das Risiko für Komplikationen kann durch strenge Blutzuckerkontrolle sowie durch die Behandlung der Hypertonie und die Kontrolle der Lipidspiegel gesenkt werden. Spezifische Maßnahmen zur Verhinderung eines Fortschreitens von Komplikationen nach ihrer Erkennung werden in dem Abschnitt Langzeitkomplikationen besprochen.

Spezifische Komplikationen bei Typ-2-Diabetes

Die Mehrheit, aber nicht alle Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes leiden zudem an einer stoffwechselbedingten steatotischen Lebererkrankung (MASLD), wodurch sie einem Risiko für die Entwicklung einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten Steatohepatitis (MASH) und einer Leberzirrhose ausgesetzt sind (1, 2).

Screening auf Komplikationen bei Typ-2-Diabetes

Erwachsene mit Typ-2-Diabetes sollten auf die folgenden Komplikationen gescreent werden (1, 3, 4, 5):

  • Retinopathie: Umfassende Augenuntersuchung mit Pupillenerweiterung bei Diagnosestellung und dann alle 1 bis 2 Jahre

  • Neuropathie und Fußulzera: Fußuntersuchung mit Beurteilung der Pulse, Reflexe, Temperatur‑ oder Schmerzempfinden, Vibration sowie Monofilament‑Testung bei Diagnosestellung, anschließend jährlich.

  • Nephropathie: Bestimmung des Albumin-Kreatinin‑Quotienten im Spontanurin sowie der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) bei Diagnosestellung, anschließend jährlich

  • Hypertonie: Blutdruckmessung bei jedem Arztbesuch

  • Atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung: Lipidprofil zeitnah nach Diagnosestellung, anschließend jährlich; weitere Screening‑Untersuchungen abhängig von klinischen Anzeichen, Symptomen und zusätzlichen Risikofaktoren

  • Herzinsuffizienz: Erwägen Sie die Messung eines natriuretischen Peptids

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Erwägen Sie den Knöchel-Arm-Index bei Patienten, die ≥ 65 Jahre alt sind und bei denen eine weitere mikrovaskuläre Erkrankung, Fußkomplikationen oder Endorganschäden vorliegen.

  • MASH und Zirrhose: Berechnung des Fibrose-4-(FIB-4-)Index mit Alanin-Aminotransferase (ALT), Aspartat-Aminotransferase (AST) und Thrombozytenzahl

Zusätzliches kardiovaskuläres Screening kann Risikostratifizierung, Elektrokardiographie oder andere Tests umfassen.

Klinischer Rechner

Komplikationen Referenzen

  1. 1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 4. Comprehensive Medical Evaluation and Assessment of Comorbidities: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S59-S85. doi:10.2337/dc25-S004

  2. 2. Targher G, Valenti L, Byrne CD. Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease. N Engl J Med. 2025;393(7):683-698. doi:10.1056/NEJMra2412865

  3. 3. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 10. Cardiovascular Disease and Risk Management: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S207-S238. doi:10.2337/dc25-S010

  4. 4. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 11. Chronic Kidney Disease and Risk Management: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S239-S251. doi:10.2337/dc25-S011

  5. 5. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 12. Retinopathy, Neuropathy, and Foot Care: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S252-S265. doi:10.2337/dc25-S012

Wichtige Punkte

  • Diabetes-Typ-2 verursacht durch hepatische Insulinresistenz (was dazu führt, dass die hepatische Glukoseherstellung nicht unterdrückt werden kann) und die perphere Insulinresistenz (welche die periphere Glukoseaufnahme beeinträchtigt) in Kombination mit einem sekretorischen Defekt der Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse.

  • Die Diagnose wird anhand eines erhöhten Nüchtern-Plasmaglukosespiegels und/oder eines erhöhten Hämoglobin-A1C-Wertes und/oder eines erhöhten 2-Stunden-Wertes beim oralen Glukosetoleranztest gestellt.

  • Führen Sie regelmäßig ein Screening auf Langzeitkomplikationen durch.

  • Zu den microvaskulären Komplikationen gehören Nephropathie, Neuropathie und Retinopathie.

  • Zu den makrovaskulären Komplikationen gehört die Atherosklerose, welche zu koronaren Herzkrankheiten, transitorischen ischämischen Attack/Schlaganfall und peripherer arterieller Insuffizienz führt.

  • Behandeln Sie mit Ernährungsumstellung, körperlicher Aktivität, Gewichtsreduktion, oralen oder injizierbaren Antihyperglykämika sowie gegebenenfalls Insulin.

  • Häufig werden Renin-Angiotensin-Aldosteron-Blocker und Statine verabreicht, um Komplikationen zu verhindern.

Weitere Informationen

Die folgenden englischsprachigen Quellen können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MSD-Manual nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.

  1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care 2025;48(1 Suppl 1):S1-S5. doi:10.2337/dc25-SINT

  2. Endocrine Society: Clinical Practice Guidelines: provides guidelines on evaluation and management of patients with diabetes as well as links to other information for clinicians

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