Vorgehen beim Traumapatienten

Vollständige Überprüfung: Apr. 2026 VonJaime Jordan, MD, UCLA School of Medicine | Peer-Review durchDiane M. Birnbaumer, MD, David Geffen School of Medicine at UCLA
Letzte Aktualisierung: Apr. 2026
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In den Vereinigten Staaten sind Verletzungen die häufigste Todesursache bei Menschen im Alter von 1 bis 44 Jahren (1). Im Jahr 2023 gab es 300.900 Todesfälle durch Verletzungen, von denen etwa 74 % unfallbedingt waren. Bei den vorsätzlichen Todesfällen waren mehr als 65% selbstverschuldet. Zusätzlich zu den Todesfällen führen Verletzungen zu über 40 Millionen Besuchen in der Notaufnahme jährlich.

Patienten, die schwer verletzt, aber nicht tödlich verletzt sind, profitieren am meisten von der Behandlung in speziellen Traumazentren, d. h. Krankenhäusern mit einer speziellen Ausstattung und Programmen zur sofortigen Versorgung von intensivpflichtigen Patienten. Die Kriterien für eine solche Einstufung (und für die Notwendigkeit des Transports zu ihnen) variieren, richten sich aber in der Regel nach den Richtlinien der Regierung oder der medizinischen Gesellschaft, wie z. B. denen des American College of Surgeons Committee on Trauma.

Viele traumatische Verletzungen werden an anderer Stelle im MSD-Manual besprochen:

General reference

  1. 1. Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Health Statistics: All injuries. FastStats. Verfügbar unter https://www.cdc.gov/nchs/fastats/injury.htm. Accessed March 30, 2026.

Ätiologie des Traumas

Die meisten körperlichen Traumata sind auf stumpfe oder penetrierende Verletzungen zurückzuführen. Stumpfe Traumata bedeuten einen kräftigen Schlag (z. B. ein Stoß, Tritt oder Schlag durch einen Gegenstand, ein Sturz, eine Explosion oder ein Autounfall). Penetrierende Verletzungen bedeuten ein Durchbrechen der Hautgrenze oder anderer Gewebe mit einem Objekt (z. B. Messer, Glasscherbe) oder einem Projektil (z. B. Kugel, Explosionssplitter).

Andere Verletzungsmechanismen sind Verbrennungen und Verätzungen, toxische Inhalationen oder Ingestionen und Strahlenunfälle.

Pathophysiologie des Traumas

Jedes Trauma geht mit einer direkten Verletzung einher (unmittelbare Gewebeschädigung durch mechanische Krafteinwirkung zum Zeitpunkt des Aufpralls), deren Art und Ausmaß von der anatomischen Lokalisation, dem Mechanismus und der Krafteinwirkung abhängen. Schwere direkte Gewebeschäden an lebenswichtigen Organen (z. B. Herz, Gehirn, Rückenmark) verursachen die meisten unmittelbaren traumabedingten Todesfälle.

Ein Trauma kann auch eine indirekte Verletzung umfassen (verzögerte Gewebeschädigung durch die physiologischen Folgen der Erstverletzung). Dies kann Gewebeischämie-Reperfusionsschaden, Kompartmentsyndrom, Entzündung, Infektion oder andere Folgen umfassen.

Gefäßrupturen können durch direkte oder indirekte Verletzungen von Blutgefäßen entstehen, wobei es zu Blutungen kommen kann. Diese können äußerlich oder innerlich sowie entweder begrenzt (z. B. Kontusion, Hämatom) oder frei (Blutung in eine Körperhöhle [z. B. Peritonealhöhle, Thorax]) sein. Kleinere Blutungen (d. h. < 10% des Blutvolumens) werden von den meisten Patienten gut toleriert. Größere Volumina verursachen Hypovolämie mit fortschreitendem Blutdruckabfall und verminderter Organperfusion (d. h. Schock), was zu zellulärer Dysfunktion, Organversagen und schließlich zum Tod führt.

Der hämorrhagische Schock und Hirnverletzung verursachen die meisten kurzfristigen Todesfälle (d. h. innerhalb von Stunden), und das Multiorganversagen aufgrund des verlängerten Schocks verursacht viele der nahen Todesfälle (d. h. der ersten 14 Tage) (1). Weitere Todesfälle in diesem Zeitraum gehen auf Infektionen aufgrund einer Zerstörung der normalen anatomischen Barrieren und einer Störung des Immunsystems zurück.

Hinweis zur Ätiologie

  1. 1. Cole E, Gillespie S, Vulliamy P, et al; Organ Dysfunction in Trauma (ORDIT) study collaborators. Multiple organ dysfunction after trauma. Br J Surg. 2020;107(4):402-412. doi:10.1002/bjs.11361

Untersuchung und Behandlung von Traumapatienten

Die Beurteilung des Traumapatienten umfasst:

  • Primäre Umfrage: Auswertung und Stabilisierung mit den Gedächtnisstützen A, B, C, D, E, (Airway - Atemwege, Breathing - Atmung, Circulation - Kreislauf, Disability - Behinderung [neurologischer Status] und Exposure - Exposition /Environmental control - Kontrolle der Umgebung)

  • Sekundäre Untersuchung: Überprüfung von Kopf bis Fuß nach anfänglicher Stabilisierung

  • Selektiver Einsatz von Röntgenaufnahmen, CT und anderen bildgebenden Untersuchungen

Abklärung und Behandlung werden gleichzeitig durchgeführt, beginnend mit den Organsystemen, die bei einer Verletzung die größte unmittelbare Lebensgefahr darstellen. Die Behandlung der dramatischen, aber nicht tödlichen Verletzungen (z. B. offene Fraktur der unteren Extremitäten, Fingeramputationen) vor einer Abklärung unmittelbar lebensbedrohlicher Befunde kann ein fataler Fehler sein.

Die anfängliche Beurteilung und Stabilisierung erfolgt systematisch auf der Grundlage von A, B, C, D, E. Die Organsysteme werden schnell auf schwere Anomalien (primäre Untersuchung) untersucht, eine genauere Prüfung (sekundäre Untersuchung) erfolgt, nachdem der Patient stabil ist.

Tipps und Risiken

  • Die Behandlung der dramatischen, aber nicht tödlichen Verletzungen (z. B. offene Fraktur der unteren Extremitäten, Fingeramputationen) vor einer Abklärung unmittelbarer lebensbedrohlicher Befunde kann ein fataler Fehler sein.

Bei schwangeren Traumapatientinnen hat die Stabilisierung der schwangeren Patientin oberste Priorität, da dies auch der beste Weg ist, um die Stabilität des Fetus zu gewährleisten. Bei Patienten mit schweren Traumata oder Anzeichen von Schwangerschaftskomplikationen (z. B. abnormale fetale Herzfrequenz, vaginale Blutungen, Kontraktionen) sollte sofort ein Geburtshelfer hinzugezogen werden. In ≥ 20 Schwangerschaftswochen kann Uterusfundus am oder oberhalb des Nabels ertastet werden und ist groß genug, um die untere Hohlvene zu komprimieren; daher kann eine Ruhigstellung in Rückenlage den venösen Rückfluss behindern und eine Hypotonie verursachen. Der Uterus kann manuell auf die linke Seite des Patienten geschoben werden, oder die gesamte Rückwand kann nach links geneigt werden, um die Kompression zu entlasten. Wenn der Fetus ≥ 22 Schwangerschaftswochen ist (untere Grenze der Lebensfähigkeit), wird die Überwachung des Fetus für mindestens 4 bis 6 Stunden fortgesetzt. Rh0(D) Immunglobulin wird allen Rh-negativen schwangeren Patientinnen auch nach kleineren Verletzungen gegeben. Wenn eine schwangere Patientin nach ≥ 20 Schwangerschaftswochen einen Herzstillstand erleidet und die Wiederbelebungsmaßnahmen erfolglos waren, sollte innerhalb von 4 Minuten nach dem Herzstillstand eine perimortale Kaiserschnittentbindung (reanimative Hysterotomie) eingeleitet und der Fetus innerhalb von 5 Minuten entbunden werden (2).

Primäruntersuchung

Atemwege

Die Durchgängigkeit der Atemwege kann durch einen oder mehrere der folgenden Faktoren beeinträchtigt werden: Blutgerinnsel, Zähne oder Fremdkörper im Oropharynx; Erschlaffung der Weichteile und Zurückfallen der Zunge infolge einer Bewusstseinsminderung (z. B. bei Schädel-Hirn-Trauma, Schock oder Intoxikation); und/oder Ödeme oder Hämatome infolge eines direkten Halstraumas. Diese Obstruktionen lassen sich leicht durch eine direkte Inspektion der Mundhöhle oder des Rachens erkennen. Kann der Patient sprechen, bestätigt er, dass die Atemwege wahrscheinlich nicht lebensbedrohlich obstruhiert sind.

Blut und Fremdkörper werden abgesaugt oder manuell entfernt. Bewusstlose Patienten, deren Durchgängigkeit der Atemwege, Schutzmechanismen der Atemwege, Sauerstoffzufuhr oder Atmung nicht zweifelsfrei in Ordnung sind, und Patienten mit signifikanten oropharyngealen Verletzungen erfordern Intubation. In der Regel werden vor der Intubation auch Medikamente verabreicht, um Bewusstlosigkeit und Lähmung zu induzieren. Zur Unterstützung des Atemwegsmanagements stehen mehrere Hilfsmittel zur Verfügung, darunter extraglottische Geräte, Atemwegsbougie und Videolaryngoskopie. Ein Kohlendioxid-Farbmeßgerät oder, vorzugsweise, die Wellenform-Kapnographie kann dabei helfen, die ordnungsgemäße Platzierung des Endotrachealtubus zu kontrollieren.

Wenn Patienten eine künstliche Beatmung brauchen und eine Intubation nicht möglich ist (z. B. aufgrund von Ödemen der Atemwege durch eine thermische Verbrennung) oder kontraindiziert ist (z. B. infolge einer schweren Kieferverletzung), ist eine chirurgische oder perkutane Koniotomie angezeigt. HINWEIS: Bei der Beurteilung oder Manipulation der Atemwege eines Patienten sollte die Einschränkung der Halswirbelsäulenbewegung (früher als Immobilisation der Wirbelsäule bezeichnet) aufrechterhalten werden, bis eine Verletzung der Halswirbelsäule durch klinische Untersuchung, Bildgebung oder beides ausgeschlossen wurde.

Atmung

Eine adäquate Ventilation kann durch einen verminderten zentralen Atemantrieb (meist infolge einer Kopfverletzung, Intoxikation oder eines fast tödlichen Schocks) oder durch Thoraxverletzungen (z. B. Hämatothorax oder Pneumothorax, multiple Rippenfrakturen, Lungenkontusion) beeinträchtigt werden.

Die Brustwand wird vollständig freigelegt, um eine ausreichende Expansion der Brustwand, äußere Anzeichen eines Traumas, und paradoxe Brustwandbewegungen zu überprüfen (d. h. eine Einziehung der Brustwand nach der Inspiration), was gegebenenfalls auf einen instabilen Thorax schließen lässt. Die Brustwand wird auf Rippenfrakturen und subkutane Luftansammlungen abgetastet (manchmal der einzige Befund beim Pneumothorax).

Eine ausreichende Belüftung der Lungen lässt sich gewöhnlich auskultatorisch feststellen. Spannungspneumothorax, einfacher Pneumothorax oder Hämothorax können auf der betroffenen Seite zu verminderten Atemgeräuschen führen. Die Spannung Pneumothorax kann auch zu erweiterten Halsvenen führen; Hypotonie und Abweichung der Luftröhre zur der Verletzung gegenüberliegenden Seite sind spätere Befunde.

Pneumothorax wird durch Thoraxtubus dekomprimiert (siehe Durchführung einer Tubus- und Katheterthorakostomie). Bei Patienten mit Ergebnissen, die im Einklang mit einem Pneumothorax oder Ultraschall am Krankenbett stehen, sollte eine Röntgenaufnahme des Thorax vor Einleitung einer positiven Druckbeatmung erfolgen. Eine Überdruckbeatmung kann einen einfachen Pneumothorax vergrößern oder diesen in einen Spannungspneumothorax umwandeln. Ein vermuteter Spannungspneumothorax kann durch eine Fingerthorakostomie (Einführen eines Fingers in den Pleuraraum) oder eine Nadelthoraskomie (z. B. Einführen einer 14-Gauge-Nadel in die mittlere Axillarlinie, 5. Interkostalraum) dekomprimiert werden, um den Patienten zu stabilisieren, wenn nicht sofort eine Thoraxdrainage gelegt werden kann. Eine unzureichende Ventilation wird durch eine endotracheale Intubation und maschinelle Beatmung behandelt. Ein offener Pneumothorax wird mit einem Okklusivverband von 3 Seiten bedeckt; die 4. Seite wird offen gelassen, um Druck zu entlasten, der sich aufbauen und einen Spannungspneumothorax verursachen könnte.

Blutungen

Eine signifikante äußere Blutung kann von jedem größeren Gefäß verursacht werden und ist unübersehbar. Lebensbedrohliche innere Blutungen sind meist weniger offensichtlich. Jedoch kann sich das Blutungsvolumen nur in einigen Kompartimenten ansammeln: in der Brust, im Bauch, Retroperitoneum und in den Weichteilen des Beckens oder Oberschenkels (z. B. durch eine Becken- oder Oberschenkelfraktur).

Puls und Blutdruck werden gemessen und Schocksymptome registriert (z. B. blass-gräuliche Hautfarbe, Diaphorese, veränderter Bewusstseinszustand, schlechte kapilläre Rückfüllung). Wenn die inneren Blutungen lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, finden sich oft ein aufgetriebenes und empfindliches Abdomen, eine Beckeninstabilität, Deformierungen oder Instabilitäten des Oberschenkels.

Äußere Blutungen werden durch direkten Druck kontrolliert. Bei Blutungen an den Extremitäten sollten Tourniquets angelegt werden, wenn die Blutung nicht durch direkten Druck kontrolliert werden kann. Über zwei großkalibrige Zugänge (z. B. 14 oder 16 G) wird 0,9%ige isotone Kochsalz- oder Ringer-Laktat-Lösung gegeben. Im Schock und bei Hypovolämie werden 1 l (20 ml/kg bei Kindern) verabreicht. Eine frühzeitige Verabreichung von Vollblut oder einer Blutkomponententherapie sollte in Betracht gezogen werden. Die Messung von Laktat oder arteriellen Blutgasen am Krankenbett (und die Berechnung des Basisüberschusses) kann helfen, den Schweregrad der Gewebehypoperfusion und des Schocks anzuzeigen und somit die Flüssigkeitstherapie zu steuern. Protokolle wurden für Patienten entwickelt, die große Mengen an Blutprodukten benötigen (massive Transfusionsprotokolle), einschließlich der Bewertung der Koagulation mit Thromboelastographie oder Rotations-Thromboelastographie (falls verfügbar) und der frühzeitigen Verabreichung (innerhalb von 3 Stunden) von Tranexamsäure. Patienten mit bekannten Koagulopathien oder unter Antikoagulationstherapie, die eine lebensbedrohliche Blutung erleiden, sollten eine Antagonisierung ihrer Gerinnungsstörung erhalten.

Patienten mit starkem klinischem Verdacht auf eine große intraabdominale Blutung müssen einer sofortigen Laparotomie zugeführt werden. Die Platzierung eines resuszitativ-endovaskulären Ballons zur Okklusion der Aorta (REBOA) kann dazu beitragen, den Patienten vor der Operation zu stabilisieren. Patienten mit massiven intrathorakalen Blutungen benötigen eventuell eine sofortige Thorakotomie und möglicherweise eine Autotransfusion von Blut über eine Pleuradrainage.

Tipps und Risiken

  • Zeichen eines hypovolemischen Schocks bei Patienten mit einer offenkundig isolierten Kopfverletzung sollten sofort erneut auf interne Blutungen untersucht werden, weil eine isolierte Kopfverletztung keinen hypovolämischen Schockzustand verursacht.

Behinderung (Neurologische Dysfunktion)

Die neurologischen Funktionen werden mit Blick auf schwere Störungen der Hirn- und Rückenmarkfunktion geprüft. Die Glasgow Coma Scale (BKS; siehe Tabellen Glasgow Coma Scale und Modifizierte Glasgow Coma Scale für Säuglinge und Kinder) und die Pupillenreaktion auf Licht werden verwendet, um das Bewusstsein und den Schweregrad einer intrakraniellen Verletzung zu bestimmen.

Die Grobmotorik und Sensibilität in jeder Extremität geben Auskunft über schwere Rückenmarkschädigungen. Die Halswirbelsäule wird mit Blick auf Empfindlichkeit und Deformierungen palpiert und in einer starren Halskrause fixiert, bis eine Verletzung der Wirbelsäule ausgeschlossen werden kann. Nach sorgfältiger manueller Stabilisierung von Kopf und Hals wird der Patient auf die Seite gerollt, um folgende Untersuchungen zu ermöglichen:

  • Palpation der Brust- und Lendenwirbelsäule

  • Inspektion des Rückens

  • Rektale Untersuchung, falls angezeigt, um den Tonus (verminderter Tonus deutet auf eine mögliche Rückenmarksverletzung hin), die Prostata (eine hochliegende Prostata deutet auf eine Verletzung der Harnröhre oder des Beckens hin) und das Vorhandensein von Blut zu überprüfen

In den USA werden die meisten Patienten, die die Ambulanz erreichen, zur Erleichterung des Transports und zur Stabilisierung möglicher Wirbelfrakturen auf einem langen, starren Brett immobilisiert. Patienten sollten sobald wie möglich von dem Brett heruntergenommen werden, weil es sehr unbequem ist und Druckgeschwüre schon nach wenigen Stunden auftreten können (2).

Bei Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma (GCS < 8) kann eine endotracheale Intubation zur Sicherung der Atemwege, eine Bildgebung des Gehirns, eine neurochirurgische Untersuchung und Therapie erforderlich sein, um eine sekundäre Hirnschädigung zu verhindern (z. B. Optimierung des Blutdrucks und Sauerstoffversorgung, Anfallprophylaxe, Behandlung eines erhöhten Hirndrucks und manchmal vorübergehende Hyperventilation bei Patienten mit Anzeichen drohender zerebraler Einklemmung).

Tabelle
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Kontrolle der Umgebung

Um sicherzustellen, dass keine Verletzungen übersehen wurden, werden die Patienten völlig entkleidet (durch Aufschneiden der Kleidungsstücke) und die gesamte Körperoberfläche auf Anzeichen von okkulten Traumata untersucht. Der Patient wird warm gehalten (z. B. mit Wärmedecken und erwärmter Infusionsflüssigkeit), um eine Unterkühlung zu verhindern.

Sekundäre Beurteilung

Nach der primären Beurteilung lebensbedrohlicher Symptome und der Stabilisierung des Patienten wird eine gründlichere Untersuchung und Anamnese durchgeführt. Wenn nur ein begrenztes Gespräch möglich ist, kann das Abfragen von 5 Punkten wichtige Informationen zu Tage fördern:

  • Allergien

  • Medikamente

  • Medizinische Vorgeschichte

  • Letzte Mahlzeit

  • Verletzungshergang

Wenn der Patient vollständig entkleidet ist, schreitet die Untersuchung im Allgemeinen vom Kopf bis zu den Zehen fort. Dazu gehören in der Regel das Überprüfen aller Körperöffnungen und eine gründlichere Untersuchung der bei der Erstbeurteilung kontrollierten Gebiete. Alle Weichteile werden auf Verletzungen und Schwellungen hin untersucht, alle Knochen auf Druckschmerzhaftigkeit geprüft und die Bewegungsbereiche der Gelenke abgeschätzt (wenn keine offensichtliche Fraktur oder Deformierung vorliegt).

Bei schwer verletzten und eingetrübten Patienten wird normalerweise ein Urinkatheter gelegt, sofern kein Hinweis auf eine Urethraverletzung vorliegt (z. B. Blut am Meatus, Ekchymosen am Perineum). Intubierte, schwer verletzte Patienten haben oft auch eine oro-gastrische Sonde.

Offene Wunden werden mit sterilen Verbänden versorgt, allerdings werden die Wundreinigung und der Wundverschluss auf die Zeit nach der Untersuchung und Behandlung der schwereren Verletzungen verschoben. Schwere klinisch erkennbare Gelenkdislokationen mit ausgeprägter Deformierung oder neurovaskulärer Beeinträchtigung werden bildlich dargestellt und reponiert, sobald die unmittelbare Lebensgefahr abgewendet ist.

Offensichtliche oder vermutete Frakturen werden bis zur vollständigen Beurteilung von schwerwiegenden Verletzungen durch geeignete bildgebende Verfahren geschient. Ein klinisch offensichtlicher instabiler Beckenbruch wird mit einer handelsüblichen Beckenbinde oder einem Bettlaken stabilisiert, um den Beckenraum zu schließen und Blutungen zu verringern; schwere Blutungen können eine dringende angiografische Embolisation, chirurgische Fixierung oder direkte chirurgische Kontrolle erfordern.

Bildgebung und Labortests ergänzen die klinische Beurteilung. Patienten mit penetrierenden Traumata haben typischerweise fokale Verletzungen, die die notwendige Bildgebung auf das offensichtlich betroffene Gebiet oder die Gebiete eingrenzen. Ein stumpfes Trauma, insbesondere wenn eine erhebliche Dezeleration vorliegt (z. B. schwerer Sturz, Autounfall), kann jeden Körperteil betreffen, und es werden bildgebende Untersuchungen durchgeführt, die durch den Verletzungsmechanismus und die Untersuchungsergebnisse angezeigt sind.

Bildgebende Untersuchungen

HWS-Bildgebung kann bei Patienten aufgeschoben werden, die nicht berauscht sind, keine Wirbelsäulenempfindlichkeit entlang der Mittellinie oder störende Verletzungen (z. B. Oberschenkelfraktur) haben, wach und aufmerksam sind. Bei allen anderen Patienten sollte ein bildgebendes Verfahren angendet werden, um die Wirbelsäule zu überprüfen, am besten mittels CT.

Eine Röntgenaufnahme des Thorax kann eine Atemwegsruptur, eine Lungenverletzung, einen Hämothorax und einen Pneumothorax anzeigen, sie kann auch den Verdacht auf eine Aortenruptur liefern (z. B. durch eine Verbreiterung des Mediastinums). Allerdings kann eine Computertomographie des Thorax die meisten intrathorakalen Verletzungen besser darstellen und wird deshalb oft bevorzugt. Die Thorax-Bildgebung erfolgt heute in der Regel am Krankenbett mithilfe dem erweiterten fokussierten Ultraschall bei Trauma (E-FAST) insbesondere bei instabilen Patienten. Pneumothoraces, Hämothoraces und Hämopericardium können identifiziert werden.

Eine Computertomographie der Brust, des Abdomens, des Beckens, der Wirbelsäule oder des Kopfes oder auch kombinierte Aufnahmen werden häufig bei Patienten gemacht, die eine Bildgebung nach mehrfachen schweren stumpfen Traumata benötigen.

Die Identifizierung einer intraabdominellen Verletzung ist essenziell. Die E-FAST-Untersuchung direkt am Patientenbett kann nützlich sein, um intraperitoneales Blut nachzuweisen, insbesondere bei instabilen Patienten; sie ist sensitiv für signifikante Mengen an intraperitonealem Blut und damit für die Notwendigkeit einer sofortigen Laparotomie. Wenn Patienten stabil sind, ist die Computertomographie die beste Untersuchungsmethode; sie ist genau, erlaubt die Darstellung retroperitonealer Strukturen und Knochen und lässt die Menge und manchmal auch den Ursprung der Blutung erkennen. Die diagnostische Peritoneallavage (DPL) ist nicht mehr der empfohlene Ansatz zur Beurteilung von Patienten auf mögliche intraabdominale Verletzungen.

Wenn eine Beckenfraktur vermutet wird, wird eine Computertomographie des Beckens angefertigt, die genauer ist als die üblichen Röntgenstrahlen.

Eine Computertomographie des Kopfes wird in der Regel bei Patienten mit Bewusstseinsstörungen oder fokalen neurologischen Auffälligkeiten und bei Patienten mit einem anhaltenden Verlust des Bewusstseins angefertigt. Einige Befunde sprechen dafür, dass die Computertomographie bei Patienten mit einem kurzen Verlust des Bewusstseins (d. h. < 5 Sekunden) oder einer transienten Amnesie oder Desorientierung nötig ist, wenn sie nach der Glasgow-Koma-Skala (GCS) einen Wert von 15 Punkten während der Untersuchung haben. Bildgebende Verfahren werden häufiger bei Patienten mit persistierenden Kopfschmerzen, Erbrechen, Amnesie, Krämpfen und einem Alter > 60 Jahre angewendet, wie auch bei Patienten mit einer Medikamenten- oder Alkoholvergiftung und bei Patienten, die Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen. Klinische Entscheidungsregeln wurden entwickelt, um zu bestimmen, welche Patienten eine Kopf-CT haben sollten (3). Diese Entscheidungsregeln sollten verwendet werden, um das klinische Urteil zu unterstützen, aber nicht zu ersetzen.

Bei Kindern mit Kopfverletzungen hat das Pediatric Emergency Care Applied Research Network (PECARN) einen Algorithmus erarbeitet, der dabei helfen kann, die Strahlenbelastung bei Kopf-CTs zu limitieren; eine klinische Beobachtung wird bei Kindern durchgeführt, die sonst eine CT erhalten hätten.

Bei Patienten mit Verdacht auf eine Rückenmarksverletzung sollte eine MRT-Bildgebung erfolgen.

Eine Aortenverletzung sollte bei Patienten mit schwerer Brustverletzungen durch Abbremsen oder verdächtigen Symptomen (z. B. auffällige Pulse oder asymmetrische Blutdruckmessungen, Endorganischämie, verdächtige Befunde auf der Thorax-Röntgenaufnahme) in Betracht gezogen werden; diese Patienten brauchen eine CT-Angiographie oder eine andere Aorten-Bildgebung zur Abklärung. Kurzwirksame Betablocker können zur Kontrolle der Herzfrequenz und des Blutdrucks bei Patienten mit traumatischer Aortenverletzung eingesetzt werden.

Alle Patienten, bei denen ein Verdacht auf eine erhebliche stumpfe Verletzung der Brust besteht, sollten mit einem Überwachungsmonitor kontrolliert werden und mittels EKG auf Myokardverletzungen und Arrhythmien überprüft werden. Bei Patienten mit Auffälligkeiten im EKG ist üblicherweise auch eine Blutuntersuchung auf Herzmarker angezeigt sowie in manchen Fällen auch eine Echokardiographie, um den Patienten auf mögliche Herzkontusion zu untersuchen.

Vaskuläre Verletzungen von Blutgefäßen der Halsschlagader und der Wirbel sollten bei Patienten mit Verletzungen des Kopfes und des Halses, insbesondere bei Patienten mit einseitigen neurologischen Befunden, einem Gurtabdruck am Hals (lineare Hautblutungen durch den Schultergurt) oder prädisponierenden Verletzungen in Betracht gezogen werden (z. B. C1-, C 2-, C3-Frakturen oder Frakturen anderer C-Wirbel mit Subluxation der Wirbelsäule, hängender Mechanismus). Bei diesen Patienten sollte in der Regel eine CT-Angiographie durchgeführt werden.

Bei Verdacht auf Frakturen und Verrenkungen der Extremitäten werden Röntgennativaufnahmen angefertigt. Andere bildgebende Verfahren sind spezifischeren Indikationen vorbehalten (z. B. Angiographie zur Diagnose und ggf. auch Embolisationstherapie bei vaskulären Verletzungen; CT zur besseren Abgrenzung spinaler, pelviner oder komplexer Gelenkfrakturen).

Abklärung von Kindern < 2 Jahre mit Kopfverletzungen

* Einschließlich Unruhe, Schläfrigkeit, wiederholte Fragen und langsame Reaktion auf verbale Kommunikation

† Einschließlich Autounfälle mit Hinauskatapultierung der Patienten, Tod eines anderen Fluggastes oder Überrollen; Kollision eines Fahrzeugs mit einem Fußgänger oder Radfahren ohne Helm, Stürze aus einer Höhe > 0,9 m bei Kindern < 2 Jahre und Schlag auf den Kopf mit einem harten Gegenstand.

‡ Bei Fehlen anderer Befunde, die ein Schädel-Hirn-Trauma nahelegen, wie z. B. Verlust des Bewusstseins, Kopfschmerzen, Erbrechen und bestimmte Kopfhaut-Hämatome bei Kindern > 3 Monate.

ED = Notaufnahme; GCS = Glasgow-Koma-Skala; LOC = Verlust des Bewusstseins.

Adapted from Kupperman N, Holmes JF, Dayan PS, et al for the Pediatric Emergency Care Applied Research Network. Identification of children at very low risk of clinically-important brain injuries after head trauma: A prospective cohort study. Lancet. 2009;374: 1160-1170. doi:10.1016/S0140-6736(09)61558-0

* Einschließlich Unruhe, Schläfrigkeit, wiederholte Fragen und langsame Reaktion auf verbale Kommunikation

† Einschließlich Autounfälle mit Hinauskatapultierung der Patienten, Tod eines anderen Fluggastes oder Überrollen; Kollision eines Fahrzeugs mit einem Fußgänger oder Radfahren ohne Helm, Stürze aus einer Höhe > 0,9 m bei Kindern < 2 Jahre und Schlag auf den Kopf mit einem harten Gegenstand.

‡ Bei Fehlen anderer Befunde, die ein Schädel-Hirn-Trauma nahelegen, wie z. B. Verlust des Bewusstseins, Kopfschmerzen, Erbrechen und bestimmte Kopfhaut-Hämatome bei Kindern > 3 Monate.

ED = Notaufnahme; GCS = Glasgow-Koma-Skala; LOC = Verlust des Bewusstseins.

Adapted from Kupperman N, Holmes JF, Dayan PS, et al for the Pediatric Emergency Care Applied Research Network. Identification of children at very low risk of clinically-important brain injuries after head trauma: A prospective cohort study. Lancet. 2009;374: 1160-1170. doi:10.1016/S0140-6736(09)61558-0

Abklärung von Kindern ≥ 2 Jahre mit Kopfverletzungen

* Einschließlich Unruhe, Schläfrigkeit, wiederholte Fragen und langsame Reaktion auf verbale Kommunikation

† Einschließlich Autounfälle mit Hinauskatapultierung der Patienten, Tod eines anderen Fluggastes oder Überrollen; Kollision eines Fahrzeugs mit einem Fußgänger oder Radfahren ohne Helm, Stürze aus einer Höhe > 1,5 m bei Kindern ≥ 2 Jahre und Schlag auf den Kopf mit einem harten Gegenstand.

‡ Bei Fehlen anderer Befunde, die ein Schädel-Hirn-Trauma nahelegen, wie z. B. Verlust des Bewusstseins, Kopfschmerzen, Erbrechen und bestimmte Kopfhaut-Hämatome bei Kindern > 3 Monate.

ED = Notaufnahme; GCS = Glasgow-Koma-Skala; LOC = Verlust des Bewusstseins.

Adapted from Kupperman N, Holmes JF, Dayan PS, et al for the Pediatric Emergency Care Applied Research Network. Identification of children at very low risk of clinically-important brain injuries after head trauma: A prospective cohort study. Lancet. 2009;374: 1160-1170. doi:10.1016/S0140-6736(09)61558-0

* Einschließlich Unruhe, Schläfrigkeit, wiederholte Fragen und langsame Reaktion auf verbale Kommunikation

† Einschließlich Autounfälle mit Hinauskatapultierung der Patienten, Tod eines anderen Fluggastes oder Überrollen; Kollision eines Fahrzeugs mit einem Fußgänger oder Radfahren ohne Helm, Stürze aus einer Höhe > 1,5 m bei Kindern ≥ 2 Jahre und Schlag auf den Kopf mit einem harten Gegenstand.

‡ Bei Fehlen anderer Befunde, die ein Schädel-Hirn-Trauma nahelegen, wie z. B. Verlust des Bewusstseins, Kopfschmerzen, Erbrechen und bestimmte Kopfhaut-Hämatome bei Kindern > 3 Monate.

ED = Notaufnahme; GCS = Glasgow-Koma-Skala; LOC = Verlust des Bewusstseins.

Adapted from Kupperman N, Holmes JF, Dayan PS, et al for the Pediatric Emergency Care Applied Research Network. Identification of children at very low risk of clinically-important brain injuries after head trauma: A prospective cohort study. Lancet. 2009;374: 1160-1170. doi:10.1016/S0140-6736(09)61558-0

Laboruntersuchung

Labortests, die nützlich sein können, umfassen:

  • Großes Blutbild zur Bestimmung des Ausgangswertes

  • Serielle Hämoglobin-Spiegel, um Blutungen zu bewerten

  • Blutgasbestimmung für Sauerstoffpartialdruck, Kohlendioxidpartialdruck und Basisdefizit

  • Urinuntersuchung auf Blut

  • Glukose, um auf eine Hypoglykämie zu untersuchen.

  • Art und Kreuzprobe für eine mögliche Bluttransfusion

  • Coagulationsstudien

Werte zur Perfusionsbestimmung (Serum-Laktat, Basendefizit durch Blutgasanalyse und, bei Patienten mit einer katheterisierten zentralen Vene, die zentralvenöse O2-Sättigung) sind indiziert, um frühzeitig einen Schock oder einen ungenügend behandelten Schock zu erkennen. Außer bei relevanter Anamnese (z. B. Niereninsuffizienz, Einnahme von Diuretika) ist es unwahrscheinlich, dass andere Werte (z. B. Elektrolyte und andere Blutwerte) nützlich sind.

Ein toxikologisches Screening wird oft (z. B. Blutalkoholspiegel, toxikologische Urinuntersuchung) durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Tests ändern selten die unmittelbare Behandlung, können aber dazu beitragen, eine Substanzgebrauchsstörung als mögliche Ursache der Verletzung zu identifizieren, sodass Maßnahmen ergriffen werden können, um ein nachfolgendes Trauma zu verhindern.

Bei schwangeren Traumapatientinnen werden D-Dimer, Fibrinogen und Fibrin-Abbauprodukte überprüft. Die Testergebnisse können bei Patientinnen mit Plazentablösung auffällig sein, jedoch sind diese Tests weder sensitiv noch spezifisch genug und können nicht eine Diagnose nicht endgültig bestätigen oder auszuschließen.

Literatur zur Untersuchung und Behandlung

  1. 1. Del Rios M, Bartos JA, Panchal AR, et al. Part 1: Executive Summary: 2025 American Heart Association Guidelines for Cardiopulmonary Resuscitation and Emergency Cardiovascular Care. Circulation. 2025;152(16_suppl_2):S284-S312. doi:10.1161/CIR.0000000000001372

  2. 2. American College of Surgeons/American Congress of Rehabilitation Medicine. Best Practices Guidelines: Spine Injury. March 2022. Accessed March 30, 2026.

  3. 3. Bouida W, Marghli S, Souissi S, et al. Prediction value of the Canadian CT head rule and the New Orleans criteria for positive head CT scan and acute neurosurgical procedures in minor head trauma: A multicenter external validation study. Ann Emerg Med. 2013;61(5): 521-527. doi: 10.1016/j.annemergmed.2012.07.016

Weitere Informationen

Die folgenden englischsprachigen Quellen können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MSD-Manual nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.

  1. American College of Surgeons Revised Statement on Trauma Center Designation Based Upon System Need and the Economic Drivers Impacting Trauma Systems

  2. Pediatric Emergency Care Applied Research Network (PECARN)

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