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Hodgkin-Lymphom

(Hodgkin-Lymphom, Hodgkin-Krankheit)

Von

Thomas E. Witzig

, MD, Mayo Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Quellen zum Thema

Das Hodgkin-Lymphom erkennt man an einer besonderen Art von Krebszellen, die „Reed-Sternberg-Riesenzellen‟ genannt werden.

  • Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt.

  • Die Lymphknoten sind vergrößert, schmerzen in der Regel aber nicht.

  • Je nachdem, wo die Krebszellen wachsen, können sich andere Symptome wie Fieber, Juckreiz und Kurzatmigkeit entwickeln.

  • Zur Diagnose ist eine Lymphknotenbiopsie erforderlich.

  • Für die Behandlung werden Chemotherapie, Chemoimmuntherapie und Strahlenbehandlung angewandt.

  • Die meisten Patienten werden geheilt.

Lymphome sind Krebserkrankungen einer besonderen Art von weißen Blutkörperchen, den Lymphozyten. Diese Zellen helfen sonst bei der Bekämpfung von Infektionen. Lymphome können sich entweder aus B- oder aus T-Lymphozyten entwickeln. T-Lymphozyten sind für die Steuerung des Immunsystems und die Bekämpfung von Virusinfektionen wichtig. B-Lymphozyten produzieren Antikörper.

In Deutschland kommen jährlich 9.000 neue Hodgkin-Lymphom-Fälle dazu. Die Krankheit ist bei Männern häufiger als bei Frauen – auf zwei betroffene Frauen kommen rund drei Männer. Das Hodgkin-Lymphom tritt selten bei Kindern unter 10 auf. Am häufigsten ist es bei Menschen zwischen 15 und 40 Jahren und bei den über 60-Jährigen.

Ursachen

Die Ursachen des Hodgkin-Lymphoms sind unbekannt. Der Kontakt (die sogenannte Exposition) mit bestimmten Viren und Bakterien spielt jedoch möglicherweise eine Rolle. Zu den vermuteten infektiösen Ursachen eines Hodgkin-Lymphoms gehören das Epstein-Barr-Virus, Mycobacterium tuberculosis (das Tuberkulose verursacht), Herpesvirus Typ 6 und das humane Immunschwäche-Virus (HIV). Es kann auch einen Zusammenhang mit der Vererbung geben. Zwar gibt es Familien, in denen mehr als eine Person das Hodgkin-Lymphom hat, es ist aber nicht ansteckend. Die routinemäßige Vorsorgeuntersuchung von Kindern und Geschwistern wird nicht empfohlen.

Andere Personen, für die ein Risiko besteht, am Hodgkin-Lymphom zu erkranken, sind jene mit:

Symptome

Das Hodgkin-Lymphom wird gewöhnlich entdeckt, wenn bei einem Patienten ein oder mehrere Lymphknoten vergrößert sind, meistens am Hals, aber manchmal auch in der Achselhöhle oder Leistenbeuge. Die Vergrößerungen sind normalerweise schmerzlos, können aber in seltenen Fällen einige Stunden nach dem Genuss von Alkohol wehtun.

Patienten mit dem Hodgkin-Lymphom haben manchmal auch Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Manchmal leiden sie auch unter Juckreiz und Erschöpfung. Einige Patienten haben mehrere Tage lang ein ungewöhnliches Temperaturmuster, bei dem die Temperatur einige Tage lang erhöht und dann einige Tage oder Wochen wieder normal bzw. deutlich gesenkt ist. Dies wird manchmal als Pel-Ebstein-Fieber bezeichnet. Weitere Symptome treten vornehmlich dort auf, wo die Krebszellen wachsen. Vergrößerte Lymphknoten in Brustraum können die Luftwege teilweise verengen und reizen, wodurch Husten, Brustbeschwerden oder Kurzatmigkeit entstehen. Eine vergrößerte Milz oder Lymphknoten können Beschwerden im Bauchraum verursachen.

Tabelle
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Symptome des Hodgkin-Lymphoms

Symptome*

Ursache

Allgemeine Schwäche und Erschöpfung infolge zu weniger roter Blutkörperchen (Anämie)

Infektionen und Fieber, was auf zu wenige weiße Blutkörperchen zurückzuführen ist.

Blutungen, die auf zu wenige Blutplättchen zurückzuführen sind.

Möglicherweise Knochenschmerzen, wenn die Knochen betroffen sind.

Lymphomzellen dringen ins Knochenmark ein.

Verlust der Muskelkraft

Heiserkeit

Vergrößerte Lymphknoten pressen die Nerven im Rückenmark oder die Nerven zu den Stimmbändern zusammen.

Lymphomzellen blockieren den Gallenfluss aus der Leber.

Schwellungen an Beinen und Füßen (Lymphödem)

Lymphomzellen blockieren den Lymphabfluss in den Beinen.

Husten und Kurzatmigkeit

Die Lymphomzellen haben die Lunge befallen.

Geschwächte Abwehr gegen Infektionen und erhöhte Bereitschaft für Pilz- und Virusinfektionen

Die Krankheit dehnt sich weiter aus.

*Einige dieser Symptome können aus mehreren Gründen auftreten.

Diagnose

  • Lymphknotenbiopsie

Das Hodgkin-Lymphom wird vermutet, wenn sich die Lymphknoten langsam und schmerzlos über mehrere Wochen hinweg vergrößern, ohne dass eine offensichtliche Infektion vorliegt. Der Verdacht erhärtet sich, wenn zusätzlich Fieber, nächtliche Schweißausbrüche und Gewichtsverlust vorliegen. Ein plötzliches, schmerzhaftes Anschwellen der Lymphknoten, wie es bei einer Erkältung oder Infektionskrankheit vorkommt, ist nicht typisch für das Hodgkin-Lymphom. Manchmal werden vergrößerte Lymphknoten tief im Brustkorb oder im Bauchraum zufällig durch eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs oder CT entdeckt, die aus einem anderen Grund vorgenommen wurde.

Auffälligkeiten im Blutbild und weitere Blutuntersuchungen können den Verdacht erhärten. Um die Krankheit sicher zu diagnostizieren, muss der Arzt eine Biopsie des betroffenen Lymphknotens vornehmen, um zu prüfen, ob er normal ist und ob Reed-Sternberg-Riesenzellen vorhanden sind. Reed-Sternberg-Riesenzellen sind große Krebszellen mit mehr als einem Kern (einer Struktur in einer Zelle, die das genetische Material der Zelle enthält). Ihr unverwechselbares Aussehen kann erkannt werden, wenn eine Biopsieprobe des Lymphknotengewebes unter dem Mikroskop untersucht wird.

Die Art der Biopsie hängt davon ab, welcher Knoten vergrößert ist und wie viel Gewebe gebraucht wird. Es muss genügend Gewebe gewonnen werden, um das Hodgkin-Lymphom von anderen Krankheiten unterscheiden zu können, die gleichfalls mit einer Vergrößerung von Lymphknoten einhergehen können, einschließlich des Non-Hodgkin-Lymphoms, Infektionen, Entzündungen oder anderer Krebsarten.

Die beste Art, genügend Gewebe zu erhalten, ist eine exzisionale Biopsie (ein kleiner Einschnitt, um einen Teil des Lymphknotens zu entfernen). Gelegentlich, wenn sich ein vergrößerter Lymphknoten nahe an der Körperoberfläche befindet, kann eine ausreichende Menge Gewebe durch Einführen einer hohlen Nadel (unter Ultraschall- oder CT-Sicht) durch die Haut und in den Lymphknoten gewonnen werden (Nadelbiopsie). Wenn sich ein vergrößerter Lymphknoten tief im Inneren von Bauch oder Brustbereich befindet, ist eventuell eine Operation notwendig, um Gewebe zu erhalten.

Stadieneinteilung

  • Bildgebende Verfahren

  • Manchmal Knochenmarkbiopsie

Bevor eine Behandlung beginnen kann, muss der Arzt prüfen, wie weit sich das Lymphom im Körper verbreitet hat – das Stadium der Krankheit. Die Wahl der Behandlung und die Prognose hängen von dem Stadium ab. Bei einer anfänglichen Untersuchung wird vielleicht nur ein einzelner vergrößerter Lymphknoten gefunden, aber wenn Verfahren eingesetzt werden, um herauszufinden, ob und wo sich das Lymphom ausgebreitet hat (Stadieneinteilung), ergeben diese vielleicht, dass die Krankheit sich deutlich weiter verbreitet hat.

Die Krankheit wird anhand des Ausmaßes der Ausbreitung in vier Stadien eingeteilt (I, II, III, IV). Je höher die Zahl, desto mehr hat sich das Lymphom ausgebreitet. Die vier Krankheitsstadien sind wiederum danach unterteilt, ob jeweils eines oder mehrere der folgenden Symptome fehlen (Gruppe A) oder vorhanden sind (Gruppe B):

  • Unerklärliches Fieber (mehr als 37,5 °C während drei aufeinanderfolgender Tage)

  • Nachtschweiß

  • Unerklärlicher Gewichtsverlust von mehr als 10 Prozent des Körpergewichtes in den vorangegangenen 6 Monaten

Beispielsweise wird ein Hodgkin-Lymphom im zweiten Stadium bei einem Patienten mit Nachtschweiß als „Stadium IIB‟ bezeichnet.

Mit verschiedenen Verfahren werden die Stadien des Hodgkin-Lymphoms festgestellt und beurteilt. Grundlegende Bluttests, einschließlich Untersuchungen der Leber- und Nierenfunktion, Tests auf das HI-Virus und auf eine Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Infektion und Computertomographien (CT) von Brustkorb, Bauch und Becken sind Standard. Die CT kann die vergrößerten Lymphknoten und die auf Leber und andere Organe verteilten Lymphome ziemlich genau feststellen.

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit Computertomographie (kombiniertes PET-CT) ist die empfindlichste Methode, um das Stadium des Hodgkin-Lymphoms zu bestimmen und um zu beurteilen, wie gut der Patient auf die Behandlung anspricht. Da die PET lebendes Gewebe erkennt, kann dieses bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um nach einer Behandlung Narbengewebe von einem aktiven Hodgkin-Lymphom zu unterscheiden (auch wenn eine PET nicht immer korrekt ist, weil Entzündungen ebenfalls von einer PET erkannt werden können).

Wenn keine kombinierte PET-CT-Aufnahme zur Verfügung steht, werden stattdessen eine Kontrast-CT des Brustkorbs, des Bauchraums, des Beckens sowie eine Knochenmarkbiopsie durchgeführt. Andere Tests wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns oder des Rückenmarks werden durchgeführt, wenn Symptome vorhanden sind, die das Nervensystem betreffen.

Die meisten Patienten mit dem Hodgkin-Lymphom benötigen keine Operation, um zu bestimmen, ob sich die Krankheit auf den Bauch ausgebreitet hat, weil die PET-Aufnahme so genau ist und weil alle Patienten Chemotherapie bekommen, die das Lymphom unabhängig davon behandelt, wo es sich befindet.

Tabelle
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Stadien des Hodgkin-Lymphoms

Stadium

Ausmaß der Verbreitung

Wahrscheinlichkeit der Heilung*

I

Auf eine Lymphknotenregion beschränkt

Mehr als 80 Prozent

II

Betrifft zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf derselben Seite des Zwerchfells, darüber oder darunter (zum Beispiel vergrößerte Lymphknoten im Hals und in der Achselhöhle)

Mehr als 80 Prozent

III

Betrifft die Milz und/oder Lymphknotenregionen über und unter dem Zwerchfell (zum Beispiel vergrößerte Lymphknoten im Hals und im Leistenbereich)

70 bis 80 Prozent

IV

Betrifft neben den Lymphknoten auch andere Teile des Körpers (zum Beispiel Knochenmark, Lunge oder Leber)

Mehr als 50 Prozent

*Patienten haben 5 Jahre lang ohne weitere Erkrankung überlebt.

Eine Lymphknotenregion ist ein Bereich des Körpers mit Gruppen von Lymphknoten, die Lymphflüssigkeit abtransportieren.

Behandlung und Prognose

  • Chemotherapie

  • Strahlentherapie

  • Operation

  • Manchmal Stammzelltransplantation

Mit Chemotherapie, mit oder ohne Strahlentherapie, können die meisten Patienten mit dem Hodgkin-Lymphom geheilt werden.

Chemotherapie wird für alle Stadien der Krankheit eingesetzt. Im Allgemeinen wird mehr als ein Chemotherapeutikum verwendet. Mehrere Kombinationen können verwendet werden. Eine Involved-Field-Bestrahlung (eine Strahlenbehandlung, bei der nur die betroffenen Körperteile bestrahlt werden und bei der eine Bestrahlung der nicht betroffenen Körperteile vermieden wird) kann nach der Chemotherapie noch hinzukommen. Die Strahlenbehandlung wird im Allgemeinen im Laufe von 3 bis 4 Wochen ambulant vorgenommen.

Ungefähr 85 Prozent der Patienten mit Stadium I oder II der Krankheit werden entweder nur mit Chemotherapie oder mit einer Chemotherapie plus Involved-Field-Bestrahlung geheilt. Die Heilungsquote bei Patienten mit Stadium III liegt bei 70 - 80 Prozent. Auch die Heilungsquote bei Patienten mit Stadium IV der Krankheit liegt noch bei über 50 Prozent.

Zwar verbessert eine Chemotherapie die Heilungschancen erheblich, aber die Nebenwirkungen können schwer sein. Diese Medikamente können zu Folgendem führen:

  • Vorübergehende oder dauerhafte Unfruchtbarkeit

  • Erhöhtes Infektionsrisiko

  • Potenzielle Schädigung anderer Organe wie Herz oder Lunge

  • Umkehrbarer Haarausfall

Strategien vor der Behandlung

Vor der Behandlung und zu gegebenen Zeitpunkten sollte es Männern angeboten werden, Sperma einfrieren zu lassen. Mit Frauen sollten die Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit (Fertilität) zusammen mit einem Onkologen und einem Fertilitätsspezialisten besprochen werden.

Strategien nach der Behandlung

Nach der Strahlenbehandlung besteht ein erhöhtes Krebsrisiko, wie Lungen-, Brust- oder Magenkrebs, der 10 oder mehr Jahre nach der Behandlung der Organe auftritt, die bestrahlt wurden. Unabhängig von der verwendeten Behandlung können sich das Non-Hodgkin-Lymphom und Leukämie bei einigen Patienten viele Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung des Hodgkin-Lymphoms entwickeln.

Ein Patient, der sich nach der anfänglichen Behandlung in Remission befindet (die Krankheit ist unter Kontrolle), dann aber einen Rückfall hat (Lymphomzellen erscheinen), kann mit einer Sekundärtherapie dennoch geheilt werden. Die Heilungsrate für Patienten mit einem Rückfall beträgt mindestens 50 Prozent. Unter den Patienten, die innerhalb der ersten 12 Monate nach der anfänglichen Behandlung einen Rückfall haben, sind die Heilungsquoten etwas geringer, wogegen sie bei Patienten mit einem späteren Rückfall etwas höher sind.

Patienten, die nach der anfänglichen Behandlung einen Rückfall haben, werden in der Regel mit einer Zweitlinienchemotherapie mit einer anschließenden Hochdosis-Chemotherapie und einer autologen Stammzelltransplantation behandelt, bei der die Stammzellen des Patienten verwendet werden. Eine Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzellentransplantation ist im Allgemeinen ein sicheres Verfahren, mit weniger als 1 bis 2 Prozent Todesfällen im Zusammenhang mit der Behandlung. Zur Behandlung von Patienten mit einem Rückfall werden auch neuere Medikamente verwendet. Diese gehören einer Medikamentenklasse an, die als Immuntherapie bezeichnet wird und aus Antikörpern besteht, die Krebszellen angreifen.

Nach Abschluss der Behandlung werden regelmäßige ärztliche Untersuchungen und Tests vorgenommen, um über einen Zeitraum von 5 Jahren nach einer Rückkehr des Lymphoms zu suchen (Nachuntersuchungen). Die Tests umfassen typischerweise Blutuntersuchungen und CTs von Brustkorb und Becken. Nach einer Strahlenbehandlung werden ebenfalls Tests wie Mammographien oder Magnetresonanztomographien (MRT) von Brust und Schilddrüse vorgenommen, um zu sehen, ob sich neuer Krebs in diesen Organen entwickelt hat.

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