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Virale Meningitis

Von

John E. Greenlee

, MD, University of Utah School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Dez 2017
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Quellen zum Thema

Eine virale Meningitis ist tendenziell weniger schwer als eine akute bakterielle Meningitis. Zu den Befunden gehören Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit. Die Diagnose erfordert eine Liquoranalyse. Die Behandlung besteht aus unterstützenden Maßnahmen, Aciclovir bei V. a. Herpes simplex und antiretroviralen Medikamenten bei V. a. HIV-Infektion.

Der Begriff virale Meningitis wird manchmal synonym mit der Bezeichnung aseptische Meningitis verwendet. Allerdings bezieht sich aseptische Meningitis üblicherweise auf eine akute Meningitis, die durch etwas anderes als die Bakterien verursacht wurde, welche typischerweise eine akute bakterielle Meningitis hervorrufen. So kann eine aseptische Meningitis durch Viren, nichtinfektiöse Bedingungen (z. B. Arzneimittel, Erkrankungen), Pilze oder, gelegentlich, andere Organismen (z. B. Borrelia burgdorferi bei Lyme-Erkrankung, Treponema pallidum bei Syphilis) verursacht werden.

Ursachen

Eine virale Meningitis entsteht in der Regel nach hämatogener Ausbreitung, eine durch Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) oder oder Varicella-Zoster-Virus verursachte Meningitis kann jedoch auch von der Reaktivierung einer latenten Infektion herrühren.

Häufigste Ursache einer viralen Meningitis sind

  • Enteroviren

Für viele Viren, die eine Meningitis verursachen (anders als für Bakterien, die eine akute bakterielle Meningitis hervorrufen), besteht eine saisonale Inzidenz (siehe Tabelle: Häufige Ursachen viraler Meningitis).

Tabelle
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Häufige Ursachen viraler Meningitis

Virus

Übertragungsmechanismus

Saisonale Inzidenz

Enteroviren (z. B. Coxsackie-Viren, ECHO-Viren)

Verbreitung über Faeces oder oral (z. B. durch kontaminierte Lebensmittel, in Schwimmbädern)

Sommer bis Frühherbst

Manchmal ganzjährig sporadische Fälle

* Herpes-simplex-Virus, in der Regel Typ 2

Enger Kontakt mit einer Person verbreitet das Virus aktiv

Varicella-Zoster-Virus

Das Einatmen von Atemtröpfchen von oder durch Kontakt mit einer infizierten Person

Keine

Westliches Pferdevirus

Venezolanisches Pferdevirus

Stechmücke

Sommer bis Frühherbst

West-Nil-Virus

St.-Louis-Virus

Stechmücke

Sommer bis Frühherbst

California-Enzephalitis-Virus

La-Crosse-Virus

Stechmücke

Sommer bis Frühherbst

Colorado-Zeckenfieber-Virus (ungewöhnlich)

Zecken

Spätes Frühjahr bis Frühsommer

Lymphozytäres Choriomeningitisvirus

Durch die Luft übertragen

Herbst bis Winter

HIV-1

HIV-2

Kontakt mit Körperflüssigkeiten einer infizierten Person

§

* Eine Herpes-simplex-Typ-2-Meningitis kann als isoliertes Einzelereignis vorkommen oder rezidivieren.

Westliches und venezolanisches Pferdevirus wurden mit Meningitis in Verbindung gebracht, es wurden jedoch in den letzten Jahren in den USA keine Fälle berichtet. (Anmerkung der Redaktion: Bisher keine Fälle in Deutschland berichtet.)

Das lymphatische Choriomeningitisvirus ist mit der Exposition gegenüber infizierten wilden Mäusen (der natürliche Wirt für dieses Virus) assoziiert und am häufigsten im Herbst oder Winter, wenn die Mäuse sich eher in die Häuser bewegen. Eine Infektion kann auch ganzjährig auftreten, wenn eine Exposition gegenüber infizierten Hamstern, die als Haustiere gehalten werden, ursächlich ist.

§ Eine Meningitis aufgrund von HIV beginnt in der Regel früh im Verlauf der systemischen Infektion–bei Auftreten der Serokonversion.

Zika-Virus und Chikungunya-Virus sind seltene Ursachen für Meningitis, aber diese Viren sollten bei Menschen berücksichtigt werden, die in Endemiegebiete gereist sind, wenn sie Symptome entwickeln, die eine Meningitis nahelegen.

Symptome und Beschwerden

Eine virale Meningitis beginnt, wie eine akute bakterielle Meningitis, in der Regel mit Symptomen, die für eine Virusinfektion sprechen (z. B. Fieber, Myalgien, gastrointestinale oder respiratorische Symptome), gefolgt von Symptomen und Zeichen einer Meningitis (Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit). Die Manifestationen ähneln eher denen einer bakteriellen Meningitis, sie sind aber in der Regel weniger heftig (z. B. ist die Nackensteifigkeit möglicherweise weniger ausgeprägt). Allerdings sind die Befunde manchmal schwer genug, um eine akute bakterielle Meningitis nahezulegen.

Diagnose

  • Liquoranalyse (Zellzahl, Eiweiß, Glukose) (Anmerkung der Redaktion: In Deutschland: statt Glukose- Laktat-Bestimmung im Liquor!)

  • PCR vom Liquor und manchmal IgM

  • Manchmal PCR und/oder Kultur von Blut, Rachenabstrich, Nasen-Rachen-Sekreten oder Stuhl

Die Diagnose einer viralen Meningitis basiert auf der Analyse von Liquor, der durch Lumbalpunktion gewonnen wurde (nach vorheriger neuroradiologischer Bildgebung bei V. a. erhöhten intrakraniellen Druck oder Raumforderung). Typischerweise ist der Proteinspiegel leicht erhöht, jedoch weniger als bei der akuten bakteriellen Meningitis (z. B. < 150 mg/dl); allerdings kann der Proteinspiegel bei West-Nil-Virus-Meningitis sehr hoch sein. Die Glukosewerte sind in der Regel normal oder nur geringfügig niedriger als normal. Weitere Befunde sind eine Pleozytose mit einem Überwiegen von Lymphozyten. Trotzdem kann mit keiner Befundkombination von Zellen, Protein und Glukose im Liquor eine bakterielle Meningitis ausgeschlossen werden. Eine bakterielle Meningitis ist ausgeschlossen, wenn in CSF-Kulturen keine Bakterien wachsen.

Eine Liquor-Viruskultur ist insensitiv und wird nicht routinemäßig durchgeführt. Mithilfe der PCR lassen sich einige Viren im Liquor nachweisen (Enteroviren und Herpes-simplex-Virus, Herpes-Zoster-, West-Nil-Virus); ein neu erhältliches Multiplex-Filmarray-PCR-Panel kann zum schnellen Screening auf mehrere Bakterien und Viren verwendet werden. Die Bestimmung von IgM im Liquor ist sensitiver als die PCR bei der Diagnosestellung mit V. a. West-Nil-Virus oder andere Arboviren.

Virusserologische Tests, PCR oder die Kultur von Proben aus anderen Arealen (z. B. Blut, Rachenabstrich, Nasen-Rachen-Sekrete, Stuhl) können zur Identifizierung des verursachenden Virus beitragen.

Tipps und Risiken

  • Wenn die Patienten ernstlich krank erscheinen, sind sie so lange auf akute bakterielle Meningitis zu behandeln, bis diese ausgeschlossen ist, auch wenn angenommen wird, die Ursache sei viral.

Behandlung

  • Unterstützende Maßnahmen

  • Aciclovir (bei V. a. Herpes simplex oder Herpes Zoster) und antiretrovirale Medikamente (bei HIV-Infektion)

Wenn die Patienten ernsthaft krank erscheinen und eine akute bakterielle für möglich gehalten wird (sogar wenn eine virale Meningitis angenommen wird), ist die Behandlung mit geeigneten Antibiotika und Kortikosteroiden sofort (ohne auf die Testergebnisse zu warten) zu beginnen und bis zum Ausschluss einer bakteriellen Meningitis (d. h. es wachsen keine Bakterien in Liquor-Kulturen). fortzuführen.

Eine virale Meningitis legt sich meist spontan nach Wochen oder gelegentlich Monaten (z. B. bei West-Nil-Virus-Meningitis oder lymphatischer Choriomeningitis). Die Behandlung erfolgt hauptsächlich unterstützend.

Aciclovir ist wirksam bei der Behandlung einer Herpes-simplex-Meningitis und kann verwendet werden, um eine Herpes-Zoster-Meningitis zu behandeln. Bei V. a. eines dieser Viren oder wenn eine Herpes-simplex-Enzephalitis vermutet wird, beginnen die meisten Kliniker mit einer empirischen Aciclovir-Behandlung, und wenn die PCR bzgl. dieser Viren negativ ausfällt, wird das Medikament abgesetzt.

Pleconaril ist nur mäßig wirksam bei Meningitis durch Enteroviren und steht nicht für die routinemäßige klinische Anwendung zur Verfügung.

Patienten mit HIV-Meningitis werden mit antiretroviralen Medikamenten behandelt.

Wichtige Punkte

  • Eine virale Meningitis beginnt mit typischen Symptomen einer Viruserkrankung mit anschließenden Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit, sie ist jedoch selten so schwer wie eine akute bakterielle Meningitis.

  • Enteroviren sind die häufigste Ursache, meist im Sommer oder Frühherbst.

  • Anhand der Liquorbefunde (meist lymphozytäre Pleozytose, nahezu normaler Glukose- und leicht erhöhter Proteinspiegel) kann eine akute bakterielle Meningitis nicht ausgeschlossen werden. (Anmerkung/Korrektur der Redaktion: [..] kann eine akute bakterielle Meningitis ausgeschlossen werden.)

  • Behandeln sie Patienten auf akute bakterielle Meningitis, bis diese Diagnose ausgeschlossen wurde.

  • Die Behandlung ist in erster Linie unterstützend; Patienten mit Herpes simplex oder Herpes zoster Meningitis können mit Aciclovir behandelt werden.

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