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Demenz

Von

Juebin Huang

, MD, PhD, Memory Impairment and Neurodegenerative Dementia (MIND) Center, University of Mississippi Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2018| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Unter Demenz versteht man eine allmähliche Abnahme der geistigen Fähigkeiten, wobei Gedächtnis, Denkvermögen, Urteilskraft und Lernfähigkeit beeinträchtigt sind.

  • Die typischen Symptome umfassen Gedächtnisverlust, Probleme beim Sprechen und beim Ausführen von Aktivitäten, Persönlichkeitsveränderungen, Orientierungsstörung und aggressives oder unangemessenes Verhalten.

  • Die Symptome schreiten fort, bis die Betroffenen unselbstständig werden, was sie von anderen völlig abhängig macht.

  • Der Arzt stellt die Diagnose auf der Basis von Symptomen und Ergebnissen einer körperlichen Untersuchung sowie einer Untersuchung der geistigen Verfassung.

  • Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren werden angewendet, um die Ursache festzustellen.

  • Die Behandlung konzentriert sich darauf, die geistigen Funktionen so lange wie möglich zu erhalten und die Betroffenen während der Verschlechterung zu unterstützen.

Demenz tritt hauptsächlich bei Menschen über 65 Jahren auf. Demenz, und besonders das oft damit zusammenhängende aggressive Verhalten, ist der Grund für 50 Prozent der Einlieferungen in Altersheime. Demenz ist jedoch eine Krankheit und nicht Teil des normalen Alterns. Viele Menschen, die älter als 100 Jahre sind, leiden nicht an Demenz.

Demenz unterscheidet sich vom Delirium, das gekennzeichnet ist durch Konzentrationsschwierigkeiten, Desorientierung, die Unfähigkeit, klar zu denken, und Aufmerksamkeitsschwankungen.

  • Demenz beeinträchtigt hauptsächlich das Gedächtnis und ein Delirium die Aufmerksamkeit.

  • Demenz entwickelt sich in der Regel allmählich, ohne bestimmbaren Zeitpunkt. Delirium beginnt plötzlich und oftmals zu einem bestimmbaren Zeitpunkt.

Altersbezogene Veränderungen des Gehirns (auch Altersvergesslichkeit genannt) führen zu gewissen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und einer Abnahme der Lernfähigkeit. Im Gegensatz zur Demenz sind diese Veränderungen im Alter normal und beeinträchtigen die selbstständige Lebensführung nicht. Eine solche Altersvergesslichkeit ist nicht unbedingt ein Zeichen für Demenz oder ein frühes Stadium der Alzheimer-Krankheit. Die frühesten Symptome der Demenz sind allerdings sehr ähnlich.

Eine leichte kognitive Störung verursacht einen größeren Gedächtnisverlust als die Altersvergesslichkeit. Sie kann ebenfalls die Fähigkeit zu sprechen, Denkvorgänge und das Urteilsvermögen beeinträchtigen. Allerdings beeinträchtigt sie, ähnlich der Altersvergesslichkeit, die selbstständige Lebensführung nicht. Bis zu der Hälfte der Menschen mit einer leichten kognitiven Störung entwickeln innerhalb von drei Jahren Demenz.

Bei einer Demenz verschlechtern sich die geistigen Fähigkeiten sehr viel drastischer und gehen mit der Zeit immer mehr verloren. Während Menschen in höherem Alter gewöhnlich Dinge verlegen und sich schlecht an Einzelheiten erinnern, vergessen Demenzkranke Ereignisse möglicherweise völlig. Menschen mit Demenz fällt es schwer, normale alltägliche Aufgaben, wie Autofahren, Kochen oder Kontoführung zu bewältigen.

Vor allem bei älteren Menschen können Depressionen einer Demenz ähneln, sie sind aber meist zu unterscheiden. Menschen mit Depressionen schlafen und essen meist wenig. Menschen, die an Demenz leiden, haben bis zum Fortschreiten der Krankheit meist ein normales Ess- und Schlafverhalten. Menschen mit Depressionen können sich oft lautstark über ihren Gedächtnisverlust beschweren, vergessen aber selten wichtige aktuelle Ereignisse oder persönliche Angelegenheiten. Im Gegensatz dazu sind sich Menschen mit Demenz ihrer geistigen Störung nicht bewusst und streiten ihren Gedächtnisverlust oft ab. Nach einer Behandlung der Depressionen sind die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen wiederhergestellt. Viele Menschen leiden jedoch an Depressionen und Demenz. In solchen Fällen kann eine Depressionsbehandlung die geistigen Funktionen verbessern, aber nicht völlig wiederherstellen.

Bei manchen Arten von Demenz (wie der Alzheimer-Krankheit) ist die Acetylcholin-Konzentration im Gehirn niedrig. Acetylcholin ist ein chemischer Botenstoff (Neurotransmitter genannt), der Nervenzellen hilft, miteinander zu kommunizieren. Acetylcholin unterstützt das Gedächtnis, die Lern- und Konzentrationsfähigkeit und hilft bei der Steuerung vieler Organe. Im Gehirn finden noch andere Veränderungen statt, aber es ist unklar, ob diese die Ursache oder die Folge von Demenz sind.

Wussten Sie ...

  • Demenz ist eine Erkrankung und nicht Teil des normalen Alterns.

  • Viele Menschen, die älter als 100 Jahre sind, leiden nicht an Demenz.

Ursachen

Demenz tritt meist als Hirnerkrankung ohne andere Ursache auf (primäre Hirnerkrankung genannt), sie kann aber durch viele Störungen ausgelöst werden.

Häufige Ursachen von Demenz

Die häufigste Form von Demenz ist die

Ca. 60 bis 80 Prozent der älteren Menschen mit Demenz leiden an der Alzheimer-Krankheit.

Weitere häufige Arten von Demenz sind unter anderem die

Viele Menschen leiden unter mehr als einer dieser Demenzformen (so genannte gemischte Demenz).

Andere Erkrankungen, die Demenz verursachen können

Eine Demenz kann durch Folgendes hervorgerufen werden:

Reversible Demenz

Die meisten Erkrankungen, die Demenz auslösen, sind irreversibel, einige können aber behandelt werden und die Demenz reversibel machen. (Einige Fachleute verwenden den Begriff Demenz nur für fortschreitende, irreversible Erkrankungen und verwenden Begriffe wie Enzephalopathie oder kognitiver Verlust, wenn die Demenz teilweise wieder rückgängig gemacht werden kann.) Diese Demenzformen können oft durch Behandlung geheilt werden, vorausgesetzt, das Gehirn wurde nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen. Wenn der Gehirnschaden erheblicher ist, kann die Behandlung den Schaden meist nicht wieder rückgängig machen, aber neuem Schaden vorbeugen.

Eine reversible Demenz wird durch Folgendes verursacht:

Ein subdurales Hämatom (eine Blutansammlung zwischen den äußeren und mittleren Gewebeschichten, die das Hirn bedecken) entsteht, wenn ein oder mehrere Blutgefäße reißen, meist aufgrund einer Hirnverletzung. Solche Verletzungen können leicht sein und unter Umständen nicht erkannt werden. Subdurale Hämatome können eine langsame Abnahme der geistigen Funktion verursachen, die sich möglicherweise durch Behandlung umkehren lässt.

Andere Erkrankungen

Viele Erkrankungen können die Symptome einer Demenz verschlimmern. Dazu gehören Diabetes, chronische Bronchitis, Emphysem, Infektionen, eine chronische Nierenerkrankung, Lebererkrankungen und Herzversagen.

Arzneimittel

Viele Arzneimittel können die Symptome von Demenz vorübergehend verursachen oder verschlimmern. Einige dieser Arzneimittel sind ohne Rezept erhältlich (nicht verschreibungspflichtig). Schlafmittel (die Sedativa sind), Arzneimittel gegen Erkältung, Beruhigungsmittel und einige Antidepressiva sind häufige Beispiele.

Alkoholkonsum, auch in Maßen, kann eine Demenz verschlimmern und die meisten Fachleute empfehlen bei Demenz völlige Abstinenz von Alkohol.

Symptome

Fortschreiten der Symptome von Demenz

Bei Demenzkranken verschlechtern sich die geistigen Funktionen in der Regel innerhalb von zwei bis zehn Jahren. Je nach Ursache schreitet die Demenz jedoch unterschiedlich rasch fort:

  • Bei Menschen mit vaskulärer Demenz (die meist durch Schlaganfälle verursacht wird) verschlechtern sich die Symptome häufig schrittweise, verschlimmern sich mit jedem neuen Schlaganfall und bessern sich zwischen Schlaganfällen etwas.

  • Bei Alzheimer-Patienten und Patienten mit Lewy-Körper-Demenz verschlimmern sich die Symptome in der Regel stetig.

  • Bei Menschen, die an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit leiden, schreitet die Demenz rasch und fortlaufend an.

Demenzen schreiten mit individuell unterschiedlicher Geschwindigkeit fort. Hält man sich vor Augen, wie stark sich die Demenz im vergangenen Jahr verschlimmert hat, bekommt man oft einen Anhaltspunkt für das folgende Jahr. Wenn Demenzkranke in ein Pflegeheim oder eine andere Institution kommen, können sich ihre Symptome verschlechtern, weil es ihnen schwerfällt, sich an Regeln zu erinnern und neue Routinen zu erlernen.

Schmerzen, Atemnot, Harnverhalt und Konstipation können bei Demenzkranken zu Delirium mit rasch zunehmender Verwirrtheit führen. Werden diese Probleme behoben, verhalten sich die Betroffenen meist wieder so wie vor dem Auftreten des Problems.

Allgemeine Symptome der Demenz

Die Symptome der meisten Demenzformen sind ähnlich. Im Allgemeinen verursacht Demenz Folgendes:

  • Probleme mit der Sprache

  • Persönlichkeitsveränderungen

  • Orientierungslosigkeit

  • Probleme, Aufgaben des täglichen Lebens zu bewältigen

  • Aggressives oder unangemessenes Verhalten

Obwohl der Zeitpunkt, an dem die Symptome auftreten, variiert, kann eine Einteilung der Symptome in frühes, fortgeschrittenes und spätes Stadium dabei helfen, Betroffene, Familienangehörige und andere betreuende Personen auf zukünftige Entwicklungen vorzubereiten.

Persönlichkeitsveränderungen und aggressives Verhalten (Verhaltensstörungen) können im frühen oder späten Stadium auftreten. Einige Menschen mit Demenz haben Krampfanfälle, die ebenfalls in verschiedenen Stadien der Krankheit auftreten können.

Frühe Symptome der Demenz

Da die Demenz meist allmählich beginnt und sich mit der Zeit verschlimmert, wird sie anfangs möglicherweise nicht erkannt.

Eine der ersten geistigen Funktionen, die sich verschlechtern, ist

  • das Gedächtnis, insbesondere das Kurzzeitgedächtnis

Menschen mit Demenz haben außerdem mit Folgendem immer mehr Schwierigkeiten:

  • Das richtige Wort finden

  • Sprache verstehen

  • Abstraktes Denken, wie beim Arbeiten mit Zahlen

  • Viele Aufgaben des täglichen Lebens, wie sich orientieren und sich erinnern, wo man etwas hingelegt hat

  • Gesunder Menschenverstand

Gefühle können schwanken und schnell und unvorhergesehen von glücklich auf traurig wechseln.

Veränderungen der Persönlichkeit sind ebenfalls häufig. Familienangehörige bemerken möglicherweise ein ungewöhnliches Verhalten.

Einige Demenzkranke verheimlichen ihren Zustand gut. Sie halten sich zu Hause an bekannte Abläufe und vermeiden komplexere Aktivitäten wie Kontoführung, Lesen und Arbeiten. Betroffene, die ihr Leben nicht ändern, werden unter Umständen aufgrund ihrer Unfähigkeit, tägliche Aufgaben auszuführen, frustriert. Sie vergessen wichtige Aufgaben womöglich oder führen sie falsch aus. Sie vergessen beispielsweise, Rechnungen zu begleichen oder das Licht oder den Herd auszuschalten.

Im frühen Stadium der Demenz können Betroffene oft noch Autofahren, sie können aber bei starkem Verkehr verwirrt werden und sich leichter verirren.

Intermediäre Symptome der Demenz

Bei fortschreitender Demenz verschlimmern sich die bestehenden Probleme und Folgendes wird schwierig bzw. unmöglich:

  • Lernen neuer Informationen und sich an sie erinnern

  • Sich an Ereignisse aus der Vergangenheit erinnern

  • Selbstständige Tätigkeiten ausführen, wie waschen, essen, anziehen und auf die Toilette gehen

  • Menschen und Gegenstände erkennen

  • Sich der Zeit und des Ortes bewusst sein

  • Verstehen, was sie sehen und hören (führt zu Verwirrtheit)

  • Verhaltenskontrolle

Betroffene verirren sich häufig. Sie sind unter Umständen nicht in der Lage ihr eigenes Schlafzimmer oder Badezimmer zu finden. Sie können gehen, stürzen aber leicht. Bei ca. 10 Prozent der Betroffenen führt diese Verwirrtheit zu einer Psychose wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Paranoia.

Bei fortschreitender Demenz wird das Autofahren immer schwieriger, da es schnelle Entscheidungen und gute Koordination erfordert. Betroffene erinnern sich eventuell nicht an ihr Fahrziel.

Charakterzüge können übertrieben verstärkt sein. Menschen, die sich immer um Geld gesorgt haben, werden davon besessen. Menschen, die sich oft Sorgen gemacht haben, sind ständig besorgt. Einige Betroffene werden reizbar, ängstlich, egozentrisch, unflexibel und werden leichter verärgert. Andere werden eher passiv, ausdruckslos, deprimiert, unentschlossen oder zurückgezogen. Demenzkranke können feindselig und aufgebracht werden, wenn man ihnen gegenüber Veränderungen ihrer Persönlichkeit oder ihrer geistigen Fähigkeiten erwähnt.

Das Schlafverhalten ist oft anormal. Die meisten Demenzkranken schlafen ausreichend, haben aber eine kürzere Tiefschlafphase. Als Folge werden sie nachts möglicherweise ruhelos. Sie haben eventuell auch Probleme ein- und durchzuschlafen. Wenn Betroffene sich nicht ausreichend bewegen oder an Aktivitäten teilnehmen, können sie während des Tages auch zu viel schlafen. Dann schlafen sie nachts nicht gut.

Verhaltensstörungen bei Demenz

Da Betroffene nicht mehr in der Lage sind, ihr Verhalten zu kontrollieren, können sie sich manchmal unangemessen oder aggressiv verhalten (zum Beispiel durch Schreien, Werfen, Schlagen oder Umherwandern). Dies wird als Verhaltensstörung bezeichnet.

Demenz trägt zu folgendem Verhalten bei:

  • Da Betroffene vergessen haben, wie man sich normal verhält, können sie unangemessene Verhaltensweisen an den Tag legen. Wenn ihnen heiß ist, ziehen sie sich in der Öffentlichkeit möglicherweise aus. Wenn sie sexuelle Impulse verspüren, können sie in der Öffentlichkeit masturbieren, obszöne und unangebrachte Sprache verwenden oder sexuelle Handlungen fordern.

  • Da Demenzkranke oft Schwierigkeiten haben, zu verstehen, was sie sehen und hören, können sie ein Angebot der Hilfe mit einer Bedrohung verwechseln und sich vielleicht wehren. Wenn ihnen jemand beispielsweise beim Ausziehen helfen möchte, könnten sie das als Angriff interpretieren und versuchen, sich zu schützen, manchmal durch Schlagen.

  • Da ihr Kurzzeitgedächtnis gestört ist, können sie sich nicht erinnern, was sie gesagt oder getan haben. Sie wiederholen ständig Fragen und Gespräche, fordern ständig Aufmerksamkeit oder fragen nach bestimmten Dingen (wie Mahlzeiten), die sie bereits erhalten haben. Sie können aufgeregt und aufgebracht werden, wenn sie nicht das bekommen, wonach sie gefragt haben.

  • Weil sie ihre Bedürfnisse nicht klar oder überhaupt nicht artikulieren können, schreien sie vielleicht, wenn sie Schmerzen haben, oder wandern herum, wenn sie sich einsam oder ängstlich fühlen.

Ob ein bestimmtes Verhalten als unangemessen eingestuft wird, hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der Toleranz der betreuenden Person und wie die Lebenssituation des Demenzkranken aussieht.

Wenn Demenzkranke nicht schlafen können, wandern sie möglicherweise herum, schreien oder rufen.

Späte Symptome der Demenz

Schließlich können Demenzkranke keiner Unterhaltung mehr folgen und unter Umständen auch nicht mehr sprechen. Das Kurz- und Langzeitgedächtnis sind völlig verloren. Betroffene erkennen unter Umständen enge Familienangehörige und ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr.

Bei fortgeschrittener Demenz sind die Gehirnfunktionen fast völlig zerstört. Fortgeschrittene Demenz beeinträchtigt die Kontrolle der Muskeln. Betroffene sind nicht in der Lage zu gehen, selbst zu essen oder jegliche anderen Tätigkeiten des täglichen Lebens auszuführen. Sie werden zur Gänze von anderen abhängig und können schließlich nicht mehr das Bett verlassen. Die Betroffenen hören womöglich auf zu sprechen.

Schließlich können sie kaum mehr Essen schlucken, ohne zu husten. Diese Probleme erhöhen das Risiko von Unterernährung, Lungenentzündung (oft aufgrund des Einatmens von Absonderungen und Essensresten im Mund) und Druckgeschwüren (da sie sich nicht bewegen können).

Der Tod tritt oft durch Infektionen, wie eine Lungenentzündung, ein.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Untersuchung der geistigen Verfassung

  • Manchmal neuropsychologische Tests

  • Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren, um Ursachen auszuschließen

Meist bemerken Familienangehörige oder der Arzt als Erste die Vergesslichkeit.

Krankengeschichte

Der Arzt oder medizinische Fachkräfte können die Diagnose gewöhnlich anhand einiger Fragen stellen, die der Betroffene und seine Familie beantworten sollen:

  • Wie alt ist der Betroffene?

  • Hatte ein Familienangehöriger Demenz oder eine andere Geisteserkrankung (familiäre Vorgeschichte)?

  • Wann und wie haben die Symptome begonnen?

  • Wie schnell haben sich die Symptome verschlechtert?

  • Inwiefern hat der Betroffene sich verändert (zum Beispiel wurden Hobbys oder Aktivitäten aufgegeben)?

  • Welche anderen Erkrankungen hat der Betroffene?

  • Welche Arzneimittel nimmt der Betroffene ein (bestimmte Arzneimittel können Demenz-Symptome hervorrufen)?

  • War der Betroffene depressiv oder traurig, vor allem, wenn die Person älter ist?

Untersuchung der geistigen Verfassung

Die geistige Verfassung des Betroffenen wird ebenfalls getestet, indem einfache Fragen beantwortet und Aufgaben ausgeführt werden müssen, wie das Benennen von Gegenständen, das Aufzählen kurzer Listen, das Schreiben einiger Sätze und das Abzeichnen von Formen.

Eine detailliertere Untersuchung (ein so genannter neuropsychologischer Test) ist manchmal notwendig, um den Grad der Beeinträchtigung zu bestimmen oder um festzustellen, ob der Betroffene tatsächlich geistig abbaut. Diese Tests decken alle wichtigen geistigen Funktionen einschließlich Stimmung ab und dauern gewöhnlich ein bis drei Stunden. Sie helfen dem Arzt dabei, Demenz von Altersvergesslichkeit, einer leichten kognitiven Störung und von Depressionen zu unterscheiden.

Mithilfe der Symptome, der familiären Vorgeschichte und der geistigen Verfassung des Betroffenen kann der Arzt Demenz meist diagnostizieren.

Basierend auf diesen Informationen kann der Arzt gewöhnlich ein Delirium als Ursache für die Symptome ausschließen (siehe Tabelle: Vergleich zwischen Delirium und Demenz). Dies ist sehr wichtig, da ein Delirium, im Gegensatz zur Demenz, bei schneller Behandlung rückgängig gemacht werden kann.

Die folgenden Ergebnisse deuten auf Demenz hin:

  • Betroffene haben Denk- und Verhaltensprobleme, die die Aufgaben des täglichen Lebens erschweren.

  • Diese Probleme haben sich kontinuierlich verschlimmert und erschweren das tägliche Leben immer mehr.

  • Die Betroffenen leiden an keinem Delirium und an keiner psychischen Störung, die die Probleme verursachen könnte.

Zusätzlich haben die Betroffenen mindestens zwei der folgenden Probleme:

  • Schwierigkeiten, neue Informationen zu lernen und sich an sie zu erinnern

  • Schwierigkeiten mit der Sprache

  • Schwierigkeiten beim Verstehen, wo sich Gegenstände im Raum befinden, beim Erkennen von Gegenständen und Gesichtern und beim Verstehen, wie Teile eines Ganzen miteinander in Bezug stehen

  • Schwierigkeiten, zu planen, Probleme zu lösen, komplexe Aufgaben zu bewältigen, und beeinträchtigtes Urteilsvermögen

  • Veränderungen der Persönlichkeit, des Verhaltens oder Benehmens

Körperliche Untersuchung

Meist findet eine körperliche Untersuchung statt, einschließlich einer neurologischen Untersuchung, um festzustellen, ob andere Störungen vorliegen. Der Arzt sucht nach behandelbaren Erkrankungen, die möglicherweise die Demenz verursachen, zu ihr beitragen oder für Demenz gehalten werden.

Der Arzt stellt außerdem fest, ob noch eine andere körperliche oder psychiatrische Erkrankung (wie z. B. Schizophrenie) vorliegt, da eine Behandlung dieser Erkrankungen den Allgemeinzustand von Demenzkranken verbessern kann.

Andere Untersuchungen

Es werden Bluttests durchgeführt. Diese umfassen normalerweise die Messung der Konzentration des Schilddrüsenhormons im Blut, um eine Schilddrüsenerkrankung auszuschließen, und die Messung der Vitamin B12-Konzentration, um einen Mangel auszuschließen.

Eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) wird durchgeführt, um Anomalien festzustellen, die Demenz verursachen können (wie ein Hirntumor, ein Normaldruck-Hydrozephalus, ein subdurales Hämatom und ein Schlaganfall). Eine spezielle Art der Aufnahme namens Positronen-Emissions-Tomographie (oder PET) oder eine CT (genannt Einzelphotonen-Emissions-CT) wird manchmal durchgeführt, um dem Arzt zu helfen, verschiedene Demenzformen zu erkennen, wie die Alzheimer-Krankheit, frontotemporale Demenz und Lewy-Körper-Demenz.

Manchmal kann die Ursache einer Demenz allerdings erst mit Sicherheit bestimmt werden, wenn eine Gehirngewebeprobe entnommen und unter einem Mikroskop untersucht wird. Dieses Verfahren wird manchmal nach dem Tod während einer Autopsie durchgeführt.

Behandlung

  • Behandlung von Erkrankungen, die die Demenz verschlimmern

  • Sicherheitsmaßnahmen und unterstützende Maßnahmen

  • Arzneimittel, die die geistigen Funktionen verbessern können

  • Hilfe für die Pflegenden

  • Entscheidungen am Lebensende

Bei den meisten Demenzformen können die geistigen Funktionen durch eine Behandlung nicht wiederhergestellt werden. Die Behandlung von Erkrankungen, die die Demenz verschlimmern, kann den geistigen Verfall jedoch manchmal verlangsamen. Demenzkranken, die an Depressionen leiden, können Antidepressiva (wie Sertralin und Paroxetin – siehe Tabelle: Medikamente zur Behandlung von Depressionen) und psychologische Beratung helfen, zumindest vorübergehend. Demenzkranke Alkoholiker können durch Abstinenz langfristige Verbesserungen erleben. Arzneimittel, die die Demenz möglicherweise verstärken, wie z. B. Beruhigungsmittel, sowie Arzneimittel, die die Gehirnfunktion beeinflussen, werden, wenn möglich abgesetzt.

Schmerzen und andere Erkrankungen oder gesundheitliche Probleme (wie eine Harnwegsinfektion oder Konstipation) werden behandelt, unabhängig davon, ob sie mit der Demenz zusammenhängen. Dies kann Betroffenen helfen, die geistigen Funktionen aufrechtzuerhalten.

Eine sichere und unterstützende Umgebung kann erstaunlich hilfreich sein und gewisse Arzneimittel können eine Zeit lang helfen. Der Demenzkranke, Familienangehörige, andere betreuende Personen sowie die zuständigen medizinischen Fachkräfte sollten sich gemeinsam auf die beste Strategie für den Betroffenen einigen.

Sicherheitsmaßnahmen

Sicherheit ist ein wichtiger Faktor. Eine Krankenschwester oder ein Beschäftigungs- oder Physiotherapeut kann bei einem Hausbesuch die Sicherheit im Zuhause des Betroffenen bewerten und eventuelle Änderungen vorschlagen. Gedämpftes Licht erhöht zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass Demenzkranke das, was sie sehen, falsch interpretieren, und daher sollte die Beleuchtung relativ hell sein. Ein Nachtlicht oder durch Bewegungssensoren gesteuerte Beleuchtung können ebenfalls hilfreich sein. Dies kann Unfällen vorbeugen (vor allem Stürzen) und Betroffenen dabei helfen, selbstständig zu sein.

Unterstützende Versorgung

Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz kommen gewöhnlich in vertrauter Umgebung am besten zurecht und können meist zu Hause bleiben.

Im Allgemeinen sollte die Umgebung hell, fröhlich, sicher und stabil sein sowie etwas Stimulation, wie Radio oder Fernsehen, bieten. Die Umgebung sollte so gestaltet sein, dass es leicht ist, sich zu orientieren. Fenster helfen Betroffenen zum Beispiel, zu erkennen, welche Tageszeit es ist.

Ein strukturierter Tag mit Routineabläufen hilft Demenzkranken, die Orientierung nicht zu verlieren und gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Stabilität. Änderungen der Umgebung, von Abläufen oder der Betreuer sollten Betroffenen klar und einfach erklärt werden. Vor jedem Ablauf oder vor jeder Interaktion, wie einem Bad oder einer Mahlzeit, sollte ihnen erklärt werden, was geschehen wird. Wenn man sich mit den Erklärungen Zeit nimmt, können Auseinandersetzungen verhindert werden.

Routine im Alltag, wie beim Baden, Essen und Schlafen, hilft Demenzkranken, sich an Abläufe zu erinnern. Ein routinemäßiger Ablauf zur Schlafenszeit, kann ihnen beim Schlafen helfen.

Andere Aktivitäten, die regelmäßig geplant sind, können Betroffenen dabei helfen, sich selbstständig und gebraucht zu fühlen, indem ihre Aufmerksamkeit auf angenehme und nützliche Aufgaben gelenkt wird. Solche Aktivitäten können auch zur Milderung von Depressionen beitragen. Am besten sind Aktivitäten, die mit Interessen zusammenhängen, die der Betroffene vor der Demenz hatte. Die Aktivitäten sollten auch Spaß machen und stimulierend sein, aber nicht zu viele Wahlmöglichkeiten oder Herausforderungen beinhalten. Körperliche Bewegung baut Stress und Frustrationen ab und kann so Schlafstörungen und unerwünschtem Verhalten, wie Aufgebrachtheit und Umherwandern, vorbeugen. Sie kann auch das Gleichgewicht verbessern (und dadurch vielleicht Stürzen vorbeugen) und hält das Herz und die Lunge gesund. Durch kontinuierliche geistige Aktivität wie Hobbys, Interesse an aktuellen Ereignissen und Lesen, bleiben Betroffene eher geistesgegenwärtig und am Leben interessiert. Bei Fortschreiten der Demenz sollten Aktivitäten in kleinere Abschnitte eingeteilt oder vereinfacht werden.

Eine Reizüberflutung ist zu vermeiden, die Betroffenen sollten jedoch nicht sozial isoliert werden.

Häufige Besuche des Personals und bekannter Menschen helfen Betroffenen, gesellig zu bleiben.

Verbesserungen können sich einstellen, wenn

  • Tägliche Abläufe vereinfacht werden.

  • Die Erwartungen der Pflegenden realistisch sind.

  • Die Betroffenen nicht das Gefühl bekommen, ihrer Würde und Selbstachtung beraubt zu werden.

Es wird möglicherweise zusätzliche Hilfe benötigt. Eine Liste verfügbarer Dienstleister im Gesundheits- und Sozialbereich können Familienangehörige im Telefonbuch oder im Internet finden (durch die Eldercare-Suche). Die Dienstleistungen können Haushaltsführung, Entlastungspflege, Essen auf Rädern, Tagespflegeprogramme und speziell gestaltete Aktivitäten für Demenzkranke umfassen. Eine 24-Stunden-Betreuung kann eingerichtet werden, was allerdings sehr teuer ist. Die Alzheimer’s Association bietet ein Programm namens „Safe Return“ an. Dabei wird ein Netzwerk an Personen alarmiert, die dann helfen, den Patienten zu seinem Betreuer oder einem Angehörigen zurückzubringen.

Da Demenz in der Regel eine fortschreitende Erkrankung ist, ist es sehr wichtig, für die Zukunft zu planen. Familienangehörige sollten den Umzug in eine neue Umgebung, die dem Demenzkranken mehr Unterstützung und Struktur bietet, schon lange im Voraus geplant haben und sich der Möglichkeiten für eine Langzeitpflege bewusst sein. Solche Pläne werden meist gemeinsam mit dem Arzt, einem Sozialarbeiter, Krankenschwestern und einem Anwalt gemacht, die hauptsächliche Verantwortung liegt allerdings bei den Familienangehörigen. Entscheidungen darüber, ob ein Demenzkranker in eine angemessenere Umgebung umziehen sollte, müssen einerseits die Sicherheit des Betroffenen berücksichtigen sowie darauf abzielen, dem Betroffenen so lange wie möglich das Gefühl zu geben, selbstständig zu sein. Solche Entscheidungen hängen von vielen Faktoren ab wie zum Beispiel:

  • Schweregrad der Demenz

  • Wie gestört das Verhalten des Betroffenen ist

  • Häusliche Umgebung

  • Verfügbarkeit von Familienangehörigen und Betreuern

  • Finanzielle Mittel

  • Andere, nicht zusammenhängende Erkrankungen oder körperliche Probleme

Einige Langzeit-Pflegeeinrichtungen, einschließlich Einrichtungen für betreutes Wohnen und Altersheime, sind auf die Pflege von Demenzkranken spezialisiert. Das Personal ist dazu ausgebildet, das Denken und Handeln von Demenzkranken zu verstehen und richtig darauf zu reagieren. In diesen Einrichtungen erfolgen routinemäßige Abläufe, die den Bewohnern Sicherheit geben und es werden Aktivitäten angeboten, bei denen sie sich produktiv und ins Leben eingebunden fühlen. Die meisten Einrichtungen verfügen über angemessene Sicherheitsmaßnahmen. Zum Beispiel hilft Beschilderung den Bewohnern dabei, sich zurechtzufinden und bestimmte Türen sind mit Schlössern oder Alarmsignalen ausgestattet, damit die Bewohner nicht Umherwandern können. Falls eine Einrichtung nicht über diese Sicherheitsmaßnahmen verfügt, ist es häufig eine bessere Lösung, einen Betroffenen mit einem Verhaltensproblem in eine Einrichtung zu verlegen, die über angemessene Maßnahmen verfügt, als Arzneimittel zur Verhaltenskontrolle zu benützen.

Eine unterstützende Umgebung für Demenzkranke

Menschen mit Demenz können von einer Umgebung profitieren, die:

  • Sicher ist: Gewöhnlich bedarf es zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen. Beispielsweise kann man große Tafeln aufstellen (wie: „Den Herd ausstellen!“) oder Herd und elektrische Geräte werden mit Zeitschaltuhren ausgestattet. Das Wegschließen von Autoschlüsseln kann Unfälle verhindern und Bewegungsmelder an den Türen können Umherwandern vorbeugen. Wenn der Betroffene häufig herumirrt, können ein Armband oder eine Halskette mit Name und Adresse sinnvoll sein.

  • Vertraut ist: Eine vertraute Umgebung hilft den Demenzkranken, sich zurechtzufinden. Ein Umzug in eine neue Wohnung oder Stadt, das Umstellen von Möbeln oder auch nur eine neue Tapete können die Betroffenen aus dem Gleichgewicht bringen.

  • Stabil ist: Ein regelmäßiger Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten, Baden, Schlafen und andere Verrichtungen gibt den Betroffenen ein Gefühl der Sicherheit. Regelmäßiger Kontakt zu bekannten Gesichtern ist hilfreich.

  • die Orientierung erleichtert: Ein großer Tageskalender, eine Uhr mit großen Ziffern, ein Nachtlicht, ein Radio und gut beleuchtete Räume helfen einem Demenzkranken, sich zu orientieren. Pflegepersonal oder pflegende Angehörige sollten möglichst häufig erklären, wo sich der Betroffene befindet und was gerade passiert.

Der Zustand eines Demenzkranken kann sich verschlechtern, wenn er von seinem Zuhause in eine Langzeit-Pflegeeinrichtung kommt. Die meisten Betroffenen gewöhnen sich allerdings schon nach kurzer Zeit daran und finden sich in der stützenden Umgebung besser zurecht.

Arzneimittel, die die geistigen Funktionen verbessern können

Donepezil, Galantamin, Rivastigmin und Memantin werden für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit und der Lewy-Körper-Demenz verwendet. Rivastigmin kann ebenfalls zur Behandlung der mit der Parkinson-Krankheit einhergehenden Demenz angewendet werden.

Donepezil, Galantamin und Rivastigmin sind Cholinesterase-Hemmer. Sie hemmen das Enzym Acetylcholinesterase, das Acetylcholin abbaut. Somit erhöhen diese Arzneimittel die Acetycholinkonzentration, was den Nervenzellen dabei hilft, miteinander zu kommunizieren. Diese Arzneimittel können die geistigen Funktionen von Demenzkranken vorübergehend verbessern, verlangsamen das Fortschreiten der Demenz jedoch nicht. Am besten wirken sie im frühen Stadium der Demenz, die Wirkung ist jedoch von Person zu Person sehr unterschiedlich. Bei ca. einem Drittel der Betroffenen wirken sie nicht. Bei einem Drittel stellen sich für ein paar Monate leichte Verbesserungen ein. Beim Rest zeigen sich erhebliche Verbesserungen über einen längeren Zeitraum, die Demenz schreitet jedoch schlussendlich fort.

Wenn ein Cholinesterase-Hemmer nicht wirkt oder Nebenwirkungen verursacht, sollte ein anderer ausprobiert werden. Wenn keiner wirkt oder alle Nebenwirkungen haben, sollte diese Art von Medikament abgesetzt werden. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust und Bauchschmerzen oder -krämpfe. Tacrin, der erste Cholinesterase-Hemmer, der zur Behandlung von Demenz entwickelt wurde, wird nur noch sehr selten verwendet, da er die Leber schädigen kann.

Memantin, ein NMDA (N-Methyl-d-aspartat)-Antagonist, kann die geistigen Funktionen von Betroffenen mit mittelschwerer bis schwerer Demenz verbessern. Memantin wirkt anders als Cholinesterase-Hemmer und kann mit ihnen gemeinsam angewendet werden. Die Kombination der beiden Arzneimittel kann wirkungsvoller sein als die Einzelgabe.

Arzneimittel, die helfen, Verhaltensprobleme zu kontrollieren

Wenn Verhaltensprobleme entstehen, werden manchmal Arzneimittel eingesetzt. Allerdings bringt man Verhaltensprobleme am besten mit Maßnahmen unter Kontrolle, die auf den Betroffenen maßgeschneidert sind und keine Arzneimittel umfassen. Arzneimittel werden erst dann angewendet, wenn andere Maßnahmen, wie Anpassungen der Umgebung, nicht die gewünschte Wirkung erzielen und der Einsatz von Arzneimitteln erforderlich ist, um den Demenzkranken/andere zu schützen.

Dazu gehören:

  • Antipsychotische Arzneimittel: Diese Arzneimittel werden häufig verwendet, um Erregungszustände und Ausbrüche, die bei fortgeschrittener Demenz auftreten können, zu kontrollieren. Allerdings wirken diese Arzneimittel meist nur bei Betroffenen, die, zusätzliche zur Demenz, auch an Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Paranoia leiden – also eine Psychose haben. Diese Arzneimittel können auch ernste Nebenwirkungen haben, wie Schläfrigkeit, Zittern und ein Zunehmen der Verwirrtheit. Neuere antipsychotische Arzneimittel (wie Aripiprazol, Olanzapin, Risperidon und Quetiapin) haben weniger Nebenwirkungen. Diese können aber, wenn sie über einen längeren Zeitraum hinweg angewendet werden, den Blutzuckerspiegel erhöhen (eine Störung, die als Hyperglykämie bezeichnet wird) und bei älteren Demenzkranken, die an einer Psychose leiden, das Todes- und Schlaganfallrisiko steigern. Antipsychotische Arzneimittel sollten nur beim Vorliegen einer Psychose angewendet werden.

  • Antiepileptika: Sie werden ansonsten zur Behandlung von Krampfanfällen eingesetzt und können zur Kontrolle aggressiver Ausbrüche angewendet werden. Zu ihnen zählen Carbamazepin, Gabapentin und Valproat.

Andere Arzneimittel

Beruhigungsmittel (einschließlich Benzodiazepine wie Lorazepam) werden manchmal für die Kurzzeitbehandlung von Angstzuständen verwendet, die von einem bestimmten Ereignis ausgelöst wurden, es wird aber nicht empfohlen, sie für die Langzeitbehandlung einzusetzen.

Antidepressiva, in der Regel selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, werden nur dann angewendet, wenn Demenzkranke auch an Depressionen leiden.

Wenn Arzneimittel angewendet werden, sollten Familienangehörige regelmäßig mit dem Arzt sprechen und ihm mitteilen, ob die Arzneimittel tatsächlich wirken.

Nahrungsergänzungsmittel

Es wurden viele Nahrungsergänzungsmittel getestet, aber im Allgemeinen haben sie sich bei der Behandlung von Demenz als wenig hilfreich erwiesen. Zu ihnen gehören Lecithin, Mutterkornalkaloide und Cyclandelat. Ginkgo-Extrakt, ein Nahrungsergänzungsmittel, wird als Mittel zur Gedächtnisverbesserung vermarktet. Allerdings belegen dies keine Studien und die Einnahme von Ginkgo in hohen Dosen könnte Nebenwirkungen haben.

Vitamin-B12-Ergänzungsmittel wirken nur bei Menschen, die an einem Vitamin-B-Mangel leiden und eine Schilddrüsenhormon-Behandlung ist nur bei einer Schilddrüsenunterfunktion sinnvoll.

Vor der Anwendung eines Nahrungsergänzungsmittels sollte man den Arzt konsultieren.

Hilfe für die Pflegenden

Demenzkranke zu pflegen, ist belastend und anspruchsvoll und wenn die Pflegenden ihre eigenen physischen und psychischen Bedürfnisse vernachlässigen, können sie in einen Erschöpfungszustand geraten und regelrechte Depressionen entwickeln.

Folgende Maßnahmen können den Pflegenden helfen:

  • Lernen, wie sie die Bedürfnisse von Alzheimerkranken erfüllen können und was sie von ihnen erwarten dürfen: Pflegende können diese Informationen von Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Organisationen erhalten und in Informationsmaterialien oder im Internet nachlesen.

  • Hilfe suchen, wenn es nötig ist: Pflegende können mit Sozialarbeitern über die Hilfsangebote sprechen (einschließlich Sozialarbeiter im örtlichen Krankenhaus), wie Tagespflegeeinrichtungen, häusliche Pflege, Teilzeit- oder Vollzeithilfen im Haushalt und Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause. Eine psychologische Beratung und Selbsthilfegruppen können ebenfalls helfen.

  • Sich um sich selbst kümmern: Pflegende müssen sich um sich selbst kümmern. Freunde, Hobbys und Aktivitäten sollten nicht aufgegeben werden.

Hilfe für die Pflegenden

Demenzkranke zu pflegen, ist belastend und anspruchsvoll und wenn die Pflegenden ihre eigenen physischen und psychischen Bedürfnisse vernachlässigen, können sie in einen Erschöpfungszustand geraten und regelrechte Depressionen entwickeln.

Folgende Maßnahmen können den Pflegenden helfen:

  • Lernen, wie sie die Bedürfnisse von Demenzkranken erfüllen können und was sie von ihnen erwarten dürfen: Beispielsweise sollten Pflegende wissen, dass es nicht sinnvoll ist, einen Demenzkranken auszuschimpfen, wenn er einen Fehler gemacht hat, weil dies die Situation nur verschlimmern kann. Solches Wissen hilft, unnötigen Stress zu vermeiden. Pflegende können ebenfalls lernen, wie man am besten auf Verhaltensprobleme reagiert und somit den Betroffenen schneller beruhigt und manchmal ein Problemverhalten vermeidet.

    Informationen über das Verhalten im Alltag sind vom Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Organisationen erhältlich und können in Informationsmaterialien oder im Internet nachgelesen werden.

  • Hilfe suchen, wenn es nötig ist: Eine Entlastung von der Rund-um-die-Uhr-Betreuung von Demenzkranken lässt sich meist organisieren; je nach dem Verhalten und den Fähigkeiten des Betroffenen sowie den örtlichen und familiären Gegebenheiten. Kranken- und Pflegekassen einschließlich Sozialarbeiter im örtlichen Krankenhaus oder Gesundheitsamt können über die Hilfsangebote informieren.

    Dazu gehören Tagespflegeeinrichtungen, häusliche Pflege und Teilzeit- oder Vollzeithilfen im Haushalt und Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause. Oft können Fahr- und Essensdienste in Anspruch genommen werden. Vollzeitpflege kann sehr teuer sein, viele Krankenkassen übernehmen jedoch einen Teil der Kosten.

    Pflegende können von psychologischer Beratung und Selbsthilfegruppen profitieren.

  • Sich um sich selbst kümmern: Pflegende müssen sich um sich selbst kümmern. So kann körperliche Betätigung die Stimmung wie auch die Gesundheit verbessern. Freunde, Hobbys und Aktivitäten sollten nicht aufgegeben werden.

Entscheidungen zum Lebensende

Entscheidungen über medizinische Versorgung sowie finanzielle und rechtliche Angelegenheiten sollten getroffen werden, wenn der Demenzkranke noch einigermaßen selbstständig ist. Dies wird als Vorausverfügung bezeichnet. Betroffene sollten eine Person ernennen, die berechtigt ist, in ihrem Namen Entscheidungen bezüglich der Behandlung zu treffen (Vorsorgevollmacht), und mit dieser Person und dem Arzt besprechen, welche Wünsche sie bezüglich ihrer Pflege haben ( Rechtliche und ethische Fragen am Lebensende). Demenzkranke sollten beispielsweise entscheiden, ob sie künstliche Ernährung oder Antibiotika zur Behandlung von Infektionen (wie Lungenentzündung) erhalten wollen, wenn ihre Demenz sehr fortgeschritten ist. Solche Angelegenheiten sollten mit allen Betroffenen lange vor der Notwendigkeit solcher Entscheidungen besprochen werden.

Bei fortschreitender Demenz konzentriert sich die Behandlung auf das Wohlbefinden des Betroffenen und nicht so sehr auf lebensverlängernde Maßnahmen. Häufig verursachen aggressive Behandlungsformen, wie die künstliche Ernährung, mehr Beschwerden für den Betroffenen.

Im Gegensatz dazu können weniger drastische Maßnahmen die Beschwerden lindern. Dazu zählen

  • Eine angemessene Schmerzbehandlung

  • Hautpflege (um Druckgeschwüren vorzubeugen)

  • Eine aufmerksame Krankenpflege

Bei der Krankenpflege ist es am sinnvollsten, wenn sie von einem (oder einigen wenigen) Pflegern ausgeführt wird, der/die eine Beziehung zum Betroffenen aufbaut/aufbauen. Eine behagliche, beruhigende Stimme und besänftigende Musik können ebenfalls hilfreich sein.

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