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Opstipation

Von

Jonathan Gotfried

, MD, Lewis Katz School of Medicine at Temple University

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2020
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Quellen zum Thema

Keine Körperfunktion ist variabler und so stark von äußerlichen Einflüssen abhängig wie die Defäkation. Die Stuhlgewohnheiten sind von Mensch zu Mensch außerordentlich unterschiedlich und werden durch Physiologie und Diät sowie durch soziale und kulturelle Faktoren beeinflusst. Manche Menschen machen sich ungerechtfertigte Sorgen über ihr Stuhlverhalten. In der westlichen Welt schwankt die Frequenz des normalen Stuhlverhaltens zwischen zwei- bis dreimal täglich bis zu zwei- bis dreimal pro Woche.

Viele Menschen nehmen fälschlicherweise an, dass täglicher Stuhlgang notwendig sei, und beschweren sich über Verstopfung, wenn der Stuhlgang seltener auftritt. Andere sind besorgt um das Aussehen (Menge, Form, Farbe) sowie die Konsistenz des Stuhls. Manchmal besteht die Haupteschwerde in Unzufriedenheit mit dem Vorgang der Defäkation oder dem Gefühl der unvollständigen Entleerung nach der Defäkation. Die Obstipation wird für viele Beschwerden verantwortlich gemacht (Bauchschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Appetitverlust), die in Wirklichkeit Symptome des zugrunde liegenden Problems sind (z. B. Reizdarmsyndrom oder Depression). Die Patienten sollten nicht erwarten, dass alle Symptome allein durch täglichen Stuhlgang gelindert werden. Maßnahmen zur Veränderung von Stuhlgewohnheiten sollten vorsichtig angewendet werden.

Zwanghafte Patienten haben das Gefühl Zwangsstörung (OCD) Eine Zwangsstörung (OCD) wird durch wiederkehrende, anhaltende, unerwünschte und aufdringliche Gedanken, Triebe oder Bilder (Obsessionen) charakterisiert und/oder durch repetitive Verhaltensweisen... Erfahren Sie mehr , dass sie ihren Körper täglich von „allem Unreinen“ befreien müssten. Diese Patienten verbringen oft extrem lange Zeiten auf der Toilette und entwickeln einen chronischen Abführmittelabusus.

Ätiologie

Bei vielen Patienten ist die Opstipation mit einem trägen Transport des Stuhls durch den Dickdarm verbunden. Diese Verzögerung kann durch Arzneimittel, organische Bedingungen, eine Störung der defäkatorischen Funktion (d. h. eine Dysfunktion des Beckenbodens) oder eine ernährungsabhängige Strörung bedingt sein(siehe Tabelle: Nahrungsmittel, die häufig die Gastrointestinalfunktion beeinflussen Nahrungsmittel, die häufig die Gastrointestinalfunktion beeinflussen Unter Obstipation versteht man erschwerten oder zu seltenen Stuhlgang, harte Stühle oder ein Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung. (Siehe auch Verstopfung bei Kindern.) Keine Körperfunktion... Erfahren Sie mehr ). Patienten mit gestörter Darmentleerung Dyschezie Unter Obstipation versteht man erschwerten oder zu seltenen Stuhlgang, harte Stühle oder ein Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung. (Siehe auch Verstopfung bei Kindern.) Keine Körperfunktion... Erfahren Sie mehr erzeugen keine ausreichenden rektalen Vortriebskräfte und können beim Stuhlgang den M. puborectalis oder den externen analen Schließmuskel oder beide nicht entspannen. Beim Reizdarmsyndrom weisen die Patienten Symptome (z. B. Bauchschmerzen und veränderte Stuhlgewohnheiten) auf, verfügen aber in der Regel über eine normale Darmpassage und normale anorektale Funktionen. Allerdings kann gleichzeitig ein aufgrund des Reizdarmsyndroms gestörter Stuhlgang vorliegen.

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Abklärung

Anamnese

Die Anamnese der bestehenden Erkrankung sollte eine das gesamte Leben des Patienten umfassende Anamnese in Bezug auf Stuhlfrequenz und -konsistenz sein, sie sollte klären, ob er sich anstrengen muss oder ob er perineale Manöver (z. B. Druck auf das Perineum, Gesäßbereich oder die recto-vaginale Wand) beim Stuhlgang anwendet, außerdem sollte die Zufriedenheit nach dem Stuhlgang abgefragt werden, einschließlich der Häufigkeit und Dauer der Verwendung von Abführmitteln oder Einläufen. Einige Patienten leugnen eine frühere Verstopfung, auf spezifische Fragen geben sie aber zu, täglich 15–20 Minuten für eine Stuhlentleerung zu verwenden. Vorkommen, Menge und Dauer von Blutbeimengungen im Stuhl sollten ebenfalls eruiert werden.

Bei einer Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen der zugrunde liegenden Erkrankungen gefahndet werden, einschließlich einer Änderung im Stuhlkaliber oder von Blut im Stuhl (Verdacht auf Krebs). Auch nach systemischen Symptomen, die eine chronische Krankheit vermuten lassen (z. B. Gewichtsverlust), sollte gesucht werden.

Die Anamnese sollte Fragen nach bekannten Ursachen einschließlich früheren abdominellen Operationen und Symptomen von metabolischen (z. B. Hypothyreoidismus, Diabetes mellitus) und neurologischen (z. B. Parkinson-Krankheit, multiple Sklerose, Rückenmarkverletzung) Erkrankungen stellen. Die Verwendung verschreibungspflichtiger und rezeptfreier Arzneimittel sollte sorgfältig festgestellt werden, wobei gezielt nach Anticholinergika und Opioiden zu fragen ist.

Körperliche Untersuchung

Es wird eine Ganzkörperuntersuchung mit Konzentration auf Zeichen einer Systemkrankheit inkl. Fieber und Kachexie durchgeführt. Abdominelle Massen sollten durch Palpation festgestellt werden. Eine rektale Untersuchung sollte nicht nur zur Feststellung von Fissuren, Stenosen, Blut oder Massen (einschließlich Koteinklemmung) erfolgen, sondern auch zur Beurteilung des analen Ruhetonus (der M. puborectalis erschlafft, wenn Patienten den Analsphinkter pressen), der perinealen Senkung während der simulierten Stuhlentleerung und der rektalen Sensibilität. Patienten mit Defäkationsstörungen zeigen einen erhöhten analen Ruhetonus (oder Anismus), eine reduzierte (< 2 cm) oder erhöhte (> 4 cm) perineale Senkung und/oder eine paradoxe Kontraktion des M. puborectalis während der simulierten Stuhlentleerung.

Warnhinweise

Bestimmte Befunde begründen den Verdacht auf eine ernstere Ursache der chronischen Verstopfung:

  • aufgetriebener, tympanitischer Bauch

  • Erbrechen

  • Blut im Stuhl

  • Gewichtsverlust

  • schwere Verstopfung, die erst kürzlich aufgetreten ist bzw. sich verschlimmert bei älteren Patienten

Interpretation der Befunde

Bestimmte Symptome (z. B. ein Gefühl der anorektalen Blockade, längere oder schwierige Defäkation, Notwendigkeit einer digitalen Ausräumung), insbesondere wenn sie mit abnormen (d. h. erhöhten oder verringerten) perinealen Bewegungen während der simulierten Stuhlentleerung verbunden sind, deuten auf eine Defäkationsstörung Dyschezie Unter Obstipation versteht man erschwerten oder zu seltenen Stuhlgang, harte Stühle oder ein Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung. (Siehe auch Verstopfung bei Kindern.) Keine Körperfunktion... Erfahren Sie mehr . Ein angespannter, aufgetriebener, tympanitischer Bauch, besonders wenn Übelkeit und Erbrechen bestehen, lässt eine mechanische Obstruktion vermuten.

Eine chronische Verstopfung mit mäßigen Bauchschmerzen bei einem Patienten, der seit langer Zeit Abführmittel anwendet, legt eine Darmträgheit nahe. Eine akute Verstopfung, die gleichzeitig mit der Einnahme eines Verstopfung fördernden Medikaments bei Patienten ohne verdächtige Untersuchungsergebnisse auftritt, lässt das Medikament als Ursache vermuten. Eine neu aufgetretene Verstopfung, die über Wochen besteht oder intermittierend mit zunehmender Häufigkeit und Intensität auftritt, ist bei Fehlen einer bekannten Ursache verdächtig für das Bestehen eines Dickdarmtumors Kolorektale Karzinome Kolorektale Karzinome sind extrem häufig. Symptome umfassen Blut im Stuhl und Veränderung der Stuhlgewohnheiten. Das Screening mit einer von mehreren Methoden wird für geeignete Populationen... Erfahren Sie mehr  Kolorektale Karzinome oder für andere Ursachen einer partiellen Darmobstruktion. Übermäßige Anstrengung oder eine verlängerte oder unbefriedigende Defäkation mit oder ohne analer digitation, lässt eine Defäkationsstörung vermuten. Patienten mit Stuhleinklemmung zeigen Krämpfe und einen Abgang von wässrigem Schleim oder Stuhlbestandteilen, die sich um die impaktierte Stuhlmasse gebildet haben und eine Diarrhö vortäuschen (Überlauf-Diarrhö).

Testverfahren

Die Untersuchung stützt sich auf das klinische Erscheinungsbild und die Ernährungsanamnese des Patienten.

Verstopfung mit einer klaren Ursache (Medikamente, Trauma, Bettruhe) kann symptomatisch ohne weitere Untersuchungen behandelt werden. Patienten mit Symptomen eines Darmverschlusses benötigen eine Abdomenleeraufnahme im Liegen und Stehen, möglicherweise einen Einlauf mit einem wasserlöslichen Kontrastmittel zur Beurteilung der Kolonobstruktion sowie eventuell ein CT oder eine Bariumkontrastdarstellung des Dünndarms (siehe auch Diagnose einer Darmverschlussstörung Diagnose Unter einem Darmverschluss versteht man eine signifikante mechanische Verschlechterung oder einen vollkommenen Stillstand des Transports von Darminhalt wegen einer Pathologie, die eine Verstopfung... Erfahren Sie mehr  Diagnose ). Die meisten Patienten ohne klare Ätiologie erfordern eine Koloskopie und eine Laboruntersuchung (vollständiges Blutbild, TSH, Nüchternglukose, Elektrolyte und Kalzium).

Weitere Untersuchungen bleiben in der Regel Patienten mit pathologischen Ergebnissen der oben diskutierten Tests vorbehalten oder jenen, die nicht auf eine symptomatische Behandlung ansprechen. Die aktuelle medizinische Stellungnahme zur Verstopfung der American Gastroenterological Association schlägt einen Versuch mit Ballaststoffen und/oder rezeptfreien Abführmitteln vor. Wenn dieser Versuch fehlschlägt, sollte eine anorektale Manometrie mit Ballonausstoß durchgeführt werden, um Erkrankungen des Beckenbodens zu identifizieren. Wenn die Manometrie negativ ausfällt und die primäre Beschwerde seltener Stuhlgang ist, sollten die Kolon-Transitzeiten mit röntgendichten Markern (Sitz-Markern), Szintigraphie oder einer drahtlosen Motilitätskapsel gemessen werden. Bei Patienten mit chronischer Verstopfung ist es wichtig, zwischen langsamer Transitobstipation (abnorme strahlenresistente Sitz-Marker-Kontrastmitteluntersuchung) und Dysfunktion der Beckenbodenmuskulatur (das Kontrastmittel wird nur im distalen Kolon zurückgehalten) zu unterscheiden.

Evaluationshinweis

Therapie

  • Möglicherweise Absetzen der verursachenden Medikamente (einige können notwendig sein)

  • Steigerung der Ballaststoffzufuhr

  • Ggf. Versuch mit einer kurzen Anwendung osmotischer Abführmittel

Jede identifizierte Ursache sollte behandelt werden,

Siehe Tabelle Substanzen zur Behandlung einer Verstopfung Wirkstoffe zur Behandlung von Verstopfungen Unter Obstipation versteht man erschwerten oder zu seltenen Stuhlgang, harte Stühle oder ein Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung. (Siehe auch Verstopfung bei Kindern.) Keine Körperfunktion... Erfahren Sie mehr für eine Zusammenfassung. Abführmittel sollten umsichtig angewandt werden. Einige (z. B. Phosphat, Kleie, Cellulose) binden Medikamente und interferieren mit deren Resorption. Eine schnelle Stuhlpassage kann die optimale Resorption von Medikamenten und Nahrungsmitteln einschränken. Kontraindikationen gegenüber Abführmaßnahmen bestehen in akuten abdominellen Schmerzen unbekannter Ursache, entzündlichen Darmkrankheiten, Darmverschluss, gastrointestinaler Blutung und Stuhleinklemmung.

Ernährung und Verhalten

Die Diät sollte eine ausreichende Ballaststoffmenge enthalten (typischerweise 15–20 g/Tag), um eine adäquate Stuhlmenge zu gewährleisten. Pflanzliche Ballaststoffe, die in der Mehrzahl unverdaulich und nichtresorbierbar sind, erhöhen die Stuhlmenge. Bestimme Komponenten der Ballaststoffe absorbieren Flüssigkeit, machen damit den Stuhl weicher und erleichtern die Passage. Früchte und Gemüse werden als Ballaststoffe besonders empfohlen, darüber hinaus auch Getreideflocken, die Kleie enthalten. Die zusätzliche Zufuhr von Ballaststoffen ist besonders wirksam bei der Behandlung der normalen Transit-Obstipation, ist aber nicht sehr wirksam bei der Slow-Transit-Obstipation oder bei Defäkationsstörungen.

Änderungen der Lebensweise können hilfreich sein. Die Patienten sollten versuchen, ihren Darm täglich zur selben Zeit zu entleeren, vorzugsweise 15-45 min nach dem Frühstück, da die Nahrungsaufnahme die Darmmotilität steigert. Initial können die Bemühungen für einen regelmäßigen, gemäßigten Stuhlgang durch glycerinhaltige Suppositorien unterstützt werden.

Patienten mit einer Zwangsstörung müssen wegen dieser Störung behandelt werden. Außerdem müssen die Ärzte erklären, dass tägliche Darmentleerungen nicht essenziell sind, dass dem Darm die Möglichkeit, von selber zu funktionieren, eingeräumt werden muss und dass der häufige Gebrauch von Abführmitteln oder Einläufen (mehr als einmal in drei Tagen) dem Darm diese Möglichkeit raubt.

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Typen von Abführmitteln

Füllende Substanzen (z. B. Psyllium, Kalziumpolycarbophil, Methylcellulose) wirken langsam und schonend und stellen die sichersten Substanzen für die Anregung der Darmentleerung dar. Die richtige Anwendung umfasst eine langsame Steigerung der Dosis – im Idealfall drei- bis viermal täglich mit einer ausreichenden Flüssigkeitsmenge (z. B. 500 ml/Tag zusätzliche Flüssigkeit) eingenommen, um eine Verhärtung zu verhindern –, bis weicher und massiger Stuhl gebildet wird. Blähungen können durch schrittweises Anheben der Ballaststoffmenge auf die empfohlene Dosis oder durch den Wechsel zu einer synthetischen Ballaststoffzubereitung wie Methylcellulose reduziert werden.

Osmotische Substanzen enthalten schwer resorbierbare polyvalente Ionen (z. B. Magnesium, Phosphat, Sulfat), Polymere (z. B. Polyethylenglykol) oder Kohlenhydrate (z. B. Lactulose, Sorbit), die im Darm verbleiben, somit den intraluminalen osmotischen Druck erhöhen und auf diese Weise Wasser ins Intestinum ziehen. Das entsprechend zunehmende Volumen des Darminhalts stimuliert die Peristaltik. Diese Substanzen wirken in der Regel innerhalb von 3 h.

Im Allgemeinen sind die osmotischen Abführmittel einigermaßen sicher auch bei regelmäßiger Anwendung. Allerdings sollte Natriumphosphat nicht als Präparat für die Darmreinigung verwendet werden, da es in seltenen Fällen selbst bei einmaliger Anwendung zu akutem Nierenversagen kommen kann. Diese Ereignisse traten in erster Linie bei älteren Patienten auf, und zwar bei solchen mit vorbestehenden Nierenerkrankungen und solchen, die Medikamente einnehmen, die die Nierendurchblutung oder -funktion (z. B. Diuretika, ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker) beeinflussen. Auch werden Magnesium und Phosphat teilweise resorbiert und können unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei Niereninsuffizienz) schädlich sein. Natrium (in einigen Anwendungen) kann eine Herzinsuffizienz verschlimmern. In großen und häufigen Dosen können diese Medikamente den Flüssigkeitshaushalt und die Elektrolytbalance stören. Ein weiterer Ansatz zur Darmreinigung für diagnostische Untersuchungen, präoperativ oder ggf. auch bei chronischer Verstopfung stellen große Volumina von ausgewogenen osmotischen Substanzen dar (Polyethylenglykolelektrolytlösung), die oral oder über eine Magensonde gegeben werden.

Sekretorische oder stimulierende Abführmittel (z. B. Phenolphthalein, Bisacodyl, Rizinusöl, Anthrachinone) wirken über eine Reizung der intestinalen Mukosa oder über eine direkte Stimulation der submukösen und myenterischen Plexus. Obwohl Phenolphthalein vom US-Markt zurückgezogen wurde, nachdem Tierversuche den Verdacht nahelegten, die Verbindung sei krebserzeugend, gibt es dafür beim Menschen keine epidemiologischen Beweise. Bisacodyl ist ein wirksames Medikament zur Behandlung bei chronischer Obstipation. Die Anthrachinone Senna, Kreuzdornrinde, Aloe und Rhabarber sind häufige Bestandteile von Kräuter- und freiverkäuflichen Abführmitteln. Sie gelangen unverändert in den Dickdarm, wo sie durch den bakteriellen Stoffwechsel in aktive Formen umgewandelt werden.

Nebenwirkungen sind allergische Reaktionen, Elektrolytstörungen, Melanosis coli und ein kathartisches Kolon. Melanosis coli bezeichnet eine bräunlich-schwarze kolorektale Pigmentierung unbekannter Zusammensetzung. Das kathartische Kolon bezieht sich auf Veränderungen der Dickdarmanatomie, wie sie sich bei Patienten mit chronischem Abführmittelgebrauch in der Bariumkontrastdarstellung zeigen. Ein kathartisches Kolon kann eine Verstopfung verursachen, was zu mehr Abführmitteln und damit zu mehr Verstopfung führt, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Unklar ist, ob das kathartische Kolon, das auf eine Zerstörung der Neuronen des Plexus myentericus durch Anthrachinone zurückgeführt wurde, durch die derzeit verfügbaren Substanzen oder andere neurotoxische Wirkstoffe (z. B. Podophyllin), die nicht mehr verfügbar sind, verursacht wird. Es scheint kein erhöhten Risiko für Darmkrebs mit einem langfristigen Anthrachinoneinsatz verbunden zu sein.

Es können Einläufe, inkl. Leitungswasser und handelsüblicher hypertoner Lösungen, angewandt werden.

Aufweichende Substanzen (z. B. Docusat, Mineralöl) bewirken eine langsame Aufweichung des Stuhls und erleichtern so die Passage. Allerdings sind sie keine wirkungsvollen Stimulatoren der Defäkation. Docusat ist eine oberflächenwirksame Substanz, die erlaubt, dass Wasser vom Stuhl aufgenommen wird und auf diese Weise dessen Masse aufweicht und vermehrt.

Peripher wirkende Mu-Opioid-Rezeptor-Antagonisten (PAMORAs; z. B. Methylnaltrexon, Naloxegol, Naldemedin) können zur Behandlung opioidinduzierter Obstipation eingesetzt werden, die sich mit anderen Maßnahmen nicht beheben lässt. Alvimopan ist ein Mu-Opioid-Antagonist, der für den kurzfristigen Einsatz im Krankenhaus bei chirurgischen Patienten zur Behandlung des postoperativen Ileus verfügbar ist.

Stuhleinklemmungen

Stuhleinklemmungen werden anfangs mit Einläufen von Leitungswasser, gefolgt von kleinen Einläufen (100 ml) von handelsüblichen hypertonen Lösungen, behandelt. Wenn diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen, kann eine manuelle Zerkleinerung und Ausräumung der Stuhlmasse erforderlich sein. Dieses Vorgehen ist schmerzhaft, sodass die perirektale und intrarektale Applikation von Lokalanästhetika (z. B. Lidocain 5% oder Dibucain 1%) empfohlen wird. Einige Patienten bedürfen einer Sedierung.

Geriatrische Grundlagen

Verstopfung ist bei älteren Menschen verbreitet aufgrund ballaststoffarmer Ernährung, mangelnder Bewegung, Begleiterkrankungen und der Verwendung von Medikamenten mit obstipierender Nebenwirkung. Viele ältere Menschen haben falsche Vorstellungen in Bezug auf die normale Darmtätigkeit und nutzen regelmäßig Abführmittel. Andere Veränderungen, die ältere Menschen für Verstopfung prädisponieren, sind eine erhöhte rektale Compliance und eine eingeschränkte rektale Reizempfindung (sodass größere Mengen im Rektum erforderlich sind, um den Wunsch nach Defäkation auszulösen).

Wichtige Punkte

  • Medikamentöse Ursachen sind häufig (z. B. Verwendung von Anticholinergika oder Opioiden).

  • An Darmverschluss ist immer zu denken, wenn eine akute und schwere Verstopfung vorliegt.

  • Wenn ein Versuch mit Ballaststoffen und/oder Abführmitteln fehlschlägt, sollte eine anorektale Manometrie mit Ballonausstoß durchgeführt werden, um eine Beckenbodendysfunktion auszuschließen.

Weitere Informationen

Dyschezie

Unter Dyschezie versteht man Schwierigkeiten bei der Defäkation. Die Patienten spüren das Vorhandensein des Stuhls und empfinden Stuhldrang, sind aber nicht in der Lage, Stuhl zu eliminieren. Diese Unfähigkeit beruht auf einem Koordinationsmangel von Beckenbodenmuskulatur und Analsphinkteren. Die Diagnose erfordert eine anorektale Untersuchung. Die Behandlung ist schwierig, Biofeedback kann sich jedoch günstig auswirken.

Ätiologie

Normalerweise wird bei der Stuhlentleerung der rektale Druck erhöht, bei gleichzeitiger Erschlaffung der externen Analsphinkteren. Dieser Prozess kann durch eine oder mehrere Störungen (z. B. eingeschränkte rektale Kontraktion, übermäßige Kontraktion der Bauchwand, paradoxe anale Kontraktion, Versagen der analen Erschlaffung) unklarer Ätiologie beeinflusst sein. Funktionelle Defäkationsstörungen manifestieren sich in jedem Alter. Im Gegensatz dazu wird die Hirschsprung-Krankheit Morbus Hirschsprung Der Morbus Hirschsprung ist eine angeborene Anomalie mit einer fehlenden Innervation des unteren Darms, die meistens auf das Kolon beschränkt ist und zu einer teilweisen oder vollständigen Obstruktion... Erfahren Sie mehr  Morbus Hirschsprung , die durch das Fehlen des rektoanalen inhibitorischen Reflexes charakterisiert ist, fast immer im Kindesalter oder in der Jugend diagnostiziert. Menschen mit Reizdarmsyndrom Reizdarmsyndrom (IBS) Das Reizdarmsyndrom ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Bauchbeschwerden oder Schmerzen mit mindestens zwei der folgenden Merkmale: Beziehung zum Stuhlgang, Assoziation mit einer Änderung... Erfahren Sie mehr (IBS) können einen gestörten Stuhlgang haben, der zu Dyschezie führt.

Symptome und Beschwerden

Der Patient hat oder hat nicht das Gefühl, dass Stuhl im Rektum ist. Trotz längerer Anstrengung ist die Stuhlentleerung mühsam oder gar unmöglich, dies gilt selbst für weiche Stühle oder Einläufe. Die Patienten klagen über anale Verstopfung und entfernen digital Stuhl aus ihrem Rektum oder manipulieren manuell Perineum oder Vagina, um Stuhl zu entleeren. Die tatsächliche Stuhlfrequenz kann oder kann nicht herabgesetzt sein.

Diagnose

  • Anorektale Manometrie und Rektalballonaustrieb

Untersuchungen des Rektums und des Beckens können eine Hypertonie der Beckenbodenmuskulatur und des Analsphinkters aufdecken. Bei der Abklärung zeigen die Patienten unter Umständen nicht die erwartete anale Erschlaffung oder perianale Senkung. Durch übermäßiges Drücken prolabiert die Rektumvorderwand bei Patienten mit eingeschränkter analer Entspannung in die Vagina; solche Rektozelen sind in der Regel eher eine sekundäre als eine primäre Störung. Eine lange bestehende Dyschezie mit chronischem Drücken beim Stuhlgang kann ein solitäres Geschwür oder einen Rektumprolaps unterschiedlicher Ausprägung, eine exzessive perianale Senkung oder eine Enterozele hervorrufen.

Eine anorektale Manometrie und rektale Ballonexpulsion, gelegentlich ergänzt durch eine Defäkations- oder Magnetresonanzproktographie, sind erforderlich, um den Zustand zu diagnostizieren.

Therapie

  • Biofeedback (Bioresonanz)

Da die Behandlung mit Abführmitteln unbefriedigend ist, ist es wichtig, die anorektale Funktion bei Patienten mit refraktärer Opstipation Opstipation Unter Obstipation versteht man erschwerten oder zu seltenen Stuhlgang, harte Stühle oder ein Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung. (Siehe auch Verstopfung bei Kindern.) Keine Körperfunktion... Erfahren Sie mehr einzuschätzen. Eine Biofeedback Biofeedback (Bioresonanz) Beim Biofeedback, eine Art Geist-Körper-Medizin (mind-body medicin) liefern elektronische Geräte Informationen über biologische Funktionen des Patienten (wie z. B. Herzfrequenz, Blutdruck, Muskelaktivität... Erfahren Sie mehr -Therapie kann die Koordinierung zwischen abdomineller Kontraktion und Entspannung des Beckenbodens beim Stuhlgang verbessern und dadurch zur Linderung der Symptome beitragen. Allerdings wird das Beckenbodentraining bei Defäkationsstörungen nur in hoch spezialisierten und ausgewählten Zentren angeboten. Ein interdisziplinärer Ansatz (Physiotherapeuten, Diätassistenten, Verhaltenstherapeuten, Gastroenterologen) ist erforderlich.

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