Pneumokokken-Infektionen werden durch das grampositive kugelförmige Bakterium (siehe Abbildung ) Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) ausgelöst. Diese Bakterien rufen häufig Lungenentzündungen, Meningitis (Hirnhautentzündung), Sinusitis und Mittelohrentzündungen hervor.
Pneumokokken breiten sich durch Husten oder Niesen in der Luft aus.
Pneumokokken-Infektionen rufen gewöhnlich Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl hervor. Weitere Symptome sind abhängig vom infizierten Körperbereich.
Die Diagnose beruht zum Teil auf den Symptomen oder der Identifizierung des Bakteriums in Proben von infiziertem Material.
Die Behandlung mit Penicillin oder einem anderen Antibiotikum ist normalerweise sehr wirksam.
Kleine Kinder werden routinemäßig gegen diese Infektionen geimpft, und eine Impfung wird allen Personen ab 50 Jahren sowie allen Personen aus Risikogruppen empfohlen.
(Siehe auch Übersicht über Bakterien.)
Es gibt mehr als 100 Pneumokokken-Arten. Nur einige Arten sind allerdings in der Lage, schwerwiegende Infektionen hervorzurufen.
Pneumokokken kommen bei gesunden Menschen, ihrem natürlichen Wirt, häufig in den oberen Atemwegen vor, und zwar hauptsächlich im Winter und zu Beginn des Frühlings. Die Übertragung der Bakterien auf andere Personen geschieht wie folgt:
Einatmen infizierter Tröpfchen nach Niesen oder Husten
Enger Kontakt mit einer infizierten Person
Eine Übertragung ist eher wahrscheinlich in beengten Situationen, beispielsweise bei Menschen, die in Pflegeheimen oder Langzeitpflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Militärstützpunkten, Universitäten oder Schulen, Obdachlosenheimen oder Tagesbetreuungseinrichtungen leben, sich dort aufhalten oder dort arbeiten.
Risikofaktoren
Unter bestimmten Bedingungen erhöht sich das Risiko und der Schweregrad von Pneumokokken-Infektionen:
Chronische Erkrankungen (wie Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes und Lebererkrankungen)
Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, wie z. B. eine HIV-Infektion
Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, wie z. B. Steroide (manchmal als Glukokortikoide oder Kortikosteroide bezeichnet) oder chemotherapeutische Medikamente
Bewohner einer Langzeitpflegeeinrichtung
Australier oder Bewohner der pazifischen Inseln, die von Aborigines abstammen, Ureinwohner Alaskas oder von bestimmten Gruppen amerikanischer Ureinwohner abstammende Personen
Grippe und chronische Bronchitis können die Schleimhaut der Atemwege angreifen, sodass Pneumokokken leichter eine Infektion auslösen können.
Auch ansonsten gesunde ältere Erwachsene neigen zudem zu schwereren Symptomen und Komplikationen, wenn sie sich eine Pneumokokken-Infektion zuziehen.
Symptome und Diagnose von Pneumokokken-Infektionen
Die Symptome von Pneumokokken-Infektionen variieren je nach Ort der Infektion.
Die meisten Pneumokokken-Infektionen sind an den folgenden Orten angesiedelt:
In der Lunge (Pneumonie)
Im Mittelohr (Mittelohrentzündung, besonders häufig bei Kindern)
In den Nasennebenhöhlen (Sinusitis)
Die Bakterien können auch die Blutbahn befallen und sich darüber weiter ausbreiten (wo sie eine sogenannte Bakteriämie hervorrufen). Infektionen können auch in den Geweben auftreten, die das Gehirn und Rückenmark umgeben (Meningitis), oder seltener an den Herzklappen (Endokarditis), an Knochen, Gelenken oder in der Bauchhöhle.
Pneumokokken-Pneumonie
Die Symptome einer Pneumokokken-Pneumonie setzen häufig plötzlich ein. Die Betroffenen haben Fieber, Schüttelfrost, ein allgemeines Krankheitsgefühl (Unwohlsein), Atemnot und Husten. Der durch den Husten herausgebrachte Auswurf ist rostrot.
Häufig haben die Betroffenen scharfe, stechende Schmerzen auf einer Seite des Brustkorbs. Verschlimmert werden die Schmerzen durch tiefe Atmung und Husten. Bei etwa 50 Prozent der Patienten sammelt sich Flüssigkeit im Raum zwischen den beiden Membranen an, welche die Lunge umgeben (eine Erscheinung, die als Pleuraerguss bezeichnet wird). Dadurch können sich die Schmerzen im Brustkorb und die Atembeschwerden verschlimmern.
Mit einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs wird nach Anzeichen für eine Lungenentzündung gesucht. Eine Probe des Auswurfs wird unter dem Mikroskop untersucht. Möglicherweise wird eine Probe des Auswurfs, des Eiters oder eine Blutprobe ins Labor geschickt, wo Bakterienkulturen angelegt werden. Pneumokokken sind leicht feststellbar. Es wird auch geprüft, welche Antibiotika am wirksamsten sind (ein Prozess, der als Resistenzprüfung bezeichnet wird).
Pneumokokken-Meningitis
Menschen mit einer von Pneumokokken ausgelösten Hirnhautentzündung bzw. Meningitis leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Sie haben eine Genickstarre, durch die Hals- und Kopfbewegungen schmerzhaft und schwierig sind, jedoch sind diese Beschwerden zu Beginn der Erkrankung nicht immer ersichtlich.
Anders als ältere Kinder und Erwachsene haben die meisten Kleinkinder mit Meningitis (Hirnhautentzündung) keinen steifen Nacken. Sie sind möglicherweise nur etwas zurückhaltend beim Essen und gereizt oder lustlos.
Pneumokokken-Meningitis kann bei bis zu 50 % der Betroffenen u. a. folgende Komplikationen mit sich bringen:
Hörverlust
Krampfanfälle haben
Lernbehinderungen
Verhaltensstörungen
Schwierigkeiten mit der Bewegung oder Koordination
Zur Diagnose der Pneumokokken-Meningitis ist eine Lumbalpunktion erforderlich, bei der eine Probe der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) entnommen wird. Die Probe wird nach Anzeichen auf eine Infektion, wie weiße Blutkörperchen und Bakterien, untersucht.
Pneumokokken-Mittelohrentzündung
Eine durch Pneumokokken hervorgerufene Mittelohrentzündung verursacht Ohrenschmerzen und eine Rötung und Vorwölbung des Trommelfells oder Eiter hinter dem Trommelfell. Eine solche Infektion kann Folgendes auslösen:
Leichter Hörverlust
Gleichgewichtsstörungen
Infektionen der Schädelknochen in der Nähe des Ohrs (Mastoiditis)
Infektion des Innenohrs (Labyrinthitis)
Pneumokokken-Bakterien verursachen etwa 20 bis 40 Prozent aller Fälle von Mittelohrentzündungen bei Kindern. Die Pneumokokken-Mittelohrentzündung kehrt häufig wieder.
Die Diagnose der Pneumokokken-Mittelohrentzündung basiert auf Symptomen und dem Ergebnis einer körperlichen Untersuchung. Gewöhnlich werden keine Kulturen angelegt und auch keine weiteren Untersuchungen durchgeführt.
Pneumokokken-Sinusitis
Eine Pneumokokken-Sinusitis betrifft meist die Nebenhöhlen in den Wangenknochen (Kieferhöhlen) und beide Seiten der Nasenhöhle (der Siebbeinhöhlen). Die Infektion verursacht Schmerzen in der Nebenhöhle und Eiterausfluss aus der Nase. Die Infektion kann chronisch werden. Die Infektion kann in den Schädel gelangen und Komplikationen verursachen, wie z. B.:
Blutgerinnsel bestimmter wichtiger Venen im Gehirn (wie z. B. Thrombose des Sinus cavernosus)
Hirn-, Epidural- oder Subduralabszesse (Eitertaschen)
Die Diagnose einer Sinusitis wird anhand der typischen Symptome gestellt. Eine Computertomographie (CT) wird durchgeführt, wenn Patienten Symptome von Komplikationen aufweisen oder wenn die Patienten an einer chronischen Nebenhöhlenentzündung leiden.
Pneumokokkenbakteriämie
Die Pneumokokkenbakteriämie bezeichnet Bakterien im Blut. Es kann sich um eine primäre Infektion handeln oder sie kann mit einer anderen Pneumokokken-Infektion einhergehen. Wenn eine Bakteriämie auftritt, kann sie zu anderen Infektionen führen, wie z. B. in den Gelenken (infektiöse Arthritis), der Herzschleimhaut (Endokarditis) oder im Gewebe, das Rückenmark und das Gehirn umgibt (Meningitis).
Beim Verdacht auf Bakteriämie wird meist eine Blutprobe entnommen, um im Labor eine Kultur anzulegen und die Bakterien nachzuweisen.
Trotz der Antibiotikabehandlung führt eine Pneumokokkenbakteriämie oft zum Tod, insbesondere bei älteren Erwachsenen, Menschen mit Erkrankungen, die ihr Immunsystem schwächen, oder Personen ohne Milz.
Behandlung von Pneumokokken-Infektionen
Antibiotika
Bei den meisten Pneumokokken-Infektionen kommen Penicillin (oder die verwandten Beta-Lactam-Antibiotika, Cephalosporine und Amoxicillin) oder Fluorchinolone zum Einsatz. Die Einnahme geschieht normalerweise in Tablettenform, jedoch können die Medikamente bei einer schweren Infektion auch intravenös verabreicht werden. Wenn Pneumokokken gegen Penicillin resistent sind, werden andere Antibiotika verwendet (z. B. Vancomycin).
Pneumokokken, deren Behandlung höhere Dosen Penicillin erfordert, werden immer häufiger. Aus diesem Grund werden als alternative Behandlung oft andere Antibiotika wie etwa Ceftriaxon, Cefotaxim, Fluorchinolone (wie z. B. Levofloxacin), Vancomycin, Lefamulin oder Omadacyclin verabreicht.
Jedoch ist selbst Vancomycin gegen eine durch Pneumokokken bedingte Meningitis nicht immer wirksam. Deshalb erhalten Meningitispatienten in der Regel Ceftriaxon oder Cefotaxim, Rifampin oder beide sowie Vancomycin.
Vorbeugung gegen Pneumokokken-Infektionen
Pneumokokken-Infektionen können mit Impfstoffen und, bei bestimmten Menschen, mit Antibiotika verhindert werden.
Impfstoffe
Für weitere Informationen siehe auch Pneumokokken-Impfstoff.
Antibiotika
Wenn Kinder unter 5 Jahren keine oder eine funktionsgeschwächte Milz haben, werden sie unter Umständen zusätzlich zu der Impfung mit Antibiotika (wie z. B. Penicillin) behandelt. Die Antibiotikatherapie muss in manchen Fällen bis ins Erwachsenenalter hinein fortgesetzt werden.
Weitere Informationen
Die folgenden Quellen in englischer Sprache können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Recommended vaccine schedule for children
CDC: Pneumococcal Disease: Informationen darüber, wie sich die Infektion ausbreitet, welche Symptome sie verursachen und wie sie verhindert wird
