Gedächtnisverlust

VonMark Freedman, MD, MSc, University of Ottawa
Reviewed ByMichael C. Levin, MD, College of Medicine, University of Saskatchewan
Überprüft/überarbeitet Geändert Aug. 2025
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In der Primärversorgung wird häufig über Gedächtnisverlust berichtet. Besonders häufig ist sie bei Älteren, sie kann aber auch von jüngeren Menschen berichtet werden. Manchmal berichten Familienmitglieder anstelle des Patienten über den Gedächtnisschwund (typischerweise bei einer älteren Person mit Demenz).

Häufig sind Ärzte und Patienten beunruhigt, der Gedächtnisverlust könnte eine drohende Demenz anzeigen. Diese Sorge beruht auf der allgemeinen Erkenntnis, dass Gedächtnisschwächen typischerweise das erste Anzeichen von Demenz sind. Allerdings ist Gedächtnisschwund in den meisten Fällen nicht gleichbedeutend mit dem Beginn einer Demenz.

Die häufigsten und am frühesten auftretenden Beschwerden über Gedächtnisschwund sind in der Regel:

  • Schwierigkeiten, sich an Namen, den Aufbewahrungsort der Autoschlüssel oder anderer häufig verwendeter Gegenstände zu erinnern

Bei zunehmendem Gedächtnisschwund wird dann vergessen, Rechnungen zu bezahlen oder zu Termine einzuhalten. Menschen mit schwerer Gedächtnisschwäche können gefährliche Fehler machen, z. B. vergessen, den Herd auszuschalten, das Haus beim Verlassen abzuschließen oder auf ein Baby oder ein Kind aufzupassen, das sich in ihrer Obhut befindet. Andere Symptome (z. B. Depression, Verwirrtheit, Persönlichkeitsveränderungen, Schwierigkeiten bei den Alltagsaktivitäten) können entsprechend der Ursache des Gedächtnisverlusts vorliegen.

Ätiologie des Gedächtnisverlusts

Die häufigsten Ursachen für Gedächtnisverlust (siehe Tabelle ) sind:

  • Altersbedingte Gedächtnisstörung (am häufigsten)

  • Leichte kognitive Beeinträchtigung

  • Demenz

  • Depression

Altersassoziierte Gedächtnisstörungen bezieht sich auf die Verschlechterung des Gedächtnisses, die mit dem Altern auftritt. Bei Personen in diesem Zustand dauert es länger, neue Erinnerungen zu bilden (z. B. Name des neuen Nachbarn, neues Computer-Passwort) und komplexe Informationen und Fertigkeiten zu erlernen (z. B. Arbeitsabläufe, Computerprogramme). Altersbedingte Veränderungen des Gedächtnisses führen zur gelegentlichen Vergesslichkeit (z. B. verlegter Autoschlüssel) oder zu Peinlichkeiten. Die kognitiven Fähigkeiten und die Fähigkeit, die meisten Aktivitäten des täglichen Lebens auszuführen, sind jedoch nicht beeinträchtigt. Haben Menschen in diesem Zustand genug Zeit zum Nachdenken, können sie in der Regel gestellte Fragen beantworten, was auf ein intaktes Gedächtnis und intakte kognitive Funktionen hinweist.

Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung weisen tatsächlich einen Gedächtnisverlust auf und nicht nur gelegentlich verlangsamte Gedächtnisabrufe aus relativ gut erhaltenen Speicherinhalten. Eine leichte kognitive Beeinträchtigung beeinflusst das Kurzzeitgedächtnis (episodisches Gedächtnis). Die Patienten haben Probleme, sich an kurz zuvor geführte Gespräche, den Aufbewahrungsort der am häufigsten gebrauchten Gegenstände und Termine zu erinnern. Die Erinnerung an weiter zurückliegende Begebenheiten ist dagegen in der Regel intakt, ebenso die Aufmerksamkeit (auch Arbeitsspeicher genannt–die Patienten können Wortlisten wiederholen und einfache Rechenaufgaben lösen). Der Begriff der leichten kognitiven Beeinträchtigung entwickelt sich weiter; er wird heute mitunter definiert als Minderung von Gedächtsnis und/oder anderen kognitiven Funktionen, die nicht ausreicht, um die Alltagsaktivitäten zu beeinflussen. Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung haben ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Je nach untersuchter Population gibt es jedoch große Unterschiede bei den Risikoschätzungen, die von jährlichen Konversionsraten von < 5% bis 20% reichen (1).

Patienten mit Demenz zeichnen sich durch Gedächtnisstörungen plus Hinweise auf Fehlfuntionen bei der Kognition und im Verhalten aus. Sie können z. B. Schwierigkeiten aufweisen bei der Wortfindung und/oder der Benennung von Objekten (Aphasie), bei der Ausführung von früher erlernten motorischen Aktivitäten (Apraxie) oder bei der Planung und Organisation alltäglicher Aktivitäten wie Mahlzeiten, Einkaufen und Rechnungen bezahlen (gestörte Exekutivfunktionen). Ihre Persönlichkeit kann sich verändern; z. B. können sie ungewöhnlich reizbar, ängstlich, unruhig und/oder unflexibel werden.

Depression ist bei Patienten mit Demenz häufig. Allerdings kann eine Depression auch ihrerseits Gedächtnisstörungen verursachen, die eine Demenz vortäuschen (Pseudodemenz). Solche Patienten weisen in der Regel weitere Merkmale der Depression auf.

Ein Delirium ist ein akuter Verwirrtheitszustand, der durch eine schwere Infektion, ein Medikament (unerwünschte Wirkung) oder eine Droge oder einen Medikamenten- oder Drogenentzug verursacht werden kann. Delirpatienten haben eine Gedächtnisstörung, aber der Hauptgrund dafür sind in der Regel schwere, schwankende globale Veränderungen des geistigen Zustands (vor allem der Aufmerksamkeit) und kognitive Funktionsstörungen, nicht Gedächtnisverlust.

Tabelle
Tabelle

Zu den weniger häufigen Ursachen für Gedächtnisverlust, die mit einer Behandlung rückgängig gemacht werden können, gehören die folgenden:

Andere Erkrankungen können in Abhängigkeit vom Ausmaß und Grad der Gewebeschädigung heilbar sein. Diese umfassen:

Hirninfektionen können viral sein (z. B. HIV, Herpes-Enzephalitis, progressive multifokale Leukoenzephalopathie) oder mit Prionen in Zusammenhang stehen (z. B. Creutzfeld-Jacob-Krankheit).

Hinweis zur Ätiologie

  1. 1. Langa KM, Levine DA.The diagnosis and management of mild cognitive impairment: a clinical review. JAMA 312(23):2551–2561, 2014. doi:10.1001/jama.2014.13806

Abklärung des Gedächtnisverlusts

Die höchste Priorität bei der Bewertung von Gedächtnisverlust ist:

  • Zur Identifizierung reversibler Ursachen, einschließlich Depression, Angststörung, Hypothyreose und Delirium, die eine rasche Behandlung erfordern.

Die Abklärung zielt darauf ab, die wenigen Fälle von leichter kognitiver Beeinträchtigung und früher Demenz von den häufigeren altersbedingten Gedächtnisveränderungen oder normaler Vergesslichkeit zu unterscheiden.

Eine vollständige Demenzabklärung erfordert in der Regel mehr Zeit als für einen routinemäßigen Praxisbesuch vorgesehen ist. Das Montreal Cognitive Assessment (MOCA) ist jedoch ein kurzer Screening-Test, der in weniger als 10 Minuten durchgeführt werden kann (1). Eine Beurteilung durch einen Neuropsychologen kann zusätzlich hilfreich sein, wenn der MOCA auffällig ist und die Diagnose unklar ist.

Historie

Die Anamnese sollte möglichst getrennt vom Patienten bzw. von den Familienmitgliedern erhoben werden. Kognitiv beeinträchtigte Patienten können nicht in der Lage sein, eine detaillierte und genaue Krankheitsgeschichte zu liefern, und Familienmitglieder können sich nicht frei fühlen, ehrlich darüber zu berichten, während der Patient zuhört.

Die Anamnese der aktuellen Erkrankung sollte eine Beschreibung der spezifischen Arten von Gedächtnisverlust enthalten (z. B. Vergessen von Wörtern oder Namen, sich verlaufen, Schwierigkeiten mit Kurz- oder Langzeitgedächtnis) sowie deren Beginn, Schweregrad und Geschwindigkeit der Progression. Die Kliniker sollten feststellen, wie stark die Symptome den Alltag am Arbeitsplatz und zu Hause beeinträchtigen. Wichtige damit zusammenhängende Befunde sind Veränderungen im Sprachgebrauch, beim Essen, beim Schlafen und in der Stimmung. Der Kliniker sollte auch beurteilen, ob der Patient die geistigen Fähigkeiten zum Bedienen eines Kraftfahrzeugs besitzt, da in einigen Rechtsgebieten Ärzte verpflichtet sind, Patienten mit eingeschränkter Fahrtauglichkeit den örtlichen Zulassungsbehörden zu melden.

Bei der Überprüfung der Organsysteme sollten neurologische Symptome und andere Faktoren ermittelt werden, die auf eine bestimmte Art von Demenz hindeuten, wie z. B. die folgenden:

Zurückliegende Anamnese sollte bekannte Erkrankungen und eine vollständige Anamnese aller verschreibungspflichtigen (insbesondere immunsuppressive Therapien), frei verkäuflichen Präparate und illegalen Substanzen enthalten.

Familien- und Sozialanamnese sollten das Ausgangsniveau des Patienten bezüglich Intelligenz, Ausbildung, Berufstätigkeit und sozialer Funktionsfähigkeit ermitteln. Früherer und momentaner Substanzmissbrauch werden festgestellt. Das Auftreten von Demenz oder früher leichter kognitiver Beeinträchtigung in der Familie wird erfragt. Die Sozialanamnese sollte auch ungewöhnliche Ernährungsgewohnheiten umfassen.

Körperliche Untersuchung

Neben einer allgemeinen wird eine vollständige neurologische Untersuchung mit detaillierter Prüfung des mentalen Status durchgeführt.

Bei der Testung des mentalen Status wird der Patient gebeten, bestimmte Aufgaben zu erledigen. Beurteilt werden folgende Komponenten:

  • Orientierung (Angabe von Name, Datum und Wohnort)

  • Aufmerksamkeit und Konzentration (z. B.: wiederholen Sie eine Wortliste, führen Sie einfache Berechnungen durch, buchstabieren Sie "Abend" rückwärts)

  • Kurzzeitgedächtnis (z. B.: wiederholen Sie eine Liste mit 3 oder 4 Gegenständen nach 5, 10 und 30 min)

  • Langzeitgedächtnis (z. B. Fragen zur fernen Vergangenheit beantworten)

  • Sprache (z. B. Benennen alltäglicher Gegenstände)

  • Praxie und Exekutivfunktion (z. B. Befolgen einer mehrstufigen Anweisung)

  • Konstruktive Fertigkeiten (z. B. Kopieren einer Form oder Zeichnen eines Zifferblatts)

  • Lesen

  • Berechnung

Die Untersuchung sollte auch eine Bewertung primitiver Reflexe (z. B. Glabellar-Tap, Palmomentalreflex) umfassen, die als Freisetzungszeichen des Frontallappens gelten und häufig bei Demenzerkrankungen auftreten.

Verschiedene Skalen können zum Screening auf Beeinträchtigung in diesen Komponenten verwendet werden. Eine gängige Methode zum Screening ist die Montreal Cognitive Assessment (1) oder die Folstein Mini-Mental-Status-Untersuchung (2).

Warnhinweise

Bei Patienten mit Gedächtnisverlust sind die folgenden Befunde von besonderer Bedeutung:

  • Gestörte Alltagsfunktionen

  • Aufmerksamkeitsverlust oder veränderte Bewusstseinsebene

  • Symptome einer Depression (z. B. Appetitlosigkeit, psychomotorische Verlangsamung, Suizidideationen)

  • Geschwindigkeit des Symptombeginns

Ein sich rasch entwickelnder Gedächtnisverlust kann auf eine Erkrankung wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder einen Hirntumor hinweisen.

Interpretation der Befunde

Das Vorliegen von tatsächlichem Gedächtnisverlust und Beeinträchtigung der Alltagsaktivitäten sowie anderer kognitiver Funktionen hilft bei der Differenzierung von altersbedingten Gedächtnisveränderungen, leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz.

Stimmungsstörungen liegen bei Patienten mit Depression vor und sind auch verbreitet bei Patienten mit Demenz oder leichter kognitiver Beeinträchtigung. Somit kann die Differenzierung zwischen Depression und Demenz so lange schwierig sein, bis die Gedächtnisstörungen gravierender werden oder andere neurologische Defizite auftreten (z. B. Aphasie, Agnosie, Apraxie).

Aufmerksamkeitsdefizite helfen bei der Differenzierung von Delir und Demenz im Frühstadium. Gedächtnisverlust ist wahrscheinlich nicht das Leitsymptom bei den meisten Patienten mit Delirium. Dennoch muss ein Delir ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose Demenz gestellt werden kann.

Ein besonders hilfreicher Hinweis zur Unterscheidung altersassoziierter Gedächtnisstörung von Demenz ist die Art und Weise, wie der Patient medizinisch auffällig wurde. Hat der Patient die medizinische Abklärung initiiert, weil er besorgt ist, vergesslich zu werden, sind altersbedingte Gedächtnisstörungen als Ursache wahrscheinlich. Wenn ein Familienmitglied die Abklärung veranlasst und der Patient sich weniger Sorgen um den Gedächtnisverlust macht als die Familie, ist eine Demenz wahrscheinlicher, als wenn der Patient selbst die Abklärung initiiert.

Testung

Die Diagnose eines Gedächtnisverlusts basiert in erster Linie auf Anamnese und Untersuchung, einschließlich einer kurzen Prüfung des mentalen Status. Die Genauigkeit jeder kurzen Prüfung des mentalen Status wird jedoch durch die Intelligenz und das Bildungsniveau des Patienten beeinflusst. Patienten mit hohem Bildungsniveau können z. B. fälschlicherweise zu gut, solche mit niedrigem zu schlecht abschneiden. Bei unklarer Diagnose kann eine exaktere formale neuropsychiatrische Testung durchgeführt werden, deren Ergebnisse eine höhere diagnostische Genauigkeit aufweisen.

Bei den meisten Patienten sind eine Serum-Vitamin-B12-Bestimmung, ein vollständiges Stoffwechselpanel (einschließlich Serumkreatinin, Lebertests, Kalzium, Magnesium und Glukose) und Schilddrüsenfunktionstests erforderlich, um potenziell leicht reversible Ursachen für Gedächtnisstörungen auszuschließen.

Bei Patienten mit neurologischen Anomalien (z. B. Schwäche, veränderter Gangart, unwillkürlichen Bewegungen), schnell auftretenden oder sich rasch entwickelnden Symptomen oder Befunden oder einer Vorgeschichte, die auf ein subdurales Hämatom hindeuten, wird eine Neurobildgebung mittels MRT (oder CT, falls keine MRT verfügbar ist) durchgeführt.

Wenn ein Medikament oder eine Substanz die vermutete Ursache ist, kann es abgesetzt oder durch ein anderes Medikament ersetzt werden, um einen diagnostischen Versuch durchzuführen.

Werden scheinbar depressive Patienten behandelt, so kann dies die Differenzierung zwischen Depression und leichter kognitiver Beeinträchtigung erleichtern.

Literatur zur Evaluierung

  1. 1. Nasreddine ZS, Phillips NA, Bédirian V, et al: The Montreal Cognitive Assessment, MoCA: A brief screening tool for mild cognitive impairment. J Am Geriatr Soc 53 (4):695–699, 2005. doi: 10.1111/j.1532-5415.2005.53221.x

  2. 2. Folstein MF, Folstein, McHugh PR: "Mini-mental state". A practical method for grading the cognitive state of patients for the clinician. J Psychiatr Res 12 (3):189–198, 1975. doi: 10.1016/0022-3956(75)90026-6

Behandlung des Gedächtnisverlusts

Patienten mit altersbedingten Gedächtnisstörungen sollten beruhigt werden. Einige in der Regel gesunde Maßnahmen werden oft zur Aufrechterhaltung der Funktion empfohlen und verringern möglicherweise das Risiko von Demenz.

Patienten mit Depression und Gedächtnisverlust werden medikamentös und/oder psychotherapeutisch behandelt. Nichtanticholinerge Antidepressiva und vorzugsweise selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) werden empfohlen. Wenn eine Depression die zugrunde liegende Erkrankung ist, neigt der Gedächtnisverlust dazu, sich genauso zu bessern wie die Depression.

Ein Delir wird kausal behandelt.

Selten kann eine Demenz durch eine spezifische Behandlung rückgängig gemacht werden (z. B. Substitution von Vitamin B12 bzw. Schilddrüsenhormon, Shunt bei Normaldruckhydrozephalus).

Die übrigen Patienten mit Gedächtnisverlust werden unterstützend behandelt.

Allgemeine Maßnahmen

Folgendes kann für Patienten empfohlen werden, die Angst vor Gedächtnisverlust haben:

  • Regelmäßige sportliche Betätigung

  • Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse

  • Ausreichend Schlaf

  • Nicht rauchen

  • Minimierter Konsum von Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen (z. B. Marihuana)

  • Teilhabe an sozialen Aktivitäten und solchen die die geistige Wachheit fördern

  • Regelmäßige körperliche Untersuchungen

  • Stressmanagement

  • Prävention von Kopfverletzungen

Diese Maßnahmen, zusammen mit der Kontrolle von Blutdruck, Cholesterinwerten und Plasmaglukose, senken auch das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen. Einige Befunde sprechen dafür, dass diese Maßnahmen das Demenzrisiko senken können (1).

Einige Experten empfehlen:

  • Neues lernen (z. B. eine neue Sprache, ein neues Musikinstrument)

  • Durchführung von Denkübungen (z. B. Listen auswendig lernen, Worträtsel lösen, Schach, Bridge oder andere Spiele, die Strategie verwenden)

  • Lesen

  • Am Computer arbeiten

  • Basteln (z. B. Stricken, Quilten)

Diese Aktivitäten können helfen, die kognitive Funktion aufrechtzuerhalten oder zu verbessern, möglicherweise, weil sie neuronale Verbindungen stärken und neue Verbindungen fördern.

Patientensicherheit

Um Stürzen und anderen Unfällen vorzubeugen, kann die Wohnung des betroffenen Patienten durch Ergo- und Physiotherapeuten auf ihre Sicherheit überprüft werden. Schutzmaßnahmen (z. B. Messer verstecken, Herd deaktivieren, Auto entfernen, Autoschlüssel einziehen) können erforderlich sein. Wenn Patientinnen und Patienten umherwandern, können Überwachungssysteme mit Alarmsignalen installiert oder die Betroffenen in ein Rückführungsprogramm (z. B. „Sichere Rückkehr“) aufgenommen werden.

Ärzte sollten wissen, welche Rolle sie bei der Meldung von Demenzpatienten an die örtlichen Zulassungsbehörden spielen; die Meldepflichten variieren je nach Bundesstaat (in den Vereinigten Staaten) und Land.

Schließlich können Hilfen (z. B. Haushaltshilfe, häusliche Pflege) oder eine Anpassung der Umgebung (z. B. barrierefreie Wohnung, betreutes Wohnen, Pflegestation) angezeigt sein.

Maßnahmen zur Anpassung der Umgebung

Umgebungsmaßnahmen können Patienten mit fortschreitendem Gedächtnisverlust oder Demenz helfen.

Demenzpatienten kommen in der Regel in vertrauter Umgebung am besten zurecht, wobei die Orientierung immer wieder verstärkt werden sollte (inkl. große Kalender und Uhren), sowie in einer hellen, freundlichen Umgebung und mit einem geregelten Tagesablauf. Das Zimmer sollte senorische Stimuli bieten (z. B. Radio, Fernsehen, Nachtlicht).

In Heimen können Mitarbeiter große Namensschilder tragen und sich immer wieder aufs Neue vorstellen. Veränderungen der Umgebung, von Abläufen oder Personen sollten den Patienten präzise und einfach unter Auslassung unwesentlicher Vorgänge erklärt werden.

Häufige Besuche durch das Pflegepersonal und durch vertraute Personen ermutigen den Patienten, an sozialen Kontakten festzuhalten. Aktivitäten können sich positiv auswirken; sie sollten Freude machen und stimulieren, aber nicht zu viele Wahlmöglichkeiten oder Herausforderungen beinhalten. Gleichgewichtsübungen und Herz-Kreislauf-Training können auch dazu beitragen, Unruhe zu vermindern, den Schlaf zu verbessern und das Verhalten zu steuern. Beschäftigungs- und Musiktherapie tragen dazu bei, die feinmotorische Kontrolle aufrechtzuerhalten, und beinhalten nonverbale Stimulation. Gruppentherapien (z. B. Erinnerungstherapie, gemeinschaftliche Aktivitäten) können helfen, die sprachlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen beizubehalten.

Medikamente

Das Absetzen oder Reduzieren von Arzneimitteln mit zentralnervöser Wirkung verbessert häufig die Funktion. Sedierende und anticholinerge Medikamente neigen dazu, die Demenz zu verschlimmern und sollten vermieden werden.

Zur Behandlung von Patienten mit Alzheimer-Krankheit stehen verschiedene Klassen von Medikamenten zur Verfügung, von denen einige auch bei anderen Formen der Demenz hilfreich sein können. Zu den medikamentösen Behandlungsoptionen zählen Cholinesterasehemmer (Donepezil, Rivastigmin und Galantamin), Memantin (ein NMDA-Antagonist [N-Methyl-d-Aspartat]) und die Therapie mit monoklonalen Anti-Amyloid-Antikörpern. Die Wahl des Medikaments hängt von mehreren Faktoren ab, darunter das Ansprechen des Patienten, unerwünschten Wirkungen und Kosten.

Einige Medikamente, wie Cholinesterasehemmer, sind mäßig wirksam bei der Verbesserung der Symptome einer beeinträchtigten kognitiven Funktion bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit oder Lewy-Körper-Demenz und können auch bei anderen Formen von Demenz nützlich sein. Die Wirksamkeit lässt mit der Zeit nach. Andere Medikamente, wie monoklonale Antikörper, zielen darauf ab, den Krankheitsverlauf zu verändern, indem sie die Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn von Patienten mit Alzheimer-Krankheit reduzieren. Eine ausführliche Erörterung der Medikamente, die zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden, finden Sie unter Behandlung der Alzheimer-Krankheit.

Treatment reference

  1. 1. Livingston G, Huntley J, Sommerlad A, et al: Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission [published correction appears in Lancet 2023 Sep 30;402(10408):1132. doi: 10.1016/S0140-6736(23)02043-3]. Lancet 396(10248):413–446, 2020. doi:10.1016/S0140-6736(20)30367-6

Wichtige Punkte

  • Gedächtnisverlust und Demenz sind bei älteren Menschen weit verbreitet und stellen für sie einen häufigen Anlass zur Besorgnis dar.

  • Altersbedingte Gedächtnisstörungen, die zur Verlangsamung, nicht aber zur Leistungseinbußen bei Gedächtnis und Kognition führen, sind häufig.

  • Die Diagnose basiert in erster Linie auf klinischen Kriterien, insbesondere auf Stimmung, Aufmerksamkeit, Vorliegen eines echten Gedächtnisverlusts und Auswirkungen auf die Alltagsfunktion.

  • Mögliche reversible und behandelbare Ursachen der Demenz (bestimmte Arten von Schlaganfällen, Depressionen, Krampfanfällen, Schädeltraumata, Hirninfektionen, Hypothyreose, HIV-Infektionen, Normaldruckhydrozephalus, Hirntumore, Vitamin-B12-Mangel, übermäßiger Gebrauch bestimmter Medikamente und Substanzen einschließlich Alkohol) müssen umgehend ausgeschlossen werden.

  • Eine vollständige Anamnese der Medikation und des Substanzkonsums ist von entscheidender Bedeutung, da sedierende und Anticholinergika Gedächtnisverluste verursachen können, die durch das Absetzen des Medikaments rückgängig gemacht werden können.

  • Bei Patienten mit neurologischen Anomalien (z. B. Schwäche, Gangstörungen, unwillkürliche Bewegungen) ist ein MRT oder CT durchzuführen.

  • Vom Patienten selbst berichtete Gedächtnisstörungen rühren in der Regel nicht von einer Demenz her.

  • Delirium und Depression müssen vor der Diagnose einer Demenz ausgeschlossen werden.

Weitere Informationen

Die folgenden englischsprachigen Quellen können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MSD-Manual nicht für den Inhalt dieser Quelle verantwortlich ist.

  1. Alzheimer's Association

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