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Gastroenteritis bei Kindern

Von

William J. Cochran

, MD, Geisinger Clinic

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2017| Inhalt zuletzt geändert Jul 2017
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Eine Gastroenteritis ist eine Entzündung des Verdauungstrakts, die Erbrechen, Durchfall oder beides zur Folge hat und mitunter in Verbindung mit Fieber und Bauchkrämpfen auftritt.

  • Gastroenteritis wird gewöhnlich durch eine virale, bakterielle oder Parasiteninfektion ausgelöst.

  • Die Infektion verursacht eine Kombination aus Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfen, Fieber und Appetitlosigkeit, die zur Dehydratation führen kann.

  • Anhand der Symptome und der Vorgeschichte des Kindes kann der Arzt die Diagnose bestätigen.

  • Gastroenteritis lässt sich am besten dadurch verhindern, indem man die Kinder und deren Aufsichtspersonen dazu anhält, ihre Hände zu waschen und keine falsch aufbewahrten Lebensmittel oder verschmutztes Wasser zu sich zu nehmen.

  • Flüssigkeiten und Rehydrationslösungen sind bereitzustellen, unter Umständen ist jedoch außerdem ein Arztbesuch und ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

(Für weitere Informationen zur Gastroenteritis bei Erwachsenen siehe Übersicht über Gastroenteritis.)

Gastroenteritis, die umgangssprachlich fälschlicherweise als Magen-Darm-Grippe bezeichnet wird, ist die häufigste Verdauungsstörung bei Kindern. Eine schwere Gastroenteritis führt infolge des starken Flüssigkeitsverlusts durch Erbrechen und den Stuhl zur Austrocknung (Dehydrierung) sowie zur Störung des Salz- bzw. Elektrolythaushalts.

Jährlich treten etwa 5 Milliarden Krankheitsfälle weltweit auf, am häufigsten in Entwicklungsländern bei Kindern unter 5 Jahren. In Entwicklungsländern, in denen Kinder am anfälligsten sind, und wo eine medizinische Versorgung nicht ohne weiteres zugänglich ist, sterben etwa 2 Millionen Kinder jährlich an Durchfall, der durch Gastroenteritis hervorgerufen wird. In Industrieländern, in denen Kinder gut ernährt sind und Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung haben (insbesondere zu venös zugeführten [intravenösen] Rehydrationslösungen, sofern erforderlich), sind die Folgen nicht so ernst. Akute Gastroenteritis ist in den Vereinigten Staaten jedoch weiterhin ein häufig auftretendes Problem. Jedes Jahr gehen 3 bis 5 Millionen Menschen wegen Gastroenteritis zum Arzt, 200.000 werden in ein Krankenhaus eingewiesen und mehrere Hundert sterben daran.

Ursachen

Eine Gastroenteritis wird häufig durch Folgendes hervorgerufen:

  • Viren (häufigste Ursache)

  • Bakterien

  • Parasiten

Seltenere Ursachen der Gastroenteritis sind

  • Chemische Giftstoffe

  • Arzneimittel

In seltenen Fällen kann eine Gastroenteritis auch allergisch bedingt sein (eosinophile Gastroenteritis) oder durch eine Nahrungsmittelallergie hervorgerufen werden.

Viren

Viren sind die häufigste Ursache für Gastroenteritis in den Vereinigten Staaten. Die Viren, die die häufigste Ursache für Gastroenteritis sind:

  • Norovirus (in den Vereinigten Staaten am meisten verbreitet)

  • Rotavirus (weltweit am häufigsten)

  • Astrovirus

  • Adenovirus

Mit einer viralen Gastroenteritis stecken sich Kinder meist bei anderen Kindern an, u. a. in Kindertagesstätten, Schulen und an anderen Orten, wo viele Kinder aufeinandertreffen. Eine virale Gastroenteritis ist sehr ansteckend und verbreitet sich besonders leicht von Kind zu Kind.

Die virale Gastroenteritis wird häufig durch fäkal-orale Übertragung verbreitet. Fäkal-oral bedeutet, dass die Viren im Durchfall (Fäkalien) von einer infizierten Person in den Mund einer anderen Person gelangen. Natürlich nehmen die Menschen den Stuhlgang nicht direkt auf. Kinder mit Durchfall und/oder deren Aufsichtspersonen können den infizierten Stuhlgang an ihren Händen haben (insbesondere wenn sie ihre Hände nicht gründlich waschen). Wenn die Personen dann Objekte (wie eine Windel, ein Spielzeug oder Nahrung) berühren, werden diese auch mit dem infizierten Stuhl verunreinigt. Andere Kinder, die das Objekt berühren und dann ihre Hände und Finger in die Nähe von Mund und Nase bringen oder in diese stecken, werden mit dem Virus infiziert. Virale Gastroenteritis kann aber auch durch Niesen und Spucken übertragen werden.

Der Norovirus ist die häufigste Ursache von Gastroenteritis bei jungen Kindern in den USA, seit der Einführung der Rotavirus-Impfungen. Die Infektionen ereignen sich im ganzen Jahr, 80 % finden jedoch von November bis April statt. Die meisten Personen infizieren sich nach dem Schlucken von verunreinigter Nahrung oder Wasser. Da das Norovirus stark ansteckend ist, kann sich die Infektion leicht von Mensch zu Mensch ausbreiten.

Das Rotavirus ist weltweit die häufigste Ursache von schwerem, dehydrierendem Durchfall bei Säuglingen und Kindern. Die Häufigkeit hat seit der Einführung der Rotavirus-Impfungen abgenommen. Sie betrifft normalerweise Säuglinge und Kleinkinder. Das Rotavirus ist stark ansteckend. Die meisten Infektionen werden durch fäkal-orale Übertragung verbreitet. Die Infektion kann sich von infizierten Säuglingen auf Erwachsene ausbreiten. In gemäßigten Klimazonen treten die meisten Rotaviren-Infektionen in den Winter- und Frühlingsmonaten auf und weniger häufig im Sommer. Bei tropischem Klima treten sie das ganze Jahr über auf.

Das Astrovirus kann Menschen in jedem Alter infizieren, betrifft jedoch hauptsächlich Säuglinge und Kleinkinder. Die Infektion ist am häufigsten im Winter und wird durch fäkal-orale Übertragung verbreitet.

Das Adenovirus betrifft am häufigsten Kinder unter 2 Jahren. Infektionen ereignen sich das ganze Jahr und nehmen im Sommer leicht zu. Die Infektion wird durch fäkal-orale Übertragung verbreitet.

Bakterien

Die Bakterien, die die häufigsten Ursachen der Gastroenteritis sind:

Bakterielle Gastroenteritis bei Kindern kann durch Folgende hervorgerufen werden:

  • Das Anfassen oder Essen von verunreinigten Nahrungsmitteln, insbesondere rohes oder unangemessen gekochtes Fleisch oder Eier

  • Verzehr kontaminierter Meeresfrüchte

  • Trinken von nicht pasteurisierter Milch oder Saft

  • Anfassen von Tieren, die bestimmte Bakterien übertragen

  • Durch Schlucken von verunreinigtem Wasser, z. B. aus Quellen, Bächen und Schwimmbecken

Bakterien können sich in vielen Nahrungsmitteln vermehren, die stehengelassen und nicht kühl gelagert werden (dies kann ein Problem bei Buffets oder Picknicks darstellen). Mit Staphylokokken-Bakterien infizierte Nahrungsmittel können einen Giftstoff abgeben, der zu plötzlichem Erbrechen und Durchfall führt. Gastroenteritis, die durch Mikroorganismen oder bakterielle Giftstoffe in Nahrungsmitteln übertragen wird, auch als Lebensmittelvergiftung bezeichnet.

Kinder können sich mit Salmonellen infizieren, wenn sie mit Reptilien (Schildkröten oder Eidechsen), Vögeln oder Amphibien (Frösche oder Salamander) in Kontakt kommen, und infizieren sich in seltenen Fällen mit E. coli indem sie Tiere in Zoos anfassen. Gelegentlich werden einige Arten von Bakterien über Hunde und Katzen mit Durchfall übertragen.

Kinder können sich über das Schlucken von oder Schwimmen in verunreinigtem Wasser aus Brunnen, Bächen, Wasserparks und Swimmingpools mit Gastroenteritis infizieren (als durch Wasser übertragene Krankheit bezeichnet.

Infektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile können bei Kindern auftreten, die in den vergangenen 6 bis 10 Wochen Antibiotika genommen oder eine Antibiotikabehandlung abgeschlossen haben ( Auf Clostridioides (früher Clostridium) difficile zurückzuführende Colitis). Einige Kinder entwickeln nach einem Krankenhausbesuch eine Clostridium difficile-Infektion.

Parasiten

Gastroenteritis, die durch Parasiten (wie Giardia intestinalis und Cryptosporidium parvum) verursacht wird, kommt normalerweise durch das Trinken von verunreinigtem Wasser oder fäkal-orale Übertragung zustande (wie sie in Kindertagesstätten vorkommt). Der Parasit Entamoeba histolytica ist eine häufige Ursache von blutigem Durchfall in Entwicklungsländern, ist jedoch in den Vereinigten Staaten selten.

Chemische Giftstoffe

Auch die Aufnahme von chemischen Giftstoffen kann eine Gastroenteritis auslösen. Diese Giftstoffe werden in der Regel von Pflanzen wie Giftpilzen oder von bestimmten exotischen Meerestieren produziert. Kinder, die diese Substanzen zu sich nehmen, können Gastroenteritis bekommen. Kinder können nach Aufnahme von Wasser oder Nahrungsmitteln, die mit Chemikalien wie Arsen, Blei, Quecksilber oder Kadmium verseucht sind, auch eine durch chemische Toxizität bedingte Gastroenteritis bekommen.

Arzneimittel

Viele Medikamente rufen Durchfall hervor. Kinder, die bestimmte Medikamente verabreicht bekommen (oder versehentlich schlucken), wie z. B. Antibiotika oder Magensäuremittel), entwickeln Gastroenteritis ( Gastroenteritis als Nebenwirkung von Medikamenten).

Symptome

Symptome der Gastroenteritis sind normalerweise eine Kombination aus:

  • Erbrechen

  • Durchfall

  • Bauchkrämpfen

  • Fieber

  • Appetitlosigkeit

Die häufigsten Symptome einer Gastroenteritis), unabhängig von der Ursache, sind Erbrechen und Durchfall. Eine durch eine Infektion ausgelöste Gastroenteritis kann Fieber verursachen. Bauchschmerzen treten auch häufig auf.

Durch Viren verursachte Gastroenteritis

Viren verursachen wässrigen Durchfall. Die Stühle enthalten selten Schleim oder Blut.

Das Rotavirus kann bei Säuglingen und Kleinkindern 5 bis 7 Tage lang anhalten. Die meisten Kinder erbrechen, einige haben Fieber.

Das Norovirus verursacht mehr Erbrechen als Durchfall und hält nur 1 bis 3 Tage an.

Das Adenovirus verursacht 1 bis 2 Tage nachdem der Durchfall einsetzt leichtes Erbrechen. Der Durchfall kann 1 bis 2 Wochen andauern.

Die Symptome des Astrovirus ähneln denen einer leichten Infektion mit dem Rotavirus.

Durch Bakterien verursachte Gastroenteritis

Bakterien verursachen sehr wahrscheinlich Fieber und manchmal blutigen Durchfall.

Durch Parasiten verursachte Gastroenteritis

Parasiten verursachen typischerweise Durchfall, der lange Zeit anhält und mitunter auch kommen und gehen kann. Der Durchfall ist in der Regel nicht blutig. Kinder können sehr müde sein und an Gewicht verlieren, wenn sie lange Zeit an einem durch eine Parasiteninfektion verursachten Durchfall leiden.

Komplikationen der Gastroenteritis

Die häufigste Komplikation einer ernsten Gastroenteritis ist Dehydrierung (zu wenig Flüssigkeit im Körper), die auftritt, wenn durch das Erbrechen und den Stuhl viel Flüssigkeit verloren geht. Kinder mit leichtem Flüssigkeitsmangel haben viel Durst, während Kinder mit starkem Flüssigkeitsmangel lustlos, reizbar oder träge (lethargisch) sind.

Säuglinge sind für Flüssigkeitsmangel und ernste Nebenwirkungen wesentlich anfälliger als ältere Kinder. Säuglinge mit Flüssigkeitsmangel benötigen sofortige ärztliche Versorgung.

Warnzeichen für Dehydrierung bei Säuglingen, die sofortige ärztliche Versorgung erfordern, sind unter anderem:

  • Die weichen Stellen zwischen den Schädelknochen sind eingesunken.

  • Ihre Augen sind eingesunken.

  • Sie haben beim Weinen keine Tränen.

  • Der Mund ist trocken.

  • Sie wenig Urin ausscheiden.

  • Sie unaufmerksam und ohne Energie sind (Teilnahmslosigkeit).

Bei gewickelten Kindern mit häufig wässrigem Stuhl kann es jedoch schwierig sein, die Menge des ausgeschiedenen Urins zu bestimmen. Eine verminderte Urinausscheidung und übermäßiger Durst lässt sich bei älteren Kindern leichter feststellen.

Diagnose

  • Symptome, Krankengeschichte des Kindes und eine körperliche Untersuchung

  • Manchmal Stuhltests

Die Diagnose einer Gastroenteritis stützt sich auf die Symptome des Kindes sowie auf die Informationen der Eltern bezüglich möglicher Infektionsquellen.

Die Diagnose einer Gastroenteritis ist in der Regel schon durch die Symptome offensichtlich, aber oft nicht die Ursache. Manchmal hatten Familienmitglieder erst kürzlich ähnliche Symptome. In anderen Fällen kann die Gastroenteritis auf verunreinigtes Wasser oder unzureichend gekochtes, verdorbenes oder verunreinigtes Essen wie z. B. rohe Meeresfrüchte oder Mayonnaise zurückgeführt werden, die zu lange ungekühlt war. Kurz zurückliegende Reisen, insbesondere in bestimmte Länder, und kürzliche Anwendung von Antibiotika können auch Hinweise auf die Ursache geben.

Spezielle Tests sind meist nicht nötig, da die meisten Formen von Gastroenteritis nach kurzer Zeit wieder vergehen. Wenn die Symptome schwer sind oder länger als 48 Stunden anhalten, können Stuhlproben auf weiße Blutkörperchen sowie Bakterien, Viren oder Parasiten untersucht werden. Bluttests können durchgeführt werden, um nach Anzeichen für Komplikationen zu suchen.

Vorbeugung

Es gibt zwei Impfstoffe gegen die Rotaviren-Infektion und diese sind Bestandteil des empfohlenen Impfschemas für Kinder. Die aktuellen Rotavirus-Impfungen sind mit keiner Darminvagination verbunden (ein ernstes Darmproblem), wie es bei der ursprünglichen Impfung der Fall war. Die Rotaviren-Impfstoffe haben die Rate der Rotaviren-Infektionen um 60 bis 90 % gesenkt.

Kinder, die alt genug sind, sollten beigebracht bekommen, ihre Hände zu waschen und keine falsch aufbewahrten Lebensmittel und verschmutztes Wasser zu sich zu nehmen. Dabei kann der Grundsatz hilfreich sein, kalte Lebensmittel kühl zu stellen und warme Lebensmittel warmzuhalten. Lebensmittel, die zum Verzehr bereitgestellt werden, sollten innerhalb einer Stunde verzehrt werden.

Bei Säuglingen ist das Stillen eine einfache und effektive Methode, um eine Gastroenteritis zu verhindern. Gestillte Säuglinge haben im Vergleich mit Säuglingen, die Muttermilchersatz erhalten, deutlich niedrigere Gastroenteritis-Raten. Die Bezugspersonen sollten ihre Hände vor dem Zubereiten von Fläschchen für Säuglinge, die mit Säuglingsnahrung gefüttert werden, gründlich mit Seife und Wasser waschen. Bezugspersonen sollten sich auch nach dem Windelwechseln die Hände waschen. Wickelbereiche sollten regelmäßig mit einer frisch zubereiteten Lösung eines Haushaltsbleichmittels desinfiziert werden (¼ Tasse Bleichmittel mit knapp 4 Litern Wasser). Kinder mit Durchfall sollten erst wieder in die Kindertagesstätten zurückkehren, wenn die Symptome verschwunden sind. Kinder mit Shigella- oder E.-coli-Infektion, wodurch es zu blutigem Durchfall kommt, sollten zwei negative Stuhlkulturen aufweisen, bevor sie in die Tagesstätte zurückkehren dürfen.

Eltern können einem Flüssigkeitsmangel vorbeugen, indem sie ihr Kind dazu auffordern, zumindest in kleinen Mengen regelmäßig Flüssigkeit aufzunehmen.

Säuglinge und Kinder mit geschwächtem Immunsystem sollten nicht mit Reptilien, Vögeln oder Amphibien in Berührung kommen, da diese Tiere typischerweise Träger von Salmonellen-Bakterien sind und Infektionen bei diesen Kindern schwerwiegender sind.

Eltern können durch Wasser übertragene Krankheiten vermeiden, indem sie ihren Kindern nicht erlauben, in öffentlichen Bädern zu schwimmen, wenn sie Durchfall haben. Kinder, die Windeln tragen, sollten in Bereichen gewickelt werden, die sich nicht in der Nähe von Wasser befinden, und sie sollten häufig auf Stuhlgang überprüft werden. Eltern sollten ihren Kindern beibringen, beim Schwimmen zu vermeiden, Wasser zu verschlucken.

Wussten Sie ...

  • 2 Millionen Kinder sterben jährlich aufgrund von Durchfall, der durch Gastroenteritis hervorgerufen wird.

Behandlung

  • Flüssigkeit und Rehydratationslösungen

  • Selten Antibiotika für bestimmte Infektionen

  • Selten Medikamente gegen Erbrechen oder Durchfall

Normalerweise besteht die einzige Behandlung bei einer Gastroenteritis aus Bettruhe und dem Trinken von ausreichend Flüssigkeit.

Sobald ein Kind unter Gastroenteritis leidet, sollten Eltern auf den Wasserhaushalt ihres Kindes achten. Medikamente gegen Durchfall oder Antibiotika können nur in spezifischen Situationen unter Anleitung eines Arztes verabreicht werden.

Rehydrierung

Kinder sollten dazu aufgefordert werden, zumindest in kleinen Mengen regelmäßig Flüssigkeit aufzunehmen. Säuglinge sollten zusätzlich zu einer oral zugeführten Elektrolytlösung weiterhin gestillt werden oder Säuglingsnahrung zu sich nehmen (orale Rehydrationslösung – als Pulver und Flüssigkeit in Apotheken und einigen Lebensmittelgeschäften verfügbar). Säuglinge und kleine Kinder sollten keine Säfte, Limonaden, mit Kohlensäure versetzte Getränke, Tees, Sportgetränke und koffeinhaltige Getränke zu sich nehmen. Solche Getränke enthalten häufig große Mengen an Zucker, was den Durchfall verschlimmert, und enthalten nicht genügend Salze (Elektrolyte), die benötigt werden, um die ausgeschiedenen Salze zu ersetzen. Bei Jugendlichen sind Sportgetränke anderen Säften und Limonaden vorzuziehen, da sie weniger Zucker enthalten. Sie enthalten jedoch geringere Mengen an Elektrolyten als oral zugeführte Elektrolytlösungen. Reines Wasser ist für die Behandlung von Dehydrierung bei Kindern jeglichen Alters nicht zu empfehlen, da dieses keine Salze enthält.

Häufige, kleinere Mengen an Flüssigkeit beugen bei Kindern mit Erbrechen einer Dehydrierung vor. Eltern sollten Kindern die Flüssigkeit schluckweise anbieten. Falls sie diese Flüssigkeit nicht erbrechen, wird dieses Vorgehen alle 10–15 Minuten wiederholt. Dabei wird die Flüssigkeitsmenge nach etwa einer Stunde entsprechend der Verträglichkeit auf 30 bis 60 Milliliter erhöht. Diese größeren Mengen können seltener, etwa in Abständen von einer Stunde zugeführt werden. Liegen zwischen der Flüssigkeitszufuhr und dem nächsten Erbrechen des Kindes mehr als 10 Minuten, ist der größte Teil der Flüssigkeit vom Körper aufgenommen worden und die Flüssigkeitszufuhr sollte fortgesetzt werden. Die Menge an Flüssigkeit, die ein Kind zu sich nehmen sollte, hängt von dem Alter und Gewicht des Kindes ab. Als grober Richtwert gilt jedoch 45 ml Flüssigkeit pro Pfund Körpergewicht in 24 Stunden. Wenn das Erbrechen oder der Durchfall nachlässt, können Eltern versuchen, ihr Kind am nächsten Tag allmählich wieder auf die gewöhnliche Ernährung umzustellen. Elektrolytlösungen sollten nicht länger als 24 Stunden allein verabreicht werden, da sonst Probleme in Verbindung mit einer mangelhaften Nahrungsaufnahme auftreten könnten.

Kinder mit Durchfall und wenig Erbrechen sollten besonders viel Flüssigkeit aufnehmen, um den Flüssigkeitsverlust durch den Durchfall zu kompensieren. Im Gegensatz zu Kindern mit Erbrechen können ihnen jedoch größere Mengen an Flüssigkeit auf einmal gegeben werden und sie können normal essen. Es sei denn, sie haben starken Durchfall. In diesem Fall ist die Aufnahme von Milchprodukten (die Laktose enthalten) vorzugsweise zu reduzieren. Eine schwere Gastroenteritis kann die Aufnahmefähigkeit von Laktose verringern und so den Durchfall zusätzlich verstärken.

Wenn das Kind jeden Schluck Flüssigkeit erbricht oder Zeichen einer Austrocknung aufweist (es teilnahmslos ist, einen trockenen Mund und keine Tränenflüssigkeit hat oder seit mindestens 6 Stunden kein Wasser mehr gelassen hat), sind das alarmierende Zeichen, die einen sofortigen Arztbesuch erforderlich machen. Kinder, die diese Anzeichen nicht aufweisen, sollten einen Arzt aufsuchen, wenn die Symptome mehr als 1 bis 2 Tage anhalten. Bei schwerer Austrocknung kann dem Kind Flüssigkeit intravenös zugeführt werden.

Arzneimittel

Durchfallmittel wie Loperamid werden für Kinder normalerweise nicht empfohlen, außer sie werden von einem Arzt verschrieben. Es liegen nur wenige Nachweise vor, dass Durchfallmittel wirksam sind und sie können Komplikationen hervorrufen.

Unter der Aufsicht eines Arztes können jedoch bestimmte Medikamente zur Einnahme oder intravenös verabreicht werden, um Erbrechen bei Kindern mit schwerem Erbrechen zu lindern (wie Ondansetron).

Liegt der Gastroenteritis eine Virusinfektion zugrunde, haben Antibiotika keinen Nutzen. Antibiotika werden lediglich bei durch bestimmte Bakterien (wie Shigella) verursachter Gastroenteritis eingesetzt, von denen bekannt ist, dass sie auf diese Mittel ansprechen.

Parasiteninfektionen werden mit bestimmten Medikamenten gegen Parasiten (wie z. B. Metronidazol und Nitazoxanid) behandelt.

Probiotika

Probiotika sind Organismen, wie Bakterien, die natürlicherweise im Körper vorkommen und das Wachstum von guten Bakterien unterstützen. Probiotika kommen auch in Nahrungsmitteln vor und können als Ergänzungsmittel eingenommen werden. Probiotika, wie Lactobacillus (häufig in Joghurt vorhanden), können die Dauer des Durchfalls leicht verkürzen (etwa um einen Tag), wenn sie bereits bei Beginn der Erkrankung eingenommen werden. Probiotika verhindern jedoch nicht ernstere Folgen einer Gastroenteritis, wie die Notwendigkeit von intravenösen Flüssigkeiten oder einer Krankenhauseinweisung.

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