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Niedriger Blutdruck

(Hypotonie)

Von

Levi D. Procter

, MD, Virginia Commonwealth University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Nov 2020| Inhalt zuletzt geändert Nov 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Von niedrigem Blutdruck spricht man dann, wenn er so niedrig ist, dass Symptome wie Schwindel und Ohnmacht auftreten. Sehr niedriger Blutdruck kann die Organe schädigen, ein Prozess, der Kreislaufschock Kreislaufschock Ein Kreislaufschock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Organe mit wenig Blut versorgt werden, was die Sauerstoffversorgung verringert und so zu Schäden und manchmal zum Tod führt... Erfahren Sie mehr genannt wird.

  • Verschiedene Medikamente und Störungen können den Mechanismus des Körpers zur Regulierung des Blutdrucks beeinträchtigen.

  • Wenn der Blutdruck zu niedrig ist, kann es zu Störungen im Gehirn und zu Ohnmachtsanfällen kommen.

Ist der Blutdruck zu niedrig, fließt nicht genügend Blut in alle Teile des Körpers. Zellen erhalten dann nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe und anfallende Abbauprodukte können nicht ausreichend entsorgt werden. Daher fangen die betroffenen Zellen und Organe, in denen sich die Zellen befinden, an, auszufallen. Ein sehr niedriger Blutdruck kann lebensbedrohlich sein, da er zum Kreislaufschock Kreislaufschock Ein Kreislaufschock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Organe mit wenig Blut versorgt werden, was die Sauerstoffversorgung verringert und so zu Schäden und manchmal zum Tod führt... Erfahren Sie mehr führen kann; dabei werden die Organe durch den mangelnden Blutfluss beschädigt.

Gesunde Menschen mit einem niedrigen, noch im Normalbereich liegenden Blutdruck (in Ruhe gemessen), haben tendenziell eine höhere Lebenserwartung als solche mit erhöhtem, noch im Normalbereich liegendem Blutdruck.

  • Ändern des Durchmessers von kleinen Arterien (Arteriolen) und, in geringerem Maße, von Venen

  • Ändern der Menge an Blut, die vom Herzen in den Körper gepumpt wird (Herzzeitvolumen)

  • Ändern des Blutvolumens in den Blutgefäßen

  • Ändern der Körperhaltung

Ändern des Durchmessers von Arteriolen und Venen

Mit dem Muskelgewebe (glatte Muskeln genannt) innerhalb der Arteriolenwände können die Blutgefäße geweitet (dilatiert) und verengt (zusammengezogen) werden. Je stärker sie sich verengen, desto größeren Widerstand muss das Blut überwinden und umso höher steigt der Blutdruck. Wenn sich die Arteriolen verengen, steigt der Blutdruck, weil mehr Druck nötig ist, um das Blut durch die engeren Gefäße zu pressen. Umgekehrt wird durch Erweiterung der Arteriolen der Widerstand geringer, der dem Blut entgegengesetzt wird – der Blutdruck sinkt. Wie weit die Arteriolen verengt oder geweitet werden, wird bestimmt durch

Venen spielen ebenfalls eine Rolle bei der Blutdruckregelung, obwohl sie sich nicht so stark auf den Blutdruck auswirken wie die Arteriolen. Die Venen können sich erweitern und verengen, um ihr Fassungsvermögen (Kapazität) zu verändern. Wenn sich Venen verengen, können sie nicht mehr so viel Blut aufnehmen, was dazu führt, dass mehr Blut zum Herzen zurückfließt, von wo es in die Arterien gepumpt wird. Dadurch steigt der Blutdruck. Umgekehrt, wenn sich Venen erweitern, können sie mehr Blut aufnehmen, was dazu führt, dass weniger Blut zum Herzen zurückfließt. Dadurch fällt der Blutdruck.

Ändern des Herzzeitvolumens

Je mehr Blut das Herz pro Minute pumpt (je größer also das Herzzeitvolumen ist), desto höher steigt der Blutdruck, solange der Durchmesser der Arterien dabei gleichbleibt. Die bei jedem Herzschlag gepumpte Menge an Blut richtet sich danach

  • wie schnell das Herz schlägt

  • wie stark sich das Herz zusammenzieht

  • wie viel Blut von den Venen in das Herz fließt

  • welcher Druck in den Arterien herrscht, gegen den die Pumpleistung des Herzens ankommen muss

  • wie gut die Herzklappen Blut hinauslassen und wie gut sie den Rückfluss von Blut verhindern

Ändern des Blutvolumens

Je größer das Blutvolumen in den Arterien, desto höher ist der Blutdruck, solange der Durchmesser in den Arterien gleichbleibt. Das Blutvolumen in den Arterien richtet sich (da)nach

  • wie viel Flüssigkeit im Körper ist (Hydratation)

  • ob die sehr kleinen Arterien Flüssigkeit verlieren (z. B. wenn die Proteinspiegel im Blut sehr niedrig sind und/oder die Innenwand der kleinen Arterien beschädigt ist, fließt Flüssigkeit von den Arterien in das Gewebe)

  • wie viel Flüssigkeit die Nieren aus dem Blut über den Stuhl und den Urin ausscheiden

  • bestimmten Medikamenten, insbesondere Diuretika (Medikamenten, die den Nieren dabei helfen, Wasser aus dem Körper zu entfernen)

Ändern der Körperhaltung

Der Blutdruck kann im ganzen Körper aufgrund der Schwerkraft unterschiedlich sein. Steht eine Person, ist der Blutdruck in den Beinen höher als im Kopf, ganz so wie der Wasserdruck am Boden des Wassers eines Schwimmbads höher ist als an der Oberfläche. Legt sich eine Person hin, dann ist der Blutdruck im ganzen Körper eher gleich.

Steht eine Person auf, dann hat das Blut in den Venen der Beine mehr Schwierigkeiten, wieder zurück zum Herzen zu gelangen. Daher hat das Herz weniger Blut, um es in den Körper zu pumpen, und der Blutdruck im ganzen Körper kann vorübergehend abfallen. Setzt oder legt sich eine Person hin, kann das Blut leichter zum Herzen zurückfließen und das Herzzeitvolumen und der Blutdruck können steigen. Das Hochlegen der Beine über der Höhe des Herzens kann dem Blut helfen, zum Herzen zurückzufließen. Damit werden das Herzzeitvolumen und der Blutdruck erhöht.

Überwachung und Kontrolle des Blutdrucks

Barorezeptoren sind spezialisierte Zellen, die sich in den Arterien befinden und als Blutdrucksensoren fungieren. Die Rezeptoren im Bereich der großen Hals- und Brustarterien sind besonders wichtig. Wenn Barorezeptoren eine Veränderung im Blutdruck feststellen, stoßen sie im Körper eine Reaktion an, mit der der Blutdruck wieder stabilisiert wird. Nerven senden Signale von diesen Sensoren und dem Gehirn

  • zum Herzen, damit es die Geschwindigkeit und Stärke seiner Schläge verändert (dies verändert das Pumpvolumen). Diese Veränderung ist eine der ersten und korrigiert den niedrigen Blutdruck schnell.

  • zu den Arteriolen, damit diese sich verengen oder weiten (dies ändert den Widerstand in den Blutgefäßen).

  • zu den Venen, damit diese sich verengen oder weiten (dies verändert ihr Fassungsvermögen für Blut).

  • zu den Nieren, damit diese die Menge der ausgeschiedenen Flüssigkeit (dies verändert das Blutvolumen in den Blutgefäßen) und die Menge an Hormonen, die diese produzieren (damit erhalten die Arteriolen das Signal, sich zu verengen oder zu weiten, was das Blutvolumen verändert), verändern. Bis diese Korrektur greift, dauert es relativ lange, daher ist dieser Mechanismus der langsamste, um den Blutdruck zu regulieren.

Wenn beispielsweise jemand blutet, verringert sich das Blutvolumen und der Blutdruck sinkt. In diesen Fällen aktivieren Sensoren mehrere Regulierungsmechanismen, damit der Blutdruck nicht zu stark fällt: Die Herzfrequenz erhöht sich, was die gepumpte Blutmenge erhöht; die Venen verengen sich und können dadurch weniger Blut aufnehmen; die Arteriolen verengen sich, was den Widerstand für den Blutfluss erhöht. Sobald die Blutung gestillt ist, tritt Flüssigkeit aus dem Gewebe in die Blutgefäße über und reguliert so das Blutvolumen und den Blutdruck. Die Nieren produzieren weniger Urin. Dadurch erhalten sie dem Körper Flüssigkeit, um die Gefäße aufzufüllen. Bei Bedarf produzieren das Knochenmark und die Milz neue Blutzellen, bis das normale Blutvolumen wieder vollständig erreicht ist.

Trotzdem sind die Möglichkeiten beschränkt, mit denen der Körper den Blutdruck überwachen und regeln kann. Wenn beispielsweise jemand in kurzer Zeit eine große Menge Blut verliert, können diese Mechanismen nicht schnell genug für einen Ausgleich sorgen. Der Blutdruck fällt und die Organfunktion wird gestört (Kreislaufschock Kreislaufschock Ein Kreislaufschock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Organe mit wenig Blut versorgt werden, was die Sauerstoffversorgung verringert und so zu Schäden und manchmal zum Tod führt... Erfahren Sie mehr ).

Außerdem reagiert der Körper mit zunehmendem Alter langsamer auf Veränderungen des Blutdrucks.

Ursachen für niedrigen Blutdruck

Die typischen Ursachen von niedrigem Blutdruck sind eines oder mehrere der folgenden Dinge:

  • Erweiterung der kleinen Arterien (Arteriolen)

  • Bestimmte Herzkrankheiten

  • Zu geringes Blutvolumen

Eine Erweiterung der Arteriolen kann durch Folgendes verursacht werden:

Zu den verschiedenen Herzkrankheiten, die die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen und das Herzzeitvolumen verringern, gehören:

Zu geringes Blutvolumen im Körper kann folgende Ursachen haben:

  • Dehydratation

  • Blutung

  • eine Nierenerkrankung

Niedriger Blutdruck tritt zudem auf, wenn die Nerven, die die Signale zwischen dem Gehirn, dem Herzen und den Blutgefäßen übertragen, durch neurologische Störungen beeinträchtigt sind, die autonome Neuropathien Autonome Neuropathien Autonome Neuropathien sind Störungen, die die peripheren Nerven betreffen, die automatisch (ohne bewusste Anstrengung) Körperprozesse regulieren (autonome Nerven). Zu den Ursachen gehören Diabetes... Erfahren Sie mehr genannt werden.

Bewegt sich eine Person schnell aus einer sitzenden Position heraus in eine stehende, wird der Blutdruck in den Blutgefäßen zum Gehirn gesenkt und verursacht ein vorübergehendes Gefühl der Benommenheit und des Schwindels. Dies nennt man orthostatische Hypotonie Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen Bei einigen Menschen, insbesondere im höheren Alter, fällt der Blutdruck im Sitzen oder beim Aufstehen äußerst stark ab (dies nennt man orthostatische oder posturale Hypotonie). Symptome wie... Erfahren Sie mehr . Dieser Zustand kann bei Menschen verstärkt sein, die dehydriert oder warm (beispielsweise, wenn sie aus einem heißen Bad steigen) sind, bestimmte Krankheiten haben oder die gerade für längere Zeit gelegen oder gesessen haben. Eine orthostatische Hypotonie kann sogar zu einem Bewusstseinsverlust führen. Bei den meisten Menschen reagiert der Körper rasch darauf und erhöht den Blutdruck, um einer Ohnmacht des Menschen vorzubeugen.

Tabelle
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Symptome von niedrigem Blutdruck

Wenn der Blutdruck zu niedrig ist, ist es meist zuerst das Gehirn, das in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Gehirn wird deshalb zuerst beeinträchtigt, weil es sich ganz oben im Körper befindet und das Blut die Schwerkraft überwinden muss, um in den Kopf zu steigen. Aus diesem Grund fühlen sich die meisten Menschen mit niedrigem Blutdruck besonders im Stehen schwindlig Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen Bei einigen Menschen, insbesondere im höheren Alter, fällt der Blutdruck im Sitzen oder beim Aufstehen äußerst stark ab (dies nennt man orthostatische oder posturale Hypotonie). Symptome wie... Erfahren Sie mehr oder benommen, manche werden sogar ohnmächtig Ohnmacht Benommenheit (nahe einem Ohnmachtsanfall) ist das Gefühl, gleich in Ohnmacht zu fallen. Ein Ohnmachtsanfall (Synkope) ist ein plötzlicher, kurzer Bewusstseinsverlust, bei dem die Person auf... Erfahren Sie mehr . Wer ohnmächtig wird, fällt zu Boden und bringt damit meist das Gehirn auf die gleiche Höhe wie das Herz. Dann kann das Blut das Gehirn wieder erreichen, ohne gegen die Schwerkraft ankämpfen zu müssen, und die Durchblutung des Gehirns verstärkt sich, wodurch es vor Schaden bewahrt wird. Dennoch kommt es bei extrem niedrigem Blutdruck hin und wieder vor, dass das Gehirn geschädigt wird. Die Ohnmacht kann zudem zu schweren Verletzungen am Kopf oder anderen Teilen des Körpers führen.

Eine Erkrankung, die den Blutdruck senkt, kann viele weitere Symptome hervorrufen, die an sich keine Folge von niedrigem Blutdruck wären. Ein Beispiel ist Fieber bei Infektionen.

Manche Symptome treten auf, wenn der Körper versucht, niedrigen Blutdruck auszugleichen. Beispielsweise fließt weniger Blut in die Haut und in Hände und Füße, wenn sich die Arteriolen verengen. Diese Bereiche werden dann manchmal kalt und färben sich blau. Wenn das Herz schneller und kräftiger schlägt, können sich Palpitationen Palpitationen Palpitationen sind die bewusste Wahrnehmung der Herzschläge. Die Herzschläge können als klopfend, flatternd, rasend oder springend empfunden werden. Je nach Ursache der Palpitationen können... Erfahren Sie mehr (spürbare Herzschläge) einstellen.

Diagnose von niedrigem Blutdruck

  • Blutdruckmessung

  • Tests zur Bestimmung der Ursache

Der Blutdruck und der Puls werden gemessen, während der Patient einige Minuten lang liegt. Wenn der Blutdruck nicht niedrig ist und es dem Patienten gut geht, lässt der Arzt den Patienten aufstehen und misst den Blutdruck erneut gleich nach dem Aufstehen und dann noch einmal nach ein paar Minuten Stehen. Andere Tests werden durchgeführt, um die Ursache des niedrigen Blutdrucks zu bestimmen. Diese Tests sind u. a.:

Behandlung von niedrigem Blutdruck

  • Behandlung der Krankheitsursache

  • Venöse Gabe von Flüssigkeit (intravenös)

Die Ursache des niedrigen Blutdrucks wird behandelt. Oft werden Patienten Flüssigkeiten in eine Vene verabreicht, wenn ihr Herz mit der zusätzlichen Flüssigkeit umgehen kann.

Je nachdem, was die Symptome verursacht, können Ärzte das Tragen von elastischen Kompressionsstrümpfen empfehlen, die die Wade und den Oberschenkel bedecken und dabei helfen, das Blut aus den Beinvenen zurück ins Herz zu drücken.

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