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Toxisches Schocksyndrom

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Das toxische Schocksyndrom ist eine Reihe schnell fortschreitender und schwerer Symptome, die Fieber, Ausschlag, gefährlich niedrigen Blutdruck und mehrfaches Organversagen umfassen. Hervorgerufen wird es durch Toxine, die von den grampositiven Kugelbakterien (siehe Abbildung Wie Bakterien sich entwickeln) der Art Staphylococcus aureus oder von Streptokokken der Gruppe A produziert werden.

  • Die Verwendung hochsaugfähiger Tampons oder eine durch Staphylococcus aureus oder Streptokokken der Gruppe A hervorgerufene Infektion erhöht das Risiko, am toxischen Schocksyndrom zu erkranken.

  • Das Syndrom kann tödlich enden, insbesondere wenn es durch Streptokokken hervorgerufen wird.

  • Die Diagnose des toxischen Schocksyndroms erfolgt anhand einer körperlichen Untersuchung und einer Bakterienkultur.

  • Durch häufigen Tamponwechsel und Vermeidung hochsaugfähiger Tampons kann das Risiko des Syndroms verringert werden.

  • Die Behandlung umfasst Hygiene des infizierten Bereichs, das Entfernen von infiziertem Gewebe und die Gabe von Antibiotika.

Ursachen

Das toxische Schocksyndrom entsteht durch Toxine, die von zwei Bakterienarten gebildet werden:

Dieses Syndrom kann auftreten, wenn Staphylococcus aureus Gewebe infiziert (beispielsweise in einer Wunde) oder sich einfach auf einem Tampon (insbesondere auf hochsaugfähigen Produkten) in der Scheide vermehrt. Warum gerade durch hochsaugfähige Tampons das Risiko, an diesem Syndrom zu erkranken, steigt, ist nicht bekannt. Auch die mehr als 24-stündige Präsenz eines Diaphragmas in der Vagina führt zu einem leichten Anstieg des Risikos.

Das durch Streptokokken der Gruppe A hervorgerufene toxische Schocksyndrom tritt normalerweise bei Personen auf, die eine Infektion der Haut oder des Unterhautgewebes aufweisen. Rund die Hälfte der Patienten mit diesem Syndrom weist eine Infektion der Blutbahnen auf (Bakteriämie), ebenfalls rund die Hälfte eine nekrotisierende Fasziitis (eine besonders schwere Streptokokken-Infektion).

Auch in folgenden Situationen kann das toxische Schocksyndrom auftreten:

  • Wenn eine operative Einschnittstelle infiziert ist, selbst wenn diese Infektion geringfügig scheint

  • Wenn nach der Entbindung eine Infektion im Uterus entsteht

  • Nach einer Nasenoperation, wenn Binden zum Verbinden der Nase verwendet werden

  • Bei normalerweise gesunden Menschen, die eine durch Streptokokken der Gruppe A hervorgerufene Gewebeinfektion aufweisen, gewöhnlich die Haut betreffend

Symptome

Symptome und Prognosen bei einem toxischen Schocksyndrom variieren je nachdem, ob die Ursache Staphylokokken oder Streptokokken sind.

Bei beiden Erregern entwickeln sich die Symptome abrupt und verstärken sich rasch im Lauf weniger Tage. Der Blutdruck fällt gefährlich stark ab, und es kann zu Funktionsstörungen mehrerer Organe (wie Nieren, Leber, Herz und Lunge) oder zu komplettem Organversagen kommen. Die Betroffen bekommen möglicherweise hohes Fieber, eine Halsentzündung mit rotem Rachen, Rötungen an den Augen, Durchfall und Muskelschmerzen. Manche Patienten fallen in ein Delirium. Am gesamten Körper, einschließlich an Handinnenflächen und Fußsohlen, entsteht ein Ausschlag, der einem Sonnenbrand ähnelt. Mitunter beginnt die Haut, sich zu schälen. Im Gewebe kommt es zur Ansammlung von Flüssigkeit, wodurch Schwellungen (Ödeme) hervorgerufen werden. Die Blutgerinnung ist nicht normal, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Blutungen und schweren Blutungen steigt.

Bei einem durch Streptokokken verursachten toxischen Schocksyndrom ist die infizierte Wunde sehr schmerzhaft. Im Bereich um die Wunde kann Wundbrand entstehen. Das Syndrom löst mit großer Wahrscheinlichkeit Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl und starke Schmerzen an der Infektionsstelle aus. Häufig ist aufgrund einer respiratorischen Insuffizienz (akutes Atemnotsyndrom) die Atmung erschwert. Sogar mit Behandlung sterben 20 bis 60 Prozent der Betroffenen.

Ein durch Staphylokokken verursachtes toxisches Schocksyndrom ist oftmals weniger schwerwiegend. Die Sterberate liegt bei unter 3 Prozent. Es kommt häufig zu Hautabschälungen, insbesondere an den Handflächen und den Fußsohlen. Die Haut beginnt sich in der Regel 3 bis 7 Tage nach dem ersten Auftreten von Symptomen zu schälen. Bei den überlebenden Patienten kommt es normalerweise zu vollständiger Genesung.

Wenn die Infektionsquelle ein durch Staphylokokken infizierter Tampon ist, tritt das toxische Schocksyndrom häufig erneut auf, wenn die betroffene Frau weiterhin Tampons verwendet, und zwar meist innerhalb von 4 Monaten nach der ersten Phase. Mitunter tritt das Syndrom mehr als einmal auf. Gewöhnlich läuft jede nachfolgende Phase leichter ab. Um das Risiko von Rückfällen zu verringern, sollten Frauen, bei denen das Syndrom aufgetreten ist, keine Tampons oder Diaphragmen mehr verwenden.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Kulturen von Blutproben und Proben von infiziertem Gewebe

Die Diagnose des toxischen Schocksyndroms stützt sich gewöhnlich auf die Symptome und die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung sowie der routinemäßigen Bluttests.

Blutproben und Proben von infiziertem Gewebe werden auch ins Labor geschickt, wo Bakterienkulturen angelegt werden.

Zur Lokalisierung der Infektion kann eine Computer- oder Magnetresonanztomographie (CT bzw. MRT) durchgeführt werden.

Mittels regelmäßiger Bluttests wird die Organfunktion überwacht.

Vorbeugung

Frauen, die Tampons verwenden, können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um eine Infektion zu verhindern:

  • Vermeidung hochsaugfähiger Tampons

  • Verwendung der möglichst kleinsten Größe Tampons

  • Abwechselnder Gebrauch von Tampons und Binden

  • Tamponwechsel alle 4 bis 8 Stunden

Frauen, die ein durch Staphylokokken hervorgerufenes toxisches Schocksyndrom hatten, sollten eher keine Tampons, Zervixkappen, Diaphragmen oder andere okklusive Barrieremethoden verwenden.

Ansonsten gibt es keine weiteren Tipps zur Verhinderung des toxischen Schocksyndroms.

Behandlung

  • Intravenös verabreichte Flüssigkeit

  • Häufig Medikamente zur Anhebung des Blutdrucks

  • Hygiene des infizierten Bereichs (Scheide oder Wunde) und Entfernen von infiziertem Gewebe

  • Antibiotika

Wird ein toxisches Schocksyndrom vermutet, werden die Betroffenen ins Krankenhaus eingewiesen, und zwar in der Regel auf die Intensivpflegestation (IPS).

Es werden salzhaltige Flüssigkeit und oft auch Medikamente zur Erhöhung und Stabilisierung des Blutdrucks intravenös verabreicht. Viele Patienten benötigen Hilfe beim Atmen, gewöhnlich über ein mechanisches Beatmungsgerät. Tampons, Diaphragmen und andere Fremdkörper werden unverzüglich aus der Vagina entfernt.

Es werden intravenös Antibiotika und in schweren Fällen Immunglobulin (zur Neutralisierung des Toxins) verabreicht. Immunglobulin enthält Antikörper, die aus dem Blut von Personen mit einem normalen Immunsystem gewonnen werden. Antibiotika werden unverzüglich verabreicht, bevor die Bakterien identifiziert worden sind. Sobald die Bakterien identifiziert sind, können die Antibiotika bei Bedarf angepasst werden.

Körperstellen, in denen die Bakterien enthalten sein könnten, wie Operationswunden und die Vagina, werden mit Wasser ausgespült.

Wenn Wunden infiziert sind, ist möglicherweise eine Operation nötig, um diese tiefergehend zu reinigen, infiziertes Gewebe zu entfernen oder um in Fällen, in denen sich Wundbrand entwickelt hat, ein Glied zu amputieren.

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