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Harninkontinenz bei Erwachsenen

Von

Patrick J. Shenot

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2018| Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Quellen zum Thema

Die Harninkontinenz ist ein unwillkürlicher Abgang von Urin.

Inkontinenz kann bei Männern und Frauen jedes Alters auftreten, sie kommt jedoch häufiger bei Frauen und älteren Menschen vor. Rund 30 Prozent der älteren Frauen und 15 Prozent der älteren Männer sind davon betroffen. Obwohl diese Störung bei älteren Menschen häufiger auftritt, gehört sie nicht zum normalen Alterungsprozess. Eine Inkontinenz kann plötzlich und vorübergehend auftreten, z. B. bei Einnahme von harntreibenden Mitteln, oder für längere Zeit (chronisch). In manchen Fällen kann selbst eine chronische Inkontinenz behoben werden.

Die Inkontinenz bei Kindern wird in einem anderen Kapitel behandelt.

Formen der Inkontinenz

Es gibt verschiedenen Formen der Inkontinenz:

  • Dranginkontinenz, ein unkontrollierter Urinverlust (einer mittleren bis größeren Menge) unmittelbar nach einem starken Harndrang. Die Nykturie, ein häufiger nächtlicher Harndrang und die nächtliche Inkontinenz kommen recht häufig vor.

  • Stressinkontinenz ist ein Urinabgang aufgrund einer abrupten intraabdominellen Druckerhöhung (z. B. beim Husten, Niesen, Lachen, Beugen oder Heben). Die abgegebene Harnmenge ist in der Regel gering oder mäßig.

  • Unter einer Überlaufinkontinenz wird das Harnträufeln bei Überfüllung der Harnblase verstanden. Die Menge ist gewöhnlich recht gering, aber der Abgang kann kontinuierlich erfolgen, sodass die Gesamtmenge wiederum groß sein kann.

  • Eine funktionale Inkontinenz ist der Harnabgang aufgrund geistiger und körperlicher Behinderungen, die nicht mit der eigentlichen Kontrolle der Blasenentleerung in Zusammenhang steht. Beispielsweise erkennt möglicherweise eine aufgrund einer Alzheimer-Erkrankung demente Person das Bedürfnis des Wasserlassens nicht mehr oder findet die Toilette nicht. Bettlägerige Menschen sind möglicherweise nicht in der Lage, zur Toilette zu gehen oder eine Bettpfanne zu erreichen.

Häufig jedoch treten bei einer Person verschiedene Formen der Inkontinenz gleichzeitig auf. Dies wird als gemischte Blaseninkontinenz bezeichnet.

Ursachen

Verschiedene Mechanismen können Harninkontinenz verursachen. Häufig tritt mehr als einer dieser Mechanismen auf:

  • Schwäche des Schließmuskels oder der Beckenbodenmuskulatur (Insuffizienz des Blasenausgangs)

  • Der Blasenausgang ist blockiert (Obstruktion am Blasenausgang)

  • Spasmen oder Überaktivität der Muskulatur der Blasenwand (manchmal als überaktive Blase bezeichnet)

  • Schwache oder unteraktive Blasenwandmuskulatur

  • Schlechte Koordination der Blasenwandmuskulatur und des Schließmuskels

  • Gesteigerte Urinmenge

  • Funktionelle Störungen

Durch eine schwache oder unteraktive Blasenwandmuskulatur, eine Obstruktion am Blasenausgang oder vor allem eine Kombination aus beidem kann eine Unfähigkeit der Blasenentleerung auftreten (Harnretention). Die Harnretention kann paradoxerweise zum Harnträufeln aus der übervollen Blase, bzw. zu einer Überlaufinkontinenz führen.

Eine Erhöhung der Harnmenge (z. B. durch Diabetes, den Einsatz von Diuretika oder übermäßigen Alkohol- oder Koffeingenuss) kann den unwillkürlichen Harnabgang erhöhen, eine Harninkontinenz-Episode oder sogar eine vorübergehende Inkontinenz auslösen. Eine chronische Inkontinenz ist jedoch unwahrscheinlich. Funktionelle Störungen führen häufig zu einem vermehrten Harnabgang bei inkontinenten Menschen. Diese sind jedoch selten die einzige Ursache für eine dauerhafte Inkontinenz.

Im Allgemeinen sind die häufigsten Ursachen für eine Inkontinenz:

Tabelle
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Einige Mechanismen der Inkontinenz

Mechanismus

Beispiele

Schwächung des Schließmuskels oder der Beckenbodenmuskulatur (Insuffizienz des Blasenausgangs)

Atrophische Urethritis, Vaginitis oder eine Kombination von beidem

Arzneimittel

Schwächung der Beckenbodenmuskulatur durch chirurgischen Eingriff oder mehrere Spontangeburten

Prostataoperation

Obstruktion am Blasenausgang

Vergrößerte Prostata (gutartige Prostatahyperplasie) oder Prostatakrebs

Arzneimittel

Überaktive Blasenwandmuskulatur (überaktive Blase)

Blasenreizung (z. B. durch Infektion, Blasensteine oder in seltenen Fällen durch Krebs)

Erkrankungen, welche die Bereiche des Gehirns beeinträchtigen, die die Blasenfunktion steuern (z. B. Schlaganfall, Demenz oder Multiple Sklerose)

Zervikale Spondylose oder Halswirbelsäulendegeneration (kann auf das Rückenmark drücken und die Blasenfunktion beeinträchtigen)

Obstruktion am Blasenausgang

Unteraktivität der Blasenwandmuskulatur

Geschädigte Nerven (z. B. durch einen Bandscheibenvorfall, andere Erkrankungen des Rückenmarks, einen chirurgischen Eingriff, Tumoren, eine Verletzung, Diabetes oder Alkoholismus)

Arzneimittel

Seit langer Zeit bestehende Obstruktion am Blasenausgang

Bei Frauen gibt es häufig keinen erkennbaren Grund

Mangelhafte Koordination der Blasenwand und dem Schließmuskel

Schädigung des Rückenmarks oder der Nervenbahnen vom Gehirn zur Blase

Funktionelle Störungen

Demenz

Depression

Psychoaktive Präparate, die den bewussten Harndrang einschränken (z. B. Antipsychotika, Benzodiazepine, Präparate, die Schläfrigkeit verursachen wie Beruhigungsmittel und Schlafmittel oder trizyklische Antidepressiva)

Eingeschränkte Mobilität (z. B. durch Verletzung, Schwäche, Behinderungen, Schlaganfall, andere neurologische Erkrankungen oder muskuloskelettale Erkrankungen)

Situationsbedingte Einschränkungen (z. B. keine Toilette erreichbar, auf Reisen)

Erhöhung der Urinmenge

Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Diabetes insipidus

Einsatz von Diuretika (in der Regel Furosemid, Bumetanid oder Theophyllin, jedoch nicht von Thiazid-Diuretika)

Übermäßiger Konsum koffeinhaltiger Getränke (z. B. Kaffee, Tee, Cola oder einige andere Softdrinks) oder von Alkohol

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Einige Medikamente können eine Inkontinenz verursachen

Mechanismus

Beispiele

Schwächung des Schließmuskels oder der Beckenbodenmuskulatur (Insuffizienz des Blasenausgangs)

Alphablocker (wie Alfuzosin, Doxazosin, Prazosin, Tamsulosin oder Terazosin), die den Blasenschließmuskel entspannen.

Hormontherapie (in der Regel die orale Kombinationstherapie mit Östrogen und Progestin), die dazu beitragen kann, dass Beckenbodenmuskulatur und Stützgewebe abnehmen

Misoprostol, das den Blasenschließmuskel entspannt

Obstruktion am Blasenausgang

Alpha-adrenerge Stimulanzien (wie Pseudoephedrin), die dazu führen, dass sich die Muskeln in Blase und Prostata zusammenziehen

Unteraktivität der Blasenwandmuskulatur

Anticholinergika (Antihistaminika, Antipsychotika, Benzatropin oder trizyklische Antidepressiva), welche die Kontraktionen der Blasenmuskulatur hemmen

Kalziumkanalblocker (wie Diltiazem, Nifedipin oder Verapamil), welche die Kontraktionen des Blasenmuskels hemmen

Opioide, die die Kontraktionsfähigkeit der Blase zu hemmen scheinen

Wussten Sie ...

  • Menschen leben häufig mit einer Inkontinenz, weil sie fälschlicherweise glauben, dass es ein normaler Teil des Alterungsprozesses ist.

Beurteilung

Eine Harninkontinenz weist gewöhnlich nicht auf eine lebensbedrohliche Erkrankung hin. Sie kann jedoch sehr unangenehm für die Betroffenen sein oder dazu führen, dass sie unnötigerweise ihre Aktivitäten einschränken, was die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Eine seltene, plötzlich auftretende Inkontinenz kann auch ein Symptom für eine Erkrankung des Rückenmarks sein. Die folgenden Angaben können bei der Entscheidung behilflich sein, wann eine ärztliche Untersuchung nötig ist, und liefern Gewissheit darüber, was bei einer solchen Beurteilung durch den Arzt zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Menschen mit Harninkontinenz können bestimmte Symptome und Merkmale auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen. Hierzu gehören

  • Symptome der Schädigung des Rückenmarks (z. B. Schwäche und Empfindungsverlust in den Beinen, im Bereich der Genitalen oder dem Anus).

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Menschen, bei denen alarmierende Merkmale auftreten, sollten sofort die Notaufnahme aufsuchen. Menschen, bei denen derartige alarmierende Merkmale nicht auftreten, sollten ihren Arzt anrufen. Der Arzt entscheidet dann, basierend auf den Symptomen und dem allgemeinen Zustand, wie eilig die Untersuchung ist. Wenn neben der Inkontinenz keine weiteren Symptome auftreten, stellt eine Wartezeit von einer Woche kein Problem dar.

Den meisten Menschen ist es unangenehm das Thema Inkontinenz mit ihrem Arzt zu besprechen. Manche Menschen sind der Ansicht, dass Inkontinenz ein normaler Teil des Alterungsprozesses ist. Eine Inkontinenz kann jedoch, selbst wenn sie bereits seit einiger Zeit besteht oder bei einer älteren Person auftritt, in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden. Wenn die Symptome der Harninkontinenz die täglichen Aktivitäten stark beeinträchtigen oder dazu führen, dass die betroffene Person ihre sozialen Kontakte einschränkt, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Basierend auf der körperlichen Untersuchung und der Krankengeschichte, stößt der Arzt häufig auf einen möglichen Grund für die Inkontinenz und verschiedene Tests müssen durchgeführt werden.

Der Arzt befragt den Patienten zu den Situationen, in denen die Harnabgänge erfolgen, einschließlich der Menge, zu der Tageszeit und den auslösenden Faktoren (z. B. Husten, Niesen oder Belastungen). Er möchte außerdem wissen, ob Harndrang empfunden wird und falls ja, ob dieser Drang normal ist oder plötzlich und mit besonderer Dringlichkeit auftritt. Möglicherweise wird der Patient auch gebeten, die Menge des abgehenden Urins zu schätzen. Der Betroffene wird außerdem gefragt, ob sonstige Probleme beim Wasserlassen auftreten wie Schmerzen oder Brennen, besonders häufiger Harndrang, verzögerter Beginn beim Wasserlassen oder ein schwacher Urinstrahl.

Manchmal bittet der Arzt den Patienten, seine Toilettengang-Gewohnheiten während ein oder zwei Tagen aufzuzeichnen. Diese Aufzeichnungen nennt man Miktionstagebuch (Miktion = vollständige Blasenentleerung). Bei jedem Toilettengang werden Urinmenge und Uhrzeit notiert. Nach einer Inkontinenz-Episode werden auch alle damit in Zusammenhang stehenden Aktivitäten notiert, insbesondere Essen, Trinken, Anwendung von Medikamenten oder Schlafen.

Der Arzt fragt den Patienten, ob andere Erkrankungen vorliegen, die bekannterweise eine Inkontinenz verursachen können, wie z. B. Demenz, Schlaganfall, Steine in den Harnwegen, Erkrankungen des Rückenmarks oder andere neurologische Erkrankungen sowie Prostata-Erkrankungen. Der Arzt muss wissen, welche Medikamente eingenommen werden, da einige Medikamente zur Inkontinenz beitragen können. Frauen werden nach Anzahl und Art ihrer Entbindungen und zu eventuellen Komplikationen befragt. Alle Betroffenen werden nach chirurgischen Eingriffen im Bereich des Beckens und Unterleibs befragt, Männer insbesondere nach Prostataoperationen.

Eine körperliche Untersuchung kann dem Arzt helfen, die möglichen Ursachen einzugrenzen. Die Ärzte testen die Kraft, das Empfindungsvermögen und die Reflexe in den Beinen sowie das Empfindungsvermögen im Genitalbereich und Anus, um eventuelle Nerven- und Muskelprobleme festzustellen, die möglicherweise Einfluss auf die Kontinenz haben.

Bei Frauen erfolgt eine gynäkologische Untersuchung, um eventuelle Abnormitäten zu entdecken, die eine Inkontinenz auslösen können, wie z. B. Atrophie der Scheide (Veränderung während der Wechseljahre, bei der die Scheidenschleimhaut dünner, trockener und weniger elastisch wird, kann von Veränderungen der Harnwege begleitet sein) oder eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur. Bei Männern und Frauen erfolgt außerdem eine Rektaluntersuchung, um Anzeichen für eine Verstopfung oder eine Schädigung der Nerven, die das Rektum versorgen, zu entdecken. Bei Männern untersucht der Arzt im Rahmen der rektalen Untersuchung die Prostata, da eine vergrößerte Prostata oder fallweise auch Prostatakrebs zu Inkontinenz führen können. Die betroffene Person wird möglicherweise aufgefordert, mit voller Blase zu husten, um zu überprüfen, ob eine Stressinkontinenz vorliegt. Frauen werden unter Umständen gebeten, dies wiederholt zu tun, um festzustellen, ob durch die Stützung einiger Beckenstrukturen von außen (mit dem Finger) der Harnabgang verhindert wird.

Tests

Häufig können durch eine körperliche Untersuchung der Grund oder die beeinflussenden Faktoren für die Inkontinenz erkannt werden. Um die Diagnose jedoch zu bestätigen, sind einige Tests durchzuführen. Zu den routinemäßig durchgeführten Tests gehören:

Wenn mittels der klinischen Beurteilung und der oben genannten Tests die Ursache für die Inkontinenz nicht festgestellt werden kann, werden Urodynamik-Tests durchgeführt, die Zystometrie, Harnflussmessung und Zystometrographie umfassen.

  • Mittels Zystometrie wird nachgewiesen, ob es sich um eine Dranginkontinenz handelt und die Ursache eine überaktive Blase ist. Ein Blasenkatheter wird über die Harnröhre in die Blase eingeführt. Ein Arzt misst, wie viel Wasser in die Blase eingespritzt werden kann, bis die Person einen starken Harndrang empfindet.

  • Bei Männern wird eine Messung der maximalen Harnflussrate durchgeführt, um festzustellen, ob eine Obstruktion am Blasenausgang der Grund für die Inkontinenz ist (in der Regel ausgelöst durch Prostata-Erkrankungen). Männer müssen im Rahmen dieser Untersuchung in ein bestimmtes Gerät urinieren (Uroflowmeter), das die Harnflussgeschwindigkeit und die Harnmenge misst.

  • Wenn bei allen anderen Untersuchungen kein Grund für die Inkontinenz festgestellt werden konnte, erfolgt eine Zystometrographie. Bei einer Zystometrographie wird der Blasendruck mit unterschiedlichen Füllvolumen gemessen. Die Zystometrographie wird häufig in Verbindung mit der Elektromyographie durchgeführt, ein Verfahren, bei dem die Funktion des Schließmuskels überprüft wird. In speziell ausgestatteten Einrichtungen kann neben der Schließmuskelfunktion und sonstigen Druckmessungen der Blase auch die Stärke der Blasenkontraktion gemessen werden.

Obwohl die urodynamischen Untersuchungen wichtig sind, kann man dadurch nicht immer die Ansprechwahrscheinlichkeit auf eine medikamentöse Behandlung oder die relative Bedeutung verschiedener Ursachen beurteilen.

Behandlung

  • Behandlung spezifischer Ursachen

  • Manchmal Medikamente zur Behandlung bestimmter Arten von Inkontinenz

  • Allgemeine Maßnahmen zur Reduzierung der Unannehmlichkeiten in Zusammenhang mit Inkontinenz

Die konkrete Ursache für die Inkontinenz kann häufig behandelt werden. Dem Betroffenen kann außerdem zu ganz allgemeinen Maßnahmen geraten werden, um die mit einer Inkontinenz in Zusammenhang stehenden Unannehmlichkeiten einzuschränken.

Wenn ein Medikament Grund des Problems ist, kann dieses möglicherweise ausgetauscht oder die Dosierungszeiten geändert werden (z. B. kann ein Diuretikum so eingenommen werden, dass bei Wirkungseintritt die Toilette schnell erreichbar ist). Der Betroffene sollte jedoch zuerst mit seinem Arzt sprechen, bevor das Medikament abgesetzt oder die Dosis oder das Dosierungsschema verändert wird.

Einige Medikamente können für bestimmte Formen der Inkontinenz sehr wirksam sein, sie sollten jedoch vielmehr ergänzend eingesetzt werden und nicht als Ersatz für andere Maßnahmen. Es können Medikamente eingesetzt werden, die die Muskulatur der Blasenwand entspannen, oder solche, die die Spannkraft des Schließmuskels erhöhen. Medikamente, die den Blasenschließmuskel entspannen, können eingesetzt werden, wenn eine Obstruktion des Blasenausgangs vorliegt, oder bei männlichen Patienten mit Drang- oder Überlaufinkontinenz.

Allgemeine Maßnahmen

Unabhängig von der Art und der Ursache der Inkontinenz sind einige allgemeine Maßnahmen häufig sehr hilfreich.

  • Flüssigkeitsaufnahme ändern

  • Blasentraining

  • Training der Beckenbodenmuskulatur

Die Flüssigkeitsaufnahme kann auf bestimmte Uhrzeiten begrenzt werden, z. B. bevor man das Haus verlässt oder 3 bis 4 Stunden vor dem Zubettgehen. Möglicherweise rät der Arzt dem Betroffenen, Flüssigkeiten zu vermeiden, die die Blase reizen können (z. B. koffeinhaltige Getränke). Dennoch sollten Betroffene pro Tag zwischen 1,5 und 2 Liter Wasser trinken, da konzentrierter Urin die Blase reizt.

Das Blasentraining ist eine Technik, bei der die betroffene Person, wann immer sie wach ist, die Toilettengänge an einem vorgegebenen Zeitplan orientiert. Der Arzt entwickelt gemeinsam mit dem Betroffenen einen Zeitplan, der alle 2 bis 3 Stunden einen Toilettengang vorsieht, und zu anderen Zeiten wiederum wird der extreme Harndrang mittels verschiedener Techniken unterdrückt (z. B. durch Entspannung und tiefes Atmen). Sobald die betroffene Person den Harndrang besser unterdrücken kann, werden diese Zeitspannen allmählich verlängert. Eine ähnliche Technik, die Blasenentleerung bei Aufforderung, kann von Menschen eingesetzt werden, die eine Person mit Demenz oder anderen kognitiven Erkrankungen pflegt. Hierbei wird die betroffene Person in bestimmten Zeitabständen gefragt, ob sie auf die Toilette muss, bzw. ob sie trocken oder feucht ist.

Beckenbodentraining (Kegel-Übungen) sind vor allem bei Stressinkontinenz sehr wirksam. Es ist wichtig, dass die Betroffenen genau wissen, dass die richtigen Muskeln trainiert werden, nämlich die Muskeln rund um Harnröhre und Rektum, die den Harnabgang stoppen. Diese Muskeln werden für 1 bis 2 Sekunden fest zusammengezogen und anschließend etwa 10 Sekunden entspannt. Die Übungen sind dreimal täglich mit jeweils 10 Wiederholungen zu machen. Nach einiger Zeit können die Betroffenen die Dauer, in der die Muskeln fest angespannt werden, auf 10 Sekunden pro Wiederholung verlängern. Da es unter Umständen schwierig erlernbar ist, die richtigen Muskeln zu steuern, können genaue Anweisungen des Arztes helfen. Alternativ können Biofeedback-Verfahren oder elektrische Stimulation eingesetzt werden (eine elektronische Variante der Beckenbodenübungen, bei der die richtigen Muskeln über elektrische Stromimpulse stimuliert werden).

Tabelle
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Einige Medikamente, die zur Behandlung von Harninkontinenz eingesetzt werden

Medikament

So wirkt es

Anmerkungen

Bei Schwäche des Blasenschließmuskels oder der Beckenbodenmuskulatur (Insuffizienz des Blasenausgangs), die eine Stressinkontinenz zur Folge hat.

Duloxetin

Hilft dabei, die Kontraktionen des Schließmuskels zu verstärken

Noch nicht so intensiv untersucht wie viele andere Präparate

Ist für diese Anwendung in den Vereinigten Staaten nicht zugelassen

Imipramin (ein trizyklisches Antidepressivum)

Hilft dabei, die Kontraktionen des Blasenschließmuskels zu verstärken und eine überaktive Blase zu entspannen (anticholinerger Effekt*)

Wird auch bei einer überaktiven Blase und Dranginkontinenz eingesetzt

 Von der FDA als vorübergehende Therapie zur Verringerung der nächtlichen Inkontinenz (Enuresis) bei Kindern ab 6 Jahren zugelassen

Alpha-adrenerge Stimulanzien (Pseudoephedrin)

Hilft dabei, die Kontraktionen des Blasenschließmuskels zu verstärken.

Kann zu Nervosität, Schlaflosigkeit und bei Männern zu einer Unfähigkeit zum Wasserlassen führen.

Rezeptfreies Arzneimittel, das primär als Dekongestivum zum Einsatz kommt

Bei einer Obstruktion am Blasenausgang bei Männern, die eine Drang- oder Überlaufinkontinenz zur Folge hat.

Alphablocker:

  • Alfuzosin

  • Doxazosin

  • Prazosin

  • Silodosin

  • Tamsulosin

  • Terazosin

Hilft dabei, den Blasenschließmuskel zu entspannen

Das Präparat neigt dazu, die Geschwindigkeit des Harnflusses zu beschleunigen und unterstützt dabei, die Blase vollständiger zu entleeren.

Kann den Blutdruck senken und ermüden

5-Alpha-Reduktasehemmer:

  • Dutasterid

  • Finasterid

Hilft dabei eine vergrößerte Prostata zu verkleinern

Es kann Wochen oder Monate dauern, bis eine Wirkung eintritt.

Kann in manchen Fällen das sexuelle Verlangen mindern oder zu Erektionsstörungen führen

Phosphodiesterase-5(PDE-5)-Hemmer:

  • Tadalafil

Es ist nicht sicher, wie dieses Medikament eine vergrößerte Prostata beeinflusst

Täglich geringe Dosis (auch zur Behandlung der Erektionsstörung)

Bei überaktiver Blase mit Drang- oder Stressinkontinenz

Darifenacin

Erhöht die Füllkapazität der Blase und vermindert die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur (anticholinerge Effekte)

Dicyclomin

Entspannt unwillkürliche Muskeln

Erhöht die Füllkapazität der Blase und vermindert die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur (anticholinerge Effekte*)

Noch nicht so intensiv untersucht wie viele andere Präparate

Fesoterodin

Erhöht die Füllkapazität der Blase und vermindert die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur (anticholinerge Effekte)

Noch nicht so intensiv untersucht wie viele andere Präparate

Hyoscyamin

Erhöht die Füllkapazität der Blase und vermindert die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur (anticholinerge Effekte*)

Noch nicht so intensiv untersucht wie viele andere Präparate

Imipramin (ein trizyklisches Antidepressivum)

Hilft dabei, die Kontraktionen des Blasenschließmuskels zu verstärken.

Erhöht die Füllkapazität der Blase und vermindert die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur (anticholinerger Effekt*)

Besonders sinnvoll ist der Einsatz bei nächtlicher Inkontinenz

Mirabegron (ein Agonist des Beta-Adrenozeptors)

Entspannt die Blasenwand

Noch nicht so intensiv untersucht wie viele andere Präparate

Kann den Blutdruck erhöhen

OnabotulinumtoxinA

(eine Form von Botulinumtoxin)

Blockiert die Aktivität der Blasenmuskulatur, die unwillkürliche Kontraktionen der Blase hervorruft

Injektion in die Blasenwand über ein in die Blase eingeführtes Zystoskop

Wird zu Behandlung von Inkontinenz bei Erwachsenen mit überaktiver Blase eingesetzt, die durch eine neurologische Störung verursacht wurde (wie Multiple Sklerose), wenn andere Medikamente keine Wirkung zeigen oder zu viele Nebenwirkungen verursachen.

Oxybutynin

Zahlreiche Effekte, wie die Entspannung der unwillkürlichen Muskeln und anticholinerge Effekte*, einschließlich Erhöhung der Füllkapazität der Blase und Verringerung der unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwand.

Kann unter Umständen das wirkungsvollste Präparat sein

Verfügbar in Tablettenform, als Hautpflaster und als Gel

Solifenacin

Erhöht die Füllkapazität der Blase und vermindert die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur (anticholinerge Effekte)

Tolterodin

Erhöht die Füllkapazität der Blase und vermindert die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur (anticholinerge Effekte)

Trospium

Erhöht die Füllkapazität der Blase und vermindert die unwillkürlichen Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur (anticholinerge Effekte*)

Für eine schwache Blasenwandmuskulatur mit Überlaufinkontinenz

Bethanechol

Hilft der Blasenwandmuskulatur sich zu entspannen

Im Allgemeinen unwirksam

Kann Hitzewallungen, Unterleibskrämpfe und eine erhöhte Herzfrequenz verursachen

*Anticholinerge Effekte (wie trockener Mund, Verstopfung, in einigen Fällen verschwommenes Sehen oder Verwirrtheit) können sehr unangenehm sein, vor allem bei älteren Menschen.

Diese Medikamente haben anticholinerge Effekte, die sich an das Harnsystem richten; diese anticholinergen Effekte sind tendenziell geringer als bei anderen Medikamenten mit anticholinergen Effekten.

Dranginkontinenz

Ziel ist es, die Muskulatur der Blasenwand zu entspannen. Blasentraining, Kegel-Übungen und Entspannungstechniken werden zuerst probiert. Ebenso können Biofeedback-Verfahren eingesetzt werden. Bei Verspüren eines Harndrangs kann die betroffene Person versuchen, sich zu entspannen, ruhig stehenzubleiben oder sich zu setzen, oder aber die Beckenbodenmuskulatur anzuspannen. Die beiden zu diesem Zweck am häufigsten eingesetzten Medikamente sind Oxybutynin und Tolterodin. Oxybutynin ist als Pflaster, als Hautgel oder in Tablettenform verfügbar. Zu den neueren Medikamenten gehören Mirabegron, Fesoterodin, Solifenacin, Darifenacin und Trospium.

Falls andere Behandlungen bei einer Dranginkontinenz keine Wirkung zeigen, können weitere Behandlungsoptionen probiert werden, wie die sanfte Elektrostimulation der Sakralnerven mittels eines Geräts, das dem Herzschrittmacher gleicht, oder es können bestimmte Chemikalien in die Blase eingebracht werden (wenn als Ursache eine Erkrankung des Rückenmarks oder des Gehirns zugrunde liegt).

Stressinkontinenz

Die Behandlung beginnt gewöhnlich mit einem Blasentraining und Kegel-Übungen. Das Vermeiden von körperlichen Belastungen, die zum Harnabgang führen können (z. B. schweres Heben), und Gewichtsverlust können dabei unterstützen, die Inkontinenz unter Kontrolle zu bekommen. Pseudoephedrin kann bei Frauen mit Insuffizienz des Blasenausgangs nützlich sein. Imipramin kann bei Belastungs- und Dranginkontinenz oder bei einer Mischform eingesetzt werden. Duloxetin wird ebenfalls bei Stressinkontinenz eingesetzt. Wenn eine Stressinkontinenz durch eine atrophische Urethritis oder Vaginitis verursacht wurde, sind häufig östrogenhaltige Cremes wirksam. Für Menschen mit Stressinkontinenz ist es hilfreich, häufig die Toilette aufzusuchen.

Bei Stressinkontinenz, bei der Medikamente oder Verhaltensmaßnahmen keine Linderung bringen, können ein chirurgischer Eingriff oder bestimmte Hilfsmittel wie Pessare helfen. Die Vaginalschlinge dient als Verstärkung des Gewebes und verhindert, dass sich die Harnröhre beim Husten, Niesen oder Lachen öffnet. Meistens wird diese Schlinge aus einem Kunststoffnetz gefertigt. Diese implantierten Netze sind recht wirkungsvoll; bei einigen wenigen Menschen jedoch treten ernsthafte Komplikationen auf. Alternativ kann eine Schlinge aus dem eigenen Gewebe der Bauchwand oder dem Bein angefertigt werden. Auch bei Männern mit Stressinkontinenz kann eine Netzschlinge oder ein künstlicher Blasenschließmuskel um die Harnröhre herum eingesetzt werden, um den unwillkürlichen Harnabgang zu verhindern.

Überlaufinkontinenz

Die Behandlungsart hängt davon ab, ob als Ursache eine Obstruktion des Blasenausgangs, eine schwache Blasenwandmuskulatur oder beides zugrunde liegt. Bei einer Überlaufinkontinenz, deren Ursache eine Obstruktion des Blasenausgangs ist, stehen bestimmte Therapieoptionen zur Verfügung, um diese Obstruktion zu entfernen (z. B. chirurgischer Eingriff oder Medikamente gegen Erkrankungen der Prostata, Zystozele-Operation sowie die Weitung einer verengten Harnröhre oder Einsetzen eines Stents).

Bei einer Überlaufinkontinenz aufgrund einer schwachen Muskulatur der Blasenwand sind mögliche Behandlungsoptionen das vorübergehende Einführen eines Blasenkatheters zur Verringerung der Urinmenge oder in seltenen Fällen ein Dauerkatheter. Ziel ist dabei, die Größe der Blase zu verringern, sodass die Blasenwand ihre Funktion unter Umständen wieder aufnehmen kann und nicht überläuft. Andere Maßnahmen können helfen, die Blase nach dem Wasserlassen zu entleeren. Hierzu zählt die sogenannte Mehrfachmiktion (direkt nach dem Wasserlassen nochmals versuchen zu urinieren), Pressen nach dem Wasserlassen und/oder am gegen den Unterleib drücken. In manchen Fällen kann mittels elektrischer Stimulation die Blase vollständiger entleert werden.

Wichtige Informationen für ältere Menschen: Harninkontinenz

Obwohl diese Störung bei älteren Menschen häufiger auftritt, gehört sie nicht zum normalen Alterungsprozess.

Im Rahmen des Alterungsprozesses vermindert sich die Blasenkapazität, die Fähigkeit, die Blasenentleerung hinauszuzögern verringert sich, unwillkürliche Kontraktionen der Blase treten häufiger auf und die Blasenkontraktionen werden schwächer. Aus diesem Grund wird es immer schwieriger, das Wasserlassen hinauszuzögern, und die Blasenentleerung wird immer unvollständiger. Die Muskeln, die Bänder und das Bindegewebe des Beckens werden schwächer, was zur Inkontinenz führen kann. Bei Frauen in den Wechseljahren sinkt die Östrogen-Konzentration, was zu einer atrophischen Urethritis und atrophischen Vaginitis und einer zunehmenden Schwächung des Blasenschließmuskels führen kann. Bei Männern vergrößert sich die Prostata und blockiert teilweise die Harnröhre, was eine unvollständige Blasenentleerung und Druck auf den Blasenmuskel zur Folge hat. Diese Veränderungen, die bei vielen gesunden, kontinenten älteren Menschen auftreten können, können eine Inkontinenz begünstigen, diese jedoch nicht verursachen.

Eine Inkontinenz verringert die Lebensqualität in erheblichem Umfang und verursacht Schamgefühl, Isolation und Depression. Eine Inkontinenz ist häufig der Grund, weshalb ältere Menschen in einer Pflegeeinrichtung versorgt werden müssen. Der Urin irritiert die Haut und führt zur Bildung von Druckgeschwüren bei Menschen, die an Bett oder Rollstuhl gefesselt sind. Das Sturz- oder Knochenbruchrisiko ist bei älteren Menschen mit Dranginkontinenz erhöht, da sie häufig schnell zur Toilette gehen müssen.

Die wirkungsvollsten Medikamente für viele verschiedene Formen der Inkontinenz sind Medikamente mit anticholinergen Effekten ( Anticholinergikum: Was bedeutet anticholinerg?). Diese Effekte wie Verstopfung, trockener Mund, verschwommenes Sehen und manchmal sogar Verwirrtheit sind für ältere Menschen sehr belastend.

Wichtigste Punkte

  • Inkontinenz tritt häufig auf und kann die Lebensqualität einer Person in erheblichem Maß einschränken; deshalb sollten Betroffene zur genauen Beurteilung von einem Arzt untersucht werden.

  • Obwohl Inkontinenz häufiger bei älteren Menschen auftritt, ist sie nicht eine normale Folge des Alterungsprozesses.

  • Einige Ursachen sind reversibel, selbst wenn sie längere Zeit vorhanden waren.

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