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Cholera

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2020| Inhalt zuletzt geändert Feb 2020
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Cholera ist eine schwere Darminfektion mit starkem Durchfall, die von dem gramnegativen BakteriumVibrio cholerae hervorgerufen wird und ohne Behandlung tödlich verlaufen kann.

  • Die Infektion mit Cholera geschieht durch den Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel, oft Meeresfrüchte, oder durch verunreinigtes Wasser.

  • Cholera kommt selten vor und tritt meist nur in Gebieten mit unzureichender Hygiene auf.

  • Die Betroffenen haben wässrigen Durchfall und Erbrechen, normalerweise ohne Fieber.

  • Durch eine Stuhlprobe werden die Bakterien ermittelt und die Diagnose bestätigt.

  • Durch Ersetzen der verloren gegangenen Flüssigkeit und Verabreichung von Antibiotika kann die Infektion wirksam behandelt werden.

Durchfall wird durch mehrere Spezies des Vibrio-Bakteriums hervorgerufen (siehe Tabelle: Mikroorganismen, die Gastroenteritis verursachen). Die schwerste dieser Erkrankungen, Cholera, wird durch Vibrio cholerae verursacht. Bei Cholera kann es zu großen Krankheitsausbrüchen kommen.

Die Infektion mit Vibrio cholerae erfolgt durch Aufnahme von Wasser, Meeresfrüchten oder anderen Nahrungsmitteln, die mit dem Stuhl infizierter Menschen verunreinigt sind. Sobald die Infektion begonnen hat, werden die Bakterien im Stuhl ausgeschieden. Aus diesem Grund kann sich die Infektion rasch ausbreiten, insbesondere in Gegenden, wo menschliche Ausscheidungen nicht entsorgt werden.

Früher war Cholera eine weltweit verbreitete Krankheit; heute kommt sie nur noch in einigen Entwicklungsländern in den Tropen und Subtropen vor. Sie ist verbreitet (endemisch) in Teilen von Asien, dem Nahen Osten, Afrika und Süd- sowie Mittelamerika. Es gab kleinere Ausbrüche in Europa, Japan und Australien. In den USA kann Cholera entlang der Küste des Golfs von Mexiko vorkommen.

Immer wieder kommt es in armen Gegenden ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und ohne Anlagen zur Entsorgung von menschlichen Ausscheidungen zu großen Choleraausbrüchen. 2010 wurde in Haiti nach dem Erdbeben eine schwere Choleraepidemie ausgelöst, die bis ins Jahr 2017 anhielt. Bei diesem Ausbruch erkrankten 700.000 Personen; 9000 von ihnen starben. 2016 kam es zu einem Ausbruch in Jemen, der nach wie vor anhält. Dieser Ausbruch hat sogar noch verheerendere Auswirkungen. In Jemen sind bisher über eine Million Menschen erkrankt und über 2000 gestorben. Es handelt sich um die größte und sich am schnellsten ausbreitende Choleraepidemie der neueren Geschichte.

In endemischen Gebieten gibt es vor allem dann Ausbrüche, wenn die öffentliche Hygiene durch Krieg oder innere Unruhen nicht mehr gewährleistet ist. Besonders häufig treten Infektionen während der warmen Monate und bei Kindern auf. In neu betroffenen Gebieten kann es zu jeder Jahreszeit zu Ausbrüchen kommen, wobei alle Altersgruppen gleichermaßen betroffen sind.

Es müssen viele Bakterien aufgenommen werden, damit sich eine Infektion entwickelt. Dann kann es sein, dass nicht alle von der Magensäure abgetötet werden, und einige schaffen es bis in den Dünndarm, wo sie sich vermehren und ein Toxin produzieren. Dieses Toxin bewirkt, dass vom Dünndarm große Mengen Salz und Wasser abgesondert werden. Der Körper verliert diese Flüssigkeit in Form von wässrigem Durchfall. Hervorgerufen wird der Tod durch den Verlust von Wasser und Salz. Die Bakterien verbleiben im Dünndarm und dringen nicht ins Gewebe ein.

Da die Erreger durch Magensäure abgetötet werden, ist die Wahrscheinlichkeit, an Cholera zu erkranken, bei Menschen mit weniger Magensäure höher. Dazu gehören:

  • Kleinkinder

  • Ältere Menschen

  • Personen, die Medikamente zur Verringerung der Magensäure einnehmen, einschließlich Protonenpumpenhemmer (wie Omeprazol) und Histamin-2-Blocker (H2-Blocker, wie z. B. Famoitidin)

Menschen, die in endemischen Regionen leben, entwickeln mit der Zeit eine gewisse natürliche Immunität.

Wussten Sie ...

  • Ohne Behandlung verläuft die Hälfte aller schweren Cholerafälle tödlich.

Symptome

Die meisten Infizierten haben keine Symptome.

Wenn Symptome auftreten, beginnen diese 1 bis 3 Tage nach Kontakt mit plötzlichem, schmerzlosem, wässrigem Durchfall und Erbrechen. In der Regel haben die Betroffenen kein Fieber.

Durchfall und Erbrechen können leicht bis schwer auftreten. Bei schweren Infektionen geht bei Erwachsenen pro Stunde knapp ein Liter an Wasser und Salz verloren. Der Stuhl erscheint grau und enthält Schleimspuren. Er wird auch als Reiswasserstuhl bezeichnet. Innerhalb von Stunden kann es zu einer schweren Dehydratation kommen, wodurch unstillbarer Durst, Muskelkrämpfe und Schwäche hervorgerufen werden. Es wird nur wenig Urin produziert. Die Augen können einfallen und die Haut an den Fingern kann verrunzeln. Wird die Dehydratation nicht behandelt, kann der Wasser- und Salzverlust zu Nierenversagen, Kreislaufschock, Koma und Tod führen.

Bei den Überlebenden klingen die Symptome gewöhnlich nach 3 bis 6 Tagen ab. Nach 2 Wochen haben die meisten Betroffenen keine Cholerabakterien mehr im Körper. Bei einigen wenigen bleiben die Bakterien im Körper, ohne jedoch Symptome hervorzurufen. Diese Menschen gelten als Träger der Bakterien.

Diagnose

  • Kultur einer Stuhlprobe

Der Arzt nimmt eine Stuhlprobe oder einen Abstrich aus dem Rektum. Diese Probe wird dann ins Labor geschickt, wo aus etwaigen Cholerabakterien Kulturen angelegt werden. Die Identifizierung von Vibrio cholerae in der Probe bestätigt die Diagnose. Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) kann verwendet werden, um die Menge an bakterieller DNS in der Probe zu erhöhen, sodass die Bakterien schneller nachgewiesen werden können.

Es werden Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt, um Dehydratation und Nierenfunktion zu beurteilen.

Vorbeugung

Folgende Maßnahmen sind zur Vorbeugung gegen Cholera unerlässlich:

  • Trinkwasseraufbereitung

  • Angemessene Entsorgung von menschlichen Ausscheidungen

In Gebieten, in denen Cholera bereits vorkommt, sind weitere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:

  • Verwendung von abgekochtem oder gechlortem Wasser

  • Vermeidung des Verzehrs von ungekochtem Obst und Gemüse sowie von unzureichend gegartem Fisch und Schalentieren

Schalentiere können auch noch andere Vibrio-Arten enthalten.

Impfstoffe

In den USA ist für 18- bis 64-jährige Personen, die in Gegenden reisen, in denen Cholera vorkommt, ein Choleraimpfstoff verfügbar. Er wird als Einzeldosis über den Mund eingenommen. Ob dieser Impfstoff über mehr als 3 bis 6 Monate hinaus wirksam ist, ist jedoch unbekannt.

Außerhalb der USA sind zwei weitere Impfstoffe gegen Cholera verfügbar. Diese Impfstoffe bieten einen 60- bis 85-prozentigen Schutz bis zu 5 Jahre lang. Die Impfstoffe werden in zwei Dosen über den Mund eingenommen. Auffrischimpfungen nach 2 Jahren werden denjenigen Personen empfohlen, die ein anhaltendes Risiko einer Cholerainfektion aufweisen.

Behandlung

  • Salzhaltige Flüssigkeit

  • Ein Antibiotikum

Ersetzen der verlorenen Körperflüssigkeit und Salze

Die rasche Zufuhr der verlorenen Körperflüssigkeit und Salze ist lebensrettend. Die meisten Patienten können durch orale Verabreichung einer Lösung wirksam behandelt werden. Diese Lösungen wurden entwickelt, um die vom Körper verlorene Flüssigkeit zu ersetzen.

Bei stark dehydrierten Patienten, die nicht trinken können, wird intravenös eine Salzlösung verabreicht.

Wenn bei einer Epidemie keine intravenösen Lösungen vorhanden sind, erhalten die Betroffenen eine Salzlösung, die über den Mund eingenommen oder bei Bedarf über einen Schlauch durch die Nase direkt in den Magen geleitet wird. Nachdem genügend Flüssigkeit ersetzt wurde, um die Symptome zu lindern, sollten die Patienten zumindest genug von der Salzlösung trinken, um die aufgrund von Durchfall und Erbrechen verloren gegangene Flüssigkeit zu ersetzen.

Die Patienten sollen außerdem so viel Wasser trinken, wie sie mögen. Feste Nahrung kann wieder gegessen werden, sobald das Erbrechen aufhört und der Appetit zurückkehrt.

Mehr als 50 Prozent der unbehandelten Patienten mit schwerer Cholera sterben. Von denjenigen, die rechtzeitig einen ausreichenden Flüssigkeitsersatz erhalten, sterben weniger als 1 Prozent.

Antibiotika

Um die Schwere des Durchfalls zu lindern und diesen schneller zu stoppen, wird in der Regel ein Antibiotikum verabreicht. Außerdem ist bei Patienten, die Antibiotika einnehmen, die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit während eines Ausbruchs weiter zu verbreiten, geringer.

Es werden zum Beispiel Doxycyclin, Azithromycin und Ciprofloxacin angewendet. All diese Antibiotika werden oral eingenommen. Die Auswahl der Antibiotika erfolgt je nachdem, welche gegen die vor Ort vorhandenen Cholerabakterien wirksam sind. Da sich durch die Einnahme von Doxycyclin bei Kindern unter 8 Jahren die Zähne verfärben können, wird ihnen stattdessen Azithromycin verabreicht.

Weitere Informationen

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