Periphere Arterielle Verschlusskrankheit

(Periphere Vaskuläre Erkrankung)

VonWilliam Schuyler Jones, MD, Duke University Health System
Reviewed ByJonathan G. Howlett, MD, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Überprüft/überarbeitet Geändert Juli 2025
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Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) wird durch eine Atherosklerose der Extremitäten verursacht, die zu einer beinträchtigten Perfusion und Ischämie führt. Die periphere arterielle Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten kann asymptomatisch verlaufen oder Patienten können atypische Symptome, Claudicatio oder chronische, die Extremitäten gefährdende Ischämie (ischämische Ruheschmerzen, Ulzerationen oder Gewebeverlust und Gangrän) aufweisen. Die Diagnose erfolgt typischerweise anhand der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und der Messung des Knöchel-Arm-Index. Die Behandlung aller Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten umfasst die Modifikation von Risikofaktoren, eine Änderung des Lebensstils, einschließlich Bewegung. Bei Patienten mit symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten werden Thrombozytenaggregationshemmer empfohlen. Bei Patienten mit Claudicatio wird eine Behandlung mit Cilostazol und die Überweisung zu einem betreuten Bewegungstraining empfohlen. Zusätzliche Behandlungen für refraktäre Claudicatio oder chronische, die Extremitäten gefährdende Ischämie umfassen endovaskuläre oder chirurgische Revaskularisation. Bei einigen Patienten mit chronischer, die Extremitäten gefährdender Ischämie ist eine Amputation erforderlich. Die Prognose ist unter Behandlung im Allgemeinen gut, jedoch sind Morbiditäts- und Mortalitätsraten aufgrund Begleiterkrankungen, einschließlich der koronaren Herzkrankheit, hoch.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit der oberen und unteren Extremitäten wird unten besprochen. Andere Gefäßerkrankungen, einschließlich abdominales Aortenaneurysma, thorakales Aortenaneurysma, Aortendissektion, Nierenarterienstenose und -verschluss, fibromuskuläre Dysplasie, mesenteriale Ischämie und ischämischer Schlaganfall infolge einer Karotisstenose werden an anderer Stelle dargestellt.

Ätiologie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

Die weltweite Prävalenz der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) liegt insgesamt zwischen 2 und 6%; nach dem 80. Lebensjahr steigt die Prävalenz auf 15 bis 20% (1, 2, 3).

Die Risikofaktoren sind die gleichen wie bei Atherosklerose (4, 5):

  • Zigarettenrauchen (einschließlich Passivrauchen) oder andere Formen des Tabakkonsums

  • Diabetes

  • Dyslipidämie (hohes LDL-Cholesterin, niedriges HDL-Cholesterin)

  • Atherosklerose in der Familienanamnese

  • Hoher Homocysteinspiegel

  • Hypertonie

  • Mit zunehmendem Alter

  • Männliches Geschlecht

  • Adipositas

Die Arteriosklerose ist eine systemische Erkrankung; die Mehrheit der Patienten mit einer pAVK leidet auch an klinisch signifikanter koronarer Herzkrankheit (KHK) oder zerebrovaskulärer Erkrankung (6).

Literatur zur Ätiologie

  1. 1. Aday AW, Matsushita K. Epidemiology of Peripheral Artery Disease and Polyvascular Disease. Circ Res 2021;128(12):1818-1832. doi:10.1161/CIRCRESAHA.121.318535

  2. 2. GBD 2019 Peripheral Artery Disease Collaborators. Global burden of peripheral artery disease and its risk factors, 1990-2019: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2019. Lancet Glob Health 2023;11(10):e1553-e1565. doi:10.1016/S2214-109X(23)00355-8

  3. 3. Polonsky TS, McDermott MM. Lower Extremity Peripheral Artery Disease Without Chronic Limb-Threatening Ischemia: A Review. JAMA 2021;325(21):2188-2198. doi:10.1001/jama.2021.2126

  4. 4. Gornik HL, Aronow HD, Goodney PP, et al. 2024 ACC/AHA/AACVPR/APMA/ABC/SCAI/SVM/SVN/SVS/SIR/VESS Guideline for the Management of Lower Extremity Peripheral Artery Disease: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Joint Committee on Clinical Practice Guidelines [published correction appears in Circulation 2025 Apr 8;151(14):e918. doi: 10.1161/CIR.0000000000001329]. Circulation 2024;149(24):e1313-e1410. doi:10.1161/CIR.0000000000001251

  5. 5. Mazzolai L, Teixido-Tura G, Lanzi S, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of peripheral arterial and aortic diseases. Eur Heart J 2024;45(36):3538-3700. doi:10.1093/eurheartj/ehae179

  6. 6. Kullo IJ, Rooke TW. CLINICAL PRACTICE. Peripheral Artery Disease. N Engl J Med 2016;374(9):861-871. doi:10.1056/NEJMcp1507631

Symptome und Beschwerden der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit kann in vier Untergruppen eingeteilt werden: asymptomatisch, chronisch symptomatisch, chronische gliedmaßenbedrohende Ischämie (CLTI) und akute Extremitätenischämie (ALI) (1). Symptome einer obliterierenden peripheren arteriellen Verschlusskrankheit treten möglicherweise erst auf, wenn der Lumendurchmesser um 50 bis 70% verengt ist, je nach Arterie und Patient. Mehr als 20% der Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit haben keine Symptome, und fast der gleiche Prozentsatz der Patienten weist atypische Symptome auf (z. B. unspezifische Belastungsintoleranz, Hüft- oder andere Gelenkschmerzen) (1).

Patienten mit asymptomatischer PAVK können funktionelle Beeinträchtigungen sowie Symptome aufweisen, die während objektiver Gehtests sichtbar werden (obwohl sie im Alltag keine Belastungssymptome zeigen) (1).

Die intermittierende Claudicatio ist die typische Manifestation der chronisch-symptomatischen pAVK. Intermittierende Claudicatio ist ein schmerzhaftes, schmerzendes, krampfartiges, unangenehmes oder müdes Gefühl in den Beinen, das beim Gehen auftritt und durch Ruhe gelindert wird (1). Die Claudicatio entsteht üblicherweise in den Unterschenkeln, kann aber auch in den Füßen, den Oberschenkeln, den Hüften, im Gesäß oder selten in den Armen auftreten. Die Claudicatio ist eine Manifestation einer reversiblen, belastungsinduzierten Ischämie und wird typischerweise durch Ruhe gelindert. Bei leichter Claudicatio sind Patienten in der Lage, körperliche Aktivitäten mit wenigen Einschränkungen auszuüben. Wenn die pAVK fortschreitet, kann die Strecke, die ohne Symptome zurückgelegt werden kann, abnehmen.

Patienten mit chronisch extremitätenbedrohender Ischämie können ischämische Ruheschmerzen verspüren, die in der Regel distal stärker ausgeprägt sind, sich durch Hochlagerung des Beins verschlimmern (was häufig nächtliche Schmerzen verursacht) und sich bessern, wenn das Bein unterhalb des Herzniveaus positioniert wird (1). Der Schmerz kann als brennend, als Engegefühl oder als dumpfer Schmerz beschrieben werden, wobei dieser Befund unspezifisch ist. Wenn sich der Fuß unterhalb des Herzniveaus befindet, kann er dunkelrot oder dunkler als gewöhnlich erscheinen (dies wird als abhängige Rötung bezeichnet). Bei manchen Patienten führt das Heben des Fußes zu einem Verlust der Farbe und verstärkt die Schmerzen; wenn der Fuß dann abgesenkt wird, ist die venöse Füllung verlängert (> 15 Sekunden). Ein Ödem ist üblicherweise nicht vorhanden, es sei denn der Patient hat den Fuß nicht bewegt und in einer herunterhängenden Position belassen, damit der Schmerz nachlässt. Patienten mit chronischer pAVK können dünne, blasse (atrophische) Haut mit Ausdünnung der Haare oder Haarverlust ausweisen. Die distalen Beine und Füße können sich kalt anfühlen, das betroffene Bein kann exzessiv schwitzen und zyanotisch werden, wahrscheinlich aufgrund einer Überaktivität des Sympathikus.

Ein plötzlicher, vollständiger Verschluss wird im Abschnitt Akute Extremitätenischämie besprochen.

Wenn die Ischämie zunimmt, können ischämische Ulzera auftreten (typischerweise an den Zehen oder an den Fersen, gelegentlich an den Beinen oder Füßen), v. a. nach einem lokalen Trauma. Die Ulzera neigen dazu von schwarzem, nekrotischem Gewebe umgeben zu sein (trockene Gangrän). In der Regel sind sie schmerzhaft, aber Patienten mit peripherer Neuropathie (z. B. aufgrund von Diabetes mellitus oder einer Alkoholkonsumstörung) spüren sie möglicherweise nicht. Infektionen ischämischer Ulzera (feuchte Gangrän) treten häufig auf und führen typischerweise zu einer rasch fortschreitenden Zellulitis.

Die Höhe des arteriellen Verschlusses beeinflusst die Lokalisation der Symptome. Die aortoiliakale pAVK kann eine Claudicatio von Gesäß, Hüfte, Oberschenkel und Unterschenkel, Hüftschmerz und bei Männern eine erektile Dysfunktion (Leriche-Syndrom) hervorrufen. Bei femoropoplitealer pAVK tritt die Claudicatio typischerweise im Unterschenkel auf; die Pulse unterhalb der A. femoralis sind schwach oder fehlen. Bei der pAVK der weiter distalen Arterien können die femoropoplitealen Pulse vorhanden sein, aber die Fußpulse fehlen. Patienten mit chronischer, die Extremitäten gefährdender Ischämie leiden in der Regel an einer multisegmentalen Erkrankung (z. B. aortoiliakale, femoropopliteale und tibiale Verschlüsse).

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit betrifft gelegentlich die Arme, insbesondere die linke proximale A. subclavia, was Armermüdung bei Belastung und gelegentlich Embolien in die Hände verursacht.

Hinweise auf Symptome und Zeichen

  1. 1. Gornik HL, Aronow HD, Goodney PP, et al. 2024 ACC/AHA/AACVPR/APMA/ABC/SCAI/SVM/SVN/SVS/SIR/VESS Guideline for the Management of Lower Extremity Peripheral Artery Disease: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Joint Committee on Clinical Practice Guidelines [published correction appears in Circulation 2025 Apr 8;151(14):e918. doi: 10.1161/CIR.0000000000001329]. Circulation 2024;149(24):e1313-e1410. doi:10.1161/CIR.0000000000001251

Diagnose der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

  • Knöchel-Arm-Index

  • Ultraschall

  • Angiographie (beinhaltet Magnetresonanzangiographie, CT-Angiographie oder invasive Angiographie)

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit wird unterdiagnostiziert, da viele Patienten atypische Symptome haben oder nicht aktiv genug sind, um Symptome aufzuweisen. Die Spinalkanalstenose kann auch zu Beinschmerzen beim Gehen führen, kann aber dadurch unterschieden werden, dass der Schmerz (Pseudoclaudicatio oder Claudicatio spinalis genannt) im Sitzen und nicht nur bei nachlassender Belastung nachlässt und die distalen Pulse vorhanden bleiben.

Die Diagnose wird durch nichtinvasive Untersuchungen bestätigt. Zunächst wird der systolische Blutdruck an beiden Armen und Knöcheln mit Doppler-Sonden und einer manuellen Blutdruckmanschette gemessen. Segmentale Blutdruckmessungen werden häufig genutzt, da die Untersuchungen von Druckgradienten und Pulswellenformen helfen können eine isolierte aortoiliakale pAVK von einer femoropoplitealen pAVK und einer unterhalb des Knies gelegenen pAVK zu unterscheiden.

Der Knöchel-Arm-Index (ABI) ist das Verhältnis des höchsten systolischen Blutdrucks am Knöchel (rechts und links) zum höchsten systolischen Blutdruck am Arm. Ein niedriger ( 0,90) Knöchel-Arm-Index ist diagnostisch für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten, ein Wert von 0,91 bis 0,99 ist grenzwertig (1).

Wenn der Index normal (1,00 bis 1,40) oder grenzwertig (0,91 bis 0,99) ist, aber der Verdacht auf eine pAVK weiterhin hoch ist, kann der ABI unter Belastung mit Laufband oder Knöchellift gemessen werden. Nach körperlicher Belastung ist ein Rückgang des ABI um 20% diagnostisch für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) der unteren Extremitäten. Ein hoher Ruhe-ABI-Index (> 1,40) kann nichtkompressible Beingefäße anzeigen (wie sie bei einer Mönckeberg-Arteriosklerose mit Kalzifikation der Arterienwand auftreten).

Wenn der Index > 1,40 beträgt, aber der Verdacht auf pAVK weiterhin hoch ist, werden Zehen-Arm-Index und Zehendruckmessungen durchgeführt, um auf arterielle Stenosen oder Verschlüsse zu prüfen. Ischämische Läsionen heilen wahrscheinlich nicht, wenn der systolische Blutdruck in den Zehen < 30 mmHg beträgt, während eine Heilung als wahrscheinlich gilt, wenn der Zehendruck > 60 mmHg liegt.

Die pAVK der unteren Extremitäten und die Wahrscheinlichkeit einer Ulkusheilung können auch mittels transkutaner Oxymetrie (TcO2) beurteilt werden. Ein TcO2-Wert < 40 mmHg (5,32 kPa) ist prädiktiv für schlechte Heilung; und ein Wert < 20 mmHg (2,66 kPa) entspricht der chronischen extremitätenbedrohenden Ischämie.

Die Angiographie liefert Details über die Lage und das Ausmaß der arteriellen Stenosen oder Verschlüsse; sie ist eine Voraussetzung für endovaskuläre und/oder chirurgische Revaskularisierungsverfahren. Sie ist kein Ersatz für nichtinvasive Untersuchungen, da sie keine Informationen über die funktionelle Relevanz der pathologischen Befunde gibt. Arterielle Duplexsonographie, Magnetresonanzangiographie und CT-Angiographie sind nichtinvasive Untersuchungsmethoden, die die Planung einer invasiven Angiographie erleichtern und bei der Planung einer Revaskularisierung helfen können (1, 2).

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Gornik HL, Aronow HD, Goodney PP, et al. 2024 ACC/AHA/AACVPR/APMA/ABC/SCAI/SVM/SVN/SVS/SIR/VESS Guideline for the Management of Lower Extremity Peripheral Artery Disease: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Joint Committee on Clinical Practice Guidelines [published correction appears in Circulation 2025 Apr 8;151(14):e918. doi: 10.1161/CIR.0000000000001329]. Circulation 2024;149(24):e1313-e1410. doi:10.1161/CIR.0000000000001251

  2. 2. Mazzolai L, Teixido-Tura G, Lanzi S, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of peripheral arterial and aortic diseases. Eur Heart J 2024;45(36):3538-3700. doi:10.1093/eurheartj/ehae179

Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

  • Risikofaktorenmanagement (z. B. Diabetes, Dyslipidämie, Hypertonie)

  • Lebensstil-Modifikation (z.B. Bewegung, Raucherentwöhnung, Gewichtsmanagement)

  • Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer

  • Cilostazol bei Claudicatio

  • Antihypertensive Therapie mit Angiotensin-Converting-Enzym (ACE)-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorblockern (ARB)

  • Endovaskuläre oder chirurgische Revaskularisation bei symptomatischer Erkrankung

Vorsorge

Alle Patienten benötigen eine konsequente Lebensstil- und Risikofaktorenmodifikation zur Linderung der Symptome der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen, einschließlich:

  • Raucherentwöhnung, die unerlässlich ist

  • Kontrolle von Diabetes, Dyslipidämie und Hypertonie

  • Strukturierte Bewegungstherapie

  • Ernährungsumstellung

Sowohl überwachtes als auch zu Hause durchgeführtes Bewegungstraining wird für Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) der unteren Extremitäten empfohlen (1, 2). Etwa 30 bis 60 Minuten Laufband- oder Bahngehen in einem Muster aus Belastung–Pause–Belastung werden mindestens dreimal pro Woche empfohlen. Betreute Übungsprogramme sind wahrscheinlich häuslichen Übungsprogrammen überlegen. Die Betätigung kann die symptomfreie Gehstrecke erhöhen und die Lebensqualität verbessern. Die Mechanismen schließen wahrscheinlich eine verstärkte Kollateralisierung, eine verbesserte Endothelfunktion mit mikrovaskulärer Vasodilation, eine verminderte Blutviskosität, eine verbesserte Filtrierbarkeit der Erythrozythen, eine verminderte ischämieinduzierte Entzündung und eine verbesserte Sauerstoffextraktion ein.

Präventive Fußpflege ist entscheidend, besonders für Patienten mit Diabetes mellitus. Dazu gehören die tägliche Inspektion der Füße auf Verletzungen und Hautschäden, die Behandlung von Schwielen und Hühneraugen durch einen Podologen, das tägliche Waschen der Füße mit lauwarmem Wasser und milder Seife, gefolgt von sorgfältigem und sanftem Abtrocknen, sowie die Vermeidung thermischer, chemischer und mechanischer Verletzungen, insbesondere durch schlecht sitzendes Schuhwerk. Die Behandlung von Fußgeschwüren wird an anderer Stelle diskutiert.

Pharmakotherapie

Statine, ACE-Hemmer oder ARB sowie Aspirin werden verabreicht, um das Risiko von kardiovaskulären Ereignissen zu senken (siehe Behandlung von Atherosklerose).

Eine Thrombozytenaggregationshemmende Monotherapie wird für alle Patienten mit symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten empfohlen (3, 4). Thrombozytenfunktionshemmer können bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit die Symptome mildern und die Gehstrecke verlängern; noch wichtiger ist, dass diese Medikamente die Atherogenese modifizieren und akute Koronarsyndrome und transiente ischämische Attacken verhindern helfen. Zu den Optionen für Patienten mit symptomatischer pAVK gehören Aspirin oder Clopidogrel oral. Randomisierte Studien haben gezeigt, dass die Kombination von Rivaroxaban und Aspirin kardiovaskuläre Ereignisse, Todesfälle, sowie schwerwiegende unerwünschte Ereignisse an den Extremitäten, einschließlich Amputationen, reduziert hat (5, 6). Einige Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Kombination von Aspirin plus Rivaroxaban 2,5 mg oral 2-mal täglich auch das Blutungsrisiko erhöht (7).

Oral eingenommenes Cilostazol kann zur Linderung der Claudicatio intermittens eingesetzt werden, indem es die Durchblutung verbessert und die Gewebeoxygenierung in den betroffenen Bereichen fördert; jedoch ist Cilostazol kein Ersatz für die Modifikation von Risikofaktoren und körperliche Betätigung. Die häufigsten Nebenwirkungen von Cilostazol sind Kopfschmerzen und Diarrhoe. Cilostazol ist bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz kontraindiziert.

ACE-Hemmer und ARBs haben mehrere positive Effekte. Sie wirken antiatherogen und sind starke Vasodilatatoren. Bei Patienten, die sich wegen einer chronischen Ischämie der Gliedmaßen einem vaskulären Eingriff unterziehen mussten, war das amputationsfreie und das Gesamtüberleben bei Patienten, die ACE-Hemmer oder ARBs erhielten, besser (8). Betablocker sind auch bei Patienten mit pAVK der unteren Extremitäten sicher (3).

Andere Medikamente, die eine Claudicatio lindern könnten, werden untersucht, sind aber in den Vereinigten Staaten nicht verfügbar; zu ihnen gehören L-Arginin (der Vorläufer des endothelabhängigen Vasodilatators), Stickstoffmonoxid, gefäßerweiternde Prostaglandine, Chelat-Therapie und angiogene Wachstumsfaktoren (z. B. Vascular Endothelial Growth Factor [VEGF], basischer Fibroblasten-Wachstumsfaktor [bFGF]) (4, 9).

Endovaskuläre Revaskularisierung

Die endovaskuläre Revaskularisation hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Der Einsatz mehrerer Verfahren bei der endovaskulären Revaskularisation, darunter die perkutane transluminale Angioplastie (PTA), die Atherektomie und/oder die Stentimplantation, verbessert nachweislich die Haltbarkeit sowie die mittel- und langfristigen klinischen Ergebnisse. Der Erfolg bei Patienten, die sich einer endovaskulären Revaskularisation unterziehen, ist sehr hoch (Verfahrenserfolg > 90%, 3-Jahres-Durchgängigkeit 58 bis 82% abhängig von Art und Lage des Stents) (10, 11). Mehr als 80% aller Patienten, die sich einer Revaskularisation unterziehen, erhalten als Erstbehandlung eine endovaskuläre Revaskularisation (12).

Indikationen für eine endovaskuläre Revaskularisierung umfassen:

  • Eine Claudicatio intermittens, die die täglichen Aktivitäten einschränkt und weder auf die Modifikation der Risikofaktoren noch auf nichtinvasive Behandlungen anspricht.

  • Ruheschmerzen

  • Ischämische Ulzeration oder Gewebeverlust

  • Gangrän

Zu den Komplikationen der endovaskulären Revaskularisation zählen Thrombosen an der Dilatationsstelle, distale Embolien, Gefäßdissektionen, Gefäßperforationen und Blutungskomplikationen.

Studien haben ähnliche Extremitätenerhaltungsraten bei Patienten gezeigt, die sich einer endovaskulären und chirurgischen Revaskularisation unterzogen haben (13, 14). Vor der Entscheidung für eine endovaskuläre oder chirurgische Revaskularisation sollten die Präferenzen und Risiken des Patienten berücksichtigt werden.

Chirurgische Revaskularisierung

Eine chirurgische Revaskularisierung ist bei Patienten indiziert:

  • Die eine größere Gefäßoperation sicher tolerieren können

  • Mit akuter Extremitätenischämie

  • Mit chronischer extremitätenbedrohender Ischämie

  • Mit symptomatischer intermittierender Claudicatio, die nicht auf nichtinvasive Behandlungen anspricht (z. B. ähnlich wie bei den Indikationen für eine endovaskuläre Revaskularisation)

Das Ziel ist, Symptome zu lindern, Gewebeverlust zu verhindern oder zu verringern und Amputationen zu vermeiden. Obwohl bei einigen Patienten ein hohes Risiko für ein akutes Koronarsyndrom und andere Komplikationen einer chirurgischen Revaskularisation besteht, wird die empirische Anwendung einer Koronarrevaskularisation vor einer Gefäßoperation nicht empfohlen.

Die Thrombendarteriektomie (die chirurgische Entfernung eines Gefäßverschlusses) wird für kurze, lokalisierte Läsionen in den aortoiliakalen Gefäßen, der A. femoralis communis und/oder der A. femoralis profunda durchgeführt.

Der Bypass der unteren Extremität (z. B. femoropopliteale Bypass-Operation) verwendet synthetische oder natürliche Materialien (häufig die V. saphena magna oder eine andere Vene), um verschlossene Läsionen zu überbrücken. Der Bypass der unteren Extremitäten wird oft verwendet, um eine Amputation von Gliedmaßen zu verhindern und eine Claudicatio zu lindern.

Die Sympathektomie kann bei Patienten wirksam sein, die sich keiner größeren Gefäßoperation unterziehen können, wenn ein distaler Verschluss starke ischämische Schmerzen verursacht. Der chemische sympathische Block ist genauso wirksam wie die chirurgische Sympathektomie, weshalb die letztere selten durchgeführt wird.

Die Amputation ist die Ultima Ratio und bei unkontrollierten Infektionen, bei unerbittlichem Ruheschmerz und fortschreitender Gangrän indiziert. Die Amputation sollte so distal wie möglich erfolgen, um die Knie- und Knöchelfunktion zu erhalten (wenn möglich), um eine fortlaufende Gehfähigkeit zu ermöglichen. Bei schwererer pAVK ist eine Amputation unterhalb des Knies einer Amputation oberhalb des Knies vorzuziehen, damit Patienten nach der Amputation für eine Prothese in Betracht kommen können (8).

Literatur zur Behandlung

  1. 1. McDermott MM, Liu K, Guralnik JM, et al. Home-based walking exercise intervention in peripheral artery disease: a randomized clinical trial. JAMA 2013;310(1):57-65. doi:10.1001/jama.2013.7231

  2. 2. Treat-Jacobson D, McDermott MM, Bronas UG, et al. Optimal Exercise Programs for Patients With Peripheral Artery Disease: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation 2019;139(4):e10-e33. doi:10.1161/CIR.0000000000000623

  3. 3. Gerhard-Herman MD, Gornik HL, Barrett C, et al: 2016 AHA/ACC Guideline on the management of patients with lower extremity peripheral artery disease. Circulation 155:e686–e725, 2017.

  4. 4. Gornik HL, Aronow HD, Goodney PP, et al. 2024 ACC/AHA/AACVPR/APMA/ABC/SCAI/SVM/SVN/SVS/SIR/VESS Guideline for the Management of Lower Extremity Peripheral Artery Disease: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Joint Committee on Clinical Practice Guidelines [published correction appears in Circulation 2025 Apr 8;151(14):e918. doi: 10.1161/CIR.0000000000001329]. Circulation 2024;149(24):e1313-e1410. doi:10.1161/CIR.0000000000001251

  5. 5. Anand S, Bosch J, Eikelboom JW, et al, on behalf of the COMPASS Investigators: Rivaroxaban with or without aspirin in patients with stable peripheral or carotid artery disease: an international, randomized, double-blind, placebo controlled trial. Lancet 391(10117):218–229, 2018. doi: 10.1016/S0140-6736(17)32409-1

  6. 6. Bonaca MP, Bauersachs RM, Anand SS, et al: Rivaroxaban in peripheral artery disease after revascularization. N Engl J Med 382:1994–2004, 2020. doi: 10.1056/NEJMoa2000052

  7. 7. Hiatt WR, Bonaca MP, Patel MR, et al. Rivaroxaban and Aspirin in Peripheral Artery Disease Lower Extremity Revascularization. Circulation142 (23):2219-2230, 2020. doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.050465

  8. 8. Khan SZ, O'Brien-Irr MS, Rivero M, et al. Improved survival with angiotensin-converting enzyme inhibitors and angiotensin receptor blockers in chronic limb-threatening ischemia. J Vasc Surg 2020;72(6):2130-2138. doi:10.1016/j.jvs.2020.02.041

  9. 9. Mazzolai L, Teixido-Tura G, Lanzi S, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of peripheral arterial and aortic diseases. Eur Heart J 2024;45(36):3538-3700. doi:10.1093/eurheartj/ehae179

  10. 10. Farber A. Chronic Limb-Threatening Ischemia. N Engl J Med 2018;379(2):171-180. doi:10.1056/NEJMcp1709326

  11. 11. Kullo IJ, Rooke TW. CLINICAL PRACTICE. Peripheral Artery Disease. N Engl J Med 2016;374(9):861-871. doi:10.1056/NEJMcp1507631

  12. 12. Guez D, Hansberry DR, Gonsalves CF, et al. Recent Trends in Endovascular and Surgical Treatment of Peripheral Arterial Disease in the Medicare Population. AJR Am J Roentgenol 2020;214(5):962-966. doi:10.2214/AJR.19.21967

  13. 13. Bradbury AW, Moakes CA, Popplewell M, et al. A vein bypass first versus a best endovascular treatment first revascularisation strategy for patients with chronic limb threatening ischaemia who required an infra-popliteal, with or without an additional more proximal infra-inguinal revascularisation procedure to restore limb perfusion (BASIL-2): an open-label, randomised, multicentre, phase 3 trial. Lancet 2023;401(10390):1798-1809. doi:10.1016/S0140-6736(23)00462-2

  14. 14. Farber A, Menard MT, Conte MS, et al. Surgery or Endovascular Therapy for Chronic Limb-Threatening Ischemia. N Engl J Med 2022;387(25):2305-2316. doi:10.1056/NEJMoa2207899

Wichtige Punkte

  • Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) tritt am häufigsten in den unteren Extremitäten auf.

  • Die meisten Patienten haben auch eine signifikante zerebrale oder koronare Atherosklerose oder beides.

  • Sofern sie symptomatisch ist, verursacht pAVK Claudicatio intermittens, die ein Unwohlsein in den Beinen, die beim Gehen auftritt und im Ruhezustand abnimmt, darstellt; sie ist eine Manifestation der belastungsinduzierten reversiblen Ischämie, ähnlich wie Angina pectoris.

  • Schwerwiegendere Durchblutungsstörungen bei pAVK können zu ischämischen Ruheschmerzen, ischämischen Geschwüren oder Gangrän an den Zehen oder anderen Stellen der Füße führen.

  • Ein niedriger ( 0,90) Knöchel-Arm-Index (das Verhältnis des systolischen Blutdrucks am Knöchel zu dem am Arm) ist diagnostisch für pAVK der unteren Extremitäten.

  • Die Risikofaktoren der Atherosklerose werden behandelt; Statine, Thrombozytenaggregationshemmer und manchmal ACE-Hemmer, Rivaroxaban oder Cilostazol werden verabreicht.

  • Endovaskuläre Revaskularisation und chirurgische Revaskularisation sind beides Optionen für Patienten mit symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) der unteren Extremitäten.

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