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Akute bakterielle Meningitis

Von

John E. Greenlee

, MD, University of Utah Health

Inhalt zuletzt geändert Aug 2019
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Quellen zum Thema

Die akute bakterielle Meningitis ist eine rasch fortschreitende bakterielle Infektion von Hirnhäuten und Subarachnoidalraum. Befunde sind typischerweise Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit. Die Diagnose wird anhand einer Liquoruntersuchung gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika und Kortikosteroiden, die so bald wie möglich gegeben werden.

Pathophysiologie

Meist gelangen die Bakterien über hämatogene Ausbreitung in den Subarachnoidalraum und die Meningen. Bakterien können die Hirnhäute auch von benachbarten infizierten Strukturen aus erreichen oder über einen angeborenen oder erworbenen Defekt des Schädels oder der Wirbelsäule (siehe Eintrittsweg Eintrittsweg Die akute bakterielle Meningitis ist eine rasch fortschreitende bakterielle Infektion von Hirnhäuten und Subarachnoidalraum. Befunde sind typischerweise Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit... Erfahren Sie mehr ).

Da Leukozyten, Immunglobuline und Komplement im Liquor normalerweise kaum vorkommen oder fehlen, vermehren sich die Bakterien zunächst, ohne eine Entzündung hervorzurufen. Später setzen die Bakterien Endotoxine, Teichonsäure und andere Substanzen frei, die über Mediatoren wie Leukozyten und Tumornekrosefaktor (TNF) eine entzündliche Reaktion auslösen. Typischerweise stiegen im Liquor die Proteinspiegel, und da die Bakterien Glukose verbrauchen und weniger Glucose in den Liquor aufgenommen wird, sinkt der Glukosespiegel. Das Hirnparenchym ist typischerweise bei einer akuten bakteriellen Meningitis betroffen.

Eine Entzündung im Subarachnoidalraum wird begleitet von einer kortikalen Enzephalitis und einer Ventrikulitis.

Komplikationen der bakteriellen Meningitis sind häufig und können Folgendes umfassen

Ätiologie

Wahrscheinliche Ursachen bakterieller Meningitis hängen ab von

  • Patientenalter

  • Eintrittsweg

  • Immunstatus des Patienten

Alter

  • Streptokokken der Gruppe B., insbesondere Streptococcus agalactiae

  • Escherichia (E.) coli und andere gramnegative Bakterien

  • Listeria monocytogenes

Bei älteren Säuglingen, Kindern und jungen Erwachsenen sind die häufigsten Ursachen einer bakteriellen Meningitis

  • Neisseria meningitidis

  • Streptococcus pneumoniae

Eine durch N. meningitidis verursachte Meningitis führt gelegentlich innerhalb von Stunden zum Tod. Eine durch N. meningitidis verursachte Sepsis resultiert manchmal in einem bilateralen hämorrhagischen Infarkt der Nebennieren (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom).

Haemophilus influenzae Typ B war früher die häufigste Meningitis-Ursache bei Kindern < 6 Jahren und insgesamt; heute gilt der Erreger in den USA und in Westeuropa als seltene Ursache, denn dort wird der Impfstoff gegen H. influenzae allgemein verwendet. In Gebieten, in denen der Impfstoff nicht weit verbreitet ist, ist H. influenzae jedoch immer noch eine häufige Ursache, insbesondere bei Kindern im Alter von 2 Monaten bis 6 Jahren.

Bei Erwachsenen im mittleren Alter und bei älteren Menschen ist die häufigste Ursache der bakteriellen Meningitis

  • S. pneumoniae

N. meningitidis verursacht weniger häufig eine Meningitis bei Erwachsenen mittleren Alters und bei Älteren. Da die Abwehr des Wirts mit dem Alter schwächer wird, können die Patienten eine Meningitis aufgrund von L. monocytogenes oder gramnegativen Bakterien entwickeln.

Bei Menschen aller Altersgruppen verursacht Staphylococcus aureus gelegentlich Meningitis.

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Eintrittsweg

Zu den Eintrittswegen gehören die folgenden:

  • Durch hämatogene Ausbreitung (häufigster Weg)

  • Ausgehend von infizierten Strukturen im oder um den Kopf (z. B. Nebenhöhlen, Mittelohr, Mastoid), manchmal verbunden mit einem Liquorleck

  • Durch eine penetrierende Kopfverletzung

  • Nach einem neurochirurgischen Eingriff (z. B. wenn ein Ventrikel-Shunt infiziert wird)

  • Durch angeborene oder erworbene Defekte in Schädel oder Wirbelsäule

Mit einem der o. g. Zustände erhöht sich die Gefahr, eine Meningitis zu erwerben.

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Immunstatus

Insgesamt sind die häufigsten Ursachen einer bakteriellen Meningitis bei immungeschwächten Patienten

  • S. pneumoniae

  • L. monocytogenes

  • Pseudomonas aeruginosa

  • Mycobacterium tuberculosis

  • N. meningitidis

  • Gramnegative Bakterien

Die am wahrscheinlichsten vorliegenden Bakterien hängen von der Art der Immunschwäche ab:

Bei sehr kleinen Kindern (insbesondere Frühgeborenen) und älteren Menschen kann die T-Zell-Immunität schwach sein; somit haben diese Altersgruppen ein Risiko für eine Meningitis durch L. monocytogenes.

Symptome und Beschwerden

In den meisten Fällen beginnt eine bakterielle Meningitis mit 3–5 Tage lang schleichend fortschreitenden unspezifischen Symptomen wie Unwohlsein, Fieber, Reizbarkeit und Erbrechen. Allerdings kann die Meningitis schneller beginnen und fulminant verlaufen, was die bakterielle Meningitis zu einer der wenigen Erkrankungen macht, bei denen ein zuvor gesunder junger Menschen mit leichten Symptomen schlafen gehen und nie wieder erwachen kann.

Zu den typischen Symptomen und Beschwerden einer Meningitis gehören:

  • Fieber

  • Tachykardie

  • Kopfschmerzen

  • Photophobie

  • Veränderungen des mentalen Status (z. B. Lethargie, Somnolenz)

  • Nackensteifigkeit (obwohl nicht alle Patienten davon berichten)

  • Rückenschmerzen (weniger intensiv und überschattet von Kopfschmerzen)

Bei Neugeborenen und Säuglingen können jedoch Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit fehlen (siehe Akute bakterielle Meningitis bei Neugeborenen Symptome und Beschwerden Die neonatale bakterielle Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute durch Bakterien. Die Symptome sind Sepsis, ZNS-Irritation wie z. B. Lethargie, Krampfanfälle, Erbrechen, Reizbarkeit, ... Erfahren Sie mehr ). Sogenannte paradoxe Reizbarkeit, bei der das Kuscheln und Trösten durch einen Elternteil den Neugeborenen eher reizt als tröstet, deutet auf eine bakterielle Meningitis hin.

Krampfanfälle treten früh bei bis zu 40% der Kinder mit akuter bakterieller Meningitis auf und können bei Erwachsenen vorkommen. Bis zu 12% der Patienten sind bereits initial komatös.

Eine schwere Meningitis erhöht den intrakranialen Druck (ICP) und verursacht typischerweise ein Papillenödem Stauungspapille Die Stauungspapille (Papillenödem) ist eine Schwellung der Papille durch erhöhten intrakraniellen Druck (Hirndruck). Papillenschwellungen von Ursachen, die nicht mit erhöhtem Hirndruck zusammenhängen... Erfahren Sie mehr  Stauungspapille , aber das Papillenödem kann früh ausbleiben oder aufgrund altersbedingter oder anderer Faktoren abgeschwächt sein.

Begleitende systemische Infektion durch den Organismus kann Folgendes einschließen

  • Ausschläge, Petechien oder Purpura (was auf Meningokokkämie hindeutet)

  • Pulmonale Konsolidierung (oft bei Meningitis aufgrund S. pneumoniae)

  • Herzgeräusche (deutet auf Endokarditis hin—z. B. oft verursacht durch S. aureus oder S. pneumoniae)

Atypische Formen bei Erwachsenen

Fieber und Nackensteifigkeit können bei immungeschwächten oder älteren Patienten und bei Alkoholikern fehlen oder nur abgeschwächt vorhanden sein. Oft ist Verwirrtheit und verminderte Reaktionsfähigkeit das einzige Zeichen bei älteren Menschen oder bei Patienten mit vorbestehender Demenz. Bei solchen Patienten sollte, wie auch bei Neugeborenen, die Schwelle für die Durchführung einer Lumbalpunktion niedrig sein. Bei fokal-neurologischen Defiziten oder bei Verdacht auf erhöhten ICP sollte eine Hirnbildgebung (MRT oder weniger optimal CT) durchgeführt werden.

Tritt die bakterielle Meningitis nach einem neurochirurgischen Eingriff auf, dauert es oft Tage, bis sich die Symptome entwickeln.

Diagnose

  • Liquoranalyse

Sobald ein V. a. akute bakterielle Meningitis besteht, sind Blutkulturen anzusetzen und eine Lumbalpunktion zur Liquoranalyse (sofern diese nicht kontraindiziert ist) durchzuführen. Bei der Lumbalpunktion sollte das Blut analysiert werden, damit der Blutzuckerspiegel mit dem Liquor-Glukosespiegel verglichen werden kann. Die Behandlung sollte wie folgt begonnen werden:

  • Wenn eine bakterielle Meningitis vermutet wird und der Patient sehr krank ist, werden sofort Antibiotika und Kortikosteroide gegeben, noch bevor eine Lumbalpunktion erfolgt.

  • Wenn eine bakterielle Meningitis vermutet wird und Lumbalpunktion bis zur CT oder MRT verzögert erfolgt, sollte mit Antibiotika und Kortikosteroiden nach Blutkulturen, aber vor der Durchführung bildgebender Verfahren begonnen werden; die Notwendigkeit einer Bestätigung sollte die Behandlung nicht verzögern.

Ärzte sollten bei Patienten mit typischen Symptomen und Zeichen, in der Regel Fieber, Veränderungen des mentalen Status und Nackensteifigkeit, von einer bakteriellen Meningitis ausgehen. Allerdings müssen sie sich darüber im Klaren sein, dass die Symptome und Beschwerden bei Neugeborenen und Kleinkindern anders sind und fehlen können oder bei älteren Menschen, Alkoholikern und Patienten mit geschwächtem Immunsystem zunächst leicht ausfallen können. Die Diagnose kann bei folgenden Patienten eine Herausforderung sein:

  • Diejenigen, die sich einem neurochirurgischen Eingriff unterzogen haben, weil solche Verfahren auch zu Veränderungen des mentalen Status und zu Nackensteifigkeit führen können.

  • Bei älteren Menschen und Alkoholikern, weil Veränderungen des mentalen Status auf metabolische Enzephalopathie zurückzuführen sein können (was mehrere Ursachen haben kann) oder auf Stürze und subdurale Hämatome

Da eine unbehandelte bakterielle Meningitis letal verläuft, sollten bereits bei der geringsten Wahrscheinlichkeit für eine Meningitis Tests durchgeführt werden. Tests sind besonders hilfreich bei Kleinkindern, älteren Menschen, Alkoholikern, immungeschwächten Patienten und Patienten nach einem neurochirurgischen Eingriff, weil die Symptome atypisch sein können.

Tipps und Risiken

  • Führen Sie eine Lumbalpunktion auch dann durch, wenn die klinischen Befunde nicht spezifisch für eine Meningitis sind, v. a. bei Kleinkindern, älteren Menschen, Alkoholikern, immungeschwächten Patienten und Patienten nach neurochirurgischer Operation.

Sprechen die Befunde für eine akute bakterielle Meningitis, beinhalten die Routineuntersuchungen

  • Liquroanalyse

  • Blutbild und Differenzialblutbild

  • Klinische Chemie mit Elektrolyten, Leber- und Nierenparametern, CRP

  • Blutkulturen plus Polymerase-Kettenreaktion (PCR), wenn verfügbar

Lumbalpunktion

Kontraindikationen einer sofortigen Lumbalpunktion sind Anzeichen eines deutlich erhöhten intrakraniellen Drucks oder eines intrakraniellen Masseneffektes (z. B. aufgrund von Ödem, einer Blutung oder eines Tumors); typischerweise gehört zu diesen Zeichen

  • Fokale neurologische Defizite

  • Stauungspapille

  • Verschlechterung des Bewußtseins

  • Epileptische Anfälle (innerhalb einer Woche nach der Vortellung)

  • Immunschwäche

  • Zurückliegende Erkrankungen des Zentralnervensystems (z. B. Massenläsion, Schlaganfall, Fokalinfektion)

In solchen Fällen kann eine Lumbalpunktion eine Einklemmung des Gehirns verursachen. Sie wird so lange aufgeschoben, bis eine neuroradiologische Bildgebung (typischerweise CT oder -MRT), zur Überpüfung eines erhöhten intrakraniellen Drucks oder eines Raumforderungseffekts erfolgt ist. Wird die Lumbalpunktion verschoben, ist die Behandlung am besten sofort (nach der Blutentnahme für Kultur und vor der neuroradiologischen Bildgebung) zu beginnen. Nachdem ein evtl. erhöhter intrakranieller Druck gesenkt oder keine Raumforderung oder obstruktiver Hydrozephalus detektiert wurde, kann die Lumbalpunktion durchgeführt werden.

Liquor sollte zur Analyse verschickt werden: Zellzahl, Eiweiß, Glukose, Gram-Färbung, Kultur, Polymerase-Kettenreaktion und andere Tests gemäß klinischer Indikation. (Anmerkung der Redaktion: In Deutschland ist es üblich, statt Glukose das Liquor-Laktat zu bestimmen.) Ein neues Multiplex-Film-Array-Polymerase-Kettenreaktion-Panel kann ein schnelles Screening für mehrere Bakterien und Viren plus Cryptococcus neoformans in einer CSF-Probe bieten. Dieser Test, der nicht immer verfügbar ist, wird als Ergänzung, nicht als Ersatz, zu Kultur- und traditionellen Tests verwendet. Gleichzeitig sollte eine Blutprobe entnommen und verschickt werden, um das Liquor-Blutglukose-Verhältnis zu bestimmen. (Anmerkung der Redaktion: Dies wird in Deutschland nicht so gemacht, da das Liquor-Laktat bestimmt wird.) Die Zellzahl sollte schnellstmöglich ermittelt werden, da die Leukozyten an den Wänden des Sammelröhrchens haften könen, was eine falsch-niedrige Zellzahl ergibt; in extrem eitrigem Liquor können die Leukozyten lysieren.

  • Erhöhter Druck

  • Flüssigkeit, die oft trüb ist

  • Eine hohe Leukozytenzahl (überwiegend aus polymorphkernigen Neutrophilen bestehend)

  • Erhöhtes Protein

  • Ein niedriges Licquor: Blutzucker-Verhältnis

Ein CSF: Blutzuckerspiegel von <50% deutet auf mögliche Meningitis hin. Ein Glukosespiegel im Liquor von ≤ 18 mg/dl oder ein Liquor-Blutglukose-Verhältnis < 0,23 weist deutlich auf eine bakterielle Meningitis hin. Allerdings können Veränderungen der Glukose im Liquor 30–120 Minuten hinter den Veränderungen der Blutglukose her hinken. (Anmerkung der Redaktion: In Deutschland ist es üblich, statt Glukose das Liquor-Laktat zu bestimmen.) Bei akuter bakterieller Meningitis zeigt ein erhöhter Proteinspiegel (in der Regel 100–500 mg/dl) eine Blut-Hirn-Schrankenstörung an.

Zellzahl, Eiweiß und Glukosespiegel im Liquor von Patienten mit akuter bakterieller Meningitis sind nicht immer typisch. Atypische Liquorbefunde können sein

  • Normal in frühen Phasen, mit Ausnahme des Vorliegens von Bakterien

  • Überwiegen der Lymphozyten bei etwa 14% der Patienten, insbesondere bei Neugeborenen mit gramnegativer Meningitis, bei Patienten mit Meningitis aufgrund von L. monocytogenes und bei einigen Patienten mit teilweise behandelter bakterieller Meningitis

  • Normale Glukosewerte bei etwa 9% der Patienten

  • Normale Leukozytenzahlen bei schwer immunsupprimierten Patienten

Wenn die ersten Liquorbefunde nicht eindeutig sind, kann eine wiederholte Lumbalpunktion 12 bis 24 Stunden später manchmal klären, in welche Richtung sich die Liquorveränderungen bewegen oder ob ein Laborfehler vorliegt.

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Eine Identifizierung der verursachenden Bakterien bei Liquor umfasst Gram-Färbung, Kultur, und, wenn verfügbar, Polymerase-Kettenreaktion. Die Gram-Färbung liefert schnell Informationen, aber der Informationsgehalt ist begrenzt. Um Bakterien zuverlässig mithilfe der Gram-Färbung nachzuweisen, müssen etwa 105 Bakterien/mL vorhanden sein. Die Ergebnisse können falsch negativ sein, wenn eine der folgenden Situationen eintritt:

  • Liquor wird sorglos behandelt.

  • Bakterien werden nicht ausreichend resuspendiert, nachdem sich Liquor absetzen konnte.

  • Es treten Fehler beim Entfärben oder Lesen des Objektträgers auf.

Nehmen die Kliniker eine anaerobe Infektion oder andere ungewöhnliche Bakterien an, sollten sie dies dem Labor mitteilen, bevor die Proben für die Kultur ausgestrichen werden. Eine vorherige Antibiotikatherapie kann die Ausbeute bei Gram-Färbung und Kultur verringern. Eine Polymerase-Kettenreaktion, falls verfügbar, sowie Latexagglutinationstests zum Nachweis bakterieller Antigene können sinnvolle Ergänzungstests sein, insbesondere bei Patienten, die bereits Antibiotika erhalten haben.

Die Bestimmung der Sensitivität für Antibiotika ist eine Bakterienkultur erforderlich.

Bis die Ursache der Meningitis bestätigt ist, können auch andere Tests mit Proben von CSF oder des Blutes durchgeführt werden, um andere Meningitis-Ursachen wie Viren (insbesondere Herpes simplex), Pilze und Krebszellen zu prüfen.

Andere Funktionsprüfungen

Proben von anderen eventuell infizierten Stellen (z. B. Harn- oder respiratorischer Trakt) sollten ebenfalls kultiviert werden.

Prognose

Bei Kindern < 19 Jahre kann die Sterblichkeit bei nur 3% liegen, sie ist aber oft höher; Überlebende können taub und neuropsychologisch beeinträchtigt sein. Die Sterblichkeitsrate beträgt etwa 17% für Erwachsene < 60 Jahre, aber bis zu 37% bei > 60-Jährigen. Die ambulant erworbene Meningitis aufgrund von S. aureus hat eine Mortalitätsrate von 43%.

Die Mortalitätsrate korreliert i. Allg. mit der Tiefe von Bewusstseinseintrübung oder Koma. Faktoren, die mit einer schlechten Prognose assoziiert sind

Krampfanfälle und ein niedriges Liquor-Serumglukose-Verhältnis kann ebenfalls eine schlechte Prognose bedeuten.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Kortikosteroide zur Verringerung von zerebraler Entzündung und Ödem

Antibiotika sind die Hauptstütze der Therapie der akuten bakteriellen Meningitis. Zusätzlich zu den Antibiotika gehören zur Behandlung Maßnahmen zur Reduktion der Entzündung von Gehirn und Hirnnerven und des erhöhten intrakraniellen Drucks.

Die meisten Patienten werden auf eine Intensivstation verlegt.

Antibiotika

Antibiotika müssen bakterizid auf die verursachenden Bakterien wirken, und sie müssen die Blut-Hirn-Schranke überwinden können.

Wenn die Patienten krank erscheinen und die Befunde für eine Meningitis sprechen, werden eine Antibiotikabehandlung (siehe Tabelle Initiale Antibiotika bei akuter bakterieller Meningitis Initiale Antibiotika bei akuter bakterieller Meningitis Die akute bakterielle Meningitis ist eine rasch fortschreitende bakterielle Infektion von Hirnhäuten und Subarachnoidalraum. Befunde sind typischerweise Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit... Erfahren Sie mehr ) und Kortikosteroide begonnen, sobald die Blutkulturen abgenommen sind und sogar nohc vor einer Lumbalpunktion. Auch wenn die Lumbalpunktion wegen ausstehender Ergebnisse der neuroradiologischen Bildgebung aufgeschoben wird, beginnt die Behandlung mit Antibiotika und Kortikosteroiden vor der neuroradiologischen Bildgebung.

Tipps und Risiken

  • Wenn die Patienten krank erscheinen und eine akute Meningitis angenommen wird, behandeln Sie mit Antibiotika und Kortikosteroiden, sobald Blut zur Kultur abgenommen wurde.

Eine entsprechende empirische Antibiotikabehandlung ist abhängig vom Alter des Patienten, seinem Immunstatus und dem Infektionsweg (siehe Tabelle Initiale Antibiotika bei akuter bakterieller Meningitis Initiale Antibiotika bei akuter bakterieller Meningitis Die akute bakterielle Meningitis ist eine rasch fortschreitende bakterielle Infektion von Hirnhäuten und Subarachnoidalraum. Befunde sind typischerweise Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit... Erfahren Sie mehr ). Kliniker sollten i. Allg. Antibiotika verwenden, die wirksam sind gegen S. pneumoniae, N. meningitidis, and S. aureus. Bei Schwangeren, Neugeborenen, älteren Menschen und immungeschwächten Patienten ist eine Listerien-Meningitis möglich; sie erfordert eine spezifische Antibiotikabehandlung, in der Regel mit Ampicillin. Die Herpes-simplex-Enzephalitis kann klinisch eine frühe bakterielle Meningitis imitieren; daher wird Acyclovir hinzugefügt. Es kann nötig sein, die Antibiotikatherapie aufgrund der Ergebnisse der Kultur und der Sensitivitätstestung zu modifizieren.

Häufig verwendete Antibiotika sind

  • 3. Generation Cephalosporine für S. pneumoniae und N. meningitidis

  • Ampicillin bei L. monocytogenes

  • Vancomycin für Penicillin-resistente Stämme von S. pneumoniae und für S. aureus

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Kortikosteroide

Dexamethason wird verwendet, um Gehirn- und Hirnnervenentzündungen sowie Ödeme zu verringern; es sollte zu Beginn der Therapie gegeben werden. Erwachsene erhalten 10 mg i.v., Kinder 0,15 mg/kg i.v. Dexamethason wird unmittelbar vor oder mit der ersten Antibiotikadosis und alle 6 Stunden über 4 Tage gegeben.

Die Verwendung von Dexamethason ist am besten etablierte für Patienten mit Pneumokokken-Meningitis.

Weitere Maßnahmen

Die Wirksamkeit weiterer Maßnahmen ist weniger gut belegt.

Patienten mit Papillenödem oder Anzeichen eines bevorstehenden Gehirnprolapses werden auf erhöhten ICP behandelt:

  • Elevation des Kopfendes des Bettes bis zu 30˚

  • Hyperventilation zu einem PCO 80127, USA2 von 27 bis 30 mmHg, um eine intrakranielle Vasokonstriktion zu bewirken

  • Osmotische Diurese mit i.v. Mannitol

Normalerweise erhalten Erwachsene Mannitol als 1 g/kg i.v.-Bolus über 30 Minuten, wiederholt bei Bedarf alle 3–4 Stunden, oder 0,25 g/kg alle 2–3 Stunden, und Kinder erhalten 0,5–2,0 g/kg über 30 Minuten, wiederholt bei Bedarf.

Weitere Maßnahmen sind

  • Infusionen

  • Anti-Epileptika

  • Behandlung der begleitenden Infektionen

  • Die Behandlung von spezifischen Komplikationen (z. B. Kortikosteroide bei Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, chirurgische Drainage bei Subduralempyem).

Prävention

Durch den Einsatz von Impfstoffen gegen H. influenzae Typ B und, in geringerem Maße, gegen N. meningitidis und S. pneumoniae wurde die Inzidenz der bakteriellen Meningitis reduziert.

Physikalische Maßnahmen

Die Patienten während der ersten 24 Stunden der Therapie in respiratorischer Isolation (mit Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Tröpfcheninfektion) zu belassen, kann dazu beitragen, die Ausbreitung der Meningitis zu verhindern. Es werden Handschuhe, Atemschutzmasken und Kittel verwendet.

Impfungen

Eine Impfung kann bestimmten Arten von bakterieller Meningitis vorbeugen.

  • Kinder zwischen 2 und 10 Jahren, sofern sie eine Immunschwäche oder funktionelle Asplenie haben. (Anmerkung der Redaktion: In Deutschland wird nach den derzeitigen STIKO-Empfehlungen [letztes Update 08/2013] eine Grundimmunisierung im 2. Lebensjahr bei allen Kindern empfohlen.)

  • Alle Kinder im Alter von 11 bis 12 Jahren mit einer Auffrischungsdosis im Alter von 16 Jahren

  • Ältere Kinder, Studenten, die in Wohnheimen leben, und Rekruten, die den Impfstoff vorher nicht erhalten hatten (Anmerkung der Redaktion: Diese Empfehlung gilt nicht für Deutschland!)

  • Reisende in oder Bewohner von endemische(n) Gebiete(n)

  • Laborpersonal, das routinemäßig mit Meningokokken-Proben umgeht

Während einer Meningitisepidemie muss die Risikopopulation (z. B. Studenten, eine Kleinstadt) identifiziert und ihre Größe bestimmt werden, bevor zu einer Massenimpfung übergegangen wird. Dies ist teuer und erfordert öffentliche Aufklärung und Unterstützung, aber es werden Leben gerettet und die Morbidität gesenkt.

Der Meningokokken-Impfstoff schützt nicht gegen die Meningokokken-Meningitis vom Serotyp B; diese Information sollte beachtet werden, wenn sich ein geimpfter Patient mit Symptomen einer Meningitis vorstellt. (Anmerkung der Redaktion: In Deutschland ist ein Impfstoff gegen die Serogruppe B seit 2013 zugelassen.)

Chemoprophylaxe

Jeder, der längeren direkten Kontakt mit einem Meningitis-Patienten hat (z. B. Haushaltshilfen oder Tagespflegekräfte, medizinisches Personal und andere Personen, die oralen Sekreten des Patienten ausgesetzt sind), sollte nach der Exposition eine Chemoprophylaxe erhalten.

Bei Meningokokken-Meningitis sieht die Chemoprophylaxe wie folgt aus:

  • Rifampicin 600 mg (für Kinder > 1 mo, 10 mg/kg, für Kinder < 1 mo, 5 mg/kg) p.o. alle 12 h für 4 Dosen

  • Ceftriaxon 250 mg (für Kinder < 15 Jahre, 125 mg) i.m. für 1 Dosis

  • Erwachsene: ein Fluorchinolon (Ciprofloxacin oder Levofloxacin 500 mg oder Ofloxacin 400 mg) oral, eine Dosis

Bei Meningitis aufgrund von H. influenzaeTyp B besteht die Chemoprophylaxe aus Rifampicin 20 mg/kg oral einmal täglich (maximal 600 mg täglich) über 4 Tage. Es besteht kein Konsens darüber, ob Kinder < 2 Jahre bei einer Exposition in der Kindertagesstätte eine Prophylaxe benötigen.

Bei Kontakt zu Patienten mit anderen Arten von bakterieller Meningitis ist eine Chemoprophylaxe üblicherweise nicht nötig.

Wichtige Punkte

  • Häufige Ursachen einer akuten bakteriellen Meningitis sind N. meningitidis und S. pneumoniae bei Kindern und Erwachsenen und Listeria Spezies bei Kleinkindern und älteren Menschen; S. aureus verursacht gelegentlich eine Meningitis bei Menschen aller Altersgruppen.

  • Typische Merkmale können fehlen oder fast unmerklich sein bei Kleinkindern, Alkoholikern, älteren Menschen, immungeschwächten Patienten und Patienten, die eine Meningitis nach einem neurochirurgischen Eingriff entwickeln.

  • Bei Patienten mit fokalen neurologischen Defiziten, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder Papillenödem (Hinweise auf erhöhten intrakraniellen Druck oder intrakranieller Raumforderungseffekt), schieben Sie eine Lumbalpunktion auf, bis die Ergebnisse der neuroradiologischen Bildgebung vorliegen.

  • Behandeln sie eine akute bakterielle Meningitis so schnell wie möglich, sogar bevor die Diagnose bestätigt ist.

  • Übliche empirisch begründete Antibiotika-Anwendungen beinhalten häufig Cephalosporine der 3. Generation (gegen S. pneumoniae und N. meningitidis), Ampicillin (gegen L. monocytogenes) und Vancomycin (gegen Penicillin-resistente Stämme von S. pneumoniae und gegen S. aureus). (Anmerkung der Redaktion: Die Vancomycinempfehlung gilt nicht für Deutschland, da hier die Penicillinresistenzrate unter 5% liegt.)

  • Die routinemäßige Impfung gegen S. pneumoniae und N. meningitidis und die Chemoprophylaxe gegen N. meningitidis trägt zur Meningitis-Prävention bei.

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