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Nageldysplasien und Nageldystrophien

Von

Chris G. Adigun

, MD, Dermatology & Laser Center of Chapel Hill

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Quellen zum Thema

Dysplasien werden oft zusammen mit Dystrophien betrachtet, dabei sind die beiden etwas unterschiedlich; Dysplasien gelten allgemein als grobe Veränderungen der Nagel-Form, während Dystrophien Veränderungen der Nagelstruktur oder -zusammensetzung (z. B. Onychomykose) sind.

Etwa 50% der Nageldystrophien entstehen durch Pilzinfektionen. Der Rest hat unterschiedliche Ursachen, z. B. Verletzungen, kongenitale Anomalitäten, Psoriasis, Lichen planus sowie gelegentlich Krebs. Die Diagnose ergibt sich aus dem körperlichen Untersuchungsbefund, oft werden jedoch Nativpräparate und Kulturen angefertigt. Nageldystrophien können zusammen mit der zugrunde liegenden Ursache behoben werden; wenn nicht können professionelle Nagelpfleger Nagelveränderungen oft durch entsprechendes Formen und Polieren des Nagels kaschieren.

Kongenitale Dysplasien

Bei einigen kongenitalen ektodermalen Dysplasien fehlen die Nägel (Anonychie). Bei der Pachyonychia congenita sind die Nagelbetten verdickt, verfärbt und übermäßig transversal gebogen (krallenförmige Nageldysplasie). Beim Nagel-Patella-Syndrom bestehen trianguläre Lunulae und zum Teil fehlen die Daumennägel. Patienten mit Darier-Krankheit können Nägel mit roten und weißen Streifen und einer distalen V-förmigen Kerbe haben.

Dysplasien und Dystrophien bei systemischen Erkrankungen

Beim Plummer-Vinson-Syndrom (ösophageale Netze die durch einen schweren unbehandelten Eisenmangel verursacht werden) weisen 50% der Patienten eine Koilonychie auf (konkave, löffelförmige Nägel).

Das Yellow-nail-Syndrom (charakterisiert durch verhärtete, stark gewölbte, transversal verdickte, gelbe Nägeln) kommt bei Patienten mit Lymphödem der Extremitäten und/oder chronische respiratorische Erkrankungen.

Halb-und-Halb-Nägel (Lindsay-Nägel) treten bei Niereninsuffizienz auf. Dabei ist die proximale Nagelhälfte weiß und die distale Hälfte pinkfarben oder pigmentiert.

Weiße Nägel sind für die Leberzirrhose typisch, wobei das distale Nageldrittel pinkfarben bleiben kann.

Beau-Linien sind horizontale Rillen in der Nagelplatte, die auftreten können, wenn sich das Nagelwachstum zeitweise verlangsamt, was häufig nach einer Infektion, einem Trauma oder einer systemischen Erkrankung der Fall sein kann. Onychomadese resultiert in ähnlicher Weise aus einem temporären Wachstumsstillstand der Nagelplatte; sie unterscheidet sich von Beau-Linien darin, dass die gesamte Nageldicke beteiligt ist, was zu einer proximalen Trennung der Nagelplatte vom Nagelbett führt. Sie tritt am häufigsten mehrere Monate nach der Hand-Fuß-Mund-Krankheit auf, kann aber auch nach anderen viralen Infektionen vorkommen. Nägel, die von Beau-Linien oder Onychomadese betroffen sind, wachsen mit der Zeit normal nach.

Dysplasien bei dermatologischen Krankheitsbildern

Bei der Psoriasis weisen die Nägel oft zahlreiche Veränderungen auf, wie unregelmäßige Kerben, Ölflecken (lokalisierte Bereiche bräunlicher Verfärbung), eine Trennung von Teilen des Nagels vom Nagelbett (Onycholyse) und eine Verdickung mit Krümelbildung der Nagelplatte.

Der Lichen planus der Nagelmatrix verursacht Narbenbildung mit frühzeitigem Längsriss und Spaltung des Nagels und führt später zu Pterygiumbildung oder vollständigem Nagelverlust, manchmal auch zu Narbenbildung.

Das Pterygium der Nägel ist durch eine Vernarbung gekennzeichnet, die vom proximalen Nagel aus V-förmig nach außen reicht und letztendlich zum Nagelverlust führt.

Bei der Alopecia areata bilden sich in einem bestimmten geometrischen Muster regelmäßige Furchen auf den Nägeln. Gruben sind klein und fein. Alopecia areata kann auch mit schwerer Onychorhexis (Sprödigkeit mit Nagelbruch) assoziiert sein.

Topischer Tacrolimus 0,1% und intraläsionale Kortikosteroid-Injektionen können bei der Behandlung von Nagelverformungen, die mit Psoriasis und Lichen ruber assoziiert sind, helfen.

Verfärbung

Krebs-Chemotherapeutika (vor allem die Taxane) können zu Melanonychie (Nagelplatten-Pigmentierung) führen, die diffus sein kann und in Querstreifen auftritt. Einige Medikamente können charakteristische Veränderungen der Nagelfärbung verursachen:

  • Quinacrin: Nägel erscheinen unter UV-Licht in einem grüngelben bis weißen Farbton.

  • Cyclophosphamid: Die Onychodermalbänder (Dichtung am Übergang von Nagelplatte und distalem Nagelbett am freien Rand der Nagelplatte) färben sich schiefergrau oder bläulich.

  • Arsenintoxikation: Die Nägel können sich diffus braun färben.

  • Tetracycline, Ketoconazol, Phenothiazine, Sulfonamide und Phenindion: Die Nägel können eine bräunliche oder blaue Verfärbung haben.

  • Goldtherapie: Die Nägel können hell- oder dunkelbraun sein.

  • Silbersalze (Argyrie): Die Nägel können diffus blaugrau sein.

Tabakrauchen oder Nagellack kann zu gelben oder bräunlichen Verfärbungen der Nägel und Fingerspitzen führen.

Weiße Querstreifen auf den Nägeln (Mees-Querbänder) treten oft bei einer Chemotherapie, akuter Arsenintoxikation, malignen Tumoren, Myokardinfarkt, Thallium- und Antimonintoxikation, Fluorose sowie sogar unter der Behandlung mit Etretinat auf. Diese Linien sind nicht auf Veränderungen im Nagelbett zurückzuführen, sondern sind eine echte Leukonychie und können daher herauswachsen, wenn die beleidigende Exposition entfernt wurde. Daneben entstehen sie durch Fingerverletzungen, wobei sich durch Traumata entstandene weiße Streifen meist nicht über die gesamte Nagelbreite erstrecken. Der Pilz Trichophyton mentagrophytes verursacht eine kreideweiße Verfärbung an der Oberfläche der Nagelplatte.

Das Green-nail-Syndrom wird durch eine Infektion mit Pseudomonas verursacht. Es ist im Allgemeinen eine harmlose Infektion, die in der Regel 1 oder 2 Nägel betrifft, und ist bemerkenswert aufgrund seiner markanten blau-grünen Farbe. Es tritt häufig bei Patienten mit Onycholyse oder chronischer Paronychie auf, deren Nägel für eine lange Zeit in frisches Wasser eingetaucht wurden. Die Behandlung ist am effektivsten mit Bädern von 1%-iger Essigsäurelösung oder Alkohol im Verhältnis 1:4 mit Wasser verdünnt oder Behandlung der zugrunde liegenden Ursache der Onycholyse. Wenn die Onycholyse wirksam behandelt wird, löst sich eine Pseudomonas-Infektion auf. Patienten sollten ihree betroffenen Nägel zweimal täglich 10 Minuten lang einweichen und Verletzungen und überschüssige Feuchtigkeit vermeiden. Häufiges Nägelschneiden erhöht das Ansprechen auf die Behandlung.

Mittelnageldystrophie

Mittelnageldystrophie (Mediane kanaliforme Dystrophie) ist durch kleine Risse im Nagel charakterisiert, die sich seitlich erstrecken und wie die Zweige eines immergrünen Baumes (z. B. Tannenbaum, wie etwa ein Weihnachtsbaum) aussehen. Die Risse und Kämme ähneln denjenigen bei einer Gewohnheitstic-Nagelverformung (die eine Dystrophie des zentralen Nagels ist, die durch wiederholtes Trauma der Nagelmatrix verursacht wird, das aus Reiben oder Rupfen mit einem anderen Finger resultiert). Die Ursache ist in einigen Fällen unbekannt, aber es wird angenommen, dass Trauma eine Rolle spielt. Die häufige Verwendung persönlicher digitaler Geräte, die die Nägel wiederholten Schlägen aussetzt, wurde in einigen Fällen angenommen. Tacrolimus 0,1% ohne Okklusion vor dem Schlafengehen hat sich als erfolgreich erwiesen, wenn die Patienten alle Aktivitäten, die zum wiederholten niedrigschwelligen Trauma führen, einstellen.

Melanonychia striata

Melanonychia striata sind hyperpigmentierte Streifen, die sich longitudinal von der proximalen Nagelfalte und der Kutikula aus bis zum freien distalen Rand der Nagelplatte erstrecken. Bei dunkelhäutigen Menschen sind diese Streifen meist eine normale physiologische Variante, die nicht behandelt werden muss. Andere Ursachen sind Verletzungen, Schwangerschaft, Addison-Krankheit; post-inflammatorische Hyperpigmentierung, und die Einnahme bestimmter Medikamente, darunter Doxorubicin, 5-Fluorouracil, Zidovudin und Psoralene. Hyperpigmentierte Bänder können auch bei benignen Nävuszellnävi und malignen Melanomen auftreten. Das Hutchinson-Zeichen (Verlängerung der Hyperpigmentierung durch die Lunula und Nagelhaut und in die proximale Nagelfalte) kann ein Melanom in der Nagelmatrix signalisieren. Hier sind eine rasche Biopsie und Behandlung unabdingbar.

Onychogryphose

Die Onychogryphose ist eine Nageldystrophie, bei der sich der Nagel, meist der Großzehe, verdickt und wölbt. Ursache sind vermutlich zu enge Schuhe. Es ist üblich bei älteren Menschen. Die Behandlung besteht im Zuschneiden der verformten Nägel.

Onycholyse

Die Onycholyse ist eine Abtrennung der Nagelplatte vom Nagelbett bzw. der vollständige Verlust der Nagelplatte. Sie kann als Reaktion auf Medikamente während einer Therapie mit Tetracyclinen (Photoonycholyse), Doxorubicin, 5-Fluorouracil, kardiovaskulären Medikamenten (v. a. Practolol und Captopril), Cloxacillin und Cephaloridin (selten), Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Diflunisal, Etretinat, Indometacin, Isoniazid, Griseofulvin und Isotretinoin auftreten. Eine partielle Onycholyse kann sich auch durch die Exposition gegenüber Reizstoffen, wie häufige Exposition gegenüber Wasser oder Zitrusfrüchten ergeben. Eine Irritative Kontaktdermatitis der Hände und Finger kann zur Onycholyse führen. Eine Kolonisation des Nagelbettes mit Candida albicans kann auftreten, aber die Behandlung der zugrundeliegenden Reizexposition kann zu einer Auflösung der Onycholyse mit oder ohne Behandlung der Candida führen.

Teilweise kann auch Onycholyse bei Patienten mit Psoriasis oder Hyperthyreose auftreten.

Onychotillomanie

Bei diesem Krankheitsbild zupfen die Patienten an ihren Nägeln herum und verstümmeln sie, was zu parallel verlaufenden, transversen Rillen und Kanten führen kann (Waschbrett-Deformierung oder Gewohnheitstic-Deformierung). Am häufigsten kommt sie bei Patienten vor, die ständig ihre Nagelhaut zurückschieben, und so die wachsende Nagelplatte verletzen. Auch subunguale Hämatome können sich bei Onychotillomanie entwickeln.

Pincer-Nageldsyplasie

Pincer-Nageldsyplasie ist eine transversale übermäßige Krümmung der Nagelplatte. SIe kann bei Patienten mit Psoriasis, SLE, Kawasaki-Krankheit, Krebs, terminalem Nierenversagen, und einigen genetischen Syndromen (z. B. Paronychia congenita) auftreten. Patienten haben oft Schmerzen an den Rändern des Nagels, wo sich die Nagelplatte in die Spitzen der Finger krümmt.

Subunguales Hämatom und Nagelbett-Trauma

Ein subunguales Hämatom tritt auf, wenn Blut zwischen der Nagelplatte und dem Nagelbett eingeschlossen ist, in der Regel als Folge eines Traumas. Ein subunguales Hämatom verursacht erhebliche und pulsierende Schmerzen, eine bläulich-schwarze Verfärbung und, wenn es nicht klein ist, eventuell die Ablösung und den vorübergehenden Verlust der Nagelplatte. Wenn die Ursache ein Quetschverletzung ist, sind zugrunde liegende Frakturen und Nagelbettschäden häufig. Nagelbettschäden können zu einer dauerhaften Nageldsyplasie führen.

Wenn die Verletzung akut ist, kann eine Nagel-Trepanation (z. B. mit einer Kauterisierungsvorrichtung, einer 18-Gauge-Nadel, oder einer glühenden Büroklammer ein Loch in die Nagelplatte bohren) helfen, die Schmerzen zu lindern, da das angesammelte Blut abfließen kann. Nach 24 h ist das Blut geronnen, sodass die Trepanation keinen Nutzen bringt. Es ist nicht klar, ob das Entfernen der Nägel und die Reparatur jedes Nagelbettes Schaden reduzieren und das Risiko permanenter Nageldysplasie reduzieren kann.

Trachyonychie

Die Trachyonychie (raue, durchsichtige Nägel) tritt oft bei Alopecia areata, Lichen planus, atopischem Ekzem und Psoriasis auf. Sie kommt am häufigsten bei jungen Kindern vor. Wenn sie in allen Nägeln auftritt, wird Trachyonychie oft als 20-Nagel-Dystrophie bezeichnet.

Tumoren

An der Nageleinheit können sowohl benigne als auch maligne Tumoren auftreten und zu Dysplasien führen. Zu diesen Tumoren gehören gutartige myxoide Zysten, pyogene Granulome und Glomustumore. Zu den bösartigen Tumoren gehören Morbus Bowen, Plattenepithelkarzinom und dasmaligne Melanom. Bei Verdacht auf Krebs sollte in jedem Fall eine explorative Biopsie erfolgen und der Patient an einen Chirurgen überwiesen werden.

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