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Niedriger Blutdruck

(Hypotonie)

Von

Levi D. Procter

, MD, Virginia Commonwealth University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Dez 2019| Inhalt zuletzt geändert Dez 2019
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Quellen zum Thema

Von niedrigem Blutdruck spricht man dann, wenn er so niedrig ist, dass Symptome wie Schwindel und Ohnmacht auftreten. Sehr niedriger Blutdruck kann die Organe schädigen, ein Prozess, der Kreislaufschock genannt wird.

  • Verschiedene Medikamente und Störungen können den Mechanismus des Körpers zur Regulierung des Blutdrucks beeinträchtigen.

  • Wenn der Blutdruck zu niedrig ist, kann es zu Störungen im Gehirn und zu Ohnmachtsanfällen kommen.

Normalerweise hält der Körper den Druck in den Arterien konstant in einem engen Bereich. Ist der Blutdruck zu hoch, können die Organe und Blutgefäße ebenfalls geschädigt werden. Bei Bluthochdruck kann ein Blutgefäß reißen; dadurch kann es zu Blutungen und anderen Komplikationen kommen.

Ist der Blutdruck zu niedrig, fließt nicht genügend Blut in alle Teile des Körpers. Zellen erhalten dann nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe und anfallende Abbauprodukte können nicht ausreichend entsorgt werden. Daher fangen die betroffenen Zellen und Organe, in denen sich die Zellen befinden, an, auszufallen. Ein sehr niedriger Blutdruck kann lebensbedrohlich sein, da er zum Kreislaufschock führen kann; dabei werden die Organe durch den mangelnden Blutfluss beschädigt.

Gesunde Menschen mit einem niedrigen, noch im Normalbereich liegenden Blutdruck (in Ruhe gemessen), haben tendenziell eine höhere Lebenserwartung als solche mit erhöhtem, noch im Normalbereich liegendem Blutdruck.

Der Körper kann den Blutdruck auf verschiedene Weise zu normalisieren, wenn er während körperlicher Anstrengung oder im Schlaf steigt bzw. fällt. Dazu zählen:

  • Ändern des Durchmessers von kleinen Arterien (Arteriolen) und, in geringerem Maße, von Venen

  • Ändern der Menge an Blut, die vom Herzen in den Körper gepumpt wird (Herzzeitvolumen)

  • Ändern des Blutvolumens in den Blutgefäßen

  • Ändern der Körperhaltung

Ändern des Durchmessers von Arteriolen und Venen

Mit dem Muskelgewebe (glatte Muskeln genannt) innerhalb der Arteriolenwände können die Blutgefäße geweitet (dilatiert) und verengt (zusammengezogen) werden. Je stärker sie sich verengen, desto größeren Widerstand muss das Blut überwinden und umso höher steigt der Blutdruck. Wenn sich die Arteriolen verengen, steigt der Blutdruck, weil mehr Druck nötig ist, um das Blut durch die engeren Gefäße zu pressen. Umgekehrt wird durch Erweiterung der Arteriolen der Widerstand geringer, der dem Blut entgegengesetzt wird – der Blutdruck sinkt. Wie weit die Arteriolen verengt oder geweitet werden, wird bestimmt durch

  • Nerven, die den glatten Muskel in den Arteriolen zusammenziehen lassen, und damit den Durchmesser verkleinern

  • Hormone, die hauptsächlich von den Nieren produziert werden

  • Bestimmte Medikamente

Venen spielen ebenfalls eine Rolle bei der Blutdruckregelung, obwohl sie sich nicht so stark auf den Blutdruck auswirken wie die Arteriolen. Die Venen können sich erweitern und verengen, um ihr Fassungsvermögen (Kapazität) zu verändern. Wenn sich Venen verengen, können sie nicht mehr so viel Blut aufnehmen, was dazu führt, dass mehr Blut zum Herzen zurückfließt, von wo es in die Arterien gepumpt wird. Dadurch steigt der Blutdruck. Umgekehrt, wenn sich Venen erweitern, können sie mehr Blut aufnehmen, was dazu führt, dass weniger Blut zum Herzen zurückfließt. Dadurch fällt der Blutdruck.

Ändern des Herzzeitvolumens

Je mehr Blut das Herz pro Minute pumpt (je größer also das Herzzeitvolumen ist), desto höher steigt der Blutdruck, solange der Durchmesser der Arterien dabei gleichbleibt. Die bei jedem Herzschlag gepumpte Menge an Blut richtet sich danach

  • wie schnell das Herz schlägt

  • wie stark sich das Herz zusammenzieht

  • wie viel Blut von den Venen in das Herz fließt

  • welcher Druck in den Arterien herrscht, gegen den die Pumpleistung des Herzens ankommen muss

  • wie gut die Herzklappen Blut hinauslassen und wie gut sie den Rückfluss von Blut verhindern

Ändern des Blutvolumens

Je größer das Blutvolumen in den Arterien, desto höher ist der Blutdruck, solange der Durchmesser in den Arterien gleichbleibt. Das Blutvolumen in den Arterien richtet sich (da)nach

  • wie viel Flüssigkeit im Körper ist (Hydratation)

  • ob die sehr kleinen Arterien Flüssigkeit verlieren (z. B. wenn die Proteinspiegel im Blut sehr niedrig sind und/oder die Innenwand der kleinen Arterien beschädigt ist, fließt Flüssigkeit von den Arterien in das Gewebe)

  • wie viel Flüssigkeit die Nieren aus dem Blut über den Stuhl und den Urin ausscheiden

  • bestimmten Medikamenten, insbesondere Diuretika (Medikamenten, die den Nieren dabei helfen, Wasser aus dem Körper zu entfernen)

Ändern der Körperhaltung

Der Blutdruck kann im ganzen Körper aufgrund der Schwerkraft unterschiedlich sein. Steht eine Person, ist der Blutdruck in den Beinen höher als im Kopf, ganz so wie der Wasserdruck am Boden des Wassers eines Schwimmbads höher ist als an der Oberfläche. Legt sich eine Person hin, dann ist der Blutdruck im ganzen Körper eher gleich.

Steht eine Person auf, dann hat das Blut in den Venen der Beine mehr Schwierigkeiten wieder zurück zum Herzen zu gelangen. Als Reaktion pumpt das Herz weniger Blut und der Blutdruck im ganzen Körper kann vorübergehend abfallen. Setzt oder legt sich eine Person hin, kann das Blut leichter zum Herzen zurückfließen und das Herzzeitvolumen und der Blutdruck können steigen. Das Hochlegen der Beine über der Höhe des Herzens kann dem Blut helfen, zum Herzen zurückzufließen. Damit werden das Herzzeitvolumen und der Blutdruck erhöht.

Überwachung und Kontrolle des Blutdrucks

Barorezeptoren sind spezialisierte Zellen, die sich in den Arterien befinden und als Blutdrucksensoren fungieren. Die Rezeptoren im Bereich der großen Hals- und Brustarterien sind besonders wichtig. Wenn Barorezeptoren eine Veränderung im Blutdruck feststellen, stoßen sie im Körper eine Reaktion an, mit der der Blutdruck wieder stabilisiert wird. Nerven senden Signale von diesen Sensoren und dem Gehirn

  • zum Herzen, damit es die Geschwindigkeit und Stärke seiner Schläge verändert (dies verändert das Pumpvolumen). Diese Veränderung ist eine der ersten und korrigiert den niedrigen Blutdruck schnell.

  • zu den Arteriolen, damit diese sich verengen oder weiten (dies ändert den Widerstand in den Blutgefäßen).

  • zu den Venen, damit diese sich verengen oder weiten (dies verändert ihr Fassungsvermögen für Blut).

  • zu den Nieren, damit diese die Menge der ausgeschiedenen Flüssigkeit (dies verändert das Blutvolumen in den Blutgefäßen) und die Menge an Hormonen, die diese produzieren (damit erhalten die Arteriolen das Signal, sich zu verengen oder zu weiten, was das Blutvolumen verändert), verändern. Bis diese Korrektur greift, dauert es relativ lange, daher ist dieser Mechanismus der langsamste, um den Blutdruck zu regulieren.

Wenn beispielsweise jemand blutet, verringert sich das Blutvolumen und der Blutdruck sinkt. In diesen Fällen aktivieren Sensoren mehrere Regulierungsmechanismen, damit der Blutdruck nicht zu stark fällt: Die Herzfrequenz erhöht sich, was die gepumpte Blutmenge erhöht; die Venen verengen sich und können dadurch weniger Blut aufnehmen; die Arteriolen verengen sich, was den Widerstand für den Blutfluss erhöht. Sobald die Blutung gestillt ist, tritt Flüssigkeit aus dem Gewebe in die Blutgefäße über und reguliert so das Blutvolumen und den Blutdruck. Die Nieren produzieren weniger Urin. Dadurch erhalten sie dem Körper Flüssigkeit, um die Gefäße aufzufüllen. Bei Bedarf produzieren das Knochenmark und die Milz neue Blutzellen, bis das normale Blutvolumen wieder vollständig erreicht ist.

Trotzdem sind die Möglichkeiten beschränkt, mit denen der Körper den Blutdruck überwachen und regeln kann. Wenn beispielsweise jemand in kurzer Zeit eine große Menge Blut verliert, können diese Mechanismen nicht schnell genug für einen Ausgleich sorgen. Der Blutdruck fällt und die Organfunktion wird gestört (Kreislaufschock).

Außerdem reagiert der Körper mit zunehmendem Alter langsamer auf Veränderungen des Blutdrucks.

Ursachen

Die typischen Ursachen von niedrigem Blutdruck sind eines oder mehrere der folgenden Dinge:

  • Erweiterung der kleinen Arterien (Arteriolen)

  • Bestimmte Herzkrankheiten

  • Zu geringes Blutvolumen

Eine Erweiterung der Arteriolen kann durch Folgendes verursacht werden:

  • Gifte von Bakterien und bestimmten ernsthaften bakteriellen Infektionen (septischer Schock)

  • Bestimmte Medikamente

  • Verletzungen im Rückenmark, bei denen die Nerven, die das Zusammenziehen der Arteriolen steuern, beschädigt wurden

  • Allergische Reaktionen (anaphylaktischer Schock)

  • Bestimmte Hormonstörungen wie die Addison-Krankheit

Zu den verschiedenen Herzkrankheiten, die die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen und das Herzzeitvolumen verringern, gehören:

Zu geringes Blutvolumen im Körper kann folgende Ursachen haben:

  • Dehydratation

  • Blutung

  • eine Nierenerkrankung

Niedriger Blutdruck tritt zudem auf, wenn die Nerven, die die Signale zwischen dem Gehirn, dem Herzen und den Blutgefäßen übertragen, durch neurologische Störungen beeinträchtigt sind, die autonome Neuropathien genannt werden.

Bewegt sich eine Person schnell aus einer sitzenden Position heraus in eine stehende, wird der Blutdruck in den Blutgefäßen zum Gehirn gesenkt und verursacht ein vorübergehendes Gefühl der Benommenheit und des Schwindels. Dies nennt man orthostatische Hypotonie. Dieser Zustand kann bei Menschen verstärkt sein, die dehydriert oder warm (beispielsweise, wenn sie aus einem heißen Bad steigen) sind, bestimmte Krankheiten haben oder die gerade für längere Zeit gelegen oder gesessen haben. Eine orthostatische Hypotonie kann sogar zu einem Bewusstseinsverlust führen. Bei den meisten Menschen reagiert der Körper rasch darauf und erhöht den Blutdruck, um einer Ohnmacht des Menschen vorzubeugen.

Tabelle
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Einige Ursachen für niedrigen Blutdruck

Das passiert im Körper

Beispiel für Ursachen

Das autonome Nervensystem wird durch Folgendes beeinträchtigt:

Blockierung des Blutrückflusses zum Herzen

Während der Schwangerschaft in bestimmten Positionen Druck durch die Gebärmutter auf die Vena cava inferior (die Hauptvene, die das Blut aus den Beinen transportiert)

Erhöhter Druck im Bauch, wenn bei der Darm- oder Blasenentleerung zu stark gepresst wird oder wenn schwere Gewichte gehoben werden

Blutgefäße dilatieren (weiten sich)

Alkohol

Einige allergische Reaktionen

Einige Antidepressiva, beispielsweise Amitriptylin

Blutdrucksenkende Medikamente, die die Blutgefäße weiten (wie Kalziumkanalblocker, ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker)

Bakterielle Infektionen, falls diese schwerwiegend sind

Aufenthalt in Hitze

Nervenschädigungen (zum Beispiel bei Diabetes, Amyloidose oder Verletzungen des Rückenmarks)

Nitrate

Blutvolumen ist verringert

Durchfall

Diuretika (Medikamente, die den Nieren helfen, Wasser aus dem Körper zu entfernen, wie Furosemid und Hydrochlorothiazid)

Übermäßige Blutung

Übermäßiges Schwitzen

Übermäßige Harnausscheidung (häufig bei unbehandeltem Diabetes und Addison-Krankheit)

Die Gehirnzentren, die den Blutdruck kontrollieren, sind blockiert

Alkohol

Antidepressiva

Blutdrucksenkende Medikamente wie Methyldopa und Clonidin

Barbiturate

Herzzeitvolumen ist verringert

Herzmuskelschaden oder Herzmuskelstörung (z. B. aufgrund eines Herzinfarkts oder einer Myokarditis)

Symptome

Wenn der Blutdruck zu niedrig ist, ist es meist zuerst das Gehirn, das in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Gehirn wird deshalb zuerst beeinträchtigt, weil es sich ganz oben im Körper befindet und das Blut die Schwerkraft überwinden muss, um in den Kopf zu steigen. Aus diesem Grund fühlen sich die meisten Menschen mit niedrigem Blutdruck besonders im Stehen schwindlig oder benommen, manche werden sogar ohnmächtig. Wer ohnmächtig wird, fällt zu Boden und bringt damit meist das Gehirn auf die gleiche Höhe wie das Herz. Dann kann das Blut das Gehirn wieder erreichen, ohne gegen die Schwerkraft ankämpfen zu müssen, und die Durchblutung des Gehirns verstärkt sich, wodurch es vor Schaden bewahrt wird. Dennoch kommt es bei extrem niedrigem Blutdruck hin und wieder vor, dass das Gehirn geschädigt wird. Die Ohnmacht kann zudem zu schweren Verletzungen am Kopf oder anderen Teilen des Körpers führen.

Gelegentlich treten durch niedrigen Blutdruck Kurzatmigkeit oder Brustschmerzen auf, weil der Herzmuskel nicht mehr genügend mit Blut versorgt wird (Angina pectoris).

Wenn der Blutdruck zu sehr absinkt und so niedrig bleibt, beginnen die Organe zu versagen. In solch einem Fall spricht man von einem Kreislaufschock.

Eine Erkrankung, die den Blutdruck senkt, kann viele weitere Symptome hervorrufen, die an sich keine Folge von niedrigem Blutdruck wären. Ein Beispiel ist Fieber bei Infektionen.

Manche Symptome treten auf, wenn der Körper versucht, niedrigen Blutdruck auszugleichen. Beispielsweise fließt weniger Blut in die Haut und in Hände und Füße, wenn sich die Arteriolen verengen. Diese Bereiche werden dann manchmal kalt und färben sich blau. Wenn das Herz schneller und kräftiger schlägt, können sich Palpitationen (spürbare Herzschläge) einstellen.

Diagnose

  • Blutdruckmessung

  • Tests zur Bestimmung der Ursache

Der Blutdruck und der Puls werden gemessen, während der Patient einige Minuten lang liegt. Wenn der Blutdruck nicht niedrig ist und es dem Patienten gut geht, lässt der Arzt den Patienten aufstehen und misst den Blutdruck erneut gleich nach dem Aufstehen und dann noch einmal nach ein paar Minuten Stehen. Andere Tests werden durchgeführt, um die Ursache des niedrigen Blutdrucks zu bestimmen. Diese Tests sind u. a.:

Behandlung

  • Behandlung der zugrunde liegenden Ursache

  • Venöse Gabe von Flüssigkeit (intravenös)

Die zugrunde liegende Ursache des niedrigen Blutdrucks wird behandelt. Oft werden Patienten Flüssigkeiten in eine Vene verabreicht, wenn ihr Herz mit der zusätzlichen Flüssigkeit umgehen kann.

Je nachdem, was die Symptome verursacht, können Ärzte das Tragen von elastischen Kompressionsstrümpfen empfehlen, die die Wade und den Oberschenkel bedecken und dabei helfen, das Blut aus den Beinvenen zurück ins Herz zu drücken.

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