Lymphödem

Vollständige Überprüfung: März 2026 VonJames D. Douketis, MD, McMaster University | Peer-Review durchJonathan G. Howlett, MD, Cumming School of Medicine, University of Calgary
Letzte Aktualisierung: März 2026
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Kurzinformationen

Das Lymphödem ist eine Ansammlung von Lymphe im Gewebe, die zu einer Schwellung führt.

  • Sind die Lymphgefäße verletzt oder blockiert, kann die Lymphflüssigkeit nicht abfließen und sammelt sich im Gewebe an, das anschwillt.

  • Kompressionsverbände oder pneumatische Kompressionsstrümpfe können die Schwellung reduzieren.

Das Lymphsystem stellt eines der körpereigenen Abwehrsysteme gegen die Ausbreitung von Infektionen und Krebs dar. Lymphe ist eine durchsichtige Flüssigkeit, die aus Wasser, weißen Blutkörperchen, Proteinen und Fetten besteht, welche aus den Blutgefäßen in die Zwischenräume zwischen den Zellen gefiltert wurden. Ein Teil der Flüssigkeit wird erneut von den Blutgefäßen aufgenommen. Der Rest tritt aber in die Lymphgefäße ein. Die Lymphe durchläuft dann die Lymphknoten, winzige, bohnenförmige Organe, die die Lymphe filtern und als spezielle Sammelpunkte für die Filterung und Zerstörung von geschädigten Zellen, infektiösen Organismen und Krebszellen fungieren. Lymphknoten sind im gesamten Körper zu finden, dabei insbesondere unter der Haut am Hals, in den Achselhöhlen und der Leistengegend. Bei Vorhandensein vieler solcher Zellen schwellen die Lymphknoten an. Manchmal verursachen die Organismen eine Infektion der Lymphknoten.

Ursachen eines Lymphödems

Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphsystem die Lymphe nicht ausreichend aus dem Gewebe befördern kann. Lymphödeme werden folgendermaßen eingeteilt:

  • Primäres Lymphödem: Durch ein Unterentwicklung des Lymphsystems verursacht

  • Sekundäres Lymphödem: Durch einen Blockierung des Lymphsystems verursacht

Primäres Lymphödem

Primäre Lymphödeme entstehen, wenn zu wenige Lymphgefäße vorhanden sind (oder die Lymphgefäße zu klein sind oder nie gebildet wurden), um die gesamte Lymphe aufzunehmen. Das Problem betrifft fast immer die Beine. In seltenen Fällen sind die Arme betroffen.

Mehrere Erbkrankheiten können ein primäres Lymphödem verursachen. Diese Krankheiten unterscheiden sich, je nachdem, in welchem Alter die Schwellung sichtbar wird.

Nur selten sind bereits nach der Geburt Schwellungen zu sehen, gewöhnlich reicht die Kapazität der Lymphgefäße für die kleine Menge Lymphe bei einem Baby noch aus. Schwellungen treten meist erst später im Leben auf, wenn es mehr Lymphe gibt und sie die wenigen Lymphgefäße überlastet.

Die Schwellung beginnt allmählich in einem oder in beiden Beinen. Das erste Anzeichen eines Lymphödems können Schwellungen des Fußes sein, sodass einem am Ende des Tages die Schuhe zu eng werden. Der Schuh kann einen Abdruck auf der Haut des Fußes hinterlassen. (Bei vielen Menschen, deren Füße anschwellen, wenn sie lange gestanden sind, haben eine venöse Insuffizienz aufgrund schwacher oder geschädigter Klappen in den Beinvenen und nicht aufgrund eines Lymphödems. Nach dem Tragen von Knöchelsocken kann es bei ihnen zwar zu Druckstellen um die Knöchel kommen, aber die Markierungen sind viel weniger tief als die bei einem Lymphödem und der umgebende Bereich ist nicht geschwollen.)

Im Frühstadium eines primären Lymphödems geht die Schwellung zurück, wenn das Bein hochgelagert wird. Mit der Zeit verschlimmert sich die Krankheit. Die Schwellung wird immer deutlicher und geht auch nach nächtlicher Ruhe nicht mehr vollständig zurück.

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Sekundäres Lymphödem

Die überwältigende Mehrheit der Fälle geht auf sekundäre Lymphödeme zurück, womit sie häufiger vorkommen als primäre Lymphödeme. Üblicherweise tritt es nach großen Operationen auf, vor allem nach Krebsoperationen, bei denen Lymphknoten oder -gefäße entfernt oder mit Strahlen behandelt wurden. Beispielsweise neigt der Arm dazu, anzuschwellen, wenn Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt wurden, was am häufigsten im Rahmen einer Brustkrebs-Behandlung erfolgt.

Vernarbungen nach wiederholten Infektionen der Lymphgefäße können ebenfalls ein sekundäres Lymphödem verursachen, aber das ist sehr selten außer bei Menschen, die an einer Infektion mit tropischen Parasiten, den Filarien, (Filariose) leiden.

Beim Lymphödem ist die Haut zwar aufgedunsen oder geschwollen, sieht aber gesund aus. Drückt man mit dem Finger auf den Bereich, bleibt dieser kurz eingedrückt. Mit zunehmender Schwere des Lymphödems wird die Haut dicker. Sie kann sich verfärben und einer Orangenschale ähneln (Orangenhaut). Kommt es zu dieser Hautveränderung, hinterlässt ein Fingerdruck keinen so deutlichen Abdruck wie bei einem Ödem, das auf unzureichender Durchblutung der Venen beruht. Selten, besonders bei Filariose, werden die geschwollenen Gliedmaßen extrem groß, die Haut wird dick und borkig, sodass sie beinahe wie Elefantenhaut aussieht. Diese Krankheit nennt man Elefantiasis.

Komplikationen

Es kann zu einer Lymphangitis kommen, wenn durch eine Pilzinfektion, durch die Risse in der Haut zwischen den Zehen entstehen, oder Einschnitte in die Haut Bakterien in die Haut gelangen. Die betroffene Gliedmaße rötet sich (bei dunkler Hautfarbe wird die Haut möglicherweise nur dunkel) und fühlt sich warm an. Rote Streifen können sich von der Stelle, an der die Bakterien eingedrungen sind, zum Rumpf hin ausbreiten und es kann zu einer Lymphadenopathie (geschwollene Lymphknoten) kommen. Selten stirbt die Haut ab, was zu einer lokalen Infektion führen kann.

Ein seit Langem bestehendes Lymphödem führt in seltenen Fällen zu einer Krebserkrankung, die als Lymphangiosarkom (Stewart-Treves-Syndrom) bezeichnet wird. Das geschieht in der Regel, wenn eine Brustentfernung (Mastektomie) oder andere operative Krebsbehandlungen und Strahlentherapie durchgeführt wurden, und gelegentlich, wenn eine Filariose vorliegt.

Diagnose eines Lymphödems

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Ultraschall

  • Manchmal andere bildgebende Verfahren (CT, MRT oder Lymphszintigraphie)

Die Diagnose eines Lymphödems basiert in der Regel auf den Symptomen des Betroffenen und der ärztlichen Untersuchung.

Oftmals wird mit einem Ultraschall bestimmt, ob ein Blutgerinnsel (tiefe Venenthrombose) die Schwellung verursacht.

Manchmal ist ein Bildgebungstest wie eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) nötig, um die genaue Stelle der Blockade zu finden. Die Lymphgefäße selbst können untersucht werden, entweder mithilfe spezieller MRT-Aufnahmen mit Kontrastmittel (MR-Lymphangiographie) oder radioaktiver Isotope, die durch die Lymphgefäße fließen und die auf der Aufnahme sichtbar sind (Lymphszintigraphie).

In Gebieten, in der die Filariose verbreitet ist, könnte ein Test auf diesen Parasiten nötig sein.

Behandlung eines Lymphödems

  • Flüssigkeitsansammlung verringern

  • Manchmal Operation

Ein Lymphödem ist nicht heilbar.

Die Behandlung eines Lymphödems umfasst in der Regel Maßnahmen zur Verringerung der Lymphansammlung in einer Gliedmaße. Diese können Folgendes umfassen:

  • Manuelle Lymphdrainage

  • Kompressionsbandagen oder -strümpfe oder intermittierende pneumatische Kompressionsstrümpfe oder -ärmel

  • Bewegung der Gliedmaße

Bei Patienten mit Lymphödem kann eine manuelle Lymphdrainage hilfreich sein. Dabei wird die betroffene Gliedmaße nach oben gelagert und mit der Hand massiert, um die Flüssigkeit abfließen zu lassen (Drainage). Besondere Übungen für die Gliedmaßen und Kompressionsstrümpfe an den Beinen oder -ärmel für die Arme können auch dabei helfen, die Schwellung zu vermindern.

Schwerer beeinträchtigte Personen können jeden Tag mehrere Stunden, je nach Symptomschwere, intermittierend pneumatische Kompressionsstrümpfe tragen, um die Schwellung zu reduzieren. Ist sie etwas zurückgegangen, müssen die Betroffenen jeden Tag vom Aufstehen bis zum Schlafengehen graduierte Kompressionsstrümpfe bis zu den Knien oder den Oberschenkeln tragen. Diese Strümpfe üben Druck auf die Knöchel und weniger Druck weiter oben auf das Bein aus. Dadurch wird die Schwellung bis zu einem gewissen Grad kontrolliert.

Bei Lymphödemen im Arm können jeden Tag pneumatische Kompressionsärmel (ähnlich den Strümpfen) getragen werden, um die Schwellung zu verringern. Es sind auch elastische Ärmel erhältlich.

Die Kombination aus manueller Lymphdrainage, Kompressionsstrümpfen/-ärmeln oder -geräten, Bewegung und Hautpflege wird als komplexe (oder vollständige) abschwellende Therapie bezeichnet.

Manchmal werden primäre und sekundäre Lymphödeme mit einer Operation behandelt, um das geschwollene Gewebe unter der Haut zu entfernen und neue Kanäle zur Lymphdrainage zu schaffen.

Lymphödem-Patienten können eine Verschlimmerung der Symptome eventuell vermeiden, indem sie Wärme, starke körperliche Anstrengung und enge Kleidung um den betroffenen Arm oder das betroffene Bein meiden. Zur Vermeidung einer Infektion muss besonders auf die Haut- und Nagelpflege geachtet werden. Ärzte versuchen, medizinische Verfahren am betroffenen Arm zu vermeiden, wie Impfungen, Blutentnahme, Blutdruckmessung und das Einsetzen intravenöser Geräte.

Personen, die aufgrund von Brustkrebs operiert wurden, werden überwacht, um zu sehen, ob es zu einem Lymphödem am Arm kommt.

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