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Manifestationen von Infektion

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Eine Infektion kann sich lokal manifestieren (z. B. Zellulitis, Abszess) oder systemisch, meistens durch Fieber. Es kann auch in mehreren Organsystemen zu Manifestationen kommen. Schwere, generalisierte Infektionen können lebensbedrohlichen Komplikationen aufweisen (z. B. Sepsis und septischer Schock). Die meisten Manifestationen werden durch eine erfolgreiche Therapie der zugrunde liegenden Krankheit aufgelöst.

Klinische

Die meisten Infektionen führen zu einer Erhöhung der Pulsfrequenz und Körpertemperatur, bei manch anderen (z. B. Typhus, Tularämie, Brucellose und Dengue-Fieber) kommt es aber in der Regel nicht zu einem fieberadäquaten Anstieg der Pulsfrequenz (relative Bradykardie). Hypotonie kann als Folge einer Hypovolämie, eines septischen Schocks oder toxischen Schocks auftreten. Häufig kommt es zu einer Hyperventilation und respiratorischen Alkalose.

Sensorische Veränderungen (Enzephalopathien) können bei schweren Infektionen auch ohne eine zerebrale Infektion vorkommen. Sie kommen am häufigsten und ausgeprägtesten bei älteren Menschen vor und verursachen Ängstlichkeit, Verwirrung, Delirium, Stupor, Krämpfen und Koma.

Hämatologische

Infektionskrankheiten führen in der Regel zum Anstieg reifer und unreifer zirkulierender neutrophiler Granulozyten. Hierbei kommt es zur Demargination und Freisetzung unreifer Granulozyten aus dem Knochenmark, der Interleukin-1- und Interleukin-6-vermittelten Freisetzung von Neutrophilen aus dem Knochenmark sowie zur Freisetzung von Kolonie-stimulierendem Faktor durch Makrophagen, Lymphozyten und andere Zellarten. Eine überschießende Reaktion (z. B. bei Trauma, Entzündung und ähnlichen Stresssituationen) kann zu einer exzessiven Freisetzung unreifer Leukozyten in den Blutkreislauf führen (leukämische Reaktion), mit Leukozytenwerten bis zu 25–30 × 109/l.

Im Gegensatz dazu verursachen manche Infektionen (z. B. Typhus, Brucellose) in der Regel eine Leukopenie. Bei fulminanten, schweren Infektionen ist eine deutliche Leukopenie oft ein prognostisch ungünstiges Zeichen.

In neutrophilen Granulozyten septischer Patienten werden charakteristische morphologische Veränderungen (Döhle-Körperchen, toxische Granulationen, Vakuolisierung) beobachtet.

Eine Anämie kann sich trotz ausreichender Gewebeeisenspiegel entwickeln. Wenn die Anämie chronisch ist, handelt es sich um eine normochrome, normozytische Anämie, die durch ein niedriges Serum-Eisen, eine niedrige Gesamteisenbindungskapazität und normales bis erhöhtes Serumferritin gekennzeichnet ist. S chwere Infektionen können eine Thrombozytopeniae und eine Verbrauchskoagulopathie (DIC) hervorrufen.

Weitere Organsysteme

Die Lungen-Compliance kann sich vermindern und zu einem akuten Atemnotsyndrom(ARDS) und zu einer muskulären Ateminsuffizienz entwickeln.

Renale Manifestationen reichen von einer minimalen Proteinurie bis hin zu einem akuten Nierenversagen, das durch den Schockzustand, eine akute tubuläre Nekrose, eine Glomerulonephritis oder eine tubulointerstitielle Krankheit ausgelöst werden kann.

Leberfunktionsstörungen, inklusive cholestatischen Ikterus (oft ein prognostisch ungünstiges Zeichen) oder hepatozellulärer Dysfunktion, kommen bei vielen Infektionskrankheiten vor, sogar dann, wenn der Erreger nicht in der Leber lokalisiert ist. Blutungen des oberen Gastrointestinaltrakts können während einer Sepsis aufgrund von Stressulzera ebenfalls auftreten.

Endokrinologische Dysfunktionen

  • Erhöhte Produktion des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons, Vasopressin, Insulin, und Glucagon

  • Abbau der Skelettmuskelproteine und Muskelschwund sekundär zu erhöhten metabolischen Anforderungen

  • Knochendemineralisation

Hypoglykämie tritt selten in der Sepsis, aber Nebenniereninsuffizienz sollte bei Patienten mit Hypoglykämie und Sepsis in Betracht gezogen werden. Hyperglykämie kann ein frühes Zeichen der Infektion bei Diabetikern sein.

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