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Gicht

Von

N. Lawrence Edwards

, MD, Department of Medicine, University of Florida College of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2018| Inhalt zuletzt geändert Mai 2018
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Gicht ist eine Erkrankung, bei der sich Ablagerungen von Harnsäurekristallen aufgrund eines hohen Harnsäurespiegels im Blut (Hyperurikämie) in den Gelenken ansammeln. Diese Kristallablagerungen führen zu schmerzhaften schubartigen Entzündungen in den Gelenken und den umliegenden Bereichen.

  • Die Harnsäurekristalle können periodisch schwere Schmerzen in Gelenken und Gewebe sowie Entzündungen auslösen.

  • Der Arzt entnimmt Flüssigkeit aus dem Gelenk und untersucht diese auf Harnsäurekristalle.

  • Zur Behandlung der Schmerzen und Entzündungen, zur Vermeidung weiterer Schübe und manchmal auch zur Senkung des Harnsäuregehalts im Blut, damit sich weniger Harnsäurekristalle in den Gelenken ablagern, werden Medikamente verordnet.

Männer sind häufiger von Gicht betroffen als Frauen. Gicht trifft Männer gewöhnlich im mittleren Alter und Frauen nach den Wechseljahren. In den seltenen Fällen einer Gichterkrankung vor dem 30. Lebensjahr ist der Verlauf zumeist schwerer.

Gicht, die durch hohe Konzentrationen von Harnsäure (Hyperurikämie) im Blut verursacht wird, tritt oft familiär gehäuft auf.

Vor allem Patienten mit dem metabolischen Syndrom neigen zu hohen Harnsäurespiegeln im Blut. Dieses Syndrom zeichnet sich durch einen großen Taillenumfang aufgrund von überschüssigem Bauchfett, Bluthochdruck, Nichtansprechen auf Insulin (sogenannte Insulinresistenz), einen hohen Blutzuckerspiegel sowie auffällige Werte von Cholesterin und anderen Blutfetten aus.

Koronare Herzkrankheiten und das metabolische Syndrom treten bei Gichtpatienten gehäuft auf.

Ursachen

Normalerweise enthält das Blut immer etwas Harnsäure als Abbauprodukt der Zellnukleinsäuren (Ribonukleinsäure [RNS] und Desoxyribonukleinsäure [DNS]), da der Körper ständig Zellen abbaut und neue Zellen bildet. Außerdem werden bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, sogenannte Purine, vom Körper in Harnsäure umgewandelt. Purine sind die Bausteine von RNS und DNS.

Auffällig hohe Harnsäurekonzentrationen im Blut haben folgende Ursachen:

  • Verminderte Ausscheidung von Harnsäure durch die Nieren (häufigste Ursache)

  • Verzehr von zu hohen Mengen purinreicher Nahrungsmittel und/oder Alkohol

  • Erhöhte Bildung von Harnsäure

Der Harnsäurespiegel im Blut steigt an, wenn die Nieren mit dem Urin nicht genug Harnsäure ausscheiden können. Diese Ursache ist zumeist genetisch bedingt. Zu viel Harnsäure im Blut (Hyperurikämie) führt zur Bildung von Kristallen, die in den Gelenken und im Gelenkbereich eingelagert werden. Die Fähigkeit der Nieren zur Ausscheidung von Harnsäure kann auch unter den folgenden Bedingungen verringert sein:

  • Bei bestimmten Nierenerkrankungen

  • Bestimmte Arzneimittel

  • Bei einer Bleivergiftung

Durch den Verzehr zu vieler purinreicher Nahrungsmittel (z. B. Leber, Niere, Anchovis, Spargel, Fleischbrühe, Hering, Bratensauce und Fleischbrühe, Pilze, Muscheln, Sardinen und Bries) kann sich der Harnsäurespiegel im Blut erhöhen. Eine streng purinarme Ernährungsweise senkt die Harnsäurekonzentration jedoch nur geringfügig. Früher, als eine proteinarme Ernährung vorherrschte, galt Gicht als Krankheit der Reichen.

Eine purinreiche Ernährung in Verbindung mit Alkohol oder Getränken mit viel Fructose-Glucose-Sirup kann das Problem verschlimmern, da diese Getränke die Produktion von Harnsäure steigern und die Ausscheidung durch die Nieren beeinträchtigen.

Doch aus noch unbekannten Gründen kommt es bei einer Hyperurikämie nicht immer auch zu einer Gichterkrankung.

Risikofaktoren für Gicht

Wussten Sie ...

  • Früher, als eine protein- und purinarme Ernährung vorherrschte, galt Gicht als Krankheit der Reichen.

Es gibt aber noch andere, seltenere Krankheiten, die bewirken, dass der Körper zu viel Harnsäure bildet. (Wenn Gicht die Begleiterscheinung einer anderen Krankheit ist, spricht man von einer sekundären Gicht.) Zu diesen Krankheiten zählen:

  • Jegliche Arten einer chronischen Nierenerkrankung

  • Krankheiten, bei denen sich Zellen schnell vermehren und/oder schnell abgebaut werden, wie z. B. bei Leukämie, Lymphom und hämolytischer Anämie

  • Arzneimittel, die bewirken, dass sich Zellen schnell vermehren und/oder schnell abgebaut werden, wie z. B. bestimmte Krebsmedikamente oder eine Bestrahlungstherapie

Ein hoher Harnsäurespiegel im Blut führt häufig zu einem erhöhten Harnsäurespiegel in den Gelenken. Dies wiederum führt zur Bildung von Harnsäurekristallen im Gewebe und zu Flüssigkeitsansammlungen im Gelenk (Synovialflüssigkeit).

Die Gicht befällt zumeist die Fußgelenke, vor allem das Grundgelenk der großen Zehe (bei Schwellung, Schmerzen und Rötung des großen Zehs spricht man von Podagra). Doch auch andere Bereiche wie Knöchel, Spann, Knie, Handgelenk und Ellenbogen sind häufig betroffen. Die Kristalle bilden sich bevorzugt in diesen Gelenken, weil Harnsäure bei niedriger Temperatur eher auskristallisiert und es dort etwas kühler ist. Gichtanfälle im wärmeren Rumpf, z. B. in Wirbelsäule, Hüften oder Schultern, sind selten.

Akute Gichtschübe oder -anfälle (sogenannte Gichtarthritis) treten meist plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Auslöser können folgende Dinge sein:

  • eine Verletzung

  • eine Krankheit (z. B. Lungenentzündung oder eine andere Infektion)

  • Operation

  • Verwendung von Thiazid-Diuretika

  • Einleitung einer Therapie mit bestimmten Medikamenten (z. B. Allopurinol, Febuxostat, Probenecid und Nitroglycerin, insbesondere intravenös verabreichtes Nitroglycerin, das Alkohol enthält), aufgrund welcher sich der Harnsäurespiegel im Blut plötzlich verändern kann

  • Verzehr großer Mengen von Alkohol oder purinreichen Nahrungsmitteln

Symptome

Typisch sind plötzliche starke Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken, häufig nachts. Die nächtlichen Schmerzen sind möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Flüssigkeit, die sich tagsüber im Gelenk angesammelt hat, schneller als die Harnsäure wieder aus dem Gelenk heraustransportiert wird, wenn sich die betroffene Person hinlegt, sodass die Harnsäurekonzentration und damit die Neigung zur Kristallbildung ansteigen. Der Schmerz beginnt langsam und wird immer stärker, oft sogar unerträglich, vor allem wenn das Gelenk bewegt oder berührt wird.

Das Gelenk entzündet sich, schwillt an und wird warm, die Haut darüber wird rot bis violett, straff und glänzend.

Weitere mögliche Symptome eines Schubs:

  • Fieber (bis 38,9 °C)

  • Hohe Herzfrequenz (Tachykardie)

  • Allgemeines Unwohlsein

  • Schüttelfrost (selten)

Die ersten Schübe betreffen gewöhnlich nur ein Gelenk und dauern wenige Tage.

Die Symptome verschwinden nach und nach, die Gelenkfunktion kehrt zurück, und bis zum nächsten Schub ist der Patient symptomfrei. Schreitet die Krankheit allerdings fort, treten die Schübe häufiger auf, dauern unbehandelt länger an und betreffen mehrere Gelenke. Ohne Behandlung können die Schübe später bis zu 3 Wochen andauern.

Nach mehreren Schüben entwickelt sich möglicherweise eine schwere chronische Gicht mit Gelenkverformungen.

Werden ständig Harnsäurekristalle in den Gelenken und Sehnen abgelagert, kann der so entstehende Schaden die Beweglichkeit immer weiter einschränken.

Gichtknoten (Tophi)

Harte Knoten aus Harnsäure (Gichtknoten, Tophi) lagern sich in der Gelenkinnenhaut (Synovialmembran), dem Knorpel oder im Knochen nahe den Gelenken und danach in der Haut um das Gelenk ein. Gichtknoten können sich auch in den Nieren und anderen Organen sowie unter der Haut an den Ohren bilden. Für gewöhnlich sind sie in den Fingern, Händen, Füßen, der Sehne vom Wadenmuskel zur Ferse (Achillessehne) oder um die Ellenbogen zu finden.

Gichtknoten sind in der Regel schmerzlos, können sich aber schmerzhaft entzünden.

Bleiben die Gichtknoten an den Gelenken unbehandelt, können sie aufbrechen und kalkige Harnsäurekristallmengen freisetzen, was mit der Zeit zu Verformungen und Osteoarthrose führen kann.

Komplikationen bei Gicht

Bei ca. 20 % der Gichtpatienten verdichtet sich die Harnsäure zu Nierensteinen (Urolithiasis). Diese Steine können die Harnwege blockieren, was starke Schmerzen verursacht und ohne Behandlung Entzündungen und Nierenschäden nach sich zieht.

Bei Patienten mit einer anderen nierenschädigenden Erkrankung wie Diabetes oder Bluthochdruck kann die Verschlechterung der Nierenfunktion die Ausscheidung von Harnsäure verringern und Gicht und Gelenkschäden verschlimmern.

Chronische Gicht erhöht das Arthroserisiko.

Diagnose

  • Mikroskopische Untersuchung der Gelenkflüssigkeit

  • Mitunter Röntgenuntersuchung und/oder Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT)

Gicht wird oft aufgrund der typischen Symptome und einer Gelenkuntersuchung diagnostiziert. Ein Vorliegen von Gicht wird aufgrund der folgenden Symptome vermutet:

  • Podagra (plötzliche Schwellung, Schmerzen und Rötung des großen Zehs)

  • Rezidivierende Entzündungen des Rists

  • Mehrere Schübe in der Krankengeschichte, die plötzlich auftraten und spontan wieder verschwanden

Viele Gichtpatienten haben einen hohen Harnsäurespiegel im Blut. Häufig ist dieser Wert aber auch normal, vor allem bei einem akuten Schub. Bei vielen Menschen ist der Harnsäurespiegel im Blut hoch, obwohl bei ihnen keine Gichtschübe auftreten.

Die Diagnose steht meist fest, wenn in der Probe aus einem Gichtknoten oder der mit einer Nadel entnommenen Gelenkflüssigkeit (Gelenkaspiration) unter dem Polarisationsmikroskop nadelförmige Harnsäurekristalle zu erkennen sind.

Auf Röntgenaufnahmen sind möglicherweise Gelenkschäden und Gichtknoten zu erkennen. Harnsäurekristalle lassen sich auch durch Ultraschall- oder MRT-Untersuchungen nachweisen.

Gicht ähnelt häufig der Arthritis und wird mitunter fälschlicherweise als eine Form von Arthritis diagnostiziert.

Prognose

Eine frühzeitige Behandlung ermöglicht den Betroffenen zumeist ein normales Leben. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung kann die Bildung von Gichtknoten durch eine deutliche Senkung des Harnsäuregehalts verringert und die Gelenkfunktion verbessert werden.

Bei Patienten, bei denen die ersten Symptome vor dem 30. Lebensjahr auftreten, verläuft die Erkrankung in der Regel schwerer. Das metabolische Syndrom und koronare Herzkrankheiten tragen wahrscheinlich zu einem verfrühten Tod von Personen mit Gicht bei.

Bei einigen Betroffenen tritt auch trotz Behandlung keine zufriedenstellende Besserung ein. Dies ist mitunter darauf zurückzuführen, dass die Medikamente nicht laut Verordnung eingenommen werden, die Medikamente zu niedrig dosiert oder die Patienten alkoholkrank sind.

Behandlung

  • Medikamente zur Linderung von Schmerzen und Schwellungen infolge von Entzündungen

  • Ruhe, Ruhigstellung eines schmerzenden Gelenks mit einer Schiene und Eis

  • Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme zur Senkung des Harnsäurespiegels und zur Vorbeugung von weiteren Schüben

  • Medikamente zur Vorbeugung von Schüben, indem der durch die Kristalle verursachten Entzündung vorgebeugt wird

  • Medikamente zur Senkung des Harnsäurespiegels und zum Auflösen der Kristalle

Bei der Behandlung von Gicht werden drei Ziele verfolgt:

  • Linderung der akuten Entzündungsschübe

  • Vermeidung weiterer Schübe

  • Vermeidung weiterer Harnsäureablagerungen im Gewebe durch Senkung des Harnsäurespiegels im Blut

Linderung akuter Gichtschübe

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können die Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken oft wirksam lindern. In einigen Fällen sind zur Schmerzlinderung auch zusätzliche Schmerzmittel (Analgetika) erforderlich.

Die Behandlung mit NSAR sollte auch einige Tage nach Abklingen der Schmerzen und Entzündung fortgesetzt werden, um ein erneutes Auftreten (einen sog. Rückfall) zu vermeiden.

Colchicin ist ein gebräuchliches Erstmittel, wird aber nicht mehr so oft angewandt. Gewöhnlich lassen die Schmerzen innerhalb von 12 bis 24 Stunden nach der Einnahme von Colchicin nach und sind nach 3 bis 7 Tagen völlig verschwunden. Colchicin wird in der Regel so rasch wie möglich in Form von 2 Tabletten eingenommen, nachdem die Symptome eines Schubs bemerkt werden. Eine dritte Tabelle wird 1 Stunde später eingenommen. Diese Behandlung wird am nächsten Tag fortgesetzt, wobei 7 bis 10 Tage lang täglich oder zweimal täglich 1 Tablette einzunehmen ist.

Kortikosteroide wie Prednison eignen sich vor allem bei Patienten, die andere Medikamente nicht vertragen, um Gelenkentzündungen (einschließlich Schwellungen) zu bekämpfen.

Wenn nur ein oder zwei Gelenke betroffen sind, kann eine Kortikosteroidlösung wie z. B. Prednisolontebutat durch dieselbe Nadel, mit der die Gelenkflüssigkeit abgesaugt wird, in das Gelenk gespritzt werden.

Wie bei der NSAR- und der Colchicin-Therapie sollten oral verabreichte Kortikosteroide weiter eingenommen werden, bis der Schub vollständig abgeklungen ist, um einen Rückfall zu vermeiden.

Gelegentlich wird eine Kombination dieser Medikamente verordnet.

Zusätzlich zu NSAR, Colchicin oder Kortikosteroiden können weitere Schmerzmittel, Ruhe, Ruhigstellung mit einer Schiene und Eis die Schmerzen lindern. Bei einer Unverträglichkeit gegenüber Kortikosteroiden, Colchicin oder NSAR können auch Immunsuppressiva (z. B. Anakinra) verordnet werden. Wenn Grunderkrankungen vorliegen, beispielsweise eine chronische Nierenerkrankung oder ein peptisches Geschwür, oder wenn bestimmte Medikamente (z. B. Gerinnungshemmer) eingenommen werden, sind die üblichen Gichttherapien möglicherweise nicht geeignet oder müssen angepasst werden.

Vermeidung weiterer Gichtschübe

Mithilfe der folgenden Maßnahmen ist eine Prävention möglich:

  • Verzicht auf alkoholische Getränke (z. B. Bier und Spirituosen) und auf alkoholfreies Bier

  • Gewichtsabnahme

  • Absetzen von Medikamenten, die den Harnsäurespiegel im Blut erhöhen

  • Einschränkung des Verzehrs purinhaltiger Nahrungsmittel

  • Verzehr fettarmer Milchprodukte anstelle anderer Nahrungsmittel

Diese Maßnahmen reichen jedoch selten aus.

Die meisten Patienten mit primärer Gicht sind übergewichtig. Sobald sie abnehmen, normalisiert sich der Harnsäuregehalt im Blut oft, und es treten immer weniger Gichtschübe auf.

Bei wiederholten heftigen Gichtschüben kann eine präventive tägliche Medikamenteneinnahme erforderlich sein. Durch die tägliche Einnahme von Colchicin können Schübe verhindert oder zumindest verringert werden. Auch die tägliche Einnahme von NSAR kann Schüben vorbeugen. Diese Medikamente tragen dazu bei, die Bildung der Kristalle zu verhindern, welche die einen Schub auslösende Entzündung verursachen. Colchicin und NSAR können jedoch gewisse Nebenwirkungen haben.

Bei Gichtpatienten, die Bluthochdruck mit einem Diuretikum (z. B. Hydrochlorothiazid) behandeln, verringern sich möglicherweise die Schübe, wenn sie zur Kontrolle des Blutdrucks stattdessen Losartan oder ein ähnliches Medikament einnehmen. Aber auch wenn durch einen Wechsel zu Losartan oder ähnlichen Mitteln gegen Bluthochdruck weitere Schübe vermieden werden können, hat dies keine präventive oder heilende Wirkung auf bestehende Gelenkschäden infolge von Harnsäurekristallen, da die Kristalle im betroffenen Gelenk verbleiben. Außerdem können auch diese Arzneimittel Nebenwirkungen hervorrufen.

Absenkung des Harnsäurespiegels im Blut

Ein hoher Harnsäurespiegel im Blut verursacht bei Gichtpatienten Probleme und kann bei Menschen ohne Gicht zu Nierenerkrankungen führen. Eine Absenkung des Harnsäurespiegels im Blut trägt zur Lösung der Harnsäureablagerungen im Gewebe bei und beugt künftigen Schüben sowie einer chronischen Schädigung von Nieren und Gelenken vor.

Bei Vorliegen folgender Kriterien muss der Harnsäurespiegel bei Gichtpatienten dringend gesenkt werden:

  • Häufige, schwere Schübe (mehr als 2 pro Jahr) trotz Einnahme von Colchicin und/oder einem NSAR

  • Gichtknoten (Tophi)

  • Harnsäuresteine in den Nieren

  • Erkrankungen, die gegen die Einnahme von NSAR oder Kortikosteroiden sprechen (z. B. ein peptisches Geschwür und eine chronische Nierenerkrankung)

Patienten, die harnsäuresenkende Mittel nehmen, sollten ihren Wert kennen, so wie Menschen mit Bluthochdruck ihren Blutdruckwert kennen sollten. Durch die medikamentöse Behandlung soll der Wert auf unter 6 mg pro Deziliter gesenkt werden. Bei Einhaltung eines Wertes im Blut unter 6 mg wird keine Harnsäure mehr in den Gelenken und im Weichteilgewebe eingelagert, und die bestehenden Ablagerungen werden mit der Zeit abgebaut.

Medikamente können den Harnsäurespiegel senken, indem sie dafür sorgen, dass weniger Harnsäure produziert oder mehr über den Urin ausgeschieden wird.

Am häufigsten wird zu diesem Zweck Allopurinol verordnet. Dieses Medikament hemmt die Harnsäureproduktion im Körper. Allopurinol kann jedoch Magenbeschwerden und gelegentlich einen Hautausschlag verursachen, die Zahl der weißen Blutkörperchen verringern und zu Leberschäden oder Gefäßentzündungen (Vaskulitis) führen. Allopurinol kann anfänglich auch einen Gichtschub auslösen (Aktivierungsschub). Da gering dosiertes Colchicin oder ein NSAR dieses Risiko verringern kann, wird eines dieser Medikamente in der Regel für einige Monate zusätzlich zu Allopurinol (oder Febuxostat) verordnet.

Ein weiteres harnsäuresenkendes Medikament ist Febuxostat. Es eignet sich besonders für Patienten, die Allopurinol nicht vertragen oder bei denen es nicht geholfen hat. Wie bei Allopurinol können auch hier Schübe auftreten, da sich der Harnsäurespiegel im Blut anfänglich erhöht.

Pegloticase ist ein weiteres Medikament zur Senkung des Harnsäurespiegels im Blut. Es wird alle 2 Wochen als intravenöse Infusion verabreicht und wird hauptsächlich bei Patienten eingesetzt, die seit Langem an Gicht leiden und mit anderen Therapiemethoden nicht erfolgreich therapiert werden konnten. Pegloticase darf nicht mit anderen Medikamenten zur Senkung des Harnsäurespiegels im Blut eingesetzt werden.

Bei Patienten mit gesunden Nieren können auch Urikosurika (Medikamente, die bewirken, dass vermehrt Harnsäure im Urin ausgeschieden wird) den Harnsäurespiegel im Blut senken. Probenecid und Lesinurad sind Beispiele für Urikosurika.

Probenecid ist mehr als einmal täglich einzunehmen und kann entweder mit Allopurinol oder mit Febuxostat kombiniert werden.

Lesinurad ist täglich einzunehmen und muss entweder mit Allopurinol oder mit Febuxostat angewendet werden.

Aspirin kann die Wirkung von Probenecid hemmen und sollte nicht gleichzeitig in hohen Dosen eingenommen werden. Geringe Dosen, die das Herz schützen (81 mg täglich), sollten weiterhin eingenommen werden, da koronare Herzkrankheiten für viele Gichtpatienten ein erhebliches Risiko darstellen. Aspirin kann in geringen Dosen den hohen Harnsäurespiegel im Blut noch geringfügig weiter ansteigen lassen (Hyperurikämie).

Das blutdrucksenkende Medikament Losartan und das Medikament Fenofibrat zur Senkung des Triglyzeridspiegels sorgen beide dafür, dass Harnsäure über den Urin ausgeschieden wird. Diese Medikamente können den Harnsäurespiegel bei Personen senken, die sie aus anderen Gründen einnehmen.

Aktivierungsschübe

Alle Behandlungen, die den Harnsäuregehalt im Blut senken, können einen akuten Schub auslösen (auch Aktivierungsschub genannt). Aktivierungsschübe treten besonders häufig direkt zu Beginn der medikamentösen Behandlung auf. Ein Aktivierungsschub kann ein Zeichen dafür sein, dass das Medikament den Harnsäurespiegel effektiv senkt.

Während eines Aktivierungsschubs sollten die harnsäuresenkenden Medikamente nicht abgesetzt werden.

Zur Vermeidung oder Behandlung von Aktivierungsschüben kann danach über einige Monate Colchicin oder ein NSAR in geringen Dosen eingenommen werden.

Andere Therapien

Obwohl die antiuremischen Medikamente die Harnsäurekonzentration im Blut senken, können sie den Harnsäuregehalt des Urins erhöhen. Durch reichliches Trinken – mindestens 3 Liter täglich – lässt sich verhindern, dass sich in den Harnwegen Harnsäuresteine bilden. Durch die Einnahme von Acetazolamid oder Kaliumcitrat wird der Urin basisch (alkalisch) bzw. weniger sauer. Dadurch löst sich die Harnsäure im Urin besser und die Gefahr der Bildung von Harnsäuresteinen in den Harnwegen verringert sich. Wird der Urin jedoch zu alkalisch, können sich gefährlichere Kristalle oder Steine aus Kalziumoxalat oder seltener aus Kalziumphosphat bilden.

Die meisten Gichtknoten an Ohren, Händen und Füßen schrumpfen langsam, wenn der Harnsäurespiegel im Blut auf einen ausreichend tiefen Wert abgefallen ist (unter 6 Milligramm pro Deziliter).

Harnsäuresteine in den Harnwegen können mit Ultraschallwellen zertrümmert und dann mit dem Urin ausgeschieden werden (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie – siehe Nierensteinzertrümmerung mit Schallwellen).

Tabelle
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Medikamente zur Behandlung von Gicht

Medikament

Einige Nebenwirkungen

Anmerkungen

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Alle NSAR

Magenverstimmung

Blutung

Nierenschädigung

Hoher Kaliumwert

Speicherung von Natrium und Kalium

Manchmal Schwellungen oder Bluthochdruck

Zur Behandlung akuter (plötzlicher) Schübe oder zur Vermeidung von Schüben

Gichtmittel

Colchicin

Magenverstimmung und Durchfall

Verringerte Produktion weißer Blutkörperchen im Knochenmark (bei korrekter Anwendung sehr selten)

Muskelschmerzen und -schwäche (selten)

Zusammenwirken mit vielen anderen Medikamenten, mitunter mit schweren Nebenwirkungen

Zur Vermeidung und Behandlung von Schüben

Kortikosteroide

Prednison (oral eingenommen)

Speicherung von Natrium mit Schwellungen oder Bluthochdruck

Bei langfristiger Einnahme zahlreiche Nebenwirkungen

Zur Behandlung akuter Schübe

Prednisolon oder Triamcinolonhexacetonid (durch Injektion)

Schmerzen

Unangenehmes Gefühl

Gelenkschaden mit Überlastung

Entzündung (gelegentlich)

Infektion (selten)

Injektion in das Gelenk, wenn nur ein oder zwei Gelenke betroffen sind

Antiuremische Medikamente (die den Harnsäuregehalt im Blut senken)

Probenecid

Ausschlag

Übelkeit

Erbrechen

Nierensteine

Kann zur Vermeidung von Schüben langfristig zur Senkung des Harnsäurespiegels eingenommen werden

Lesinurad

Nierenerkrankungen

Muss zusammen mit Allopurinol oder Febuxostat verwendet werden

Harnsäureblocker

Allopurinol

Magenverstimmung

Ausschlag (mitunter schwerwiegend)

Verringerte Anzahl von weißen Blutkörperchen

Leberschaden (selten)

Kann zur Vermeidung von Schüben und zur Entfernung von Kristallen und Nierensteinen langfristig genommen werden, um den Harnsäurespiegel zu senken

Febuxostat

Übelkeit

Gelenkschmerzen

Ausschlag

Eignet sich besonders für Patienten, die Allopurinol in hohen Dosen nicht vertragen oder nicht darauf angesprochen haben

Pegloticase

Bluterguss

Verstopfung

Übelkeit und Erbrechen

Hohes Risiko von Aktivierungsschüben

Allergische Reaktionen

Kann langfristig zur Behandlung von chronischer Gicht eingesetzt werden

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