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Nierenkrebs

(Adenokarzinom der Niere; Nierenzellkarzinom)

Von

J. Ryan Mark

, MD, Sidney Kimmel Cancer Center at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2019| Inhalt zuletzt geändert Aug 2019
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Kurzinformationen
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  • Nierenkrebs kann Blut im Urin, Flankenschmerzen oder Fieber verursachen.

  • Der Krebs wird meist zufällig entdeckt, wenn aus einem anderen Grund ein bildgebendes Verfahren eingesetzt wird.

  • Die Diagnose erfolgt mithilfe der Computertomographie oder Magnetresonanztomographie.

  • Die Entfernung der entsprechenden Niere verlängert das Überleben und kann zur Heilung führen, sofern noch keine Metastasen vorhanden sind.

Nierenkrebs macht nur 2 bis 3 Prozent aller Krebserkrankungen aus; Männer erkranken 50 Prozent häufiger als Frauen. Jedes Jahr erkranken rund 73.820 Menschen neu und etwa 14.770 Menschen sterben an der Erkrankung (Schätzungen aus dem Jahr 2019). Raucher sind doppelt so stark gefährdet wie Nichtraucher, Nierenkrebs zu entwickeln. Zu den weiteren Risikofaktoren gehört die Belastung durch toxische Chemikalien (z. B. Asbest, Kadmium, Gerbstoffe und Petroleum-Produkte) sowie Übergewicht. Dialysepatienten, die eine zystische Nierenerkrankung entwickeln, und Menschen mit bestimmten Erbkrankheiten unterliegen ebenfalls einem höheren Risiko an Nierenkrebs zu erkranken. Die Krankheit tritt meistens zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr auf.

Die meisten soliden Tumoren sind krebsartig, Nierenzysten (mit Flüssigkeit gefüllte Tumoren) dagegen normalerweise nicht. Bei Nierenkrebs handelt es sich in fast allen Fällen um Nierenzellkarzinome. Eine andere Form von Nierenkrebs, der Wilms-Tumor, tritt bei Kindern häufiger auf.

Symptome

Symptome treten möglicherweise erst auf, nachdem der Krebs gestreut hat (metastasiert), oder wenn er sehr groß ist. Meistens ist blutiger Urin das erste Symptom; allerdings kann die Blutmenge so gering sein, dass sie nur unter dem Mikroskop zu erkennen ist. Doch der Urin kann auch deutlich rot gefärbt sein. Weitere, sehr häufig auftretende Symptome sind Flankenschmerzen (zwischen Rippen und Hüfte), Fieber und Gewichtsverlust. In seltenen Fällen wird der Nierenkrebs erst festgestellt, wenn der Arzt eine Vergrößerung oder einen Knoten im Bauch ertastet.

Die Erythrozytenzahl kann ungewöhnlich hoch sein (Polyzythämie), da eine hohe Konzentration des Hormons Erythropoetin (das von der erkrankten Niere oder dem Tumor selbst produziert wird) zur Bildung von roten Blutkörperchen im Knochenmark anregt. Möglicherweise verursacht die hohe Erythrozytenzahl keine Symptome oder es treten Symptome wie Kopfschmerzen, Ermüdung, Schwindelgefühl und Sehstörungen auf. Auf der anderen Seite kann Nierenkrebs auch zu einer Abnahme der Erythrozytenzahl führen (Anämie), weil mit dem Urin Blut verloren geht. Eine Anämie kann eine Ermüdungsanfälligkeit oder Schwindelgefühl verursachen. Bei einigen Betroffenen wird ein hoher Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) festgestellt, der Schwäche, Ermüdung, verlangsamte Reaktionszeiten und Verstopfung zur Folge haben kann. Möglicherweise steigt der Blutdruck an, unter Umständen jedoch völlig symptomlos.

Diagnose

  • Computertomographie oder Magnetresonanztomographie

  • Manchmal operative Eingriffe

Die meisten Nierentumoren werden im Rahmen von bildgebenden Diagnostikverfahren, wie Computertomographie (CT) oder Ultraschall, die aus anderem Anlass (wie z. B. Bluthochdruck) erfolgen, zufällig entdeckt. Wenn aufgrund der auftretenden Symptome Nierenkrebs vermutet wird, wird die Diagnose mittels CT oder Magnetresonanztomographie (MRT) bestätigt. Zu Beginn kann auch eine Ultraschalluntersuchung oder eine intravenöse Urographie erfolgen.

Wenn Krebs diagnostiziert wird, erfolgen andere bildgebende Diagnostikverfahren (z. B. Röntgenaufnahme der Brust, Szintigramm, CT von Kopf, Brust oder beidem) sowie Bluttests, um festzustellen, ob und wo der Krebs Metastasen gebildet hat. Ein Krebs, der jedoch erst vor kurzer Zeit gestreut hat, kann nicht entdeckt werden. Gelegentlich ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen.

Prognose

Die Prognose hängt von vielen Faktoren ab; die 5-Jahres-Überlebensrate für Patienten, deren Krebs sich auf die Niere beschränkt, liegt bei über 90 Prozent. Wenn der Krebs bereits gestreut hat, ist die Prognose bedeutend schlechter. Bei diesen Patienten liegt das Hauptaugenmerk auf der Schmerzlinderung und sonstigen Maßnahmen, um die Lebensqualität zu verbessern (siehe Symptome bei tödlich verlaufenden Krankheiten). Wie bei allen tödlich verlaufenden Krankheiten ist die Sterbebegleitung, einschließlich dem Erstellen einer Patientenverfügung, von großer Bedeutung (siehe Rechtliche und ethische Fragen).

Behandlung

  • Operation

Beschränkt sich der Krebs ausschließlich auf die Niere, sind die Heilungsaussichten relativ gut, wenn die betroffene Niere entfernt wird. Unter Umständen wird sogar nur der Tumor und etwas angrenzendes gesundes Gewebes entfernt; der Rest der Niere wird verschont. Während verschiedene nicht-chirurgische Maßnahmen zur Zerstörung der Krebszellen noch untersucht werden, wird ein chirurgischer Eingriff gewöhnlich bevorzugt.

Wenn sich der Krebs bereits auf die angrenzenden Organe ausgebreitet hat, wie die Nierenvene oder sogar die große Vene, die Blut zum Herz transportiert (Vena cava), die Lymphknoten und entferntere Organe jedoch noch nicht befallen sind, besteht noch eine Heilungschance. Nierenkrebs neigt jedoch dazu, bereits im Frühstadium zu streuen, vor allem in die Lunge, und in manchen Fällen, bevor irgendwelche Symptome auftreten. Da Metastasen in anderen Organen, die nicht in der Nähe der Nieren liegen, manchmal zu Beginn nicht erkannt werden, werden diese unter Umständen erst sichtbar, nachdem der Arzt den Krebs in der Niere entfernt hat.

Wenn eine Operation keinen Erfolg verspricht, stehen andere Behandlungsoptionen zur Verfügung, wenn auch eine Heilung selten erzielt wird. Durch eine Stärkung des Immunsystems und der damit verbundenen besseren Fähigkeit des Körpers, die Krebszellen selbst zu zerstören, kann unter Umständen der Tumor verkleinert und das Leben verlängert werden (siehe Immuntherapie). Derartige Therapien, die manchmal bei Nierenkrebs eingesetzt werden, umfassen Interleukin-2 und Interferon alfa-2b. In anderen Fällen werden andere Medikamente verwendet, wie Sunitinib, Sorafenib, Cabozantinib, Axitinib, Bevacizumab, Pazopanib, Lenvatinib, Temsirolimus und Everolimus. Diese Medikamente verändern molekulare Mechanismen, die auf den Tumor Einfluss nehmen und deshalb als zielorientierte Therapien bezeichnet werden.

Neue Immuntherapien, die Checkpoint-Inhibitoren genannt werden, verhindern, dass ein Molekül auf den Krebszellen namens PD-L1 an PD-1 auf den T-Zellen bindet, was es dem Immunsystem ermöglicht, den Krebs anzugreifen. Pembrolizumab + Axitinib und Nivolumab + Ipilimumab sind zugelassene Checkpoint-Inhibitoren für die Erstlinienanwendung bei Patienten mit metastatischer Krankheit und einem guten sowie mittelmäßigen/schlechten Risiko. Sonstige Kombinationstherapien, einschließlich Checkpoint-Inhibitoren, sind derzeit Gegenstand der Forschung.

Verschiedene Kombinationen aus anderen Interleukinen, Thalidomid und sogar Impfstoffen, die aus Nierenkrebszellen entwickelt wurden, werden ebenfalls untersucht. Diese Therapieoptionen können möglicherweise bei der Behandlung von metastasiertem Krebs helfen, wenngleich der Nutzen meist recht gering ist. In seltenen Fällen (bei weniger als 1 Prozent der Fälle) bewirkt die Entfernung der Niere das Schrumpfen anderer Tochtergeschwülste im Körper. Diese recht geringe Chance, dass Tochtergeschwülste schrumpfen, rechtfertigt jedoch nicht die Entfernung einer kanzerösen Niere, nachdem diese bereits metastasiert hat; es sei denn, die Entfernung der Niere erfolgt im Rahmen eines Gesamtplans, der auch andere Therapien zur Behandlung eines metastasierten Krebses vorsieht. Im Jahr 2017 wurde Sunitinib zugelassen, um zu verhindern, dass Nierenkrebs nach einem chirurgischen Eingriff erneut auftritt.

Metastasen in der Niere

Manchmal streut ein Krebs, der in einem anderen Organ entstanden ist, in den Nieren (Metastasen). Beispiele dieser Krebsarten sind Melanome, Lungenkrebs, Brustkrebs, Magenkrebs, Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane, Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leukämie und Lymphome.

Diese Metastasierung ruft in der Regel keine Symptome hervor. Die Metastasierung des ursprünglichen Tumors wird meist erst bei weiteren Tests diagnostiziert. Die Therapie zielt meist auf den Muttertumor ab. In manchen Fällen, wenn der ursprüngliche Tumor behandelt wird und der Tumor in den Nieren wächst, wird auch dieser entfernt.

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