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Urin, Blut im

Von

Anuja P. Shah

, MD, David Geffen School of Medicine at UCLA

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2019| Inhalt zuletzt geändert Sep 2019
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Quellen zum Thema

Blut im Urin (Hämaturie) kann den Urin rot bis braun färben, abhängig von der Menge der Blutbeimischung, der Verweildauer im Urin und der Säurekonzentration des Urins. Eine sehr geringe Blutbeimischung, die mit bloßem Auge bei einer mikroskopischen Hämaturie nicht sichtbar ist, kann mittels chemischer Tests und unter dem Mikroskop festgestellt werden. Eine mikroskopische Hämaturie kann bei einem Urintest entdeckt werden, der aus anderem Grund durchgeführt wurde.

Menschen mit Hämaturie haben möglicherweise auch andere Symptome von Harnwegserkrankungen, wie Flankenschmerzen, Unterleibsschmerzen, starker Harndrang oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen, je nachdem, welche Störung als Ursache zugrunde liegt. Bei etwas größeren Blutbeimischungen können sich Gerinnsel bilden. Diese Gerinnsel können den Harnfluss vollständig blockieren, was starke Schmerzen und Harnretention (Unfähigkeit zum Wasserlassen) zur Folge haben kann. Eine derart starke Blutung wird in der Regel durch eine Verletzung innerhalb der Harnwege ausgelöst.

Eine Rotfärbung des Urins entsteht nicht immer durch rote Blutkörperchen. Eine rote oder rotbraune Verfärbung kann auch folgende Ursachen haben:

  • Hämoglobin (das Sauerstoff in die roten Blutkörperchen transportiert) im Urin, ausgelöst durch den Zerfall roter Blutkörperchen

  • Muskeleiweiß (Myoglobin) im Urin aufgrund des Abbaus von Muskelzellen

  • Porphyrie (eine Störung, verursacht durch einen Defekt von Enzymen, die für den Aufbau des eisenhaltigen Blutfarbstoffs Häm verantwortlich sind und das Blut rot färben)

  • Nahrungsmittel (z. B. rote Beete, Rhabarber und manchmal Lebensmittelfarbstoffe)

  • Medikamente (meistens Phenazopyridin jedoch manchmal auch Cascararinde, Diphenylhydantoin, Methyldopa, Rifampin, Phenacetin, Phenothiazine und Senna)

Ursachen

Wenn Blut im Urin festgestellt wird, können die Ursachen dafür in den verschiedensten Bereichen der Harnwege liegen, von den Nieren bis zu den Harnleitern, der Blase oder der Harnröhre. Frauen verwechseln zunächst häufig Blut im Urin mit Vaginalblutungen.

Häufige Ursachen

Die häufigsten Ursachen variieren in gewisser Weise, je nach Alter des Betroffenen; sind im Allgemeinen jedoch:

Seltenere Ursachen

Weniger häufige Ursachen sind:

Auch Krebs und gutartige Prostatahyperplasie können zu Blut im Urin führen. Diese Erkrankungen sind vor allem bei Menschen über 50 Jahren ernst zu nehmen sowie bei jüngeren Menschen, die einer Risikogruppe (Rauchen, familiäre Vorbelastung oder Kontakt mit Chemikalien) für Krebs angehören.

Störungen der mikroskopisch kleinen Blutgefäße der Nieren (Glomeruli) können bei Menschen jedes Alters die Ursache sein. Eine Störung der Filterfunktion der Nieren (glomuläre Erkrankungen) kann Teil einer Nierenstörung oder die Ursache einer Erkrankung in anderen Bereichen des Körpers sein. Solche Erkrankungen umfassen Infektionen (z. B. Herzklappenentzündung), Erkrankungen des Bindegewebes (z. B. Systemischer Lupus erythematodes) und Vaskulitis, Bluterkrankungen (z. B. Serumkrankheit) oder bestimmte chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes). Darüber hinaus verursacht nahezu jede Form von Nierenerkrankungen kleine Mengen Blut im Urin.

Schwere Verletzungen, wie durch einen tiefen Sturz oder einen Verkehrsunfall verursacht, können die Nieren oder die Blase verletzen und zu Blutungen führen.

Schistosoma haematobium, ein parasitärer Saugwurm, der häufig für Infektionen in Afrika verantwortlich ist (und in einem etwas geringeren Ausmaß in Indien und Regionen des Nahen Ostens), kann in die Harnwege eindringen und Blut im Urin verursachen. Der Arzt zieht eine Schistosomiasis-Infektion nur bei Patienten in Betracht, die eines der Verbreitungsgebiete des Erregers bereist haben. Eine Tuberkulose kann Blut im Urin verursachen.

Beurteilung

Zunächst wird festgestellt, ob eine Blutung die Ursache für die Rotfärbung des Urins ist. Anschließend wird nach der Ursache für die Blutung gesucht und es wird festgestellt, wo in den Harnwegen die Blutung entstanden ist. Die folgenden Informationen können helfen zu klären, wann man zum Arzt gehen sollte und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Menschen mit Blut im Urin können bestimmte Symptome und Merkmale auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen. Hierzu gehören

  • Große Blutbeimischungen im Urin

  • Alter über 50 Jahre

  • Schwellung von Füßen und Beinen sowie Bluthochdruck

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Wenn Blut im Urin festgestellt wird, sollte innerhalb der nächsten ein bis zwei Tage ein Arzt konsultiert werden. Wer jedoch große Blutbeimischungen im Urin vorfindet, unter Harnretention oder unter starken Schmerzen leidet, sollte unverzüglich zum Arzt gehen.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten, bevor sie eine körperliche Untersuchung vornehmen. Die Befunde in der Krankengeschichte und bei der körperlichen Untersuchung deuten häufig auf eine Ursache für das Blut im Urin und die eventuell erforderlichen Untersuchungen hin (siehe Tabelle Einige Ursachen und Merkmale für Blut im Urin).

Der Arzt möchte vom Patienten wissen, wann die Blutung erstmals bemerkt wurde und ob bereits in der Vergangenheit derartige Blutungen auftraten. Darüber hinaus befragt er den Patienten zu Fieber, Gewichtsabnahme oder Symptomen einer Obstruktion der Harnwege, wie nur zögerlich beginnender Urinstrahl oder Schwierigkeiten, die Blase vollständig zu entleeren. Schmerzen oder sonstige Beschwerden geben häufig nähere Auskunft. Brennen beim Wasserlassen oder ein dumpfer Schmerz im Unterleib, etwas oberhalb des Schambeins, deuten auf eine Blaseninfektion hin. Bei Männern sind mäßig starke Schmerzen im unteren Rücken oder Becken häufig ein Anzeichen für eine Prostatainfektion. Extrem starke Schmerzen werden meist von Steinen oder Blutgerinnseln verursacht, die den Harnfluss blockieren.

Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Bei Frauen ist in der Regel eine gynäkologische Untersuchung erforderlich. Wenn Blut in der Scheide festgestellt wird, ist es erforderlich, einen Katheter in die Blase einzuführen, um zu überprüfen, ob die Blutung in der Scheide oder in der Blase entstanden ist. Bei Männern erfolgt in der Regel eine digital-rektale Untersuchung zur Untersuchung der Prostata.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale für Blut im Urin

Ursache

Häufige Merkmale*

Tests†

Gutartige Prostatahyperplasie (nichtkanzeröse Vergrößerung der Prostatadrüse)

Vor allem bei Männern über 50

Häufig: der Urin beginnt nur zögerlich zu fließen, schwacher Urinstrahl, ein Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung und Nachtröpfeln am Ende des Toilettengangs

Eine bei einer digital-rektalen Untersuchung entdeckte Vergrößerung der Prostata

Bluttests, um den PSA-Spiegel zu überprüfen

Häufig erfolgt eine Ultraschalluntersuchung der Blase, um zu messen, wie viel Urin nach der Miktion in der Blase verbleibt (post-miktorische Rückstände)

Vor allem bei Menschen über 50 Jahren oder Menschen die einer Risikogruppe angehören (Raucher, familiäre Vorbelastung, Kontakt mit krebserregenden Chemikalien)

Manchmal Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sowie ein starker Harndrang

Häufig Symptome mit Beteiligung des gesamten Körpers (z. B. Fieber, Schüttelfrost, Gewichtsverlust oder Schwitzen)

Endoskopische Untersuchung des Blaseninneren mittels eines flexiblen Katheters, der in die Harnröhre eingeführt wird (Zystoskopie)

Möglicherweise Blasenbiopsie

Manchmal eine CT oder MRT

Bei Verdacht auf Prostatakrebs Prostatabiopsie

Zystitis (Blaseninfektion)

Gewöhnlich bei Frauen und Mädchen

Ein häufiger und starker Harndrang

Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen

Nächtlicher Harndrang

Manchmal Blut im Urin oder faulig riechender Urin

Ärztliche Untersuchung

Für gewöhnlich Urinanalyse und Urinkultur

Verletzungen

Meist offensichtliche Anzeichen für eine Verletzung

Gewöhnlich CT des Bauch- und Beckenraums

Störung der Filterfunktion der Nieren (glomuläre Erkrankungen, wie Glomerulonephritis)

Manchmal Bluthochdruck und Schwellung von Füßen und Beinen

Unter Umständen rot oder dunkel (colafarben) gefärbter Urin

Tritt manchmal nach einer Infektion auf

Manchmal bei Personen mit entsprechender familiärer Vorbelastung einer Nieren- oder Bindegewebsstörung

Urinuntersuchung

Bluttests

Lange bestehende Schmerzen in der Flanke oder im Bauch

Bluthochdruck

Manchmal vergrößerte Nieren, die bei einem aus anderen Gründen durchgeführten bildgebenden Untersuchungsverfahren oder während der ärztlichen Untersuchung entdeckt wurden

Ultraschall

Häufig CT oder MRT des Unterleibs

Vor allem bei Männern über 50

Manchmal ein Knoten in der Prostata, der bei einer digital-rektalen Untersuchung entdeckt wurde

Gelegentlich ein schwacher Urinstrahl, der Urin beginnt nur zögerlich zu fließen, Nachtröpfeln am Ende

Bluttests, um den PSA-Spiegel zu überprüfen

Bei erhöhtem PSA-Spiegel - Biopsie der Prostata

Prostatitis (Entzündung der Prostatadrüse)

Häufig Fieber, verzögerter Beginn der Blasenentleerung, häufiger Harndrang, nächtlicher Harndrang sowie Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen

Häufig auftretende Symptome einer seit langem bestehenden Obstruktion der Harnwege (wie schwacher Urinstrahl, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Nachtröpfeln am Ende des Toilettengangs)

Bei einer akuten Infektion, eine vergrößerte, schmerzempfindliche Prostata, die bei einer digital-rektalen Untersuchung festgestellt wird; bei einer chronischen Prostatitis treten möglicherweise keine aussagekräftigen Symptome auf

Ärztliche Untersuchung

Urinuntersuchung und Urinkultur

Manchmal transrektale Ultraschalluntersuchung und Zystoskopie

Gewöhnlich bei Patienten, die bekannterweise an einer Sichelzellkrankheit leiden

Vor allem bei Menschen afrikanischer oder mediterraner Herkunft

Häufig bei Kindern und jungen Erwachsenen

Bluttests, zum Nachweis eventueller abnormer Hämoglobine in den roten Blutkörperchen

Plötzlich auftretende starke Schmerzen im unteren seitlichen Rücken (Flanke) oder schubweise auftretende Schmerzen in Unterleib oder Leiste

Manchmal Harndrang bei gleichzeitiger Unfähigkeit der Blasenentleerung

Manchmal Erbrechen

CT oder Ultraschalluntersuchung der Nieren, des Harnleiters und der Blase

* Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde einer ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

† Die Untersuchungen umfassen Urinanalyse (bei allen Patienten), Bluttests, um die Nierenfunktion zu überprüfen (bei den meisten Patienten), sowie bildgebende Diagnostikverfahren der Nieren und des Beckens (bei den meisten älteren Patienten).

CT = Computertomographie; MRT = Magnetresonanztomographie; PSA = Prostata-spezifisches Antigen.

Tests

Die Diagnose kann manchmal anhand der Symptome und der Befunde der körperlichen Untersuchung gestellt werden. Häufiger jedoch sind verschiedene Untersuchungen erforderlich, um die Ursache (oder manchmal das Vorhandensein) von Blut im Urin zu bestimmen, da sich häufig die Symptomatik verschiedener Erkrankungen überschneidet. Eine Urinanalyse wird als erstes durchgeführt. Bei der Urinanalyse kann Blut im Urin festgestellt werden (um sicherzugehen, dass die Rotfärbung des Urins durch Blut verursacht wurde) und sie kann außerdem einen Nachweis für eine Störung der Filterfunktion der Nieren liefern. Wenn eine Infektion vermutet wird, wird außerdem eine Bakterienkultur des Urins angelegt.

Bei allen Patienten über 50 Jahren und bei Menschen, die einer Krebs-Risikogruppe angehören, wird in der Regel die Blase mittels flexiblem Katheter mit optischem System untersucht (Zystoskopie), um die Ursache der Blutung festzustellen.

Bei Menschen jeden Alters, die weder an einer Infektion noch an einer Störung der Filterfunktion der Nieren leiden, wird gewöhnlich der Bauch und Beckenraum mittels bildgebender Diagnostikverfahren wie Computertomographie (CT), Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Bei Menschen unter 50 Jahren mit mikroskopischer Hämaturie, bei denen während der körperlichen Untersuchung, den Bluttests oder der Urinanalyse keine weiteren Anomalien festgestellt wurden, kann die Urinanalyse einfach in 6 oder 12 Monaten wiederholt werden. Wenn noch immer Blut festgestellt wird, werden weitere Untersuchungen gemacht.

Wenn ein Arzt eine Störung der Filterfunktion der Niere vermutet (basierend auf den Ergebnissen der Urinanalyse), erfolgt in der Regel ein Bluttest, um die Nierenfunktion zu beurteilen, und manchmal eine Nierenbiopsie. Bei Patienten afrikanischer oder mediterraner Herkunft sollte möglicherweise im Rahmen dieser Bluttests das Blut auf Sichelzellkrankheit getestet werden.

Bei Männern über 50 Jahren wird gewöhnlich der PSA-Spiegel (Prostata-spezifisches Antigen) im Blut gemessen.

Behandlung

Die Behandlung ist vor allem auf die Ursache der Blutung ausgerichtet. Wenn der Harnfluss durch Blutgerinnsel blockiert ist, führt der Arzt, unabhängig von der Ursache, einen flexiblen Katheter in die Harnröhre und versucht, das Blutgerinnsel auszuspülen.

Wichtigste Punkte

  • Eine Rotfärbung des Urins entsteht nicht immer durch Blut.

  • Viele der Ursachen für eine Blutbeimischung im Urin sind harmlos.

  • Das Risiko für ernsthafte Erkrankungen erhöht sich mit zunehmendem Alter und hängt außerdem davon ab, wie lange diese Blutbeimischungen bereits bestehen.

  • Eine Untersuchung auf Krebs erfolgt in der Regel nur bei Menschen über 50 Jahren und bei Menschen, die einer Krebs-Risikogruppe angehören.

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