Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

Lädt...

Übersicht über Pilzinfektionen

Von

Sanjay G. Revankar

, MD, Wayne State University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2019| Inhalt zuletzt geändert Sep 2019
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Quellen zum Thema

Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere. Sie wurden früher einmal als Pflanzen betrachtet, aber jetzt sind sie als eigenes Reich klassifiziert. Manche Pilze verursachen Infektionen bei Menschen.

  • Da Pilzsporen häufig in der Luft oder in der Erde vorhanden sind, beginnen Pilzinfektionen normalerweise in der Lunge oder auf der Haut.

  • Pilzinfektionen sind nur selten schwerwiegend, sofern das Immunsystem nicht durch Medikamente oder Krankheiten geschwächt ist.

  • Pilzinfektionen entwickeln sich normalerweise langsam.

  • Antimykotische Medikamente können direkt auf den Infektionsherd aufgetragen oder bei schwerwiegenden Infektionen oral eingenommen oder injiziert werden.

Pilze können in zwei Formen wachsen:

  • Hefepilze: Eine einzige runde Zelle

  • Schimmelpilze: Viele Zellen, die ein langes, dünnes Band formen, das als Pilzhyphe bezeichnet wird

Einige Pilze nehmen während ihres Lebenszyklus beide Formen an.

Oftmals wachsen sie in Erde und verrottendem Pflanzenmaterial. Viele Pilze, inklusive Brotschimmel und Speisepilze, können mit dem bloßen Auge erkannt werden.

Wussten Sie ...

  • Pilze sind ihr eigenes Reich – sie sind weder Pflanze noch Tier.

Pilze vermehren sich durch die Verbreitung von mikroskopisch kleinen Sporen. Diese sind häufig in der Luft und im Erdboden enthalten, wo sie eingeatmet werden können, oder sie kommen mit den Körperoberflächen, hauptsächlich der Haut, in Kontakt. Folglich beginnen Pilzinfektionen normalerweise in der Lunge oder auf der Haut.

Von den unterschiedlichen Sporen, die auf der Haut landen oder in die Lunge eingeatmet werden, verursachen die meisten keine Infektion. Ein paar Arten verursachen nur bei Patienten Infektionen, die eines der folgenden Dinge aufweisen:

  • Geschwächtes Immunsystem

  • Fremdes Material, einschließlich medizinischer Geräte (wie ein künstliches Gelenk oder eine künstliche Herzklappe), im Körper

Das Immunsystem kann durch die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), wie chemotherapeutische Wirkstoffe oder Medikamente zur Vorbeugung der Abstoßung eines Organtransplantats, oder durch eine Krankheit, die zu einer Immundefizienz führt, wie AIDS, geschwächt werden.

Mit Ausnahme einiger oberflächlicher Hautinfektionen werden Pilzinfektionen selten von einer Person zur anderen weitergegeben.

Risikofaktoren für die Entwicklung von Pilzinfektionen

Behandlungen mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken

  • Chemotherapiemedikamente für Krebs

  • Kortikosteroide

  • Medikamente, die der Abstoßung eines Transplantation vorbeugen wie Azathioprin, Methotrexat und Zyklosporin

  • Tumornekrosefaktor-Hemmer (zur Behandlung von rheumatoider Arthritis und verwandten Krankheiten eingesetzt)

Erkrankungen

Arten von Pilzinfektionen

Pilzinfektionen werden oft wie folgt beschrieben:

  • Opportunistisch

  • Primär

Pilzinfektionen können viele Bereiche des Körpers (systemisch) oder nur einen Bereich (lokal) betreffen.

Opportunistische Pilzinfektionen nutzen ein geschwächtes Immunsystem aus. Aus diesem Grund treten sie in der Regel bei Menschen mit Immunschwäche auf, wie z. B. AIDS-Patienten oder Menschen, die Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems einnehmen. Opportunistische Pilzinfektionen treten auf der ganzen Welt auf. Typische opportunistische Pilzinfektionen umfassen:

Opportunistische Pilzinfektionen können sehr aggressiv sein; sie breiten sich rasch auf andere Organe aus und führen oftmals zum Tod.

Primäre Pilzinfektionen können bei Menschen mit normalem Immunsystem auftreten, was manchmal schwere Konsequenzen mit sich bringt.

Bestimmte primäre Pilzinfektionen sind in bestimmten geographischen Gebieten häufig, wie die folgenden Beispiele zeigen:

  • Histoplasmose ist besonders häufig in den Vereinigten Staaten in den Flusstälern des Ohio und Mississippi, in der Mitte des US-Bundesstaats New York sowie in Texas. Zudem tritt sie auch in Teilen Mittel- und Südamerikas, in Afrika, Asien und Australien auf.

  • Blastomykose ist besonders häufig in den östlichen und zentralen Vereinigten Staaten. Zudem kommt es auch in Afrika und in Kanada im Flusstal des Sankt-Lorenz-Stroms vor.

  • Kokzidioidomykose tritt fast ausschließlich im Südwesten und im kalifornischen Längstal in den Vereinigten Staaten, in Nordmexiko und Mittel- sowie Südamerika auf.

  • Parakokzidioidomykose tritt hauptsächlich in bestimmten Teilen Süd- und Mittelamerikas auf.

Da sich viele primäre Pilzinfektionen langsam entwickeln, können Monate oder Jahre vergehen, bevor Menschen ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen. Wenn das Immunsystem normal ist, breiten sich Pilzinfektionen typischerweise nicht zu den Organen tief im Körper aus.

Lokale Pilzinfektionen betreffen nur einen Bereich des Körpers und treten manchmal auf, wenn das normale Gleichgewicht, das Pilze unter Kontrolle hält, durcheinander gebracht wird. Zum Beispiel sind bestimmte Typen von Pilzen (wie Candida) normalerweise auf Körperoberflächen oder im Darm vorhanden. Die Bakterien, die normalerweise im Verdauungstrakt und der Vagina vorhanden sind, begrenzen das Wachstum dieser Pilze in diesen Bereichen. Wenn Menschen Antibiotika nehmen, können die hilfreichen Bakterien abgetötet werden, was den Pilzen erlaubt, unkontrolliert zu wachsen. Die daraus resultierende übermäßige Vermehrung von Pilzen kann Symptome verursachen, die normalerweise leicht sind. Wenn sich anschließend die normale Bakterienflora wieder erholt, wird das Gleichgewicht wieder hergestellt, und das Problem verschwindet gewöhnlich von selbst.

Lokale Pilzinfektionen betreffen in der Regel die Haut und die Nägel, die Vagina, den Mund oder die Nasenebenhöhlen.

Diagnose

  • Anzüchten einer Kultur aus einer Probe und ihre Untersuchung

  • Bluttests

Wenn der Arzt eine primäre Pilzinfektion vermutet, stellt er den Patienten u. a. die folgenden Fragen, die bei der Diagnose behilflich sein können:

  • Wohin sie gereist sind und wo sie gelebt haben, um eine möglicherweise Jahre zurückliegende Exposition gegenüber bestimmten Pilzen zu eruieren

  • Ob sie Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken können

  • Ob sie an einer Erkrankung leiden, die das Immunsystem schwächt

Der Arzt entnimmt danach eine Probe, von der im Labor eine Kultur herangezüchtet wird und die dann unter dem Mikroskop untersucht wird. Bei der Probe kann es sich um Sputum (Auswurf) oder Blut handeln, doch manchmal müssen die Ärzte eine Probe aus der Lunge entnehmen. Zur Entnahme einer Probe aus der Lunge führt der Arzt einen biegsamen Beobachtungsschlauch (ein Bronchoskop) durch den Mund in die Atemwege des Patienten ein. Eine Flüssigkeit wird durch den Schlauch gespritzt und danach wieder eingesaugt, wobei Zellen und etwaige Pilze (oder sonstige Mikroorganismen) eingesammelt werden. Manchmal bedarf es einer Biopsie oder einer Operation, um die Probe zu entnehmen.

Wenn die Diagnose unklar ist, können Bluttests durchgeführt werden. Bei diesen Tests wird nach Antikörpern (die vom Immunsystem des Patienten als Reaktion auf Fremdkörper wie u. a. Pilze gebildet werden), Antigenen (Moleküle aus Fremdkörpern, die eine Immunreaktion des Körpers auslösen können) oder sonstigen Anzeichen auf Pilze gesucht.

Tests, die genetisches Material in Mikroorganismen nachweisen, werden auch bei einigen Pilzinfektionen durchgeführt.

Behandlung

  • Antimykotika

Es gibt mehrere Medikamente, die wirksam gegen Pilzinfektionen sind, aber die Struktur und die chemische Zusammensetzung von Pilzen machen es schwierig, sie abzutöten.

Antimykotische Medikamente können direkt auf eine Pilzinfektion der Haut oder einer anderen Oberfläche, wie die Vagina oder die Innenseite des Mundes, aufgetragen werden. Antimykotische Medikamente können auch oral eingenommen oder injiziert werden, wenn sie benötigt werden, um eine schwerere Infektion zu behandeln. Bei schweren Infektionen dauert die Behandlung oft mehrere Monate.

Tabelle
icon

Arzneimittel für ernsthafte Pilzinfektionen

Medikament

Allgemeine Verwendung

Einige Nebenwirkungen

Amphotericin B

Die meisten Pilzinfektionen

Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen, niedrige Blutkaliumwerte*, Nierenversagen und Anämie

Anidulafungin

Caspofungin

Micafungin

Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Leberentzündung, Venenentzündung und Ausschlag

Fluconazol

Candida- und andere Pilzinfektionen, einschließlich Kokzidioidomykose und Kryptokokkose

Übelkeit, Ausschlag und Leberentzündung

Flucytosin†

Candida-Infektionen und Kryptokokkose

Übelkeit, Erbrechen und Knochenmarkschädigung

Isavuconazol

Übelkeit, Erbrechen und Leberentzündung

Itraconazol

Pilzinfektionen der Haut, Histoplasmose, Blastomykose, Kokzidioidomykose und Sporotrichose

Übelkeit, Durchfall, Leberentzündung, Ausschlag, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, niedrige Kaliumwerte* im Blut, hoher Blutdruck, Flüssigkeitsansammlung (Ödem) und Herzversagen

SUBA-Itraconazol

Übelkeit, Durchfall, Leberentzündung, Ausschlag, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, niedrige Kaliumwerte* im Blut, hoher Blutdruck, Flüssigkeitsansammlung (Ödem) und Herzversagen

Posaconazol

Aspergillus-, Candida- und viele andere Pilzinfektionen

Übelkeit, Erbrechen, Ausschlag und Leberentzündung

Voriconazol

Aspergillus- und Candida-Infektionen, Fusariose und Scedosporiose

Vorübergehende Störungen des Sehvermögens (wie verschwommenes Sehen, Veränderung des Farbsehens und Lichtempfindlichkeit), Übelkeit, Erbrechen, Ausschlag und Leberentzündung

* Eine geringe Kaliumkonzentration (Hypokaliämie) kann zu Muskelschwäche, Krämpfen und Zuckungen sowie Herzrhythmusstörungen führen.

† Flucytosin wird in der Regel mit anderen Medikamenten eingesetzt.

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Wie Sie Ihre Hände waschen sollten
Video
Wie Sie Ihre Hände waschen sollten
3D-Modelle
Alle anzeigen
Windpocken
3D-Modell
Windpocken

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN